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作者: 当前章节:15381 字 更新时间:2026-6-19 08:06

sich selbst wünschte, sozusagen ein schmerzloser

Gnadentod, so hatte sie doch mit ihren eigenen H.nden

das Leben eines Menschen beendet. Ein Menschenleben

war vielleicht existentiell einsam, aber es spielte sich nicht

isoliert ab, war immer auch mit anderen Leben verbunden.

Auch dafür musste sie wahrscheinlich eine Form von

Verantwortung tragen.

Tengo ist ebenso unentrinnbar wie ich in diese Kette von

Ereignissen verstrickt, dachte Aomame. Und Eriko Fukada

ist das Glied, das uns verbindet. Perceiver und Receiver. Wo

Tengo wohl gerade ist? Und was er macht? Ob er etwas mit

dem Verschwinden von Eriko Fukada zu tun hat? Ob die

beiden im Moment auch gemeinsam vorgehen? Natürlich

ist aus den Nachrichten rein gar nichts über Tengos

Schicksal zu erfahren. Offenbar wei. bisher noch niemand,

dass er der eigentliche Autor von Die Puppe aus Luft ist.

Aber ich wei. es.

Anscheinend wird die Distanz zwischen uns nach und

nach immer geringer. Gewisse Umst.nde haben uns beide

in diese Welt hier geführt. Wir kommen einander immer

n.her, als würden wir in einen gro.en Strudel gesogen

werden. Vielleicht ist es ein t.dlicher Strudel. Aber nach

den Worten des Leaders h.tte es für uns ohnehin nie die

M.glichkeit einer Begegnung ohne t.dlichen Ausgang

gegeben. Genau wie durch Gewalt eine gewisse Art von

reiner Verbindung entsteht.

Aomame atmete einmal tief durch. Dann streckte sie die

Hand nach der auf dem Tisch liegenden Heckler & Koch

aus, um die H.rte des Metalls zu spüren. Sie stellte sich vor,

wie sie sich den Lauf in den Mund schob und abdrückte.

Pl.tzlich landete eine gro.e Kr.he auf dem

Balkongel.nder und kr.chzte mehrmals kurz und

durchdringend. Eine Weile beobachteten Aomame und die

Kr.he einander durch die Glasscheibe. Den Kopf schr.g

gelegt, folgte die Kr.he mit gro.en gl.nzenden Augen

Aomames Bewegungen. Es kam ihr vor, als erriete die

Kr.he die Bedeutung der Waffe in ihrer Hand. Kr.hen sind

kluge V.gel. Sie verstehen, dass ein Stück Eisen wie dieses

von schwerwiegender Bedeutung ist. Sie wissen nicht,

warum, aber sie wissen, dass es so ist.

Unvermutet breitete die Kr.he die Flügel aus und flog

ebenso rasch davon, wie sie gekommen war. Als habe sie

alles gesehen, was sie sehen wollte. Aomame stand auf,

schaltete den Fernseher ab und seufzte. Hoffentlich war die

Kr.he keine Spionin der Little People gewesen.

Aomame absolvierte auf dem Teppich im Wohnzimmer

ihre gewohnten Dehnübungen. Eine Stunde lang marterte

sie ihre Muskeln. Einen nach dem anderen unterzog sie

einer gründlichen und strengen Prüfung. Aomame hatte

sich Bezeichnung, Rolle und Eigenschaften jedes einzelnen

Muskels bis ins Detail eingepr.gt. Sie überging keinen

einzigen. Der Schwei. floss in Str.men, ihre Atemorgane

und ihr Herz arbeiteten auf Hochtouren, und ihr

Bewusstsein schaltete automatisch von einem Programm

zum n.chsten um. Aomame lauschte dem Rauschen ihres

Blutes und den stummen Botschaften, die ihre Organe

aussandten. Beim Verarbeiten dieser Botschaften bewegten

sich ihre Gesichtsmuskeln, als würde sie Grimassen

schneiden.

Anschlie.end wusch sie sich unter der Dusche den

Schwei. ab. Sie stellte sich auf die Waage und überzeugte

sich, dass ihr Gewicht sich kaum ver.ndert hatte. Vor dem

Spiegel vergewisserte sie sich, dass auch die Gr..e ihres

Busens und der Zustand ihrer Schamhaare gleich geblieben

waren, und zog eine Fratze. Wie jeden Morgen.

