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作者: 当前章节:15383 字 更新时间:2026-6-19 08:06

brachte keinen Ton heraus.

Die alte Dame nahm aus einer Papiertüte, die sie

mitgebracht hatte, eine Schachtel mit dem Bild einer

Schweizer Berglandschaft. Ein Dutzend hübscher Pralinen,

jede anders geformt, befand sich darin. Sie bot Tsubasa eine

an, dann Aomame, und schlie.lich steckte sie sich selbst

eine in den Mund. Aomame tat es ihr nach. Nachdem

Tsubasa die beiden beobachtet hatte, schob sie sich ihre

ebenfalls in den Mund. Schweigend a.en die drei ihre

Pralinen.

.Kannst du dich noch an dein zehntes Lebensjahr

erinnern?., fragte die alte Dame Aomame.

.Ja, ganz genau., sagte Aomame. In diesem Alter hatte sie

die Hand eines Jungen gehalten und sich geschworen, ihn

ihr ganzes Leben lang zu lieben. Wenige Monate danach

hatte sie zum ersten Mal ihre Tage bekommen. Sie hatte

sich damals innerlich sehr ver.ndert. Sie hatte ihren

Glauben aufgegeben und beschlossen, mit ihren Eltern zu

brechen.

.Ich kann mich auch noch genau erinnern., sagte die alte

Dame. .Als ich zehn war, nahm mein Vater mich mit nach

Paris, und wir blieben ungef.hr ein Jahr lang dort. Er war

damals im diplomatischen Dienst. Wir lebten in einem

alten Appartement in der N.he des Jardin du Luxembourg.

Der Erste Weltkrieg ging zu Ende, und die Bahnh.fe

quollen über von verwundeten Soldaten. Manche waren

noch Kinder, aber auch alte M.nner waren darunter. Paris

ist zu jeder Jahreszeit eine atemraubend sch.ne Stadt, aber

ich habe nur blutige Erinnerungen daran. Bei den

Grabenk.mpfen an der Front hatten viele M.nner ihre

Arme und Beine verloren, und es war, als würden

Gespenster durch die Stra.en irren. Ich sah nur ihre

wei.en Verb.nde und den schwarzen Trauerflor, den die

Frauen trugen. St.ndig wurden mit Pferdekarren S.rge auf

die Friedh.fe geschafft. Und sooft ein Sarg vorbeizog,

blickten die Menschen auf der Stra.e mit

zusammengepressten Lippen beiseite..

Die alte Dame legte ihre ge.ffneten Handfl.chen auf den

Tisch. Nach kurzem Z.gern nahm das M.dchen seine

H.nde aus dem Scho. und legte sie in die der alten Dame.

Diese umschloss sie fest. Vielleicht hatten die Eltern der

alten Dame ihr auf die gleiche Weise die H.nde gedrückt,

als in Paris die mit S.rgen beladenen Pferdekarren an ihnen

vorüberfuhren, sie getr.stet und gesagt: .Sei ganz ruhig, du

bist in Sicherheit, du brauchst dich nicht zu fürchten..

.Ein Mann produziert jeden Tag Millionen von

Spermien., sagte die alte Dame zu Aomame. .Wussten Sie

das?.

.Nicht die genaue Zahl., sagte Aomame.

.Die wei. ich natürlich auch nicht. Jedenfalls sind es

unz.hlige, die auf einmal ausgesendet werden. Doch die

Anzahl reifer Eizellen, die eine Frau abgibt, ist begrenzt.

Wissen Sie, wie viele es sind?.

.Nicht exakt..

.Im ganzen Leben nicht mehr als vierhundert., sagte die

alte Dame. .Die Eizellen werden nicht jeden Monat neu

gebildet, sie sind bereits von Geburt an im K.rper der Frau

gespeichert. Nach der ersten Menstruation werden sie

Monat für Monat abgegeben. Sie besitzt jedoch keine

intakten Eizellen mehr. Ihre Periode hat noch nicht

eingesetzt, also dürften eigentlich noch keine verbraucht

sein. Sie sollten wie in einer Schublade für sp.ter

bereitliegen. Ich brauche wohl nicht zu erw.hnen, dass es

die Funktion dieser Eizellen ist, Spermien aufzunehmen

und fruchtbar zu sein..

Aomame nickte.

