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作者: 当前章节:15419 字 更新时间:2026-6-19 08:06

den Little People zu trinken geben. Wenn es regnete, stellte

es den Eimer unter das Regenrohr und fing das Wasser auf,

denn das Regenwasser mochten die Little People noch

lieber als das aus dem Bach, auch wenn es das gleiche

natürliche Wasser war. Sie waren dem M.dchen dankbar

für seine Freundlichkeit.

Tengo merkte, dass es ihm schwerfiel, sich zu

konzentrieren. Kein gutes Zeichen. Vielleicht lag es daran,

dass heute Sonntag war. Eine gewisse Art der Verwirrung

breitete sich in ihm aus. Irgendwo auf der Ebene seiner

Gefühle braute sich ein gef.hrlicher Sandsturm zusammen.

An Sonntagen kam das mitunter vor.

.Was ist denn., fragte Fukaeri ohne Fragezeichen. Sie

schien Tengos Anspannung zu spüren.

.Ob alles gutgeht?., fragte Tengo.

.Was denn..

.Das Gespr.ch..

.Das Gespr.ch., fragte Fukaeri. Anscheinend begriff sie

nicht, wovon die Rede war.

.Mit dem Sensei., sagte Tengo.

.Ob das Gespr.ch mit dem Sensei gutgeht., wiederholte

sie.

Tengo z.gerte kurz und sprach dann seine Bedenken aus.

.Im Grunde habe ich das Gefühl, dass alle m.glichen Dinge

nicht richtig ineinandergreifen und alles schiefgeht..

Fukaeri wandte sich Tengo zu und blickte ihm direkt ins

Gesicht. .Angst., fragte sie.

.Ob ich mich vor etwas fürchte?., formulierte Tengo ihre

Frage aus.

Fukaeri nickte stumm.

KAPITEL 9

Aomame

Mit der Szenerie .ndern sich die Regeln

Aomame begab sich von ihrer Wohnung in die

n.chstgelegene Bibliothek und erbat an der Theke Einsicht

in die Zeitungen von September bis November 1981, die in

verkleinerten Ausgaben archiviert wurden. .Welche

m.chten Sie denn? Wir haben Asahi, Yomiuri, Mainichi

und Nikkei., erkundigte sich die Bibliotheksangestellte. Sie

war mittleren Alters und trug eine Brille. Sie erweckte eher

den Anschein einer Hausfrau, die zur Aushilfe dort

arbeitete, als den einer richtigen Bibliothekarin. Obwohl sie

nicht besonders dick war, hatte sie kr.ftige, speckige

Handgelenke.

.Egal welche., sagte Aomame. .Steht sowieso überall das

Gleiche drin..

.Da m.gen Sie recht haben, aber Sie müssen sich schon

für eine entscheiden., sagte die Frau in einem leiernden

Tonfall, der keinen Widerspruch duldete. Aomame hatte

nicht vor zu widersprechen und entschied sich ohne

besonderen Grund für die Mainichi Shimbun. Sie setzte

sich an einen der abgeteilten Tische, schlug ihr Notizbuch

auf und überflog mit einem Kugelschreiber in der Hand die

Artikel.

Im Frühherbst des Jahres 1981 war nicht viel passiert. Im

Juli jenes Jahres hatten Charles und Diana geheiratet, und

in den Zeitungsartikeln wirkte dieses Ereignis noch immer

nach. Wohin sie fuhren, was sie machten, was für Kleidung

und welchen Schmuck Diana trug. Die Hochzeit von

Charles und Diana hatte Aomame natürlich mitbekommen,

auch wenn sie sich nicht sonderlich dafür interessiert hatte.

Sie konnte überhaupt nicht begreifen, weshalb die Welt

derartigen Anteil am Schicksal des englischen Prinzen und

seiner Braut nahm. Vor allem, wo dieser Charles so gar

nicht wie ein Prinz aussah, sondern eher wie ein

Physiklehrer mit gastrischen Beschwerden.

In Polen versch.rfte sich der Konflikt zwischen Walesa,

dem Führer der Solidarno.., und der Regierung. Die

Sowjets .u.erten sich .h.chst besorgt., was im Klartext

hie., sie drohten mit einem milit.rischen Einmarsch gleich

dem im Prager Frühling von 1968, falls die polnische

Regierung die Situation nicht in den Griff bek.me. An all

das konnte sich Aomame ungef.hr erinnern. Ebenso wie sie

wusste, dass die Sowjets schlie.lich aus verschiedenen

Gründen vorl.ufig auf eine Intervention verzichtet hatten.

