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作者: 当前章节:15394 字 更新时间:2026-6-19 08:06

Als der erste Schock über die Schie.erei sich gelegt hatte,

begannen die Zeitungen ausführlich über die Hintergründe

der militanten Akebono-Gruppe zu berichten. Die

Anh.nger waren sozusagen illegitime Nachfahren der

Studentenrevolten um 1970. Mehr als die H.lfte der

Mitglieder waren an den Vorf.llen im Yasuda-Auditorium

der Universit.t Tokio oder der Besetzung der Japan-

Universit.t beteiligt gewesen. Sie alle waren damals,

nachdem ihre .Festung. durch das überfallkommando

gestürmt worden und gefallen war, von der Universit.t

verwiesen worden. Ein Teil der Studenten und des

Lehrk.rpers meinte mit den politischen Aktivit.ten in der

Stadt, bei denen der Universit.tscampus die zentrale Rolle

spielte, in eine Sackgasse geraten zu sein. Sie schlossen sich

zu einer Gruppe zusammen und gründeten eine

Landkommune in Yamanashi. Anfangs waren sie der

.Takashima-Schule. beigetreten, einer Kommune, die

ebenfalls Landwirtschaft betrieb. Offenbar unzufrieden mit

diesem Leben, organisierten sie sich neu und machten sich

unabh.ngig. Sie richteten ein verlassenes Dorf in den

Bergen wieder her und widmeten sich dort der

Landwirtschaft. Zu Anfang mussten sie ziemlich schuften,

aber bald erlebten organisch angebaute Lebensmittel in

den St.dten einen stillen Boom, und die

Gemüselieferungen der Kommune wurden zu einem guten

Gesch.ft. Im Zuge dieser Entwicklung konnten sie ihre

Felder st.ndig vergr..ern. Die Mitglieder waren ernsthafte,

arbeitsame Menschen, die von ihren Anführern

hervorragend organisiert wurden. Der Name, den die

Kommune sich gegeben hatte, lautete .Die Vorreiter..

Aomame verzog das Gesicht und schluckte schwer. Dabei

entstand ein lautes Ger.usch in ihrer Kehle. Sie klopfte mit

dem Kugelschreiber, den sie in der Hand hielt, auf den

Tisch und las weiter.

W.hrend sich auf der einen Seite die Verwaltung

stabilisierte, kündigte sich auf der anderen allm.hlich eine

Spaltung an. Die Gruppe zerfiel in zwei Fraktionen: in die

extremen .Militanten., die weiter eine revolution.re

Guerilla in übereinstimmung mit marxistischem

Gedankengut anstrebten, und eine vergleichsweise

friedliche Kommune, die faktisch akzeptiert hatte, dass ein

gewaltsamer Umsturz für die gegenw.rtige japanische

Gesellschaft keine realistische Option war. Sie lehnte

materialistisches Denken ab und trachtete nach einem

natur- und erdverbundenen Leben. Im Jahre 1976 schloss

die zahlenm..ig überlegene friedliche Kommune die

Radikalen aus der Gemeinschaft der Vorreiter aus.

Allerdings wurden die Militanten nicht mit Gewalt

ausgesto.en. Der Presse zufolge hatten die Friedlichen

ihnen neues Land und eine gewisse Menge an Kapital

angeboten, sozusagen eine Art Abfindung. Die Radikalen

nahmen an und gründeten auf dem Grund und Boden, den

sie als Entsch.digung erhalten hatten, eine eigene

Kommune, die Gruppe Akebono, die eines Tages offenbar

begonnen hatte, sich schwer zu bewaffnen. Aufkl.rung

über den Inhalt der Vereinbarungen und die H.he der

Abfindung erhoffte man sich durch eine soeben

stattfindende Untersuchung.

Weder die Beh.rden noch die Presse schienen Kenntnis

davon zu haben, wann die Vorreiter die Wende zur

religi.sen Vereinigung vollzogen hatten und was der Anlass

dafür gewesen war. Doch etwa um die Zeit, als die

Landkommune sich so mühelos der Militanten entledigt

hatte, schien ihre religi.se Tendenz sich vertieft zu haben,

und im Jahr 1979 gelang es den Vorreitern, als religi.se

Gemeinschaft anerkannt zu werden. Nach und nach

kauften sie immer mehr Land in der Umgebung auf und

vergr..erten so ihren Grundbesitz und ihre Anlagen.

