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作者: 当前章节:15410 字 更新时间:2026-6-19 08:06

legte, wie um Fukaeri Gesellschaft zu leisten, die H.nde auf

die Knie und blickte versunken geradeaus. Vielleicht h.tte

er sich ein paar Gedanken machen sollen, aber es fiel ihm

beim besten Willen nichts ein. Offenbar verweigerte sein

Verstand gezieltes Nachdenken, weil er sich so stark auf die

überarbeitung von .Die Puppe aus Luft. konzentriert

hatte. Sein Gehirn fühlte sich an wie ein Kn.uel wirrer

F.den.

Tengo betrachtete die am Fenster vorbeiflie.ende

Szenerie und lauschte dem monotonen Rauschen, das von

den Schienen zu ihm heraufstieg. Die Chuo-Linie verlief

schnurgerade, wie mit dem Lineal gezogen. Nein, das

wie war überflüssig, denn seinerzeit, als die Bahn gebaut

wurde, hatte man genau das getan. In der Kanto-Ebene gab

es keine nennenswerten topographischen Hindernisse,

keine Biegungen, Erhebungen und Vertiefungen, und als

die Schienen verlegt wurden, war man ohne Brücken oder

Tunnel ausgekommen. Ein Lineal hatte ausgereicht. Die

Bahn fuhr geradewegs auf ihr Ziel zu.

Tengo verspürte ein Schaukeln und erwachte. Er war

w.hrend seiner überlegungen unversehens eingeschlafen.

Der Zug wurde langsamer, er fuhr in den Bahnhof Ogikubo

ein und hielt. Ein kurzer Schlummer. Fukaeri blickte

unver.ndert starr nach vorn. Was sie dort sah, wusste

Tengo nicht. Doch da sie sich weiter auf dieses Etwas zu

konzentrieren schien, hatte sie wohl noch nicht die

Absicht, auszusteigen.

.Was liest du denn gern?., fragte Tengo, unf.hig, die

Langeweile zu ertragen, als sie durch die Gegend von

Mitaka fuhren. Diese Frage hatte er Fukaeri schon lange

stellen wollen.

Fukaeri warf einen Blick auf ihn und schaute dann wieder

geradeaus. .Ich lese keine Bücher., sagte sie einfach.

.überhaupt nie?.

Sie schüttelte kurz den Kopf.

.Du hast kein Interesse am Lesen?., fragte Tengo.

.Es dauert bei mir sehr lange., sagte Fukaeri.

.Du liest nicht, weil es zu lange dauert?., fragte Tengo

verst.ndnislos.

Fukaeri hielt den Blick geradeaus gerichtet und gab keine

Antwort. Es schien sich um eine Feststellung zu handeln,

die keiner weiteren Ausführung bedurfte.

Objektiv gesehen dauerte es natürlich seine Zeit, ein Buch

durchzulesen. Verglichen mit Fernsehen oder Mangas war

die Lektüre eines Buches durchaus eine zeitaufwendige

T.tigkeit. Doch Fukaeris .u.erung, sie brauche sehr viel

Zeit dazu, schien eine Nuance zu haben, die über diesen

allgemeinen Sachverhalt hinausging.

.Willst du damit sagen, dass du sehr viel Zeit brauchst,

um zu lesen?., fragte Tengo.

.Ja, sehr viel., erwiderte Fukaeri.

.Mehr als andere Leute?.

Fukaeri nickte.

.Bereitet dir das in der Schule keine Probleme? Im

Unterricht muss man ja eine ganze Menge lesen. Und wenn

man so lange braucht ….

.Ich tue so, als würde ich lesen., sagte sie unbekümmert.

Tengo vernahm irgendwo in seinem Kopf ein unheilvolles

Klopfen. Er beschloss, das Ger.usch so gut es ging zu

überh.ren, er wollte darüber hinweggehen. Das konnte

doch nicht sein. Aber er musste es wissen.

.Hei.t das, dass du an Legasthenie leidest?.

.Legasthenie., wiederholte Fukaeri.

.Leseschw.che..

.Ja, das haben sie gesagt. Lega….

.Wer hat das gesagt?.

Das M.dchen zuckte mit den Schultern.

.Also …. Tengo suchte nahezu h.nderingend nach

Worten. .Hast du das schon seit deiner Kindheit?.

Fukaeri nickte.

.Du hast also noch nie einen Roman gelesen..

.Nicht selbst., sagte Fukaeri.

