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作者: 当前章节:15364 字 更新时间:2026-6-19 08:06

meine ganze Kraft.

Das Wort Einsamkeit erinnerte Aomame an Ayumi.

Irgendein Mann hatte sie in einem Love-Hotel mit ihren

eigenen Handschellen ans Bett gefesselt, brutal

vergewaltigt und mit dem Gürtel eines Bademantels

erwürgt. Soweit Aomame wusste, war der T.ter noch nicht

gefasst worden. Obwohl Ayumi eine Familie und Kollegen

gehabt hatte, war sie einsam gewesen. So einsam, dass sie

auf diese grausame Weise hatte sterben müssen. Und ich,

dachte Aomame, habe ihr nicht geben k.nnen, was sie sich

von mir erhoffte. Aber ich hatte ein Geheimnis und musste

für mich bleiben. Ich konnte es doch auf keinen Fall mit ihr

teilen. Warum musste Ayumi sich ausgerechnet mich als

Herzensfreundin aussuchen? Als g.be es nicht massenhaft

andere Leute auf dieser Welt.

Als sie die Augen schloss, tauchte der Gummibaum, den

sie in ihrer leeren Wohnung zurückgelassen hatte, vor ihr

auf.

WARUM MACHTE SIE NUR EIN SOLCHES GEWESE UM

DIESEN GUMMIBAUM?

Aomame begann zu weinen. Was ist nur los mit mir?,

dachte sie mit leichtem Kopfschütteln. Ich heule

neuerdings zu viel. Und auch noch wegen diesem bl.den

Gummibaum. Aber sie konnte ihre Tr.nen nicht

zurückhalten. Sie schluchzte, dass ihre Schultern bebten.

Nichts ist mir geblieben. Nicht einmal ein sch.biger

Gummibaum. Alles, was mir etwas wert ist, verschwindet.

Alle verlassen mich. Nur die Erinnerung an Tengo ist mir

noch geblieben.

Ich muss aufh.ren zu weinen, sagte sie sich. Ich bin jetzt

in Tengos Innerem. Wie dieses .Mikro-

Selbstmordkommando. von Wissenschaftlern – genau, das

war der japanische Titel dieses Films über die phantastische

Reise durch den K.rper eines Menschen. Dass der Titel des

Films ihr wieder eingefallen war, richtete Aomame seelisch

etwas auf. Sie h.rte auf zu weinen. Sie konnte weinen,

soviel sie wollte, es würde nichts helfen. Sie musste wieder

die kaltblütige, harte Aomame werden.

Aber wer verlangte das eigentlich von ihr?

Ich, sagte sie.

Und sah sich um. Am Himmel standen die beiden Monde.

.Das ist das Zeichen. Du musst den Himmel aufmerksam

im Auge behalten., hatte einer der Little People gesagt. Der

mit der leisen Stimme war es gewesen.

.Hoho., sagte der Zwischenrufer.

Pl.tzlich bemerkte sie ihn. Sah, dass sie nicht der einzige

Mensch war, der in diesem Moment zu den Monden

hinaufschaute. Auf dem Spielplatz auf der anderen Seite

der Stra.e war ein junger Mann. Er sa. oben auf der

Rutsche und starrte in die gleiche Richtung wie sie. Der

Mann sieht zwei Monde, genau wie ich. Das war Aomame

sofort klar. Ohne jeden Zweifel. Er sieht das Gleiche wie

ich, dachte sie. Er kann sie sehen. Diese Welt hat

tats.chlich zwei Monde. Aber wenn es stimmt, was der

Leader gesagt hat, k.nnen nicht alle sie sehen.

Aber dass der gro.e junge Mann dort auf der Rutschbahn

die beiden Monde sah, war unverkennbar. Darauf w.re sie

jede Wette eingegangen. Sie wusste es ganz genau. Er sah

einen gro.en gelben Mond und einen kleinen grünen, der

wie mit Moos überwachsen wirkte und asymmetrisch war.

Und er schien zu überlegen, was diese beiden

nebeneinanderstehenden Monde zu bedeuten hatten. Ob

dieser Mann auch eine der Personen war, die unfreiwillig in

die neue Welt des Jahres 1Q84 hinübergedriftet waren?

