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作者: 当前章节:15396 字 更新时间:2026-6-19 08:06

gebe, den Kapitalismus und den Kommunismus, die

einander hassten und bek.mpften. Beide h.tten

schwerwiegende Probleme, und so sei die Welt insgesamt

auf einen falschen Weg geraten. Der Kommunismus sei

eine bedeutende Ideologie, die hohe Ideale vertrat, aber im

Lauf der Zeit durch eigensüchtige Politiker verf.lscht

worden war. Man zeigte den Kindern eine Fotografie von

einem dieser .eigensüchtigen Politiker., und der Mann mit

der gro.en Nase und dem dicken schwarzen Schnurrbart

war für das M.dchen der K.nig aller Teufel.

In der Gemeinschaft gab es keine Fernsehger.te, auch

Radios waren au.er an bestimmten Orten nicht gestattet.

Zeitungen und Zeitschriften gab es ebenfalls nur begrenzt.

Für wichtig erachtete Nachrichten wurden beim

Abendessen in der .Versammlungshalle. mündlich

verkündet. Auf jede reagierten die versammelten Personen

mit Jubelrufen oder Missbilligungsbekundungen. Die

Schreie der Emp.rung überwogen die Freudenrufe stets um

ein Vielfaches. So weit die Medienerfahrungen des

M.dchens. Es hatte noch nie in seinem Leben einen Film

gesehen. Kein Comic-Heft gelesen. Allerdings war es

erlaubt, klassische Musik – aber nur diese – zu h.ren. In

der Versammlungshalle gab es eine Stereoanlage und

zahlreiche Schallplatten, die wohl irgendjemand

mitgebracht hatte. In seiner Freizeit h.rte das M.dchen

Symphonien von Brahms, Klavierstücke von Schumann,

Kirchenmusik und Stücke für Tasteninstrumente von Bach.

Die Musik wurde zu seinem kostbarsten und nahezu

einzigen Vergnügen.

Eines Tages erhielt das M.dchen eine Bestrafung. Man

hatte ihm befohlen, sich eine Woche lang morgens und

abends um die Ziegen der Gemeinschaft zu kümmern, doch

über ihren Schularbeiten und den anderen Aufgaben hatte

sie dies vers.umt. Am Morgen zuvor war entdeckt worden,

dass die .lteste – und bereits erblindete – Ziege kalt und

steif war. Sie war tot. Zur Strafe wurde das M.dchen für

zehn Tage aus der Gemeinschaft ausgeschlossen.

Die Mitglieder hatten dieser Ziege eine besondere

Bedeutung zugeschrieben, aber sie war sehr alt gewesen,

und eine Krankheit – welche Krankheit, wusste man nicht –

hatte ihren ausgezehrten K.rper in den Klauen gehalten.

Ob sich jemand um sie kümmerte oder nicht, es war nicht

zu erwarten, dass sie genas. Ihr Ableben war nur eine Frage

der Zeit gewesen. Doch das milderte die Strafe nicht, die

über das M.dchen verh.ngt wurde, denn es hatte –

abgesehen vom Tod der Ziege – eine ihm auferlegte Pflicht

vernachl.ssigt. Die Isolation war eine der schwersten

Strafen in der Gemeinschaft.

Man sperrte das M.dchen also zusammen mit der toten

blinden Ziege in einen kleinen alten Speicher aus Lehm, der

.Raum der Selbstkritik. genannt wurde. Wer gegen die

Regeln verstie., erhielt die Gelegenheit, dort über seine

Verfehlungen nachzudenken. W.hrend der Isolationsstrafe

durfte niemand mit dem M.dchen sprechen. Zehn Tage

lang musste es in vollkommener Stille dort ausharren. Es

bekam ein Minimum an Wasser und Nahrung, doch in dem

Speicher war es auch dunkel, kalt und feucht. Und da war

der Gestank der toten Ziege. Die Tür war von au.en

verschlossen, und in einer Ecke stand ein Eimer für seine

Notdurft. Hoch oben an einer Wand gab es ein kleines

Fenster, durch das Sonne und Mond hineinschienen. Sofern

es nicht bew.lkt war, konnte man sogar ein paar Sterne

sehen. Sonst gab es kein Licht. Zitternd verbrachte das

M.dchen die N.chte auf der harten Matratze, die man auf

dem Holzboden ausgebreitet hatte, zugedeckt nur mit zwei

alten Decken. Es war schon April, aber in den Bergen waren

die N.chte noch kalt. Im Dunkeln reflektierten die Augen

der toten Ziege den Schein der Sterne und leuchteten. Das

M.dchen konnte vor Angst kaum schlafen.

