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作者: 当前章节:15363 字 更新时间:2026-6-19 08:06

entspannte sich, indem er ruhig ein- und ausatmete. Au.er

den gelegentlichen Vogelrufen aus der Ferne drang lange

kein Laut in diesen Raum. Tengo lauschte der Stille, und es

kam ihm vor, als verfüge sie über mehrere Nuancen. Diese

Stille bestand nicht nur aus der Abwesenheit von

Ger.uschen. Es war, als würde sie etwas über sich erz.hlen.

Tengo warf einen sinnlosen Blick auf seine Armbanduhr.

Dann hob er das Gesicht und schaute aus dem Fenster auf

die Landschaft, dann noch einmal auf die Uhr. Es war kaum

Zeit vergangen. Sonntagmorgens verging die Zeit immer

sehr langsam.

Nach etwa zehn Minuten .ffnete sich ohne

Vorankündigung ganz pl.tzlich die Tür, und ein hagerer

Mann betrat mit hastigen Schritten den Empfangsraum. Er

war Mitte sechzig und etwa einen Meter sechzig gro.,

machte aber wegen seiner strammen Haltung keinen

mickrigen Eindruck. Sein Rücken war so gerade, als habe er

eine Eisenstange verschluckt, und selbst die Ausrichtung

seines Kinns hatte etwas Schneidiges. Er hatte dichte

Augenbrauen und trug eine dicke Brille mit

pechschwarzem Rahmen, wie geschaffen, um seine

Mitmenschen einzuschüchtern. Seine Art, sich zu bewegen,

erinnerte an eine in allen Einzelteilen kompakt

konstruierte, ausgefeilte Maschine. Keine Bewegung war

überflüssig, alle Teile korrespondierten in effektivem

Einklang miteinander. Tengo wollte aufstehen, um den

Mann zu begrü.en, aber der bedeutete ihm mit einer

kurzen Geste, Platz zu behalten. Als Tengo sich der

Weisung entsprechend wieder auf seinen Sitz sinken lie.,

setzte der andere sich rasch, als bef.nden sie sich in einem

Wettlauf, auf einen der Sessel gegenüber. Der Mann

musterte ihn eine Weile, ohne etwas zu sagen. Sein Blick

war nicht gerade durchdringend, aber seine Augen glitten

flink von Kopf bis Fu. über Tengo hinweg. Mitunter kniff

er sie ein wenig zusammen, dann weiteten sie sich wieder.

Wie ein Fotograf, der die Brennweite seiner Linse einstellt.

Der Mann trug einen tiefgrünen Pullover über einem

wei.en Hemd, dazu eine dunkelgraue Wollhose. Die

Kleidungsstücke sa.en wie angegossen, sahen aber aus, als

habe er sie ungef.hr zehn Jahre lang jeden Tag angehabt,

und waren schon recht abgetragen. Wahrscheinlich war er

ein Mensch, der sich nicht viel aus seiner Garderobe

machte. Dafür legte er sicher bei anderen auch keinen

gro.en Wert auf .u.erlichkeiten. Sein schütteres Haar

betonte seine insgesamt eher l.ngliche Kopfform. Er hatte

eingefallene Wangen, ein kantiges Kinn und einen kleinen,

fast kindlichen Schmollmund, der nicht so recht zum

Gesamteindruck seiner Erscheinung passen wollte. Hier

und da schienen beim Rasieren Barthaare stehengeblieben

zu sein, was aber vielleicht wegen der Lichtverh.ltnisse nur

so aussah. Das Sonnenlicht der Berge, das durchs Fenster

drang, war anders als das Licht, an das Tengo gew.hnt war.

.Entschuldigen Sie, dass ich Sie in solcher Eile habe

kommen lassen.. Der Mann sprach mit einer besonderen

Intonation. Seine Redeweise war die eines Menschen, der

seit langem daran gew.hnt ist, vor

Menschenansammlungen unbestimmter Gr..e zu

sprechen. Und zwar logisch und strukturiert. .Da meine

Situation es mir augenblicklich nicht erlaubt, mich von hier

zu entfernen, blieb mir nichts anderes übrig, als Sie

hierherzubemühen..

Das mache überhaupt nichts, entgegnete Tengo. Er

nannte seinen Namen und entschuldigte sich dafür, keine

Visitenkarte dabeizuhaben.

.Ich hei.e Ebisuno., sagte der andere, .und habe auch

keine Visitenkarte..

