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作者: 当前章节:15401 字 更新时间:2026-6-19 08:06

Lenkrad ihres nagelneuen Mercedes gelegt, noch immer

wie gebannt auf Aomame. Sie schien – wie auch die

anderen Leute – die Bedeutung der Waffe in Aomames

Hand nicht zu begreifen. Andernfalls würde sie sicher

beiseite schauen, dachte Aomame. Wenn sich jemand vor

meiner Nase das Hirn wegblasen würde, würde ich

wahrscheinlich den ganzen Tag keinen Bissen mehr

runterkriegen. Also, nichts für ungut, aber sehen Sie lieber

weg, wandte sich Aomame stumm an die Dame. Es ist doch

offensichtlich, dass ich mir nicht die Z.hne putzen will. Ich

stecke mir eine deutsche Automatikpistole, Typ Heckler &

Koch, in den Mund und habe gerade mein letztes Gebet

gesprochen. Was das bedeutet, k.nnen Sie sich ja wohl

denken.

Das ist mein Rat. Es ist ein guter Rat. Schauen Sie weg,

sehen Sie nichts, und fahren Sie mit Ihrem nagelneuen

Mercedes-Coupé schnurstracks nach Hause, in Ihr

hübsches Zuhause, wo Ihr lieber Mann und Ihre lieben

Kinderchen warten, und machen Sie weiter mit Ihrem

friedlichen Leben. Jemand wie Sie sollte so etwas nicht

sehen. Das ist eine echte Pistole. H.sslich und brutal.

Geladen mit sieben h.sslichen Patronen. Wie Anton

Tschechow schon sagte: Wenn in einer Geschichte ein

Gewehr vorkommt, muss es auch irgendwann abgefeuert

werden. Das ist der Sinn von Geschichten.

Aber die Dame wollte den Blick partout nicht abwenden.

Resigniert schüttelte Aomame ein wenig den Kopf. Tut mir

leid, aber l.nger kann ich nicht warten. Time’s up. Die

Vorstellung beginnt.

Der Tiger im Tank.

.Hoho., rief der Zwischenrufer.

.Hoho., stimmten die übrigen sechs Little People ein.

.Tengo., sagte Aomame. Und spannte ihren Finger am

Abzug.

KAPITEL 24

Tengo

Solange es die W.rme noch gibt

Am n.chsten Vormittag nahm Tengo vom Bahnhof Tokio

den Express nach Tateyama. Von dort fuhr er mit dem

Bummelzug nach Chikura. Es war ein sonniger windstiller

Morgen. Das Meer bewegte sich kaum. Der Sommer neigte

sich bereits dem Ende zu, und mit seiner leichten

Baumwolljacke über dem kurz.rmligen Hemd war Tengo

genau richtig angezogen. Es überraschte ihn, wie ruhig es

nun in der kleinen Stadt am Meer war, nachdem die

Badeg.ste verschwunden waren. Man kommt sich ja

wirklich fast vor wie in der Stadt der Katzen, dachte er.

Er begnügte sich mit einer einfachen Mahlzeit am

Bahnhof und nahm dann ein Taxi zum Sanatorium. Es war

kurz nach eins, als er dort ankam. Am Empfang begrü.te

ihn wieder die gleiche Krankenschwester. Sie war es auch

gewesen, die ihn am Abend zuvor angerufen hatte.

Schwester Tamura. Sie erinnerte sich an ihn und verhielt

sich etwas liebenswürdiger als beim ersten Mal. Sie l.chelte

sogar ein bisschen. Vielleicht trug auch Tengos verbesserter

Aufzug dazu bei.

Zun.chst führte sie ihn in die Cafeteria und brachte ihm

einen Kaffee. .Bitte warten Sie einen Moment. Der Herr

Doktor kommt gleich., sagte sie. Nach etwa zehn Minuten

erschien, sich mit einem Handtuch die H.nde abtrocknend,

der zust.ndige Arzt. Er musste um die fünfzig sein, denn

sein starkes Haar war bereits von wei.en Str.hnen

durchzogen. Offenbar hatte er etwas Anderweitiges zu

erledigen gehabt, denn er trug keinen wei.en Kittel. Mit

seiner sportlichen Statur, in dem grauen Sweatshirt mit

passender Hose und den abgetragenen Joggingschuhen

wirkte er nicht so sehr wie ein Arzt an einem Sanatorium,

sondern eher wie der Trainer einer Uni-Mannschaft, die es

nie aus der zweiten Liga herausschaffte.

