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作者: 当前章节:15383 字 更新时间:2026-6-19 08:06

Geheimnisse wahren k.nnen..

Es dauerte eine Weile, bis Aomame verstanden und

verdaut hatte, worum es ging. Ein unglaubliches

Gest.ndnis und ein unglaublicher Vorschlag. Sie würde

mehr Zeit brauchen, um sich darüber klar zu werden, was

sie gegenüber diesem Angebot empfand. W.hrenddessen

sa. die alte Dame, ohne ihre Haltung zu ver.ndern, auf

ihrem Stuhl und blickte Aomame schweigend an. Sie hatte

es nicht eilig. Anscheinend war sie bereit, beliebig lange zu

warten.

Offenbar befindet sie sich in einer Art Wahn, dachte

Aomame. Aber verrückt ist sie nicht. Auch nicht

geisteskrank. Nein, ihr Gemütszustand ist von kaltblütiger,

unerschütterlicher Gelassenheit. Es ist nicht Wahnsinn,

sondern eher etwas, das an Wahnsinn grenzt.

.Gerechtigkeitswahn. kam der Sache vielleicht n.her. Jetzt

will sie, dass ich diesen Wahn mit ihr teile. Mit der gleichen

Kaltblütigkeit. Sie glaubt, dass ich das Zeug dazu habe.

Wie lange sa. Aomame dort, tief in ihre Gedanken

versunken? Jedes Zeitgefühl kam ihr abhanden. Nur ihr

Herz schlug weiter in seinem festen Takt. Sie wanderte

durch zahllose Gem.cher in ihrem Inneren, schwamm im

Strom der Zeit zurück, wie Lachse den Fluss ihrer Herkunft

hinaufschwimmen. Sie begegnete vertrauten Szenen und

lange vergessenen Gerüchen. Wehmütigen Erinnerungen

und heftigem Schmerz. Pl.tzlich durchbohrte sie von

irgendwoher ein feiner Lichtstrahl, und sie hatte das

bizarre Gefühl, durchsichtig geworden zu sein. Als sie ihre

Hand in das Licht hielt, konnte sie hindurchsehen. Ihr

K.rper schien auf einmal sehr leicht.

Was habe ich denn zu verlieren, dachte sie, wenn ich

mich hier und jetzt dem Wahnsinn und der Gerechtigkeit

verschreibe? Selbst wenn es mein Untergang w.re, selbst

wenn die ganze Welt unterginge?

.Ich bin einverstanden., sagte Aomame und presste kurz

die Lippen aufeinander. .Wenn ich kann, werde ich Ihnen

helfen., fügte sie hinzu.

Die alte Dame streckte beide H.nde aus und drückte

Aomames.

Seither teilte Aomame das Geheimnis der alten Dame,

ihre Mission und die Sache, die beinahe an Wahnsinn

grenzte. Nein, wahrscheinlich handelte es sich ganz und

gar um reinen hellen Wahnsinn. Doch wo genau die Grenze

verlief, vermochte Aomame nicht zu erkennen.

Au.erdem waren die M.nner, die sie sp.ter gemeinsam

mit der alten Dame ins Jenseits bef.rdern sollte, es wei.

Gott nicht wert gewesen, dass man sie verschonte.

.Es ist noch nicht viel Zeit vergangen, seit Sie neulich

diesen Mann in dem Hotel in Shibuya aus dem Weg

ger.umt haben., sagte die alte Dame ruhig. Ihrem Tonfall

nach h.tte sie auch sagen k.nnen, .wegger.umt.,

jedenfalls klang es, als sei von einem M.belstück die Rede.

.In vier Tagen werden es zwei Monate., antwortete

Aomame.

.Zwei Monate sind nicht genug., sagte die alte Dame.

.Deshalb würde ich Sie nur h.chst ungern schon mit der

n.chsten Aktion betrauen. Ich m.chte, dass mindestens ein

Zeitraum von einem halben Jahr vergeht. Sind die Abst.nde

zu knapp, wird die seelische Belastung für Sie zu gro..

Schlie.lich ist das ja nichts Allt.gliches. Au.erdem k.nnte

sich vielleicht jemand fragen, ob die Quote der M.nner, die

etwas mit unserem Frauenhaus zu tun haben und an

Herzversagen sterben, nicht ein bisschen zu hoch ist..

Aomame l.chelte leicht. .Denn es gibt viele argw.hnische

Menschen auf der Welt..