.Zwischen der Mentalit.t von M.nnern und Frauen

bestehen zahlreiche Unterschiede, die sich anscheinend aus

der Andersartigkeit ihres Fortpflanzungsapparats ergeben.

Aus rein biologischer Sicht gesprochen, besteht der

Lebenszweck einer Frau haupts.chlich darin, Tr.gerin

dieser begrenzten Zahl von Eizellen zu sein. Das trifft auf

Sie, mich und auch auf die Kleine hier zu.. Ein leichtes

L.cheln umspielte die Lippen der alten Dame. .über mich

müsste ich natürlich in der Vergangenheit sprechen..

Aomame überschlug rasch im Kopf, dass sie demnach

bisher etwa zweihundert Eizellen abgesto.en hatte.

Ungef.hr die H.lfte war noch in ihrem K.rper verblieben.

Vielleicht klebte ein Schild .reserviert. daran.

.Aber Tsubasa hat keine Eizellen mehr, die etwas

empfangen k.nnten., sagte die alte Dame. .Ich habe sie

vorige Woche von einem befreundeten Arzt untersuchen

lassen. Ihre Geb.rmutter ist zerst.rt..

Aomame sah die alte Dame entsetzt an. Dann drehte sie

ganz leicht den Kopf und richtete ihren Blick auf das

M.dchen. Es fiel ihr schwer zu sprechen. .Zerst.rt?.

.Ja. Zerst.rt., sagte die alte Dame. .Sie kann auch durch

eine Operation nicht wiederhergestellt werden..

.Aber wer macht so etwas?., fragte Aomame.

.Wir wissen es noch nicht genau., sagte die alte Dame.

.Die Little People., sagte das M.dchen.

KAPITEL 18

Tengo

Keine Bühne für Big Brother

Nach der Pressekonferenz rief Komatsu an, um Tengo zu

erz.hlen, alles sei glatt und ohne Zwischenf.lle verlaufen.

.Ein gro.artiger Erfolg., schw.rmte er in ungew.hnlich

begeistertem Ton. .Ich h.tte nie gedacht, dass das so

reibungslos über die Bühne geht. Die Antworten der

Kleinen waren so was von clever. Sie hat auf alle

Anwesenden einen guten Eindruck gemacht..

Tengo war keineswegs überrascht. Die Pressekonferenz

hatte ihn nicht sonderlich beunruhigt. Er hatte damit

gerechnet, dass Fukaeri alles ziemlich gut allein

hinbekommen würde. Allerdings klang die Formulierung

.guter Eindruck. im Zusammenhang mit ihr irgendwie

unpassend.

.Es ist nichts rausgekommen, oder?., fragte Tengo

sicherheitshalber.

.Ach, die Zeit war viel zu kurz, und unangenehmen

Fragen ist sie geschickt ausgewichen. Au.erdem gab es

kaum heikle Fragen. Nicht mal Journalisten wollen so ein

sü.es siebzehnj.hriges Ding unter Beschuss nehmen.

Zumindest momentan zieht die Nummer. Wie es sich

weiterentwickeln wird, wei. ich nicht. Der Wind dreht sich

schnell auf dieser Welt..

Tengo sah vor sich, wie Komatsu mit ernster Miene auf

einer hohen Klippe stand und an seinem Finger leckte, um

die Windrichtung festzustellen.

.Jedenfalls hat es nur so gut geklappt, weil du alles vorher

mit ihr einstudiert und geprobt hast. Ich danke dir. Die

Preisverkündung und die Berichte über die Pressekonferenz

sollen morgen in den Abendzeitungen erscheinen..

.Was hat Fukaeri angehabt?.

.Was? Irgendwas ganz Normales. Einen engen, dünnen

Pullover und Jeans..

.Kam ihr Busen zur Geltung?.

.Ah ja, stimmt, jetzt wo du es sagst. Ihr Busen sah weich

und warm aus, wie gerade frisch aus der Backstube., sagte

Komatsu. .Wei.t du, Tengo, die Kleine hat das Zeug zum

literarischen Wunderkind. Sie sieht gut aus, und sie redet

vielleicht ein bisschen seltsam, ist aber ziemlich

scharfsinnig. Vor allem hat sie eine au.ergew.hnliche

Ausstrahlung. Ich habe schon viele Debüts miterlebt. Aber

dieses M.dchen ist etwas Besonderes. Und wenn ich das

sage, stimmt das auch. Ich gebe dir Brief und Siegel darauf,

dass unsere Zeitschrift mit dem Abdruck von .Die Puppe

aus Luft. n.chste Woche in allen Schaufenstern liegen wird.

