Vater. Dieses nutzlose, banale Gerede zerrt an meinen
Nerven. Ich mag nur Ihre Glatze, okay? Ihre Kopfform
gef.llt mir. Verstanden?.
.Aber was reden Sie, ich habe doch keine Glatze. Also
etwas Haarausfall ….
.Und fallen Sie mir nicht auf die Nerven. Es reicht., sagte
Aomame, w.hrend sie sich angestrengt bemühte, ihr
Gesicht nicht zu verziehen. Dann sprach sie mit etwas
weicherer Stimme. Sie durfte den Mann nicht mehr als
n.tig erschrecken. .Also, wie sieht es aus? Ich bitte Sie,
reden Sie nur nicht mehr solches Zeug daher..
Egal, was du denkst, das ist ganz klar eine Stirnglatze,
dachte Aomame. G.be es bei der Volksz.hlung eine
Kategorie .Glatze., müsstest du dort auf alle F.lle ein
Kreuzchen machen. Und wenn du in den Himmel kommst,
dann in den Glatzenhimmel. Oder in die Glatzenh.lle, je
nachdem. Kapiert? Du solltest die Augen nicht l.nger vor
den Fakten verschlie.en. Gehen wir! Du kommst direkt in
den Glatzenhimmel. Jetzt.
Der Mann bezahlte die Rechnung, und sie gingen auf sein
Zimmer.
Sein Penis war tats.chlich ein wenig gr..er als der
Durchschnitt, aber auch nicht zu gro.. Er hatte sich nicht
geirrt mit seiner Selbsteinsch.tzung. Aomame stimulierte
ihn an den richtigen Stellen, und er wurde gro. und hart.
Sie zog ihre Bluse und ihren Rock aus.
.Bestimmt findest du meinen Busen klein., sagte sie
kühl, w.hrend sie auf den Mann hinunterschaute.
.Kommst du dir bl.d vor, weil dein Penis relativ gro. ist
und meine Brüste so klein sind? Fühlst du dich geprellt?.
.Nein, gar nicht. Deine Brüste sind auch nicht besonders
klein. Sie haben eine wundersch.ne Form..
.Na ja, egal., sagte Aomame. .übrigens trage ich nicht
immer so aufreizende BHs mit Spitze und so. Von Berufs
wegen lie. es sich nicht vermeiden..
.Ich würde zu gern wissen, was du machst..
.Ich habe es dir doch vorhin schon gesagt. Ich will hier
nicht über meine Arbeit sprechen. Aber was immer es ist,
als Frau hat man es nicht leicht..
.Das Leben als Mann ist auch nicht gerade einfach..
.Aber ihr müsst keine BHs mit Spitze tragen, wenn ihr
keine Lust dazu habt..
.Stimmt, aber ….
.Rede nicht, als würdest du das verstehen. Eine Frau hat
es wesentlich schwerer. Bist du schon mal in
St.ckelschuhen eine steile Treppe hinuntergeklettert? Oder
in einem engen Minirock über einen Zaun gestiegen?.
.Tut mir leid., entschuldigte sich der Mann artig.
Sie griff sich mit der Hand an den Rücken, nahm den BH
ab und warf ihn auf den Boden. Sie rollte ihre Strümpfe
hinunter, auch diese landeten auf dem Boden. Dann
streckte sie sich auf dem Bett aus und begann erneut mit
dem Penis des Mannes zu spielen.
.Er ist wirklich prachtvoll. Ich bin beeindruckt. Sehr
formsch.n und auch von der Gr..e ideal. Und hart wie ein
Baumstamm..
.Vielen Dank für das Kompliment., sagte der Mann
sichtlich erleichtert.
.Jetzt wird er ganz lieb zu seinem Schwesterchen sein.
Und es vor Freude zucken lassen..
.Sollten wir nicht vorher duschen? Ich habe geschwitzt..
.Ruhe jetzt!., sagte Aomame und drückte warnend
seinen rechten Hoden zusammen. .Ich bin hier, um Sex zu
haben. Nicht, um zu duschen. Kapiert? Zuerst machen wir
es. Und zwar gründlich. Schwei. oder so was spielt keine
Rolle. Wir sind hier doch nicht im M.dchenpensionat..
.Kapiert., sagte der Mann.
