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作者: 当前章节:15381 字 更新时间:2026-6-19 08:06

wohl lag? Selbst wenn mit ihrem Gehirn etwas nicht

stimmte, wie w.re es m.glich, dass sie gerade diese beiden

Artikel überlesen oder vollst.ndig vergessen h.tte?

Aomame schloss die Augen und presste die Fingerspitzen

gegen ihre Schl.fen. Vielleicht gab es so etwas ja doch. Ihr

Gehirn k.nnte eine Art Mechanismus entwickelt haben,

mit dem es die Realit.t umgestaltete. Es w.hlte bestimmte

Ereignisse aus und verh.ngte sie mit einem schwarzen

Tuch. So war es, als habe sie diese nie wahrgenommen oder

im Ged.chtnis gehabt. Die neuen Waffen und Uniformen

bei der Polizei, die gemeinsame Mondbasis von

Amerikanern und Sowjets, der NHK-Gebühreneintreiber,

der einen Studenten niederstach, die gro.e Schie.erei

zwischen Extremisten und Spezialeinheiten der

Selbstverteidigungskr.fte.

Aber in welchem Zusammenhang stand das alles?

Alles Grübeln war vergebens. Es gab keinen

Zusammenhang.

Aomames Verstand arbeitete, w.hrend sie sich weiter mit

dem Kugelschreiber gegen die Vorderz.hne klopfte.

Nach einiger Zeit kam ihr pl.tzlich ein neuer Gedanke.

Was, wenn sie in die andere Richtung denken musste? –

Vielleicht lag das Problem gar nicht bei ihr selbst, sondern

bei ihrer Umgebung. Nicht ihr Bewusstsein und ihr

Verstand waren in Unordnung geraten, sondern das

Wirken einer unheimlichen .u.eren Kraft unterwarf die

Welt um sie herum diesen Verschiebungen.

Je l.nger sie darüber nachdachte, desto einleuchtender

erschien Aomame diese Hypothese. Umso mehr, da sie in

keiner Weise das Gefühl hatte, ihr Bewusstsein weise

Lücken oder Verzerrungen auf.

Sie führte ihre Hypothese weiter.

Nicht ich bin verrückt, die Welt ist es.

Ja, so kommt es hin, dachte sie.

Zu einem gewissen Zeitpunkt ist die Welt, wie ich sie

kannte, verschwunden oder hat sich zurückgezogen, und

eine andere ist an ihre Stelle getreten. Als sei eine Weiche

umgestellt worden. Das hie.e, mein gegenw.rtiges

Bewusstsein w.re noch der ursprünglichen Welt verhaftet,

die jedoch bereits einer anderen gewichen ist. Die

Ver.nderungen, die stattgefunden haben, sind im

Augenblick noch begrenzt. Der gr..te Teil der neuen Welt

wurde aus der ursprünglichen mir bekannten Welt

übernommen. Daher verspüre ich in meinem Alltag

(momentan noch) keine oder fast keine echte

Beeintr.chtigung. Aber als Folge der .ge.nderten Teile.

werden vielleicht noch mehr Unterschiede in meiner

Umgebung entstehen. Die Unterschiede werden sich nach

und nach vermehren, und von Fall zu Fall wird die Logik

meiner Handlungen leiden, und ich werde fatale Fehler

begehen. Es w.re buchst.blich t.dlich, wenn es so k.me.

Eine Parallelwelt.

Aomame verzog ihr Gesicht, wenn auch nicht so heftig

wie zuvor, eher so, als habe sie etwas sehr Bitteres im

Mund. Wieder h.mmerte sie mit dem Kugelschreiber gegen

ihre Vorderz.hne, und ein tiefes Knurren entrang sich ihrer

Kehle. Die Schülerin, die mit dem Rücken zu ihr sa., h.rte

es, tat inzwischen aber so, als würde sie nichts bemerken.

Das ist ja richtige Science-Fiction, dachte Aomame.

Aber wom.glich stellte sie diese egozentrischen

Vermutungen ja aus reinem Selbstschutz an? Vielleicht

wurde sie in Wirklichkeit einfach nur verrückt. Sie

betrachtete sich als geistig v.llig normal. Hielt ihr

Bewusstsein für unbeeintr.chtigt. Aber behaupteten nicht

die meisten Geisteskranken, alle anderen seien verrückt, sie

selbst hingegen v.llig normal? War die wahnwitzige These

von der Parallelwelt nur der gewaltsame Versuch, ihren

eigenen Wahnsinn zu rechtfertigen?

