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作者: 当前章节:15379 字 更新时间:2026-6-19 08:06

Regung.

.Soll ich weiterlesen? Oder wollen wir ein anderes Buch

nehmen?., fragte er.

.Ich m.chte mehr über die Giljaken wissen..

.Dann lese ich weiter..

.Kann ich ins Bett., fragte Fukaeri.

.Ja, klar., sagte Tengo.

Also zogen die beiden ins Schlafzimmer um. Fukaeri legte

sich ins Bett, Tengo zog sich einen Stuhl heran und fuhr

fort zu lesen.

.Die Giljaken waschen sich niemals, sodass es sogar den

Ethnographen schwerf.llt, die richtige Farbe ihrer

Gesichter zu bestimmen. Die W.sche wird nicht

gewaschen, und ihre Pelzkleidung und das Schuhwerk

sehen aus, als seien sie einem toten Hund abgezogen

worden. Die Giljaken selbst verbreiten einen schweren,

herben Geruch, und die N.he ihrer Behausungen erkennt

man an einem ekelhaften Gestank nach getrocknetem Fisch

und Fischabf.llen, der manchmal nicht zu ertragen ist.

Neben jeder Jurte steht gew.hnlich eine Trockenkammer,

die bis oben mit halbierten Fischen gefüllt ist, die von

weitem, besonders wenn sie von der Sonne bestrahlt

werden, Korallenketten .hnlich sehen. Neben diesen

Kammern sah Krusenstern eine Menge kleiner Würmer, die

drei Zentimeter hoch die Erde bedeckten..

.Krusenstern..

.Ein früher Forscher, glaube ich. Tschechow war sehr

wissbegierig und hatte alle Bücher gelesen, die bis dahin

über Sachalin geschrieben worden waren..

.Lesen Sie weiter..

.Im Winter ist die Jurte von bei.endem Qualm erfüllt,

der vom Herd kommt, dazu rauchen die Giljaken, ihre

Frauen und sogar die Kinder noch Tabak. über die

Krankheiten und die Sterblichkeit der Giljaken ist nichts

bekannt, aber man muss annehmen, dass diese hygienisch

ungesunde Umgebung nicht ohne sch.dlichen Einfluss auf

ihre Gesundheit bleibt. Vielleicht ist sie schuld am kleinen

Wuchs der Giljaken, der Aufgedunsenheit ihrer Gesichter,

einer gewissen Schlaffheit und Faulheit..

.Die armen Giljaken., sagte Fukaeri.

.über den Charakter der Giljaken .u.ern sich die

Autoren verschieden, aber alle sind sich darin einig, dass

dieses Volk nicht kampflustig ist, keine Streitigkeiten und

Schl.gereien liebt und sich gut mit seinen Nachbarn

vertr.gt. Gegenüber neu angekommenen Menschen waren

sie immer misstrauisch, sie fürchteten für ihre Zukunft,

aber sie begegneten ihnen jedes Mal liebenswürdig, ohne

den kleinsten Protest. Sie logen h.chstens, wenn sie

Sachalin in den düstersten Farben schilderten, um damit

die Ausl.nder von der Insel fernzuhalten. Die Begleiter

Krusensterns umarmten sie, und als L. I. .renk erkrankte,

verbreitete sich diese Nachricht sehr schnell unter den

Giljaken und rief aufrichtige Trauer hervor. Sie lügen nur,

wenn sie Handel treiben oder sich mit einem verd.chtigen

und nach ihrer Meinung gef.hrlichen Menschen

unterhalten, aber bevor sie eine Lüge aussprechen, werfen

sie einander Blicke zu – wie die Kinder. Jede Lüge und

Prahlerei in einer gew.hnlichen, nicht gesch.ftlichen

Angelegenheit ist ihnen widerlich..

.Die guten Giljaken., sagte Fukaeri.

.Wenn die Giljaken Auftr.ge übernehmen, führen sie

diese gewissenhaft aus. Es ist noch nicht vorgekommen,

dass ein Giljake unterwegs die Post weggeworfen oder

fremde Sachen unterschlagen h.tte. Sie sind lebhaft,

gescheit, lustig, ungezwungen und haben in der

Gesellschaft von M.chtigen und Reichen keinerlei

Hemmungen. Sie erkennen keine Macht über sich an, und

es scheint, dass sie nicht einmal die Begriffe .lter und

jünger kennen. Bei den Giljaken wird, wie man sagt und

schreibt, auch innerhalb der Familie das Alter nicht geehrt.