.Ah, Herr Ebisuno., wiederholte Tengo.

.Alle nennen mich Sensei. Sogar meine eigene Tochter..

.Wie schreibt sich Ihr Name?.

.Er kommt ziemlich selten vor. Eri, schreib mal die

Zeichen!.

Fukaeri nickte. Sie nahm einen Notizblock und schrieb

langsam mit Kugelschreiber auf ein wei.es Blatt. Es wirkte,

als würde sie die Zeichen mit einer Nadel in einen

Backstein ritzen.

.Auf Englisch bedeutet er Field of Savages – Feld der

Wilden. Früher habe ich mich mit Kulturanthropologie

besch.ftigt. Durchaus ein passender Name für diese

Wissenschaft., sagte der Sensei, und so etwas wie ein

L.cheln erschien auf seinem Gesicht. Doch an der

Ruhelosigkeit seines Blicks .nderte sich nichts. .Allerdings

habe ich die Forschung schon lange an den Nagel geh.ngt.

Was ich momentan mache, hat gar nichts damit zu tun. Ich

habe mich auf ein anderes wildes Feld begeben..

Es war wirklich ein seltener Name, aber Tengo erinnerte

sich, ihn schon geh.rt zu haben. Ende der sechziger Jahre

hatte es einen bekannten Wissenschaftler namens Ebisuno

gegeben. Er hatte mehrere Bücher ver.ffentlicht, die

damals ziemlich gesch.tzt wurden. Er wusste nichts

Genaueres über ihren Inhalt, nur der Autorenname war in

einem Winkel seines Ged.chtnisses haften geblieben. Aber

in letzter Zeit hatte er ihn nicht mehr geh.rt.

.Ich glaube, ich kenne Ihren Namen., sagte Tengo

vorsichtig.

.Das kann sein., sagte der Sensei, den Blick in die Ferne

gerichtet, als sei von einem Abwesenden die Rede.

.Jedenfalls ist das alles sehr lange her..

Tengo spürte Fukaeris ruhigen Atem neben sich. Sie

atmete langsam und tief ein und aus.

.Tengo Kawana., sagte der Sensei, als würde er den

Namen ablesen.

.Genau., sagte Tengo.

.Sie haben Mathematik studiert und arbeiten jetzt als

Lehrer an einer Yobiko in Yoyogi., sagte der Sensei.

.Nebenher schreiben Sie. Hat mir Eri erz.hlt. Stimmt

doch?.

.Ja, natürlich., sagte Tengo.

.Sie sehen weder aus wie ein Mathematiklehrer noch wie

ein Schriftsteller..

Tengo l.chelte etwas bekümmert. .Das bekomme ich in

letzter Zeit immer wieder zu h.ren. Es muss an meinem

K.rperbau liegen..

.Ich habe es in keinem negativen Sinn gemeint., sagte

der Sensei und tippte mit dem Finger an den Steg seiner

schwarzen Brille. .Es ist absolut kein Nachteil, nicht nach

etwas Bestimmtem auszusehen. So wird man auch in keine

Schublade gesteckt..

.Danke für das Kompliment. Ein Schriftsteller bin ich

übrigens noch l.ngst nicht. Ich versuche nur, einen Roman

zu schreiben..

.Sie versuchen es ….

.Das hei.t, ich arbeite nach dem Trial-and-error-

Prinzip..

.Ich verstehe., sagte der Sensei und rieb sich leicht die

H.nde, als würde er erst jetzt bemerken, wie eiskalt es in

dem Zimmer war. .Nach allem, was ich geh.rt habe,

redigieren Sie die Geschichte, die Eri geschrieben hat. Sie

wollen, dass sie den Preis für das beste Erstlingswerk

bekommt, den diese Literaturzeitschrift vergibt. Und Eri

wollen Sie der .ffentlichkeit als die Autorin verkaufen.

Habe ich das richtig verstanden?.

Tengo w.hlte seine Worte mit Bedacht. .Im Grunde trifft

das zu. Ein Redakteur des Verlags, Herr Komatsu, hat es so

geplant. Ob sein Plan wirklich durchführbar ist, wei. ich

nicht. Auch nicht, ob er moralisch vertretbar ist. Meine

Aufgabe bestünde lediglich darin, den Text von .Die Puppe

aus Luft. zu überarbeiten. Ich bin sozusagen nur der

Techniker. Für alle anderen Bereiche ist Herr Komatsu

verantwortlich..

