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作者: 当前章节:15397 字 更新时间:2026-6-19 08:06

aber bisher war immer etwas von ihm erwartet und

verlangt worden. Dadurch war sein Leben ausgefüllt und

gesch.ftig gewesen. Aber nachdem all diese Forderungen

und Erwartungen pl.tzlich wegfielen, blieb nichts übrig,

das der Rede wert gewesen w.re. Tengo hatte kein Ziel im

Leben. Und keinen einzigen Freund. Er blieb in einer Art

Flaute stecken und konnte sich auf nichts mehr richtig

konzentrieren.

W.hrend des Studiums hatte er mehrere Freundinnen

gehabt und auch sexuelle Erfahrungen gemacht. Tengo war

nicht im landl.ufigen Sinne gutaussehend und weder

besonders gesellig noch ein besonders begabter

Unterhalter. Er war stets knapp bei Kasse, und seine

Kleidung konnte man auch nicht gerade als den letzten

Schrei bezeichnen. Aber wie der Duft gewisser Pflanzen

Bienen anlockt, fühlte sich eine bestimmte Art von Frauen

zu ihm hingezogen. Und das sogar ziemlich stark.

Dies entdeckte er mit Anfang zwanzig (etwa um die

gleiche Zeit, als er seine Begeisterung für die

wissenschaftliche Mathematik verlor). Auch wenn er von

sich aus nichts unternahm, suchten die Frauen, die dieses

besondere Interesse an ihm hatten, seine N.he. Sie sehnten

sich danach, von seinen starken Armen umschlungen zu

werden. Oder hatten zumindest nichts dagegen. Beim

ersten Mal verstand er gar nicht, was vorging, und war

ziemlich verwirrt. Aber bald hatte er sozusagen den Dreh

raus und konnte seine F.higkeiten nach Bedarf einsetzen.

Seither hatte es Tengo nie an Frauenbekanntschaften

gemangelt. Doch er verliebte sich nie von sich aus in eine

der Frauen. Er pflegte Umgang mit ihnen und hatte

k.rperliche Beziehungen zu ihnen. Mehr war es nie. Sie

füllten lediglich ihre gegenseitige Leere aus. Es war wei.

Gott seltsam, aber es geschah nicht ein einziges Mal, dass

er sein Herz an eine der Frauen verlor, die sich so sehr zu

ihm hingezogen fühlten.

All das erz.hlte Tengo seinem bewusstlosen Vater.

Anfangs w.hlte er seine Worte z.gernd und mit viel

Bedacht, doch dann sprach er immer flüssiger und zum

Schluss sogar mit einigem Eifer. Selbst sexuelle Dinge

sprach er offen aus. Mittlerweile war es unangebracht, sich

zu genieren, fand er. Sein Vater lag, noch immer in der

gleichen Haltung, das Gesicht nach oben gewandt, in

tiefem Schlaf. Auch seine Atmung hatte sich nicht

ver.ndert.

Gegen drei Uhr erschien eine st.mmige, etwa

drei.igj.hrige Schwester, um den Infusionsbeutel zu

wechseln, den Urinbeh.lter gegen einen neuen

auszutauschen und seine Temperatur zu messen. Sie trug

ihr Haar straff nach hinten gebunden, und ein

Kugelschreiber steckte darin. .Omura. stand auf ihrem

Namensschild.

.Ist irgendetwas Ungew.hnliches passiert?., fragte sie

Tengo, w.hrend sie mit ihrem Kugelschreiber auf einem

Klemmbrett die Werte notierte.

.Nein. Er hat die ganze Zeit geschlafen., sagte Tengo.

.Wenn etwas ist, drücken Sie bitte den Knopf dort.. Die

Schwester zeigte auf einen Schalter am Kopfende und

steckte sich den Kugelschreiber wieder ins Haar.

.Mache ich..

Kurz nachdem sie hinausgegangen war, klopfte es leise,

und die bebrillte Schwester Tamura schob den Kopf ins

Zimmer.

.M.chten Sie vielleicht etwas essen? In der Cafeteria

bekommen Sie etwas..

.Vielen Dank, aber ich habe noch keinen Hunger., sagte

Tengo.

.Wie geht es Ihrem Vater?.

Tengo zuckte die Achseln. .Ich habe die ganze Zeit mit

ihm gesprochen. Aber ich wei. nicht, ob er mich h.ren

kann oder nicht..

