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作者: 当前章节:15372 字 更新时间:2026-6-19 08:06

Südwesten, wo nebeneinander der gro.e und der kleine

Mond schienen. Dann blickte sie zu ihrem Balkon im

zweiten Stock des Apartmenthauses hinüber. In der

Wohnung brannte Licht. Gerade noch hatte sie Tengo von

dort aus auf der Rutschbahn gesehen. Noch immer schien

dem Balkon etwas von ihrer tiefen Verunsicherung

anzuhaften.

1Q84 – so habe ich diese Welt genannt. Erst vor einem

halben Jahr habe ich sie betreten, und bald werde ich sie

wieder verlassen. Unabsichtlich bin ich hierhergekommen,

absichtlich werde ich gehen. Tengo wird bleiben, auch

wenn ich fort bin. Natürlich wei. ich nicht, wie diese Welt

sich für ihn entwickeln wird. Und habe auch kein Mittel, es

zu erfahren. Aber das macht nichts. Ich bin bereit, für ihn

zu sterben. Mein eigenes Leben kann ich nicht führen.

Diese M.glichkeit wurde mir von vornherein geraubt.

Immerhin kann ich stattdessen für Tengo sterben. Das

genügt mir. Ich gehe l.chelnd in den Tod.

Das ist keine Lüge.

Aomame bemühte sich, zumindest ein wenig von Tengos

Pr.senz in sich aufzunehmen. Doch an den kalten Stangen

der Rutschbahn war nicht die geringste W.rme

zurückgeblieben. Der Nachtwind, der schon eine Ahnung

von Herbst in sich trug, fegte durch das Laub des

Keyakibaums, wie um jede Spur auszul.schen. Dennoch

blieb Aomame lange sitzen und schaute zu den beiden

Monden hinauf. Badete in ihrem seltsamen Licht, dem

jedes Gefühl fehlte. Umgeben vom L.rm der Gro.stadt, der

sich aus allen m.glichen Ger.uschen zu einem Basso

continuo verband. Aomame musste an die Spinnchen

denken, die ihre Netze an der Treppe der Stadtautobahn

gesponnen hatten. Ob sie noch lebten und weiter ihre

Netze spannen?

Aomame l.chelte.

Ich bin bereit, dachte sie.

Aber zuvor musste sie noch eine bestimmte Stelle

aufsuchen.

KAPITEL 22

Tengo

Solange es zwei Monde gibt

Tengo kletterte von der Rutsche, verlie. den Park und

ging ziellos durch die Stra.en. Er achtete kaum auf den

Weg und bemühte sich, Ordnung in seine wirren Gedanken

zu bringen. Doch es half nichts, er konnte einfach nicht

mehr klar denken. Wahrscheinlich hatte er sich dort auf

der Rutschbahn schon zu vielen Grübeleien hingegeben:

über die beiden Monde, über Blutsbande, über einen

Neuanfang, über seinen schwindelerregenden Tagtraum,

über Fukaeri und Die Puppe aus Luft, über Aomame, die

sich irgendwo in der N.he versteckte. In seinem Kopf

herrschte ein furchtbares Durcheinander, die Grenzen

seiner Konzentrationsf.higkeit waren erreicht. Er wollte

m.glichst schnell ins Bett und schlafen. Morgen früh

konnte er weiter nachdenken. Es würde sowieso nichts

dabei herauskommen, wenn er sich jetzt weiter den Kopf

zerbrach.

Als Tengo in die Wohnung kam, sa. Fukaeri an seinem

Schreibtisch und spitzte eifrig mit einem kleinen

Taschenmesser einen Bleistift. Tengo hatte meistens

ungef.hr zehn in seinem Bleistiftst.nder, doch nun hatte

ihre Zahl sich verdoppelt. Fukaeri hatte sie

bewundernswert pr.zise gespitzt. Noch nie hatte Tengo so

sch.n gespitzte Bleistifte gesehen. Sie waren spitz wie

N.hnadeln.

.Es hat jemand angerufen., sagte sie, eine Bleistiftspitze

mit dem Daumen prüfend. .Aus Chikura..

.Du solltest doch nicht abheben!.

.Aber es war ein wichtiger Anruf..

Das hatte sie vermutlich am Klingeln erkannt.

.Worum ging es denn?., fragte Tengo.

.Haben sie nicht gesagt..

.Der Anruf kam aus dem Sanatorium in Chikura, oder?.