Auch die alte Dame l.chelte. .Sie wissen, ich bin ein sehr

vorsichtiger Mensch. Ich verlasse mich weder auf den Zufall

noch auf irgendwelche Prognosen oder das Glück.

Stattdessen ziehe ich auch noch die letzte der letzten

Eventualit.ten in Betracht und entscheide mich erst, wenn

alle Zweifel ausger.umt sind. Wenn ich es durchführe, habe

ich bereits alle nur m.glichen Risiken ausgeschlossen.

S.mtliche Faktoren minuti.s berechnet, alle

Vorbereitungen getroffen. Erst wenn ich vollkommen von

der Durchführbarkeit des Unternehmens überzeugt bin,

wende ich mich an Sie. Daher ist bislang auch nicht der

Hauch eines Problems aufgetreten. Nicht wahr?.

.So ist es., pflichtete Aomame ihr bei, und es stimmte.

Sie begab sich mit ihrem Eispick in der Tasche an einen

vereinbarten Ort. Alles war detailliert im Voraus geplant.

Sie rammte die spitze Nadel in den gewissen Punkt im

Nacken des Opfers. Nachdem sie sich vergewissert hatte,

dass sie es .aus dem Weg ger.umt. hatte, verschwand sie.

Alle bisherigen F.lle waren genau nach Plan verlaufen.

.Die Person, um die es diesmal geht, bereitet mir gro.es

Kopfzerbrechen, vor allem auch wegen Ihnen. Leider werde

ich wohl nicht darum herumkommen, Ihnen etwas sehr

Schweres abzuverlangen. Das Programm ist nicht genügend

ausgereift, es gibt viele unsichere Faktoren, und es besteht

die M.glichkeit, dass wir nicht nach dem bisherigen Muster

vorgehen k.nnen. Die Situation ist eine etwas andere als

sonst..

.In welcher Hinsicht?.

.Es handelt sich um keinen gew.hnlichen Mann., sagte

die alte Dame nachdrücklich. .Zum einen wird er stark

bewacht..

.Ist er ein Politiker oder so was?.

Die alte Dame schüttelte den Kopf. .Nein, kein Politiker.

Wir werden sp.ter noch darüber sprechen. Ich habe

gründlich nachgedacht, wie ich es vermeiden k.nnte, Sie zu

schicken. Aber wie ich es auch drehe und wende, nichts

scheint richtig funktionieren zu wollen. Es tut mir leid, aber

mir f.llt nichts anderes ein, als Sie zu bitten..

.Ist denn besondere Eile geboten?., fragte Aomame.

.Nein. Es gibt keinen bestimmten Termin, bis zu dem wir

handeln müssen. Allerdings haben wir auch nicht

unendlich viel Zeit. Wenn wir zu sp.t handeln, k.nnte es

noch mehr Opfer geben. Au.erdem ist die Gelegenheit, an

den Mann heranzukommen, begrenzt. Und wir k.nnen

nicht vorausberechnen, wann die n.chste sich ergeben

wird..

Vor dem Fenster war es nun ganz dunkel, und es

herrschte Stille um den Wintergarten. Ob die Monde schon

aufgegangen waren? Aomame konnte von ihrem Platz aus

nicht nach drau.en sehen.

.Ich will Ihnen die Situation so eingehend wie m.glich

erkl.ren., fuhr die alte Dame fort. .Doch davor m.chte ich,

dass Sie jemanden kennenlernen. Wir beide werden uns

jetzt gleich mit ihr treffen..

.Lebt sie im Frauenhaus?., fragte Aomame.

Die alte Dame holte langsam Luft, und ein kleiner Laut

entrang sich ihrer Kehle. In ihre Augen trat ein besonderes

Leuchten, das dort sonst nicht zu sehen war.

.Die Beratungsstelle hat sie vor sechs Wochen zu uns

geschickt. Vier Wochen lang war sie total geistesabwesend

und hat kein Wort gesprochen. Sie hatte v.llig die Sprache

verloren. Alles, was wir wussten, war ihr Name und ihr

Alter. Sie hat am Bahnhof übernachtet und ist in einem

ziemlich schlimmen Zustand aufgegriffen worden.

