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作者: 当前章节:15381 字 更新时间:2026-6-19 08:06

dachte sie.

Nachdem Aomame dem Fahrer ihr Ziel mitgeteilt hatte,

lie. sie sich tief in den Sitz zurücksinken und schloss die

Augen. Momentan warteten die beiden M.nner in den

dunklen Anzügen wohl noch immer darauf, dass ihr

Oberhaupt aufwachte. Aomame sah vor sich, wie der

Kahlk.pfige hin und wieder einen Blick auf seine Uhr warf.

W.hrend er seinen Kaffee trank, dachte er über seine

Aufgabe nach. Er grübelte. Vielleicht war ihm der Schlaf

des Leaders zu ruhig. Aber er schlief stets tief und

ger.uschlos. Ohne Schnarchen und lautes Atmen. Also war

alles wie immer. Er würde zwei Stunden schlafen, hatte die

Frau gesagt. Und dass diese Zeitspanne n.tig sei, damit

seine Muskeln sich erholten. Es war noch nicht einmal eine

Stunde vergangen. Aber irgendetwas machte ihn nerv.s.

Vielleicht sollte er doch lieber nachsehen. Er war unsicher.

Doch die eigentliche Gefahr war der Typ mit dem

Pferdeschwanz. Aomame erinnerte sich noch lebhaft an die

Aura aufflackernder Gewalt, die von ihm ausgegangen war,

als sie das Zimmer verlassen hatte. Er war ein Mann, der

nicht viele Worte machte, aber über einen ausgepr.gten

Instinkt verfügte. Wahrscheinlich war er ein

hervorragender Kampfsportler. Weit f.higer, als sie

angenommen hatte. Ihre eigene Kampfsporttechnik h.tte

ihr wahrscheinlich nichts genützt. Er h.tte ihr nicht einmal

genug Zeit gelassen, ihre Waffe zu ziehen. Doch

glücklicherweise war er kein Profi. Bevor er seine Intuition

in die Tat hatte umsetzen k.nnen, hatte sich sein Verstand

eingeschaltet. Er war daran gew.hnt, Befehle zu

empfangen. Anders als Tamaru. Tamaru h.tte erst

nachgedacht, nachdem er den Gegner gepackt und au.er

Gefecht gesetzt h.tte. An erster Stelle stand das Handeln.

Er vertraute v.llig auf seinen Instinkt, der logische Schluss

kam sp.ter. Z.gerte man auch nur einen Augenblick, war

es zu sp.t. Das wusste er.

Als Aomame sich an diesen Moment erinnerte, brach ihr

unter den Achseln der Schwei. aus. Sie schüttelte stumm

den Kopf. Ich hatte Glück. Zumindest konnte ich es

vermeiden, lebendig am Tatort gefangen genommen zu

werden. Von nun an muss ich sehr aufpassen. Auf Tamaru

h.ren. Aufpassen und durchhalten, darauf kommt es an.

Ein Augenblick der Unachtsamkeit, und die Gefahr ist da.

Der Taxifahrer war ein gespr.chiger, hilfsbereiter Mann in

mittlerem Alter. Er holte einen Stadtplan hervor, hielt an,

schaltete den Taxameter ab, suchte nach der Adresse und

fuhr sie direkt vor das Haus. Aomame bedankte sich und

stieg aus. Es war ein fünfst.ckiges elegantes, neues

Geb.ude, mitten in einem Wohnviertel. Am Eingang war

niemand zu sehen. Aomame gab 2831 ein, das automatische

Schloss entriegelte sich, und die Tür ging auf. Mit dem

kleinen, aber sehr sauberen Aufzug fuhr sie in den zweiten

Stock. Als sie ausstieg, sah sie als Erstes nach, wo sich

Notausgang und Treppe befanden. Sie l.ste den mit

Klebeband befestigten Schlüssel von der Fu.matte, schloss

auf und betrat die Wohnung. Beim .ffnen der Tür

schaltete sich automatisch die Flurbeleuchtung ein. Es

herrschte der charakteristische Geruch neuer Geb.ude.

M.bel und Elektroger.te waren offenbar auch nagelneu

und wiesen keine Gebrauchsspuren auf. Wahrscheinlich

hatte man sie gerade erst aus dem Karton befreit und die

Plastikfolie entfernt. Es sah aus, als sei jemand in einen

Designerladen gegangen und habe alles in einem Schwung

gekauft, um damit eine Musterwohnung einzurichten. Alle

Gegenst.nde waren schlicht und funktional, aber nichts

Lebendiges ging von ihnen aus.

