饭饭TXT > 海外名作 > 《1Q84 book 1 > 1Q84 德语版.txt

第 16 页

作者: 当前章节:15413 字 更新时间:2026-6-19 08:06

gewissen Kommune (oder etwas .hnlichem) in den Bergen,

und man hatte ihm die Aufgabe erteilt, eine blinde Ziege zu

hüten. Jedes Kind hatte eine bestimmte Aufgabe. Die Ziege

war schon alt, besa. aber eine besondere Bedeutung für die

Gemeinschaft, und es durfte ihr auf keinen Fall ein Leid

geschehen. Dem M.dchen hatte man befohlen, sie nicht

einen Moment aus den Augen zu lassen. Aber es passte

nicht auf, und die Ziege starb. Das M.dchen wurde dafür

bestraft, indem man es gemeinsam mit dem toten Tier in

einen Speicher sperrte. Zehn Tage lang war es v.llig isoliert

und durfte den Speicher nicht verlassen. Ebenso war es ihm

verboten, mit irgendjemandem zu sprechen.

Die Ziege diente den .Little People. als Zugang zu dieser

Welt. Ob die Little People gut oder b.se waren, wusste das

M.dchen nicht. (Und Tengo selbstverst.ndlich auch nicht.)

Wenn es Nacht wurde, kamen die Little People durch das

Maul der toten Ziege in diese Welt. Sobald der Morgen

kam, kehrten sie in die andere Welt zurück. Das M.dchen

konnte mit den Little People sprechen. Sie brachten ihm

bei, wie man eine Puppe aus Luft spinnt.

Tengo war beeindruckt, wie konkret und bis ins kleinste

Detail die Gewohnheiten und Bewegungen der blinden

Ziege geschildert waren. Diese Einzelheiten verliehen der

Geschichte gro.e Lebendigkeit. Hatte Fukaeri tats.chlich

schon einmal eine blinde Ziege gehütet? Und wirklich in

einer Kommune in den Bergen gelebt? Tengo nahm es an.

Falls Fukaeri all dies nicht selbst erlebt hatte, war ihr ein

au.ergew.hnliches erz.hlerisches Talent in die Wiege

gelegt worden.

Tengo nahm sich vor, Fukaeri das n.chste Mal, wenn er

sie sah (und das würde am Sonntag sein), nach der Ziege

und der Kommune zu fragen. Natürlich wusste er nicht, ob

er eine Antwort erhalten würde. Nach ihrem ersten

Gespr.ch zu schlie.en, beantwortete sie anscheinend nur

Fragen, auf die sie auch antworten wollte. Die anderen

ignorierte sie einfach. Beinahe als h.tte sie sie nicht geh.rt.

Wie Komatsu. Darin konnten sie sich die Hand reichen.

Tengo war ganz anders. Ihn konnte man fragen, was man

wollte, er gab gewissenhaft und aufrichtig Antwort.

Vielleicht war so etwas angeboren.

Gegen halb sechs bekam er einen Anruf von seiner

verheirateten Freundin.

.Was hast du heute gemacht?., fragte sie.

.Ich habe den ganzen Tag geschrieben., erwiderte Tengo,

was nur zum Teil der Wahrheit entsprach. Denn er hatte ja

nicht an seinem Roman geschrieben, wie seine Antwort

suggerierte. Aber er sah keinen Grund, ihr das ausführlich

zu erkl.ren.

.Kommst du voran?.

.Einigerma.en..

.Tut mir leid, dass ich heute so pl.tzlich absagen musste.

N.chste Woche k.nnen wir uns bestimmt sehen..

.Ich freue mich schon., sagte Tengo.

.Ich mich auch., sagte sie.

Dann sprach sie mit ihm über ihre Kinder. Das tat sie oft.

Sie hatte zwei kleine T.chter. Tengo hatte keine

Geschwister und natürlich auch keine Kinder. Deshalb

kannte er sich auf diesem Gebiet nicht so gut aus, aber das

st.rte sie nicht. Tengo war kein Mensch, der von sich aus

viel redete, aber er h.rte stets interessiert zu. Das .ltere

M.dchen war in der zweiten Klasse und wurde, wie Tengos

Freundin erz.hlte, in der Schule geh.nselt. Das Kind selbst

hatte ihr nichts davon gesagt, aber sie hatte es von anderen

Müttern erfahren. Natürlich kannte Tengo die Kleine nicht,

er hatte nur einmal ein Foto von ihr gesehen. Sie hatte

kaum .hnlichkeit mit ihrer Mutter.