.Sie sollen zurückrufen..

.Haben sie das gesagt?.

.Ja. Egal, wie sp.t es ist..

Tengo seufzte. .Ich habe die Nummer nicht..

.Ich wei. sie..

Sie hatte die Nummer einfach so behalten. Tengo notierte

sie sich auf einem Zettel. Dann warf er einen Blick auf die

Uhr. Halb neun.

.Gegen wie viel Uhr kam der Anruf?.

.Eben erst..

Tengo ging in die Küche und trank ein Glas Wasser. Er

stützte sich mit beiden H.nden auf dem Rand des

Spülbeckens ab und schloss die Augen. Nachdem er sich

vergewissert hatte, dass sein Kopf wieder einigerma.en

normal arbeitete, ging er zum Telefon und w.hlte die

Nummer. Vielleicht war sein Vater gestorben. Zumindest

ging es um Leben und Tod. Sonst h.tte das Sanatorium

bestimmt nicht so sp.t noch angerufen.

Eine Frau hob ab. Tengo nannte seinen Namen und sagte,

er sei um Rückruf gebeten worden.

.Sie sind Herrn Kawanas Sohn, nicht wahr?., sagte sie.

Tengo bejahte.

.Sie haben Ihren Vater doch vor einigen Tagen besucht.,

sagte die Frau.

Vor Tengos innerem Auge tauchte das Bild der

Krankenschwester mit der goldger.nderten Brille auf. An

ihren Namen konnte er sich nicht erinnern.

Er begrü.te sie kurz. .Sie hatten angerufen …?., fragte er.

.Ja, einen Moment bitte. Ich verbinde Sie mit dem

behandelnden Arzt. Es ist besser, Sie sprechen direkt mit

ihm..

Den H.rer ans Ohr gepresst, wartete Tengo. Es dauerte.

Endlos schien sich die simple Melodie des Volkslieds auf

dem Band zu wiederholen. Tengo schloss die Augen und

dachte an die Landschaft der Boso-Küste, an der das

Sanatorium lag, an das dichte Kiefernw.ldchen und den

Wind vom Meer, der sich darin verfing. Die unaufh.rlich

an den Strand schlagenden Wellen des Stillen Ozeans. Die

ruhige, menschenleere Eingangshalle. Das Ger.usch, das

die Rollen der mobilen Betten machten, wenn sie durch die

Flure geschoben wurden. Die sonnengebleichten Vorh.nge.

Die sauber gebügelte wei.e Tracht der Krankenschwestern.

Den ziemlich üblen dünnen Kaffee in der Kantine.

Kurze Zeit sp.ter meldete sich der Arzt.

.Ah, entschuldigen Sie, dass ich Sie habe warten lassen.

Ich war gerade bei einem Notfall..

.Das ist doch kein Problem., sagte Tengo und versuchte,

sich das Gesicht des Arztes vorzustellen. Doch dann fiel

ihm ein, dass er diesen Arzt ja noch nie gesehen hatte. Sein

Verstand arbeitete anscheinend doch nicht ganz richtig.

.Ist etwas mit meinem Vater?.

Der Arzt lie. einen Moment verstreichen. .Heute ist

eigentlich nicht direkt etwas passiert. Allerdings hat sich

sein Befinden seit einer Weile chronisch verschlechtert. Er

ist unterdessen in einen komat.sen Zustand gefallen..

.Komat.s?., sagte Tengo.

.Er schl.ft die ganze Zeit fest..

.Er ist also nicht bei Bewusstsein?.

.So ist es..

Tengo überlegte. Er musste sein Hirn auf Trab bringen.

.Hat eine Erkrankung dieses Koma verursacht?.

.Nein, eigentlich nicht.. In der Stimme des Arztes

schwang eine gewisse Verlegenheit mit.

Tengo wartete.

.Es ist schwierig, das am Telefon zu erkl.ren. Sein

Zustand ist gar nicht so besonders schlecht. Er hat kein

Leiden, das man eindeutig beim Namen nennen kann, wie

Krebs oder Lungenentzündung. Vom medizinischen

Standpunkt aus k.nnen wir keine spezifische Krankheit

diagnostizieren. Allerdings l.sst bei Ihrem Herrn Vater die

natürliche Lebensenergie, die die K.rperfunktionen in

Gang h.lt, zusehends nach. Was der Ausl.ser ist, wissen

wir nicht. Somit k.nnen wir ihn auch nicht behandeln. Er

wird künstlich ern.hrt, aber das ist letzten Endes nur eine

Symptombehandlung, die nicht die Ursache bek.mpft..