Da kannst du deine linke Hand und dein rechtes Bein drauf

verwetten. Und innerhalb von drei Tagen wird sie

ausverkauft sein..

Tengo bedankte sich für den Anruf und legte auf. Ein

wenig erleichtert war er doch. Die erste Hürde hatten sie

zumindest geschafft. Auch wenn er keine Ahnung hatte,

wie viele Hürden noch auf sie warteten.

Am folgenden Abend, als die Berichte über die

Pressekonferenz erscheinen sollten, kaufte Tengo auf dem

Heimweg von der Yobiko an einem Bahnhofskiosk vier

Zeitungen. Zu Hause las er sie und verglich sie miteinander.

Der Inhalt war in allen ungef.hr gleich. Die Artikel waren

nicht besonders lang, aber dafür, dass es sich um den

Debütpreis einer Literaturzeitschrift handelte, war das

schon eine Sonderbehandlung (normalerweise wurde so

etwas in fünf Zeilen abgehandelt). Wie Komatsu es

vorausgeahnt hatte, stürzten sich die Medien darauf, dass

es eine Siebzehnj.hrige war, die den Preis erhalten hatte.

Die vierk.pfige Jury habe sich einstimmig für .Die Puppe

aus Luft. entschieden. Ihre Sitzung sei nach fünfzehn

Minuten ohne jede Diskussion beendet gewesen. Dies

geschehe nur .u.erst selten, denn es sei schier unm.glich,

dass vier der besten Autoren Japans zusammentrafen und

eine einheitliche Meinung vertraten. Das Werk habe bereits

einen gewissen Ruf in der Branche. In dem Hotel, in dem

die Verleihung stattfand, sei eine kleine Pressekonferenz

abgehalten worden, auf der die junge Preistr.gerin die

Fragen der Journalisten .freundlich und klar. beantwortet

habe.

Auf die Frage, ob sie auch weiterhin Romane schreiben

wolle, habe sie geantwortet: .Romane sind nur

eine m.gliche Form, seine Gedanken auszudrücken; dieses

Mal habe ich zuf.llig diese Form gew.hlt, aber für welche

Form ich mich beim n.chsten Mal entscheiden werde, kann

ich noch nicht sagen.. Schwer vorstellbar, dass Fukaeri

wirklich, ohne zu stocken, einen so langen Satz gebildet

haben sollte. Wahrscheinlich hatte der Journalist die

abgehackten Fragmente elegant miteinander verknüpft,

Fehlendes erg.nzt und zusammengefügt. Aber vielleicht

hatte sie auch tats.chlich so lange gesprochen. Bei Fukaeri

konnte man nie sicher sein.

Auf die Frage, was denn ihr Lieblingswerk sei, habe sie die

Geschichte von den Heike genannt. Welcher Teil davon ihr

am besten gefalle, habe ein Reporter sie gefragt, woraufhin

sie die Passage auswendig rezitiert habe. Es sei ein langer

Abschnitt gewesen, und sie habe dafür ungef.hr fünf

Minuten gebraucht. Alle Anwesenden seien zutiefst

beeindruckt gewesen, und danach habe einen Moment lang

Schweigen geherrscht.

Zum Glück hatte keiner der Reporter sie nach ihrer

Lieblingsmusik gefragt!

Auf die Frage, wer sich am meisten darüber freue, dass sie

den Preis bekomme, habe sie nach l.ngerer Pause (Tengo

stellte sich auch diese Szene vor) geantwortet: .Das ist ein

Geheimnis..

Soweit er den Zeitungen entnehmen konnte, hatte

Fukaeri bei diesem Frage- und Antwortspiel kein einziges

Mal gelogen. Sie hatte die Wahrheit gesagt und nichts als

die Wahrheit. In einer der Zeitungen war ein Bild von ihr.

