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作者: 当前章节:15368 字 更新时间:2026-6-19 08:06

Unterdessen arbeitete er weiter an seinem Roman.

Daneben verfasste er mehrere kurze Auftragsarbeiten für

Zeitschriften. Es waren leichte Texte ohne

Namensnennung, die jeder h.tte schreiben k.nnen, aber

sie lenkten ihn ab und waren im Verh.ltnis zum Aufwand

nicht schlecht bezahlt. Au.erdem fuhr er wie immer

dreimal in der Woche zu seiner Yobiko, um

Mathematikunterricht zu erteilen. Um alles Belastende –

haupts.chlich Die Puppe aus Luft und Fukaeri – zu

vergessen, tauchte er wie auch schon früher tief in die Welt

der Zahlen ein. Hatte er sie einmal betreten, .nderte sich

(mit einem leisen Knacken) der Schaltkreis seines Gehirns.

Sein Mund begann eine andere Sprache zu sprechen, und

sein K.rper bediente sich anderer Muskeln. Ebenso wie der

Klang seiner Stimme .nderte sich auch sein Mienenspiel.

Tengo mochte dieses Gefühl des vollst.ndigen Wandels. Es

war ein bisschen wie von einer Wohnung in eine andere zu

ziehen oder von einem Paar Schuhe in ein anderes zu

wechseln.

In der Welt der Zahlen fühlte er sich um einige Grad

entspannter als im Alltagsleben oder beim Schreiben. Hier

wurde er beredter. Zugleich hatte er allerdings das Gefühl,

dort eine etwas provisorische Existenz zu sein. Er konnte

nicht beurteilen, welches sein wahres Selbst war. Aber er

konnte diesen Wechsel vollkommen natürlich und ohne

ihn sich besonders bewusst zu machen vollziehen. Er

wusste auch, dass dieser Wechsel mehr oder weniger

notwendig für ihn war.

Als Mathematiklehrer h.mmerte er von seinem Pult aus

in die K.pfe der Schüler ein, wie begierig die Mathematik

nach Logik trachtete. In ihrem Reich hatten Dinge, die man

nicht beweisen konnte, keinerlei Bedeutung, und wenn

man sie einmal beweisen konnte, lagen die R.tsel der Welt

weich wie ge.ffnete Austern in den H.nden des Menschen.

Sein Vortrag war von ungew.hnlichem Eifer getragen, und

die Schüler konnten gar nicht anders, als seinen beredten

Erkl.rungen zu lauschen. Er vermittelte ihnen praktisch

und einpr.gsam die L.sungsm.glichkeiten der

mathematischen Aufgaben, w.hrend er ihnen zugleich auf

brillante Weise den Zauber er.ffnete, der sich in diesen

Aufgaben verbarg. Wenn Tengo seinen Blick über die

Klasse schweifen lie., merkte er, dass einige siebzehn- und

achtzehnj.hrige M.dchen ihn voller Bewunderung

anstarrten. Seine Beredsamkeit war wie eine Art

intellektuelles Vorspiel. Mit den mathematischen

Funktionen streichelte er ihnen sanft den Rücken, mit den

Lehrs.tzen hauchte er ihnen warmen Atem ins Ohr. Doch

seit er Fukaeri kannte, hatte Tengo kein sexuelles Interesse

mehr an solchen jungen M.dchen. Er dachte nicht darüber

nach, wie es w.re, den Duft ihrer Schlafanzüge einzuatmen.

Fukaeri ist ein ganz besonderes Wesen, dachte Tengo

wieder einmal. Man kann sie nicht mit anderen M.dchen

vergleichen. Sie hat ganz zweifellos eine besondere

Bedeutung für mich. Sie ist – wie soll ich sagen – wie eine

an mich gerichtete Botschaft. Aber ich kann diese Botschaft

partout nicht entschlüsseln.

Dennoch rang er sich zu dem eindeutigen Beschluss

durch, dass es besser war, alles hinter sich gelassen zu

haben, was mit Fukaeri zu tun hatte. Für ihn war es das

Beste, sich m.glichst von Die Puppe aus Luft, deren

Ausgaben sich inzwischen in den Schaufenstern der

Buchl.den stapelten, von Professor Ebisuno, von dem er

nicht wusste, was er dachte, und dieser religi.sen

Gemeinschaft mit dem gef.hrlichen Geheimnis

fernzuhalten. Auch zu Komatsu wollte er lieber eine

gewisse Distanz halten, zumindest für den Moment. Sonst

würde er noch mehr in diese ganzen Machenschaften

hineingezogen werden. Er würde in eine gef.hrliche Ecke

gedr.ngt, in der nicht die geringste Logik herrschte, und

wom.glich in eine ausweglose Situation geraten.