.Ansprache ist eine gute Sache., sagte sie und l.chelte

ermutigend. .Keine Sorge, Ihr Vater h.rt Sie bestimmt..

Sie schloss leise die Tür. Tengo und sein Vater waren

wieder allein in dem kleinen Krankenzimmer.

Tengo erz.hlte weiter.

Er machte also das Examen und begann an einer Yobiko

in der Stadt Mathematik zu unterrichten. Nun war er kein

kleines hoffnungsvolles Mathematikgenie und kein

vielversprechender Judo-K.mpfer mehr. Nur noch Lehrer

und nicht einmal fest angestellt. Aber Tengo war glücklich.

Endlich konnte er frei atmen. Zum ersten Mal in seinem

Leben konnte er seinen Alltag gestalten, wie es ihm

beliebte, ohne sich jemandem verpflichtet zu fühlen.

Kurze Zeit sp.ter fing er an zu schreiben. Er verfasste

mehrere Werke und reichte sie bei Verlagen ein, die

Debütpreise ausgeschrieben hatten. Dabei hatte er den

etwas eigenwilligen Redakteur Komatsu kennengelernt und

kürzlich in dessen Auftrag Die Puppe aus Luft überarbeitet,

einen Roman, den ein siebzehnj.hriges M.dchens namens

Fukaeri (Eriko Fukada) verfasst hatte. Fukaeri hatte sich die

Geschichte ausgedacht, aber da sie nicht die F.higkeit

besa., einen zusammenh.ngenden Text zu schreiben, hatte

Tengo dies für sie übernommen. Diese Aufgabe war ihm

gut gelungen. Das M.dchen hatte den Preis für das beste

Erstlingswerk einer Literaturzeitschrift bekommen, die

Geschichte war als Buch erschienen und ein gro.er

Bestseller geworden. Wegen ihrer allzu gro.en Popularit.t

war Die Puppe aus Luft von der Jury für den Akutagawa-

Preis verworfen worden. Aber wie Komatsu, der nie ein

Blatt vor den Mund nahm, sagte, verkaufte das Buch sich

.auch ohne diesen Quatsch..

Tengo bezweifelte, dass sein Vater überhaupt h.rte, was

er ihm erz.hlte. Au.erdem wusste er nicht, ob sein Vater

solche Dinge inhaltlich verstehen konnte. Jedenfalls

reagierte er nicht. Und selbst wenn er es verstand, hatte er

vielleicht gar kein Interesse an so etwas. Vielleicht fühlte er

sich nur bel.stigt. Das Leben von anderen ist mir schnurz,

lass mich in Ruhe schlafen, dachte er wom.glich. Dennoch

erz.hlte Tengo einfach weiter, was ihm in den Kopf kam.

Was h.tte er auch sonst in dem kleinen Zimmer tun sollen?

Sein Vater rührte sich die ganze Zeit über nicht. Seine tief

eingesunkenen Augen blieben fest geschlossen. Es sah aus,

als warteten die H.hlen darauf, dass Schnee fallen und sie

mit seiner Wei.e auffüllen würde.

.Im Augenblick klappt das noch nicht, aber eines Tages

m.chte ich, wenn es geht, vom Schreiben leben. Nicht,

indem ich die Werke von anderen bearbeite, sondern

indem ich aufschreibe, was ich selbst zu sagen habe. Das

Schreiben, insbesondere von Romanen, entspricht, glaube

ich, meiner Pers.nlichkeit. Es ist gut, ein Ziel zu haben.

Endlich hat sich so etwas bei mir entwickelt. Bisher ist noch

nichts, was ich geschrieben habe, unter meinem Namen

gedruckt worden, aber das wird sicher bald der Fall sein.

Vielleicht klingt es ein wenig nach Eigenlob, aber ich finde,

meine F.higkeiten als Schriftsteller sind nicht schlecht.

Auch der Redakteur sch.tzt mich ein wenig. Aber darüber

mache ich mir ohnehin keine gro.en Sorgen..

Eigentlich h.tte er noch hinzufügen müssen, dass er

offenbar eine Veranlagung zum Receiver besa.. Und daher

praktisch in die fiktionale Welt, die er selbst beschrieben

hatte, hineingezogen worden war. Aber es h.tte nichts

gebracht, jetzt mit dieser komplizierten Sache anzufangen.

