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作者: 当前章节:15412 字 更新时间:2026-6-19 08:06

Publikumsverkehr gab es kaum. Für gew.hnlich herrschte

absolute Stille, doch dieser Zustand .nderte sich im

Sommer, wenn die Zikaden ohrenbet.ubend schrillten.

Aomame drückte auf die Klingel am Tor und sagte ihren

Namen in die Gegensprechanlage. Sie l.chelte verhalten in

die Kamera über ihrem Kopf. Langsam und automatisch

.ffnete sich das eiserne Tor. Als Aomame eingetreten war,

schlossen sich die Flügel hinter ihr. Wie immer

durchquerte sie den Garten zum Eingangsbereich des

Hauses. Im Wissen, dass sie gefilmt wurde, schritt sie mit

geradem Rücken und eingezogenem Kinn wie ein Model

den Weg entlang. Aomames Aufmachung war heute

sportlich. Sie trug einen dünnen dunkelblauen Anorak, eine

graue Segeljacke, Blue Jeans und wei.e Basketballschuhe.

über ihrer Schulter hing die bewusste Umh.ngetasche.

Ihren Eispick hatte sie heute nicht dabei. Wenn sie ihn

nicht brauchte, lag er in einer Schublade ihrer Kommode.

Vor dem Eingang standen Gartenstühle aus Teakholz. In

einem von ihnen sa. ein sehr aufmerksam wirkender,

kr.ftiger Mann. Er war nicht besonders gro., aber man

konnte erkennen, dass sein Oberk.rper erstaunlich

muskul.s war. Er war um die vierzig, trug die Haare rasiert,

und unter seiner Nase spross ein gepflegter Schnurrbart. Zu

seinem grauen Anzug mit Schulterpolstern trug er ein

schneewei.es Hemd, eine dunkelgraue Seidenkrawatte und

ein makelloses Paar Schuhe aus schwarzem Cordovan.

Silberner Ohrschmuck zierte beide Ohren. Er sah nicht

gerade aus, als sei er Finanzbeamter oder Vertreter für Kfz-

Versicherungen. Auf den ersten Blick wirkte er wie ein

Bodyguard, was auch tats.chlich sein Beruf war. Hin und

wieder übernahm er auch die Rolle des Chauffeurs. Er

besa. einen Schwarzen Gürtel in Karate und konnte, wenn

es n.tig war, auch mit einer Waffe umgehen. Er wusste sich

zu wehren und konnte brutaler werden als jeder andere.

Für gew.hnlich war er jedoch sanft, gelassen und klug. Wer

ihm l.nger in die Augen sah – sofern er dies gestattete –,

konnte ein warmes Licht darin erkennen.

Sein Hobby war es, an allen m.glichen Maschinen

herumzubasteln. Au.erdem sammelte er Progressive-Rock-

Schallplatten der sechziger und siebziger Jahre. Tamaru –

so hie. der Mann – lebte mit seinem gut aussehenden

jungen Freund, einem Visagisten, in der gleichen Gegend

von Azabu. Ob Tamaru sein Vor- oder sein Nachname war,

wusste niemand. Auch nicht, mit welchen Zeichen er sich

schrieb. Doch alle nannten ihn Tamaru.

Tamaru blickte Aomame von seinem Stuhl entgegen und

nickte.

.Hallo., sagte sie und setzte sich auf einen Stuhl ihm

gegenüber.

.In einem Hotel in Shibuya soll ein Mann ums Leben

gekommen sein., sagte Tamaru, w.hrend er den Glanz

seiner Cordovan-Schuhe inspizierte.

.Wusste ich gar nicht., sagte Aomame.

.Es stand auch nicht in der Zeitung. Anscheinend ein

Herzanfall. Traurig, wo er doch gerade mal über vierzig

war..

.Er hat nicht auf sein Herz geachtet..

Tamaru nickte. .Auf seine Lebensgewohnheiten sollte

man achten. Ein unsolides Leben, Stress, Schlafmangel

k.nnen einen Menschen t.ten..

.Irgendetwas t.tet früher oder sp.ter jeden Menschen..

.Theoretisch gesehen ja..

.Ob es eine Obduktion gibt?., fragte Aomame.

Tamaru beugte sich vor und wischte ein mit blo.em Auge

nicht sichtbares St.ubchen von seiner Schuhspitze. .Die

Polizei hat Wichtigeres zu tun, als sich mit unverd.chtigen

Todesf.llen abzugeben, wenn es nicht mal eine Verletzung

gibt. Au.erdem sind ihre finanziellen Mittel begrenzt.