Allerdings wusste Tengo sehr gut, dass es in diesem

Stadium nicht mehr so einfach war, sich aus dieser

komplizierten Verschw.rung zurückzuziehen. Er war ja

nicht, wie die Helden von Hitchcock, unwissentlich in eine

Intrige verwickelt worden. Er hatte genau gewusst, welches

Risiko er einging, und freiwillig mitgemacht. Jetzt hatte der

Mechanismus sich in Gang gesetzt, und keine Macht der

Welt konnte ihn mehr stoppen. Tengo war jetzt ein

Zahnrad in seinem Getriebe. Noch dazu ein Hauptzahnrad.

Er konnte das tiefe St.hnen des Mechanismus h.ren und

die Wucht seines Impulses spüren.

Einige Tage nachdem Die Puppe aus Luft zwei Wochen

hintereinander auf Platz eins der Bestsellerliste gestanden

hatte, erhielt Tengo einen Anruf von Komatsu. Es war

gegen elf Uhr abends. Tengo hatte schon seinen

Schlafanzug an und lag im Bett. Er hatte eine Weile auf

dem Bauch liegend gelesen und war im Begriff, die

Nachttischlampe zu l.schen, um zu schlafen. Aus der Art,

wie das Telefon klingelte, erriet er, dass es Komatsu war. Es

war ihm selbst unerkl.rlich, aber er erkannte Komatsus

Anrufe immer am Klingeln. Wie ein literarischer Text einen

Stil hat, so hatten sie ein charakteristisches Klingeln.

Tengo stand auf, tapste in die Küche und hob den H.rer

ab. Am liebsten w.re er überhaupt nicht ans Telefon

gegangen. Er wollte unbehelligt und in Ruhe schlafen. Und

von Iriomote-Katzen, vom Panamakanal, von der

Ozonschicht, von Matsuo Basho oder egal von was

tr.umen, Hauptsache, es war m.glichst weit entfernt. Aber

wenn er jetzt nicht abnahm, würde das Telefon in fünfzehn

Minuten oder einer halben Stunde wieder klingeln.

Komatsu hatte keinen Sinn für zeitliche Umst.nde. Er

nahm nicht die geringste Rücksicht auf Menschen, die ein

normales Leben führten. Deshalb war es ratsamer, ans

Telefon zu gehen.

.Na, Tengo, hast du etwa schon geschlafen?., überfiel ihn

Komatsu wie üblich v.llig ungerührt.

.Ich war gerade dabei, schlafen zu gehen., sagte Tengo.

.Entschuldige., sagte Komatsu ohne das leiseste

Bedauern. .Ich wollte dir nur sagen, dass der Verkauf von

unserem Püppchen ausgezeichnet l.uft..

.Prima..

.Es geht weg wie warme Semmeln. Sie kommen gar nicht

nach mit der Herstellung, die armen Buchbinder schuften

die ganze Nacht. Natürlich war es vorauszusehen, dass wir

eine ganze Menge Exemplare verkaufen würden. Der

Roman einer siebzehnj.hrigen jungen Sch.nen. Sie ist

Tagesgespr.ch. Das tr.gt auch zum Verkauf bei..

.Ganz im Unterschied zum Roman eines drei.ig Jahre

alten b.rigen Yobiko-Lehrers..

.Du sagst es. Andererseits kann man nicht gerade

behaupten, dass die Puppe besonders rei.erisch ist, oder?

Kein Sex, kein Schmalz, der auf die Tr.nendrüse drückt. Ich

kann selbst kaum glauben, dass sie sich so verkauft..

Komatsu machte eine Pause, anscheinend wartete er auf

eine Reaktion. Da Tengo nichts sagte, fuhr er im gleichen

Stil fort.

.Au.erdem geht es nicht nur um die Verkaufszahlen. Ihr

Renommee ist toll. Das ist etwas anderes als diese billigen

Sensationsromane, die sonst die jungen Leute schreiben.

Jedenfalls ist er inhaltlich ausgezeichnet. Natürlich hat erst

deine zuverl.ssig wunderbare Schreibtechnik das m.glich

gemacht. Donnerwetter. Das war eine Mordsleistung..

