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作者: 当前章节:15374 字 更新时间:2026-6-19 08:06

den verlassenen Sandkasten, die Schaukel, die ihr

anorganisches Licht verstr.mende Quecksilberlaterne, die

.ste des Keyakibaums, die verschlossene Toilette, das neue

fünfst.ckige Wohnhaus (in dem nur vier Wohnungen

beleuchtet waren), einen Schaukasten für st.dtische

Mitteilungen, einen roten Coca-Cola-Automat, einen falsch

geparkten grünen VW Golf – ein .lteres Modell übrigens –,

Elektromasten und -leitungen und in der Ferne ein

Neonschild in grellen Farben. Die üblichen Ger.usche, die

übliche Beleuchtung. Seit sieben Jahren lebte Tengo nun im

Stadtteil Koenji. Nicht einmal, weil es ihm hier besonders

gefiel. Er hatte durch Zufall eine Wohnung in einem

preiswerten Mietshaus nicht weit vom Bahnhof gefunden.

Weil sie verkehrsgünstig lag und ein Umzug ihm zu l.stig

gewesen w.re, war er einfach hier wohnen geblieben.

Inzwischen kannte er die Gegend ziemlich genau. Es w.re

ihm sofort aufgefallen, wenn sich irgendwo etwas ver.ndert

h.tte.

Wann war dieser Mond hinzugekommen? Tengo fühlte

sich au.erstande, dies zu beurteilen. Vielleicht gab es

schon seit Jahren zwei Monde, und er hatte es nur nicht

bemerkt. Er hatte schon so vieles verpasst, weil er nie

richtig Zeitung las und auch nicht fernsah. Es gab unz.hlige

Dinge, die jeder au.er ihm wusste. Oder vor kurzem war

irgendetwas passiert, sodass es pl.tzlich zwei Monde gab.

Er h.tte gern jemanden gefragt: Entschuldigen Sie die

sonderbare Frage, aber seit wann gibt es denn zwei Monde?

Wissen Sie das vielleicht? Aber es war niemand in der

N.he. Nicht einmal eine Katze war zu sehen.

Doch, da war jemand. Jemand schlug ganz in der N.he

mit einem Hammer N.gel in die Wand. Klopfklopfklopf

ert.nte es ununterbrochen. Sowohl die Wand als auch der

Nagel mussten ziemlich hart sein. Aber wer um alles in der

Welt schlug um diese Zeit N.gel ein? Tengo blickte sich

verwundert um, konnte aber nirgends eine entsprechende

Wand entdecken. Und auch niemanden, der die N.gel

einschlug.

Einen Moment sp.ter begriff er, dass das H.mmern sein

Herzschlag war. Er hatte einen Adrenalinsto. bekommen,

und sein Herz pumpte nun hastig und mit

ohrenbet.ubendem L.rm gro.e Mengen Blut durch seinen

K.rper.

Der Anblick der zwei Monde musste ihn hervorgerufen

haben. Tengos Nervensystem geriet aus dem

Gleichgewicht, und ihm wurde schwindlig. Er lie. sich auf

die Plattform der Rutschbahn herunter, lehnte sich im

Sitzen gegen die Stangen und wartete mit geschlossenen

Augen darauf, dass der Schwindel vorüberging. Es fühlte

sich an, als h.tte sich die Erdanziehungskraft um ihn

herum leicht ver.ndert. Irgendwo drückte die Flut, und

irgendwo herrschte der Sog der Ebbe. Und die Menschen

taumelten hilflos zwischen insane und lunatic hin und her.

Das Schwindelgefühl erinnerte Tengo daran, dass ihn die

Vision von seiner Mutter im wei.en Unterkleid schon ewig

nicht mehr heimgesucht hatte. Schon l.nger hatte er nicht

mehr gesehen, wie sie den jungen Mann an ihrer Brust

saugen lie. und er als Baby daneben lag. So viele Jahre

hatte ihn dieses Bild gepeinigt, und nun hatte er es fast

vergessen. Wann hatte er die Vision das letzte Mal gehabt?

Er wusste es nicht einmal mehr. Vielleicht um die Zeit, als

er anfing, an seinem neuen Roman zu schreiben? Aus

irgendeinem Grund schien der Geist seiner Mutter damals

an eine Grenze gesto.en zu sein und hielt sich nun nicht

mehr in seiner Umgebung auf.