Das erkl.rte natürlich den fehlenden Einfluss anderer

Schriftsteller auf ihren Text. Eine einleuchtende und

unanfechtbare Erkl.rung.

.Du hast nie selbst gelesen., stellte Tengo fest.

.Jemand hat mir vorgelesen., sagte Fukaeri.

.Dein Vater oder deine Mutter?.

Darauf gab Fukaeri keine Antwort.

.Aber Probleme mit dem Schreiben hast du nicht, oder?.,

fragte Tengo furchtsam.

Fukaeri nickte. .Doch, Schreiben dauert bei mir auch

lange..

.Sehr lange?.

Wieder zuckte Fukaeri leicht mit den Schultern. Das

konnte nichts anderes hei.en als Ja.

Tengo rutschte auf seinem Sitz herum und .nderte seine

Haltung. .Du hast also .Die Puppe aus Luft. wom.glich gar

nicht selbst zu Papier gebracht?.

.Nein, habe ich nicht..

Tengo lie. einige Sekunden vergehen. Beklemmende

Sekunden. .Und wer war es dann?.

.Azami., sagte Fukaeri.

.Wer ist Azami?.

.Wir beide zusammen..

Wieder herrschte eine kurze Stille. .Dieses M.dchen hat

.Die Puppe aus Luft. für dich aufgeschrieben?.

Wieder nickte Fukaeri, als sei das die

selbstverst.ndlichste Sache der Welt.

Tengos Verstand arbeitete auf Hochtouren. .Du hast die

Geschichte erz.hlt, und Azami hat einen

zusammenh.ngenden Text daraus gemacht. War es so?.

.Getippt und ausgedruckt., sagte Fukaeri.

Tengo kaute auf seinen Lippen. Er sichtete die Fakten, die

ihm gerade pr.sentiert worden waren, und versuchte sie so

zusammenzufügen, dass sie Sinn ergaben. .Und

anschlie.end hat Azami das ausgedruckte Manuskript für

den Preis eingereicht. Wahrscheinlich hat sie in

Wirklichkeit sogar den Titel .Die Puppe aus Luft. für dich

erfunden..

Fukaeri machte eine Kopfbewegung, die sowohl Ja als

auch Nein bedeuten konnte. Aber sie widersprach nicht.

Vermutlich hatte sich alles ungef.hr so abgespielt.

.Ist Azami deine Freundin?.

.Wir wohnen zusammen..

.Deine Schwester?.

Fukaeri schüttelte den Kopf. .Sie ist die Tochter vom

Sensei..

.Vom Sensei also., sagte Tengo. .Und dieser Sensei lebt

auch mit euch zusammen?.

Fukaeri nickte, als wollte sie sagen: Warum fragen Sie das

jetzt alles?

.Wahrscheinlich ist es auch der Sensei, mit dem ich mich

jetzt treffen soll, oder?.

Fukaeri sah Tengo an, als würde sie das Ziehen ferner

Wolken beobachten. Oder als würde sie darüber

nachdenken, was man mit einem begriffsstutzigen Hund

anfangen solle. Dann nickte sie.

.Wir fahren jetzt zum Sensei., sagte sie mit

ausdrucksloser Stimme.

Damit war die Unterhaltung vorl.ufig beendet. Tengo

und Fukaeri verfielen wieder in Schweigen und schauten

aus dem Fenster. Auf der nichtssagenden flachen Ebene

erstreckte sich ein unendliches Meer von merkmalslosen

H.usern. Zahllose Fernsehantennen reckten sich wie

Insektenfühler gen Himmel. Ob die Menschen, die dort

lebten, alle ihre Rundfunkgebühren entrichteten? An

Sonntagen musste Tengo immer unwillkürlich an die

Gebühren denken. Er konnte nicht anders.

Heute, an diesem sch.nen Sonntagmorgen Mitte April,

hatte er einige ziemlich unangenehme Fakten erfahren.

Erstens hatte Fukaeri .Die Puppe aus Luft. gar nicht selbst

geschrieben. Wenn er ihren Worten Glauben schenkte

(und im Augenblick gab es für ihn keinen Grund, dies nicht

zu tun), hatte sie die Geschichte blo. erz.hlt, und ein

anderes M.dchen hatte den Text produziert. Dieser Prozess

hatte etwas von mündlicher überlieferung. So waren auch

das berühmte Kriegerepos Die Geschichte von den Heike

und das Kojiki, die frühsten Aufzeichnungen über die

Geburt Japans, entstanden. Dieser Umstand milderte zwar

die Schuldgefühle, die Tengo wegen seiner eigenen Bastelei

an .Die Puppe aus Luft. hatte, verkomplizierte jedoch die

Sachlage insgesamt betrachtet noch mehr – so sehr, dass er,

um es deutlich auszudrücken, in der Klemme sa..