Sicher hat niemand Interesse daran, dass der von seinen

Hinterbliebenen so geliebte, friedlich Verstorbene sinnlos

aufgeschnitten wird..

.Vor allem, wenn man an die Witwe denkt..

Tamaru schwieg eine Weile. Dann streckte er ihr seine

m.chtige Rechte entgegen, die in etwa die Gr..e eines

Baseballhandschuhs hatte. Aomame ergriff sie. Sie

schüttelten sich fest die H.nde.

.Du siehst müde aus. Du solltest dich ein bisschen

ausruhen..

Aomame zog die Mundwinkel leicht auseinander, wie

normale Menschen es tun, wenn sie l.cheln, doch in

Wirklichkeit l.chelte sie nicht. Es sollte nur hei.en, dass sie

l.chelte.

.Wie geht’s Bun?., fragte Aomame.

.Prima., erwiderte Tamaru. Bun war die Sch.ferhündin,

die in der Villa gehalten wurde. Sie war ein kluges Tier mit

einem guten Charakter. Eine etwas seltsame Angewohnheit

hatte sie allerdings.

.Isst sie immer noch Spinat?., fragte Aomame.

.Jede Menge. Wenn die Spinatpreise weiter steigen,

werden wir arm. Bei den Mengen, die sie vertilgt..

.Ich habe noch nie einen Sch.ferhund gesehen, der

Spinat mag..

.Wahrscheinlich h.lt sie sich nicht für einen Hund..

.Für was denn sonst?.

.Vielleicht für ein besonderes Wesen, das nicht in solche

Schubladen passt?.

.Einen überhund?.

.Kann sein..

.Und deshalb bevorzugt sie Spinat?.

.Das hat damit nichts zu tun, sie mag ihn einfach. Soll sie

schon als Welpe getan haben..

.Aber vielleicht brütet sie deshalb gef.hrliche Gedanken

aus..

.K.nnte sein., sagte Tamaru. Dann schaute er auf die

Uhr. .übrigens, dein Termin heute ist doch um halb eins,

oder?.

Aomame nickte. .Ja, ich habe noch ein bisschen Zeit..

Tamaru erhob sich langsam. .Warte einen Moment hier,

bitte. Vielleicht kannst du schon früher zu ihr.. Er

verschwand im Flur.

W.hrend sie wartete, betrachtete Aomame die pr.chtigen

Weiden. Es war windstill, und ihre Zweige hingen ruhig auf

den Boden herab. Sie wirkten wie unaufh.rlich in

Gedanken versunkene Menschen.

Kurz darauf kam Tamaru zurück. .Du kannst reingehen.

Sie m.chte, dass du heute ins Gew.chshaus kommst..

Die beiden gingen durch den Garten, an den Weiden

vorbei, zum Gew.chshaus, das sich auf der Rückseite der

Villa befand. In seiner Umgebung hatte man auf B.ume

verzichtet, um dem Sonnenlicht ungehinderten Zugang zu

gew.hren. Behutsam .ffnete Tamaru die Glastür einen

Spalt, damit die Schmetterlinge darin nicht hinausflogen,

und schob Aomame hinein. Dann schlüpfte er ebenfalls

rasch durch die Tür und zog sie unverzüglich hinter sich

zu. Beweglichkeit ist nicht die St.rke kr.ftiger Menschen.

Immerhin bewegte Tamaru sich genau bemessen und

pr.zise. Nur dass es seine St.rke war, konnte man nicht

behaupten.

In dem gro.en gl.sernen Gew.chshaus herrschte ein

ewiger und vollkommener Frühling. Alle m.glichen Arten

von Blumen blühten wunderhübsch durcheinander. Die

meisten waren nicht ungew.hnlich, auch wenn es aus

Aomames Sicht nur ein unglaubliches Durcheinander

verschiedener Pflanzen war. Gladiolen, Anemonen,

Margeriten, Topfpflanzen, wie man sie überall sieht,

reihten sich auf den Regalen. Kostbare Orchideen, seltene

Rosenarten, polynesische Blumen in leuchtenden Farben

oder .hnliches gab es tats.chlich nicht zu entdecken.

Aomame hatte kein besonderes Interesse an Pflanzen,

dennoch gefiel ihr dieses unpr.tenti.se Gew.chshaus sehr

gut.