.Warum wird sie geh.nselt?., fragte Tengo.

.Sie bekommt Asthmaanf.lle und kann beim Turnen

nicht richtig mitmachen. Vielleicht deshalb. Sie ist ein

schüchternes, braves Kind und auch nicht schlecht in der

Schule..

.Nicht zu fassen., sagte Tengo. .Ein Kind, das Asthma

hat, sollte man beschützen, statt es zu qu.len..

.In der Welt der Kinder geht es nicht so einfach zu.,

sagte sie und seufzte. .Meist genügt es schon, anders zu

sein als die anderen, um ausgeschlossen zu werden. Ganz

.hnlich wie in der Welt der Erwachsenen, aber bei Kindern

tritt das in viel direkterer Form zutage..

.In welcher Form konkret?.

Sie gab einige Beispiele. Jedes für sich war keine gro.e

Sache, aber wenn so etwas t.glich passierte, litt ein Kind

bestimmt darunter. Die anderen versteckten ihre Sachen.

Sprachen nicht mit ihr. .fften sie nach.

.Bist du als Kind auch mal gepiesackt geworden?.

Tengo dachte an seine Kindheit und überlegte. .Ich

glaube nicht. Und wenn, habe ich es nicht bemerkt..

.Wenn du nichts gemerkt hast, bist du bestimmt nicht

geh.nselt worden. Schlie.lich ist es von vornherein das

Ziel, den anderen spüren zu lassen, dass er nicht erwünscht

ist. Dass jemand gequ.lt wird, ohne es zu merken, ist

unm.glich..

Tengo war schon als Kind ziemlich gro. und stark

gewesen. Er wurde immer sofort respektiert.

Wahrscheinlich war er auch aus diesem Grund nie gemobbt

worden. Allerdings hatte Tengo damals ernstere Probleme

gehabt als die H.nseleien von Mitschülern.

.Und du?.

.Nein., sagte sie entschieden. Doch dann z.gerte sie.

.Aber ich habe jemanden schikaniert..

.Gemeinsam mit anderen?.

.Ja. Als ich in der fünften Klasse war. Wir hatten einen

Jungen in der Klasse, und es sollte keiner mehr mit ihm

reden. Ich kann mich nicht erinnern, warum wir das

gemacht haben. Wahrscheinlich gab es einen Grund, aber

da ich ihn nicht mehr wei., kann er nicht besonders

schwerwiegend gewesen sein. Auf alle F.lle tut mir das jetzt

sehr leid. Ich sch.me mich dafür. Warum habe ich so etwas

getan? Ich verstehe es selbst nicht..

In diesem Zusammenhang fiel Tengo ein eigenes Erlebnis

ein. Es lag weit in der Vergangenheit, aber die Erinnerung

daran stieg immer wieder in ihm auf. Er hatte es nie

vergessen. Dennoch erw.hnte er es nicht. Die Geschichte

zu erz.hlen h.tte auch zu lange gedauert. Au.erdem

handelte es sich um eines jener Erlebnisse, die, wenn man

sie einmal in Worte fasste, ihre entscheidende Nuance

verloren. Er hatte noch nie jemandem davon erz.hlt und

würde es wohl auch niemals tun.

.Jedenfalls., sagte seine Freundin, .kann man froh sein,

wenn man zur Mehrheit derer geh.rt, die andere

ausschlie.t, statt zu den wenigen, die ausgeschlossen

werden. Man kann sich wirklich glücklich sch.tzen, nicht

an ihrer Stelle zu sein. Im Grunde ist das in jeder Epoche

und in jeder Gesellschaft das Gleiche, aber wenn man Teil

der Mehrheit ist, denkt man nicht genug über solche

l.stigen Dinge nach..

.Wenn man allerdings zur Minderheit geh.rt, bleibt

einem nichts anderes übrig, als daran zu denken..

.Stimmt., erwiderte sie in niedergeschlagenem Ton.

.Aber vielleicht sollte man wenigstens in der Lage sein, den

eigenen Kopf zu gebrauchen..

.Man gebraucht ihn ohnehin meist nur, um über

unangenehme Dinge nachzudenken..

.Stimmt, das ist auch ein Problem..

.Du solltest dir nicht zu viele Gedanken machen., sagte

Tengo. .Am Ende ist es vielleicht gar nicht so schlimm.

Sicher gibt es in ihrer Klasse auch eine Menge Kinder, die

ihren Verstand vernünftig gebrauchen..