In der dritten Nacht .ffnete sich das Maul der Ziege. Es

wurde von innen aufgedrückt. Heraus kletterten ein paar

kleine Gestalten. Insgesamt sechs. Zuerst waren sie nur

ungef.hr zehn Zentimeter gro., aber sobald sie auf dem

Boden standen, wurden sie rasch gr..er, so wie Pilze nach

einem Regen in die H.he schie.en. Am Ende brachten sie

es jedoch h.chstens auf etwa sechzig Zentimeter. Sie seien

die .Little People., sagten sie.

Wie bei Schneewittchen und den sieben Zwergen, dachte

das M.dchen. Ihr Vater hatte ihr die Geschichte vorgelesen,

als sie klein war. Aber dazu fehlte einer.

.Wenn dir sieben besser gef.llt, k.nnen wir auch sieben

sein., sagte einer, der eine tiefe Stimme hatte. Aus

irgendeinem Grund schienen die Little People die

Gedanken des M.dchens lesen zu k.nnen. Und als es sie

noch einmal z.hlte, waren es nicht sechs, sondern sieben.

Allerdings wunderte das M.dchen sich nicht besonders

darüber. Als die Little People aus dem Maul der Ziege

geklettert waren, hatten sich die Gesetze der Welt

gewandelt. Alles, was danach geschah, war nicht mehr

verwunderlich.

.Warum kommt ihr aus dem Maul einer toten Ziege.,

fragte das M.dchen. Es merkte selbst, dass seine Stimme

einen sonderbaren Klang hatte. Auch seine Art zu sprechen

war anders als sonst. Vielleicht weil es seit drei Tagen mit

niemandem mehr gesprochen hatte.

.Das Maul der Ziege ist zum Durchgang geworden.,

kr.chzte einer der Little People mit heiserer Stimme. .Bis

wir drau.en waren, haben wir selbst nicht gemerkt, dass es

sich um eine tote Ziege handelt., erg.nzte einer mit hoher

Stimme. .Aber uns ist das v.llig egal. Ziege, Wal oder

Bohnen. Hauptsache Durchgang..

.Du hast den Durchgang geschaffen. Also haben wir ihn

mal ausprobiert. Irgendwo wird er schon hinführen,

dachten wir., brummte der mit der tiefen Stimme.

.Ich habe einen Durchgang geschaffen., sagte das

M.dchen. Sie konnte ihre eigene Stimme nicht h.ren.

.Du hast uns einen Gefallen getan., flüsterte einer.

Mehrere pflichteten ihm bei.

.Hast du Lust, mit uns eine Puppe aus Luft zu machen?.,

fragte einer mit Tenorstimme.

.Wir sind extra deshalb hergekommen., sagte ein

Bariton.

.Eine Puppe aus Luft., fragte das M.dchen.

.Man nimmt die F.den aus der Luft und macht eine

Behausung. Mit der Zeit wird sie immer gr..er., sagte ein

Bass.

.Und für wen ist diese Behausung., fragte das M.dchen.

.Das merkt man dann schon., sagte der Bariton.

.Wenn es rauskommt, wei. man es., sagte der Bass.

.Hoho., fielen die anderen Little People ein.

.Und ich darf dabei helfen., fragte das M.dchen.

.Selbstredend., kr.chzte der Heisere.

.Du hast uns einen Gefallen getan. Komm, mach mit.,

sagte der Tenor.

Die F.den aus der Luft zu holen war nicht schwierig,

wenn man einmal wusste, wie. Und weil das M.dchen

geschickte Finger hatte, beherrschte es diese Aufgabe

sofort. Jede Menge F.den hingen in der Luft, wenn man nur

genau hinsah. Wer sie sehen wollte, konnte sie sehen.

.Ja, genau, so geht das. Du machst es richtig., wisperte

der mit der leisen Stimme.