Noch einmal erkl.rte er Tengo in etwa das Gleiche wie am

Abend zuvor am Telefon. Leider habe er im Augenblick so

gut wie keine medizinische Handhabe mehr. Aus seiner

Miene und seiner Wortwahl zu schlie.en, empfand er

aufrichtiges Bedauern.

.Das einzige Mittel, das uns noch bleibt, ist die direkte

Ansprache. Durch Sie. Vielleicht k.nnen Sie als sein Sohn

seinen Lebenswillen noch einmal wecken..

.Kann mein Vater es h.ren, wenn ich mit ihm spreche?.,

fragte Tengo.

Der Arzt machte ein skeptisches Gesicht und nahm einen

Schluck von seinem lauwarmen grünen Tee. .Ehrlich

gesagt, ich kann Ihnen das auch nicht sagen. Ihr Herr Vater

liegt im Koma. Zumindest reagiert er nicht, wenn man ihn

anspricht. Aber es gibt F.lle, in denen auch Patienten, die

sich in einem tiefen Koma befinden, Stimmen

wahrnehmen. Es soll sogar vorkommen, dass jemand in

eingeschr.nktem Ma. den Inhalt des Gesagten versteht..

.Aber direkt erkennen kann man das nicht, oder?.

.Nein..

.Ich kann bis gegen halb sieben heute Abend bleiben.,

sagte Tengo. .Diese Zeit werde ich bei meinem Vater

verbringen und so viel wie m.glich mit ihm sprechen..

.Sollte sich irgendeine Reaktion zeigen, lassen Sie mich

bitte sofort rufen., sagte der Arzt. .Ich bin immer irgendwo

in der N.he..

Eine junge Schwester – .Adachi. stand auf ihrem

Namensschild – brachte Tengo in das Zimmer, in dem sein

Vater jetzt lag. Man hatte ihn in ein Einzelzimmer in dem

neuen Geb.ude verlegt. Dem für die schwerkranken

Patienten. Das Zahnrad war weitergerückt. Noch weiter

vorrücken konnte es nicht. Das Bett füllte das einfache,

l.ngliche, schmale Zimmer fast zur H.lfte aus. Vor dem

Fenster lag der kleine, zum Schutz gegen den Wind

angepflanzte Kiefernwald. Die dichten B.ume schienen

eine langgestreckte Mauer zu bilden, die das Sanatorium

von der Wirklichkeit der Lebenden trennte. Die

Krankenschwester ging hinaus, und Tengo blieb allein mit

seinem Vater, der, das Gesicht zur Decke gewandt, in

tiefem Schlaf lag. Er setzte sich auf einen h.lzernen

Schemel, der neben dem Bett stand, und sah ihn an.

Am Kopfende befand sich ein Infusionsst.nder. Aus

einem Plastikbeutel tr.ufelte durch einen Schlauch

Flüssigkeit in eine Vene im Arm seines Vaters. Auch Harn

und Exkremente wurden über Schl.uche abgeführt.

Allerdings war die sichtbare Menge der Ausscheidungen

erstaunlich gering. Der Vater wirkte, seit Tengo ihn im

letzten Monat gesehen hatte, wie um eine Kleidergr..e

geschrumpft. Auf seinen hohlen Wangen und dem

eingefallenen Kinn sprossen etwa zwei Tage alte wei.e

Stoppeln. Seine Augen lagen viel tiefer in den H.hlen als

zuvor. So viel tiefer, dass Tengo sich fragte, ob man sie

nicht mit einem Spezialger.t hervorziehen müsse. Die

Augenlider schlossen sich fest über den H.hlen wie

heruntergelassene Rolll.den. Der Mund war ein wenig

ge.ffnet. Sein Vater atmete nicht h.rbar, aber wenn Tengo

sein Ohr ganz nahe an ihn heranbrachte, spürte er einen

schwachen Luftzug. Seine bis auf ein Minimum

herabgesetzten K.rperfunktionen erhielten ihn noch

gerade so am Leben.