Schlie.lich zogen sie einen hohen Zaun um ihr Gel.nde,

das Au.enstehende fortan nicht mehr betreten durften.

Besucher würden die asketischen übungen st.ren, lautete

die Begründung. Woher das Kapital für all das kam und

warum die offizielle Anerkennung als religi.se

Gemeinschaft so rasch vonstatten ging, war ungekl.rt.

Die Radikalen richteten ihre Anstrengungen nun neben

der Landwirtschaft auf eine geheime Kampfausbildung.

Dadurch kam es zu Konflikten zwischen ihnen und den

benachbarten Bauern, so auch um die Nutzungsrechte

eines kleinen Baches, der durch das Land der Akebono-

Gruppe floss. Dieser Bach war von jeher gemeinsam zur

Bew.sserung der umliegenden Felder genutzt worden, doch

nun verweigerte Akebono den Nachbarn jeden Zutritt zu

ihrem Gel.nde. Der Streit zog sich über einige Jahre hin,

und es kam so weit, dass Anwohner, die gegen die Z.une

geklagt hatten, von Akebono-Mitgliedern

zusammengeschlagen wurden. Infolge der Anzeige wegen

K.rperverletzung war die Pr.fekturpolizei von Yamanashi

mit einem Durchsuchungsbefehl bei Akebono vorgefahren,

um ein Verh.r durchzuführen. Dabei kam es unerwartet zu

dem besagten Schusswechsel.

Als die Akebono-Gruppe am Ende der bewaffneten

Auseinandersetzung praktisch zerschlagen war, gaben die

Vorreiter unverzüglich eine offizielle Stellungnahme

heraus. Auf einer Pressekonferenz verlas ein

gutaussehender, korrekt gekleideter junger Sprecher der

Sekte eine eindeutige Erkl.rung: Beziehungen zwischen

Akebono und den Vorreitern, wie es sie in der

Vergangenheit vielleicht gegeben hatte, bestünden zum

gegenw.rtigen Zeitpunkt in keiner Weise. Nach ihrer

Trennung habe es au.er gesch.ftlich bedingten Kontakten

keinen Austausch mehr gegeben. Die Vorreiter

bezeichneten sich als landwirtschaftliche Kooperative, die

unter Einhaltung aller Gesetze eine friedliche spirituelle

Welt anstrebe. Daher sei man auch zu dem Entschluss

gelangt, mit den Mitgliedern der Gruppe Akebono, die

extremistische revolution.re Ideen verfolgten, nicht l.nger

gemeinsam agieren zu k.nnen, und habe sich friedlich von

ihnen getrennt. Danach h.tten die Vorreiter die

Anerkennung als religi.se Gemeinschaft erhalten. Man

bedaure den blutigen Zwischenfall, den Akebono

verursacht habe, zutiefst und spreche den betroffenen

Polizeibeamten und ihren Familien das tiefempfundene

Mitgefühl der ganzen Gemeinschaft aus. Die religi.s

orientierte Vereinigung der Vorreiter sei in keiner Form an

den bewussten Vorf.llen beteiligt gewesen. Man wolle

jedoch nicht leugnen, dass die Akebono-Gruppe aus den

Vorreitern hervorgegangen sei. Solle in diesem

Zusammenhang eine beh.rdliche Untersuchung notwendig

sein, würden die Vorreiter dies von sich aus unterstützen,

um unn.tigen Missverst.ndnissen vorzubeugen. Die

Gemeinschaft sei eine gegenüber der .ffentlichkeit

aufgeschlossene, legale Vereinigung und habe nichts, aber

auch gar nichts zu verbergen. Sollte die Bekanntgabe

bestimmter Informationen erforderlich sein, wolle man

dem, wenn auch in gewissen Grenzen, entsprechen.

Wie als Reaktion auf diese Erkl.rung tauchte einige Tage

sp.ter die Pr.fekturpolizei von Yamanashi mit einem

Durchsuchungsbefehl bei den Vorreitern auf und

durchst.berte einen Tag lang die weitere Umgebung, das

Innere der Einrichtungen und alle Arten von Dokumenten.

