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作者: 当前章节:15379 字 更新时间:2026-6-19 08:06

gro.e Quecksilberlaterne, die ihn bis in den letzten Winkel

ausleuchtete. Auch ein noch üppig belaubter gro.er

Keyakibaum stand dort. Ansonsten gab es noch ein paar

niedrige Str.ucher, einen Trinkbrunnen, B.nke, eine

Schaukel und eine Rutschbahn. Eine .ffentliche Toilette

war auch vorhanden, aber die wurde wohl bei

Sonnenuntergang von einem st.dtischen Angestellten

verschlossen. Wahrscheinlich um Obdachlose

fernzuhalten. Tagsüber plauderten hier junge Mütter

lebhaft miteinander, w.hrend ihre Kleinen spielten. Tengo

hatte das schon mehrmals beobachtet. Aber nach

Sonnenuntergang kam fast niemand mehr her.

Tengo stieg auf die Rutschbahn und blickte im Stehen

zum n.chtlichen Himmel. Auf der Nordseite des Parks

stand ein neues fünfst.ckiges Apartmenthaus, das früher

nicht dort gewesen war. Anscheinend war es erst kürzlich

fertig geworden. Es versperrte den Blick auf den n.rdlichen

Himmel. Doch alle anderen H.user in der n.heren

Umgebung waren niedrig. Tengo lie. seinen Blick

rundherum schweifen und entdeckte im Südwesten den

Mond. über dem Dach eines freistehenden alten Hauses,

das nur ein Stockwerk hatte. Er war zu drei Vierteln voll.

Wie vor zwanzig Jahren, dachte Tengo. Der Mond hatte

genau die gleiche Gr..e und Form. Ein zuf.lliges

Zusammentreffen. Wahrscheinlich.

Doch der Mond dort am frühherbstlichen Abendhimmel

schien hell und klar. Wie von innen heraus strahlte er mit

der eigentümlichen W.rme, die sein Licht in dieser

Jahreszeit hatte. Der Eindruck war ein v.llig anderer als der

an jenem Dezembernachmittag um halb vier. Das milde

und natürliche Licht tr.stete und beruhigte das Gemüt.

Ebenso wie das Flie.en von klarem Wasser und das leise

freundliche Rascheln von Laub tr.stet und beruhigt.

Lange sah Tengo von seinem Ausguck zu diesem Mond

hinauf, w.hrend die Ger.usche der verschiedenen

Autoreifen, die auf der Ringstra.e 7 dahinrollten, sich zu

einer Art fernem Meeresrauschen verbanden und zu ihm

herüberdrangen. Tengo musste an das Sanatorium an der

Küste von Chiba denken, in dem sein Vater lebte.

Wie gew.hnlich lie.en die irdischen Lichter der

Gro.stadt den Schein der Sterne verblassen. Obwohl der

Himmel so wunderbar klar war, schimmerten nur hier und

da einige, die besonders kr.ftig waren. Nur der Mond

behauptete sich hell und strahlend. Getreulich und klaglos

stand er über den grellen Lichtern, dem L.rm und der

verschmutzten Luft am Himmel. Bei genauerem Hinsehen

waren die bizarren Schatten seiner riesigen Krater und

Schluchten zu erkennen. W.hrend Tengo selbstvergessen

in seinem Glanz badete, erwachte in ihm eine Art ererbte

Erinnerung an uralte Zeiten. Ehe die Menschen das Feuer,

Werkzeuge und eine Sprache besa.en, war der Mond ihnen

ein treuer Verbündeter gewesen. Als Himmelsleuchte

erhellte er die finstere Welt und linderte ihre Furcht. Die

Phasen seines Zu- und Abnehmens gaben ihnen eine

Vorstellung von Zeit. Selbst in der Gegenwart, wo die

Finsternis aus den meisten Gegenden vertrieben ist, scheint

sich in unseren Genen ein Gefühl der Dankbarkeit für die

gro.zügigen Gaben des Mondes bewahrt zu haben. Eine

warme, kollektive Erinnerung.

Eigentlich hatte Tengo den Mond schon lange nicht mehr

so genau betrachtet. Wann hatte er das letzte Mal zu ihm

hinaufgeschaut? Wer seine Tage in der Hektik der

Gro.stadt verbrachte, eilte irgendwann nur noch mit zu

Boden gerichtetem Blick durchs Leben. Und verga. dabei,

den Abendhimmel zu betrachten.