Sie brauchte die Meinung eines unbeteiligten Dritten.

Zu einem Psychiater zu gehen und sich untersuchen zu

lassen kam nicht in Frage. Die Umst.nde waren zu

kompliziert, und es gab zu vieles, was sie nicht preisgeben

konnte. Zum Beispiel, dass ihr .Beruf. mit dem Gesetz

unvereinbar war. Und vor allem, dass sie M.nnern einen

selbst geschliffenen Eispick in den Nacken stie., um sie zu

t.ten. Das konnte sie doch keinem Arzt erz.hlen. Ob die

Ermordeten nun feige, perverse Typen gewesen waren, die

es verdient hatten zu sterben, oder nicht. Und selbst wenn

sie diese illegale Seite ihres Lebens vorl.ufig h.tte

verbergen k.nnen, so w.re auch mit den legalen Teilen

kein Staat zu machen gewesen. Ihr Leben war wie ein mit

schmutziger W.sche vollgestopfter Koffer, und sein Inhalt

reichte aus, um einen Menschen in den Wahnsinn zu

treiben. Wahrscheinlich reichte es sogar für zwei oder drei.

Ihr Sexualleben war eines der Dinge, die hervorgezerrt

würden. Und das war wei. Gott nichts, das sie vor anderen

auspacken wollte. Nein, zum Arzt konnte sie nicht gehen.

Sie konnte das Problem nur selbst l.sen.

Sie würde ihre These noch ein wenig weiterführen.

Falls es sich wirklich so zugetragen hatte, falls ihre Welt

wirklich vertauscht worden war – wann, wo und wie hatte

sich das konkret abgespielt? Wo war die Schnittstelle?

Noch einmal folgte Aomame konzentriert dem Faden

ihrer Erinnerung.

Dass Teile ihrer Welt sich ver.ndert hatten, war ihr zum

ersten Mal vor ein paar Tagen aufgefallen, als sie den

.lexperten in dem Hotelzimmer in Shibuya beseitigt hatte.

Sie war auf der Stadtautobahn Nr. 3 aus dem Taxi gestiegen,

war über die Notfalltreppe auf die Nationalstra.e 246

hinuntergeklettert, hatte ihre Strümpfe gewechselt und sich

zur Tokyu-Linie am Bahnhof Sangenjaya begeben.

Unterwegs war sie an einem jungen Polizisten

vorbeigegangen und hatte bemerkt, dass seine Aufmachung

sich von der, die sie kannte, unterschied. So hatte alles

angefangen. Also hatte der Austausch der Welten

wahrscheinlich kurz vorher stattgefunden. Denn der

Polizeibeamte, den sie am Morgen in der N.he ihrer

Wohnung gesehen hatte, hatte noch die gewohnte Uniform

und den altmodischen Revolver getragen.

Aomame erinnerte sich an das sonderbare Gefühl, das sie

im Taxi verspürt hatte, als Janá.eks Sinfonietta ert.nte. Als

würde ihr K.rper verdreht. Es hatte sich angefühlt, als

werde er ausgewrungen wie ein Putzlappen. Der Taxifahrer

hatte sie auf die Treppe hingewiesen, über die man im

Notfall die Stadtautobahn verlassen konnte, sie hatte ihre

St.ckelschuhe ausgezogen und war barfu. im starken

Wind diese halsbrecherische Treppe hinuntergestiegen.

W.hrenddessen war die ganze Zeit die Fanfare der

Sinfonietta in ihren Ohren erklungen. M.glicherweise war

das bereits der Auftakt gewesen.

Auch dieser Taxifahrer hatte einen irgendwie sonderbaren

Eindruck gemacht. Aomame konnte sich noch an seine

Abschiedsworte erinnern. Sie wiederholte sie m.glichst

genau aus dem Ged.chtnis.

WENN SIE DIES TUN, ERSCHEINT IHNEN DER ALLTAG

VIELLEICHT EIN WENIG ANDERS ALS ZUVOR. LASSEN

SIE SICH JEDOCH NICHT VOM .USSEREN SCHEIN

T.USCHEN. ES GIBT IMMER NUR EINE REALIT.T.

