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作者: 当前章节:15360 字 更新时间:2026-6-19 08:06

Herzanfall auch eine ganz legale Todesursache..

.Selbstverst.ndlich., bekr.ftigte Aomame.

Schweigend, die H.nde auf die Knie gelegt, betrachtete

Tamaru eine Weile die reglos h.ngenden Weidenzweige.

Nachdem sie kurz gez.gert hatte, schnitt Aomame ein

anderes Thema an. .Tamaru, es gibt etwas, das ich dich

gern fragen würde..

.Was denn?.

.Wie viele Jahre ist es her, seit die Polizei ihre Uniformen

und Waffen erneuert hat?.

Tamaru runzelte leicht die Stirn. In ihrem Ton schwang

etwas mit, das seinen Argwohn erregte. .Warum willst du

das pl.tzlich wissen?.

.Aus keinem besonderen Grund. Ist mir blo. kürzlich

eingefallen..

Tamaru sah ihr in die Augen. Sein Blick war immer

neutral, aber nun hatte er gar keinen Ausdruck. Er h.tte

alles M.gliche bedeuten k.nnen.

.Mitte Oktober 1981 kam es in der N.he des Motosu-Sees

zu einer heftigen Schie.erei zwischen der Polizei der

Pr.fektur Yamanashi und Extremisten. Im Jahr darauf –

also vor zwei Jahren – wurden bei der Polizei gr..ere

Ver.nderungen vorgenommen..

Aomame nickte, ohne eine Miene zu verziehen. An diesen

Vorfall konnte sie sich überhaupt nicht erinnern, aber das

sagte sie Tamaru nicht.

.Es gab ein Blutbad. Altmodische Trommelrevolver mit

sechs Kammern gegen fünf Kalaschnikows. Keine Chance.

Drei der armen Polizisten wurden bei dieser Aktion

zerfetzt. Eine Sondereinheit der

Selbstverteidigungsstreitkr.fte wurde per Hubschrauber

eingeflogen. Die Ehre der Polizei war dahin. Kurz darauf

beschloss Pr.sident Nakasone, sich ernsthaft an eine

Verst.rkung der polizeilichen Einsatzkr.fte zu machen. Es

wurden umfassende organisatorische Ver.nderungen

vorgenommen. Eine bewaffnete Sondereinheit wurde

gegründet, und auch die gew.hnliche Streifenpolizei wurde

mit leistungsstarken automatischen Dienstpistolen

ausgerüstet. Mit 92er Berettas. Hast du schon mal mit einer

geschossen?.

Aomame schüttelte den Kopf. Natürlich nicht! Sie hatte

noch nicht einmal mit einem Luftgewehr geschossen.

.Aber ich., sagte Tamaru. .Halbautomatisch, mit einer

Kapazit.t von fünfzehn 9-mm-Parabellum-Patronen. Eine

berüchtigte Waffe, die amerikanische Armee verwendet sie.

Sie ist nicht billig, wird aber nicht so teuer gehandelt wie

Glocks oder SIGs. Allerdings ist sie für einen Laien nicht

leicht zu handhaben. Die Revolver wogen nur

vierhundertneunzig Gramm, aber die Beretta wiegt

ungef.hr achthundertfünfzig Gramm. So ein Ding einem

ungeübten japanischen Polizisten zu geben hat eigentlich

keinen Zweck. Schie.t man im Gedr.nge damit, werden

unweigerlich Passanten verletzt..

.Wo hast du denn damit geschossen?.

.Ach, schon mehrmals. Als ich einmal an einer Quelle sa.

und Harfe spielte, tauchte pl.tzlich wie aus dem Nichts

eine Fee auf und reichte mir eine Beretta 92. Sie sagte, ich

solle doch mal auf einen wei.en Hasen schie.en, der dort

hoppelte..

.Eine wahre Geschichte..

Die Falten um Tamarus Mundwinkel vertieften sich ein

wenig. .Ich erz.hle nur wahre Geschichten., sagte er. .Auf

alle F.lle wurden die Dienstwaffen und die Uniformen im

Frühjahr vor zwei Jahren erneuert. Ziemlich genau um

diese Zeit. Ist deine Frage damit beantwortet?.

.Vor zwei Jahren., wiederholte Aomame.

Tamaru musterte Aomame wieder mit einem scharfen

Blick. .Wenn du etwas auf dem Herzen hast, solltest du es

mir lieber sagen..

