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作者: 当前章节:15417 字 更新时间:2026-6-19 08:06

überzeugt war es. Wie konnte es feststellen, dass es

wirklich es selbst war?

Die Geschichte endete symbolisch damit, dass das

M.dchen die Tür zu dem Durchgang zu .ffnen versuchte.

Was hinter dieser Tür geschah, wurde nicht mehr

geschildert. Vielleicht war es etwas, das sich noch nicht

ereignet hatte.

Daughter, dachte Aomame. Auch der Leader hatte das

Wort verwendet, bevor er gestorben war. Um gegen die

Little People vorzugehen, sei seine Tochter geflohen und

habe ihre Daughter zurückgelassen. Wahrscheinlich war

das wirklich passiert. Und Aomame war nicht die Einzige,

die die beiden Monde sah.

Sie glaubte nun den Grund dafür zu kennen, dass dieser

Roman so gut aufgenommen und so viel gelesen wurde. Auf

einer gewissen Ebene tat natürlich auch der Umstand, dass

die Autorin ein sch.nes siebzehnj.hriges M.dchen war,

seine Wirkung. Aber so etwas allein machte ein Buch nicht

zum Bestseller. Unzweifelhaft war es die lebendige Dichte

der Schilderung, die die Faszination dieses Romans

ausmachte. Sie versetzte die Leser in die Lage, den Kosmos,

in dem das M.dchen sich befand, ganz unmittelbar und

frisch aus seinem Blickwinkel zu erleben. Die Geschichte

handelte zwar von surrealen Erlebnissen in einer

phantastischen Welt, rief jedoch natürliche Anteilnahme

hervor. Wahrscheinlich weckte die Geschichte

Empfindungen, die sich unterhalb der bewussten Ebene

abspielten. Die Leser gerieten in den Sog dieser

Empfindungen und verschlangen das Buch.

Zur literarischen Qualit.t hatte wahrscheinlich Tengo das

meiste beigetragen, aber sie konnte nicht ewig hier sitzen

und sie bewundern. Sie musste die Geschichte auf die

Passagen hin lesen, in denen die Little People auftraten,

denn für Aomame waren die Ereignisse .u.erst real, für sie

ging es um Leben und Tod. Der Text konnte eine Art

Handbuch für sie werden, aus dem sie notwendige

Erkenntnisse und das Know-how für ihr weiteres Vorgehen

gewann. Sie musste die Bedeutung der Welt, in die sie

verstrickt war, m.glichst genau und konkret aus ihm

herauslesen.

Die Puppe aus Luft war nicht, wie die Leute glaubten, das

Produkt der übersch.umenden Phantasie einer

Siebzehnj.hrigen. Ungeachtet der ge.nderten Namen

entsprach der gr..te Teil des Geschilderten einer

unverf.lschten Wirklichkeit, der dieses M.dchen

pers.nlich entkommen war – davon war Aomame

inzwischen überzeugt. Fukaeri hatte nur das, was sie erlebt

hatte, m.glichst exakt aufgezeichnet. Um der Welt das

verborgene Geheimnis zu enthüllen. Um m.glichst viele

Menschen von der Existenz der Little People und ihrem

Tun in Kenntnis zu setzen.

Die Daughter, die das M.dchen zurückgelassen hatte, war

wahrscheinlich zu einem Durchgang für die Little People

geworden und hatte sie zu seinem Vater, dem Leader,

geführt. Darauf hatten sie diesen Mann in einen Receiver,

also Empf.nger, verwandelt und die nun überflüssige

Gruppe Akebono in die blutige Selbstvernichtung

getrieben, um anschlie.end die übrig gebliebenen Vorreiter

in eine smarte, extreme und exklusive religi.se Sekte zu

transformieren – ein für die Little People sicherlich h.chst

angenehmes und günstiges Umfeld.

Ob Fukaeris Daughter ohne sie überleben würde? Den

Little People zufolge sei das über l.ngere Zeit kaum

m.glich.

