饭饭TXT > 海外名作 > 《1Q84 book 1 > 1Q84 德语版.txt

第 27 页

作者: 当前章节:15377 字 更新时间:2026-6-19 08:06

der .ffentlichkeit, und auch die Medien erkoren die

Kommune zum leuchtenden Beispiel und berichteten über

sie. Nicht wenige Menschen in unserer Gesellschaft

m.chten ihrem Alltag entkommen, auf Geld und

Informationen verzichten und stattdessen im Schwei.e

ihres Angesichts in der freien Natur arbeiten. Gerade sie

fühlten sich zu den Vorreitern hingezogen. Alle Bewerber

wurden eingehend befragt und geprüft. Wer einsetzbar

war, wurde aufgenommen, das waren jedoch beileibe nicht

alle. Qualit.t und Moral der Mitgliederschaft mussten auf

hohem Niveau gehalten werden. Gesucht wurden gesunde

Menschen, die Kenntnisse in der Landwirtschaft besa.en

und harte k.rperliche Arbeit verrichten konnten. Man

strebte ein ausgewogenes Zahlenverh.ltnis der

Geschlechter an, und so waren auch Frauen sehr

willkommen. Mit den Mitgliederzahlen stieg auch der

Bedarf an Raum; da es jedoch in der n.heren Umgebung

noch genügend überz.hlige Felder und H.user gab, war es

nicht schwer, die Anlagen zu erweitern. Anfangs hatte die

Kommune haupts.chlich aus jungen Unverheirateten

bestanden, doch allm.hlich schlossen sich ihr auch immer

mehr Familien an. Zu den Neuank.mmlingen geh.rten

viele Akademiker und Leute mit einer Fachausbildung, wie

.rzte, Ingenieure, Lehrer oder Buchhalter. Auch sie waren

natürlich .u.erst willkommen. Denn Fachleute braucht

man immer, nicht wahr?.

.Hatten die Vorreiter das ursprüngliche kommunistische

System von Takashima übernommen?., fragte Tengo.

Der Sensei schüttelte den Kopf. .Nein, Fukada schaffte

das System des gemeinsamen Eigentums ab. Er war zwar

politisch radikal, aber auch ein kühler Realist. Sein Ziel war

eine mildere Form der Gemeinschaft. Er hatte keinen

Ameisenstaat im Sinn. Wenn man mit dem Kollektiv, zu

dem man geh.rte, unzufrieden war, gab es die M.glichkeit,

in eine andere Einheit überzuwechseln, und es stand jedem

frei, die Vorreiter ganz zu verlassen. In seiner Zeit bei

Takashima hatte er gelernt, dass der frische Wind, den ein

System wie dieses mit sich bringt, die Effektivit.t der Arbeit

steigert..

Die Verwaltung des Vorreiter-Hofs unter Fukadas Leitung

lief günstig und nach Plan. Dennoch zerfiel die

Gemeinschaft bald in zwei deutlich getrennte Fraktionen.

Bei Fukadas System der lockeren durchl.ssigen Einheiten

war eine Spaltung eigentlich ohnehin unvermeidlich. Die

eine – militante und revolution.re – Gruppe rekrutierte

sich aus dem harten Kern der von Fukada selbst ins Leben

gerufenen Roten Garde. Ihre Angeh.rigen betrachteten das

Leben in der Landkommune letztlich als eine

Vorbereitungsphase für die Revolution. Die Landwirtschaft

war eine Art Hinterhalt, und wenn die Zeit gekommen war,

würden sie zu den Waffen greifen – das war ihre

unerschütterliche überzeugung.

Die andere, gem..igtere Gruppe teilte zwar den

antikapitalistischen Standpunkt der Militanten, propagierte

aber als Ideal, sich aus der Politik zurückzuziehen und ein

selbstgenügsames Gemeinschaftsleben im Einklang mit der

Natur zu führen. Zahlenm..ig überwog diese Gruppe.

Gem..igte und Militante waren wie Wasser und .l. Da sie

durch die Landarbeit st.ndig besch.ftigt waren, kam es zu

keinen besonderen Problemen, aber wenn Entscheidungen

gef.llt werden mussten, die die gesamte Kommune

betrafen, gingen die Meinungen stets auseinander.

Mitunter reichte es nicht für einen Kompromiss. Dann

flammten heftige Auseinandersetzungen auf, und es wurde

deutlich, dass eine endgültige Spaltung der Kommune nur

eine Frage der Zeit war.