.Du bist ein sehr kluges M.dchen. Und hast ein gutes

Ged.chtnis., piepste der mit der hohen Stimme. Alle

sieben trugen die gleiche Kleidung und hatten .hnliche

Gesichter, nur ihre Stimmen unterschieden sich deutlich

voneinander.

Die Kleidung war ganz normal – Sachen, wie es sie überall

gibt. Es klingt vielleicht seltsam, aber sie entzog sich jeder

weiteren Beschreibung. Sobald man den Blick einmal

abgewendet hatte, konnte man sich einfach nicht mehr

daran erinnern. Das Gleiche galt für die Gesichter der

kleinen M.nner. Sie sahen weder gut aus noch schlecht. Es

waren ganz gew.hnliche Gesichter. Doch hatte man einmal

weggeschaut, wusste man partout nicht mehr, wie sie

ausgesehen hatten. Ebenso ihre Haare. Sie waren weder

lang noch kurz. Es waren einfach nur Haare. Au.erdem

waren die Little People geruchlos.

Sobald der Morgen kam, die H.hne kr.hten und der

Himmel sich im Osten aufhellte, stellten die sieben Little

People ihre Arbeit ein und streckten sich. Sodann

versteckten sie die wei.e Puppe aus Luft, die sie bisher

geschaffen hatten – sie war inzwischen etwa so gro. wie ein

Hasenkind –, in einer Ecke der Hütte. Wahrscheinlich,

damit die Leute, die dem M.dchen das Essen brachten, sie

nicht entdeckten.

.Es ist Morgen., flüsterte der Leise.

.Die Nacht ist zu Ende., sagte der Bass.

Mit so vielen Stimmen k.nnte man einen Chor gründen,

dachte das M.dchen.

.Wir singen nicht., sagte der Tenor.

.Hoho., rief einer dazwischen.

Die Little People schrumpften wieder auf die zehn

Zentimeter zusammen, die sie bei ihrer Ankunft gehabt

hatten, und kletterten im G.nsemarsch ins Maul der toten

Ziege zurück.

.Heute Abend kommen wir wieder., flüsterte der Leise

dem M.dchen noch aus dem Ziegenmaul zu, bevor es sich

schloss. .Du darfst niemandem von uns erz.hlen..

.Wenn du jemandem von uns erz.hlst, passiert etwas

sehr Schlimmes., kr.chzte der Heisere noch

sicherheitshalber hinterher.

.Hoho., rief es dazwischen.

.Ich erz.hle es keinem., sagte das M.dchen.

Allerdings h.tte ihm sicher ohnehin niemand geglaubt. Es

war schon .fter von Erwachsenen gescholten worden, weil

es einige seiner Gedanken ausgesprochen hatte. Es k.nne

nicht zwischen Phantasie und Wirklichkeit unterscheiden,

sagten sie. Als seien Form und Farbe seines Denkens ganz

anders als bei anderen Leuten. Das M.dchen verstand nicht

richtig, was mit ihm nicht stimmte. Aber sicher war es

besser, niemandem von den Little People zu erz.hlen.

Als die Little People verschwunden waren und das Maul

der Ziege sich wieder geschlossen hatte, suchte das

M.dchen an der Stelle, wo sie die Puppe aus Luft versteckt

hatten, aber es fand sie einfach nicht. Sie waren gut im

Verstecken. Obwohl der Raum so klein war, konnte es

suchen, wie es wollte, und entdeckte die Puppe dennoch

nicht. Wo hatten sie sie nur versteckt?

Anschlie.end wickelte es sich in seine Decken und schlief

ein. Endlich konnte es ruhig schlafen. Traumlos und ohne

Unterbrechung. Es genoss diesen tiefen Schlaf.

Den ganzen Tag über blieb die Ziege reglos. Ihr K.rper

war starr und steif, und ihre gebrochenen Augen wirkten

wie gl.serne Murmeln. Doch als die Sonne unterging und

die Dunkelheit in die Hütte einzog, reflektierten die Augen

wieder das Licht der Sterne. Und wie von ihrem Licht

geleitet, klaffte das Maul der Ziege weit auf, und die Little

People kletterten heraus. Dieses Mal waren es von Anfang

an sieben.

.Heute Nacht geht es weiter., kr.chzte der Heisere.

Die übrigen sechs murmelten zustimmend.

