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作者: 当前章节:15376 字 更新时间:2026-6-19 08:06

Kn.pfen sorgf.ltig ausgebürstet bei ihm zu Hause im

Schrank hing. Wahrscheinlich hatte er sie

durchnummeriert, um sie auseinanderhalten zu k.nnen.

Komatsus festes, an Draht erinnerndes Haar, das ihm bis

über die Ohren reichte, war an der Stirn bereits leicht

ergraut und stets etwas zerzaust. Seltsamerweise hatte es

immer die gleiche L.nge, selbst wenn sein letzter

Friseurbesuch erst eine Woche zurücklag. Tengo konnte

sich nicht erkl.ren, wie das m.glich war. Bisweilen blitzten

Komatsus Augen scharf auf, wie Sterne an einem

winterlichen Nachthimmel. Falls er aus irgendeinem Grund

einmal in Schweigen verfiel, schwieg er mit der Finalit.t

eines Felsens auf der Rückseite des Mondes. Sein Gesicht

wurde nahezu ausdruckslos, und selbst seine

K.rpertemperatur schien abzusinken.

Tengo hatte Komatsu fünf Jahre zuvor kennengelernt.

Damals hatte er sich bei der Literaturzeitschrift, die

Komatsu mitherausgab, um einen Preis für das beste

Erstlingswerk beworben und war in die Endauswahl

gelangt. Komatsu hatte ihn angerufen und um ein Treffen

gebeten. Sie verabredeten sich in einem Café in Shinjuku

(dem gleichen, in dem sie auch jetzt sa.en). Für das jetzige

Buch werde Tengo den Preis nicht bekommen, hatte

Komatsu ihm er.ffnet. (Er bekam ihn tats.chlich nicht.)

Aber er pers.nlich habe Gefallen an Tengos Arbeit

gefunden. .Ich erwarte keinen Dank, aber es kommt sehr

selten vor, dass ich das zu jemandem sage., erkl.rte

Komatsu. (Damals wusste Tengo das noch nicht, aber es

entsprach der Wahrheit.) .Wenn du also dein n.chstes

Buch schreibst, m.chte ich, dass du es mich lesen l.sst. Als

Ersten, vor allen anderen.. Tengo war einverstanden.

Komatsu wollte au.erdem wissen, was für ein Mensch

Tengo war. Woher er kam und was er im Augenblick tat.

Tengo berichtete so aufrichtig wie m.glich. Er war in

Ichikawa in der Pr.fektur Chiba geboren und

aufgewachsen. Seine Mutter war kurz nach seiner Geburt

erkrankt und gestorben. So hatte es ihm zumindest sein

Vater erz.hlt. Geschwister hatte er keine. Sein Vater hatte

nicht wieder geheiratet und Tengo mit Hilfe einer

m.nnlichen Hilfskraft aufgezogen. Früher hatte er für den

staatlichen Sender NHK Rundfunkgebühren kassiert.

Inzwischen war er an Alzheimer erkrankt und lebte in

einem Sanatorium an der Südspitze der Boso-Halbinsel.

Tengo hatte an der Universit.t Tsukuba einen Studiengang

mit der sonderbaren Bezeichnung .Fachbereich 1 für

Naturwissenschaft und Mathematik im Hauptfach.

absolviert und schrieb jetzt Romane. Seinen

Lebensunterhalt verdiente er mit Mathematikunterricht an

einer Yobiko, einer der vielen privaten Institutionen, die in

Japan die Studienanw.rter auf die Aufnahmeprüfungen der

Universit.ten vorbereiten. Diese Schule lag im Tokioter

Stadtteil Yoyogi. Nach dem Examen hatte er sich zun.chst

als Lehrer am Pr.fekturgymnasium seines Heimatorts

versucht, sich dann jedoch wegen der flexibleren

Arbeitszeiten und der gr..eren Unabh.ngigkeit für die

Yobiko entschlossen. Er lebte allein in einer kleinen

Wohnung in Koenji.

Er wisse selbst nicht, ob er wirklich Schriftsteller von

Beruf werden wolle. Auch nicht, ob er wirklich Talent zum

Schreiben habe. Nur dass er jeden Tag schreiben müsse, das

sei ihm klar. Schreiben sei für ihn wie Atmen. Komatsu

h.rte ihm ruhig zu, ohne sich dazu zu .u.ern.