Nachdem man sie von einer Stelle zur anderen geschickt

hatte, wurde sie schlie.lich zu uns gebracht. Ich habe mir

viel Zeit genommen und immer wieder behutsam versucht,

mit ihr zu reden. Es hat lange gedauert, ihr begreiflich zu

machen, dass sie bei uns in Sicherheit ist und keine Angst

mehr zu haben braucht. Inzwischen spricht sie ein paar

Worte. Auf eine wirre, unzusammenh.ngende Art zwar,

aber wenn man eins und eins zusammenfügt, kann man

sich einen Reim auf das machen, was passiert ist. Etwas

Unbeschreibliches. Herzzerrei.end und tragisch..

.Hat ihr Mann sie missbraucht?.

.Nein., sagte die alte Dame mit trockener Stimme. .Sie

ist erst zehn Jahre alt..

Die alte Dame und Aomame gingen durch den Garten,

passierten ein kleines Holztor und gelangten auf diesem

Weg zu dem benachbarten Grundstück, auf dem das

Frauenhaus sich befand. Es war ein hübsches kleines

Holzgeb.ude. Früher, als noch mehr Menschen in der Villa

gearbeitet hatten, hatte es haupts.chlich als Quartier für

die Dienstboten gedient. Das einst.ckige Geb.ude war

nicht reizlos, aber ein wenig zu heruntergekommen, um es

zu vermieten. Als zeitweilige Zufluchtsst.tte für Frauen, die

sonst nirgendwohin konnten, eignete es sich jedoch

bestens. Alte immergrüne Eichen breiteten schützend ihre

m.chtigen .ste darüber aus. Die Eingangstür war aus

hübsch gemustertem Buntglas. Das Haus hatte insgesamt

zehn Zimmer. Zu manchen Zeiten waren alle belegt, zu

anderen stand das Haus leer, aber in der Regel lebten dort

fünf oder sechs Frauen. Im Augenblick war etwa die H.lfte

der Fenster erleuchtet. Abgesehen von den Kinderstimmen,

die hin und wieder zu h.ren waren, herrschte eine fast

unheimliche, permanente Stille. Es schien, als würde sogar

das Geb.ude selbst seinen Atem d.mpfen.

Alltagsger.usche, wie sie das normale Leben begleiteten,

waren nicht zu vernehmen. Das Tor wurde von der

Sch.ferhündin bewacht, die knurrte und bellte, sobald

jemand sich dem Haus n.herte. Sie war abgerichtet – von

wem und wie, war unbekannt –, laut anzuschlagen, wenn

ein Mann in ihre N.he kam. Und dennoch war es Tamaru,

an dem das Tier am meisten hing.

Sobald die alte Dame auf sie zukam, h.rte die Hündin auf

zu bellen und wedelte begeistert und selig fiepend mit dem

Schwanz. Die alte Dame bückte sich, um ihr mehrmals

leicht den Kopf zu t.tscheln. Auch Aomame kraulte die

Hündin hinter den Ohren. Bun erkannte Aomame, denn sie

war ein sehr kluges Tier, aber aus einem unerfindlichen

Grund v.llig versessen auf rohen Spinat. Die alte Dame

schloss die Eingangstür auf.

.Eine der Frauen hier kümmert sich um das kleine

M.dchen., sagte sie zu Aomame. .Sie lebt in einem

Zimmer mit ihr und soll sie nach M.glichkeit im Auge

behalten. Ich finde es noch immer beunruhigend, sie allein

zu lassen..

Die Frauen im Haus wurden ermutigt, sich regelm..ig

umeinander zu kümmern, sich zu erz.hlen, was sie

durchgemacht hatten, und die erlittenen Schmerzen zu

teilen. Viele erfuhren dadurch eine allm.hliche und

natürliche Heilung. Diejenigen, die sich schon l.nger dort

aufhielten, zeigten den neu Hinzukommenden, was zu tun

war, und halfen ihnen mit dem Notwendigsten aus. Beim

Kochen und Saubermachen wechselten sie sich ab.

Natürlich gab es auch einige, die allein sein und nicht über

ihre Erfahrungen sprechen wollten. Auch das wurde

respektiert. Doch die meisten wollten gern mit anderen, die

.hnliches erlebt hatten, zusammenkommen und sich offen

aussprechen. Untersagt waren Alkohol, Zigaretten und

unerlaubte Besucher, doch weitere Einschr.nkungen gab es

nicht.