Tengo empfand die Bemerkung, die der Arzt am Telefon

gemacht hatte, als schrecklich real: .Wie ein Zug, der seine

Geschwindigkeit drosselt, wenn er auf einen Bahnhof

zuf.hrt.. Dieser Zug hier verlor zusehends an

Geschwindigkeit, wartete, dass der Triebwagen sich

ersch.pfte, um ruhig mitten auf freiem Feld stehen bleiben

zu k.nnen. Das einzig Gute war, dass sich keine Fahrg.ste

mehr im Zug befanden. So konnte sich auch niemand

beschweren, wenn er einfach so anhielt.

Ich muss etwas zu ihm sagen, dachte Tengo. Aber er

wusste nicht, was, wie und in welchem Ton. Es fiel ihm

einfach nichts ein.

.Vater., flüsterte er versuchsweise. Mehr brachte er

vorl.ufig nicht heraus.

Er erhob sich von seinem Hocker, trat ans Fenster und

schaute auf den gepflegten Rasen und den weiten Himmel

über dem Kiefernw.ldchen. Auf einem Antennenmast

sonnte sich eine Kr.he und lie. ihren Blick nachdenklich

über die Landschaft schweifen. Am Kopfende des Bettes

stand ein Transistorradio mit Wecker, obwohl sein Vater

sicher keines von beiden mehr ben.tigte.

.Ich bin’s. Tengo. Ich bin gerade aus Tokio gekommen.

Kannst du mich h.ren?., sagte er und sah, am Fenster

stehend, zu seinem Vater hinunter. Keine Reaktion.

Nachdem seine Stimme die Luft für einen Augenblick in

Schwingungen versetzt hatte, wurden seine Worte restlos

von der Leere geschluckt, die sich im Zimmer festgesetzt

hatte.

Dieser Mann will sterben, dachte Tengo. Man sah es an

seinen eingesunkenen Augen. Er hatte beschlossen, sein

Leben zu beenden. Hatte die Augen zugemacht und war in

tiefen Schlaf gefallen. Alles Gutzureden würde nichts

nutzen, es w.re unm.glich, ihn von seinem Entschluss

abzubringen. Aus klinischer Sicht war er zwar noch am

Leben, aber der Mann selbst hatte willentlich mit allem

abgeschlossen. Für ihn gab es keinen Grund mehr, am

Leben zu bleiben. Tengo konnte nicht mehr tun, als den

Wunsch seines Vaters zu respektieren und ihn in Ruhe

sterben zu lassen. Sein Gesicht wirkte sehr friedlich.

Zumindest schien er zurzeit keine Schmerzen zu

empfinden. Das war das Gute, wie der Arzt am Telefon

gesagt hatte.

Dennoch musste Tengo mit seinem Vater reden. Zum

einen hatte er es dem Arzt versprochen, der sich besonders

fürsorglich um seinen Vater zu kümmern schien. Zum

anderen war es auch – ihm fiel kein passenderer Ausdruck

ein – eine Frage des Anstands. Tengo hatte schon sehr

lange nicht richtig mit seinem Vater gesprochen. Nicht

einmal eine allt.gliche Unterhaltung hatte zwischen ihnen

stattgefunden. Das letzte Mal l.nger miteinander

gesprochen hatten sie wahrscheinlich, als Tengo noch in

der Mittelstufe gewesen war. Danach war er kaum noch

nach Hause gekommen, und wenn doch, hatte er es nach

M.glichkeit vermieden, seinem Vater zu begegnen.

Doch nun lag dieser Mann in einem tiefschlaf.hnlichen

Zustand vor ihm und starb still und leise vor sich hin. Er

hatte Tengo offenbart, dass er nicht sein richtiger Vater

war, und damit endlich eine Last von sich geworfen. Es

schien, als habe ihn dies irgendwie erleichtert. Er hatte sie

beide von dieser Last befreit. Im letzten Moment.

Auch wenn sie vielleicht nicht blutsverwandt waren, hatte

dieser Mann Tengo als seinen Sohn in sein Familienregister

eintragen lassen und sich, bis der Junge für sich selbst

sorgen konnte, um ihn gekümmert. Dafür musste er ihm

dankbar sein. Eigentlich war er verpflichtet, ihm Bericht

darüber zu erstatten, wie er bis jetzt gelebt und empfunden

hatte. Fand Tengo. Oder nein, eine Verpflichtung konnte

man es nicht nennen. Eigentlich war es eher eine Frage des

Anstands. Und hatte nichts damit zu tun, ob das, was er

sagte, bei seinem Vater ankam oder ob es etwas nutzte.