Links vom Eingang lagen Ess- und Wohnbereich. Ein Flur

führte zu Toilette und Bad. Dahinter lagen zwei

Schlafzimmer. In dem einen stand ein schon bezogenes

franz.sisches Bett. Die Jalousien waren heruntergelassen.

Wenn man das Fenster zur Stra.e .ffnete, ert.nte wie

fernes Meeresrauschen der Verkehrsl.rm auf der

Ringstra.e 7. Bei geschlossenem Fenster war so gut wie

nichts zu h.ren. Vom Wohnzimmer ging ein kleiner Balkon

ab, von dem man, durch eine Stra.e getrennt, auf einen

kleinen Park mit Schaukeln, einer Rutschbahn, einem

Sandkasten und .ffentlichen Toiletten blickte. Eine hohe

Quecksilberlaterne lie. die Umgebung unnatürlich hell

erscheinen. Ein gro.er Keyakibaum breitete seine .ste über

dem Spielplatz aus. Das Apartment lag im zweiten Stock,

aber in der n.heren Umgebung gab es keine hohen

Geb.ude, sodass sie keine unerwünschten Blicke zu

fürchten hatte.

Aomame dachte an die billige Wohnung in Jiyugaoka, die

sie vor kurzem verlassen hatte. Das Haus war ziemlich alt

und nicht gerade sauber gewesen, hin und wieder hatte es

Kakerlaken gegeben. Ganz zu schweigen von den dünnen

W.nden. Sie konnte wirklich nicht behaupten, dass sie

daran gehangen hatte. Aber jetzt sehnte sie sich dorthin

zurück. In dem sterilen anonymen Apartment, in dem alles

nagelneu war, fühlte sie sich wie ein Mensch ohne Namen,

dem man sein Ged.chtnis und seine Individualit.t geraubt

hatte.

Sie .ffnete den Kühlschrank. In der Tür standen vier kalte

Dosen Heineken. Aomame riss eine davon auf und nahm

einen Schluck. Sie schaltete den Fernseher mit dem 21-Zoll-

Bildschirm ein und setzte sich davor, um sich die

Nachrichten anzuschauen. Es wurde über das Gewitter und

die ungew.hnliche Konzentration des Regens berichtet.

Wichtigste Meldung war die überflutung der Station

Akasaka-mitsuke und der Ausfall der Linien Marunouchi

und Ginza. Die Regenmassen waren wasserfallartig die

Stufen zum Bahnhof hinuntergeflossen. In .lzeug gehüllte

Bahnbeamte hatten Sands.cke vor die Eing.nge gepackt,

aber es war bereits zu sp.t gewesen. Der U-Bahn-Verkehr

musste eingestellt werden, Aussicht auf Weiterfahrt

bestand nicht. Ein Reporter hielt auf ihrer Heimfahrt

gestrandeten Passanten sein Mikrofon unter die Nase und

fragte sie nach ihrer Meinung. Einige beschwerten sich,

dass der Wetterbericht am Morgen einen v.llig klaren Tag

angekündigt habe.

Aomame sah sich die Sendung bis ganz zu Ende an, aber

der Tod des Vorreiter-Oberhaupts wurde natürlich nicht

erw.hnt. Die beiden Leibw.chter warteten wahrscheinlich

noch im Nebenzimmer, dass die zwei Stunden vergingen.

Erst dann würden sie die Wahrheit erfahren. Sie nahm den

Beutel aus ihrer Reisetasche, zog die Heckler & Koch hervor

und legte sie auf den Esstisch. Die in Deutschland

hergestellte Pistole wirkte seltsam stumm und brutal. Und

so unendlich schwarz. Doch immerhin schien sie in der

sterilen, stereotypen Wohnung einen gewissen Punkt der

Intensit.t zu schaffen. .Szene mit Automatikpistole.,

murmelte Aomame. Ein guter Titel für ein Gem.lde.

Jedenfalls musste sie die Waffe von nun an immer bei sich

tragen. Sie stets griffbereit haben. Um jederzeit sich selbst

oder einen anderen erschie.en zu k.nnen.