Ein Taxifahrer, der ungereimtes Zeug redet, hatte

Aomame damals gedacht. Sie hatte gar nicht recht

verstanden, was er da sagte, und es hatte sie auch kaum

interessiert. Sie hatte es eilig gehabt und keine Zeit, sich

über kryptische .u.erungen Gedanken zu machen. Doch

wenn sie jetzt darüber nachdachte, erschien ihr diese

Aussage ziemlich unvermittelt und seltsam. Man konnte sie

fast als Warnung oder versteckte Botschaft deuten. Was

hatte der Fahrer ihr damit wohl sagen wollen?

Und dann die Musik von Janá.ek. Weshalb hatte sie auf

Anhieb erkannt, dass es sich um die Sinfonietta handelte?

Wieso kannte sie ein Stück, das im Jahr 1926 komponiert

worden war? Janá.eks Sinfonietta war kein popul.res Werk,

das jeder, der es h.rte, sofort erkannte. Au.erdem hatte sie

kein gro.es Interesse an klassischer Musik. Au.er ein paar

Stücken von Haydn und Beethoven kannte sie so gut wie

nichts. Warum hatte sie dennoch bei den Kl.ngen aus dem

Radio im Taxi sofort gewusst, dass es sich um die

Sinfonietta von Janá.ek handelte? Und weshalb hatte diese

Musik sie so stark und pers.nlich berührt?

Genau, sie war auf eine sehr pers.nliche Art berührt

gewesen. Als sei eine latente Erinnerung, die seit langem in

ihr geschlummert hatte, unerwartet geweckt worden. Ein

bisschen hatte es sich auch angefühlt, wie bei den

Schultern gepackt und geschüttelt zu werden. Also konnte

es sein, dass es irgendwann in ihrem bisherigen Leben eine

tiefere Verbindung zwischen ihr und zu dieser Musik

gegeben hatte. Vielleicht wurde, sobald sie ert.nte,

automatisch ein Schalter umgelegt, und eine bestimmte

Erinnerung wurde abgerufen. Die Sinfonietta von Janá.ek.

Allerdings kam Aomame nicht ann.hernd darauf, was sie

damit assoziierte, selbst wenn sie in den tiefsten Tiefen

ihres Ged.chtnisses forschte.

Aomame blickte sich um, betrachtete ihre Handfl.chen,

prüfte die Form ihrer N.gel und zur Sicherheit auch die

ihrer Brüste, indem sie sie über der Bluse mit beiden

H.nden umschloss. Keine Ver.nderung. Die gleiche Form

und Gr..e. Alles wie immer. Aber irgendetwas war anders.

Aomame konnte es spüren. Es war wie bei diesen Bildern,

bei denen man die winzigen Unterschiede herausfinden

muss. Zwei Bilder, die, auch wenn man sie nebeneinander

an die Wand h.ngte, v.llig gleich aussahen. Erst bei

aufmerksamer Untersuchung der Details erkannte der

Betrachter, dass sie in ein paar Kleinigkeiten voneinander

abwichen.

Aomame schaltete um und wandte sich wieder der

verkleinerten Zeitungsseite zu, um die genauen

Einzelheiten zu notieren. Man vermutete, dass die fünf

chinesischen AK-47 über die koreanische Halbinsel ins

Land geschmuggelt worden waren. Ihre Qualit.t war nicht

schlecht, eventuell stammten sie aus alten

Armeebest.nden. Auch Munition gab es jede Menge. Die

Küste des Japanischen Meeres war lang. Im Schutz der

Nacht konnte man Waffen und Munition leicht auf als

Fischerboote getarnten Frachtern transportieren. Auf

diesem Weg gelangten Drogen und Waffen im Austausch

gegen gro.e Mengen von Yen nach Japan.

Die Pr.fekturpolizei von Yamanashi hatte nicht gewusst,

dass diese extremistische Gruppe derart schwer bewaffnet

war. Die Polizisten waren aufgrund einer Anzeige wegen

K.rperverletzung – beinahe pro forma – mit einem

Streifenwagen und einem Minibus in gew.hnlicher

Ausrüstung zu dem .Bauernhof. gefahren, der der

sogenannten .Akebono-Gruppe. als Hauptquartier diente

und auf dem sie zur Tarnung organische Landwirtschaft

betrieb. Die Gruppe verweigerte der Polizei den Zutritt zum

Hof und vereitelte die Ermittlungen. Natürlich kam es zu

einer Auseinandersetzung, die schlie.lich zu dem

Schusswechsel führte.

