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作者: 当前章节:15387 字 更新时间:2026-6-19 08:06

bisschen h.rter gemacht. Das Leben auf dieser Welt ist

nicht unbedingt ein Zuckerschlecken. Wie ich am eigenen

Leib erfahren habe..

Tengo spreizte die H.nde und betrachtete eine Weile

seine Handfl.chen.

.Ich werde jetzt irgendwie weiterleben. Vielleicht besser

als bisher und vielleicht auch ohne sinnlose Umwege. Was

du jetzt machen willst, Vater, wei. ich nicht. Vielleicht

willst du einfach nur ruhig schlafen. Und nicht mehr

aufwachen. Wenn es so ist, finde ich das in Ordnung. Und

werde dich nicht st.ren. Ich werde dich einfach schlafen

lassen. Aber ich wollte dir wenigstens einmal erz.hlen, was

inzwischen aus mir geworden ist und wie ich denke.

Vielleicht wolltest du das ja gar nicht h.ren. In diesem Fall

entschuldige ich mich, dass ich dich bel.stigt habe. Mehr

habe ich nicht zu sagen. Ich habe dir so ziemlich alles

erz.hlt, was du meiner Ansicht nach wissen solltest. Jetzt

werde ich dich nicht mehr st.ren. Du kannst nach

Herzenslust schlafen..

Kurz nach fünf kam noch einmal die Krankenschwester

mit dem Kugelschreiber im Haar und überprüfte die

Infusionsmenge. Die Temperatur nahm sie diesmal nicht.

.Ist irgendeine Ver.nderung aufgetreten?.

.Nein. Er schl.ft nur die ganze Zeit., sagte Tengo.

Die Schwester nickte. .Der Herr Doktor kommt gleich.

Wie lange k.nnen Sie heute bleiben, Herr Kawana?.

Tengo sah auf die Uhr. .Ungef.hr bis halb sieben, um

kurz vor sieben f.hrt mein Zug..

Als die Krankenschwester mit ihren Eintragungen fertig

war, steckte sie sich den Stift wieder ins Haar.

.Ich habe seit Mittag mit ihm gesprochen, aber

anscheinend kann er mich nicht h.ren., sagte Tengo.

.W.hrend meiner Ausbildung zur Krankenschwester

habe ich gelernt, dass lebhaftes Sprechen die Menschen

aufheitert. Von heiteren Worten gehen positive

Schwingungen aus. Ob der Angesprochene versteht, was im

Einzelnen gesagt wird, macht physikalisch keinen

Unterschied. Daher hat man uns beigebracht, die

Patienten, ob sie uns nun h.ren oder nicht, immer laut und

gut gelaunt anzusprechen. Es nutzt auf alle F.lle etwas,

Vernunft hin oder her. Meine Erfahrungen best.tigen es..

Tengo dachte einen Moment nach. .Danke., sagte er.

Schwester Omura nickte kurz und verlie. mit raschen

Schritten das Zimmer.

Tengo und sein Vater bewahrten danach ein langes

Schweigen. Tengo hatte nichts mehr zu sagen. Aber es war

keine unbehagliche Stille. Das nachmitt.gliche Licht

schwand immer mehr, und Abendstimmung senkte sich

über den Raum. Lautlos und fast unmerklich verblassten

die letzten Strahlen der Sonne.

Pl.tzlich fand Tengo, dass er seinem Vater von den

beiden Monden erz.hlen sollte. Er hatte ihm ja noch nicht

gesagt, dass er inzwischen in einer Welt mit zwei Monden

lebte. .Man kann hinschauen, soviel man will, es bleibt ein

ungewohnter Anblick., wollte er sagen. Aber dann spürte

er, dass es fruchtlos w.re, jetzt noch mit dieser Geschichte

anzufangen. Für seinen Vater war es egal, wie viele Monde

am Himmel standen. Mit diesem Problem musste Tengo

allein zurechtkommen.

Und ob es nun auf dieser (beziehungsweise jener Welt)

einen, zwei oder drei Monde gab, Tengo blieb immer nur

eine Person. Wo war also der Unterschied? Ganz gleich, wo

er war, Tengo war einfach Tengo. Er hatte pers.nliche

Probleme und eine pers.nliche Begabung, er war noch

immer derselbe. Genau, der springende Punkt waren gar

nicht die Monde, sondern er selbst war es.