Vielleicht war er verwundert und verstand nicht, was all das

bedeutete. Ganz sicher war es so. Deshalb war er an diesem

Abend auf die Rutsche im Park geklettert, um ganz für sich

die beiden Monde zu betrachten. Um ausführlich über

verschiedene M.glichkeiten nachzudenken und

Hypothesen anzustellen.

Aber vielleicht t.uschte sie sich auch, und der Mann war

wom.glich ein von den Vorreitern geschickter Verfolger,

der auf seiner Jagd nach ihr bis hierher gelangt war.

Aomames Herz begann zu rasen, und in ihren Ohren

entstand ein hoher Pfeifton. Unwillkürlich tastete sie mit

ihrer rechten Hand nach der Pistole in ihrem Hosenbund

und umklammerte mit aller Kraft den harten Griff.

Doch bei n.herem Hinsehen besa. der Mann nicht die

energische und nachdrückliche Ausstrahlung für so etwas.

Auch vermittelte er überhaupt keinen gewaltt.tigen

Eindruck, wie er, so ganz allein oben auf der Rutschbahn

hockend, den Kopf an das Gel.nder gelehnt, zu den beiden

Monden hinaufsah. Offenbar gab er sich ausgedehnten

Reflexionen hin. Von ihrem Balkonstuhl sp.hte Aomame

durch den Spalt zwischen dem Metallgel.nder und der

Blende aus undurchsichtigem Plastik auf den Mann

hinunter. Er h.tte sie nicht sehen k.nnen, selbst wenn er in

ihre Richtung geblickt h.tte. Au.erdem war der Mann so in

seine Betrachtung des Himmels versunken, dass er

wahrscheinlich nie auf die Idee gekommen w.re, dass auch

er beobachtet wurde.

Aomame entspannte sich und stie. die angehaltene Luft

aus. Sie lockerte ihren Griff und nahm die Hand von der

Pistole, ohne jedoch den Mann aus den Augen zu lassen.

Aus ihrem Blickwinkel konnte sie nur sein Profil erkennen.

Durch die hohe Laterne im Park war seine Gestalt hell

beleuchtet. Der Mann war gro. und breitschultrig. Sein

dichtes Haar war kurz geschnitten, und er trug ein

lang.rmliges T-Shirt, dessen .rmel er bis zum Ellbogen

hochgeschoben hatte. Er sah nicht besonders gut aus, hatte

aber recht attraktive, markante Züge. Seine Kopfform war

auch nicht schlecht. Etwas .lter und mit weniger Haar w.re

er genau ihr Typ gewesen.

Da wusste Aomame es pl.tzlich.

ES WAR TENGO.

Das kann nicht sein, dachte sie. Sie schüttelte mehrmals

kurz und entschieden den Kopf. Es musste sich um eine

unglaubliche Verwechslung handeln. Wie sollte es je zu so

einem glücklichen Zusammentreffen kommen? Aomame

konnte nicht mehr normal atmen. Ihr Organismus geriet

v.llig in Aufruhr. Denken und Handeln lie.en sich nicht

mehr koordinieren. Sie musste sich den Mann noch einmal

genau ansehen, schaffte es aber aus irgendeinem Grund

nicht, ihre Blickrichtung zu kontrollieren. Ihre Sehkraft

schien pl.tzlich stark beeintr.chtigt.

WAS SOLL ICH TUN?

Sie erhob sich von ihrem Gartenstuhl und sah sich ratlos

um. Ihr fiel das kleine Nikon-Fernglas ein, das in dem

Sideboard im Wohnzimmer lag. Sie suchte es hervor, eilte

damit auf den Balkon zurück und richtete es auf die

Rutschbahn. Der junge Mann sa. noch immer dort. Sogar

in der gleichen Haltung. Schaute, ihr sein Profil zugewandt,

zum Himmel. Mit zitternden Fingern stellte Aomame das

Fernglas ein, um das Profil – konzentriert und mit

angehaltenem Atem – n.her in Augenschein zu nehmen. Es

war Tengo. Zwanzig Jahre waren vergangen; dennoch hatte

er sich seit seinem zehnten Lebensjahr nicht so sehr

ver.ndert. Er schien einfach drei.ig geworden zu sein.

