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作者: 当前章节:7123 字 更新时间:2026-6-19 08:06

als würde er eine Tür mit zwei Flügeln .ffnen. Er lie. sich

widerstands- und ger.uschlos weiten. Als habe er nur auf

Tengos H.nde gewartet.

Das weiche schneeige Licht der Puppe aus Luft

beleuchtete weich das Innere. Obwohl es nicht sehr hell

war, vermochte Tengo die Gestalt darin zu erkennen.

Er sah ein sch.nes zehnj.hriges M.dchen.

Das M.dchen schlief. Es trug ein schlichtes wei.es Kleid,

das wie ein Nachthemd aussah. Die kleinen H.nde lagen

übereinander auf der flachen Brust. Tengo wusste auf den

ersten Blick, wer es war. Das schmale Gesicht, die geraden,

wie mit dem Lineal gezogenen Lippen. Die wohlgeformte

glatte Stirn, die ein gerader Pony bedeckte. Die kleine Nase,

die wie suchend leicht nach oben zeigte. Die seitlich

hervorstehenden Wangenknochen. Die Lider waren

geschlossen, aber Tengo wusste genau, wie die Augen

dahinter aussahen. Wie auch nicht? Er hatte die letzten

zwanzig Jahre seines Lebens mit der Erinnerung an sie

verbracht.

Aomame, rief er. Sie lag in festem Schlaf. Er schien endlos

tief und natürlich zu sein. Sie atmete nur ganz sacht. Ihr

Herzschlag war so schwach, dass kein menschliches Ohr

ihn vernehmen konnte. Sie hatte nicht einmal die Kraft, die

Lider aufzuschlagen. Ihre Zeit war noch nicht gekommen.

Ihr Bewusstsein weilte in weiter Ferne. Doch dann versetzte

Tengos Ausruf ihr Trommelfell in eine leichte Schwingung.

Denn es war ihr Name, den er rief.

Aomame h.rte ihn an ihrem weit entfernten Ort. Tengo,

dachte sie seinen Namen. Dann sprach sie ihn laut aus.

Doch die Lippen des M.dchens in der Puppe aus Luft

blieben unbewegt. Auch Tengos Ohren erreichte er nicht.

Er betrachtete unentwegt das Gesicht des M.dchens, das

mechanisch und flach atmete, wie ein Mensch, dem man

die Seele geraubt hatte. Es wirkte sehr friedlich. Keine Spur

von Trauer, Schmerz oder Furcht war darin zu erkennen.

Ganz leicht bewegten sich die kleinen schmalen Lippen, als

wollten sie ein bestimmtes Wort formen. Auch ihre Lider

flatterten, schienen sich .ffnen zu wollen. Tengo betete von

ganzem Herzen, dass es so sein m.ge. Er kannte kein

richtiges Gebet, aber sein Inneres entsandte ein formloses

Flehen in den Raum. Doch es sah nicht so aus, als würde

das M.dchen aus seinem Schlaf erwachen.

Aomame, rief Tengo noch einmal. Er hatte ihr so viel zu

sagen. Er musste ihr seine Gefühle mitteilen. All die Jahre

seines Lebens hatte er sie bewahrt. Doch nun konnte er

wieder nur ihren Namen rufen.

Aomame, rief er wieder.

Entschlossen streckte er die Arme aus und berührte die

H.nde des M.dchens in der Puppe. Legte seine gro.en

Erwachsenenh.nde behutsam darauf. Eine dieser kleinen

H.nde hatte damals die Hand des zehnj.hrigen Tengo

gedrückt. Sie einfach ergriffen und ihm damit so viel Kraft

gegeben. Die H.nde des M.dchens dort im schwachen

Schein der Puppe besa.en unverkennbar die W.rme des

Lebens. Aomame war gekommen, um ihm ihre W.rme zu

übermitteln. Davon war Tengo überzeugt. Darin lag die

Bedeutung des P.ckchens, das sie ihm vor zwanzig Jahren

in jenem Klassenzimmer übergeben hatte. Endlich konnte

er es .ffnen und hineinsehen.

