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作者: 当前章节:15415 字 更新时间:2026-6-19 08:06

ging es gut voran, nur stadteinw.rts gab es diesen

grauenhaften Stau. Um 15 Uhr nachmittags gab es auf der

Nr. 3 in Richtung Stadt normalerweise keine Staus. Nur

deshalb hatte Aomame den Fahrer überhaupt gebeten, die

Stadtautobahn zu nehmen.

.Auf der Autobahn wird nicht nach Zeit abgerechnet.,

sagte der Fahrer mit einem Blick in den Rückspiegel. .Um

den Fahrpreis brauchen Sie sich also keine Sorgen zu

machen. Aber wahrscheinlich ist es unangenehm für Sie,

wenn Sie Ihre Verabredung verpassen?.

.Natürlich ist das unangenehm. Aber es l.sst sich ja wohl

nicht .ndern..

Der Blick des Fahrers streifte Aomame im Spiegel. Er trug

eine leicht get.nte Sonnenbrille. Wegen der

Lichtverh.ltnisse konnte Aomame von ihrem Platz aus

seinen Gesichtsausdruck nicht sehen.

.Also, es g.be da eine M.glichkeit. Im .u.ersten Notfall

k.nnten Sie von hier aus mit der Bahn nach Shibuya

fahren..

.Im Notfall?.

.Eine sozusagen inoffizielle M.glichkeit..

Wortlos und mit zusammengekniffenen Augen wartete

Aomame, dass er fortfuhr.

.Vor uns ist eine Stelle, wo ich ranfahren kann.. Der

Fahrer wies mit dem Finger nach vorn. .Da bei der gro.en

Esso-Reklametafel..

Als Aomame scharf hinsah, bemerkte sie links von der

zweiten Spur eine Haltem.glichkeit für Pannenfahrzeuge.

Da es auf der Stadtautobahn keinen Seitenstreifen gab,

hatte man in gewissen Abst.nden Notparkpl.tze

eingerichtet. Es gab dort einen gelben Kasten mit einem

Notruftelefon, von dem aus man das Stra.enamt

kontaktieren konnte. Im Augenblick parkte dort niemand.

Auf einem Geb.udedach jenseits der Gegenspur war ein

riesiges Werbeschild der .lfirma Esso angebracht. Es zeigte

einen freundlich l.chelnden Tiger mit einem Tankschlauch

in der Pfote.

.Es gibt dort eine Treppe, die nach unten führt. Im Fall

eines Feuers oder Erdbebens k.nnen die Fahrer ihre Wagen

verlassen und über sie auf ebene Erde gelangen.

Normalerweise wird sie nur von den Wartungsarbeitern

und so weiter benutzt. Wenn Sie die Treppe

hinuntersteigen, kommen Sie in der N.he einer Station der

Tokyu-Linie heraus. Damit sind Sie ganz schnell in

Shibuya..

.Ich wusste gar nicht, dass es auf der Stadtautobahn so

eine Treppe gibt., sagte Aomame.

.Das ist im Allgemeinen wenig bekannt..

.Aber bekommt man keine Schwierigkeiten, wenn man

sie ohne zwingenden Grund benutzt?.

Der Fahrer machte eine kurze Pause. .Hm, ja, k.nnte

sein. So genau kenne ich mich mit den Bestimmungen des

Stra.enamts nicht aus. Aber Sie st.ren ja niemanden, also

würde man sicher darüber hinwegsehen, oder? Eigentlich

guckt doch hier niemand so genau hin. Das Stra.enamt hat

zwar jede Menge Angestellte, aber es ist ja bekannt, dass

nur die wenigsten von ihnen tats.chlich etwas tun..

.Was ist das für eine Treppe?.

.So was .hnliches wie eine Feuertreppe. Wie sie oft auf

der Rückseite von .lteren Geb.uden angebracht sind. Nicht

besonders gef.hrlich. Ihre H.he entspricht etwa der eines

zweist.ckigen Geb.udes, aber man kann ganz normal

hinuntergehen. Am Zugang gibt es ein Gitter, aber es ist

nicht hoch, und wer will, kann leicht darübersteigen..

.Haben Sie diese Treppe denn schon einmal benutzt?.

Der Fahrer antwortete nicht. Er l.chelte nur leicht in den

Rückspiegel. Es war ein L.cheln, das vieles hei.en konnte.