Pl.tzlich fiel ihm auf, dass in geringer Entfernung zum

Mond ein weiterer Mond am Himmel stand. Zuerst hielt er

es für eine durch eine Lichtbrechung hervorgerufene

optische T.uschung. Doch alles Schauen .nderte nichts an

der Tatsache, dass sich am Himmel die festen Umrisse

eines zweiten Mondes zeigten. Tengo war wie vom Donner

gerührt und starrte geistesabwesend und mit

halbge.ffnetem Mund dorthin. Er konnte nicht fassen, was

er sah. Seine Vorstellungen stimmten nicht mit dem

überein, was sich ihm zeigte. Es hatte .hnlichkeit mit dem

Gefühl, eine Idee nicht mit Worten ausdrücken zu k.nnen.

Ein zweiter Mond?

Tengo schloss die Augen und rieb sich mit beiden

H.nden die Wangen. Was ist los mit mir?, dachte er. So

viel habe ich doch gar nicht getrunken. Er atmete ruhig ein

und ruhig wieder aus. überzeugte sich, dass er bei klarem

Bewusstsein war. Schloss die Augen und vergewisserte sich

noch einmal im Dunkeln, wer er war, wo er war und was er

tat: September 1984, Tengo Kawana, Koenji, Bezirk

Suginami, Kinderspielplatz, sehe zum Mond am

Abendhimmel hinauf. Kein Zweifel.

Er schlug ruhig die Augen auf und blickte wieder zum

Himmel. Kühl und konzentriert. Tats.chlich, es waren zwei

Monde.

Er t.uschte sich nicht. Es gab pl.tzlich zwei Monde.

Lange hielt Tengo die rechte Hand zu einer festen Faust

geballt. Der Mond blieb weiter stumm, aber einsam war er

nicht mehr.

KAPITEL 19

Aomame

Wenn die Daughter erwacht

Obwohl es sich bei Die Puppe aus Luft um eine

ausgesprochen phantastische Geschichte handelte, war sie

leicht zu lesen. Stilistisch wurde die Erz.hlstimme eines

zehnj.hrigen M.dchens nachgeahmt. Es gab keine

schwierigen W.rter, keine verzwickte Logik, keine

wortreichen Erl.uterungen und keine gew.hlten

Ausdrücke. Alles wurde von Anfang bis Ende aus der

Perspektive des M.dchens erz.hlt. Die Sprache war leicht

verst.ndlich, pr.zise, mitunter klangvoll, und es wurde so

gut wie nichts erkl.rt. Das M.dchen erz.hlte einfach nur

flüssig, was es mit eigenen Augen gesehen hatte. Auch

eingeschobene Reflexionen über die Bedeutung der

Ereignisse kamen nicht vor. .Was passiert da eigentlich?.

oder .Was bedeutet das wohl?. waren Fragen, die das

M.dchen sich nicht stellte. Es erz.hlte in einem

gem.chlichen, aber angemessenen Tempo. Der Leser

übernahm seine Perspektive und passte sich seinem Schritt

an. Vollkommen leicht und natürlich. Und ehe er sich’s

versah, hatte er eine andere Welt betreten. Eine Welt, die

nicht die seine war. Die Welt, in der die Little People aus

Luft eine Puppe spannen.

Der Stil machte bereits auf den ersten zehn Seiten gro.en

Eindruck auf Aomame. Wenn Tengo ihn geschaffen hatte,

besa. er tats.chlich schriftstellerisches Talent. Der Junge,

den Aomame gekannt hatte, war eine Art Mathematikgenie

gewesen. In der Schule hatte er als Wunderkind gegolten,

weil er Aufgaben, die selbst für Erwachsene zu schwierig

waren, ohne jede Mühe gel.st hatte. Auch in den anderen

naturwissenschaftlichen F.chern waren seine Noten

hervorragend gewesen. Seine Leistungen hatten die der

anderen Kinder um L.ngen übertroffen. Au.erdem war er

sehr gro. und gut in Sport gewesen. Allerdings konnte

Aomame sich nicht erinnern, dass er auch im Aufsatz

besonders gegl.nzt hatte. Vielleicht hatte dieses Talent sich

damals noch im Schatten der Mathematik verborgen und

war nicht aufgefallen.

