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作者: 当前章节:15401 字 更新时间:2026-6-19 08:06

gehen. Oder eines ihrer Kinder. Er durfte sie nicht anrufen.

So lautete ihre Abmachung.

Tengo bestellte noch einen Gin Tonic. W.hrend er

wartete, stellte er sich vor, dass er in einem kleinen Boot

sa. und in rei.ender Str.mung dahinschoss. .Wenn wir

einen Wasserfall hinunterstürzen, gehen wir zusammen

mit Pauken und Trompeten unter., hatte Komatsu am

Telefon gesagt. Aber konnte er sich auf das, was Komatsu

sagte, überhaupt verlassen? Würde Komatsu nicht, sobald

sie den Wasserfall erreichten, mit einem Satz auf den

n.chsten Felsen in seiner Reichweite springen? Und ihn

sitzen lassen? .Tut mir leid, Tengo, mir f.llt gerade ein,

dass ich noch etwas ganz Dringendes zu erledigen habe.

Aber alles Weitere kannst du mir überlassen..

Und er würde rettungslos und allein mit Pauken und

Trompeten den Wasserfall hinunterrauschen. Unm.glich

war das nicht. Nein, ganz sicher würde es so enden.

Er fuhr nach Hause, schlief ein und tr.umte. So realistisch

hatte er schon lange nicht mehr getr.umt. Er war ein

winziges Stück eines gigantischen Puzzles. Aber er

ver.nderte st.ndig seine Form, weshalb er nirgendwo

richtig hineinpasste. Au.erdem musste er parallel zu der

Aufgabe, seinen Platz im Puzzle zu finden, in einem

vorgeschriebenen Zeitraum die Notenbl.tter für ein

Paukenstück aufsammeln. Sie waren von einem starken

Windsto. davongeweht und überall verstreut worden. Blatt

für Blatt hob er sie auf. Nun musste er die Seitenzahlen

überprüfen und in die richtige Reihenfolge bringen. Dabei

ver.nderte er wie eine Am.be immer wieder seine Form. Er

konnte die Situation einfach nicht unter Kontrolle bringen.

Irgendwann tauchte Fukaeri auf und ergriff seine linke

Hand. Pl.tzlich h.rte Tengo auf, seine Gestalt zu

ver.ndern. Auch der Wind legte sich, und die Notenbl.tter

flogen nicht mehr herum. Tengo war erleichtert. Doch

w.hrenddessen lief auch seine Zeit ab. .Jetzt ist Schluss.,

mahnte Fukaeri mit leiser Stimme und sogar in einem

ganzen Satz. Die Zeit blieb pünktlich stehen, und die Welt

endete. Die Erdrotation kam zum Stillstand. Alle Ger.usche

verstummten. Alle Lichter erloschen.

Als Tengo am n.chsten Tag aufwachte, bestand die Welt

unver.ndert fort. Alles war wie vorher. Der gro.e Kreislauf,

das riesige Rad der indischen Mythologie, hatte sich wieder

in Bewegung gesetzt und überrollte unabl.ssig s.mtliche

Lebewesen vor sich.

KAPITEL 17

Aomame

Glück oder Pech

Am folgenden Abend waren es noch immer zwei Monde.

Der gro.e, Aomame vertraute Mond war in ein sonderbares

Wei. getaucht, als sei er gerade einem Ascheberg

entstiegen, doch abgesehen davon war es der gute alte

Mond. Der Mond, auf den Neil Armstrong im hei.en

Sommer des Jahres 1969 jenen kleinen und zugleich gro.en

ersten Schritt gesetzt hatte. Neben ihm stand der kleinere,

etwas verbeulte grünliche Mond. Ein wenig verlegen, wie

ein Kind mit schlechten Noten, schmiegte er sich an den

gro.en.

Ich bin eindeutig nicht ganz richtig im Kopf, dachte

Aomame. Es gab immer nur einen Mond, und auch jetzt

kann es nur einen geben. K.me pl.tzlich ein zweiter hinzu,

erg.ben sich ja daraus alle m.glichen Ver.nderungen für

das Leben auf der Erde. Zum Beispiel würde sich das

Verh.ltnis von Ebbe und Flut verschieben. Die Nachrichten

w.ren voll davon. Unm.glich, davon nichts

mitzubekommen. Das ist eine andere Dimension, als

ungewollt einen Zeitungsartikel zu übersehen.