.Letztlich liegt es bei Ihnen, junge Frau., sagte der

Fahrer, w.hrend er mit den Fingern leicht zur Musik auf

das Lenkrad trommelte. .Von mir aus k.nnen Sie auch

gern hier sitzen bleiben und sich bei guter Musik aus einer

guten Anlage entspannen. Da wir sowieso l.ngere Zeit hier

festsitzen, k.nnen wir auch gemeinsam ausharren. Aber

wenn Sie einen dringenden Termin haben, gibt es nur diese

eine M.glichkeit..

Mit gerunzelter Stirn warf Aomame einen Blick auf ihre

Armbanduhr. Dann schaute sie auf und musterte die

Wagen um sie herum. Rechts von ihnen stand ein

schwarzer, von einer dünnen Schicht aus hellem Staub

bedeckter Mitsubishi Pajero. Der junge Mann auf dem

Beifahrersitz hatte das Fenster heruntergekurbelt und

rauchte gelangweilt eine Zigarette. Er hatte lange Haare,

war sonnengebr.unt und trug eine weinrote Windjacke.

Der Gep.ckraum war mit mehreren abgenutzten,

schmutzigen Surfbrettern beladen. Davor stand ein grauer

Saab 900. Die get.nten Scheiben waren geschlossen, und

von au.en lie. sich nicht erkennen, wer darin sa.. Der

Wagen war so blank poliert, dass die benachbarten

Fahrzeuge sich darin spiegelten.

Vor Aomames Taxi befand sich ein roter Suzuki Alto mit

einer Nummer des Stadtteils Nerima. Eine junge Mutter

sa. am Steuer. Ihr kleines Kind langweilte sich und turnte

auf dem Sitz herum. Die Mutter ermahnte es mit einem

gereizten Gesichtsausdruck. Man konnte durch die Scheibe

sehen, wie sie den Mund bewegte. Die gleiche Szenerie wie

vor zehn Minuten. In diesen zehn Minuten war der Wagen

keine zehn Meter vorangekommen.

Aomame überdachte die Lage. Im Geiste ordnete sie

verschiedene Punkte nach ihrer Priorit.t. Es dauerte nicht

lange, bis sie zu einem Entschluss kam. Auch das Stück von

Janá.ek erreichte – wie im Einklang mit ihr – den letzten

Satz.

Aomame nahm eine kleine Ray-Ban-Sonnenbrille aus

ihrer Umh.ngetasche. Dann zog sie drei Tausend-Yen-

Scheine aus ihrem Portemonnaie und reichte sie dem

Fahrer.

.Ich steige hier aus., sagte sie. .Ich darf nicht zu sp.t

kommen..

Der Fahrer nickte und nahm das Geld in Empfang.

.Quittung?.

.Nein, danke. Und der Rest ist für Sie..

Der Fahrer bedankte sich. .Es scheint ziemlich windig zu

sein, also nehmen Sie sich in Acht. Nicht dass Sie

ausrutschen..

.Danke., sagte Aomame.

.Also dann., sagte der Fahrer in den Rückspiegel. .Ich

m.chte Ihnen noch etwas mit auf den Weg geben: Die

Dinge sind meist nicht das, was sie zu sein scheinen..

Die Dinge sind nicht, was sie zu sein scheinen,

wiederholte Aomame bei sich. Sie runzelte leicht die Stirn.

.Was meinen Sie damit?.

Der Fahrer sprach sehr nachdrücklich. .Also, Sie werden

jetzt etwas Ungew.hnliches tun, nicht wahr? Am

helllichten Tag über eine Treppe von der Stadtautobahn

hinuntersteigen. Das ist etwas, was normale Menschen

nicht tun. Insbesondere Frauen nicht..

.Wahrscheinlich nicht., sagte Aomame.

.Wenn man so etwas tut, kann es sein, dass einem der

Alltag anschlie.end ein wenig – wie soll ich sagen –

verschoben erscheint. Verglichen mit sonst. Ich habe diese

Erfahrung selbst schon gemacht. Aber man darf sich nicht

vom .u.eren Schein t.uschen lassen. Es gibt immer nur

eine Realit.t..

Aomame dachte über die Worte des Fahrers nach.