Hinzu kam Fukaeris Leseschw.che. Sie konnte ja kaum

ein Buch lesen. Tengo überlegte. Was wusste er über

Legasthenie? W.hrend seines P.dagogikstudiums hatte er

an einer Vorlesung über diese Behinderung teilgenommen.

Im Prinzip konnten Legastheniker lesen und schreiben.

Diese Schw.che hatte nichts mit ihrer Intelligenz zu tun.

Dennoch brauchten sie unglaublich viel Zeit, um etwas zu

lesen. Kurze S.tze stellten eine geringere Schwierigkeit dar,

aber bei l.ngeren und inhaltlich komplexeren Texten

vermochten sie dem Informationsfluss nicht zu folgen. Sie

besa.en nicht die F.higkeit, Zeichen und Inhalte

miteinander zu verknüpfen. So die allgemeinen Symptome

der Legasthenie. Ihre Ursachen waren noch nicht

vollst.ndig gekl.rt. Es war keineswegs ungew.hnlich, dass

in einer Klasse ein oder zwei Kinder an Legasthenie litten.

Einstein war davon betroffen gewesen, Edison ebenso und

auch Charlie Mingus. Tengo wusste nicht, ob Menschen

mit einer Leseschw.che zwar schreiben konnten, dabei

jedoch die gleichen Schwierigkeiten hatten wie beim Lesen.

Bei Fukaeri schien dies der Fall zu sein.

Was Komatsu wohl sagen würde, wenn er davon erfuhr?

Unwillkürlich stie. Tengo einen Seufzer aus. Diese

siebzehnj.hrige junge Frau litt unter angeborener

Legasthenie, beherrschte es also nur ungenügend, l.ngere

S.tze zu lesen oder zu schreiben. Auch im Gespr.ch

brachte sie kaum mehrere S.tze hintereinander zustande,

und selbst wenn es sich dabei um eine Attitüde handeln

sollte, w.re sie für die Karriere einer Berufsschriftstellerin

im Grunde ungeeignet. Selbst wenn Tengo .Die Puppe aus

Luft. so geschickt überarbeitete, dass das Manuskript den

Debütpreis erhalten, als Buch ver.ffentlicht werden und es

zu einer gewissen Bekanntheit bringen würde, w.ren sie

nicht in der Lage, die .ffentlichkeit auf Dauer zu t.uschen.

Vielleicht gelang ihnen das am Anfang, aber irgendwann

würde sicher jemand Verdacht sch.pfen. Und wenn die

Wahrheit ans Licht k.me, w.ren alle Beteiligten erledigt.

Tengos Schriftstellerkarriere würde ein abruptes Ende

finden – noch ehe sie überhaupt richtig begonnen hatte.

Komatsus hanebüchener Plan war nicht haltbar. Tengo

hatte von Anfang an gespürt, dass sie sich auf dünnes Eis

begaben, aber das war gar kein Ausdruck für das, was sie

jetzt vor sich hatten. Das Eis krachte schon, ehe sie

überhaupt einen Fu. darauf gesetzt hatten. Sobald er

wieder zu Hause war, würde er Komatsu anrufen. .Tut mir

leid, Herr Komatsu., würde er sagen, .aber ich ziehe mich

aus der Sache zurück. Sie ist mir einfach zu gef.hrlich.. So

handelte ein Mensch, der seine fünf Sinne beisammen

hatte.

Doch kaum dachte er an .Die Puppe aus Luft., geriet

Tengos Entschlusskraft heftig ins Wanken. Er war

gespalten. So riskant ihm der von Komatsu geplante Coup

auch schien, es war Tengo unm.glich, seine Arbeit an .Die

Puppe aus Luft. jetzt noch abzubrechen. Vielleicht w.re er,

bevor er mit dem Umschreiben begonnen hatte, noch dazu

imstande gewesen. Oder wenn er die Arbeit schon

abgeschlossen h.tte. Aber jetzt konnte er es nicht mehr. Er

steckte bis zum Hals in diesem Werk, war v.llig darin

eingetaucht. Er hatte die Luft der Welt darin geatmet und

sich an deren Schwerkraft angepasst. Die Substanz der

Geschichte war durch die Membranen seiner Organe bis in

sein Innerstes gesickert. Diese Geschichte wollte ernsthaft

von Tengo umgestaltet werden, und er konnte ihr

Verlangen bis unter die Haut spüren. Es blieb ihm nichts

anderes übrig. Dies war etwas, das sich um seiner selbst

willen zu tun lohnte, etwas, das er tun musste.