Mehrere führende Mitglieder der Sekte wurden verh.rt.

Die ermittelnden Beh.rden argw.hnten immer noch,

dass die beiden Gruppen sich zwar nach au.en hin

getrennt hatten, der Verkehr zwischen ihnen jedoch

fortbestanden habe und die Vorreiter verdeckt an den

Aktivit.ten von Akebono beteiligt gewesen seien. Doch

dafür fand sich nicht ein einziger Beweis. Viele Mitglieder

der Vorreiter gaben sich in h.lzernen Meditationsklausen,

die die Pfade durch ein hübsches W.ldchen s.umten, in

schlichter einheitlicher Kleidung Meditation und

Askeseübungen hin. Andere verrichteten Feldarbeit. Alle

Maschinen und Ger.tschaften waren gut gepflegt. Die

Polizei konnte nichts Waffen.hnliches entdecken und

begegnete auch keinerlei Anzeichen von Gewalt. Alles war

sauber und ordentlich. Es gab eine hübsche kleine

Speisehalle, Unterkünfte und auch eine einfache (aber

funktionelle) Sanit.tsstation, die die medizinische

Versorgung gew.hrleistete. Die einst.ckige Bibliothek

beherbergte zahlreiche buddhistische Sutren und andere

Schriften. In ihr forschten Gelehrte und fertigten

übersetzungen an. Alles in allem erweckte das Ganze

weniger den Anschein einer religi.sen Einrichtung als den

einer kleinen, aber feinen Privatuniversit.t. Entt.uscht und

mit leeren H.nden zog die Polizei ab.

Einige Tage sp.ter lud die Sekte Zeitungs- und

Fernsehreporter ein, die im Gro.en und Ganzen das

Gleiche zu sehen bekamen, was die Polizei schon gesehen

hatte. Die Journalisten mussten nicht, wie h.ufig in solchen

F.llen, einem vorgeschriebenen Rundgang folgen, sondern

durften unbegleitet und frei auf dem Gel.nde herumlaufen,

mit jedem sprechen und darüber schreiben. Allerdings

wurde, um die Privatsph.re der Mitglieder zu schützen,

eine Vereinbarung getroffen, nach der die Medien nur von

der Gruppe genehmigtes Foto- und Filmmaterial

verwenden durften. In ihrer .Versammlungshalle.

beantworteten einige leitende Mitglieder in typisch

schlichter Kleidung die Fragen der Reporter und

erl.uterten die Entstehung ihres Glaubens, seine Lehre und

die Führungsprinzipien der Gemeinschaft. Ihre Sprache war

h.flich und offen, ohne den geringsten Anflug von

Propaganda, wie sie religi.se Gruppen oft verwenden. Die

M.nner wirkten nicht wie Oberh.upter einer religi.sen

Vereinigung, sondern eher wie leitende, auf Pr.sentationen

spezialisierte Angestellte einer Werbeagentur. Sie waren

nur anders gekleidet.

Wir haben keine eindeutige Lehre, erkl.rten sie. Wir

brauchen keine verschlüsselten Handbücher. Das, worum

es uns hier geht, ist die Erforschung des ursprünglichen

Buddhismus und die Ausübung seiner Lehren. Unser Ziel

ist es, durch konkrete Praxis ein religi.ses Erwachen zu

erreichen, das eher frei flie.end als schriftgetreu vor sich

geht. Man k.nnte sagen, dass das individuelle spontane

Erwachen Einzelner kollektiv in unsere Lehre mündet und

sie erschafft. Bei uns steht nicht die Lehre am Anfang, der

die Erleuchtung folgt, sondern die Lehre, die unsere Regeln

bestimmt, ergibt sich auf natürliche und ursprüngliche

Weise erst aus der individuellen Bewusstwerdung. Das ist

unser Grundprinzip. In dieser Hinsicht unterscheidet sich

unsere Entwicklung sehr stark von jener der etablierten

Religionen.