.Du hast sicher recht., erwiderte sie und schwieg eine

Weile nachdenklich. Den H.rer ans Ohr gedrückt, wartete

Tengo geduldig, bis sie ihre Gedanken geordnet hatte.

.Danke. Es hat mich schon etwas beruhigt, mit dir zu

sprechen., sagte sie kurz darauf. Es schien, als sei ihr etwas

eingefallen.

.Ich bin auch ruhiger geworden., sagte Tengo.

.Warum?.

.Weil ich mit dir gesprochen habe..

.Bis n.chsten Freitag., sagte sie.

Nachdem Tengo aufgelegt hatte, ging er in einen

Supermarkt in der N.he, um einzukaufen. Er kam mit einer

Papiertüte im Arm zurück und r.umte die einzeln

verpackten Gemüse und den Fisch in den Kühlschrank. Als

er anschlie.end sein Abendessen vorbereitete und dabei

Musik aus dem Radio h.rte, klingelte das Telefon. Dass

Tengo an einem Tag viermal angerufen wurde, kam .u.erst

selten vor. So selten, dass er die Male, die das in einem Jahr

passierte, abz.hlen konnte. Diesmal war es Fukaeri.

.Wegen Sonntag., sagte sie übergangslos.

Im Hintergrund ert.nte unausgesetztes Gehupe. Ein

Autofahrer schien einen Wutanfall zu haben. Sie rief wohl

von einem .ffentlichen Telefon an einer gro.en Stra.e aus

an.

.Am Sonntag, also übermorgen, treffen wir uns, und ich

werde jemanden kennenlernen., formulierte Tengo ihre

.u.erung aus.

.Neun Uhr morgens, Bahnhof Shinjuku, im vordersten

Richtung Tachikawa., sagte sie, indem sie drei Fakten

aneinanderreihte.

.Das hei.t, ich warte im vordersten Wagen am Gleis der

Chuo-Linie stadtausw.rts auf dich, ja?.

.Ja..

.Bis wohin soll ich die Fahrkarte l.sen?.

.Egal..

.Ich kaufe einfach eine Fahrkarte und l.se dann bei der

Ankunft nach, ja?., erg.nzte Tengo den Satz seiner

Vermutung entsprechend. Das Ganze hatte .hnlichkeit mit

der Arbeit an .Die Puppe aus Luft.. .Demnach haben wir

also einen ziemlich weiten Weg vor uns?.

.Was haben Sie gerade gemacht?., fragte Fukaeri, Tengos

Frage ignorierend.

.Abendessen..

.Was denn?.

.Nur für mich, nichts Gro.artiges. Ich brate getrockneten

Hecht, dazu gibt es geriebenen Rettich und Misosuppe mit

kleinen Miesmuscheln und Frühlingszwiebeln. Dann esse

ich noch etwas Tofu, Reis und eingelegten Chinakohl. Das

war’s..

.Klingt lecker..

.Na ja, so etwas Besonderes ist das nun auch wieder

nicht. Eigentlich esse ich immer so .hnlich., sagte Tengo.

Fukaeri schwieg. L.ngere Gespr.chspausen schienen sie

nicht sonderlich zu st.ren. Bei Tengo war das etwas

anderes.

.Ach ja, heute habe ich mit der überarbeitung von .Die

Puppe aus Luft. angefangen., sagte er. .Zwar noch ohne

deine endgültige Erlaubnis, aber wir k.nnen es uns nicht

leisten, einen ganzen Tag zu vergeuden..

.Das klingt nach Herrn Komatsu..

.Stimmt. Er hat gesagt, ich soll schon mal anfangen..

.Sie sind gut mit Herrn Komatsu befreundet..

.Kann sein.. Wahrscheinlich gab es nirgendwo auf der

ganzen Welt einen Menschen, der gut mit Komatsu

befreundet war. Aber es h.tte zu lange gedauert, ihr das zu

erkl.ren.

.Die Arbeit geht gut voran..

.Im Augenblick ja. Einigerma.en..

.Freut mich., sagte Fukaeri. Es schien nicht einfach nur

so dahingesagt, sondern h.rte sich an, als würde sie sich

wirklich darüber freuen, dass er mit der Bearbeitung gut

vorankam. Soweit ihre eingeschr.nkte F.higkeit, ihre

Gefühle auszudrücken, dies gestattete.

.Hoffentlich gef.llt dir, was ich gemacht habe., sagte

Tengo.

.Keine Sorge., erwiderte Fukaeri prompt.

.Warum bist du dir so sicher?., fragte Tengo.