.Darf ich Sie ganz direkt etwas fragen?., sagte Tengo.

.Selbstverst.ndlich., sagte der Arzt.

.Hei.t das, dass mein Vater nicht mehr lange zu leben

hat?.

.Wenn sein augenblicklicher Zustand andauert, müssen

wir mit allem rechnen..

.Ist es so etwas wie Altersschw.che?.

.Ihr Vater ist erst in den Sechzigern., sagte der Arzt in

skeptischem Ton. .Das ist eigentlich noch zu früh für

Altersschw.che. Au.erdem ist er im Grunde ein recht

gesunder Mensch. Abgesehen von seiner Demenz haben

wir nichts Konkretes festgestellt. Bei den regelm..igen

Untersuchungen, die wir hier durchführen, waren seine

Ergebnisse immer recht gut. Wir haben nicht den

geringsten Hinweis auf eine ernsthafte Erkrankung

gefunden..

Hier schwieg der Arzt kurz.

.Allerdings., fuhr er fort, .hat der Zustand, in dem er

sich in den letzten paar Tagen befindet, tats.chlich

.hnlichkeit mit Altersschw.che, wie Sie es genannt haben.

Die Werte s.mtlicher K.rperfunktionen sind stark

abgesunken, und sein Lebenswille scheint immer

schw.cher zu werden. Im Allgemeinen tritt ein derartiger

Zustand erst bei Menschen auf, die .lter als Mitte achtzig

sind. Etwa in diesem Alter ermüdet bei den meisten die

Lebenskraft, und es kommt durchaus vor, dass der

Organismus seinen Dienst verweigert. Aber im Augenblick

verstehe ich noch nicht, warum das bei Ihrem Vater

passiert. Er ist ja, wie gesagt, noch zu jung dazu..

Tengo biss sich nachdenklich auf die Lippe.

.Wann hat dieses Koma eingesetzt?., fragte er.

.Vor drei Tagen., sagte der Arzt.

.Also ist er seit drei Tagen kein einziges Mal

aufgewacht?.

.Nein..

.Und seine K.rperfunktionen werden immer schw.cher..

.Die Lage ist nicht dramatisch, aber seine Lebenskraft

schwindet langsam, aber sicher dahin., sagte der Arzt. .Es

ist wie bei einem Zug, der seine Geschwindigkeit drosselt,

wenn er auf einen Bahnhof zuf.hrt, wenn Sie mir den

Vergleich erlauben..

.Wie viel Zeit, meinen Sie, hat er noch?.

.Das kann ich Ihnen nicht genau sagen. Aber wenn sein

Zustand sich nicht bessert, im schlimmsten Fall vielleicht

nur noch eine Woche., sagte der Arzt.

Tengo biss sich wieder auf die Lippe und wechselte den

H.rer in die andere Hand.

.Ich komme morgen., sagte Tengo. .Ich wollte ohnehin

bald zu Ihnen hinausfahren. Vielen Dank, dass Sie mich

benachrichtigt haben..

Der Arzt schien erleichtert. .Tun Sie das. Ich würde es

auch für das Beste halten, wenn Sie m.glichst rasch nach

ihm sehen würden. Wahrscheinlich k.nnen Sie nicht mit

ihm sprechen, aber Ihr Herr Vater wird sich gewiss freuen..

.Aber er ist doch gar nicht bei Bewusstsein?.

.Nein..

.Meinen Sie, er hat Schmerzen?.

.Im Augenblick vermutlich nicht. Er hat Glück im

Unglück, er schl.ft einfach tief und fest..

.Haben Sie vielen Dank., sagte Tengo.

.Herr Kawana., sagte der Arzt. .Ihr Vater war – wie soll

ich sagen – immer ein sehr pflegeleichter Patient. Ein

Mensch, der niemandem zur Last f.llt..

.So war er schon immer., sagte Tengo, bedankte sich

noch einmal und legte auf.

Tengo machte sich einen Kaffee und setzte sich Fukaeri

gegenüber an den Tisch, um ihn zu trinken.

.Sie fahren morgen weg., fragte sie.

Tengo nickte. .Morgen früh muss ich noch mal in den

Zug steigen und in die Stadt der Katzen fahren..

