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作者: 当前章节:15405 字 更新时间:2026-6-19 08:06

Oder sie hatten sich aus dem Getümmel und dem

Konkurrenzkampf der real existierenden Gesellschaft

zurückgezogen und trachteten irgendwo nach individueller

Selbstverwirklichung. Jedenfalls hatte sich der Zeitgeist

v.llig ge.ndert, und die Hochsaison des politischen

Engagements lag in ferner Vergangenheit. Der Fall

Akebono, so blutig und tragisch er auch endete, war

langfristig nicht mehr als eine unerwartete und

unzeitgem..e Episode, in der ein Gespenst aus der

Vergangenheit sich noch einmal erhob. Bedeutung kam ihr

nur als letztem Akt einer Epoche zu. Akebono hatte keine

Zukunft. So der allgemeine Tenor der Presse. Die Vorreiter

hingegen pries man als vielversprechende Alternative für

eine neue Zeit.

Aomame legte den Kugelschreiber ab und atmete tief

durch. Vor sich sah sie Tsubasas ausdruckslose Augen,

denen jede Tiefe fehlte. Sie hatten sie nur blicklos

angeschaut. In ihnen hatte etwas Entscheidendes gefehlt.

Das ist alles nicht so einfach, dachte Aomame. In

Wahrheit waren die Vorreiter keine solchen Sauberm.nner,

wie es in den Zeitungen stand. Sie hatten eine verborgene

dunkle Seite. Der alten Dame zufolge vergewaltigte der

Mann, der sich .Leader. nannte, kleine M.dchen, die zehn

oder noch nicht mal zehn Jahre alt waren, und deklarierte

das als religi.sen Akt. Davon wussten die Presseleute

nichts. Sie hatten sich nur einen halben Tag auf dem

Gel.nde aufgehalten. Man hatte sie durch gepflegte

Anlagen geführt, zu einem Mittagessen aus frischen

Zutaten eingeladen, mit einem sch.nen Vortrag über

geistige Bewusstwerdung bedacht, und anschlie.end waren

sie hochbefriedigt nach Hause gefahren. Was sich

innerhalb der Sekte tats.chlich abspielte, war von ihrem

Blick nicht einmal gestreift worden.

Aomame verlie. die Bibliothek, ging in ein Café und

bestellte eine Tasse Kaffee. Von dem Telefon dort rief sie

Ayumis Dienststelle an. Es war eine Nummer, unter der sie

Ayumi, wie diese gesagt hatte, immer anrufen k.nne. Einer

ihrer Kollegen hob ab und sagte, dass sie auf Streife sei,

aber in ungef.hr zwei Stunden aufs Revier zurückkommen

werde. Ohne ihren Namen zu nennen, sagte Aomame, sie

werde sich noch einmal melden.

Sie ging in ihre Wohnung, und zwei Stunden sp.ter

w.hlte sie die Nummer noch einmal. Ayumi war gleich am

Apparat.

.Hallo, Aomame. Wie geht’s dir?.

.Gut, gut. Und dir?.

.Auch gut. Abgesehen vom M.nnermangel. Und du?.

.Gleiche Situation., sagte Aomame.

.Also wirklich., sagte Ayumi. .Mit dieser Welt stimmt

doch was nicht. Zwei hinrei.ende junge Frauen wie wir

wissen nicht, wohin mit ihrem gewaltigen gesunden

sexuellen Appetit. Dagegen müssen wir was tun..

.Du hast ja recht – aber trotzdem brauchst du das nicht

so herumzuschreien. Du bist doch im Dienst. Sind da keine

Leute in der N.he?.

.Geht schon in Ordnung. Ich kann reden., erwiderte

Ayumi.

.Ich h.tte da eine Bitte an dich. Aber nur wenn es dir

nichts ausmacht. Mir f.llt sonst niemand ein, den ich

fragen k.nnte..

.Klar. Ich wei. nicht, ob ich dir helfen kann, aber worum

geht’s denn?.

.Kennst du diese Sekte, die Vorreiter nennen sie sich? Sie

haben ihr Hauptquartier in Yamanashi..