Statt einer Antwort schwieg Fukaeri nur in den H.rer. Es

war eine Art absichtsvolles Schweigen, vielleicht, um Tengo

zu veranlassen, etwas Bestimmtes zu denken. Aber auch

wenn er seine ganze Weisheit bemühte, hatte Tengo nicht

die geringste Ahnung, warum sie ein so starkes Vertrauen

zu ihm hatte.

Um das Schweigen zu brechen, sagte er: .übrigens gibt es

etwas, das ich dich gern fragen würde. Hast du etwa

wirklich in einer Kommune gelebt und diese Ziege gehütet?

Deine Beschreibung dieser Dinge ist unheimlich

lebensecht. Ich würde gern wissen, ob das wirklich passiert

ist..

Fukaeri r.usperte sich leise. .Ich spreche nicht über die

Ziege..

.Das ist v.llig in Ordnung., sagte Tengo. .Du musst

nicht darüber sprechen, wenn du nicht willst. Es war nur

eine Frage. Mach dir keine Gedanken. Für Schriftsteller ist

ihr Werk alles. Sie brauchen keine zus.tzlichen

Erkl.rungen abzugeben. Wir sehen uns am Sonntag. Gibt

es etwas, das ich beachten sollte, wenn ich dieser Person

begegne?.

.Was denn zum Beispiel?.

.Also … wie ich mich am besten verhalten soll oder ob ich

ein kleines Geschenk mitbringen soll – so was eben. Ich

habe ja nicht die leiseste Ahnung, um wen es sich handelt..

Wieder schwieg Fukaeri. Doch diesmal lag keine Absicht

in ihrem Schweigen. Für sie war das Ziel von Tengos Frage

oder die Vorstellung dahinter einfach nicht fassbar. Seine

Frage hatte sozusagen keinen Landeplatz in ihrem

Bewusstsein. Sie schoss über ihren Horizont hinaus und

wurde ins ewige Nichts gesogen. Wie eine einsame

Raumsonde, die an Pluto vorbeigesaust war.

.Kein Problem. Ist nicht wichtig., sagte Tengo ergeben.

Es war ein Fehler gewesen, Fukaeri diese Frage überhaupt

zu stellen. Er konnte ja noch irgendwo unterwegs ein

bisschen Obst als Gastgeschenk kaufen.

.Also dann, Sonntag um neun Uhr., sagte Tengo.

Nach ein paar Sekunden h.ngte Fukaeri wortlos auf.

Nicht mal .Auf Wiedersehen. oder .Bis Sonntag. hatte sie

gesagt. Einfach aufgelegt.

Oder vielleicht hatte sie auch erst aufgelegt, nachdem sie

zustimmend genickt hatte. Leider zeigte K.rpersprache am

Telefon wenig Wirkung.

Tengo legte den H.rer auf die Gabel, atmete zweimal tief

durch und wandte sich wieder substantielleren Dingen zu.

Wie der Zubereitung seines bescheidenen Abendessens.

KAPITEL 7

Aomame

So sacht, dass man einen schlafenden Schmetterling

nicht weckt

Am Samstagnachmittag gegen ein Uhr besuchte Aomame

die .Weidenvilla.. Das Geb.ude war dicht von alten

Weiden umstanden, die die Mauer überragten und bei

jeder Brise lautlos hin und her schwankten wie eine Schar

von Geistern, die nicht wussten, wohin sie geh.rten. Daher

nannten die Nachbarn das alte, im westlichen Stil erbaute

Anwesen von jeher ganz selbstverst.ndlich die Weidenvilla.

Sie lag am oberen Ende eines steilen Hangs in Azabu. In

den Kronen der Weiden sa.en zierliche V.gel. An einem

sonnigen Fleckchen auf dem Dach nahm eine gro.e Katze

mit halb geschlossenen Augen ein Sonnenbad. Die

umgebenden Stra.en waren so eng und kurvig, dass kaum

je ein Auto hindurchfuhr. überall standen gro.e B.ume

und Str.ucher, sodass es dort selbst um die Mittagszeit

schattig war. Sobald man diesen Winkel betrat, hatte man

das Gefühl, der Lauf der Zeit verlangsame sich ein wenig. In

diesem Viertel hatten mehrere Botschaften ihren Sitz, aber

目录
设置
设置
阅读主题
字体风格
雅黑 宋体 楷书 卡通
字体大小
适中 偏大 超大
保存设置
恢复默认
手机
手机阅读
扫码获取链接,使用浏览器打开
书架同步,随时随地,手机阅读
首 页 < 上一章 章节列表 下一章 > 尾 页