Nach Fukaeris Flucht hatten die Little People

wahrscheinlich mit der gleichen Methode weitere

Daughters innerhalb der Vorreiter geschaffen. Vermutlich

war es ihr Ziel, die Passage, durch die sie kommen und

gehen konnten, zu verbreitern und zu stabilisieren. Wie

man eine Stra.e durch neue Fahrspuren erweitert. Auf

diese Weise hatten die Little People mehrere Perceiver

(.wahrnehmende Wesen.) zur Verfügung, die zugleich als

eine Art Priesterinnen dienten. Auch Tsubasa war eine

davon. Wenn man in Betracht zog, dass es nicht die

Mothers waren, sondern die Daughters, die sexuell mit dem

Leader verkehrten, erkl.rte sich auch dessen Formulierung

.mehrdeutig.. Auch dass Tsubasas Blick so leer und ohne

Tiefe war, dass sie kaum den Mund aufmachte, ergab nun

einen Sinn. Warum und wie die Daughter Tsubasa aus der

Sekte geflüchtet war, entzog sich Aomames Vorstellung.

Wie dem auch sei, vermutlich war sie in ihre Puppe aus

Luft gesteckt und von der Mother zurückgeholt worden.

Die blutige Ermordung der Hündin war eine Warnung der

Little People gewesen. Ebenso wie die Erkrankung Torus.

Die Daughters waren begierig, ein Kind vom Leader zu

empfangen, hatten aber in Wirklichkeit überhaupt keine

Periode. Dennoch bemühten sie sich ihm zufolge heftig um

eine Empf.ngnis. Warum nur?

Aomame schüttelte den Kopf. Es gab so vieles, das sie

noch nicht verstand.

Am liebsten h.tte Aomame diese Dinge sofort mit der

alten Dame besprochen. Ihr erz.hlt, dass der Mann

vielleicht nur die Schatten der M.dchen vergewaltigt hatte

und es wom.glich gar nicht n.tig gewesen w.re, ihn zu

t.ten.

Natürlich würde die alte Dame ihr nicht so leicht Glauben

schenken. Aomame kannte sie. Sie – nein, überhaupt jeder,

der bei Verstand war – würde abwinken, wenn man ihm

Puppen aus Luft, Daughters, Mothers und Little People als

Tatsachen pr.sentierte. Für jemanden mit gesundem

Menschenverstand w.ren das erfundene Geschichten aus

einem Roman. Ebenso unglaubwürdig wie die b.se

Herzk.nigin und das Kaninchen mit der Uhr in Alice im

Wunderland.

Aber Aomame sah die beiden Monde, den neuen und den

alten, wirklich am Himmel. Lebte wirklich in ihrem Schein.

Spürte die ver.nderte Anziehungskraft auf ihrer Haut. Mit

eigenen H.nden hatte sie diesen Menschen, den sie

.Leader. nannten, in dem dunklen Hotelzimmer get.tet.

Und noch immer haftete ihnen das unheilvolle Gefühl an,

das sie empfunden hatte, als sie ihm die spitze Nadel ins

Fleisch trieb. Allein der Gedanke rief immer wieder heftige

G.nsehaut bei ihr hervor. Au.erdem hatte sie kurz zuvor

mit eigenen Augen gesehen, wie der Mann die schwere

Tischuhr mindestens fünf Zentimeter über der Truhe

schweben lie.. Das war keine Halluzination gewesen und

auch kein Trick. Es waren nackte, kalte Tatsachen, die sie

akzeptieren musste.

Faktisch beherrschten die Little People durch ihre

Machenschaften die Gemeinschaft der Vorreiter. Aomame

begriff nicht, was sie letztendlich dadurch anstrebten.

Vielleicht die überwindung von Gut und B.se? Die Heldin

in Die Puppe aus Luft hatte sie aber doch unmittelbar als

etwas Unrichtiges erkannt und von sich aus einen

Gegenangriff gestartet. Sie lie. ihre Daughter zurück und

floh aus der Gemeinschaft, um, mit den Worten des

Leaders, einen Impuls gegen die Little People auszul.sen

und so das Gleichgewicht der Welt zu erhalten. Sie wollte

die Passage der Little People zurückverfolgen und an ihren

Ursprung vordringen. Der Roman sollte ihr als

Transportmittel dienen. Tengo wurde ihr Verbündeter und

half ihr dabei, es in Gang zu setzen. Vermutlich hatte er

damals die Bedeutung dessen, was er tat, selbst nicht

begriffen. Wahrscheinlich begriff er sie nicht einmal jetzt.