Als Aomame nach dem Sex mit den Fingern über den
blo.en Nacken des Mannes fuhr, der ersch.pft neben ihr
auf dem Bauch lag, verspürte sie auf einmal das Verlangen,
ihre Nadel in den bewussten Punkt zu sto.en. Fast
überlegte sie, ob sie es wirklich tun sollte. In ihrer Tasche
befand sich noch der in das Tuch eingeschlagene Eispick.
Seine sorgf.ltig gesch.rfte Spitze steckte in dem weichen
Korken, den sie eigens dafür angefertigt hatte. Wenn sie
gewollt h.tte, w.re es ein Leichtes für sie gewesen. Ihre
rechte Handfl.che einfach auf das h.lzerne Heft fallen
lassen. Der Mann w.re tot, ehe er etwas merkte. Er würde
nicht den geringsten Schmerz empfinden und vermutlich
als natürlicher Todesfall behandelt werden. Aber natürlich
gab sie den Gedanken auf. Es gab keinen Grund, diesen
Mann aus der menschlichen Gesellschaft zu entfernen.
Au.er, dass er für Aomame keinen Nutzen mehr hatte. Sie
schüttelte den Kopf und verscheuchte die gef.hrlichen
Gedanken.
Er ist ja kein schlechter Mensch, ermahnte sie sich selbst.
An sich war der Sex mit ihm auch gut gewesen. Er hatte
sich zurückgehalten und nicht ejakuliert, bis sie gekommen
war. Seine Kopfform und die Art, wie ihm das Haar ausging,
waren auch sehr sympathisch. Und sein Penis hatte genau
die richtige Gr..e. Er war h.flich, gut angezogen und in
keiner Weise aufdringlich. Er war sicherlich gut erzogen.
Allerdings konnte er einen mit seinem langweiligen Gerede
schier wahnsinnig machen. Aber darauf stand wohl nicht
die Todesstrafe. Wahrscheinlich nicht.
.Darf ich den Fernseher einschalten?., fragte Aomame.
.Natürlich., sagte der Mann, der immer noch auf dem
Bauch lag.
Nackt auf dem Bett sitzend, sah sie sich die Elf-Uhr-
Nachrichten von Anfang bis Ende an. Im Nahen Osten
führten Iran und Irak weiter ihren blutigen Krieg. Es war
ein aussichtsloser Krieg, und nirgends zeichnete sich auch
nur der Beginn einer L.sung ab. Im Irak h.ngte man junge
Deserteure als warnendes Beispiel an Strommasten auf. Die
iranische Regierung klagte Saddam Husseins Einsatz von
Giftgas und bakteriologischen Waffen an. In Amerika
k.mpften Walter Mondale und Gary Hart um die
Pr.sidentschaftskandidatur für die Demokraten. Keiner von
beiden wirkte besonders intelligent. Vielleicht vermieden
kluge Menschen es tunlichst, Pr.sident zu werden, weil
man dann leicht zur Zielscheibe von Attentaten wurde.
Die Errichtung einer permanenten Forschungsstation auf
dem Mond machte Fortschritte. Auf diesem Gebiet
kooperierten die USA und die Sowjetunion ausnahmsweise
miteinander. Wie bei der Erkundung des Südpols. Eine
Basis auf dem Mond? Aomame legte verwundert den Kopf
schr.g. Davon hatte sie noch nie geh.rt. Wie kam denn
das? Sie beschloss jedoch, nicht weiter darüber
nachzudenken. Es gab andere, dringlichere Probleme. Ein
Brand in einem Kohlebergwerk in Kyushu hatte eine gro.e
Zahl von Opfern gefordert, und die Regierung untersuchte
die Ursachen. Dass die Menschen in einer Zeit, in der man
Mondbasen errichten konnte, weiterhin Kohle aus der Erde
buddelten, wollte Aomame nicht in den Kopf. Noch immer
forderten die USA von Japan die .ffnung seiner
Finanzm.rkte. Morgan Stanley und Merrill Lynch setzten
auf der Suche nach neuen Geldquellen die Regierung unter
Druck. Weiter wurde von einer besonders intelligenten
Katze in der Pr.fektur Shimane berichtet. Das Tier
vermochte ein Fenster nicht nur selbstst.ndig zu .ffnen,
um hinauszugelangen, sondern es auch wieder hinter sich
zu schlie.en. Ihr Besitzer hatte ihr das beigebracht.