Unterdessen endete das Stück von Janá.ek, und Applaus

setzte ein. Wo das Konzert wohl aufgenommen worden

war? Der Beifall war anhaltend und stürmisch. Dazwischen

ert.nten Bravorufe. Aomame stellte sich vor, wie der

Dirigent sich immer wieder l.chelnd vor dem stehenden

Publikum verneigte. Er hob das Gesicht und die H.nde,

schüttelte dem Konzertmeister die Hand, wandte sich nach

hinten und wies mit beiden H.nden lobend auf die

Orchestermitglieder, wandte sich wieder nach vorn und

verbeugte sich abermals tief. Der Beifall im Radio schwoll

an und ab, und sie hatte das Gefühl, einem endlosen

Sandsturm auf dem Mars zu lauschen.

.Es gibt immer nur eine Realit.t., wiederholte der

Taxifahrer langsam, als würde er eine besonders wichtige

Zeile in einem Dokument unterstreichen.

.Natürlich., sagte Aomame. Selbstverst.ndlich. Einen

K.rper, eine Zeit, einen Raum. Einstein hatte es ja

bewiesen. Die Realit.t war ein unendlich rigoroses und

unendlich einsames Ding.

Aomame zeigte auf die Stereoanlage. .Sie hat wirklich

einen guten Klang..

Der Fahrer nickte. .Wie war noch mal der Name des

Komponisten?.

.Janá.ek..

.Janá.ek., wiederholte der Fahrer, als würde er sich ein

wichtiges Passwort merken. Dann zog er an dem Hebel und

.ffnete die automatische hintere Tür. .Seien Sie vorsichtig.

Ich hoffe, Sie schaffen es noch pünktlich zu Ihrem Termin..

Ihre gro.e lederne Umh.ngetasche in der Hand, stieg

Aomame aus. Der Applaus im Radio dauerte noch immer

an. Vorsichtig ging sie auf den Pannenstreifen am Rand der

Schnellstra.e zu, der nur zehn Meter vor ihr lag. Sooft auf

der Gegenfahrbahn ein gro.er Lastwagen vorbeifuhr, bebte

die Stra.e unter ihren hohen Abs.tzen. Eigentlich war es

eher ein Schwanken. Sie fühlte sich wie an Deck eines

Flugzeugtr.gers auf stürmischer See.

Das kleine M.dchen in dem roten Suzuki Alto steckte den

Kopf aus dem Beifahrerfenster und beobachtete Aomame

mit aufgerissenem Mund. Dann wandte es sich an seine

Mutter. .Mama, Mama, was macht die Frau da? Wo geht

die hin? Ich will auch laufen. Mama, ich will raus. Mama!.,

verlangte die Kleine laut und gebieterisch. Die Mutter

schüttelte nur stumm den Kopf. Dann warf sie Aomame

einen vorwurfsvollen Blick zu. Aber das war die einzige

Stimme, die sich in der Umgebung erhob, die einzige

Reaktion, die ihr auffiel. Die anderen Fahrer stie.en nur

den Rauch ihrer Zigaretten aus, hoben leicht die

Augenbrauen und verfolgten, als k.nnten sie ihren Augen

nicht trauen, die Gestalt, die ohne zu z.gern zwischen den

Wagen und der Leitplanke entlangspazierte. Sie schienen

sich ihr Urteil vorzubehalten. Auch wenn der Verkehr

stand, kam es doch nicht alle Tage vor, dass jemand zu Fu.

die Stadtautobahn entlangmarschierte. Man brauchte eine

gewisse Zeit, um dies als realen Anblick wahrzunehmen

und zu akzeptieren. Vor allem, wenn es sich bei der Person

um eine junge Frau in Minirock und St.ckelschuhen

handelte.

Das Kinn eingezogen, den Blick geradeaus und den

Rücken gestrafft, ging Aomame mit festem Schritt vorw.rts,

w.hrend sie die Blicke auf ihrer Haut spürte. Ihre

kastanienbraunen Schuhe von Charles Jourdan klackten

trocken über den Asphalt, und eine Brise lie. den Saum

ihres Mantels flattern. Der junge April wurde von einem

noch kühlen und etwas stürmischen Wind begleitet. über

ihrem leichten grünen Wollkostüm von Junko Shimada

trug sie einen beigefarbenen Frühjahrsmantel. Ihre lederne

Umh.ngetasche war schwarz, ihr schulterlanges Haar gut

geschnitten und gepflegt. Accessoires oder Schmuck trug

sie nicht. Sie war 1,68 Meter gro., hatte kein Gramm Fett

zu viel und war sehr durchtrainiert, aber das konnte man

unter dem Mantel nicht erkennen.