Der Vater denkt nicht daran, dass er .lter als sein Sohn ist,

der Sohn achtet den Vater und lebt, wie er will. Die alte

Mutter hat in der Jurte nicht mehr zu sagen als das

halbwüchsige M.dchen. Bo.niak schreibt, er habe .fter

gesehen, wie der Sohn die eigene Mutter schlug und aus

dem Hause jagte und keiner es wagte, ihm ein Wort zu

sagen. Die m.nnlichen Familienmitglieder sind

untereinander gleich. Wenn man Giljaken mit Wodka

bewirtet, so muss man auch dem allerkleinsten anbieten.

Die Familienangeh.rigen weiblichen Geschlechts sind

gleich rechtlos, sei es die Gro.mutter, die Mutter oder ein

ganz kleines M.dchen. Sie werden wie Haustiere

behandelt, wie ein Gegenstand, den man hinauswerfen,

verkaufen und wie einen Hund mit dem Fu. sto.en kann.

Trotzdem liebkosen die Giljaken zwar ihre Hunde, aber

niemals ihre Frauen. Die Ehe ist eine nichtige

Angelegenheit, sie ist unwichtiger als beispielsweise ein

Trinkgelage und wird ohne religi.se oder abergl.ubische

Br.uche arrangiert. Der Giljak tauscht einen Speer, ein Boot

oder einen Hund gegen ein junges M.dchen ein, nimmt sie

mit in seine Jurte und legt sich mit ihr aufs B.renfell – das

ist alles. Polygamie ist gestattet, sie hat sich aber nicht sehr

durchgesetzt, obwohl es anscheinend mehr Frauen gibt als

M.nner. Die Verachtung der Frau als Gegenstand nimmt

beim Giljaken solche Ausma.e an, dass er in der

Frauenfrage sogar die Sklaverei im wahrsten und

schlimmsten Sinne dieses Wortes nicht anst..ig findet.

Offenbar ist die Frau bei ihnen das gleiche Handelsobjekt

wie Tabak oder Baumwolle. Der schwedische Schriftsteller

Strindberg, ein bekannter Weiberfeind, für den die Frau

nur Sklavin zu sein und den Launen des Mannes zu dienen

hat, ist eigentlich ein Gesinnungsfreund der Giljaken.

Wenn er einmal nach Nordsachalin gekommen w.re,

h.tten sie ihn lange umarmt..

Hier machte Tengo eine Pause, aber Fukaeri schwieg nur,

ohne eine Reaktion zu zeigen. Tengo fuhr fort.

.Sie haben kein Gericht und wissen nicht, was

Rechtsprechung bedeutet. Wie schwer es ihnen f.llt, uns zu

verstehen, sieht man beispielsweise daran, dass sie bis jetzt

nicht ganz die Bestimmung von Wegen verstehen. Sogar

dort, wo schon Wege angelegt sind, wandern sie immer

quer durch die Taiga. Man kann oft sehen, wie sie, ihre

Familien und die Hunde sich im G.nsemarsch mühsam

durch das Moor bewegen, und zwar neben dem Weg..

Fukaeri hatte die Augen geschlossen und atmete ruhig.

Tengo beobachtete eine Weile ihr Gesicht, konnte aber

nicht erkennen, ob sie schlief oder nicht. Er beschloss,

weiterzulesen, und schlug eine andere Seite auf. Vielleicht

würde sie dann noch tiefer schlafen. Au.erdem hatte er

gro.e Lust, Tschechows Text laut vorzulesen.

.An der Mündung der Najba stand früher Fort Nabu.i. Es

wurde 1866 gegründet. Micul fand hier achtzehn Geb.ude,

sowohl bewohnte als auch unbewohnte, eine Kapelle und

ein Proviantmagazin vor. Ein Korrespondent, der 1871 in

Nabu.i weilte, schreibt, hier h.tten sich zwanzig Soldaten

unter dem Kommando eines Junkers aufgehalten. In einer

der Hütten habe ihn eine hübsche, hochgewachsene

Soldatenfrau mit frischen Eiern und schwarzem Brot

bewirtet und habe sich sehr lobend über die hiesige

Lebensweise ausgesprochen und nur beklagt, dass der

Zucker zu teuer sei. Jetzt ist von diesen Hütten keine Spur

mehr da und die hübsche, hochgewachsene Soldatenfrau

kommt einem, blickt man auf die Wüste ringsumher, wie

ein Mythos vor. Ein neues Haus wird hier gebaut, ein

Aufseherhaus oder eine Station, aber das ist alles. Das

Meer, das kalt und glanzlos aussieht, tost, und hohe graue

Wellen stürzen sich auf den Strand, als wollten sie voller

Verzweiflung sagen: .Herrgott, wozu hast du uns

geschaffen?. Da ist nun schon der Gro.e oder Stille Ozean.