Doch kindlich wirkte er auch nicht. Natürlich war er sehr

gewachsen, sein Nacken war kr.ftig, und auch seine

Gesichtszüge und ihr nachdenklicher Ausdruck waren

eindeutig die eines Erwachsenen. Seine auf den Knien

liegenden H.nde waren gro. und fest, und trotz allem war

er noch der Gleiche wie vor zwanzig Jahren in dem

Klassenzimmer in ihrer Grundschule. Sein robuster, starker

K.rper vermittelte Aomame eine natürliche W.rme und

ein Gefühl von Sicherheit. Wie gern h.tte sie ihr Gesicht an

seiner Brust geborgen. Allein der Gedanke daran beglückte

sie. Und auch der, dass er auf dem Spielplatz vor ihrem

Haus oben auf der Rutsche sa., in den Himmel schaute

und das sah, was sie sah. Die beiden Monde. Ja, sie sahen

beide das Gleiche.

WAS SOLL ICH TUN?

Aomame hatte nicht die geringste Ahnung. Sie legte das

Fernglas in ihren Scho. und ballte mit aller Kraft die

F.uste. So fest, dass die N.gel sich in ihre Handfl.chen

gruben und deutliche Male hinterlie.en. Ihre F.uste

zitterten.

WAS SOLL ICH TUN?

Sie h.rte ihr eigenes heftiges Keuchen. Inzwischen hatte

sie das Gefühl, in zwei H.lften gespalten zu sein. Die eine

Seite wollte glauben, dass es Tengo war, den sie dort sah.

Die andere weigerte sich, dies zu akzeptieren, und dr.ngte

mit aller Gewalt dagegen. Wollte leugnen, dass so etwas

m.glich war. Heftig stritten diese beiden einander

entgegengesetzten Kr.fte in ihr. Jede bemühte sich,

Aomame auf ihre Seite zu zerren. Dabei rissen sie ihr

Fleisch in Fetzen, kugelten ihr die Gelenke aus und brachen

ihr die Knochen.

Am liebsten w.re sie, so wie sie war, in den Park gerannt,

auf die Rutschbahn gestiegen und h.tte Tengo

angesprochen. Aber was sollte sie ihm sagen? Ihre

Sprechmuskeln waren wie gel.hmt. Vielleicht k.nnte sie

trotzdem irgendetwas herauspressen. Hallo, ich bin’s,

Aomame. Ich habe vor zwanzig Jahren in der Grundschule

in Shinagawa mal deine Hand gehalten. Erinnerst du dich

an mich?

Konnte man so etwas sagen?

Da musste es doch eine zumindest etwas bessere

M.glichkeit geben.

.Versteck dich weiter hier auf dem Balkon!., befahl ihr

anderer Teil. .Es gibt nichts, was du tun kannst. Oder? Du

hast gestern Abend einen Pakt mit dem Leader geschlossen.

Du verzichtest auf dein eigenes Leben, dafür wird Tengo

gerettet und kann weiter in dieser Welt leben. So lautet die

Vereinbarung. Der Vertrag ist bereits unterzeichnet. Du

hast den Leader ins Jenseits bef.rdert und zugestimmt,

dein Leben zu opfern. Was soll es also bringen, Tengo

wiederzusehen und über alte Zeiten zu plaudern?

Au.erdem, was machst du, wenn er sich gar nicht oder nur

als .diese Irre mit dem komischen Gebet. an dich erinnert?

Wie willst du es dann auf dich nehmen zu sterben?.

Bei diesem Gedanken verkrampfte sich alles in Aomame,

und sie begann unkontrollierbar zu zittern. Frostschauer

überliefen sie wie bei einer schweren Grippe. Sie fror bis ins

Mark. Bebend legte sie beide Arme um sich. Doch w.hrend

dieser ganzen Zeit lie. sie Tengo, der noch immer auf der

Rutschbahn sa. und in den Himmel schaute, keinen

Moment aus den Augen. Sie hatte das Gefühl, er würde

verschwinden, sobald sie den Blick abwandte.

Sie stellte sich vor, es seien Tengos Arme, die sie

umschlangen. Wie sehr sehnte sie sich danach, von seinen

gro.en H.nden liebkost zu werden. Und überall seine

W.rme zu spüren. In jedem Winkel ihres K.rpers von ihm

berührt und gew.rmt zu werden. Ich will, dachte sie, dass

er diese K.lte vertreibt, die mich bis ins Innerste

durchf.hrt. Dass er in mich eindringt und mich aufrührt.

Wie ich mit dem L.ffel den Kakao verrühre, langsam und

bis auf den Grund. Dann würde es mir nichts ausmachen,

auf der Stelle zu sterben. Wirklich.