Nach einer halben Stunde kam noch einmal Schwester

Omura. Aus irgendeinem Grund steckte der Kugelschreiber

nicht mehr in ihrem Haar. Was wohl aus ihm geworden

war? Diese Frage besch.ftigte Tengo sehr. Zwei Pfleger

schoben gemeinsam ein Rollbett ins Zimmer. Beide waren

st.mmig und dunkelh.utig. Sie sprachen kein Wort.

Wahrscheinlich stammten sie aus einem anderen Land.

.Herr Kawana, wir müssen Ihren Vater ins

Untersuchungszimmer bringen. Würden Sie bitte so lange

hier warten?., sagte die Schwester.

Tengo schaute auf die Uhr. .Ist irgendetwas nicht in

Ordnung?.

Die Krankenschwester schüttelte den Kopf. .Nein, nein.

Wir bringen ihn nur rüber, weil wir hier nicht die n.tigen

Ger.te haben. Das ist nichts Au.ergew.hnliches. Sie

k.nnen sp.ter noch einmal mit dem Doktor sprechen..

.Gut. Dann warte ich hier..

.In der Cafeteria k.nnten Sie einen hei.en Tee trinken.

Sie sollten sich ein bisschen entspannen..

.Danke., sagte Tengo.

W.hrend einer von ihnen den Infusionsschlauch hielt,

hoben die beiden M.nner den ausgemergelten K.rper

seines Vaters vorsichtig auf das Rollbett und fuhren ihn

samt Infusionsst.nder in den Flur. Sie wirkten sehr

routiniert. Dabei sagten sie von Anfang bis Ende kein Wort.

.Es wird nicht lange dauern., sagte die

Krankenschwester.

Aber es dauerte doch ziemlich lange. Das Tageslicht, das

von drau.en durch das Fenster schien, wurde immer

schw.cher, aber Tengo schaltete die Lampe nicht an. Ihm

war, als h.tte er dadurch etwas Wichtiges im Zimmer

besch.digt.

Der K.rper seines Vaters hatte einen leichten Abdruck

auf dem Bett hinterlassen. Viel konnte er eigentlich nicht

mehr wiegen, aber dennoch war seine Form deutlich zu

erkennen. Diese Einbuchtung gab Tengo das Gefühl, v.llig

allein auf dieser Welt zurückgelassen worden zu sein. Fast

fürchtete er, wenn die Sonne einmal untergegangen w.re,

würde es nie wieder Tag werden.

Lange sa. er reglos und in Gedanken versunken auf dem

Hocker, w.hrend die Vorboten der Dunkelheit alles in ihre

ged.mpften Farben tauchten. Pl.tzlich fiel ihm auf, dass er

eigentlich gar nichts dachte. Dass er statt in Gedanken nur

in bodenloser Leere versank. Langsam stand er auf und

ging ins Bad, um sich zu erleichtern. Er wusch sich das

Gesicht mit kaltem Wasser, trocknete es mit seinem

Taschentuch ab und schaute in den Spiegel. Den Rat der

Schwester beherzigend, ging er hinunter in die Cafeteria,

um einen hei.en grünen Tee zu trinken.

Als er nach etwa zwanzig Minuten wieder das

Krankenzimmer betrat, hatte man seinen Vater noch

immer nicht zurückgebracht. Stattdessen lag in der von

ihm hinterlassenen Einbuchtung ein wei.er Gegenstand,

der vorher nicht dort gewesen war.

Er hatte eine Gesamtl.nge von etwa 1,40 oder 1,50 Meter.

Beim ersten Hinsehen erinnerte seine sch.ne glatte

geschwungene Form an eine Erdnussschale. Die Oberfl.che

wirkte wie von kurzen weichen Daunen überzogen und

hatte einen ebenm..igen ged.mpften Schimmer. Sie

leuchtete schwach und zartgrün in der sich stetig

vertiefenden Dunkelheit. Das flaumige Ding lag reglos auf

dem Bett, wie um die zeitweise Leere zu füllen, die der

K.rper seines Vaters zurückgelassen hatte. Die Hand am

Türknauf, blieb Tengo im Türrahmen stehen und musterte

den seltsamen Gegenstand eine Weile. Seine Lippen

bewegten sich, aber es kamen keine Worte.

Was in aller Welt ist das?, fragte Tengo sich, w.hrend er

wie angewurzelt dort stand und die Augen zusammenkniff.