.Die Vorreiter, hm.. Ayumi dachte nach. Etwa zehn

Sekunden sp.ter fiel es ihr ein. .Ah, ich glaube, ich

erinnere mich. Das ist doch diese religi.se Kommune, zu

der früher die militanten Akebono geh.rt haben. Die mit

der Schie.erei in Yamanashi. Drei Polizisten von der

Pr.fekturpolizei wurden dabei get.tet. Schlimm. Aber die

Vorreiter hatten mit der Sache nichts zu tun. Nach dem

Vorfall haben sie bei denen alles durchsucht, aber sie waren

sauber. Und?.

.Ich m.chte wissen, ob es nach dieser Schie.erei noch

irgendwelche Vorf.lle bei den Vorreitern gegeben hat.

Straf- oder zivilrechtliche Anzeigen. Aber ich wei. nicht,

wie man so was als gew.hnliche Bürgerin herausbekommt.

Die Zeitungen habe ich schon restlos durchgeschaut. Aber

vielleicht kann man, wenn man bei der Polizei ist,

irgendwie noch etwas über die n.heren Umst.nde

herausbekommen?.

.Ich wünschte, ich k.nnte sagen: Nichts leichter als das.

Ich brauche nur mal im Computer nachzuschauen … Aber

leider ist das Computerwesen bei der japanischen Polizei

nicht besonders weit fortgeschritten. Bis zur praktischen

Einführung werden wohl noch Jahre vergehen. Also muss

ich bei der Pr.fekturpolizei von Yamanashi nachfragen und

sie bitten, mir per Post Kopien der entsprechenden Akten

zu schicken. Dazu müsste ich zun.chst mit Genehmigung

eines Vorgesetzten einen schriftlichen Antrag auf

Materialeinsicht stellen. Natürlich mit einer stichhaltigen

Begründung. Denn schlie.lich sind wir vor allem eine

Beh.rde und bekommen unser Gehalt dafür, dass wir alles

ein wenig komplizierter machen als n.tig..

.Verstehe., sagte Aomame und seufzte. .Damit hat sich

das erledigt..

.Aber warum m.chtest du das wissen? Ist jemand, den du

kennst, in etwas mit den Vorreitern verwickelt?.

Aomame z.gerte, entschied sich jedoch, die Wahrheit zu

sagen. .So was .hnliches. Nach jetzigem Stand kann ich

noch nichts Genaues sagen, aber es geht um die

Vergewaltigung von minderj.hrigen M.dchen. Ich habe

Informationen, dass dort unter dem Deckmantel der

Religion solche Dinge passieren..

Sie spürte f.rmlich durch den H.rer, wie Ayumi die

Brauen zusammenzog. .Aha. Vergewaltigung von kleinen

M.dchen. Das kann man nicht zulassen..

.Natürlich nicht., sagte Aomame.

.Wie alt sind die M.dchen ungef.hr?.

.Zehn oder jünger. Auf alle F.lle noch vor der ersten

Periode..

Ayumi schwieg einen Moment lang ins Telefon. .Ich

verstehe., sagte sie dann tonlos. .In diesem Fall werde ich

mir etwas überlegen. Gibst du mir zwei oder drei Tage

Zeit?.

.In Ordnung. Setzt du dich mit mir in Verbindung, wenn

du was hast?.

Nachdem sie noch eine Weile über weniger altruistische

Dinge gesprochen hatten, sagte Ayumi, sie müsse wieder an

die Arbeit.

Als sie aufgelegt hatte, setzte sich Aomame in den

Lesesessel am Fenster und betrachtete ihre rechte Hand.

Lange schlanke Finger und kurzgeschnittene N.gel. Sie

waren gepflegt, aber nicht lackiert. In die Betrachtung ihrer

Hand versunken, überkam Aomame für einen Moment die

starke Vorstellung, selbst nur ein sehr flüchtiges,

machtloses Wesen zu sein. Nicht einmal die Form eines

einzigen ihrer N.gel hatte sie selbst bestimmt.

Irgendjemand hatte eigenm.chtig darüber entschieden,

und sie hatte es widerspruchslos akzeptiert. Das war es. Ob

es ihr gefiel oder nicht. Wer hatte wohl bestimmt, dass ihre

N.gel genau diese Form hatten?

Neulich hatte sie von der alten Dame erfahren, dass ihre

Eltern noch immer überzeugte Zeugen Jehovas seien. Also

gingen sie wohl weiterhin ihrer Missionsarbeit nach.

Aomame hatte einen vier Jahre .lteren Bruder. Einen

gehorsamen .lteren Bruder. Im Gegensatz zu ihr, die ihrem

Elternhaus entschlossen den Rücken gekehrt hatte, war er

geblieben und lebte nach den Geboten seines Glaubens.