Wirklich?, fragte sie sich noch einmal. Nein, wenn das

gesch.he, würde ich bestimmt nicht mehr sterben wollen,

sondern mir wünschen, für immer und ewig mit Tengo

zusammen zu sein. Meine Entschlusskraft würde

verdunsten wie Tau in der Morgensonne. Oder ich würde

ihn mit mir nehmen. Mit der Heckler & Koch zuerst ihn

erschie.en und dann mir selbst das Hirn wegpusten. Es ist

unvorhersehbar, was passieren k.nnte und was ich

vielleicht anrichten würde.

WAS SOLL ICH TUN?

Sie konnte einfach zu keiner Entscheidung gelangen. Ihr

Atem ging heftig. Ein Gedanke nach dem anderen raste ihr

durch den Kopf und verschwand. Keinen konnte sie richtig

zu fassen bekommen. Was war richtig, was war falsch? Sie

wusste nur eines: Sie wollte sich sofort hier und jetzt in

Tengos Arme werfen. Alles andere kam sp.ter. Darüber

sollte von ihr aus Gott oder der Teufel entscheiden.

Aomames Entschluss stand fest. Sie ging ins Bad und

wischte sich mit einem Handtuch die letzten Tr.nenspuren

aus dem Gesicht. Ordnete vor dem Spiegel rasch ihr Haar.

Ihre Miene wirkte abwesend. Ihre Augen waren

blutunterlaufen. Selbst ihre Kleidung war unansehnlich,

und die 9-mm-Automatik im Hosenbund ihres

verwaschenen Trainingsanzugs rief eine sonderbare Beule

an ihrem Rücken hervor. Nicht gerade die ideale

Aufmachung für eine Begegnung mit dem Mann, nach dem

sie sich seit zwanzig Jahren verzehrte. Sie h.tte sich gern

etwas Besseres angezogen. Aber dazu war es jetzt zu sp.t.

Ihr blieb keine Zeit mehr zum Umziehen. Hastig schlüpfte

sie in ihre Turnschuhe und rannte, ohne die Tür hinter sich

abzuschlie.en, über den Notausgang die zwei Stockwerke

hinunter. Sie ging quer über die Stra.e und lief durch den

menschenleeren Park. Aber Tengo war nicht mehr da. Die

vom Licht der Laterne beschienene Plattform der

Rutschbahn war leer. Und abweisender, k.lter und leerer

als die Rückseite des Mondes.

Hatte sie sich alles nur eingebildet?

Nein, auf keinen Fall, dachte sie atemlos. Eben hatte

Tengo noch hier gesessen. Ohne jeden Zweifel. Sie stieg auf

die Rutschbahn und sah sich im Stehen um. Keine

Menschenseele zu sehen. Aber weit konnte er noch nicht

sein, wo er doch gerade noch hier gewesen war. Mehr als

vier oder fünf Minuten konnten nicht vergangen sein.

Wenn sie jetzt loslief, würde sie ihn vielleicht noch

einholen.

Doch sie überlegte es sich anders. Hielt ihren Drang, ihm

zu folgen, mit aller Kraft im Zaum. Nein, das geht nicht.

Das kann ich nicht machen, dachte sie. Ich wei. nicht mal,

in welche Richtung er gegangen ist. Ich werde nicht

versuchen, Tengo zu finden, indem ich ziellos durch die

n.chtlichen Stra.en von Koenji renne. Das darf ich nicht.

Ich sitze in dem Gartenstuhl und überlege hin und her. In

dieser Zeit steigt Tengo von der Rutschbahn und geht weg.

Das ist mein Schicksal. Ich habe zu lange gez.gert, konnte

mich nicht entscheiden, und w.hrenddessen ist Tengo

verschwunden. So was kann auch nur mir passieren.

Am Ende war es vielleicht am besten so, sagte sie sich.

Immerhin bin ich Tengo zuf.llig begegnet. Ich konnte ihn

nur durch eine Stra.e getrennt sehen und davon tr.umen,

dass er mich in die Arme nimmt. Auch wenn es blo. ein

paar Minuten waren, konnte ich doch das Glück und die

Hoffnung mit meinem ganzen Sein genie.en. Die Augen

geschlossen, umklammerte Aomame das Gel.nder der

Rutschbahn. Sie biss sich auf die Lippen.

In der gleichen Haltung wie Tengo schaute sie nun nach

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