Wenn man ihr schmales Gesicht von vorn betrachtete, fiel

auf, dass ihre Ohren sich etwas voneinander unterschieden.

Das linke Ohr war gr..er als das rechte und unregelm..ig

geformt. Doch das merkte anfangs niemand, da sie ihre

Ohren meist unter den Haaren verbarg. Ihre Lippen waren

zu einem geraden Strich geschlossen und wiesen auf einen

wenig anpassungsf.higen Charakter hin. Die schmale

kleine Nase und die etwas vorstehenden Wangenknochen,

die breite Stirn und auch die langen geraden Augenbrauen

sprachen ebenfalls für diese Veranlagung. Insgesamt jedoch

hatte Aomame ein regelm..iges ovales Gesicht. So etwas

ist zwar Geschmackssache, aber man durfte sie wohl als

eine sch.ne Frau bezeichnen. Ein Minus war die extreme

H.rte in ihrem Ausdruck. über die fest

aufeinandergepressten Lippen kam nie ein L.cheln, wenn

es nicht unbedingt n.tig war. Ihre Augen waren wachsam

und kühl, wie die eines vortrefflichen Deckmatrosen auf

Wache. Aus diesem Grund machte ihr Gesicht nie einen

lebhaften Eindruck auf andere. Die Aufmerksamkeit und

Bewunderung, die eine Person auf sich zieht, hat in den

meisten F.llen eher mit der Natürlichkeit und Anmut ihrer

Mimik zu tun als mit positiven oder negativen Aspekten

der unbewegten Gesichtszüge.

Die meisten Menschen vermochten Aomames Gesicht

nicht richtig zu erfassen. Kaum hatte man den Blick

abgewandt, konnte man schon nicht mehr beschreiben, wie

sie aussah. Obwohl sie ein ausgesprochen individuelles

Gesicht hatte, blieben seine charakteristischen Merkmale

aus irgendeinem Grund nicht im Ged.chtnis haften. In

dieser Hinsicht glich sie einem Insekt mit der ausgepr.gten

F.higkeit zur Mimese. Ihre Farbe und Form zu ver.ndern,

sich dem Hintergrund entsprechend zu wandeln, m.glichst

wenig aufzufallen, nicht so leicht wiedererkannt zu

werden – genau danach trachtete Aomame. Schon seit

frühester Kindheit war das ihr Schutzmechanismus.

Doch wenn irgendetwas Aomame veranlasste, ihr Gesicht

zu verziehen, fand eine dramatische Ver.nderung in ihren

kühlen Zügen statt. Ihre Gesichtsmuskeln verzerrten sich

unkontrolliert in alle Richtungen. Die Unregelm..igkeiten

zwischen linker und rechter Seite traten bis zum .u.ersten

hervor, überall erschienen tiefe Falten, die Augen

versanken pl.tzlich in den H.hlen, Nase und Mund waren

grimmig entstellt, sie verzerrte ihre Kiefer, die

aufgeworfenen Lippen entbl..ten gro.e wei.e Z.hne.

Innerhalb eines Augenblicks konnte sie sich in einen v.llig

anderen Menschen verwandeln, als w.re eine Schnur

durchtrennt worden und eine Maske von ihr abgefallen.

Wer Zeuge dieser entsetzlichen Verwandlung wurde,

erschrak bis ins Mark. Es war ein t.dlicher Sprung aus

v.lliger Normalit.t in einen schwindelerregenden Abgrund.

So hütete Aomame sich auch, diese Fratze Unbekannten zu

zeigen, und beschr.nkte sich darauf, das Gesicht zu

verzerren, wenn sie allein war oder wenn sie M.nner

einschüchtern wollte, die ihr dumm kamen.

Sobald Aomame den Pannenstreifen erreicht hatte, blieb

sie stehen und sah sich nach der Treppe um. Sie entdeckte

sie sofort. Wie der Taxifahrer gesagt hatte, war der Zutritt

von einem wenig mehr als hüfthohen Eisengitter umgeben,

dessen Tür verschlossen war. Es war etwas l.stig, in einem

Minirock darüberzusteigen, aber wenn man nichts auf die

Blicke der Leute gab, bereitete es einem keine besonderen

Schwierigkeiten. Ohne zu z.gern, zog sie ihre hohen

Schuhe aus und verstaute sie in ihrer Tasche.

Wahrscheinlich würde sie sich die Strumpfhose ruinieren.

Aber sie konnte sich ja irgendwo eine neue kaufen.

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