Aber bin ich wirklich verrückt? Kann ich das mit

hundertprozentiger Sicherheit feststellen?

Aomame runzelte kurz die Stirn. St.ndig ereignen sich

seltsame Dinge um mich herum, dachte sie. Dinge

ver.ndern sich ohne mein Wissen. Als würde die Welt ein

Spiel spielen, bei dem sich alles bewegen darf, sobald ich

die Augen schlie.e. Angenommen es w.re so, dann w.re es

auch gar nicht so seltsam, wenn am Himmel zwei Monde

erscheinen. Als ich einmal nicht aufgepasst habe, ist

zuf.llig von irgendwo aus dem Raum ein entfernter Cousin

des Mondes aufgetaucht und hat beschlossen, sich im

Gravitationsfeld der Erde ans.ssig zu machen.

Die Polizei hatte ihre Uniform und Bewaffnung

vollst.ndig erneuert. In den Bergen von Yamanashi war es

zwischen Einheiten der Polizei und einer radikalen Gruppe

zu einem Feuergefecht gekommen. All das war geschehen,

ohne dass Aomame etwas davon mitbekommen hatte.

Dann die Nachricht, dass Amerika und die Sowjetunion

eine gemeinsame Mondbasis errichten wollten. Ob das in

Zusammenhang mit der gestiegenen Anzahl der Monde

stand? Sie wühlte in ihrem Ged.chtnis. Hatte es in den

Zeitungen, die sie in der Bücherei durchforstet hatte, einen

Artikel gegeben, der sich auf einen neuen Mond bezogen

haben k.nnte? Ihr fiel kein einziger ein.

H.tte sie nur jemanden fragen k.nnen. Aber wie sollte sie

eine solche Frage formulieren? ..h, übrigens, ich glaube, es

gibt da jetzt auf einmal zwei Monde. Ob Sie vielleicht mal

gucken k.nnten?. Das war in jedem Fall eine idiotische

Frage. Falls es wirklich zwei Monde gab, w.re es seltsam,

nichts davon zu wissen. Falls es aber wie bisher nur einen

gab, würde man sie für verrückt halten.

Aomame lie. sich in den Rohrstuhl sinken, legte die

Beine auf das Gel.nder und überlegte sich ungef.hr zehn

M.glichkeiten, wie sie die Frage stellen konnte. Sie klangen

alle gleich idiotisch. Da konnte man nichts machen. Die

Situation an sich war zu abwegig. Sie konnte niemanden

fragen, das war offensichtlich.

Sie beschloss, das Problem mit dem zweiten Mond

vorl.ufig beiseite zu lassen. Sie würde sich ihm sp.ter noch

einmal widmen. Im Augenblick bereitete es ihr ja keine

konkreten Schwierigkeiten. Vielleicht würde dieser Mond ja

auch ebenso unversehens wieder verschwinden, wie er

aufgetaucht war.

Um die Mittagszeit des folgenden Tages fuhr sie nach

Hiroo ins Sportstudio, wo sie zwei Kampfsportkurse und

eine Privatstunde zu geben hatte. Als sie kurz an der

Rezeption stehen blieb, übergab man ihr eine Nachricht

von der alten Dame aus Azabu. Das war ungew.hnlich.

Aomame m.ge sie anrufen, sobald sie Zeit habe, stand

darin.

Wie immer war Tamaru am Apparat. .Wenn es dir passt,

sollst du morgen herkommen. Ihr werdet euer übliches

Programm absolvieren und anschlie.end eine Kleinigkeit

zusammen essen., erkl.rte er Aomame.

.Du kannst ihr ausrichten, ich k.me gegen vier Uhr und

würde auch gern mit ihr zu Abend essen., sagte Aomame.

.In Ordnung., sagte Tamaru. .Also dann, morgen gegen

vier..

.Du, Tamaru? Hast du dir in letzter Zeit mal den Mond

angeschaut?., fragte Aomame.

.Den Mond?., fragte Tamaru. .Den Mond am Himmel?.

.Genau den..

.Nicht bewusst. Ich wei. nicht. Was ist mit dem Mond?.

.Ach, nichts., sagte Aomame. .Also dann, bis morgen um

vier Uhr..

Tamaru z.gerte einen Moment, dann legte er auf.