Mit den Lebensmitteln, die in dem gro.en Kühlschrank

bereitgestellt waren, konnte sie notfalls etwa einen halben

Monat lang auskommen. Obst und Gemüse waren da und

einige fertige Gerichte zum sofortigen Verzehr. Im Eisfach

waren verschiedene Sorten Fleisch, Fisch und Brot

eingefroren. Sogar Eiscreme gab es. Im Küchenschrank

befanden sich alle m.glichen fertigen Sachen, Dosen und

eine ganze Palette g.ngiger Gewürze. Reis und Nudeln

waren auch vorhanden. Reichlich Mineralwasser und je

zwei Flaschen Rot- und Wei.wein standen bereit. Wer all

diese Dinge besorgt hatte, wusste sie nicht, aber die Person

schien an alles gedacht zu haben. Im Moment fiel ihr nichts

ein, das fehlte.

Da sie ein wenig hungrig war, schnitt sie sich Stücke von

einem Camembert ab, die sie zu ein paar Crackern

verzehrte. Nachdem sie den K.se zur H.lfte gegessen hatte,

wusch sie eine Stange Sellerie und knabberte sie mit etwas

Mayonnaise.

Sp.ter zog sie der Reihe nach die Schubladen der

Schlafzimmerkommode auf. In der obersten fand sie einen

Schlafanzug und einen dünnen Bademantel. Sie waren neu

und noch in Plastikfolie verpackt. Alles sehr

vorausschauend. In der n.chsten Schublade lagen T-Shirts,

drei Paar Socken, Strümpfe und Unterw.sche zum

Wechseln. Die schlichten wei.en, zum Design der M.bel

passenden Sachen waren s.mtlich noch verpackt. Sie fühlte

sich ein bisschen wie in der Bibliothek von Jay Gatsby. Die

Bücher waren echt, aber die Seiten noch nicht

aufgeschnitten. Wahrscheinlich waren es die gleichen

Sachen, die man auch den Neuank.mmlingen im

Frauenhaus zur Verfügung stellte. Alles war von solider

Qualit.t und vermittelte ein wenig den Eindruck von

.Hilfsgütern..

Im Bad stand alles N.tige bereit – Shampoo, Spülung,

Hautcreme und Eau de Cologne. Da Aomame

normalerweise kein Make-up verwendete, beschr.nkte sich

das Sortiment auf das N.tigste. Zahnbürste, Zahnseide und

Zahnpasta waren auch da. Ebenso eine Haarbürste,

Wattest.bchen, Rasierer, eine kleine Schere,

Monatsbinden. Sogar ein Vorrat an Toilettenpapier und

Kosmetiktüchern war vorhanden. In einem Schrank

stapelten sich ordentlich gefaltete Bade- und

Gesichtshandtücher. An alles war gedacht, und alles war

gewissenhaft angeordnet.

In der Erwartung, Garderobe und Schuhe – natürlich von

Armani und Ferragamo – in ihrer Gr..e vorzufinden,

.ffnete Aomame den Kleiderschrank. Aber sie wurde

entt.uscht, der Schrank war leer. So weit war man dann

doch nicht gegangen. Ihre Helfer wussten offenbar, wo die

Sorgfalt aufh.rte und die übertreibung begann. Au.erdem

würde sie, w.hrend sie hier war, wohl kaum in eine

Situation geraten, in der sie Ausgehgarderobe brauchte. Auf

unn.tige Dinge hatte man verzichtet. Kleiderbügel gab es

allerdings im überfluss.

Aomame packte ihre Reisetasche aus und h.ngte ihre

Sachen auf, nachdem sie sich bei jedem einzelnen Stück

überzeugt hatte, dass es nicht zerknittert war. Ihr war klar,

dass es für den Fall einer überstürzten Flucht besser

gewesen w.re, sie in der Tasche zu lassen, aber wenn es auf

dieser Welt etwas gab, das Aomame verabscheute, dann

war es zerknitterte Kleidung.

Zum eiskalten Profigangster habe ich wohl nicht das

Zeug, dachte sie. Sich in so einem Moment Gedanken über

zerdrückte Kleidung zu machen! Pl.tzlich musste sie an

eine Unterhaltung denken, die sie irgendwann mit Ayumi

geführt hatte.

.DU MEINST, GELD UNTER DER MATRATZE

VERSTECKEN, DAMIT MAN ES HERAUSZIEHEN UND

AUS DEM FENSTER ABHAUEN KANN, WENN ES ENG

WIRD..