Oder er hatte einfach nur das übernommen, was das

M.dchen erz.hlt hatte. Und sein Anteil an der stilistischen

Originalit.t des Buches war gar nicht so gro.. Aber

eigentlich hatte sie nicht diesen Eindruck. Obgleich der Stil

auf den ersten Blick schlicht und unverschlüsselt wirkte,

wurde bei genauerem Lesen deutlich, wie sorgf.ltig

berechnet und pr.zise er war. Kein Wort war zu viel;

zugleich stand alles N.tige da. Ungeachtet des knappen

Ausdrucks waren die Beschreibungen akkurat und

nuancenreich. Und vor allem war in den S.tzen eine Art

vollkommener Harmonie spürbar. Der Leser konnte, selbst

wenn er nicht laut las, ihren Wohllaut deutlich

wahrnehmen. Kein siebzehnj.hriges M.dchen konnte

solche geschmeidigen und natürlichen S.tze schreiben.

Nach diesen überlegungen setzte Aomame ihre Lektüre

aufmerksam fort.

Die Heldin war ein zehnj.hriges M.dchen, das einer

kleinen Gemeinschaft in den Bergen angeh.rte. Seine

Mutter und sein Vater lebten ebenfalls dort. Geschwister

hatte es nicht. Da das M.dchen bald nach seiner Geburt an

diesen Ort gekommen war, wusste es kaum etwas über die

.u.ere Welt. In der Gemeinschaft gingen alle einem

bestimmten Tagwerk nach, und die drei Familienmitglieder

hatten kaum Gelegenheit, einander zu sehen und in Ruhe

miteinander zu sprechen. Dennoch verstanden sie sich gut.

Tagsüber besuchte das M.dchen eine .rtliche Grundschule,

und die Eltern waren haupts.chlich mit der Landwirtschaft

besch.ftigt. Wenn sie Zeit hatten, arbeiteten auch die

Kinder auf den Feldern.

Die Menschen in der Gemeinschaft lehnten die Zust.nde

in der Welt drau.en ab. Ihre eigene Gemeinschaft sei, wie

sie nimmermüde betonten, eine sch.ne, einsame Insel

inmitten des kapitalistischen Ozeans und ein Bollwerk. Das

M.dchen wusste nicht, was Kapitalismus (manchmal

sprachen sie auch von Materialismus) war. Doch aus dem

ver.chtlichen Tonfall, in dem die Leute diese W.rter

aussprachen, schloss es, dass es sich um einen unwürdigen

Zustand handelte, der aus irgendeinem Grund

widernatürlich und widerrechtlich war. Das M.dchen

lernte, dass es, um seinen Leib und seine Gedanken rein zu

halten, m.glichst nicht mit der .u.eren Welt in Beziehung

treten dürfe. Andernfalls laufe es Gefahr, verseucht zu

werden.

Die Gemeinschaft setzte sich aus fünfzig vergleichsweise

jungen M.nnern und Frauen zusammen, die zwei lose

Gruppen bildeten. Das Ziel der einen war eine Revolution,

die anderen strebten nach Frieden. Die Eltern des

M.dchens geh.rten der zweiten Gruppe an. Ihr Vater war

ihr .ltestes Mitglied und spielte seit Gründung der

Gemeinschaft eine zentrale Rolle in ihr.

Natürlich vermochte ein zehnj.hriges M.dchen das

Wesen der beiden gegnerischen Gruppen nicht logisch zu

erkl.ren. Auch den Unterschied zwischen Revolution und

Frieden verstand es nicht genau. Es hatte nur den Eindruck,

dass Revolution ein etwas sch.rferes, kantigeres Denken

beinhaltete, w.hrend Frieden eine etwas rundere Form

hatte. Alle Ideen hatten für das M.dchen jeweils eine

bestimmte Form und Farbe. Und wurden mal gr..er und

mal kleiner, wie der Mond. Das war ungef.hr das Ausma.

seines Wissens.

Das M.dchen wusste auch nicht genau, unter welchen

Umst.nden die Gemeinschaft entstanden war. Vor etwa

zehn Jahren, also kurz vor seiner Geburt, so erz.hlte man

ihm, sei es zu gro.en gesellschaftlichen Bewegungen

gekommen, im Zuge derer man das Leben in der Stadt

aufgegeben habe und in das einsame Bergdorf gezogen sei.