Das war wieder eine ganz andere Geschichte. Er beschloss,

das Thema zu wechseln.

.Mein gr..tes Problem ist, dass ich bisher nie jemanden

ernsthaft lieben konnte. Seit ich denken kann, hat es

keinen Menschen gegeben, den ich bedingungslos geliebt

h.tte. Ich hatte noch nie das Gefühl, mich jemandem

.ffnen zu k.nnen. Kein einziges Mal..

Tengo fragte sich, ob der arme alte Mann hier vor ihm in

seinem ganzen Leben jemals einen Menschen von ganzem

Herzen geliebt hatte. Vielleicht hatte er Tengos Mutter

ernsthaft geliebt. Und deshalb den kleinen Tengo als sein

eigenes Kind aufgezogen, obwohl er wusste, dass er nicht

von ihm war. Wenn es so war, hatte er ein emotional

ausgefüllteres Leben geführt als Tengo.

.Nur ein M.dchen war so etwas wie eine Ausnahme. Wir

sind vor etwa zwanzig Jahren in Shinagawa zusammen in

die dritte und vierte Klasse gegangen. Ich fühlte mich sehr

stark zu diesem M.dchen hingezogen. Ich habe eigentlich

immer an sie gedacht und tue es auch jetzt noch oft.

Obwohl ich kaum mit ihr gesprochen habe. Irgendwann

hat sie die Schule gewechselt, und seitdem habe ich sie

nicht mehr gesehen. Doch vor kurzem ist etwas Bestimmtes

passiert, und ich habe versucht, sie zu finden. Mir ist

endlich klar geworden, dass ich sie brauche. Ich habe ihr so

viel zu sagen. Doch ich kann einfach nicht herausfinden,

wo sie ist. Ich h.tte viel früher anfangen sollen, nach ihr zu

suchen. Dann w.re wahrscheinlich alles leichter gewesen..

Hier schwieg Tengo einen Moment und wartete, dass das,

was er ihm bis jetzt erz.hlt hatte, sich im Kopf seines

Vaters setzte. Oder besser gesagt, sich in seinem eigenen

Kopf setzte. Dann sprach er weiter.

.Aber ich war einfach zu feige. Aus dem gleichen Grund

habe ich auch nie in unserem Familienregister

nachgeschaut. Wenn ich gewollt h.tte, w.re es so ein

Leichtes gewesen herauszufinden, ob meine Mutter

wirklich gestorben ist. Ich h.tte nur aufs Rathaus gehen

und einen Blick in die Akten werfen müssen, dann h.tte ich

sofort Bescheid gewusst. Tats.chlich hatte ich es auch

immer wieder vor. Ein paar Mal ging ich sogar bis zum

Rathaus. Aber ich schaffte es einfach nicht, die Dokumente

einzusehen. Ich hatte Angst vor den Fakten, die sich mir

pr.sentieren würden. Angst, sie mit eigenen H.nden ans

Licht zu bringen. Also wartete ich, dass sich alles

irgendwann von allein kl.ren würde..

Tengo seufzte.

.Jedenfalls h.tte ich viel früher anfangen sollen, dieses

M.dchen zu suchen. Ich habe einen gro.en Umweg

gemacht. Aber ich konnte mich einfach nicht aufraffen. In

Herzensdingen bin ich ein gro.er Feigling. Das ist ein

fataler Fehler..

Tengo stand von dem Hocker auf, ging ans Fenster und

betrachtete das Kiefernw.ldchen. Der Wind hatte sich

v.llig gelegt. Es war kein Meeresrauschen zu h.ren. Durch

den Garten stolzierte eine gro.e Katze. Sie schien tr.chtig

zu sein, so wie ihr Bauch nach unten hing. Sie streckte sich

unter einem Baum aus und begann ihren Bauch zu lecken.

.Aber abgesehen davon sieht es in letzter Zeit so aus, als

würde sich in meinem Leben endlich etwas .ndern.