An diesem Ufer von Nabu.i h.rt man, wie die Str.flinge auf

der Baustelle mit ihren .xten hantieren, und am jenseitigen

Ufer, dem weit entfernten, kaum vorstellbaren, liegt

Amerika. Zur Linken und zur Rechten sieht man im Nebel

die Sachaliner Vorgebirge … und keine lebendige Seele

ringsum, kein Vogel, keine Fliege, und es dünkt einen

unbegreiflich, für wen die Wellen tosen, wer ihnen hier in

der Nacht zuh.rt, wenn ich fort bin. Hier am Ufer

überkommen einen nicht Gedanken, sondern nur schwere

Grübeleien. Es wird einem unheimlich zumute, und doch

m.chte man ewig so dastehen, auf das eint.nige Wogen

der Wellen schauen und ihrem furchterregenden Tosen

lauschen..

Fukaeri schien nun ganz fest zu schlafen. Wenn er genau

hinh.rte, konnte er ihre ruhigen Atemzüge h.ren. Tengo

schloss das Buch und legte es auf den kleinen Tisch neben

dem Bett. Er stand auf und l.schte das Licht im

Schlafzimmer. Zum Schluss warf er noch einmal einen Blick

auf Fukaeri. Sie lag friedlich auf dem Rücken, die Lippen

aufeinandergepresst. Tengo schloss die Schlafzimmertür

und ging in die Küche.

Aber er war nicht mehr imstande, an seinem eigenen Text

zu arbeiten. Die von Tschechow geschilderte wilde

Küstenlandschaft hatte sich in seinem Kopf festgesetzt.

Tengo konnte das Tosen der Wellen h.ren. Wenn er die

Augen schloss, stand er allein am menschenleeren Strand

des Ochotskischen Meers, ein Gefangener grüblerischer

Gedanken, die er nicht loswurde. Er konnte Tschechows

düstere Stimmung teilen. Es musste eine Art

niederschmetternder Ohnmacht gewesen sein, was er dort

am .u.ersten Rand seiner Welt empfunden hatte. Es war

wohl ein unentrinnbares bitteres Schicksal, ein russischer

Autor des 19. Jahrhunderts zu sein. Je mehr er versuchte,

Russland zu entkommen, desto mehr verleibte dieses Land

sich ihn ein.

Nachdem Tengo sein Weinglas ausgewaschen und sich im

Bad die Z.hne geputzt hatte, schaltete er in der Küche das

Licht aus, legte sich aufs Sofa, deckte sich zu und versuchte

zu schlafen. Er hatte noch immer das Donnern der Wellen

im Ohr. Doch bald schwand sein Bewusstsein, und er sank

in einen tiefen Schlaf.

Als er erwachte, war es halb neun morgens. Fukaeri lag

nicht mehr im Bett. Der Pyjama, den er ihr geliehen hatte,

war zusammengekn.ult und in die Waschmaschine im Bad

geworfen worden. .rmel und Beine waren noch

aufgekrempelt. Auf dem Küchentisch lag ein Zettel, auf

dem mit Kugelschreiber geschrieben stand: .Was ist heute

aus den Giljaken geworden? Ich fahre nach Hause.. Die

kleinen eckigen Schriftzeichen wirkten leicht unnatürlich.

Von oben betrachtet sahen sie aus wie Muscheln, die

jemand an einem Sandstrand gesammelt und

aneinandergelegt hatte. Er faltete das Blatt und legte es in

eine Schublade seines Schreibtisches. Wenn seine

Freundin, die um elf Uhr kommen würde, es f.nde, bek.me

er sicher .rger.