Nach und nach wurde der Raum für neutrale Positionen

immer enger. Bald musste sich auch Fukada für eine Seite

entscheiden. Auch ihm war damals einigerma.en bewusst,

dass das Japan der siebziger Jahre keinen Raum dafür bot,

eine Revolution anzuzetteln. Was er im Sinn hatte, war die

Revolution als M.glichkeit oder anders gesagt als Gleichnis

oder Hypothese. Er glaubte, die Entwicklung

zerst.rerischer, gegen das System gerichteter Absichten sei

unerl.sslich für eine gesunde Gesellschaft. Sozusagen als

gesunde Würze. Aber die Studenten, die ihm gefolgt waren,

wollten eine echte Revolution, in der echtes Blut floss.

Dafür trug natürlich Fukada die Verantwortung. Er hatte

sie mit dem damaligen Zeitgeist infiziert, sie angestachelt

und diesen sinnlosen Mythos von der Revolution in ihre

K.pfe gepflanzt. Nie hatte er gesagt: .Die Revolution ist

blo. eine Modeerscheinung.. Er war ein aufrechter Mann

und sehr scharfsinnig. Auch als Wissenschaftler war er

brillant. Doch er neigte leider dazu, sich an seiner allzu

gro.en Beredsamkeit und seinen eigenen Worten zu

berauschen. So betrachtet, fehlte es ihm an tieferer Einsicht

und Erfahrung.

Die Gemeinschaft war nun also in zwei Lager gespalten.

Die Gem..igten blieben als Vorreiter in dem

ursprünglichen Dorf, die Militanten zogen in ein anderes

Dorf, das nur etwa fünf Kilometer entfernt lag, und

errichteten dort eine revolution.re Basis. Die Familie

Fukada beschloss, wie auch die anderen Familien, auf dem

Vorreiter-Hof zu bleiben. Die Trennung ging einigerma.en

freundschaftlich vonstatten. Offenbar hatte wieder Fukada

das für den Aufbau einer separaten Kommune notwendige

Kapital beschafft. Auch nach der Trennung gab es noch

eine oberfl.chliche Zusammenarbeit zwischen den H.fen.

So tauschten sie notwendige Ger.te und Materialien aus.

Aus wirtschaftlichen Gründen benutzten sie weiterhin die

gleichen Vertriebswege. Um überleben zu k.nnen, waren

die beiden kleinen Kooperativen aufeinander angewiesen.

Doch mit der Zeit kam der Verkehr zwischen den

Mitgliedern der alten Vorreiter und denen der neuen

Splittergruppe praktisch zum Erliegen, da beide inzwischen

v.llig verschiedene Ziele verfolgten. Nur Fukada hielt auch

nach der Spaltung noch Kontakt zu den klugen Studenten,

die er selbst angeführt hatte. Er fühlte sich stark für sie

verantwortlich. Schlie.lich hatte er sie organisiert und nach

Yamanashi in die Berge geführt. Jetzt konnte er sie nicht

einfach so im Stich lassen. Vor allem, da die

Splitterkommune auf seine geheime Geldquelle angewiesen

war.

.Man k.nnte sagen, dass Fukada selbst in gewisser Weise

gespalten war., erkl.rte der Sensei. .Er glaubte nicht

wirklich an die M.glichkeit einer Revolution. Er war

schlie.lich kein Romantiker. Auf der anderen Seite konnte

er auch nicht v.llig darauf verzichten. Die Revolution zu

leugnen h.tte bedeutet, sein bisheriges Leben zu leugnen

und vor aller Welt seinen Irrtum zu bekennen. Das konnte

er nicht. Dafür war er zu stolz. Au.erdem fürchtete er

vielleicht, die Studenten, die er selbst geworben hatte, in

Verwirrung zu stürzen. Denn in dieser Phase besa. Fukada

noch immer genügend Macht, um seine Studenten unter

Kontrolle zu halten. Deshalb hatte er beschlossen, sich

zwischen den Vorreitern und der abgespaltenen Kommune

hin- und herzubewegen. Fukada war der Anführer der

Vorreiter und gleichzeitig Berater der militanten

Kommune. Ein Mann, der selbst schon nicht mehr an die

Revolution glaubte, fuhr fort, anderen revolution.re

Theorien zu erkl.ren. Neben der Landarbeit widmete sich

die neue Gruppe intensiv ihrer milit.rischen und

ideologischen Ausbildung. Politisch traten sie in immer

radikaleren Gegensatz zu Fukadas Ideen. Au.erdem

schotteten sie sich v.llig ab und lie.en keine

Au.enstehenden mehr zu. Irgendwann gerieten sie sogar

als verfassungsfeindliche Organisation, die zur bewaffneten

Revolution aufrief, ins Visier der Nachrichtendienste..