Tengo setzte sich wieder auf den Hocker neben das Bett

und begann in groben Zügen aus seinem Leben zu

erz.hlen. Er setzte ein, als er in die Oberschule gekommen

und in das Wohnheim für Judokas gezogen war. Von da an

hatte es so gut wie keine Berührungspunkte mehr zwischen

seinem Leben und dem seines Vaters gegeben. Keiner von

beiden wusste genau, was der andere tat. Tengo hielt es für

das Beste, zun.chst diese gro.e Lücke so weit wie m.glich

zu füllen.

Allerdings gab es über seine Zeit an der Oberschule nichts

Besonderes zu erz.hlen. Es war eine Privatschule in der

Pr.fektur Chiba gewesen, die für ihre starke Judo-

Mannschaft bekannt war. Er h.tte lieber eine

anspruchsvollere Oberschule besucht, aber diese bot ihm

die günstigsten Bedingungen. Er war vom Schulgeld befreit,

durfte im Wohnheim wohnen und bekam drei Mahlzeiten

am Tag. Mittelpunkt von Tengos Leben an dieser Schule

war die Judo-Mannschaft. In den Trainingspausen lernte er

(obwohl er seine erstklassigen Noten bequem und ohne

besonderen Aufwand halten konnte), und in seiner Freizeit

nahm er mit anderen Jungen aus seiner Mannschaft harte

k.rperliche Arbeiten an, um sich etwas Geld zu verdienen.

Er hatte so viele Verpflichtungen, dass er an manchen

Tagen von morgens bis abends durch die Gegend hetzte. So

gab es über seine Oberschulzeit eigentlich nichts zu

erz.hlen, au.er dass er unheimlich besch.ftigt gewesen

war. Es hatte sich nichts ungew.hnlich Erfreuliches

zugetragen, und gute Freunde hatte er auch nicht

gefunden. An der Schule gab es sehr viele Vorschriften, und

so richtig warm konnte er damit nicht werden. Mit den

anderen Mitgliedern seiner Judo-Mannschaft kam er

einigerma.en gut zurecht, hatte aber im Grunde kaum

etwas mit ihnen zu reden. Wenn Tengo ehrlich war, musste

er zugeben, dass er bei keinem einzigen Judo-Turnier

richtig mit Leib und Seele dabei war. Doch um seinen

Lebensunterhalt zu sichern, musste er mit guten

Ergebnissen aufwarten. Also trainierte er gewissenhaft, um

seine Umgebung nicht zu entt.uschen. Judo war weniger

ein Sport für ihn als ein praktisches Mittel zum überleben.

Man h.tte es fast einen Beruf nennen k.nnen. Seine drei

letzten Schuljahre waren von dem Wunsch beherrscht,

m.glichst bald fertig zu sein, um ein authentischeres Leben

führen zu k.nnen.

Doch als er auf die Universit.t kam, lief sein Leben im

Grunde genauso weiter. Denn wenn er weiter aktiv beim

Judo blieb, konnte er in ein Wohnheim ziehen, das hei.t,

er brauchte sich um Kost und Logis (wenn auch auf

niedrigem Niveau) nicht zu kümmern. Er bekam zwar ein

Stipendium, von dem allein konnte er jedoch nicht leben.

Also musste er Judoka bleiben. Natürlich studierte er

Mathematik. Da er flei.ig lernte, hatte er auch an der

Universit.t gute Noten, und man empfahl ihm ein

Doktorandenstudium. Aber in seinem dritten oder vierten

Studienjahr ging Tengo pl.tzlich die Begeisterung für die

Mathematik als Wissenschaft verloren. An sich machte

Mathematik ihm noch immer Spa., aber sich mit

mathematischer Forschung zu besch.ftigen befriedigte ihn

nicht. Es war wie mit dem Judo. Er war gern Amateur, hatte

aber weder Neigung noch Verlangen, sein ganzes Leben

damit zu verbringen. Das war ihm selbst bewusst.

Als sein Interesse an der Mathematik nachlie. und sein

Examen bevorstand und es damit auch keinen Grund mehr

gab, sich weiter mit Judo zu besch.ftigen, hatte Tengo

nicht die geringste Ahnung, welchen Weg er nun

einschlagen sollte. Seinem Leben schien ein Mittelpunkt zu

fehlen. Es hatte zwar ursprünglich auch keinen gehabt,

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