Es war überflüssig, diese Artikel gründlich durchzulesen.

Nur bei einer Sache stutzte sie. Der amerikanische

Pr.sident Reagan hatte, vielleicht mit dem Ziel, einer

sowjetischen Intervention entgegenzuwirken, deutlich

ge.u.ert: .Ich hoffe, die Spannungen in Polen werden zu

keiner Verz.gerung des amerikanisch-sowjetischen

Projekts führen, gemeinsam eine Basis auf dem Mond zu

errichten.. Die Errichtung einer gemeinsamen Mondbasis?

Davon hatte sie noch nie geh.rt. Aber jetzt, wo sie es las,

kam es ihr so vor, als sei neulich in den Fernsehnachrichten

auch die Rede davon gewesen. An dem Abend, als sie in

dem Hotel in Akasaka mit dem nicht mehr ganz jungen

Mann aus Kansai geschlafen hatte, dessen Haar so sch.n

licht gewesen war.

Am 20. September wurde in Jakarta das weltgr..te

Drachenflugfest er.ffnet, und über zehntausend Menschen

lie.en dort ihre Drachen steigen. Auch davon hatte

Aomame nichts gewusst. Was allerdings nicht besonders

verwunderlich war – wer erinnerte sich schon an ein

Drachenfest, das drei Jahre zurücklag?

Am 6. Oktober 1981 war der .gyptische Pr.sident Sadat

von einem islamischen Extremisten ermordet worden.

Aomame erinnerte sich an das Attentat, und wieder einmal

tat es ihr leid um Pr.sident Sadat. Seine Stirnglatze hatte

ihr sehr gut gefallen, au.erdem hegte sie eine konsequente

und starke Abneigung gegen religi.se Fundamentalisten.

Allein der Gedanke an die Engstirnigkeit dieser Leute, ihr

arrogantes überlegenheitsgetue und ihre Gefühllosigkeit

gegenüber anderen erregten einen Zorn in ihr, den sie nur

schwer beherrschen konnte. Aber das hatte nichts mit

ihrem gegenw.rtigen Problem zu tun. Nachdem Aomame

sich durch mehrmaliges Durchatmen wieder beruhigt

hatte, ging sie zur n.chsten Seite über.

Am 12. Oktober war in einem Wohngebiet im Tokioter

Bezirk Itabashi ein NHK-Gebühreneintreiber (56) mit

einem Studenten in Streit geraten, der sich weigerte, die

Gebühren zu entrichten, hatte ein Küchenmesser gezückt,

das er in seiner Aktenmappe bei sich trug, und den jungen

Mann schwer verletzt. Die Polizei war sofort zur Stelle und

nahm den Gebühreneinsammler fest. Der Mann stand

benommen mit dem blutverschmierten Messer in der Hand

da und leistete keinerlei Widerstand. Einer seiner Kollegen

berichtete, der Mann sei seit sechs Jahren fest angestellt

gewesen, er habe seinen Dienst sehr ernst genommen und

stets die besten Ergebnisse erzielt.

An diesen Vorfall konnte Aomame sich nicht erinnern. Sie

selbst hatte die Yomiuri-Zeitung abonniert und las sie jeden

Tag genau von vorn bis hinten durch. Sie durchforstete den

Gesellschaftsteil, wobei sie ihr Augenmerk vor allem auf die

Verbrechen richtete. Der Artikel nahm fast die H.lfte des

Gesellschaftsteils der Abendausgabe ein. Unm.glich, dass

sie einen Artikel von dieser Gr..e übersehen hatte. Oder

hatte sie ihn doch überlesen? Das war zwar nicht sehr

wahrscheinlich, aber ganz ausschlie.en konnte sie es nicht.

Sie legte die Stirn in Falten und dachte eine Weile über

diese M.glichkeit nach. Dann schrieb sie das Datum und

eine kurze Zusammenfassung der Fakten in ihr Heft.

Der Name des Kassierers lautete Shinnosuke Akutagawa.