Zumindest habe ich das Gefühl. Ehrlich gesagt habe ich

immer einen Groll gegen dich gehegt. Von klein auf fand

ich, dass ich kein Mensch für einen so armseligen

eingeengten Ort war, sondern einer, der in glücklichere

Umst.nde geh.rte. Ich fand es so ungerecht, dass

ausgerechnet mir diese Behandlung zuteilwurde. Alle

meine Mitschüler schienen ein viel glücklicheres, sch.neres

Leben zu führen. Kinder, die mir in F.higkeiten und

Begabung unterlegen waren, hatten es so unvergleichlich

viel lustiger. Ich habe mir damals ernsthaft gewünscht, dass

du nicht mein richtiger Vater w.rst. St.ndig tr.umte ich

davon, dass alles ein Irrtum sei und wir nicht blutsverwandt

w.ren..

Tengo sah wieder aus dem Fenster und beobachtete die

Katze. Sie merkte es nicht und leckte weiter selbstvergessen

ihren gew.lbten Bauch. In ihren Anblick versunken, fuhr

Tengo fort.

.Inzwischen denke ich das nicht mehr. Ich finde, dass ich

eine Umgebung und einen Vater habe, die zu mir passen.

Ich lüge nicht, das ist meine ehrliche Meinung: Ich war

unbedeutend, eine Mensch ohne Verdienste. In gewissem

Sinn habe ich mich selbst heruntergezogen. Mittlerweile

wei. ich das sehr gut. Als Kind war ich tats.chlich ein

kleines Mathematikgenie, hielt mich aber für ein

gro.artiges Talent. Alle beachteten mich und machten

gro.es Aufhebens um mich. Aber es war eine Begabung, die

letzten Endes zu nichts führte. Nichts von Bedeutung

zumindest. Sie war einfach nur da. Genauso wie ich von

Natur aus gro. war und gut im Judo. Bei den

Pr.fekturmeisterschaften kam ich immer auf einen der

oberen Pl.tze. H.tte ich mich jedoch in die weite Welt

hinausgewagt, w.re ich auf jede Menge bessere Judokas

gesto.en. Schon an der Universit.t schaffte ich es nicht in

die Auswahl für die landesweiten Meisterschaften. Das war

ein Schock für mich, und eine Zeit lang wusste ich

überhaupt nicht, wer ich war. Natürlich nicht. Denn

eigentlich war ich ja auch niemand..

Tengo .ffnete den Verschluss der Mineralwasserflasche,

die er mitgebracht hatte, und nahm einen Schluck. Dann

setzte er sich wieder auf den Hocker.

.Wie gesagt, ich bin dir dankbar. Ich glaube nicht, dass

ich tats.chlich dein Sohn bin. Eigentlich bin ich sogar

überzeugt, dass ich es nicht bin. Aber du hast für mich

gesorgt, obwohl du nicht mein leiblicher Vater bist. Es ist

sicher nicht einfach für einen alleinstehenden Mann, ein

kleines Kind gro.zuziehen. Ich erinnere mich mit

Widerwillen und Langeweile daran, dass ich mit dir die

Rundfunkgebühren für NHK kassieren gehen musste. Aber

inzwischen ist das nicht mehr als eine schlechte

Erinnerung. Dir fiel sicher einfach nichts Besseres ein, was

du mit mir unternehmen konntest. Du hast, wie soll ich

sagen, dein Bestes gegeben. Dein Beruf war vermutlich der

einzige Berührungspunkt zwischen dir und der

Gesellschaft. Und den hast du mir zeigen wollen. Jetzt

würde ich das verstehen. Natürlich hast du auch mit

einkalkuliert, dass die Begleitung eines Kindes dir das

Kassieren erleichtern würde. Aber das allein war es sicher

nicht..

Tengo machte eine kurze Pause und lie. die Worte auf

seinen Vater wirken. W.hrenddessen ordnete er seine

eigenen Gedanken.

.Aber als Kind habe ich das natürlich nicht verstanden.

Ich habe mich einfach nur gesch.mt und fürchterlich

gelangweilt. W.hrend meine Mitschüler sich vergnügten,

musste ich sonntags herumlaufen und an fremden Türen

klingeln. Schon das Herannahen des Sonntags war mir ein

Graus. Aber inzwischen kann ich dich zumindest bis zu

einem gewissen Grad verstehen. Ich will nicht behaupten,

dass das, was du getan hast, richtig war. So weit würde ich

nicht gehen. Immerhin habe ich seelisch sehr darunter

gelitten. Für ein Kind ist das schlimm. Aber es ist nun

einmal geschehen. Du brauchst dir keine Sorgen zu

machen. Auf der anderen Seite hat es mich ja auch ein

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