Wie dem auch sei, die Geschichte von der Puppe aus Luft

war der gro.e Schlüssel.

Mit dieser Geschichte hatte alles angefangen.

Doch wo um alles in der Welt passe ich, Aomame, in die

Geschichte hinein? In dem Moment, als ich bei dem Stau

die Nottreppe von der Stadtautobahn hinuntergestiegen

bin und dabei die Sinfonietta von Janá.ek geh.rt habe,

wurde ich in die Welt, in der zwei Monde, ein gro.er und

ein kleiner, am Himmel stehen, wurde ich in dieses

r.tselhafte Jahr 1Q84 hineingesogen. Aber was bedeutet

das?

Aomame schloss die Augen und dachte scharf nach.

Vielleicht war sie durch den .Anti-Little-People-Impuls.

in den Durchgang gesogen worden, den Fukaeri und Tengo

geschaffen hatten. Und war so auf diese Seite transportiert

worden. Anders konnte sie es sich nicht vorstellen. Und

ihre Rolle in dieser Geschichte war keineswegs klein. Nein,

man konnte sogar sagen, dass auch sie eine Schlüsselfigur

war.

Aomame blickte um sich. Das hei.t, dachte sie, ich

befinde mich jetzt mitten in der Geschichte, die Tengo in

Gang gesetzt hat. In gewissem Sinn bin ich in ihm,

sozusagen in seinem Tempel. Das spürte sie.

Vor l.ngerer Zeit hatte sie einmal einen Science-Fiction-

Film im Fernsehen gesehen. Den Titel hatte sie vergessen.

Jedenfalls wurde darin eine komplizierte chirurgische

Operation vorgenommen, durch die auf mikroskopische

Gr..e verkleinerte Wissenschaftler an Bord eines (ebenso

verkleinerten) U-Boot-artigen Gef.hrts durch die Adern

eines Patienten in dessen Gehirn vordringen konnten. Ihre

Situation war .hnlich. Sie stellte sich vor, wie sie in Tengos

Adern durch seinen K.rper kreiste. In st.ndigem Kampf

gegen angreifende wei.e Blutk.rperchen, die den

Eindringling (also sie) abzusto.en trachteten, bewegte sie

sich auf den Krankheitsherd – die Wurzel allen übels – zu.

Durch die Beseitigung des Leaders in jenem Hotelzimmer

hatte sie diese Wurzel vielleicht erfolgreich .eliminiert..

Aomame erw.rmte sich für diese Vorstellung. Ich habe

meine Mission erfüllt, dachte sie. So schwierig sie war. Ich

hatte die ganze Zeit Angst. Inmitten von Donnergrollen

habe ich meinen Auftrag cool und tadellos erledigt.

Wahrscheinlich vor Tengos Augen. Sie dachte mit Stolz

daran.

Wenn sie bei dem Bild der Reise durch die Blutbahn

blieb, würde der K.rper sie bald als Abfallprodukt, dessen

Aufgabe beendet war, ausscheiden. Das war das Gesetz,

nach dem ein Organismus funktionierte. Diesem Schicksal

konnte sie nicht entrinnen. Aber was macht das schon aus?,

dachte Aomame. Ich bin in Tengo. Seine W.rme umgibt

mich, sein Pulsschlag lenkt mich. Sein Denken und seine

Regeln leiten mich. Und vielleicht sogar sein Stil. Es ist

wunderbar, auf diese Weise ein Teil von ihm zu sein.

Auf dem Boden sitzend, schloss Aomame die Augen. Sie

hielt sich das Buch an die Nase und atmete den Geruch von

Papier und Druckerschw.rze ein. Ruhig überlie. sie sich

dem sie umgebenden Fluss. Sie lauschte auf Tengos

Herzschlag.

Das ist das K.nigreich, dachte sie.

Ich bin bereit zu sterben. Jederzeit.

KAPITEL 20

Tengo

Das Walross und der verrückte Hutmacher

Kein Zweifel. Dort waren zwei Monde.