Auch in dieser Nacht waren es zwei Monde. Beide waren

zwei Tage vom Vollmond entfernt. Lange betrachtete

Aomame, ein Glas Brandy in der Hand, abwechselnd den

gro.en und den kleinen Mond, wie man ein ganz und gar

unl.sbares R.tsel betrachtet. Je mehr sie schaute, desto

r.tselhafter erschien ihr das Ensemble. Am liebsten h.tte

sie sich an den Mond selbst gewandt und ihn gefragt. Wie

kommt es, dass du pl.tzlich diesen kleinen grünen

Kameraden bei dir hast? Aber natürlich konnte der Mond

nicht antworten.

Seit undenklichen Zeiten betrachtete der Mond den

Erdball ganz aus der N.he. Niemand sonst kannte ihn so

gut. Wahrscheinlich war er Zeuge aller Ph.nomene und

Ereignisse, die jemals auf der Erde stattgefunden hatten.

Aber der Mond schwieg und sprach nie. Kühl und

ungerührt trug er die Last der vergangenen Zeiten. Dort

oben gab es keine Luft und auch keinen Wind. Vielleicht

war dieses Vakuum besonders gut geeignet, Erinnerungen

unbesch.digt zu bewahren. Niemand konnte das Herz

dieses Monds erweichen. Aomame erhob ihr Glas in seine

Richtung.

.Hast du in letzter Zeit mal im Arm von jemandem

geschlafen?., fragte Aomame den Mond.

Der Mond antwortete nicht.

.Hast du Freunde?., fragte sie.

Der Mond gab keine Antwort.

.Hast du dieses coole Leben nicht mitunter satt?.

Keine Antwort vom Mond.

Wie üblich war es Tamaru, der Aomame am Tor empfing.

.Ich habe mir gestern Abend den Mond angeschaut.,

sagte er als Erstes.

.Aha?., sagte Aomame.

.Du hast mich darauf gebracht. Der Mond ist sch.n,

wenn man ihn nach langer Zeit mal wieder betrachtet. Es

wird einem ganz friedlich zumute..

.Hast du ihn gemeinsam mit deinem Freund angesehen?.

.Ja., sagte Tamaru. Er legte einen Finger an den

Nasenflügel. .Und was ist mit dem Mond?.

.Nichts., sagte Aomame. Sie überlegte sich ihre Worte

genau. .Er besch.ftigt mich neuerdings irgendwie..

.Ohne einen Grund?.

.Ohne Grund..

Tamaru nickte stumm. Er schien etwas zu mutma.en. Er

war nicht überzeugt davon, dass sie wirklich keinen Grund

hatte. Doch statt weiter in sie zu dringen, ging er Aomame

voran, um sie in den Wintergarten zu führen. Die alte

Dame sa. im Trainingsanzug in einem Lehnstuhl und las

ein Buch, w.hrend sie einer Instrumentalversion von

.Lachrimae. von John Dowland lauschte. Es war eines ihrer

Lieblingsstücke. Auch Aomame hatte es immer wieder

geh.rt, und die Melodie war ihr vertraut.

.Entschuldigen Sie, dass ich Sie gestern so pl.tzlich

herbestellt habe., sagte die alte Dame. .Ich bin froh, dass

Sie einen früheren Termin einrichten konnten, denn ich

hatte gerade eine Lücke..

.Machen Sie sich keine Gedanken., sagte Aomame.

Tamaru brachte das Tablett mit dem Kr.utertee herein

und schenkte etwas davon in zwei elegante Tassen ein.

Dann verlie. er den Raum und schloss die Tür. Still

tranken die alte Dame und Aomame ihren Tee, w.hrend sie

der Musik von Dowland zuh.rten und die voll erblühten

Azaleen im Garten betrachteten. Jedes Mal, wenn Aomame

hierherkam, hatte sie das Gefühl, eine andere Welt zu

betreten. Die Luft hatte eine gewisse Schwere, und die Zeit

verfloss auf ganz eigene Weise.

.Diese Musik versetzt mich mitunter in eine seltsame

Stimmung., sagte die alte Dame, als habe sie in Aomames

Gemüt gelesen. .Ist die Vorstellung, dass Menschen vor

vierhundert Jahren die gleiche Musik geh.rt haben, nicht

seltsam?.

.Ja, wirklich., sagte Aomame. .Wenn man es richtig

bedenkt, haben die Menschen vor vierhundert Jahren auch

den gleichen Mond gesehen wie wir..