Die Gruppe befand sich sogar im Besitz leistungsstarker

chinesischer Handgranaten, die jedoch zum Glück der

Polizisten gerade erst eingetroffen waren, sodass die

Extremisten noch nicht in ihrem Gebrauch geschult waren.

Andernfalls w.re die Zahl der Opfer bei Polizei und

Selbstverteidigungsstreitkr.ften erheblich gr..er gewesen.

Die Beamten trugen anfangs nicht einmal kugelsichere

Westen, ein Indiz für die naive Einsch.tzung der Lage

sowie die veraltete Ausrüstung der Polizisten. Was

jedermann jedoch am meisten erstaunte, war der Umstand,

dass es überhaupt noch eine extremistische Kampftruppe

gab, die aktiv im Untergrund t.tig war. Man hatte geglaubt,

das Revolutionsgeschrei, das gegen Ende der sechziger

Jahre ert.nt war, geh.re l.ngst der Vergangenheit an und

die Reste der Radikalenbewegung seien beim sogenannten

Asama-Sanso-Zwischenfall im Jahr 1972 zerschlagen

worden.

Nachdem Aomame sich alles notiert und die

Taschenausgabe der Zeitungen wieder an die Theke

gebracht hatte, holte sie sich aus dem Musikregal ein dickes

Buch mit dem Titel Komponisten der Welt. Sie kehrte an

ihren Tisch zurück und schlug die Seite über Janá.ek auf.

Leo. Janá.ek war 1854 in einem Dorf in M.hren geboren

und 1928 gestorben. In dem Buch gab es eine Abbildung aus

seinen sp.teren Jahren. Er war nicht kahl; im Gegenteil,

sein dichtes wei.es Haar bedeckte sein Haupt wie

gesundes, wild wachsendes Gras. Seine Kopfform war kaum

zu erkennen. Die Sinfonietta hatte er 1926 komponiert.

Janá.ek hatte ein liebloses, unglückliches Eheleben geführt,

aber 1917, mit dreiundsechzig Jahren, lernte er die

verheiratete Kamila kennen und verliebte sich in sie. Durch

seine sp.te Liebe zu Kamila gewann Janá.ek, der sich eine

Zeit lang vor einem Nachlassen seiner Schaffenskraft

gefürchtet hatte, so viel Vitalit.t und Kreativit.t zurück,

dass er der Welt noch ein Meisterwerk nach dem anderen

schenkte.

Als er eines Tages mit Kamila spazieren ging, spielte im

Konzertpavillon des Parks eine Milit.rkapelle. Das Paar

blieb stehen, um zuzuh.ren. Ein pl.tzliches Glücksgefühl

durchstr.mte Janá.ek und inspirierte ihn zum ersten Satz

der Sinfonietta. Er erinnerte sich einer lebhaften Ekstase

und der Empfindung, in seinem Kopf sei etwas geplatzt. Zu

jener Zeit war Janá.ek gerade gebeten worden, eine

Bl.serfanfare für eine gro.e Sportveranstaltung zu

schreiben; diese Fanfare und das Thema, das ihm im Park

eingefallen war, wurden eins. Die Sinfonietta – die .kleine

Symphonie. – war geboren. Ihr Aufbau ist unkonventionell,

und die brillante, festliche Fanfare verbindet sich mit dem

für die mitteleurop.ische Musikkultur typischen anmutigen

Klang der Streicher zu einer einzigartigen Atmosph.re. So

stand es in dem Buch.

Sicherheitshalber schrieb Aomame die biographischen

Einzelheiten und musikalischen Erl.uterungen in ihr

Notizheft. Allerdings lieferte ihr das Buch keinen einzigen

Hinweis darauf, welche Verbindung oder m.gliche

Verbindung es zwischen ihr und der Sinfonietta gab.

Nachdem sie die Bibliothek verlassen hatte, lief sie ziellos

durch die Stra.en, über die sich bereits die D.mmerung

senkte. Hin und wieder sprach sie mit sich selbst oder

schüttelte den Kopf.

Natürlich ist das alles nicht mehr als eine Vermutung,

dachte Aomame im Gehen. Immerhin fand sie sie im

Augenblick ziemlich überzeugend. Zumindest bis eine

überzeugendere Vermutung auftauchte, musste sie sich mit

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