Was die finanzielle Seite betrifft, sind wir, wie die meisten

religi.sen Gemeinschaften, teilweise abh.ngig von den

freiwilligen Spenden unserer Mitglieder. Letztlich haben

wir uns jedoch das Ziel gesetzt, ein einfaches, autarkes

Leben aufzubauen, in dessen Mittelpunkt die

Landwirtschaft steht, ohne uns auf Spenden zu stützen.

Wir begnügen uns bewusst mit dem, was wir haben.

K.rperliche Reinigung und geistige Schulung verhelfen uns

zu seelischem Frieden. Immer mehr Menschen, die den

Materialismus als hohl erkannt haben und nach anderen,

profunderen Leitlinien suchen, klopfen ans Tor unserer

Gemeinschaft. Nicht wenige von ihnen verfügen über eine

h.here Bildung, sind Spezialisten in ihrem Berufsfeld und

genie.en gesellschaftliche Anerkennung. Von den

sogenannten Neuen Religionen grenzen wir uns ab. Wir

sind keine Fast-Food-Sekte, die auf die weltlichen Sorgen

der Menschen eingeht und auf einem Helfermodell basiert.

Unsere Pl.ne gehen nicht in diese Richtung. Natürlich ist

die Unterstützung von Schwachen eine wichtige

Angelegenheit, aber unsere Einrichtung sollte man sich

eher als eine religi.se .weiterführende Universit.t.

vorstellen, die Menschen mit hohem Bewusstseinsstand,

die sich selbst helfen wollen, einen geeigneten Platz und

angemessene Unterstützung bietet.

Zu einem gewissen Zeitpunkt haben sich zwischen den

Mitgliedern von Akebono und uns

Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich unserer

Verwaltungsprinzipien ergeben. Eine Konfrontation war

unvermeidlich. Doch am Schluss unserer

Auseinandersetzung gelangten wir zu einer friedlichen

übereinkunft. Unsere Wege trennten sich, und jeder ging

seinen eigenen. Sie verfolgten weiter puristisch und

kompromisslos ihre Ideale, wie es ihre Art war; dennoch ist

die Katastrophe, zur der es schlie.lich gekommen ist, nur

als tragisch zu bezeichnen. Die Hauptursache ist wohl

darin zu sehen, dass sie zu dogmatisch wurden und den

Kontakt zur realen Gesellschaft verloren. Tief betroffen

haben wir dadurch erkannt, dass auch wir uns kritischer

beurteilen müssen und zugleich weiterhin nach au.en hin

offen sein müssen. Probleme lassen sich nie mit Gewalt

l.sen. Wir sind keine Gruppe, die anderen ihre Religion

aufzwingt. Wir bitten Sie, uns das zu glauben. Wir werben

weder Mitglieder, noch greifen wir andere Religionen an.

Was wir tun, ist, Menschen auf der Suche nach spiritueller

Bewusstwerdung eine angemessene, funktionierende

Gemeinschaft zu bieten.

Die Presseleute traten mit einem insgesamt positiven

Eindruck den Heimweg an. Ausnahmslos alle Mitglieder

der Vorreiter – M.nner wie Frauen – waren schlank,

verh.ltnism..ig jung (vereinzelt waren auch .ltere

Personen zu sehen gewesen) und hatten sch.ne klare

Augen. Sie drückten sich h.flich aus und hatten gute

Manieren. Im Allgemeinen wollten sie nicht über ihre

Vergangenheit sprechen, aber die meisten schienen

tats.chlich eine h.here Bildung genossen zu haben. Das

Mittagessen, zu dem man die Journalisten eingeladen hatte,

war zwar einfach, an sich aber sehr schmackhaft gewesen,

da es aus frisch geernteten Zutaten von den Feldern der

Gruppe zubereitet worden war.

So erkl.rten die meisten Medien die revolution.re

Splittergruppe Akebono zu einem .Auswuchs., den die in

erster Linie geistigen Werten zugewandten Vorreiter hatten

absto.en müssen. Im Japan der achtziger Jahre galten

revolution.re marxistische Ideale bereits als altbacken und

verstaubt. Die jungen Leute, die noch um 1970 die Politik

radikal ver.ndern wollten, waren nun in allen m.glichen

Unternehmen besch.ftigt und k.mpften auf den

Schlachtfeldern der Marktwirtschaft an vorderster Front.

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