Die alte Dame musterte Aomame ein wenig erstaunt.

Dann nickte sie. .Eigentlich haben Sie recht. Wenn man es

so sieht, ist es vielleicht gar nicht so verwunderlich, dass

wir eine Musik h.ren, von der uns vier Jahrhunderte

trennen..

.Vielleicht sollte man sagen, es ist fast der gleiche Mond..

Aomame sah die alte Dame aufmerksam an. Aber ihre

.u.erung schien kein besonderes Interesse bei ihr zu

wecken.

.Das Konzert auf der CD wurde mit antiken

Instrumenten aufgeführt., sagte die alte Dame. .Und nach

den damaligen Noten gespielt. Somit müsste die Musik

ungef.hr den gleichen Klang haben wie einst. Ebenso wie

der Mond noch der gleiche ist..

.Auch wenn die Dinge die gleichen sind, so ist doch die

Art, in der die Menschen sie jetzt wahrnehmen, eine ganz

andere. Die n.chtliche Dunkelheit war damals viel tiefer, ja,

es muss stockfinster gewesen sein. Entsprechend wirkte der

Mond sicher viel heller und gr..er. Und es gab natürlich

auch keine Schallplatten, Tonb.nder oder CDs. Die

Menschen konnten nicht nach Belieben so rein klingende

Musik h.ren. Sie war etwas ganz Besonderes..

.Sie haben recht., gab die alte Dame zu. .All der

Komfort, in dem wir leben, hat uns abgestumpft, nicht

wahr? Auch wenn der Mond am Himmel noch derselbe ist,

sehen wir ihn doch ganz anders. Vielleicht waren wir vor

vierhundert Jahren geistig reicher und der Natur viel

n.her..

.Aber es war auch eine grausame Welt. über die H.lfte

der Menschen starb bereits im Kindesalter an Seuchen und

Unterern.hrung. Polio, Tuberkulose, Pocken und Masern

kosteten viele Menschen schon früh das Leben. Im

einfachen Volk wurden nicht viele .lter als vierzig Jahre.

Die Frauen bekamen ein Kind nach dem anderen und

waren mit drei.ig zahnlose Gro.mütter. Gewalt war h.ufig

das einzige Mittel, um zu überleben. Kinder mussten von

klein auf Schwerstarbeit verrichten, die ihre Knochen

deformierte, und Kinderprostitution war – bei M.dchen

und Jungen – an der Tagesordnung. Die meisten Menschen

führten ein armseliges Dasein, weit entfernt von geistigen

Werten und seelischer Empfindsamkeit. In den Stra.en der

St.dte wimmelte es von Leibeigenen, Bettlern und

Schurken. Gefühlvoll den Mond zu betrachten,

Shakespeares Stücke zu genie.en und Dowlands sch.ner

Musik zu lauschen, war vermutlich nur einem winzigen

Teil der Menschheit verg.nnt..

Die alte Dame l.chelte. .Sie sind ein Mensch mit

ausgepr.gten Interessen..

.Ich bin ganz durchschnittlich., sagte Aomame. .Ich lese

nur sehr gern. Haupts.chlich Bücher über Geschichte..

.Das tue ich auch gern. Die Geschichte lehrt uns, dass

Vergangenheit und Gegenwart im Grunde eins sind. Ganz

gleich, wie sehr wir uns in Garderobe und Lebensart

unterscheiden, unsere Gedanken und Taten sind gar nicht

so unterschiedlich. Wir Menschen sind letztlich nur Tr.ger

von Genen. Auf ihrem Weg reiten sie auf uns von

Generation zu Generation, gerade so, wie man Pferde zu

Tode reitet. Die Gene denken nicht in Kategorien von Gut

und Schlecht. Wir haben Glück oder Pech mit ihnen, aber

sie wissen nichts davon. Denn wir sind nicht mehr als ein

Mittel zum Zweck. Für die Gene z.hlt nur, was für sie

selbst den gr..ten Nutzen bringt..

.Dennoch ist es uns unm.glich, nicht darüber

nachzudenken, was gut und was schlecht ist. Nicht wahr?.

Die alte Dame nickte. .So ist es. Wir Menschen müssen

st.ndig darüber nachdenken. Und dennoch sind es die

Gene, die unsere Lebensweise von Grund auf beherrschen.

Selbstverst.ndlich entstehen aus dieser Situation

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