Ein eindrucksvoller Name. Wie der gro.e Dichter. Ein Foto

war nicht dabei. Nur eines von dem niedergestochenen

Akira Takawa (21). Herr Takawa studierte im sechsten

Semester Jura an der Japan-Universit.t und hatte den

zweiten Dan in Kendo. H.tte er ein Bambusschwert gehabt,

w.re er wohl nicht so leicht niedergestochen worden, aber

kein normaler Mensch tritt einem Gebühreneintreiber von

NHK mit einem Bambusschwert in der Hand entgegen.

Und kein normaler Gebühreneinsammler l.uft mit einem

Küchenmesser in der Aktenmappe herum. Aomame

durchsuchte aufmerksam die Berichte der darauffolgenden

Tage, entdeckte aber keinen Artikel, der vom Tod des

niedergestochenen Studenten berichtete. Vermutlich hatte

er überlebt.

Am 16. Oktober hatte sich in einem Kohlebergwerk auf

Hokkaido ein schreckliches Unglück ereignet. In einem

Schacht tausend Meter unter der Erdoberfl.che war durch

eine Gasexplosion ein Feuer ausgebrochen. Mehr als fünfzig

der Bergleute, die dort arbeiteten, erstickten. Der Brand

breitete sich bis nach oben aus, und zehn weitere

Menschen kamen ums Leben. Um die Ausbreitung des

Feuers zu verhindern, zündete die Firma eine Bombe, ohne

sich zu vergewissern, ob die Bergleute noch lebten, und

flutete die Grube. Die Zahl der Toten stieg auf

dreiundneunzig. Eine fürchterliche Trag.die. Kohle war

eine .schmutzige. Energiequelle, und es war gef.hrlich, sie

abzubauen. Die Bergbauunternehmen investierten nur

ungern in verbesserte Techniken, und die

Arbeitsbedingungen waren hart. Es kam h.ufig zu Unf.llen,

und eine Sch.digung der Lungenflügel lie. sich kaum

vermeiden. Aber Kohle war billig und wurde deshalb

weiterhin genutzt. Aomame konnte sich noch gut an dieses

Unglück erinnern.

Das Ereignis, nach dem sie suchte, hatte am 19. Oktober

stattgefunden, als auch das Grubenunglück noch ganz

aktuell war. Bis Tamaru ihr vor wenigen Stunden davon

erz.hlt hatte, war Aomame ahnungslos gewesen. Die

Schlagzeile ging über die ganze Seite der

Vormittagsausgabe, und zwar in so gro.en Lettern, dass

man sie einfach nicht übersehen konnte. Es war

ausgeschlossen, dass ihr dieser Vorfall entgangen war, ganz

gleich, wie lange er zurücklag.

DREI POLIZISTEN BEI FEUERGEFECHT MIT

EXTREMISTEN IN DEN BERGEN VON YAMANASHI

GET.TET

Auch ein gro.es Foto von dem Flugfeld, an dem der

Zwischenfall stattgefunden hatte, war abgedruckt. Es lag in

der Gegend des Motosu-Sees. Sogar eine einfache Karte war

beigefügt. Der Schauplatz der Ereignisse lag tief in den

Bergen, weit entfernt von der als Feriengebiet

erschlossenen Region. Auch die drei get.teten Beamten der

Pr.fekturpolizei Yamanashi waren abgebildet. Und die

Spezialeinheit der Selbstverteidigungsstreitkr.fte, die mit

dem Hubschrauber eingetroffen war. Die Soldaten trugen

Kampfanzüge in Tarnfarben und waren mit kurzl.ufigen

Automatik- und Scharfschützengewehren mit Zielfernrohr

ausgestattet.

Aomame verzerrte einen Moment lang ihr Gesicht zu

einer furchtbaren Grimasse. Ihre Gefühle brachen sich

Bahn, indem sie jeden Muskel bis zum .u.ersten

anspannte. Glücklicherweise war der Tisch zu beiden Seiten

abgeteilt, wodurch niemand Zeuge der grauenhaften

Ver.nderung wurde, die in Aomames Gesichtszügen vor

sich ging. Schlie.lich atmete sie tief durch, indem sie die

Luft mit aller Kraft einsog und mit ebensolcher Gewalt

ausstie.. Es h.rte sich an, als würde ein Wal aus dem Meer

auftauchen und die Luft in seinen riesigen Lungen

austauschen. Eine Schülerin, die mit dem Rücken zu ihr sa.

und lernte, fuhr bei diesem Ger.usch entsetzt zu Aomame

herum. Natürlich sagte sie nichts. Sie war nur erschrocken.