Tengo wusste nicht, warum, aber Komatsu schien eine

pers.nliche Zuneigung zu ihm entwickelt zu haben.

.u.erlich vermittelte Tengo den Eindruck eines kr.ftigen

Bauernburschen (er war von der Mittel- bis zur Oberstufe

im Judo-Team gewesen), der stets in aller Frühe aufstand.

Er trug die Haare kurz, war stets gebr.unt, hatte

Blumenkohlohren und sah weder wie ein junger Literat

noch wie ein Mathematiklehrer aus. All das schien ganz

nach Komatsus Geschmack zu sein. Sobald Tengo etwas

Neues geschrieben hatte, gab er es Komatsu, der es

durchlas und ihm seine Meinung mitteilte. Daraufhin

schrieb Tengo den Text, seinen Ratschl.gen folgend, um.

Und Komatsu gab ihm neue Hinweise, wie ein Trainer, der

die Messlatte immer h.her ansetzt. .In deinem Fall dauert

es vielleicht ein bisschen., sagte Komatsu. .Aber wir haben

ja keine Eile. Sei tapfer und schreib weiter, unentwegt,

jeden Tag. Heb alles Geschriebene sicherheitshalber auf. Es

k.nnte dir vielleicht sp.ter noch von Nutzen sein.. Das

würde er tun, sagte Tengo.

Komatsu vermittelte ihm auch kleinere journalistische

Auftr.ge. Beispielsweise schrieb Tengo anonym für eine

Frauenzeitschrift, die Komatsus Verlag ebenfalls herausgab.

Beitr.ge umschreiben, einfache Besprechungen von Filmen

oder Neuerscheinungen bis hin zu Horoskopen, alles ging

ihm leicht von der Hand. Er erwarb sich sogar den Ruf, mit

seinen Horoskopen h.ufig richtigzuliegen. Als er einmal

vor .Erdbeben am Morgen. warnte, kam es just an diesem

Morgen tats.chlich zu einem st.rkeren Beben. Das

zus.tzliche Einkommen, das ihm diese Auftragsarbeiten

einbrachten, kam ihm zupass, und zugleich waren sie eine

gute übung. Es beglückte ihn, etwas, das er geschrieben

hatte, in welcher Form auch immer gedruckt und in

Buchl.den aufgereiht zu sehen.

Bald beteiligte man Tengo auch an der Vorauswahl der

für den Debütpreis eingesandten Manuskripte. Es war zwar

etwas seltsam, dass er die Manuskripte anderer Kandidaten

begutachtete, w.hrend er sich selbst auch um den Preis

bewarb. Aber Tengo nahm sich dieser Texte unparteiisch

an, ohne sich um diese Widersprüchlichkeit zu kümmern.

Dadurch, dass er bergeweise schlechte und langweilige

Romane las, lernte er gründlich, was schlechte und

langweilige Romane waren. Aus den etwa hundert Werken,

die er jedes Mal zu lesen bekam, w.hlte er ungef.hr zehn

aus, die ihm nicht ganz unbedeutend erschienen, und

reichte sie an Komatsu weiter. Jedem davon legte er ein

Memo mit seinen überlegungen bei. Fünf kamen in die

Endauswahl, und eine vierk.pfige Jury kürte schlie.lich

den Preistr.ger.

Neben Tengo gab es noch andere Honorarkr.fte, die

lasen, und neben Komatsu noch eine Anzahl weiterer

Redakteure, die die Vorauswahl trafen. Es wurde

Objektivit.t erwartet, aber allzu viel Mühe musste man sich

nicht machen. Denn von den zahlreichen Einsendungen

gaben h.chstens zwei oder drei Anlass zu gewissen

Hoffnungen, und diese waren kaum zu übersehen, ganz

gleich, wer sie las. Dreimal schaffte es Tengo in die

Auswahl. Natürlich hatte er sich nicht selbst gew.hlt,

sondern zwei der anderen Aushilfsleser sowie Komatsus

Redaktion hatten für ihn gestimmt. Keine von Tengos

Arbeiten erhielt den Preis, aber er war nicht entt.uscht.

Zum einen hatte sich ihm Komatsus Bemerkung, er k.nne

sich ruhig Zeit lassen, eingepr.gt, au.erdem lag ihm auch

nicht sonderlich viel daran, sofort und auf der Stelle

Schriftsteller zu werden.