Als Aomame aus dem Bad kam, schlüpfte sie in einen

bequemen Trainingsanzug. Um sich die Zeit zu vertreiben,

beschloss sie, die Wohnung noch einmal ganz genau in

Augenschein zu nehmen. Sie begann in der Küche. Welche

Lebensmittel standen bereit, welches Geschirr und welche

Küchenger.te gab es? Sie pr.gte sich jeden einzelnen

Gegenstand ein und stellte einen ungef.hren Plan auf, in

welcher Reihenfolge der Lebensmittelvorrat am besten zu

verbrauchen war. Nach ihren Berechnungen konnte sie

mindestens zehn Tage davon leben, ohne zu hungern, auch

wenn sie das Haus nicht verlie.. Bei bewusst sparsamem

Umgang würden die bereitgestellten Nahrungsmittel

wahrscheinlich sogar zwei Wochen reichen.

Anschlie.end erforschte sie den Bestand an

Haushaltsartikeln: Toilettenpapier, Papiertaschentücher,

Waschmittel, Mülltüten. Es fehlte an nichts. Alles war mit

gro.er Sorgfalt eingekauft worden. Wahrscheinlich war an

den Vorbereitungen eine Frau beteiligt gewesen. Sie lie.en

eine routinierte hausfrauliche Vorausschau erkennen.

Gewissenhaft und bis ins Detail war berechnet worden, was

und wie viel davon eine etwa drei.igj.hrige, gesunde,

ledige Frau für einen kurzen Zeitraum zum Leben brauchte.

Ob ein Mann das wohl auch gekonnt h.tte? Vielleicht

einer, der schwul war und über eine scharfe

Beobachtungsgabe verfügte.

Im W.scheschrank im Schlafzimmer waren eine Reihe

Laken und Decken sowie Bett- und Kissenbezüge gestapelt.

Alles verstr.mte den Geruch neuer – natürlich wei.er –

Bettw.sche. Man hatte jede Art von Verzierung peinlich

vermieden. Pers.nlicher Geschmack und Individualit.t

waren hier nicht gefragt.

Im Wohnzimmer standen das Fernsehger.t, ein

Videorekorder und eine kleine Stereoanlage mit

Plattenspieler und Kassettenrekorder. An der Wand

gegenüber dem Fenster befand sich ein etwa hüfthohes

Sideboard aus Holz. Aomame bückte sich und .ffnete die

Türen. Etwa zwanzig Bücher waren darin aufgereiht.

Irgendjemand – wer, wusste sie nicht – hatte wohl dafür

sorgen wollen, dass Aomame sich in ihrem Versteck nicht

langweilte. Es waren ausschlie.lich gebundene Bücher, die

allem Anschein nach niemals aufgeschlagen worden waren.

Beim überfliegen der Titel fiel ihr auf, dass es sich vor

allem um bekannte Neuerscheinungen handelte. Obwohl

man sie wahrscheinlich dem allgemeinen Angebot einer

gro.en Buchhandlung entnommen hatte, war so etwas wie

ein Auswahlkriterium erkennbar. Auch wenn sie sich nicht

auf bestimmte Interessengebiete bezogen, hatte sich doch

jemand etwas dabei gedacht. Bei der einen H.lfte handelte

es sich um Sachbücher, bei der anderen um Belletristik.

Auch Die Puppe aus Luft war dabei.

Mit einem kurzen Nicken nahm Aomame dieses Buch

heraus und setzte sich auf die in mildes Sonnenlicht

getauchte Wohnzimmercouch. Es war schmal, leicht und

einigerma.en gro. gedruckt. Sie betrachtete den Einband,

auf dem der Name .Fukaeri. stand. Sie wog es auf der

Handfl.che und las die Werbung auf der Banderole. Sie

roch daran. Es hatte den charakteristischen Geruch von

Neuerscheinungen. Tengos Name war natürlich nicht

abgedruckt, dennoch war sein Wesen darin enthalten. Die

S.tze hatten seinen K.rper passiert. Nachdem Aomame

sich etwas beruhigt hatte, schlug sie die erste Seite auf.

Teetasse und Heckler & Koch waren in Reichweite.

KAPITEL 18

Tengo

Ein einsamer stummer Trabant

.Sie ist vielleicht ganz in der N.he., hatte Fukaeri gesagt,

nachdem sie auf ihrer Unterlippe gekaut und eine Weile

ernsthaft überlegt hatte.