.Nein, nein, es ist nichts., sagte Aomame und wedelte ein

bisschen mit den Fingern beider H.nde in der Luft herum.

.Ich war nur unsicher wegen der Uniformen und habe

mich gefragt, wann sie ge.ndert wurden..

Eine Weile herrschte Schweigen, und das Gespr.ch kam

damit zu einem natürlichen Ende. Tamaru streckte ihr

noch einmal die rechte Hand entgegen. .Ich bin froh, dass

alles problemlos gelaufen ist., sagte er. Aomame ergriff

seine Hand. Dieser Mann wusste Bescheid. Wusste, dass

man nach einer schweren Aufgabe, bei der es um ein

Menschenleben gegangen war, eine ruhige, warme

Ermutigung brauchte, die eine k.rperliche Berührung

einschloss.

.G.nn dir mal eine Pause., sagte Tamaru. .Ab und zu

muss man innehalten und tief durchatmen, um den Kopf

freizubekommen. Flieg mit deinem Freund nach Guam

oder so..

Aomame stand auf, h.ngte sich ihre Tasche um und zog

die Kapuze ihrer Segeljacke zurecht.

Auch Tamaru erhob sich. Er war gar nicht gro., aber

wenn er sich aufrichtete, wirkte er wie eine Mauer.

Aomame war immer wieder von der kompakten Massigkeit

seines K.rpers überrascht.

Als sie davonging, sah Tamaru ihr lange und aufmerksam

nach. Aomame spürte seinen Blick in ihrem Rücken.

Deshalb schritt sie aufrecht, fest und mit eingezogenem

Kinn schnurgerade voran. Aber sie war so verwirrt, dass sie

ihre Umgebung nicht wahrnahm. Immer mehr Dinge

kamen ans Licht, von denen sie nichts gewusst hatte. Bis

vor kurzem hatte sie alles in der Hand gehabt. Ohne diese

Brüche und Widersprüche. Doch nun war ihre Welt in

tausend Stücke zersprungen.

Feuergefecht am Motosu-See? Beretta 92?

Was war geschehen? Derart wichtige Nachrichten w.ren

Aomame nie entgangen. Irgendwo hatte das System dieser

Welt begonnen, verrücktzuspielen. Ihr Verstand raste im

Kreis. Was auch immer passiert war, sie musste ihre Welt

wieder zu einem Stück zusammenfügen. Sie musste

Vernunft hineinbringen. Und zwar schnell. Wer wei., was

sonst noch für ein Unsinn herauskommen würde.

Vielleicht hatte Tamaru durchschaut, wie verwirrt

Aomame innerlich war. Er war ein aufmerksamer Mann mit

gro.er Intuition. Und ein gef.hrlicher Mann. Tamaru

empfand tiefe Hochachtung vor seiner Herrin, der alten

Dame, und war ihr v.llig ergeben. Ihre Sicherheit zu

gew.hrleisten war sein oberstes Gebot. Aomame und

Tamaru akzeptierten einander und waren sich

sympathisch. Zumindest hegten sie so etwas .hnliches wie

Sympathie füreinander. Aber wenn beschlossen würde, dass

Aomame aus irgendeinem Grund keinen Nutzen mehr für

seine Herrin h.tte, würde er sie ohne zu z.gern fallenlassen

und beseitigen. Ganz pragmatisch. Doch das konnte man

Tamaru nicht vorwerfen. Immerhin war das sein Beruf.

Als Aomame den Garten durchquert hatte, .ffnete sich

das Tor. Sie l.chelte so liebenswürdig wie m.glich in die

überwachungskamera und winkte l.ssig. Als sei nichts

geschehen. Langsam schloss sich das Tor hinter ihr.

W.hrend Aomame den steilen Hang in Azabu

hinunterging, ordnete sie ihre Gedanken und stellte im

Geiste eine Liste der Dinge auf, die sie jetzt tun musste.