Beeindruckt sah Aomame zu, wie die schwarze Katze sich
geschmeidig umwandte, eine Pfote ausstreckte und mit
verst.ndigem Blick sacht ein Fenster zuzog.
Neuigkeiten gab es genug, aber die Entdeckung einer
Leiche in einem Hotel in Shibuya wurde nicht erw.hnt. Als
die Nachrichten zu Ende waren, nahm Aomame die
Fernbedienung und schaltete den Apparat aus. Um sie
herum herrschte Stille. Nur die gleichm..igen Atemzüge
des schlafenden Mannes neben ihr waren zu h.ren.
Der andere Mann lag wohl noch in der gleichen Haltung
vornüber auf dem Schreibtisch. Sicher sah es aus, als liege
er in tiefem Schlaf. Genau wie der Mann neben ihr. Nur
dass man seinen Atem nicht h.rte. Nicht die geringste
Chance, dass diese Ratte noch einmal aufwacht, dachte
Aomame. Den Blick zur Decke gerichtet, stellte sie sich die
Leiche vor. Sie schüttelte leicht den Kopf und verzog ihr
Gesicht. Dann stand sie auf und hob Stück für Stück ihre
auf dem Boden verstreuten Kleider auf.
KAPITEL 6
Tengo
Wir haben einen ziemlich weiten Weg vor uns
Am Freitagmorgen gegen fünf rief Komatsu an. Tengo
tr.umte gerade, dass er eine lange Steinbrücke überquerte,
um ein wichtiges Papier zu holen, das er am anderen Ufer
vergessen hatte. Er war der Einzige, der die Brücke
passierte. Sie führte über einen gro.en, sch.nen Fluss mit
mehreren Sandb.nken, auf denen Weiden wuchsen. Im
gem.chlich dahinstr.menden Wasser sah er die eleganten
K.rper der Lachsforellen. Frische grüne Bl.tter trieben
anmutig auf der Wasseroberfl.che. Es war eine Szenerie
wie auf einem chinesischen Teller. An dieser Stelle wachte
Tengo auf und schaute im Dunkeln auf die Uhr am
Kopfende. Ehe er den H.rer abhob, wusste er bereits, wer
es war. Nur einer konnte ihn um diese Stunde anrufen.
.Du, Tengo, hast du ein Textverarbeitungsger.t?., fragte
Komatsu. Kein .Guten Morgen., kein .Warst du schon
wach?.. Dass Komatsu selbst um diese Zeit auf war, konnte
nur bedeuten, dass er die Nacht durchgemacht hatte. Er
war bestimmt nicht aufgestanden, um den Sonnenaufgang
zu sehen. Und jetzt, bevor er schlafen ging, war ihm
eingefallen, dass er Tengo noch etwas sagen musste.
.Natürlich nicht., erwiderte Tengo. Es war noch ganz
dunkel. Und er stand noch mitten auf der langen Brücke. Es
kam selten vor, dass Tengo so plastisch tr.umte. .Ich bin
nicht stolz darauf, aber mir fehlen die Mittel, eins zu
kaufen..
.Kannst du damit umgehen?.
.Ja. Mit beidem, Computer und Textverarbeitungsger.t.
An der Yobiko haben wir welche, die ich immer für die
Arbeit benutze..
.Gut, dann schau dich doch heute mal um und kauf eins.
Ich kenne mich mit technischen Ger.ten überhaupt nicht
aus. Hersteller, Modell und so weiter überlasse ich ganz dir.
Das Geld bekommst du sp.ter zurück. Ich m.chte, dass du
.Die Puppe aus Luft. darauf überarbeitest. Du musst so
schnell wie m.glich anfangen..
.Wo wir gerade davon sprechen, so was kostet
mindestens zweihundertfünfzigtausend Yen..
.Macht nichts, geht in Ordnung..
Tengo legte am Telefon verwundert den Kopf zur Seite.
.Hei.t das, Sie wollen ein Textverarbeitungsger.t für mich
kaufen?.
.Ja, von meinem mickrigen Taschengeld. In dieses Projekt
muss man Kapital investieren. Knickern und kleckern
bringt nichts. Du wei.t ja, das Manuskript von .Die Puppe
aus Luft. wurde mit einem Textverarbeitungsger.t erstellt.
Also müssen wir bei der überarbeitung auch eins benutzen.
Bearbeite es in einem Format, das dem ursprünglichen
Manuskript m.glichst .hnlich ist. Kannst du heute noch
anfangen?.