Die H.nde auf dem Tisch verschr.nkt, sah Tengo Fukaeri

an. .Ganz in der N.he? Hei.t das, in Koenji?.

.Man k.nnte zu Fu. hingehen..

Tengo h.tte sie gern gefragt, woher sie das wisse, aber

eine Antwort h.tte er ohnehin nicht bekommen. Das

kannte er mittlerweile. Fukaeri musste man konkrete

Fragen stellen, die sie mit Ja oder Nein beantworten

konnte.

.Wenn ich also hier in der Gegend suchen würde, k.nnte

ich Aomame begegnen?., fragte er.

Fukaeri schüttelte den Kopf. .Einfach herumlaufen hilft

nichts..

.Sie h.lt sich zwar in Gehweite von hier auf, aber nur

durch Herumlaufen und Suchen kann ich sie nicht finden.

Ist es so?.

.Weil sie sich versteckt..

.Versteckt?.

.Wie eine verletzte Katze..

Tengo stellte sich vor, wie Aomame sich zusammengerollt

unter irgendeiner modrigen Veranda verbarg. .Warum und

vor wem versteckt sie sich?., fragte er.

Natürlich bekam er keine Antwort.

.Aber dass sie sich versteckt, bedeutet doch letztlich, dass

sie sich in Gefahr befindet, oder?., fragte Tengo.

.In Gefahr., wiederholte Fukaeri und machte ein Gesicht

wie ein kleines Kind, dem man eine bittere Medizin unter

die Nase h.lt. Wahrscheinlich beunruhigte sie der Klang

des Wortes.

.Wird sie von jemandem verfolgt oder so?.

Fukaeri neigte den Kopf leicht zur Seite. Ich wei. nicht,

hie. das. .Aber sie wird nicht ewig in dieser Gegend

bleiben..

.Die Zeit ist also begrenzt..

.Ja, begrenzt..

.Aber sie versteckt sich irgendwo, wie eine verwundete

Katze. Deshalb wird sie nicht gemütlich in der Gegend

herumspazieren..

.Nein, das macht sie nicht., sagte das sch.ne M.dchen

entschieden.

.Also muss ich an einem ganz bestimmten Ort nach ihr

suchen..

Fukaeri nickte.

.Was für ein bestimmter Ort?., fragte Tengo.

Unn.tig zu sagen, dass die Antwort ausblieb.

.Sie haben Erinnerungen an sie., sagte Fukaeri nach einer

Weile. .Vielleicht nutzen die etwas..

.Du meinst, irgendetwas aus meiner Erinnerung k.nnte

mir einen Hinweis auf ihr Versteck geben?.

Statt einer Antwort kam nur ein leichtes Achselzucken,

das eventuell eine zustimmende Nuance enthielt.

.Danke., sagte Tengo.

Fukaeri nickte leicht. Sie sah aus wie eine zufriedene

Katze.

Tengo bereitete in der Küche das Abendessen vor,

w.hrend Fukaeri die Schallplatten im Regal akribisch

durchsah. Nicht dass es besonders viele gewesen w.ren,

aber sie lie. sich Zeit. Am Ende entschied sie sich für ein

altes Album der Rolling Stones, legte die Platte auf und

setzte die Nadel in die Rille. Tengo hatte sie sich in seiner

Oberschulzeit von jemandem geliehen und aus

irgendeinem Grund nicht zurückgegeben. Er hatte sie

schon sehr lange nicht mehr geh.rt.

Zu den Kl.ngen von .Mother’s little helper. und .Lady

Jane. machte Tengo ein Pulao aus braunem Reis, Schinken

und Pilzen und dazu eine Misosuppe mit Tofu und

Wakame-Algen. Er kochte Blumenkohl mit einer

Curryso.e, die noch übrig war, und mischte einen Salat aus

Bohnen und Zwiebeln. Die Zubereitung von Mahlzeiten fiel

Tengo nicht schwer. Er hatte die Angewohnheit, beim

Kochen über allt.gliche Probleme, mathematische

Aufgaben, Literatur oder metaphysische Thesen

nachzudenken. W.hrend er in der Küche stand und

manuelle Arbeiten verrichtete, konnte er seine Gedanken

besser ordnen, als wenn er unt.tig war. Doch alles Grübeln

nutzte nichts, er hatte keine Ahnung, wo der .bestimmte

Ort. sein sollte, von dem Fukaeri gesprochen hatte. All

seine Versuche, Ordnung in das Chaos zu bringen, blieben

vergeblich. Die Ergebnisse, zu denen er gelangte, waren

mehr als dürftig.