Wie es ihm wohl ging? Aber im Grunde interessierte es

Aomame nicht sehr, wie es ihrer Familie inzwischen

ergangen war. Sie geh.rte zu einem Teil ihres Lebens, der

für sie l.ngst abgeschlossen war.

Sie hatte sich lange bemüht, alles zu vergessen, was vor

ihrem zehnten Lebensjahr geschehen war. Für sie hatte das

Leben erst danach wirklich begonnen. Alles davor war nicht

mehr als ein schlechter Traum. Sie hatte immer versucht,

die Erinnerung daran zu verbannen, aber sosehr sie sich

auch darum bemühte, sie wurde bei jeder Kleinigkeit in

diesen b.sen Traum zurückgezogen. Alles, was sie tat,

schien seine Wurzeln in seinem dunklen Boden zu haben

und sich daraus zu n.hren. Ganz gleich, wie weit fort sie

ging, am Ende musste sie stets zurückkehren.

.Ich muss diesen .Leader. ins Jenseits bef.rdern.,

beschloss Aomame. .Auch für mich selbst..

Drei Tage sp.ter erhielt sie einen Anruf von Ayumi.

.Ich habe jetzt ein paar Fakten., sagte sie.

.über die Vorreiter, ja?.

.Ja. Ich habe hin und her überlegt, und dabei ist mir

eingefallen, dass einer, mit dem ich zusammen angefangen

habe, mir mal erz.hlt hat, sein Onkel sei bei der

Pr.fekturpolizei von Yamanashi. Er hat sogar einen

ziemlich hohen Posten. Ich habe gesagt, eine jüngere

Verwandte von uns sei in die Sekte eingetreten. Um

Unannehmlichkeiten zu vermeiden, würde ich Infos über

die Vorreiter sammeln. Dann habe ich noch ein bisschen

gebettelt, und es hat geklappt..

.Ich bin dir sehr dankbar., sagte Aomame.

.Also hat der Kollege seinen Onkel in Yamanashi

angerufen und ihm die Lage geschildert, und der Onkel hat

mich an den zust.ndigen Beamten weitergereicht, der die

Ermittlungen über die Vorreiter geleitet hat. So konnte ich

direkt mit ihm am Telefon sprechen..

.Unglaublich!.

.Wir haben ziemlich lange geredet, und ich habe eine

Menge über die Vorreiter erfahren. Was in den Zeitungen

gestanden hat, wei.t du ja schon. Ich erz.hle dir mal das,

was nicht allgemein bekannt ist. In Ordnung?.

.Ja, klar..

.Also, erstens haben die Vorreiter inzwischen immer

wieder juristische Probleme bekommen. Es liegen mehrere

zivilrechtliche Klagen gegen sie vor. Bei fast allen geht es

um Gesch.fte mit Land. Sie scheinen über gro.e Mengen

Kapital zu verfügen und kaufen jedes Stückchen Grund und

Boden in der Umgebung auf. Natürlich ist es auf dem Land

billig, aber trotzdem. In vielen F.llen sind sie auch ziemlich

massiv aufgetreten. Jedenfalls kaufen sie auch als

Schattenfirmen, hinter denen man die Sekte nicht erkennt,

überall Immobilien auf. Dies führt immer wieder zu

Schwierigkeiten mit Landbesitzern und Kommunen. Es ist

wie Bodenspekulation. Aber bisher hat es nur Zivilklagen

gegeben, die Polizei war nie beteiligt. Ein paar Mal war es

kurz davor, aber dann passierte doch nichts. Vielleicht

waren Politiker darin verwickelt. An denen vergreift sich

die Polizei nicht gern. H.tte die Sache sich ausgeweitet und

die Staatsanwaltschaft w.re eingeschaltet worden, w.re es

etwas anderes..

.Die Vorreiter sind also, was ihre wirtschaftlichen

Aktivit.ten angeht, nicht so sauber, wie sie tun..