Wieso lag anstelle seines Vaters jetzt dieses Ding hier? Er

wusste sofort, dass es nichts war, was der Arzt oder die

Schwestern gebracht hatten. Es war von einer besonderen

Atmosph.re umgeben, die sich au.erhalb realer

Schwingungsphasen befand.

Pl.tzlich wusste Tengo es, obwohl er noch nie eine

gesehen hatte: Das Ding war eine .Puppe aus Luft..

In Fukaeris Roman hatte er sie in allen Einzelheiten

beschrieben, aber selbstverst.ndlich nie eine mit eigenen

Augen gesehen. Es w.re ihm gar nicht in den Sinn

gekommen, dass so etwas tats.chlich existierte. Doch das

Gespinst, das da vor ihm lag, entsprach genau seiner

Vorstellung von der Puppe aus Luft. So hatte er sie selbst

geschildert. Er hatte ein heftiges Gefühl von Déjà-vu, als

würde ihm mit einer Zange der Magen zusammengepresst.

Dennoch betrat er den Raum und schloss die Tür hinter

sich. Er schluckte den Speichel, der sich in seinem Mund

gesammelt hatte. In seiner Kehle entstand ein

unnatürlicher Laut.

Langsam n.herte er sich dem Bett. Etwa einen Meter

davon entfernt blieb er stehen und nahm die Puppe

aufmerksam in Augenschein. Er musste zugeben, dass sie

genauso aussah wie auf der einfachen Bleistiftzeichnung,

die er angefertigt hatte, bevor er das Gebilde mit Worten

beschrieb. Er hatte seine Vorstellung damals zun.chst

visualisiert, ehe er sie in Text umwandelte. Die Skizze war

w.hrend der gesamten Zeit, in der er Fukaeris Manuskript

bearbeitet hatte, an die Wand vor seinem Schreibtisch

gepinnt gewesen. Die Form des Gespinstes .hnelte eher

einem Kokon als einer Puppe. Aber für Fukaeri (und damit

auch für ihn) war nur die Bezeichnung .Puppe aus Luft. in

Frage gekommen.

Die meisten .u.eren Merkmale der Puppe hatte Tengo

ausgearbeitet. Zum Beispiel die anmutige Wespentaille in

der Mitte und die weiche, schmeichelnde W.lbung an

beiden Enden. All das waren Tengos Erfindungen, die in

Fukaeris ursprünglicher Geschichte nicht vorkamen. Für

Fukaeri war die Puppe aus Luft eben einfach die Puppe aus

Luft gewesen, sozusagen ein Mittelding zwischen

Verk.rperung und Idee. Sie hatte keine Notwendigkeit

verspürt, sie sprachlich detailliert auszugestalten. Das hatte

Tengo übernehmen müssen. Und jetzt war die Puppe, die

vor ihm lag, tats.chlich in der Mitte verjüngt und zu beiden

Seiten hübsch gerundet.

Eine Puppe aus Luft, wie ich sie gezeichnet und

beschrieben habe, dachte Tengo. Es war wie bei den beiden

Monden. Etwas, das er geschildert hatte, war aus

irgendeinem Grund bis ins Detail Wirklichkeit geworden.

Realit.t und Phantasie, Ursache und Wirkung hatten sich

verkehrt.

Die seltsame Empfindung, dass seine Nerven verdreht

wurden, breitete sich in seinen Gliedma.en aus, und es

überlief ihn kalt. Er konnte nicht mehr unterscheiden, bis

wohin die Wirklichkeit reichte und wo die Fiktion begann.

Bis wohin Fukaeri reichte und wo er selbst begann. Und an

welchem Punkt sie sich zu einem .Wir. vereinigten.

über den Kamm der Puppe verlief ein gerader vertikaler

Riss. Sie schien im Begriff, aufzubrechen, und ein etwa zwei

Zentimeter breiter Spalt war entstanden. Tengo h.tte sich

wahrscheinlich nur ein wenig vorbeugen müssen, um

hineinsp.hen zu k.nnen. Aber dazu fehlte ihm der Mut.

Ohne die Puppe aus den Augen zu lassen, setzte er sich auf

den Hocker neben dem Bett und versuchte regelm..ig

durchzuatmen, indem er seine Schultern leicht hob und

senkte. Wei. und diffuses Licht verstr.mend, lag die Puppe

vor ihm. Reglos.