Der Sensei starrte wieder auf die Knie seiner Hose. Dann

hob er das Gesicht.

.Die Spaltung der Vorreiter fand im Jahr 1976 statt. Im

Jahr darauf verlie. Eri die Gemeinschaft und kam zu uns.

Damals gab sich die Splittergruppe den neuen Namen

.Akebono...

Tengo blickte auf und kniff die Augen zusammen. .Einen

Moment mal., sagte er. Akebono. Er erinnerte sich ganz

deutlich, diesen Namen schon einmal geh.rt zu haben.

Aber seine Erinnerung war nur vage und verschwommen.

Er bekam nur ein paar ungewisse Fragmente zu fassen,

scheinbare Fakten. .Hat es nicht vor kurzem einen

aufsehenerregenden Vorfall gegeben, der mit der Akebono-

Gruppe zusammenhing?.

.Richtig., sagte Professor Ebisuno und ma. Tengo mit

einem au.ergew.hnlich ernsten Blick. .Es handelt sich um

die bekannte Gruppe Akebono, die sich in der N.he des

Motosu-Sees in den Bergen ein Feuergefecht mit der Polizei

geliefert hat..

Eine Schie.erei, dachte Tengo. Jetzt erinnerte er sich.

Eine gro.e Sache. Aber aus irgendeinem Grund waren ihm

die Einzelheiten entfallen. Er brachte durcheinander, was

davor und danach geschehen war. Er versuchte

angestrengt, sich zu erinnern, und hatte dabei das Gefühl,

sein gesamter K.rper würde verdreht. Als würden sein

Oberk.rper und sein Unterleib in entgegengesetzte

Richtungen geschraubt. In seinem Kopf h.mmerte es

dumpf, die Luft um ihn herum wurde j.h dünner. Alle

Ger.usche waren pl.tzlich ged.mpft, als bef.nde er sich

unter Wasser. Offenbar bekam er ausgerechnet jetzt einen

seiner .Anf.lle..

.Was haben Sie denn?., fragte der Sensei besorgt. Seine

Stimme klang wie aus weiter Ferne.

Tengo schüttelte den Kopf. .Geht schon. Gleich vorbei.,

stie. er mühsam hervor.

KAPITEL 11

Aomame

Der K.rper ist ein Tempel

Vermutlich gab es nur wenige Menschen, die es zu einer

solchen Meisterschaft darin gebracht hatten, einem Mann

in die Hoden zu treten, wie Aomame. Tagt.glich hatte sie

den Ablauf dieses Tritts genau studiert und es nicht an

praktischen übungen fehlen lassen. Um Treffsicherheit zu

erreichen, war das Wichtigste, dass man jegliches Gefühl

von Zaghaftigkeit ablegte. Es galt, den Gegner an seinem

schw.chsten Punkt erbarmungslos, mit voller Wucht und

m.glichst unerwartet zu attackieren. Genau wie Hitler,

indem er, die Neutralit.t Hollands und Belgiens

ignorierend, in diese L.nder einfiel, die Maginot-Linie

durchstie. und damit Frankreich zu Fall brachte. Man

durfte nicht z.gern. Ein Augenblick des Z.gerns war

t.dlich.

Aomame war fest überzeugt, dass es kein geeigneteres

Mittel gab, mit dem eine Frau einen Mann, der gr..er und

st.rker war als sie, in einer direkten Konfrontation au.er

Gefecht setzen konnte. Dieser K.rperteil war der

empfindlichste Schwachpunkt, der der Gattung Mann –

sozusagen – anhing. Und in den meisten F.llen war der

Mann nicht in der Lage, ihn wirkungsvoll zu schützen.

Ausgeschlossen, diesen Vorteil nicht zu nutzen.

Welchen Schmerz ein solcher mit voller Wucht

ausgeführter Tritt in die Hoden verursachte, konnte

Aomame als Frau natürlich nicht konkret nachvollziehen.