Auch über die Stadt wusste das M.dchen nicht viel. Es war

noch nie mit der U-Bahn oder in einem Aufzug gefahren

und hatte noch nie ein Geb.ude gesehen, das h.her als

zwei Stockwerke war. Es gab viele Dinge, die es nicht

kannte. Es begriff nur das, was um es herum war, was es

mit eigenen Augen sehen und mit eigenen H.nden

berühren konnte.

Dennoch schilderte das M.dchen aus seiner schlichten

Perspektive und in seiner schmucklosen Sprache das Leben

in der kleinen Gemeinschaft und den Charakter der in ihr

lebenden Menschen auf eine bestechend ungekünstelte

und lebendige Weise.

Ungeachtet der unterschiedlichen Meinungen herrschte

innerhalb der Gemeinschaft ein starker Zusammenhalt.

Ihre Mitglieder teilten die Vorstellung, dass es gut war,

au.erhalb der kapitalistischen Gesellschaft zu leben, und

auch wenn die Formen und Schattierungen ihres Denkens

sich mehr oder weniger voneinander unterschieden,

wussten sie doch genau, dass sie nur überleben würden,

wenn sie an einem Strang zogen. Sie schafften es gerade so.

Dafür schufteten sie Tag für Tag ohne Pause. Bauten

Gemüse an, machten Tauschgesch.fte mit den Nachbarn in

der n.heren Umgebung, verkauften ihre überschüsse,

vermieden es so weit wie m.glich, Dinge zu verwenden, die

in Massenproduktion hergestellt worden waren, und

führten ein naturnahes Leben. Notwendige Elektroger.te

wurden von Müllpl.tzen geholt und repariert. Ihre

Garderobe stammte nahezu ausschlie.lich aus

Altkleidersammlungen.

Dieser extreme Purismus veranlasste einige, die

Gemeinschaft zu verlassen. Sie konnten sich einfach nicht

an diese Strenge im t.glichen Leben gew.hnen. Dafür

kamen immer wieder andere hinzu, die gerade davon

angezogen wurden. Die Zahl der Neuank.mmlinge

überwog die der Ausgetretenen. Das allm.hliche

Anwachsen der Gemeinschaft durch Neuzug.nge war eine

gern gesehene Entwicklung. In dem verlassenen Dorf, in

dem die Gruppe sich niedergelassen hatte, gab es genügend

H.user, die bewohnbar waren, wenn man sie etwas

herrichtete. Auch an Feldern, die man bebauen konnte,

herrschte kein Mangel. So wurde der Zuwachs an

Arbeitskr.ften sehr begrü.t.

In der Gemeinschaft lebten etwa acht bis zehn Kinder,

von denen die meisten auch dort geboren waren. Die

Heldin war das .lteste von ihnen. Anfangs besuchten alle

Kinder die .rtliche Grundschule und wanderten stets

gemeinsam dorthin und wieder zurück. Abgesehen davon,

dass man die gesetzliche Schulpflicht einhielt, war den

Gründern der Gemeinschaft bewusst, dass ihre

Gemeinschaft nur schwer ohne freundschaftliche

Beziehungen zu den Nachbarn in der Umgebung bestehen

konnte. Dennoch waren die Kinder aus der Gemeinschaft

bei den einheimischen Kindern als .Zombies. verschrien

und wurden geschnitten. Sie wiederum schotteten sich ab,

weil sie geh.nselt wurden. So schützten sie sich zugleich

vor physischen Gefahren und vor spiritueller Unreinheit.

Also gründete die Gemeinschaft eine eigene Schule, in der

die Mitglieder den Kindern abwechselnd Unterricht

erteilten. In dieser Hinsicht gab es keine Schwierigkeiten,

da die meisten Anh.nger über eine h.here Schulbildung

und nicht wenige sogar über eine Lehrbef.higung

verfügten. Sie waren in der Lage, eigene Lehrbücher zu

verfassen und den Kindern Lesen, Schreiben und Rechnen

sowie die Grundbegriffe der Chemie, Physik, Physiologie

und Biologie beizubringen. Daneben erkl.rten sie ihnen

auch, wie die Welt beschaffen sei. Dass es zwei Systeme

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