Tengo schloss die Augen und versuchte zu einem

vorl.ufigen Entschluss zu kommen. Wie sollte er mit dieser

Situation umgehen? Aber es gelang ihm nicht. Ein Mensch,

der verwirrt und gespalten ist, kann keine klare

Entscheidung treffen.

.Azami hat also das, was du gesagt hast, aufgeschrieben,

ja?., fragte Tengo.

.W.hrend ich geredet habe., antwortete Fukaeri.

.Du hast gesprochen, und sie hat es aufgeschrieben?.,

fragte Tengo.

.Aber ich musste leise sprechen..

.Warum musstest du leise sprechen?.

Fukaeri sah sich im Waggon um. Es gab kaum Fahrg.ste.

Nur eine Mutter mit zwei kleinen Kindern sa. ein paar

Pl.tze entfernt auf der anderen Seite. Die drei schienen zu

irgendeinem erfreulichen Ort unterwegs zu sein. Es gab

auch glückliche Menschen auf der Welt.

.Damit sie uns nicht h.ren konnten., flüsterte Fukaeri.

.Sie?., fragte Tengo. Als er ihrem unsteten Blick folgte,

war ihm klar, dass sie nicht die Mutter mit den Kindern

meinte. Fukaeri sprach von konkreten Personen, die sie

kannte – im Gegensatz zu Tengo – und die nicht hier

waren.

.Wer sind denn sie?., fragte Tengo, ebenfalls mit

ged.mpfter Stimme.

Fukaeri sagte nichts. Zwischen ihren Augenbrauen bildete

sich eine kleine Falte. Sie presste die Lippen fest

aufeinander.

.Sind es die Little People?., fragte Tengo.

Natürlich keine Antwort.

.W.ren diese sie, von denen du sprichst, b.se, wenn

deine Geschichte gedruckt, ver.ffentlicht und bekannt

würde?.

Fukaeri beantwortete auch diese Frage nicht. Ihre Augen

schienen nirgends einen Halt zu finden. Nachdem er eine

Weile gewartet hatte, um sicherzugehen, dass keine

Antwort mehr kommen würde, stellte Tengo eine andere

Frage.

.Willst du mir nichts über den Sensei erz.hlen, den du

erw.hnt hast? Was ist er für ein Mensch?.

Fukaeri schaute Tengo verwundert an. Wovon redet der

eigentlich?, schien sie sich zu fragen. .Sie lernen ihn ja

gleich kennen., sagte sie schlie.lich.

.Stimmt auch wieder., erwiderte Tengo. .Natürlich.

Dann kann ich mich selbst überzeugen..

Am Bahnhof Kokubunji stieg eine Gruppe .lterer Leute in

Wanderkleidung ein. Es waren etwa zehn Personen, die

H.lfte davon M.nner, die andere H.lfte Frauen, alle

ungef.hr zwischen Mitte sechzig und Anfang siebzig. Sie

trugen Rucks.cke und Mützen. Ihre Wasserflaschen hatten

sie entweder um die Hüften geschlungen oder in eine

Seitentasche des Rucksacks gepackt. Sie waren in

fr.hlicher, ausgelassener Stimmung, wie Erstkl.ssler auf

einem Schulausflug. Tengo fragte sich, ob er in dem Alter

auch noch so gut gelaunt sein würde. Er schüttelte leicht

den Kopf. Nein. Wahrscheinlich nicht. Er stellte sich vor,

wie die alten Leutchen voller Stolz auf irgendeinem

Berggipfel ihre Wasserflaschen ansetzten und tranken.

Die Little People mussten sehr viel Wasser trinken, weil

sie so klein waren. Sie tranken nicht gern Wasser aus der

Leitung, sie bevorzugten Regenwasser und das Wasser aus

dem nahe gelegenen Bach. Deshalb musste das M.dchen

den ganzen Tag eimerweise Wasser vom Bach holen und

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