Wenn sein Stundenplan geregelt verlief, konnte er vier

Tage in der Woche zu Hause tun und lassen, was ihm

gefiel. Seit sieben Jahren lehrte er nun an der gleichen

Yobiko und hatte einen sehr guten Ruf bei den Schülern.

Sein Unterrichtsstil war sachlich, und er besa. die

F.higkeit, jede Frage pr.zise zu beantworten, ohne

weitschweifig zu werden. Zu Tengos eigener überraschung

besa. er Talent zum Reden. Er konnte gut erkl.ren, hatte

eine tragende Stimme, und oft gelang es ihm, mit einem

Scherz die ganze Klasse zum Lachen zu bringen. Bevor er

Lehrer geworden war, hatte er sich immer für einen

schlechten Redner gehalten. Selbst jetzt noch war er

manchmal aufgeregt und stockte, wenn er vor Leuten

sprechen musste. Kam er in eine kleine Gruppe, nahm er

fast ausschlie.lich die Rolle eines Zuh.rers ein. Aber wenn

er unterrichtete und vor einer anonymen Zuh.rerschaft

stand, wurde sein Kopf pl.tzlich klar, und er konnte frei

und beliebig lange sprechen. Der Mensch ist ein

r.tselhaftes Wesen, dachte er immer wieder.

Mit seinem Honorar war er keineswegs unzufrieden. Man

konnte nicht sagen, dass es überm..ig viel war, aber die

Schule zahlte nach Leistung. Zu bestimmten Zeiten fanden

Bewertungen der Lehrer durch die Schüler statt, und wenn

die Einsch.tzung gut ausfiel, erh.hte sich die Bezahlung

entsprechend. Andernfalls, so befürchtete man, k.nnten

besonders gute Lehrkr.fte von anderen Schulen

abgeworben werden (und tats.chlich war es bereits zu

Headhunting gekommen). An gew.hnlichen Regelschulen

gab es dieses System nicht. Bezahlt wurde dort nach Alter,

die Vorgesetzten kontrollierten das Privatleben, und weder

Leistung noch Beliebtheit oder solche Dinge waren von

Bedeutung. An der Yobiko zu unterrichten machte Tengo

Spa.. Die Mehrzahl der Schüler hatte ein klar umrissenes

Ziel, n.mlich die Aufnahmeprüfung für eine Universit.t zu

bestehen, und entsprechend konzentriert folgten sie seinen

Ausführungen. Au.er dem Unterricht vor der Klasse hatte

der Lehrer keine Pflichten. Es kam Tengo sehr entgegen,

sich nicht mit l.stigen Problemen wie Fehlverhalten und

Verst..en gegen die Schulordnung seitens der Schüler

abgeben zu müssen. Er brauchte nur am Pult zu stehen und

ihnen beizubringen, wie man bestimmte mathematische

Aufgaben l.ste. Und was den rein ideellen Umgang mit

Zahlen betraf, war Tengo ein Naturtalent.

An seinen freien Tagen stand er früh auf und schrieb

meist bis abends. Er benutzte einen Montblanc-

Füllfederhalter mit blauer Tinte und 400-Zeichen-

Manuskriptpapier. Das allein schon verschaffte Tengo ein

Gefühl der Befriedigung. Einmal in der Woche besuchte ihn

seine verheiratete Freundin in seiner Wohnung, und er

verbrachte den Nachmittag mit ihr. Eine sexuelle

Beziehung mit einer zehn Jahre .lteren Frau zu haben war

sehr bequem und beinhaltete keine Verpflichtungen.

Nachmittags machte er lange Spazierg.nge, und nach

Sonnenuntergang las er und h.rte Musik dabei. Er sah nie

fern. Wenn der Kassierer von NHK kam, um die Gebühren

einzusammeln, wies er ihn h.flich ab. Es tut mir leid, aber

ich habe keinen Fernsehapparat. Wirklich nicht. Sie

k.nnen reinkommen und nachsehen.

Doch nie betrat einer seine Wohnung. Denn das ist den

Gebühreneinsammlern gar nicht gestattet.

.Das, was ich mir überlegt habe, ist ein gr..eres Kaliber.,

sagte Komatsu.

.Ein gr..eres Kaliber?.

.Womit ich nicht sagen will, dass der Debütpreis

Kleinkram ist, aber das, was ich vorhabe, hat ein anderes

Format..

Tengo schwieg. Er konnte sich nicht vorstellen, was es

war. Aber er spürte, dass es um etwas Riskantes ging.