M.glich gemacht. Komatsus Lob ignorierend, presste

Tengo sich die Fingerkuppen gegen die Schl.fe. Wenn

Komatsu sich in derartigen Lobpreisungen erging, war mit

gro.er Sicherheit eine unangenehme Mitteilung zu

erwarten.

.Also, Herr Komatsu, was ist die schlechte Nachricht?.,

fragte Tengo.

.Woher wei.t du, dass es eine schlechte Nachricht gibt?.

.Wenn Sie mich um diese Zeit anrufen, kann es sich doch

nur um eine schlechte Nachricht handeln..

.Allerdings., sagte Komatsu beeindruckt. .Genau so ist

es. Du hast wirklich Intuition, Tengo..

Das ist keine Intuition, dachte Tengo, das ist schlicht und

einfach Erfahrung. Er sagte jedoch nichts und wartete auf

das, was Komatsu ihm er.ffnen würde.

.Leider gibt es eine weniger angenehme Neuigkeit., sagte

Komatsu. Er machte eine bedeutungsvolle Pause. Auch

durchs Telefon konnte Tengo sich vorstellen, dass seine

Augen in der Dunkelheit glitzerten wie die einer Manguste.

.Wahrscheinlich geht es um die Autorin von Die Puppe

aus Luft, oder?., sagte Tengo.

.Genau. Es betrifft Fukaeri. Da ist was Schlimmes

passiert. Also, um die Wahrheit zu sagen: Sie ist seit einer

Weile verschwunden..

Tengo drückte die Fingerkuppen weiter gegen seine

Schl.fe. .Was hei.t .seit einer Weile.? Wie lange schon?.

.Vor drei Tagen, also am Mittwochmorgen, hat sie das

Haus in Okutama verlassen und ist nach Tokio gefahren.

Ebisuno hat sie zum Bahnhof gebracht. Sie hat nicht gesagt,

wohin sie wollte. Sp.ter hat sie angerufen und gesagt, sie

würde an dem Tag nicht in die Villa auf dem Berg

zurückkehren, sondern in Shinanomachi übernachten. An

dem Tag hat auch Ebisunos Tochter dort übernachtet. Aber

Fukaeri ist dort nie angekommen. Seither gibt es keine

Nachricht von ihr..

Tengo versuchte sich an die letzten drei Tage zu erinnern.

Aber es fiel ihm nichts ein.

.Es gibt keinerlei Anhaltspunkte, wo sie sein k.nnte.

Wei.t du, ich dachte, sie h.tte sich vielleicht bei dir

gemeldet..

.Nein, hat sie nicht., sagte Tengo. Seit Fukaeri bei ihm

übernachtet hatte, waren bestimmt vier Wochen

vergangen. Tengo z.gerte, ob er Komatsu erz.hlen sollte,

dass sie damals gesagt hatte, sie solle sich vielleicht lieber

nicht in Shinanomachi zeigen. Vielleicht hatte sie schon

damals ein ungutes Gefühl gehabt. Am Ende beschloss er

zu schweigen. Er wollte Komatsu nicht sagen, dass Fukaeri

bei ihm geschlafen hatte.

.Sie ist ein seltsames M.dchen., sagte Tengo. .Vielleicht

ist sie pl.tzlich irgendwohin gefahren, ohne Bescheid zu

sagen..

.Nein, bestimmt nicht. Fukaeri ist entgegen allem

Anschein die Gewissenhaftigkeit in Person. Sie sagt immer,

wohin sie geht. Ruft konstant an und sagt, wo sie sich im

Augenblick aufh.lt und wann sie wohin geht. Das hat mir

Professor Ebisuno gesagt. Deshalb ist es h.chst

ungew.hnlich, dass sie sich drei volle Tage nicht gemeldet

hat. Wom.glich ist ihr etwas Schlimmes zugesto.en..

Tengo st.hnte. .Etwas Schlimmes!.

.Der Sensei und seine Tochter machen sich gro.e

Sorgen., sagte Komatsu.

.Fukaeris Verschwinden bringt doch auch Sie sicher in

eine unangenehme Lage..