KAPITEL 8

Tengo

Begegnung mit einem Unbekannten

an einem unbekannten Ort

Für die meisten Menschen ist der Sonntagmorgen der

Inbegriff von Freizeit. Doch Tengo hatte sich w.hrend

seiner gesamten Kindheit nicht ein einziges Mal auf den

Sonntagmorgen gefreut. Der Gedanke an den Sonntag lie.

seine Laune stets sinken. Angesichts des nahenden

Wochenendes überkam ihn bleierne Schwere, er verlor den

Appetit, und alles tat ihm weh. Der Sonntag zeigte Tengo

nur seine abgewandte dunkle Seite, wie ein verkehrter

Mond. Wie sch.n w.re es, wenn es keine Sonntage g.be,

hatte er als Junge oft gedacht. Wie wunderbar, wenn jeden

Tag Schule w.re und nie Feiertag. Er betete sogar darum,

dass der Sonntag ausfallen m.ge – ein Gebet, das natürlich

nie erh.rt wurde. Als Erwachsenen stellten die Sonntage

für ihn keine Bedrohung mehr dar, aber auch jetzt noch

erwachte er am Sonntagmorgen h.ufig mit einem

unangenehmen düsteren Gefühl. Alle seine Gelenke waren

steif, und manchmal musste er sich sogar übergeben. Die

Angst vor dem Sonntag war bis in sein Innerstes

vorgedrungen. Vermutlich bis in die Regionen seines

tiefsten Unterbewusstseins.

Sein Vater, der für NHK die Rundfunkgebühren

einsammelte, hatte Tengo schon auf seine sonnt.glichen

Runden mitgenommen, bevor dieser in den Kindergarten

kam, und diese Gewohnheit hatte er, abgesehen von

wenigen Gelegenheiten, bei denen schulische

Veranstaltungen es verhinderten, ohne Ausnahme

beibehalten, bis der Junge in der fünften Klasse war. Sie

standen um sieben Uhr morgens auf, Tengo bekam von

seinem Vater das Gesicht mit Seife gewaschen. N.gel und

Ohren wurden genau auf ihre Sauberkeit überprüft, dann

zog der Vater ihm m.glichst ordentliche (aber nicht zu

feine) Kleider an und versprach, dass es anschlie.end etwas

Leckeres zu essen g.be.

Tengo wusste nicht, ob die anderen Gebühreneintreiber

von NHK ebenfalls an Feiertagen unterwegs waren. Aber

solange er denken konnte, war sein Vater jeden Sonntag

zur Arbeit gegangen. Eigentlich war er an diesem Tag noch

emsiger, als er es für gew.hnlich schon war. Denn am

Sonntag konnte er die Leute erwischen, die wochentags

unterwegs waren. Dass er den kleinen Tengo auf seine

Runden mitnahm, hatte mehrere Gründe. Einer davon war,

dass er den Kleinen nicht allein zu Hause lassen konnte.

Wochentags und samstags war Tengo im Hort, im

Kindergarten oder in der Schule, aber sonntags hatte alles

geschlossen. Eine weitere Begründung lautete, er müsse

seinem S.hnchen zeigen, welchen Beruf der Papa ausübe.

Von klein auf sollte Tengo lernen, dass das Leben vor allem

aus Arbeit und Mühsal bestand. Der Vater war selbst – seit

er denken konnte – auch sonntags zur Arbeit aufs Feld

geschickt worden. Auf dem Land war zu bestimmten

landwirtschaftlich arbeitsintensiven Zeiten sogar der

Schulunterricht ausgefallen. Für Tengos Vater war ein

solches Leben ganz selbstverst.ndlich.

Der dritte und letzte Grund war berechnend, und er

verletzte Tengo darum umso tiefer. Der Vater wusste

genau, dass die Leute zug.nglicher waren, wenn er mit

einem Kind vor der Tür stand. Den meisten fiel es schwer,

einen Kassierer mit einem kleinen Kind an der Hand

abzuweisen und zu sagen: .Hau ab, ich zahle nicht.. So

mancher, der nicht die Absicht gehabt hatte, bezahlte eben

doch, wenn das Kind zu ihm aufschaute. Daher nahm der

Vater sonntags immer eine Route mit besonders vielen

schwierigen Kandidaten. Tengo hatte von Anfang an

gespürt, welche Rolle ihm in diesem Spiel zukam, und sehr

darunter gelitten. Aber um dem Vater zu gefallen, musste

er sie m.glichst geschickt spielen. Wie ein dressierter Affe.

Denn an Tagen, an denen der Vater mit ihm zufrieden war,

behandelte er seinen Sohn freundlich.