.Der Akutagawa-Preis., sagte Komatsu nach einer Pause.

.Der Akutagawa-Preis., wiederholte Tengo, als habe

Komatsu das Wort riesengro. mit einem Stock in nassen

Sand geschrieben.

.Ja, den kennt doch wohl auch mein etwas weltfremder

Tengo. Steht gro. in der Zeitung und wird in den

Fernsehnachrichten gebracht..

.Ich kann Ihnen nicht ganz folgen, Herr Komatsu.

Sprechen Sie von Fukaeri?.

.Du hast es erfasst. Wir nehmen .Die Puppe aus Luft..

Sonst haben wir ja nichts, was zur Sensation taugen

würde..

Tengo kaute auf seinen Lippen und versuchte Komatsus

Pl.ne zu durchschauen. .Aber Sie haben doch die ganze

Zeit gesagt, es h.tte keinen Zweck, ein Manuskript in

diesem Zustand vorzuschlagen..

.Ganz recht. Nicht in dem Zustand. Das ist ein klarer

Fall..

Tengo brauchte etwas Zeit zum Nachdenken. .Soll das

hei.en, wir bearbeiten das eingereichte Manuskript?.

.Eine andere M.glichkeit gibt es nicht. Es ist g.ngige

Praxis, dass Redakteure vielversprechende Manuskripte

noch mal überarbeiten lassen. Kommt gar nicht selten vor.

Allerdings wird in unserem Fall nicht die Autorin selbst das

Werk überarbeiten, sondern jemand anderes..

.Jemand anderes?., fragte Tengo, obwohl er die Antwort

schon kannte, noch ehe er die Frage gestellt hatte. Nur um

ganz sicherzugehen.

.Du wirst diese Aufgabe übernehmen., verkündete

Komatsu.

Tengo rang nach passenden Worten, aber er fand keine.

Er seufzte. .Aber Herr Komatsu., wandte er ein. .Bei

diesem Text genügt es nicht, ein paar Korrekturen

vorzunehmen. Wenn man ihn nicht radikal von vorn bis

hinten umschreibt, ergibt er keine Einheit..

.Natürlich schreibst du alles von vorn bis hinten um. Die

Geschichte verwendest du als Gerüst. Auch die stilistische

Atmosph.re sollte so weit wie m.glich erhalten bleiben.

Aber der Text muss vollst.ndig umgeschrieben werden.

Eine Adaption, sozusagen. Du bist für die praktische

Umarbeitung zust.ndig. Und ich gebe das Ganze dann

heraus..

.Ob das gutgeht?., sagte Tengo eher zu sich selbst.

.Wird schon., sagte Komatsu, nahm seinen Teel.ffel und

hielt ihn Tengo vor die Nase. Wie ein Dirigent, der mit dem

Taktstock auf einen Solisten deutet. .Dieses M.dchen

Fukaeri hat etwas Besonderes. Das ist mir bei der Lektüre

von .Die Puppe aus Luft. klar geworden. Sie besitzt eine

au.ergew.hnliche Vorstellungskraft. Aber leider kann ihre

Schreibkompetenz damit nicht Schritt halten. Ihr ganzer

Stil ist v.llig ungeschliffen. Da kannst du etwas tun. Der

Plot ist gut und ergibt sogar einen Sinn. Der Text wirkt nur

grob, ist aber intellektuell feinfühlig. Eine gewisse Dynamik

ist auf jeden Fall auch vorhanden. Allerdings wissen wir im

Gegensatz zu unserer kleinen Fukaeri noch nicht ganz, was

wir schreiben sollen. Denn hin und wieder verliert man den

Faden der Geschichte. Du musst dir über den Kern der

Geschichte klar werden, damit du wei.t, was du schreiben

sollst. Er ist wie ein furchtsames kleines Tier, das sich in

einer tiefen H.hle verkrochen hat und nicht herauskommt.

Du wei.t, dass es sich in der H.hle versteckt h.lt, aber

wenn du es nicht herauslockst, kriegst du es nicht zu

fassen. Damit meine ich, dass du dir etwas Zeit lassen

kannst..

Tengo rutschte ratlos auf seinem Plastikstuhl herum. Er

sagte nichts.

.Die Sache ist ganz einfach., fuhr Komatsu, mit seinem

Teel.ffel wedelnd, fort. .Wir bringen zwei Leute

zusammen und machen einen neuen Autor daraus. Tengo

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