Aomame, sagte Tengo. Ich habe dich gefunden.

Auch nachdem das Leuchten der Puppe allm.hlich

schw.cher geworden und schlie.lich, wie von der

Dunkelheit aufgesogen, zusammen mit der m.dchenhaften

Gestalt Aomames ganz verschwunden war und Tengo nicht

mehr genau wusste, ob all das wirklich stattgefunden hatte,

spürte er an seinen Fingern noch immer die vertraute

W.rme der kleinen H.nde.

Dieses Gefühl wird mich in alle Ewigkeit nicht verlassen,

dachte er, als er wieder im Expresszug in Richtung Tokio

sa.. In den vergangenen zwanzig Jahren hatte Tengo mit

dem Gefühl der Berührung gelebt, das die Hand dieses

M.dchens bei ihm hinterlassen hatte. Von nun an würde er

mit dieser neuen W.rme leben.

In einer der gro.en Kurven der gebirgigen Küste konnte

er die beiden Monde nebeneinander am Himmel sehen.

Den gro.en gelben und den kleinen grünen Mond. Ihre

Umrisse waren klar, aber die Entfernung war nicht zu

sch.tzen. Die kleinen Wellen reflektierten ihr Licht

geheimnisvoll glitzernd wie verstreute Glassplitter. Als der

Zug in die Kurve ging, zogen die beiden Monde langsam am

Fenster vorbei, lie.en als stummes Zeichen diese kleinen

Scherben zurück und waren bald aus seinem Blickfeld

verschwunden.

Als die Monde nicht mehr sichtbar waren, kehrte die

W.rme wieder in Tengos Brust zurück. Es war eine

ermutigende W.rme, die ein fernes, aber festes

Versprechen vermittelte und dem Reisenden wie ein

kleines Licht den Weg wies.

Von nun an werde ich in dieser Welt leben, dachte Tengo

mit geschlossenen Augen. Er wusste noch nicht, wie sie

entstanden war und nach welchen Prinzipien sie sich

bewegte. Was in ihr geschehen würde, lie. sich nicht

vorhersagen. Aber das war ihm gleich. Er brauchte keine

Angst zu haben. Was ihn auch erwartete, er würde auf der

Welt mit den zwei Monden überleben und seinen Weg

finden. Wenn er diese W.rme nicht verga. und den Mut

nicht verlor.

Lange hielt Tengo die Augen geschlossen. Als er sie

endlich aufschlug und in die frühherbstliche Dunkelheit

vor dem Fenster blickte, war das Meer nicht mehr zu sehen.

Ich werde Aomame finden, bekr.ftigte er seinen

Entschluss. Was auch geschieht, wo und wer sie auch sei.

In diesem Roman wurden Begriffe und Formulierungen

verwendet, die im Jahre 1984 eventuell noch nicht üblich

waren.

Die Insel Sachalin von Anton Tschechow wurde zitiert

nach: Anton .echov, Die Insel Sachalin, aus dem

Russischen von Gerhard Dick, hrsg. und mit Anmerkungen

versehen von Peter Urban, Diogenes: Zürich 1976.

Haruki Murakami, 1949 geboren, ist der gefeierte und mit

h.chsten Literaturpreisen ausgezeichnete Autor

zahlreicher Romane und Erz.hlungen, die in rund vierzig

Sprachen übersetzt wurden. 2006 erhielt er den Franz-

Kafka-Preis, 2009 den Jerusalem-Preis für Literatur. Zuletzt

erschienen bei DuMont der Roman .Afterdark., das

Sachbuch .Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede.

sowie die von Kat Menschik illustrierte Erz.hlung .Schlaf..

Ursula Gr.fe hat Japanologie und Anglistik studiert. Aus

dem Japanischen übersetzte sie u.a. den Nobelpreistr.ger

Kenzaburo ōe, Yōko Ogawa, Hikaru Okuizumi und Haruki

Murakami.

TN 2010

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