.Genau, genau., hatte Ayumi gerufen und mit den

Fingern geschnippt. .Wie in Getaway. Diesem Film mit

Steve McQueen. Dollarbündel und Shotguns. Das gef.llt

mir..

.Kein sehr vergnügliches Dasein., sagte Aomame zur

Wand.

Sie ging ins Bad, zog sich aus und stieg unter die Dusche.

Mit hei.em Wasser spülte sie sich das unangenehm

verschwitzte Gefühl vom K.rper. Anschlie.end setzte sie

sich an die Küchentheke, trank das restliche Bier und

rubbelte sich dabei mit einem Handtuch die nassen Haare.

Heute hat sich einiges vorw.rtsbewegt, dachte Aomame.

Knack hat’s gemacht, und das Zahnrad ist weitergerückt.

Und wenn sich ein Zahnrad einmal vorw.rts bewegt hat,

l.sst es sich nicht mehr zurückdrehen. Das ist das Gesetz

der Welt.

Aomame nahm die Pistole, richtete sie auf sich und

steckte sich den Lauf in den Mund. Hart und kalt fühlte

sich der Stahl an ihren Vorderz.hnen an. Es schmeckte

nach Schmier.l. Jetzt k.nnte sie sich das Gehirn wegblasen.

Sie br.uchte nur den Hahn zu spannen und den Abzug zu

drücken. Und alles w.re sofort zu Ende. Sie müsste nicht

mehr denken. Und nicht mehr flüchten.

Aomame fürchtete sich nicht vor dem Tod. Ich sterbe,

damit Tengo am Leben bleibt, dachte sie. Er wird von nun

an in der Welt mit den zwei Monden leben. Aber ich

geh.re nicht mehr dazu. Ich werde ihn nie wiedersehen.

Auf keiner Welt, weder in dieser noch in einer anderen.

Zumindest hat das der Leader gesagt.

Noch einmal schaute Aomame sich um. Es sieht hier

wirklich aus wie in einer Musterwohnung, dachte sie.

Sauber und einheitlich. Alles Notwendige ist vorhanden.

Aber es ist unpers.nlich und kalt, wie eine Pappkulisse. An

einem solchen Ort zu sterben w.re nicht gerade erfreulich.

Aber konnte der Tod überhaupt jemals erfreulich sein?

Selbst wenn man diese Kulisse durch eine anheimelndere

ersetzen würde? War nicht letzten Endes die ganze Welt

blo. eine riesige Musterwohnung? Man kam rein, setzte

sich hin, trank Tee, schaute aus dem Fenster, und wenn es

Zeit wurde, bedankte man sich und ging. S.mtliche

Einrichtungsgegenst.nde waren nicht mehr als l.ppische

Imitationen. Wahrscheinlich waren sogar die Monde vor

dem Fenster aus Pappe.

Aber ich liebe Tengo, dachte Aomame. Leise sprach sie

die Worte aus. Ich liebe Tengo. Das ist kein Tingeltangel.

Wir befinden uns jetzt im Jahr 1Q84, in einer wirklichen

Welt, in der Blut flie.t. Schmerz war überall Schmerz, und

Angst war überall Angst. Die Monde am Himmel waren

nicht aus Pappe. Sie waren echt. Alle beide. Ein Paar echter

Monde. Und auf dieser Welt werde ich freiwillig für Tengo

in den Tod gehen. Und mir von niemandem sagen lassen,

das w.re von Pappe.

Aomame warf einen Blick auf die runde Uhr, die an einer

Wand hing. Ein schlichtes Design von der Firma Braun.

Passend zur Heckler & Koch. Abgesehen von der Uhr waren

die W.nde kahl. Es war ungef.hr zehn Uhr. Die Stunde, in

der die beiden M.nner die Leiche des Leaders entdecken

würden, rückte n.her.

Im Schlafzimmer einer Suite des Hotel Okura war ein

Mann gestorben. Ein au.ergew.hnlicher, stattlicher Mann.

Er war in eine andere Welt hinübergegangen. Nichts und

niemand konnte ihn wieder auf diese Seite zurückbringen.

Und jetzt beginnt die Geisterstunde.

KAPITEL 16

Tengo

Wie ein Geisterschiff

Wie würde die Welt morgen aussehen?

.Das wei. niemand., sagte Fukaeri.

Doch als Tengo am n.chsten Morgen erwachte, machte es

nicht den Eindruck, als habe die Welt sich in der Nacht

zuvor ver.ndert. Die Uhr an seinem Kopfende stand auf

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