Stattdessen sa. er jetzt auf einer Rutsche auf einem

Spielplatz in Koenji und sah zwei Monde am Himmel. Wie

dunkles, allm.hlich vordringendes Wasser kreiste eine

neue unbegreifliche Welt ihn ein. Vielleicht hatte ein neues

Problem das frühere verdr.ngt, und das altvertraute R.tsel

war durch ein unbekanntes, frisches ersetzt worden.

Vermutete Tengo. Nicht dass er das sonderlich ironisch

fand. Doch regte sich in ihm auch nicht der Wunsch,

Einspruch zu erheben. Was blieb ihm schon anderes übrig,

als diese neue Welt, wie sie auch entstanden sein mochte,

schweigend hinzunehmen? Er konnte sich nicht vorstellen,

dass er eine Wahl hatte. Auch in seiner früheren Welt hatte

er nie eine Wahl gehabt. Es war genau das Gleiche. Und vor

allem, dachte Tengo, an wen sollte man seinen Einspruch

überhaupt richten, selbst wenn man einen erheben wollte?

Sein Herz schlug weiter in diesem trockenen, harten Ton.

Wenigstens lie. das Schwindelgefühl allm.hlich nach. Das

H.mmern seines Herzens im Ohr, legte Tengo den Kopf an

das Gel.nder der Rutschbahn und sah hinauf zu den beiden

Monden am Himmel über Koenji. Ein bizarrer Anblick.

Eine neue Welt mit einem neuen zus.tzlichen Mond. Alles

war ungewiss und so unendlich vieldeutig. Aber eins ist

gewiss, dachte Tengo. Ganz gleich, was von nun an mit mir

geschieht, an den Anblick von zwei Monden am Himmel

werde ich mich wohl nie gew.hnen. Bis in alle Ewigkeit

nicht.

Tengo fragte sich, welches geheime Abkommen Aomame

damals mit dem Mond geschlossen haben mochte. Dabei

dachte er an den durch und durch ernsten Blick, mit dem

sie den wei.en Mond am Nachmittagshimmel betrachtet

hatte. Was nur hatte sie dem Mond damals angeboten?

Und was soll jetzt aus mir werden?

Das hatte er sich schon als Zehnj.hriger die ganze Zeit

gefragt, w.hrend Aomame seine Hand drückte. Ein

furchtsamer Junge, der vor einem gro.en Tor stand. Heute

wie damals. Die gleiche Unsicherheit, die gleiche Furcht,

das gleiche Zittern. Und sogar der Mond stand am Himmel.

Nur dass es jetzt zwei waren.

Wo konnte Aomame sein?

Noch einmal sah Tengo sich um. Doch was er zu

entdecken hoffte, war nirgends zu sehen. Er spreizte seine

linke Hand vor dem Gesicht, aber auf ihrer Innenseite

verliefen nur die vertrauten Linien. Im bleichen Licht der

Stra.enlaterne wirkten sie wie Reste von Wasserl.ufen auf

dem Mars und sagten ihm gar nichts. Mehr, als dass er seit

seinem zehnten Lebensjahr einen langen Weg zurückgelegt

hatte, konnte er an seinen gro.en H.nden nicht ablesen.

Bis zu dieser Rutsche auf dem kleinen Spielplatz in Koenji.

über dem zwei Monde schienen.

Wo kann sie nur sein?, fragte Tengo sich abermals. Wo

k.nnte sie sich versteckt halten?

.Sie ist vielleicht ganz in der N.he., hatte Fukaeri gesagt.

.Sie k.nnten zu Fu. zu ihr gehen..

Ob Aomame, wo sie sich doch ganz in der N.he aufhielt,

die beiden Monde auch sah?

Auf jeden Fall, dachte Tengo. Natürlich war diese

Annahme v.llig unbegründet, doch seltsamerweise war er

fest davon überzeugt. Er zweifelte nicht daran, dass sie sah,

was er sah. Immer wieder schlug Tengo mit seiner geballten

Linken auf den Boden der Plattform. Bis seine Faust

schmerzte.

Also müssen wir uns begegnen, dachte Tengo. Irgendwo

hier in der N.he, in Gehweite. Aomame wird von

jemandem gejagt und versteckt sich, wie eine verletzte

Katze. Und die Zeit, die ich habe, um sie zu finden, ist

begrenzt.

Aber Tengo hatte nicht die geringste Ahnung, wo er

suchen sollte.