.Die Stadt der Katzen., sagte Fukaeri tonlos.

.Du wartest hier., fragte Tengo. Seit Fukaeri bei ihm

wohnte, hatte er es sich angew.hnt, hin und wieder wie sie

ohne Fragezeichen zu sprechen.

.Ich warte hier..

.Ich fahre allein in die Stadt der Katzen.. Tengo nahm

einen Schluck Kaffee. Erst dann fiel ihm ein, dass er Fukaeri

nichts angeboten hatte. .M.chtest du etwas trinken.,

fragte er.

.Wenn Sie Wei.wein haben..

Tengo .ffnete den Kühlschrank und entdeckte eine

Flasche Chardonnay, die er vor einiger Zeit im

Sonderangebot gekauft hatte. Auf dem Etikett war ein

Wildschwein abgebildet. Er entkorkte die Flasche, schenkte

ein und stellte Fukaeri das Glas hin. Nach einigem Z.gern

goss er sich selbst ein Glas ein. Er hatte tats.chlich mehr

Lust auf Wein als auf Kaffee. Der Wein war etwas zu kalt

und zu sü., aber der Alkohol half ihm, sich zu entspannen.

.Sie fahren morgen in diese Stadt., wiederholte Fukaeri.

.Mit einem frühen Zug., sagte Tengo.

W.hrend er seinen Wein trank, musste er daran denken,

dass er im K.rper dieses sch.nen jungen M.dchens

ejakuliert hatte. Auf einmal erschien ihm die vergangene

Nacht wie etwas, das sich in ferner Vergangenheit

zugetragen hatte. Fast wie ein historisches Ereignis. Doch

die sinnliche Empfindung war noch sehr lebendig in ihm.

.Es ist ein zweiter Mond hinzugekommen., er.ffnete

Tengo ihr, w.hrend er sein Glas langsam in der Hand

drehte. .Als ich eben zum Himmel sah, waren es auf einmal

zwei Monde. Ein gro.er gelber und ein kleiner grüner.

Vielleicht ist das schon l.nger so, und ich habe es blo.

nicht gemerkt..

Fukaeri .u.erte sich nicht zu dieser Er.ffnung. Sie schien

nicht erstaunt zu sein. Sie verzog keine Miene, zuckte nicht

einmal mit den Schultern. Offenbar war die Vermehrung

des Mondes keine besondere Neuigkeit für sie.

.Ich brauche es dir nicht zu sagen, aber das ist wie in Die

Puppe aus Luft, oder? Darin hat die Welt doch auch zwei

Monde..

Fukaeri schwieg. Sie antwortete nicht auf überflüssige

Fragen.

.Was ist der Grund dafür? Wie kann so etwas sein?.

Natürlich keine Antwort.

Tengo formulierte seine Frage so direkt, wie er konnte.

.Hei.t das, dass wir in die Welt geraten sind, die in Die

Puppe aus Luft beschrieben wird?.

Fukaeri inspizierte aufmerksam die Form ihrer zehn

Fingern.gel. .Das kommt, weil wir beide das Buch

geschrieben haben., sagte sie nach einer Weile.

Tengo stellte sein Glas auf den Tisch. .Du und ich., sagte

er, .haben zusammen Die Puppe aus Luft geschrieben und

ver.ffentlicht. Das Buch ist ein Bestseller geworden, und

die Informationen über die Little People und diese Mother-

und-Daughter-Geschichte sind an die .ffentlichkeit

gedrungen. Deshalb sind wir beide zusammen in diese neue

andere Welt gekommen. Stimmt das?.

.Sie sind der Risiewa..

.Receiver., wiederholte Tengo. .Ich habe in Die Puppe

aus Luft ja wirklich etwas über den Receiver geschrieben.

Aber was das ist, habe ich nicht richtig verstanden. Welche

Rolle erfüllt dieser Receiver eigentlich konkret?.

Fukaeri schüttelte leicht den Kopf. Das konnte sie nicht

erkl.ren.

Was einer ohne Erkl.rung nicht versteht, versteht er auch

nicht, wenn man es ihm erkl.rt, hatte sein Vater gesagt.

.Wir bleiben besser zusammen., sagte Fukaeri. .Bis Sie

sie finden..

Tengo sah Fukaeri eine Weile schweigend ins Gesicht und

versuchte darin zu lesen. Aber es war wie üblich v.llig

ausdruckslos. Spontan wandte er den Kopf ab und schaute

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