.Ja, wenn die Polizei eingeschaltet werden muss, dann

wird die Sache richtig kompliziert. Eine sch.ne junge

Schriftstellerin, deren Buch auf direktem Weg ein Bestseller

wurde, ist spurlos verschwunden. Die Massenmedien

werden sich überschlagen. Ich als zust.ndiger Redakteur

werde in die .ffentlichkeit gezerrt und muss Kommentare

abgeben. Das ist überhaupt nicht lustig. Denn letztendlich

bin ich ein Schattenmann und nicht vertraut mit dem

hellen Sonnenlicht. Au.erdem kann man nie wissen, ob bei

so etwas nicht auch Interna ausgegraben werden..

.Was sagt denn der Professor?.

.Er will sie morgen als vermisst melden., sagte Komatsu.

.Ich konnte ihn überreden, noch ein paar Tage zu warten,

aber lange will er es auch nicht mehr hinausschieben..

.Die Medien werden sich darauf stürzen, sobald sie davon

erfahren..

.Die Polizei wird nicht wissen, wie sie damit umgehen

soll. Fukaeri ist prominent. Sie ist nicht nur ein

gew.hnlicher Teenager, der von zu Hause abgehauen ist. Es

wird schwierig sein, ihr Verschwinden vor der

.ffentlichkeit zu verbergen..

Oder es ist genau das, was der Professor will, dachte

Tengo.

Eri ist der K.der, und wenn die .ffentlichkeit erst einmal

angebissen hat, kann er vielleicht die Beziehung zwischen

den Vorreitern und Eris Eltern kl.ren und deren

Aufenthaltsort herausfinden. Wenn das der Plan des

Professors war, zeigte er jetzt die erwartete Wirkung. Aber

überblickte er die Gr..e der Gefahr, die damit verbunden

war? Wahrscheinlich. Ebisuno war kein gedankenloser

Mensch. In die Tiefe zu denken war sogar sein Beruf.

Au.erdem gab es noch einige wichtige Fakten, die er Tengo

nicht über Fukaeri mitgeteilt hatte. Tengo erhielt

sozusagen nach und nach die fehlenden Stücke und fügte

sie in sein Puzzle ein. Ein intelligenter Mensch h.tte sich

von Anfang an nicht in so eine Geschichte hineinziehen

lassen.

.Und du hast gar keine Ahnung, wo sie geblieben sein

k.nnte, Tengo?.

.Im Augenblick nicht..

.Ach.. Komatsu seufzte. Seiner Stimme war eine gewisse

Ersch.pfung anzumerken. Dass Komatsu eine Schw.che

zeigte, kam so gut wie nie vor. .Tut mir leid, dass ich dich

mitten in der Nacht geweckt habe..

.Schon gut. Ist doch selbstverst.ndlich unter diesen

Umst.nden., sagte Tengo.

.Ich wollte dich nach M.glichkeit nicht in solche

konkreten Schwierigkeiten hineinziehen. Du solltest ja nur

den Text überarbeiten, und diese Aufgabe hast du

bravour.s gemeistert. Aber auf der Welt laufen die Dinge

nie so, wie sie sollen. Und wie gesagt, wir sitzen in einem

Boot und treiben im Wildwasser dahin..

.Schicksalsgef.hrten., steuerte Tengo mechanisch bei.

.Genau..

.Aber, Herr Komatsu, wenn die Nachrichten über

Fukaeris Verschwinden berichten, steigen die

Verkaufszahlen von Die Puppe aus Luft doch bestimmt

noch mehr?.

.Die sind hoch genug., sagte Komatsu resigniert. .Mehr

Werbung brauchen wir nicht. Ein Skandal bringt uns nur in

Schwierigkeiten. Wir sind eher an dem Punkt angelangt, an

dem wir nachdenken müssen, wie wir sicher an Land

kommen..

.Sicher an Land kommen., sagte Tengo.

Komatsu gab einen Laut von sich, als würde er einen

imagin.ren Klo. in seiner Kehle hinunterschlucken. Dann

r.usperte er sich leise. .über diese Dinge werden wir eines

Tages bei einem sch.nen Essen noch einmal in Ruhe reden.

Wenn wir diesen ganzen Kram hinter uns haben. Gute

Nacht, Tengo. Schlaf gut und fest..

Mit diesen Worten legte Komatsu auf. Als habe er damit

einen Fluch über Tengo verh.ngt, konnte dieser

anschlie.end überhaupt nicht schlafen. Er war todmüde,

aber an Schlaf war nicht zu denken.

Schlaf gut – dass ich nicht lache, dachte Tengo. Er setzte

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