Der eine war der, den es schon immer gegeben hatte, der

andere war viel kleiner und grünlich. Er war

unregelm..iger geformt als der ursprüngliche Mond und

bei weitem nicht so hell. Er wirkte wie ein unerwünschtes

h.ssliches Kind, das entfernte arme Verwandte jemandem

durch die Macht irgendwelcher Umst.nde aufgedr.ngt

hatten. Er war weder Einbildung noch eine optische

T.uschung, sondern ein echtes Gestirn mit Substanz und

festen Konturen. Kein Flugzeug, kein Luftschiff und auch

kein Satellit. Auch kein Mond aus Pappe, den irgendjemand

zum Spa. aufgeh.ngt hatte. Er war ohne jeden Zweifel ein

Stück Fels, der stumm und unerschütterlich seine Position

am n.chtlichen Himmel einnahm und diesen Platz so

entschieden wahrte wie ein vom Schicksal verliehenes

Muttermal oder ein nach reiflicher überlegung gesetzter

Punkt.

Lange, fast herausfordernd, betrachtete Tengo den neuen

Mond. Ohne den Blick abzuwenden. Kaum, dass er

blinzelte. Doch er konnte starren, wie er wollte, der Mond,

der sich so unendlich schweigsam mit seinem harten

Herzen aus Stein dort am Himmel niedergelassen hatte,

rührte sich nicht.

Tengo l.ste die zur Faust geballte Rechte und schüttelte

beinahe unbewusst ein wenig den Kopf. Es ist genau wie in

Die Puppe aus Luft, dachte er. Eine Welt mit zwei Monden.

Mit der Daughter ist ein zweiter Mond entstanden.

.Das ist das Zeichen. Du musst den Himmel aufmerksam

im Auge behalten., sagen die Little People zu dem

M.dchen.

Er selbst hatte diesen Satz geschrieben. Und auf

Komatsus Anraten den neuen Mond so detailliert und

anschaulich wie m.glich geschildert. Er hatte sogar

besondere Mühe auf diese Passage verwandt. Und nun

entsprach die Gestalt des neuen Mondes genau der, die er

selbst erdacht hatte.

.Sieh es doch mal so., hatte Komatsu gesagt. .Die Leser

kennen den Himmel mit einem Mond. Verstehst du? Aber

einen Himmel mit zwei Monden hat wohl noch keiner

gesehen. Und wenn in einem Roman etwas vorkommt, das

die Leser noch nie gesehen haben, brauchen sie in der

Regel eine m.glichst detaillierte und anschauliche

Schilderung..

Ein wichtiger Hinweis.

Mit einem Blick zum Himmel schüttelte Tengo abermals

den Kopf. Dieser neue Mond hatte genau die Gr..e und

Gestalt, die Tengo ihm in seiner Phantasie gegeben hatte.

Er war das absolute Ebenbild seines literarischen Kollegen.

Das ist unm.glich, dachte Tengo. Was ist das für eine

Realit.t, die eine Metapher imitiert? .V.llig unm.glich.,

sagte er nun laut. Seine Stimme klang etwas kr.chzend. Er

war viel gelaufen, und seine Kehle war rau und trocken. Es

war in jeder Hinsicht unm.glich. Er ist Fiktion. Er geh.rte

in eine Welt, die nicht real war. In die Welt der

phantastischen Geschichte, die Fukaeri Professor Ebisunos

Tochter Azami abends erz.hlt hatte und die Tengo sp.ter

für sie ausgestaltet hatte.

Hie. das – fragte er sich –, dass er sich in der Welt des

Romans befand? War er durch irgendeinen Einfluss aus der

Realit.t hinauskatapultiert worden und in die Welt geraten,

in der Die Puppe aus Luft spielte? Wie Alice, als sie in den

Kaninchenbau fiel? Oder hatte die Realit.t sich der Welt

von Die Puppe aus Luft angepasst? Und existierte die

ursprüngliche Welt – die ihm vertraute Welt mit nur einem

Mond – nun nirgends mehr? Hatte die Macht der Little

People in irgendeiner Form etwas damit zu tun?

Auf der Suche nach einer Antwort schaute er sich um.

Doch sein Blick fiel nur auf eine ganz allt.gliche Szenerie.

Ein gro.st.dtisches Wohnviertel, an dem aber auch rein

gar nichts Merkwürdiges oder Au.ergew.hnliches zu

entdecken war. Hier gab es weder eine b.se Herzk.nigin

noch ein Walross noch einen verrückten Hutmacher. Nur

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