Tengo machte sorgf.ltig das Bett und stellte Tschechows

beschwerliche Reise wieder ins Regal. Dann machte er sich

Kaffee und Toast. W.hrend des Frühstücks merkte er, dass

sich irgendetwas Gewichtiges in seinem Inneren festgesetzt

hatte. Es dauerte eine Zeit lang, bis ihm klar wurde, was es

war. Es war Fukaeris ruhiges, schlafendes Gesicht.

Ob er sich in die junge Frau verliebt hatte? Nein, kann

nicht sein, sagte Tengo zu sich selbst. Es ist nur etwas an

ihr, das hin und wieder eine besondere Schwingung in mir

hervorruft. Aber warum hat mich dann der Pyjama, den sie

getragen hat, so beeindruckt? Warum habe ich ihn (ohne

dass es mir richtig bewusst war) in die Hand genommen

und seinen Geruch eingesogen?

Zu viele Fragen. .Ein Schriftsteller ist kein Mensch, der

Fragen l.st. Er ist ein Mensch, der Fragen aufwirft..

Sicherlich war es Tschechow, der das gesagt hatte. Ein

weiser Spruch, aber Tschechow hatte diese Haltung nicht

nur gegenüber seinem Werk eingenommen, sondern sein

eigenes Leben stets genauso betrachtet. Darin gab es

Fragestellungen, aber L.sungen gab es nicht.

Wohlwissend, dass er unheilbar lungenkrank war (als

Arzt musste er es wissen), bemühte Tschechow sich, diesen

Umstand zu ignorieren, und glaubte nicht, dass es mit ihm

zu Ende ging, bis er wirklich auf dem Totenbett lag. Er

starb noch in jungen Jahren an starkem Lungenbluten.

Kopfschüttelnd stand Tengo vom Tisch auf. Heute würde

seine Freundin kommen. Er musste jetzt waschen und

saubermachen. Nachdenken konnte er sp.ter immer noch.

KAPITEL 21

Aomame

Egal wie weit

Aomame ging in die Stadtteilbibliothek und breitete nach

dem gleichen Prozedere wie beim letzten Mal an einem der

Tische die verkleinerten Ausgaben der Zeitungen aus. Sie

wollte noch ein paar Fakten zu dem Feuergefecht zwischen

Polizei und Extremisten recherchieren, das im Herbst vor

drei Jahren in der Pr.fektur Yamanashi stattgefunden hatte.

Das Hauptquartier dieser Vorreiter, von denen die alte

Dame ihr berichtet hatte, lag ebenfalls in den Bergen von

Yamanashi. Dort wo es die Schie.erei gegeben hatte.

Vielleicht nur ein Zufall. Aber daran glaubte Aomame

nicht. M.glicherweise bestand doch ein Zusammenhang.

Das Feuergefecht hatte sich am 9. Oktober 1981 ereignet

(nach Aomames Rechnung .drei Jahre vor 1Q84.). Als sie

das letzte Mal in der Bücherei die Zeitungsberichte gelesen

hatte, hatte sie bereits eine Menge Einzelheiten über das

Geschehen selbst erfahren. Heute wollte sie sich vor allem

die Artikel ansehen, die an den Tagen danach erschienen

waren und sich der Analyse widmeten.

Beim ersten Schusswechsel waren drei Polizisten von in

China hergestellten automatischen Kalaschnikows get.tet

und zwei mehr oder weniger schwer verletzt worden.

Danach flüchteten die bewaffneten Extremisten in die

Berge, wo es zu einer gro.angelegten Verfolgungsjagd kam.

Eine voll ausgerüstete Luftlandetruppe der

Selbstverteidigungsstreitkr.fte wurde von einem

Hubschrauber am Ort des Geschehens abgesetzt. In der

Folge weigerten sich drei der Extremisten, aufzugeben, und

wurden get.tet, zwei wurden schwer verletzt (der eine

erlag drei Tage sp.ter im Krankenhaus seinen

Verletzungen; was aus dem anderen wurde, war dem

Artikel nicht zu entnehmen), vier unverletzt oder nur leicht

verletzt verhaftet. Da Polizei und Soldaten .u.erst effektive

kugelsichere Westen trugen, gab es unter ihnen keine

weiteren Opfer zu beklagen. Nur ein Beamter stürzte

w.hrend der Verfolgungsjagd von einem Felsen und brach

sich ein Bein. Lediglich einer der Extremisten entkam. Er

blieb trotz ausgedehnter Suche verschwunden.

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