Die sieben Little People und das M.dchen setzten sich im

Kreis um die Puppe herum und arbeiteten weiter. Sie zogen

die wei.en F.den aus der Luft und vergr..erten sie.

Schweigend, fast ohne ein Wort, widmeten sie sich ihrer

Arbeit. Durch die emsigen Bewegungen seiner Finger

machte dem M.dchen auch die K.lte der Nacht nichts

mehr aus. Unmerklich verging die Zeit. Ihr wurde nie

langweilig, und Müdigkeit verspürte sie auch nicht. Die

Puppe wurde langsam, aber deutlich sichtbar gr..er.

.Wie gro. machen wir sie denn., fragte das M.dchen, als

der Morgen sich n.herte. Es h.tte gern gewusst, ob sie die

Arbeit w.hrend der zehn Tage, die es in dem Speicher

eingesperrt war, vollenden würden.

.So gro. wir k.nnen., antwortete der mit der hohen

Stimme.

.An einem gewissen Punkt bricht sie ganz von selbst auf.,

sagte der Tenor.

.Und dann kommt etwas raus., sagte der Bariton mit

sonorer Stimme.

.Was denn., fragte das M.dchen.

.Irgendetwas., flüsterte der Leise.

.Etwas sehr Erfreuliches., brummte der mit der tiefen

Stimme.

.Hoho., kam es von einem Zwischenrufer.

.Hoho., sagten die übrigen sechs im Chor.

Im Stil des Romans schwang ein besonderer Ton mit. Als

Aomame ihn bemerkte, verzog sie leicht das Gesicht. Die

Geschichte hatte eine gewisse .hnlichkeit mit einem

M.rchen. Unterschwellig war sie von einem unsichtbaren,

aber breiten dunklen Strom durchzogen. Aomame konnte

sein unheilvolles Rauschen durch die schn.rkellose knappe

Ausdrucksweise hindurch vernehmen. Es war etwas

Düsteres darin, das auf das Herannahen einer Krankheit

hindeutete, einer t.dlichen Krankheit, die den Geist des

Menschen lautlos von ganz innen her verzehrte. Und es war

dieser Chor der sieben Little People, der die Krankheit

brachte. Zweifellos verbirgt sich darin etwas Ungesundes,

dachte sie. Dennoch h.rte Aomame auf irgendeine Weise

etwas aus den Stimmen der Little People heraus, das ihr

fast schicksalhaft vertraut, ja verwandt erschien.

Aomame schaute von ihrem Buch auf und erinnerte sich

an das, was der Leader ihr vor seinem Tod über die Little

People erz.hlt hatte.

.Schon seit Ewigkeiten leben wir mit ihnen zusammen.

Seit der D.mmerung des menschlichen Bewusstseins, lange

bevor es Gut und B.se gab..

Aomame fuhr fort.

Die Little People und das M.dchen arbeiteten weiter.

Nach mehreren Tagen hatte die Puppe aus Luft in etwa die

Gr..e eines Hundes erreicht.

.Morgen ist meine Strafe zu Ende, und ich darf hier

raus., sagte das M.dchen zu den Little People, als der

Morgen des neunten Tages d.mmerte.

Die sieben Little People h.rten schweigend zu.

.Dann werden wir nicht mehr zusammen an der Puppe

aus Luft arbeiten k.nnen..

.Das ist sehr schade., sagte der Tenor. In seiner Stimme

schwang echtes Bedauern mit.

.Du hast uns wirklich sehr geholfen., sagte der Bariton.

.Aber die Puppe ist zum gr..ten Teil fertig. Nur noch ein

bisschen., sagte der mit der hohen Stimme.

Die Little People stellten sich in einer Reihe auf und

nahmen den Zustand der Puppe absch.tzend in

Augenschein.

.Nur noch ein bisschen., wiederholte der Heisere, als

würde er auf Seemannsart einen Shanty fortführen.

.Hoho., machte ein Zwischenrufer.

.Hoho., riefen die sechs übrigen im Chor.

Am Ende seiner zehnt.gigen Strafe kehrte das M.dchen

in die Gemeinschaft zurück. Das von vielen Regeln

bestimmte Leben in der Gruppe fing wieder an, und es

hatte keine Zeit mehr für sich. Selbstverst.ndlich konnte es

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