Dafür lebte dort eine Vielzahl von Schmetterlingen. Es

schien der Besitzerin ein besonderes Anliegen zu sein, in

ihrem gro.en Glashaus statt seltener Pflanzen seltene

Schmetterlinge zu züchten. Die Blumen waren danach

ausgew.hlt, dass sie m.glichst viel lockenden Nektar für

die Schmetterlinge produzierten. Für die Aufzucht von

Schmetterlingen in einem Glashaus war ein

ungew.hnliches Ausma. von Sorgfalt, Kenntnis und Mühe

erforderlich, aber Aomame hatte keine Ahnung, wie weit

diese Sorgfalt wirklich reichte. Im Hochsommer empfing

die Besitzerin Aomame mitunter im Gew.chshaus, um sich

dort unter vier Augen mit ihr zu unterhalten. In einem

gl.sernen Haus musste man nicht fürchten, heimlich

belauscht zu werden. Die Gespr.che, die dort zwischen den

beiden Frauen stattfanden, waren nicht von der Art, dass

man sie überall h.tte laut führen k.nnen. Au.erdem

beruhigte es die Nerven, von Blumen und Schmetterlingen

umgeben zu sein. Das war Aomame anzusehen. Sie fand es

immer etwas zu warm in dem Gew.chshaus, aber nicht so,

dass es nicht auszuhalten war.

Die Besitzerin der Weidenvilla war eine zierliche .ltere

Dame von Mitte siebzig. Ihr sch.nes wei.es Haar war kurz

geschnitten. Sie trug ein lang.rmliges Arbeitshemd aus

Kattun, eine cremefarbene Baumwollhose, schmutzige

Turnschuhe und wei.e Arbeitshandschuhe. Sie war gerade

dabei, mit einer gro.en Metallgie.kanne die Topfpflanzen

zu bew.ssern. Ihre Kleidung schien eine Nummer zu gro.,

wirkte aber dennoch bequem und passend. Immer wenn

Aomame sie sah, konnte sie nicht umhin, die

ungezwungene natürliche Eleganz der alten Dame zu

bewundern.

Sie stammte aus einer berühmten Familie von

Industriellen und hatte vor dem Krieg einen Adligen

geheiratet; dennoch erschien sie nicht im Geringsten

verw.hnt oder verweichlicht. Nachdem ihr Mann kurz

nach dem Krieg verstorben war, hatte sie die Leitung einer

kleinen Investmentfirma übernommen, die Verwandten

von ihr geh.rte, und sich als sehr begabte B.rsenmaklerin

erwiesen. Jedermann gab zu, dass sie ein Naturtalent war.

Unter ihrer Leitung gelangte die Firma rasch zum Erfolg,

und ihr pers.nliches Verm.gen wuchs. Mit diesem Kapital

erwarb sie mehrere erstklassige Grundstücke in der

Innenstadt, die der kaiserlichen Familie und dem Adel

geh.rten. Vor etwa zehn Jahren hatte sie sich zur Ruhe

gesetzt, ihre Anteile zu einem günstigen Zeitpunkt teuer

verkauft und so ihr Verm.gen weiter vermehrt. Da sie es

nach M.glichkeit vermieden hatte, in der .ffentlichkeit zu

erscheinen, war ihr Name allgemein kaum bekannt, aber in

der Wirtschaftswelt gab es niemanden, der ihn nicht

kannte. Auch zu politischen Kreisen pflegte sie enge

Beziehungen, hie. es. Im pers.nlichen Umgang war sie

eine aufgeschlossene, sehr kluge Frau, die keine Furcht

kannte. Sie vertraute fest auf ihre eigenen Instinkte, und

wenn sie einmal einen Plan gefasst hatte, führte sie ihn

auch durch.

Als sie Aomame sah, stellte sie die Gie.kanne ab, wies auf

einen kleinen Gartenstuhl aus Metall, der in der N.he des

Eingangs stand, und bedeutete ihr, dort Platz zu nehmen.

Dann setzte sie sich auf einen Stuhl ihr gegenüber. Bei

kaum einer ihrer Bewegungen verursachte sie ein Ger.usch.

Sie war wie eine scheue Füchsin, die lautlos einen Wald

durchstreift.

.M.chten Sie etwas zu trinken?., erkundigte sich

Tamaru.

.Einen warmen Kr.utertee., sagte sie und sah Aomame

an. .Und Sie?.