.Hoho., machte der Zwischenrufer.

.Hoho., stimmten die übrigen sechs ein.

KAPITEL 21

Aomame

Was soll ich nur tun?

An diesem Abend ging Aomame mit ihrem grauen

Trainingstrikot bekleidet und in Hausschuhen auf den

Balkon, um die Monde zu sehen. In der Hand hielt sie eine

Tasse Kakao. Sie hatte schon ewig keine Lust mehr auf

Kakao gehabt. Aber als sie im Küchenschrank eine Dose

Van Houten entdeckte, bekam sie Appetit darauf. Am

wolkenlosen südwestlichen Himmel schienen klar und

deutlich die beiden Monde. Der gro.e und der kleine.

Anstatt eines Seufzers gab Aomame ein leises Knurren von

sich. Aus einer Puppe aus Luft wurde eine Daughter

geboren, und aus einem Mond wurden zwei. 1984 hatte sich

in 1Q84 gewandelt. Die alte Welt war verschwunden, und

sie konnte nicht mehr dorthin zurückkehren.

Aomame setzte sich auf den Gartenstuhl, den man ihr auf

den Balkon gestellt hatte, und w.hrend sie an ihrem hei.en

Kakao nippte und die beiden Monde betrachtete, versuchte

sie sich an ihre alte Welt zu erinnern. Aber das Einzige, was

ihr im Augenblick einfiel, war der Gummibaum in ihrer

früheren Wohnung. Wo er jetzt wohl war? Ob Tamaru sich,

wie versprochen, seiner angenommen hatte? Bestimmt.

Keine Sorge, beruhigte sie sich. Tamaru ist ein Mann, der

seine Versprechen h.lt. Vielleicht bringt er dich ohne

Z.gern eiskalt um, wenn es n.tig ist, aber dennoch würde

er sich bis in alle Ewigkeit um den Gummibaum kümmern,

den du ihm vererbt hast.

Doch warum machte sie sich derartige Sorgen um diesen

Gummibaum?

Bis sie ihn in ihrer alten Wohnung zurückgelassen hatte,

hatte sie nie einen Gedanken an ihn verschwendet. Es war

ein wirklich sch.biger Baum. Er war farb- und glanzlos und

sah v.llig ungesund aus. Er sollte als Sonderangebot 1800

Yen kosten, aber als sie mit ihm an die Kasse kam, setzte

die Kassiererin ihn ungebeten noch einmal auf 1500 Yen

herunter. Mit etwas Feilschen h.tte sie ihn wahrscheinlich

noch billiger bekommen. Bestimmt war er ein permanenter

Ladenhüter. Als sie mit dem Kübel im Arm nach Hause

ging, bereute sie es schon, das Ding so spontan gekauft zu

haben. Er sah erb.rmlich aus, war sperrig zu tragen und zu

allem überfluss auch noch lebendig.

Es war das erste Mal, dass sie etwas Lebendiges hatte.

Noch nie hatte sie ein Haustier oder eine Pflanze gekauft,

geschenkt bekommen oder auch nur zuf.llig gefunden.

Dieser Gummibaum war ihre erste Erfahrung mit etwas

Lebendigem.

Als sie im Salon der alten Dame die kleinen roten

Goldfische sah, die diese auf dem Schreinfest für Tsubasa

gekauft hatte, hatte sich der Wunsch nach einem Goldfisch

in ihr geregt. Er war so m.chtig geworden, dass sie kaum

die Augen von den Fischen lassen konnte. Weshalb hatte

sie pl.tzlich so stark empfunden? Vielleicht, weil sie

Tsubasa beneidete? Noch nie hatte jemand Aomame

abends auf ein Schreinfest mitgenommen, geschweige denn

ihr dort etwas gekauft. Ihre Eltern, die eifrigen und

bibeltreuen Zeugen Jehovas, verachteten und mieden alle

weltlichen Festlichkeiten.

Also hatte Aomame einen Discounter in der N.he des

Bahnhofs Jiyugaoka aufgesucht, um sich einen Goldfisch

und ein Goldfischglas zu kaufen. Wenn ihr niemand etwas

kaufte, blieb ihr eben nichts anderes übrig, als es selbst zu

tun. Es reicht, dachte sie. Ich bin drei.ig Jahre alt und lebe

allein. Mein Bankschlie.fach ist voller Geldbündel, dick

und hart wie Backsteine. Ich brauche niemanden zu fragen,

wenn ich mir einen Goldfisch kaufe.