In einem Gemeinschaftsraum neben dem Eingang

standen ein Telefon und ein Fernsehapparat, au.erdem

eine alte Couchgarnitur und ein Esstisch. Die meisten

Frauen verbrachten den gr..ten Teil des Tages hier. Der

Fernseher wurde allerdings fast nie eingeschaltet. Und

wenn, dann so leise, dass der Ton kaum h.rbar war. Die

Frauen zogen es vor zu lesen, in Zeitungen zu bl.ttern, zu

stricken oder leise vertrauliche Gespr.che zu führen. Eine

von ihnen zeichnete den ganzen Tag. In diesem

wundersamen Reich herrschte ein ged.mpftes

stagnierendes Licht, als befinde es sich zwischen realer und

jenseitiger Welt. Ob die Sonne schien oder Wolken den

Himmel verdüsterten, ob es Tag war oder Nacht, es

herrschte stets die gleiche Art von Licht. Jedes Mal wenn

Aomame diesen Raum betrat, fühlte sie sich fehl am Platz,

wie ein ungebetener Eindringling. Er glich einem Club, für

den man besondere Aufnahmebedingungen zu erfüllen

hatte. Die Einsamkeit, die diese Frauen empfanden, und

Aomames Einsamkeit waren auf sehr verschiedene Weise

zustande gekommen.

Als die alte Dame den Raum betrat, erhoben sich die drei

Frauen darin. Es war offensichtlich, dass sie gro.en Respekt

vor ihr empfanden.

.Bitte behalten Sie doch Platz., sagte sie. .Ich m.chte

nur kurz mit der kleinen Tsubasa sprechen..

.Tsubasa ist auf ihrem Zimmer., sagte eine Frau in

Aomames Alter. Sie hatte langes glattes Haar.

.Mit Saeko. Sie kann anscheinend noch immer nicht

herunterkommen., warf eine etwas .ltere Frau ein.

.Sie braucht wohl noch etwas Zeit., sagte die alte Dame

mit einem L.cheln.

Die drei Frauen schwiegen und nickten jede für sich. Sie

wussten genau, was es bedeutete, Zeit zu brauchen.

Als sie in das Zimmer im ersten Stock kamen, bat die alte

Dame die kleine, irgendwie schemenhafte Frau namens

Saeko, für kurze Zeit unten Platz zu nehmen. Saeko

l.chelte schwach, verlie. den Raum, schloss die Tür hinter

sich und stieg die Treppe hinunter. Die zehnj.hrige

Tsubasa blieb zurück. Im Zimmer stand eine Art kleiner

Esstisch. Das M.dchen, die alte Dame und Aomame

nahmen daran Platz. Die dichten Vorh.nge vor dem

Fenster waren zugezogen.

.Diese junge Dame hei.t Aomame., erkl.rte die alte

Dame dem M.dchen. .Sie arbeitet mit mir zusammen. Du

brauchst also keine Angst zu haben..

Das M.dchen warf einen scheuen Blick auf Aomame,

dann nickte es leicht. Die Bewegung war so minimal, dass

man sie leicht h.tte übersehen k.nnen.

.Das ist Tsubasa., sagte die alte Dame an Aomame

gewandt. Dann fragte sie: .Wie lange bist du jetzt hier,

Tsubasa?.

Das M.dchen zuckte leicht mit den Schultern, um ihr zu

bedeuten, sie wisse es nicht. Dabei bewegte sie die

Schultern wahrscheinlich nicht einmal einen Zentimeter.

.Sechs Wochen und drei Tage., sagte die alte Dame. .Du

hast sicher nicht mitgez.hlt, aber ich z.hle genau mit.

Wei.t du, warum?.

Die Kleine schüttelte fast unmerklich den Kopf.

.Weil die Zeit in bestimmten F.llen sehr wichtig sein

kann., sagte die alte Dame. .Allein sie zu messen kann von

gro.er Bedeutung sein..

In Aomames Augen sah Tsubasa aus wie jede beliebige

Zehnj.hrige. Vielleicht war sie gro. für ihr Alter, aber sie

war mager und hatte noch keine Brüste. Sie wirkte wie

chronisch unterern.hrt. Ihr Gesicht war nicht h.sslich, aber

es hinterlie. nur einen sehr schwachen Eindruck. Die

Augen .hnelten beschlagenen Fenstern. Es war unm.glich,

hineinzusehen, auch wenn man es versuchte. Tsubasas

schmale trockene Lippen bewegten sich hin und wieder

nerv.s, als bemühe sie sich, Worte zu formen, aber sie

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