Die beiden sa.en einander gegenüber am Tisch und

nahmen ihr Abendessen ein. Sie sprachen kaum. Jeder hing

seinen Gedanken nach, w.hrend sie sich schweigend die

Speisen in den Mund schoben wie alte Eheleute, die sich

gegenseitig satthatten. Vielleicht dachten sie auch gar

nichts. In Fukaeris Fall zumindest war der Unterschied

nicht leicht zu bestimmen. Als sie fertig waren, trank Tengo

eine Tasse Kaffee, und Fukaeri nahm sich einen Pudding

aus dem Kühlschrank. Ihr Gesichtsausdruck blieb immer

gleich, egal was sie a.. Eigentlich wirkte es, als kaue sie nur.

Tengo setzte sich an den Schreibtisch. Er wollte ihren

Hinweis befolgen und sich an Aomame erinnern.

Sie haben Erinnerungen an sie. Vielleicht nutzen die

etwas.

Aber Tengo konnte sich nicht auf seine Aufgabe

konzentrieren. Fukaeri hatte ein anderes Rolling-Stones-

Album aufgelegt. Es erklang .Little red rooster. –

entstanden, als Mick Jagger so begeistert vom Chicago

Blues war. Gar nicht schlecht. Aber nicht das Richtige für

jemanden, der vorhat, ernsthaft nachzudenken und in

seinen Erinnerungen zu graben. Dazu waren die Rolling

Stones wohl kaum geeignet. Er musste an einem ruhigen

Ort für sich sein.

.Ich gehe ein bisschen raus., sagte Tengo.

Fukaeri nickte gleichgültig, w.hrend sie die Hülle des

Stones-Albums betrachtete.

.Wenn jemand kommt, machst du nicht auf, ja?., sagte

er.

Tengo verlie. in Turnschuhen, einem dunkelblauen T-

Shirt mit langen .rmeln und khakifarbenen Chinos, aus

denen jeder Anflug von Bügelfalte verschwunden war, die

Wohnung und ging in Richtung Bahnhof. Kurz davor betrat

er ein kleines Lokal mit Namen Mugiatama –

.Gerstenkopf. –, wo er sich ein Bier vom Fass bestellte.

Tengo kannte den Gerstenkopf von früher. Es gab dort

Platz für etwa zwanzig Personen, und man servierte

alkoholische Getr.nke und kleine Speisen. Sp.tabends

wimmelte es von jungen Leuten, aber zwischen sieben und

acht gab es nur wenige G.ste. Die Atmosph.re war ruhig

und angenehm. Woher der Name des Lokals kam und was

er bedeuten sollte, wusste Tengo nicht. Er h.tte die

Bedienung fragen k.nnen, aber zwanglose Gespr.che mit

Fremden waren nicht gerade seine St.rke. Au.erdem fehlte

ihm nichts, wenn er die Herkunft des Namens nicht

kannte. Es war einfach ein sehr gemütliches Lokal, das eben

Gerstenkopf hie..

Rücksichtsvollerweise wurde keine Musik gespielt. Tengo

setzte sich an einen Tisch am Fenster und dachte an

Aomame. Dabei trank er sein Carlsberg vom Fass und

knabberte eine Nussmischung aus einer kleinen Schale. Er

sah sich selbst als Zehnj.hrigen. Sein Leben erreichte

damals einen Wendepunkt. Nachdem Aomame seine Hand

genommen hatte, hatte er sich geweigert, seinen Vater

weiter beim Kassieren der Gebühren für NHK zu begleiten.

Bald darauf hatte er eine deutliche Erektion und einen

Samenerguss erlebt. Natürlich w.re diese Wende auch

eingetreten, wenn Aomame seine Hand nicht gedrückt

h.tte. Früher oder sp.ter. Aber sie hatte ihm Mut gemacht

und so die Ver.nderung beschleunigt. Es war, als habe sie

ihm einen Schubs gegeben.

Er spreizte seine linke Hand und betrachtete sie. Ein

zehnj.hriges M.dchen hatte sie gedrückt und damit eine

gewaltige Ver.nderung in ihm hervorgerufen. Wie das

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