Nachdem Aomame ihr Gesicht eine Weile so verzerrt

hatte, fasste sie sich. Ihre Muskeln entspannten sich, und

ihr Gesicht nahm wieder seinen normalen Ausdruck an.

W.hrend sie mit dem Kugelschreiber gegen ihre

Vorderz.hne klopfte, versuchte sie, ihre Gedanken zu

ordnen. Für all das gab es doch sicher einen Grund. Es

musste einen Grund geben.

Wie konnte ich einen so schwerwiegenden Vorfall, der

ganz Japan erschüttert hat, verpassen?, fragte sie sich. Aber

es ist ja nicht der einzige. Dass der NHK-Typ den

Studenten niedergestochen hat, habe ich auch nicht

mitgekriegt. Sehr sonderbar. Mir kann doch nicht gleich

zweimal hintereinander etwas so Auff.lliges entgangen

sein. Ich bin ein systematisch denkender und

aufmerksamer Mensch, da kann man sagen, was man will.

Die kleinste Abweichung im Millimeterbereich f.llt mir auf.

Auf mein Ged.chtnis kann ich mich hundertprozentig

verlassen. Ich habe, ohne einen einzigen Schnitzer zu

machen, ein paar Leute ins Jenseits bef.rdert und überlebt.

Ich lese jeden Tag gründlich die Zeitung, und mit

.gründlich. meine ich, dass mir nichts entgeht.

Natürlich bestimmten die Ereignisse am Motosu-See auch

noch mehrere Tage danach die Schlagzeilen.

Selbstverteidigungsstreitkr.fte und Pr.fekturpolizei

hetzten auf einer gro. angelegten Verfolgungsjagd zehn

flüchtige Mitglieder der Extremistengruppe durch die

Berge, drei Menschen wurden get.tet, zwei schwer verletzt,

vier (darunter eine Frau) festgenommen. Der Verbleib einer

weiteren Person blieb unklar. S.mtliche Zeitungen

überboten sich nur so mit Hintergrundberichten. Der Fall

des Gebühreneinsammlers, der den Studenten

niedergestochen hatte, war v.llig an den Rand gedr.ngt

worden.

NHK war darüber zweifellos erleichtert – auch wenn man

es dort natürlich nicht zugab. Denn ohne die Schie.erei in

den Bergen h.tten die Massenmedien gewiss lautstarke

Vorwürfe gegen die Rundfunkgebühren erhoben oder

gegen den Mangel an Organisation bei NHK polemisiert.

Anfang jenes Jahres hatte sich die Liberaldemokratische

Partei in die Planung einer Sendung von NHK über den

Lockheed-Skandal eingemischt und eine .nderung des

Inhalts veranlasst. NHK hatte mehrere Politiker der

regierenden Partei vor der Sendung ausführlich über deren

Inhalt informiert und quasi demütig um die Erlaubnis der

Ausstrahlung nachgesucht. Das klang erstaunlich, war aber

ein ganz allt.glicher Vorgang. NHK war von staatlichen

Zuwendungen abh.ngig, und in den oberen Etagen des

Senders fürchtete man sich vor Vergeltungsma.nahmen,

falls man es sich mit der regierenden Partei verdarb.

Dementsprechend lebte die LDP in der Vorstellung, NHK

sei nicht mehr als ihr eigenes PR-Organ. Die Enthüllungen

über das, was hinter den Kulissen vor sich ging, hatten

natürlich bei gro.en Teilen der Bev.lkerung Misstrauen

gegenüber der Ausgewogenheit der Programmpolitik von

NHK und seiner politischen Neutralit.t an sich geweckt

und Initiativen gegen die Rundfunkgebühren Auftrieb

verliehen.

Abgesehen von den Vorf.llen am Motosu-See und der Tat

des NHK-Kassierers erinnerte sich Aomame an alles, was

sich in diesem Zeitraum ereignet hatte. Keine der anderen

Nachrichten war ihr entgangen. Sie erinnerte sich auch,

welche Artikel sie damals gelesen hatte. Nur von der

Schie.erei und der Sache mit dem NHK-Angestellten war

nichts in ihrem Ged.chtnis haften geblieben. Woran das

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