.Inwieweit die einfachen Anh.nger Kenntnis davon

haben, wei. ich nicht, aber wenn man die Grundbuchakten

anschaut, ist klar, dass die Führung nicht sauber ist. Auch

bei sehr wohlwollender Betrachtung ist es schwer zu

glauben, dass sie das Geld allein für die Suche nach reiner

Spiritualit.t verwenden. Au.erdem beschr.nken sich ihre

Umtriebe nicht auf Yamanashi, sie kaufen auch

Grundstücke und Immobilien im Zentrum von Tokio und

Osaka. Alles in erstklassiger Lage. Shibuya, Minami-

Aoyama, Shoto … Als h.tte diese Sekte irgendeinen

landesweiten Wachstumsplan im Blickfeld. Falls sie nicht

einfach nur versuchen, ins Immobiliengesch.ft

überzuwechseln..

.Warum muss eine religi.se Gemeinschaft, die das Ziel

hat, in der Natur zu leben und reine strenge Askese zu

üben, in Stadtzentren vordringen?.

.Und woher kommen eigentlich die hübschen runden

Summen dafür?., sagte Ayumi zweifelnd. .Nur mit dem

Verkauf von Rettichen und Karotten kann man solche

Mengen an Kapital nicht anh.ufen..

.Sie pressen ihren Mitgliedern Spenden ab..

.Schon, aber ich glaube nicht, dass da so viel

zusammenkommt. Ganz bestimmt gibt es irgendwo noch

eine andere Geldquelle. Ich habe auch noch eine andere

Information bekommen, die ich ziemlich

besorgniserregend finde. Sie wird dich wahrscheinlich

interessieren. Bei den Vorreitern gibt es eine ganze Menge

Familien mit Kindern, die eigentlich auf die .rtliche

Grundschule gehen sollten. Aber die meisten von ihnen

bleiben nach einer Weile einfach weg. Die Grundschule

besteht prinzipiell auf einer Teilnahme am Unterricht, es

gibt ja so etwas wie Schulpflicht. Aber die Vorreiter

reagieren einfach mit der Behauptung, einige der Kinder

wollten auf keinen Fall die Schule besuchen. Das sei jedoch

kein Grund zur Sorge, denn die Gruppe würde sich selbst

um die schulische Ausbildung kümmern..

Aomame dachte an ihre eigene Schulzeit. Sie konnte die

Abneigung der Sektenkinder gegen die .ffentliche Schule

gut verstehen. Dort waren sie sowieso nur Au.enseiter, die

schikaniert oder bestenfalls ignoriert wurden.

.Sie fühlen sich wahrscheinlich nicht wohl in der Schule.,

sagte Aomame. .Au.erdem ist es ja nicht besonders selten,

dass Kinder nicht gern zur Schule gehen..

.Aber den Lehrern dort ist aufgefallen, dass die Kinder

aus der Sekte – M.dchen und Jungen gleicherma.en –

psychische Probleme haben. Die Kleinen sind noch ganz

normal und fr.hlich, aber in den h.heren Klassen werden

sie zunehmend schweigsam, ihre Gesichter werden

ausdruckslos, sie verfallen in v.llige Teilnahmslosigkeit und

kommen dann bald nicht mehr in die Schule. Der gr..te

Teil der Vorreiter-Kinder zeigt in der gleichen Reihenfolge

die gleichen Symptome. Die Lehrer sind deshalb sehr

besorgt. Sie fragen sich, in welchem Zustand die Kinder

sind, die abgeschottet in der Sekte leben und nicht zur

Schule gehen. Ob sie wirklich ein normales gesundes Leben

führen? Aber sie dürfen nicht nach den Kindern sehen,

denn Au.enstehenden ist der Zutritt zum Gel.nde

verwehrt..

Die gleichen Symptome wie bei Tsubasa, dachte Aomame.

Sie spricht fast nicht, ist ausdruckslos und apathisch.

.Du hast den Verdacht, dass bei den Vorreitern eine Art

Kindesmissbrauch stattfindet. Organisiert. Und dass das

wahrscheinlich Vergewaltigungen einschlie.t., sagte

Ayumi.

.Aber die Polizei wird wahrscheinlich nichts

unternehmen, solange es sich nur um die unbewiesene

Vermutung einer einfachen Bürgerin handelt..

.Stimmt, vor allem, weil viele bei der Polizei so lahm und

verkn.chert sind. Die Typen ganz oben haben nichts als

ihre Karriere im Kopf. Ein paar sind vielleicht anders, aber

dem Gro.teil geht es nur um ihre sichere Laufbahn. Ihr

Lebensziel ist es, nach der Pensionierung in irgendeinem

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