Nicht einmal erraten. Aber Reaktion und Gesichtsausdruck

des Getretenen vermittelten ihr eine hinl.ngliche

Vorstellung, wie extrem dieser Schmerz sein musste. Selbst

die st.rksten, widerstandsf.higsten M.nner schienen dieser

Pein, mit der offenbar auch ein gro.er Verlust an

Selbstachtung verbunden war, nicht gewachsen.

Einmal bat Aomame einen Mann, ihr diesen Schmerz zu

beschreiben. .Es fühlt sich an, als würde im n.chsten

Moment die Welt untergehen., sagte er, nachdem er lange

nachgedacht hatte. .Dieser Schmerz ist mit nichts zu

vergleichen. Es ist etwas anderes als einfach nur Schmerz..

Aomame hatte l.nger über diese Analogie nachgedacht. Ein

Schmerz, als würde die Welt untergehen?

.Umgekehrt ausgedrückt hie.e das also, der

Weltuntergang fühlt sich an, als würde einem mit voller

Wucht in die Hoden getreten?., fragte Aomame.

.Keine Ahnung, ich habe noch keinen Weltuntergang

erlebt, aber es k.nnte schon sein., sagte der Mann und

starrte abwesend in die Luft. .Es herrscht nur noch tiefe

Ohnmacht. Alles ist düster und erdrückend, und es gibt

keine Rettung..

Irgendwann sp.ter sah Aomame zuf.llig im

Sp.tprogramm den amerikanischen Film Das letzte Ufer,

gedreht um 1960. Zwischen Amerika und der Sowjetunion

bricht ein globaler Krieg aus, und die Nuklearraketen

sausen wie Schw.rme fliegender Fische zwischen den

Kontinenten hin und her, in null Komma nichts ist die Erde

zerst.rt, und der gr..te Teil der Menschheit stirbt.

Aufgrund einer bestimmten Luftstr.mung jedoch hat der

t.dliche Fallout die südliche Hemisph.re mit Australien

noch nicht erreicht. Dennoch ist seine Ankunft nur eine

Frage der Zeit und die endgültige Vernichtung der

Menschheit unabwendbar. Der Film handelte davon, wie

einige der überlebenden in jenem Teil der Erde – den

sicheren Tod vor Augen – ihre letzten Tage verbrachten. Es

war ein düsterer Film voller Hoffnungslosigkeit (aber

w.hrend Aomame ihn anschaute, war sie wieder einmal

überzeugt, dass jeder im Grunde seines Herzens das Ende

der Welt herbeisehnte). Aha, so fühlt es sich also an, wenn

einem mit voller Wucht in die Eier getreten wird, dachte

sie.

Nach ihrem Sportstudium arbeitete Aomame etwa vier

Jahre bei einem Hersteller von Fitnessgetr.nken und

Gesundheitskost. Sie war die Topwerferin und die beste

Schl.gerin in der Softball-Frauenmannschaft ihrer Firma.

Das Team war ziemlich erfolgreich und schaffte es bei

landesweiten Turnieren mehrmals unter die acht besten.

Einen Monat nach Tamaki Otsukas Tod reichte Aomame

jedoch ihre Kündigung ein und setzte damit auch einen

Schlusspunkt unter ihre Softball-Karriere. Sie hatte nicht

mehr die geringste Lust auf diesen Sport und wollte ihr

Leben drastisch und vollst.ndig umkrempeln. Ein etwas

.lterer Bekannter aus ihrer Studienzeit vermittelte ihr eine

Stelle als Trainerin in einem Sportstudio in Hiroo.

Dort unterrichtete sie haupts.chlich Muskeltraining und

Kampfsport. Es war ein sehr exklusives Studio mit hohen

Aufnahmegebühren und Beitr.gen, das zahlreiche

prominente Mitglieder hatte. Aomame gab mehrere

Selbstverteidigungskurse für Frauen, dies war ihr

Spezialgebiet. Sie fertigte eine gro.e Puppe aus Leinen an,

der sie als Hoden einen schwarzen Arbeitshandschuh in

目录
设置
设置
阅读主题
字体风格
雅黑 宋体 楷书 卡通
字体大小
适中 偏大 超大
保存设置
恢复默认
手机
手机阅读
扫码获取链接,使用浏览器打开
书架同步,随时随地,手机阅读
首 页 < 上一章 章节列表 下一章 > 尾 页