Wartete in aller Ruhe, dass Tengo sich ihr wie einer ihm

gestellten mathematischen Aufgabe n.herte.

Was sich wohl darin verbarg?

Was die Puppe ihm wohl zeigen wollte?

Im Roman entdeckte die junge Heldin darin ein anderes

Ich, ein Ebenbild ihrer selbst. Die Daughter. Sie l.sst sie

jedoch zurück und flieht allein aus der Gemeinschaft. Aber

was sich wohl in Tengos Puppe aus Luft befand (Tengo

nahm intuitiv an, dass es sich um seine Puppe aus Luft

handelte)? Etwas Gutes? Oder etwas B.ses? Etwas, das ihn

irgendwohin führen oder Schaden von ihm abwenden

würde? Und wer hatte diese Puppe aus Luft überhaupt

hierhergebracht?

Tengo wusste genau, dass er handeln musste. Aber er

brachte einfach nicht den Mut auf, aufzustehen und

nachzuschauen, was sich innerhalb der Puppe befand. Er

fürchtete sich. Vielleicht würde das, was sich darin

verpuppt hatte, ihn verletzen. Vielleicht eine gro.e

Ver.nderung in seinem Leben herbeiführen. Tengo war wie

erstarrt. Er fühlte sich wie ein Mensch, dem jede Zuflucht

abhandengekommen war. Es war die gleiche Art von

Furcht, die ihn daran gehindert hatte, im Familienregister

nach seiner Mutter zu forschen und nach Aomame zu

suchen. Er wollte nicht wissen, was die Puppe enthielt, die

man hier für ihn deponiert hatte. Davonzukommen, ohne

etwas zu erfahren, w.re ihm sehr recht gewesen. Am

liebsten h.tte er auf der Stelle das Zimmer verlassen und

w.re sofort in den Zug gestiegen und nach Tokio

zurückgefahren. H.tte die Augen geschlossen, sich die

Ohren verstopft und w.re in seine kleine bescheidene Welt

geflüchtet.

Aber Tengo wusste, dass er das nicht konnte. Wenn ich

jetzt gehe, dachte er, ohne gesehen zu haben, was in dem

Ding ist, werde ich es zweifellos mein ganzes Leben lang

bereuen. Sollte ich jetzt die Augen vor diesem

Etwas verschlie.en, werde ich mir das wohl niemals

verzeihen.

Lange blieb Tengo ratlos und unentschlossen auf dem

Hocker sitzen. Er konnte weder vor noch zurück. Die

H.nde im Scho. gefaltet, starrte er auf das Bett mit der

Puppe. Mitunter warf er einen Blick zum Fenster, als k.nne

er durch es hindurch entfliehen. Die Sonne war nun

untergegangen, und die leichte D.mmerung hüllte das

Kiefernw.ldchen langsam ein. Noch immer war es

windstill. Auch die Wellen rauschten nicht. Es herrschte

eine wundersame Stille. Mit zunehmender Dunkelheit

wurde das Licht, das das wei.e Gespinst aussandte,

intensiver und lebhafter. Tengo spürte, dass die Puppe ein

Eigenleben hatte. Sie verstr.mte das heitere Leuchten des

Lebens. Sie hatte eine eigentümliche W.rme und einen

feinen Klang.

Endlich fasste sich Tengo ein Herz, verlie. den Hocker

und beugte sich über das Bett. Er konnte nicht l.nger

fliehen. Er konnte nicht leben, indem er die Augen vor

diesem Gegenstand verschloss wie ein ver.ngstigtes Kind.

Nur der Wille zur Wahrheit gab einem Menschen die

n.tige Kraft. Wie auch immer diese Wahrheit beschaffen

war, er musste sie kennen.

Der Spalt hatte sich nicht ver.ndert, war weder gr..er

noch kleiner geworden. Er sp.hte mit

zusammengekniffenen Augen hinein, konnte aber nicht

erkennen, ob sich im Inneren der Puppe etwas befand. Es

war dunkel darin, und auf etwa halber H.he spannte sich

eine Art dünne Membran. Tengo atmete tief durch und

vergewisserte sich, dass seine Finger nicht zitterten. Nun

führte er sie in den etwa zwei Zentimeter breiten Spalt ein

und zog ihn behutsam nach rechts und links auseinander,

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