Tengo überlegte. .Ja, eigentlich schon. W.re alles fest,
k.nnte ich sofort anfangen. Aber Fukaeri hat die
überarbeitung unter der Bedingung autorisiert, dass ich
diese Person kennenlerne, zu der sie mich am Sonntag
bringt. Besteht nicht noch die M.glichkeit, dass nach
diesem Treffen die Verhandlungen abgebrochen werden?
Dann w.ren alle Mühe und Kosten umsonst..
.Sei’s drum. Passieren kann alles M.gliche. Du legst jetzt
sofort los, ohne dich um diesen Kleinkram zu kümmern.
Das wird ein Rennen gegen die Zeit..
.Sie sind also sicher, dass das Gespr.ch gut l.uft?.
.Das hab ich im Urin., sagte Komatsu. .Bei mir
funktionieren die Instinkte. Vielleicht bin ich nicht mit
Talent gesegnet, aber Instinkt habe ich eine Menge
mitbekommen. Allein dadurch habe ich so lange überlebt.
Und Tengo, wei.t du, was der Unterschied zwischen Talent
und Instinkt ist?.
.Nein..
.Egal, wie viel Talent einer hat, es reicht nicht immer aus,
um sich den Bauch zu füllen, aber wenn einer mit Instinkt
ausgestattet ist, wird es ihm nie an einer Mahlzeit fehlen..
.Ich werde es mir merken..
.Also sei unbesorgt. Du kannst ganz beruhigt heute schon
mit der Arbeit beginnen..
.Wenn Sie es sagen, soll es mir recht sein. Ich wollte nur
nicht, dass sich trotz eines vielversprechenden Anfangs
sp.ter herausstellt, dass alles umsonst war..
.Dafür übernehme ich die volle Verantwortung..
.Einverstanden. Abgesehen von einer Verabredung am
Nachmittag bin ich frei. Am Vormittag gehe ich in die Stadt
und versuche ein Textverarbeitungsger.t zu finden..
.Darum bitte ich dich, Tengo. Ich rechne ganz fest mit
dir. Wir beide zusammen stellen die Welt auf den Kopf..
Tengo erhielt einen Anruf von seiner verheirateten
Freundin. Es war gegen neun, wohl nachdem sie Mann und
Kinder zum Bahnhof gefahren hatte. Sie waren – wie jeden
Freitag – am Nachmittag in Tengos Wohnung verabredet.
.Ich bin unp.ssslich., sagte sie. .Tut mir leid, aber ich
kann heute nicht kommen. Also dann bis n.chste Woche..
.Unp.sslich sein. war ein Euphemismus dafür, dass sie
ihre Periode hatte. Sie war dazu erzogen, sich dieser h.flich
umschreibenden Ausdrucksweise zu bedienen. Im Bett
verhielt sie sich weder besonders h.flich noch
umschreibend, aber das war etwas ganz anderes. .Das tut
mir auch leid., sagte Tengo. .Wirklich schade, aber da
kann man wohl nichts machen..
Doch gerade in dieser Woche fand er es gar nicht so
schade. Tengo hatte ausgesprochen gern Sex mit ihr, aber
inzwischen war sein ganzes Sinnen und Trachten schon auf
die überarbeitung von .Die Puppe aus Luft. gerichtet. Alle
m.glichen Ideen tauchten in seinem Kopf auf und
verschwanden wieder, wie das Durcheinander der ersten
Keime von Leben im Urmeer. Ich bin auch nicht anders als
Komatsu, dachte Tengo. Noch bevor die Sache offiziell
entschieden ist, bin ich schon dabei und lege eigenm.chtig
los.
Um zehn Uhr machte er sich auf den Weg nach Shinjuku,
wo er mit seiner Kreditkarte ein Textverarbeitungsger.t
von Fujitsu kaufte. Es war das neuste Modell und im
Vergleich zum vorherigen der gleichen Serie viel leichter.
Ersatzfarbb.nder und Papier kaufte er gleich mit. Er
brachte das Ger.t in seine Wohnung, stellte es auf den
Schreibtisch und schloss das Kabel an. An seiner
Arbeitsstelle wurde ein gr..erer Wortprozessor von Fujitsu
verwendet, aber die Grundfunktionen dieses Ger.ts waren
kaum anders als bei dem gr..eren Modell. Tengo machte