Auf dem Foto war sie noch sch.ner, als Tengo sie in

Erinnerung hatte. Als sie sich gegenübergesessen hatten,

hatte er seine Aufmerksamkeit nicht allein auf ihr Gesicht,

sondern auch auf die Bewegungen ihres K.rpers, ihr

Mienenspiel und ihre Worte gerichtet, aber jetzt, wo er ihr

unbewegtes Bild betrachtete, wurde ihm aufs Neue klar,

wie au.ergew.hnlich ebenm..ig die Gesichtszüge dieser

jungen Frau waren. Es war ein kleines, offenbar auf der

Pressekonferenz aufgenommenes Foto (sie trug tats.chlich

den gleichen Sommerpullover wie beim letzten Mal), und

dennoch ging ein Strahlen davon aus. Vielleicht war es das,

was Komatsu als .au.ergew.hnliche Ausstrahlung.

bezeichnet hatte.

Tengo legte die Zeitung zusammen, ging in die Küche

und bereitete sich, w.hrend er eine Dose Bier trank, ein

einfaches Abendessen. Die von ihm überarbeitete .Puppe

aus Luft. hatte ohne Gegenstimme den Preis für das beste

Erstlingswerk errungen, war Tagesgespr.ch und würde

vielleicht ein Bestseller werden. Ein seltsames Gefühl

überkam ihn. Eigentlich wollte er sich vorbehaltlos freuen,

doch zugleich war er unsicher und aufgeregt. Konnte denn

ein solcher Plan wie ihrer wirklich so leicht und reibungslos

funktionieren?

Auf einmal verging ihm der Appetit. Obwohl er bis eben

noch sehr hungrig gewesen war, hatte er nun gar keine Lust

mehr, etwas zu essen. Er wickelte die fertige Mahlzeit in

Folie und stellte sie in den Kühlschrank. Dann setzte er sich

auf einen Küchenstuhl, trank still sein Bier und starrte

dabei auf den Wandkalender, den er von seiner Bank

erhalten hatte und der den Fuji zu allen vier Jahreszeiten

zeigte. Tengo hatte den Fuji noch nie bestiegen. Auch auf

dem Tokio Tower war er noch nie gewesen. Noch nicht

einmal auf dem Dach irgendeines Hochhauses. Eigentlich

hatte er gar kein Interesse an hoch gelegenen Pl.tzen. Er

fragte sich, warum, und gab sich gleich selbst die Antwort.

Vielleicht weil er sein ganzes Leben lang immer nur zu

Boden geschaut hatte.

Komatsus Voraussage traf ein. Die Ausgabe der

Literaturzeitschrift, in der .Die Puppe aus Luft. erstmals

erschien, war bereits am Erscheinungstag in nahezu allen

Buchhandlungen ausverkauft. Das hatte es fast noch nie

gegeben. Der Verlag gab die Zeitschrift jeden Monat

heraus, obwohl sie rote Zahlen schrieb. Ziel dieser

Zeitschrift war es, mittels des Debütpreises neue junge

Autoren zu entdecken und die in ihr publizierten Werke

sp.ter in Buchform herauszubringen. Vom Verkauf der

Zeitschrift selbst wurde kaum Umsatz erwartet. Daher war

die Nachricht, die Zeitschrift sei ausverkauft, eine Sensation

wie Schnee auf den Okinawa-Inseln. Was jedoch insgesamt

nichts an den roten Zahlen .nderte.

Komatsu rief Tengo an, um ihm davon zu berichten.

.Sehr günstig., sagte er. .Dadurch, dass die Zeitschrift

ausverkauft ist, steigt das Interesse noch mehr, alle wollen

das Ding auf Teufel komm raus lesen, ganz egal was es ist.

Und die Druckerei druckt, was das Zeug h.lt, die

gebundene Ausgabe. H.chste Priorit.t. Es spielt keine Rolle

mehr, ob sie den Akutagawa-Preis bekommt oder nicht,

wichtiger ist es, das Buch zu verkaufen, solange es hei. ist.

Kein Zweifel, es wird ein Bestseller. Das garantiere ich dir.

überleg dir besser schon mal, was du mit dem Geldsegen

anf.ngst, der dich in Kürze erwartet..

In allen Feuilletons der Abendausgaben vom Samstag

erschienen Artikel über .Die Puppe aus Luft.. Dass die

Zeitschrift so schnell ausverkauft gewesen war, erregte

Aufsehen. Die meisten Literaturkritiker besprachen das

Werk wohlwollend. Für eine Siebzehnj.hrige sei Fukaeris

Stil unglaublich sicher, sie verfüge über eine genaue

Beobachtungsgabe und überbordende Vorstellungskraft.

Vielleicht sei ihr Werk ein Hinweis auf das stilistische

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