Der Sensei dachte eine Weile konzentriert nach. In der

Stille, die nun wieder in den Raum eingekehrt war, konnte

man f.rmlich h.ren, wie sein Verstand arbeitete. Dann

sagte er: .Dieser Herr Komatsu hat also die Sache geplant,

und Sie werden die technische Seite übernehmen..

.So ist es..

.Ich war immer Wissenschaftler und bin, offen

gestanden, nicht unbedingt ein begeisterter Leser von

Romanen. Daher kenne ich mich mit den Gepflogenheiten

im Literaturbetrieb auch nicht so besonders gut aus, aber

für mich klingt das, was Sie da vorhaben, nach einer Art

Schwindel. Oder t.usche ich mich da etwa?.

.Nein, Sie t.uschen sich nicht. Für mich klingt es

genauso., sagte Tengo.

Der Sensei verzog leicht das Gesicht. .Aber Sie wollen

trotz moralischer Bedenken von sich aus mitmachen?.

.Von mir aus kann ich nicht sagen, aber mitmachen will

ich..

.Und warum?.

.Das ist eine Frage, die ich mir seit einer Woche immer

wieder stelle., sagte Tengo unverblümt.

Schweigend warteten der Sensei und Fukaeri, dass Tengo

fortfuhr.

.Würde ich meiner Vernunft, meinem gesunden

Menschenverstand und meinem Instinkt gehorchen, dann

lie.e ich sofort die Finger von der Sache. Eigentlich bin ich

von Natur aus ein sehr rationaler Mensch. Ich finde keinen

Geschmack an Glücksspiel und abenteuerlichen

Machenschaften. Man k.nnte mich auch einen Feigling

nennen. Doch diesmal konnte ich einfach nicht Nein sagen,

obwohl der Vorschlag, den Herr Komatsu mir gemacht hat,

ziemlich riskant ist. Und zwar aus dem einzigen Grund,

dass .Die Puppe aus Luft. eine unwiderstehliche

Anziehungskraft auf mich ausübt. Bei jedem anderen Werk

h.tte ich abgelehnt, ohne zu z.gern..

Der Sensei musterte Tengo neugierig. .Das hei.t, Sie

haben kein Interesse an dem betrügerischen Teil des Plans,

aber gro.es Interesse, das Werk zu überarbeiten. Habe ich

recht?.

.Genau. Mehr als gro.es Interesse. Wenn ich .Die Puppe

aus Luft. nicht überarbeiten darf, dann soll es auch kein

anderer tun. Ich würde diese Aufgabe nie jemand anderem

überlassen..

.So, so., sagte der Sensei. Er machte ein Gesicht, als habe

er sich irrtümlich etwas Saures in den Mund gesteckt. .Ich

glaube, ich verstehe ungef.hr, was Sie empfinden. Und was

ist das Ziel dieses Herrn Komatsu? Geld? Oder geht es ihm

auch um den Ruhm?.

.Was Herr Komatsu empfindet, wei. ich, ehrlich gesagt,

nicht so genau., sagte Tengo. .Aber ich habe das Gefühl,

ihn treibt etwas Gr..eres an als der Wunsch, reich oder

berühmt zu werden..

.Zum Beispiel?.

.Herr Komatsu ist sich dessen vielleicht selbst nicht

bewusst, aber er ist besessen von Literatur. So jemand hat

nur einen Wunsch: Er will, und sei es nur einmal in seinem

Leben, etwas ganz Echtes entdecken. Und es dann der Welt

auf dem Pr.sentierteller darreichen..

Der Sensei sah Tengo einen Moment lang ins Gesicht.

.Das hei.t also, Sie haben verschiedene Beweggründe.,

sagte er dann. .Aber um Reichtum und Ruhm geht es

keinem von Ihnen beiden..

.So verh.lt es sich wohl..

.Doch egal was die Beweggründe sind, der Plan ist h.chst

riskant. Sie sagen es ja selbst. Sollte irgendwann die

Wahrheit ans Licht kommen, wird es zweifellos einen

Skandal geben. Und die Vorwürfe der .ffentlichkeit

werden nicht nur an Ihnen beiden h.ngenbleiben. Eri ist

erst siebzehn, und so eine Sache k.nnte ihr für ihr ganzes

Leben schaden. Das ist es, was mich an der ganzen Sache

am meisten beunruhigt..