.Das Gleiche., sagte Aomame.

Tamaru nickte kurz und schickte sich an, das

Gew.chshaus zu verlassen. Nachdem er sich umgeschaut

und vergewissert hatte, dass keiner der Schmetterlinge in

der N.he war, .ffnete er die Tür einen Spalt, huschte hastig

nach drau.en und schloss die Tür wieder. Es sah aus, als

vollführe er einen Gesellschaftstanz.

Die alte Dame streifte die Baumwollhandschuhe ab, als

handle es sich um seidene Abendhandschuhe, und legte sie

s.uberlich übereinander auf den Tisch. Mit ihren

strahlenden schwarzen Augen blickte sie Aomame direkt

an. Es waren Augen, die schon vieles gesehen hatten.

Aomame erwiderte den Blick so weit, dass es nicht

respektlos war.

.Leider ist ein Mensch gestorben. Offenbar jemand,

dessen Name im .lgesch.ft ziemlich bekannt war. Er war

noch jung, aber ein einflussreicher Mann..

Die alte Dame sprach immer sehr leise. In einer

Lautst.rke, die unterging, wenn der Wind ein bisschen

st.rker blies. So mussten ihre Gespr.chspartner stets die

Ohren spitzen. Aomame hatte manchmal das Bedürfnis, die

Hand auszustrecken und den Lautst.rkeregler nach rechts

zu drehen. Doch selbstverst.ndlich gab es keinen

Lautst.rkeregler, und es blieb ihr nichts anderes übrig, als

angestrengt zu lauschen.

.Auch wenn ihn sein Tod recht pl.tzlich ereilte., sagte

Aomame, .kommt er dem Anschein nach nicht v.llig

ungelegen. Die Erde dreht sich weiter..

Die Chefin l.chelte. .Kein Mensch auf dieser Welt ist

unersetzlich. Ganz gleich, wie viel Wissen und Macht er

besitzt, irgendwo gibt es immer einen Nachfolger. W.re die

Welt voller unersetzlicher Menschen, w.ren wir in gro.en

Schwierigkeiten. Natürlich …., fügte sie hinzu und reckte

ihren rechten Zeigefinger in die Luft, wie um ihre Aussage

zu unterstreichen. .… k.nnte ich für Sie nicht so leicht

einen Ersatz finden..

.Aber es dürfte nicht allzu schwierig sein, eine alternative

Methode zu entdecken., bemerkte Aomame.

Die alte Dame musterte sie ruhig. Auf ihren Lippen lag

ein zufriedenes L.cheln. .Mag sein., sagte sie. .Aber selbst

wenn, so etwas wie unsere Zusammenarbeit lie.e sich nie

wieder finden. Sie sind einmalig. Ich bin Ihnen sehr

dankbar. Mehr, als ich mit Worten ausdrücken kann..

Die alte Dame beugte sich vor, streckte die H.nde aus

und legte sie für etwa zehn Sekunden auf Aomames. Dann

nahm sie sie wieder fort und lie. sich mit zufriedener

Miene zurückfallen. Schmetterlinge umflatterten sie, und

ein kleiner wei.er mit tiefrotem Muster lie. sich auf der

Schulter ihres blauen Arbeitskittels nieder und schlief ein,

als würde er keine Furcht kennen.

.So einen Schmetterling haben Sie sicher noch nie

gesehen., sagte die alte Dame mit einem kurzen Blick auf

ihre Schulter. In ihrer Stimme klang ein Anflug von Stolz

mit. .Er stammt aus Okinawa, aber auch dort ist diese Art

nicht leicht zu finden. Sie ern.hren sich ausschlie.lich von

einer bestimmten Blume. Einer Blume, die nur in den

Bergen von Okinawa blüht. Um diese Schmetterlinge zu

halten, muss man zuerst diese Blume hierhertransportieren

und züchten. Das kostet viel Mühe. Und billig ist es

natürlich auch nicht..

.Das Tierchen scheint Ihnen v.llig zu vertrauen..

Die Chefin l.chelte. .Ich glaube, er ist mein Freund..

.Kann man mit Schmetterlingen Freundschaft

schlie.en?.

.Dazu muss man zuerst Teil der Natur werden. Seine

Eigenschaft als Mensch ablegen und sich selbst

unumst..lich als Baum, Gras oder Blume empfinden. Das

braucht Zeit, aber wenn die Natur nicht mehr auf der Hut

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