Tengos einzige Rettung war, dass der

Zust.ndigkeitsbereich des Vaters im Zentrum der Stadt lag,

also ziemlich weit von ihrer eigenen Wohnung entfernt, die

sich in einem Vorort von Ichikawa befand. Und auch

Tengos Schule war in einem anderen Bezirk. So mussten sie

auf ihrer Runde wenigstens nicht an den H.usern anderer

Kinder aus seinem Kindergarten oder seiner Schule

klingeln. Wenn sie auf ihrem Weg durch die Innenstadt

dennoch hin und wieder auf Klassenkameraden von Tengo

stie.en, verbarg er sich hastig im Schatten seines Vaters,

damit sie ihn nicht bemerkten.

Die V.ter von Tengos Mitschülern waren in der Regel

Angestellte, die im Zentrum von Tokio besch.ftigt waren.

Sie hielten Ichikawa für einen Teil von Tokio, der aus

irgendwelchen Gründen in die Pr.fektur Chiba

eingemeindet worden war. Montagmorgens berichteten

seine Schulkameraden stets begeistert, was sie am Sonntag

unternommen hatten. Sie waren in Spielparks und Zoos

und beim Baseball gewesen. Im Sommer fuhren sie zum

Schwimmen ans Meer nach Minami-Boso und im Winter in

den Skiurlaub. Ihre V.ter kutschierten sie herum oder

machten Bergwanderungen mit ihnen. Nun schw.rmten sie

von diesen Erlebnissen und tauschten sich über alle

m.glichen Ausflugsziele aus. Nur Tengo hatte nichts zu

erz.hlen. Tengo hatte weder Sehenswürdigkeiten noch

Spielparks besucht. Denn er war sonntags von morgens bis

abends mit seinem Vater unterwegs, klingelte an den

H.usern fremder Leute, verbeugte sich vor denen, die

.ffneten, und nahm Geld in Empfang. Jenen, die nicht

zahlen wollten, drohte der Vater oder redete ihnen gut zu.

H.ufig kam es zu Auseinandersetzungen. Manchmal

wurden sie beschimpft und verjagt wie streunende Hunde.

Das waren wei. Gott keine Abenteuer, mit denen man sich

vor seinen Schulkameraden brüsten konnte.

Als Tengo in der dritten Klasse war, kam heraus, dass sein

Vater als Kassierer für NHK arbeitete. Wahrscheinlich hatte

jemand sie gesehen. Kein Wunder, schlie.lich lief er jeden

Sonntag von morgens bis abends mit seinem Vater durch

die halbe Stadt. (Mittlerweile war er auch zu gro., um sich

hinter seinem Vater zu verstecken.) Eher war es ein

Wunder, dass er so lange unentdeckt geblieben war.

Darauf bekam er den Spitznamen NHK. Unter lauter

Mittelschichtkindern aus Angestelltenfamilien wurde er

zwangsl.ufig zu einem Au.enseiter. Die meisten Dinge, die

für andere Kinder selbstverst.ndlich waren, waren es für

Tengo keineswegs. Er lebte in einer ganz anderen Welt und

führte ein v.llig anderes Leben als sie. Zu seinem Glück

hatte Tengo ausgezeichnete Noten und war sehr gut im

Sport. Dies und dass er au.erdem gro. und kr.ftig war,

bewahrte ihn davor, ausgesto.en zu werden, obwohl er

.anders. war. Eigentlich war er sogar eher überlegen. Aber

wenn ihn die anderen Kinder einmal einluden – .Wir

machen n.chsten Sonntag einen Ausflug, kommst du mit?.

oder .Komm doch mal zu mir. –, wusste er schon vorher,

dass sein Vater es ihm nicht erlauben würde. .Tut mir leid,

Sonntag habe ich schon was vor., sagte er dann immer. Bei

so vielen Absagen verstand es sich von selbst, dass ihn mit

der Zeit niemand mehr fragte. Unversehens geh.rte er

nirgends mehr dazu und blieb immer für sich.

Jeden Sonntag musste er unweigerlich von morgens bis

abends mit seinem Vater die Runde drehen. Das war die

unumst..liche Regel, die von keiner Ausnahme best.tigt

wurde. Für Abweichungen gab es keinen Raum. Erk.ltung,

Dauerhusten, Fieber, ganz gleich wie hoch,

Bauchschmerzen – sein Vater kannte kein Erbarmen. Wenn

Tengo dann hinter seinem Vater herstolperte, wünschte er

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