Aber als sie in die Tierabteilung kam und die echten

Goldfische sah, deren Flossen sich zart flatternd wie

Spitzenborten im Wasser des Aquariums bewegten, war sie

au.erstande, einen davon zu kaufen. So ein Goldfisch war

winzig, nur ein alberner Fisch, ohne Bewusstsein und ohne

F.higkeit zur Reflexion, dennoch war er ein vollkommener

lebendiger Organismus. Es kam Aomame unpassend vor,

dieses Leben k.uflich zu erwerben und zu ihrem

pers.nlichen Besitz zu machen. Die Goldfische erinnerten

sie an sich selbst in ihrer Kindheit. Hilflose Wesen, die in

ein enges Glas eingesperrt waren und nicht entkommen

konnten. Die Goldfische wirkten allerdings nicht, als

machte ihnen das im Mindesten etwas aus. Wahrscheinlich

war es ihnen tats.chlich egal, und sie hegten gar nicht den

Wunsch, sich woandershin zu begeben. Doch Aomame

hatte das damals unbedingt gewollt.

Die Goldfische im Salon der alten Dame hatten keine

derartigen Gefühle in ihr ausgel.st. Anmutig und fr.hlich

waren sie in ihrem Glas herumgeschwommen, in dessen

Wasser sich die Strahlen des sommerlichen Lichts brachen.

Die Vorstellung, mit einem Goldfisch zusammenzuleben,

war Aomame wundervoll erschienen. Doch die Goldfische

in der Zooabteilung des Billigkaufhauses am Bahnhof übten

eine stark beklemmende Wirkung auf sie aus. Nachdem sie

die Fischlein in dem Aquarium eine Weile betrachtet hatte,

presste sie die Lippen fest aufeinander. Es geht nicht,

dachte sie. Ich kann auf keinen Fall einen Goldfisch halten.

Damals war ihr Blick auf den Gummibaum in der

hintersten Ecke des Ladens gefallen. Man hatte ihn an

einen unauff.lligen Platz ger.umt, und dort kauerte er nun

wie ein ausgesetztes Waisenkind. Zumindest sah es in

Aomames Augen so aus. Obwohl er so unscheinbar war

und es ihm an Symmetrie fehlte, kaufte sie ihn, ohne richtig

darüber nachzudenken. Nicht weil er ihr gefiel. Sie konnte

einfach nicht anders. Und tats.chlich würdigte sie ihn,

nachdem sie ihn in ihrer Wohnung aufgestellt hatte, kaum

eines Blickes, au.er wenn sie ihm hin und wieder Wasser

gab.

Doch nun, wo sie ihn zurückgelassen hatte und wusste,

dass sie ihn nie wiedersehen würde, konnte Aomame nicht

umhin, sich um ihn zu sorgen. Sie verzog ihr Gesicht, wie

so h.ufig, wenn sie verst.rt war und nicht herausschreien

wollte. Ihre Züge verzerrten sich bis zum Extrem, sodass ihr

Gesicht sich in das eines anderen Menschen verwandelte.

Erst nachdem sie ihre Gesichtsmuskeln in s.mtliche

Richtungen zu allen m.glichen Grimassen verzerrt hatte,

entspannten sich ihre Züge, und sie sah aus wie immer.

Warum machte sie nur ein solches Gewese um diesen

Gummibaum?

Tamaru behandelt den Gummibaum bestimmt gut,

dachte Aomame. Bestimmt viel besser und fürsorglicher als

ich. Schlie.lich ist er – im Gegensatz zu mir – daran

gew.hnt, sich um lebendige Wesen zu kümmern und

liebevoll mit ihnen umzugehen. Den Hund hat er wie sein

eigenes Fleisch und Blut behandelt. Selbst für die Pflanzen

in der Weidenvilla hat er ein Herz. Sobald er etwas Zeit hat,

geht er durch den Garten, um sie gründlich in Augenschein

zu nehmen. Und im Waisenhaus hat er diesen armen

dusseligen Jungen unter seine Fittiche genommen und

beschützt. Unter Einsatz seines Lebens. Ich k.nnte so

etwas nie. Mir fehlen die Reserven, um Verantwortung für

andere Menschen zu übernehmen. Die Last meines eigenen

Lebens und meiner Einsamkeit zu tragen kostet mich schon

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