.Es ist ganz natürlich, dass Sie sich Sorgen machen..

Tengo nickte. .Sie haben v.llig recht..

Die Lücke zwischen den pechschwarzen dichten

Augenbrauen verringerte sich auf etwa einen Zentimeter.

.Dennoch wollen Sie, auch wenn Eri dadurch in Gefahr

ger.t, .Die Puppe aus Luft. eigenh.ndig umarbeiten..

.Wie ich schon sagte, hat mein Drang nichts mit

Vernunft oder gesundem Menschenverstand zu tun.

Selbstverst.ndlich ist es auch mein Wunsch, Eri so gut wie

m.glich zu schützen. Aber dass sie nicht dennoch in Gefahr

ger.t, kann ich nicht garantieren. Ich würde lügen, wenn

ich es t.te..

.Ich verstehe., sagte der Sensei und r.usperte sich, wie

um das Thema abzuschlie.en. .Auf jeden Fall scheinen Sie

ein ehrlicher Mensch zu sein..

.Ich bemühe mich, so offen wie m.glich zu sein..

Der Sensei betrachtete seine H.nde, die auf seinen Knien

ruhten, als sehe er sie zum ersten Mal. Er blickte auf die

Handrücken, drehte sie um und starrte dann auf seine

Handfl.chen. Schlie.lich hob er den Kopf. .Und dieser

Redakteur, Komatsu hei.t er wohl – er glaubt, sein Plan

wird tats.chlich funktionieren?.

.Sein Motto lautet .Alles hat zwei Seiten.., sagte Tengo.

..Eine gute und eine, die gar nicht so schlecht ist...

Der Sensei lachte. .Eine originelle Ansicht. Dieser

Komatsu muss ein unverbesserlicher Optimist sein oder ein

gewaltiges Selbstvertrauen haben..

.Keins von beidem. Er ist nur ein Zyniker..

Der Sensei schüttelte leicht den Kopf. .Zyniker sind

entweder Optimisten oder überm..ig selbstbewusst. Ist es

bei ihm nicht so?.

.Er hat so eine Neigung..

.Er ist wohl ein recht schwieriger Mensch?.

.Ja, ziemlich., sagte Tengo. .Aber er ist nicht dumm..

Der Sensei stie. einen langen Seufzer aus. Dann wandte

er sich an Fukaeri. .Was meinst du, Eri? Was h.ltst du von

dem Plan?.

Fukaeri schaute eine Weile auf einen undefinierbaren

Punkt im Raum. .In Ordnung., sagte sie dann.

Der Sensei erg.nzte Fukaeris einfache Ausdrucksweise.

.Das hei.t also, es würde dir nichts ausmachen, wenn er

.Die Puppe aus Luft. überarbeitet?.

.Nein., sagte Fukaeri.

.Es k.nnte sein, dass du deshalb Schwierigkeiten

bekommst..

Darauf gab Fukaeri keine Antwort. Sie zog nur den

Kragen ihrer Jacke noch enger um sich. Doch mit dieser

Bewegung demonstrierte sie ganz unverhohlen die

Unerschütterlichkeit ihres Entschlusses.

.Vielleicht hat sie recht., sagte der Sensei ergeben.

Tengo blickte auf Fukaeris kleine zu F.usten geballte

H.nde.

.Aber es gibt da noch ein Problem., sagte der Sensei zu

Tengo. .Sie und dieser Komatsu wollen .Die Puppe aus

Luft. gro. herausbringen und Eri als Schriftstellerin

pr.sentieren. Aber sie leidet an einer Leseschw.che. Sie ist

Legasthenikerin. Das wissen Sie schon, oder?.

.Sie hat mir in der Bahn davon erz.hlt..

.Wahrscheinlich ist ihre Legasthenie angeboren. Deshalb

hat man in der Schule immer geglaubt, sie sei irgendwie

zurückgeblieben, dabei ist sie in Wirklichkeit ein sehr

intelligentes M.dchen. Sie verfügt über tiefe Weisheit. Aber

dass sie trotz allem Legasthenikerin ist, wird sich wohl,

gelinde ausgedrückt, nicht gerade positiv auf den Plan

auswirken, den Sie sich da ausgedacht haben..

.Wie viele Menschen wissen davon?.

.Au.er ihr selbst noch drei., sagte der Sensei. .Ich und

meine Tochter Azami. Und jetzt noch Sie. Sonst niemand..

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