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作者: 当前章节:15386 字 更新时间:2026-6-19 08:06

sich an den Küchentisch und versuchte zu arbeiten. Aber er

brachte nichts zustande. Er nahm eine Flasche Whisky aus

dem Schrank, schenkte sich ein Glas ein und trank ihn

unverdünnt in kleinen Schlucken.

Vielleicht hatte Fukaeri die ihr zugewiesene Aufgabe als

lebender K.der erfüllt, und die Vorreiter hatten sie

entführt. Das schien Tengo nicht ausgeschlossen. Sie hatten

das Haus in Shinanomachi beobachtet und Fukaeri, kaum

war sie aufgetaucht, zu mehreren gepackt, in einen Wagen

gezerrt und fortgebracht. Wenn man einen günstigen

Moment abpasste und alles schnell ging, war das gar nicht

so schwierig. Als Fukaeri gesagt hatte, es sei besser, nicht in

das Haus in Shinanomachi zu gehen, hatte sie vielleicht

schon so etwas geahnt.

Sowohl die Little People als auch die Puppe aus Luft

existierten wirklich, hatte sie zu Tengo gesagt. Als die

blinde Ziege gestorben war und Fukaeri für ihre

Unachtsamkeit bestraft wurde, hatte sie die Little People

kennengelernt. Jede Nacht hatte sie mit ihnen an der Puppe

aus Luft gesponnen. Und das alles hatte für sie selbst gro.e

Bedeutung. Sie hatte diese Ereignisse in die Form einer

Geschichte gebracht. Und Tengo hatte ihrer Geschichte die

Form eines kurzen Romans gegeben. Mit anderen Worten

die Form der Ware ver.ndert. Und jetzt ging diese Ware

weg wie warme Semmeln (um mit Komatsus Worten zu

sprechen). Für die Vorreiter war das wahrscheinlich eine

ziemlich ungünstige Entwicklung. Die Geschichte von den

Little People und der Puppe aus Luft war vermutlich das

bedeutende Geheimnis, das nicht nach au.en dringen

durfte. Deshalb hatten sie Fukaeri entführt, um zu

verhindern, dass es weiter verbreitet wurde. Sie mussten sie

mundtot machen. Auch wenn ihr Verschwinden den

Argwohn der .ffentlichkeit hervorrufen würde und sie

damit ein Risiko eingingen, konnten sie praktisch nur

Gewalt anwenden.

Aber das waren selbstverst.ndlich nicht mehr als

Vermutungen, die einer soliden Grundlage entbehrten. Es

war unm.glich, auch nur das Geringste davon zu beweisen.

Würde irgendjemand Tengo Beachtung schenken, wenn er

lauthals verkündete, dass die Little People und die Puppe

aus Luft wirklich existierten? Au.erdem wusste er ja selbst

nicht, was .wirklich existieren. in diesem Zusammenhang

konkret bedeutete.

Oder Fukaeri hatte sich einfach irgendwohin

zurückgezogen, weil sie den Rummel um Die Puppe aus

Luft satthatte. Auch das war natürlich denkbar. Fukaeris

Verhalten war nicht vorhersehbar. Doch in diesem Fall

h.tte sie bestimmt eine Botschaft hinterlassen, damit der

Professor und seine Tochter Azami sich keine Sorgen

machten. Es gab nicht den geringsten Grund, warum sie

das nicht getan haben sollte.

Aber wenn Fukaeri tats.chlich von der Sekte entführt

worden war, war es auch für Tengo nicht schwer, sich

vorzustellen, in welcher Gefahr sie schwebte. Vielleicht

würde der Kontakt zu ihr einfach abbrechen, so wie es

seinerzeit mit ihren Eltern geschehen war. Auch wenn die

Verbindung zwischen Fukaeri und den Vorreitern bekannt

würde (was nur noch eine Frage der Zeit war) und die

Massenmedien eine Sensation daraus machten – wenn die

Beh.rden nichts unternahmen, würde alles mit viel L.rm

um nichts enden, weil für eine Entführung die konkreten

Beweise fehlten. Und sie würde vielleicht für immer hinter

den hohen Z.unen der Sekte eingesperrt bleiben. Oder es

würde noch etwas viel Schlimmeres passieren. Ob Professor

Ebisuno auch das in seinem Plan einkalkuliert hatte?

Tengo h.tte ihn am liebsten angerufen und ihn gefragt.

Aber inzwischen war es mitten in der Nacht. Er musste bis

zum n.chsten Tag warten.

Am n.chsten Morgen w.hlte Tengo die Nummer, die er

von Professor Ebisuno erhalten hatte. Aber sie war nicht

vergeben. Es ert.nte immer wieder nur die Bandnachricht

.Kein Anschluss unter dieser Nummer. Bitte überprüfen Sie

die gew.hlte Nummer und versuchen Sie es noch einmal..

Er w.hlte mehrmals neu, aber immer mit dem gleichen

Ergebnis. Vielleicht hatten sie ihre Nummer wegen der Flut

der Anrufe nach Fukaeris Debüt .ndern lassen.

Danach passierte eine Woche lang nichts. Die Puppe aus

Luft verkaufte sich weiterhin ausgezeichnet und stand

unver.ndert auf den oberen Pl.tzen der Bestsellerlisten im

ganzen Land. Niemand meldete sich mehr bei Tengo. Er

hatte immer wieder in Komatsus Redaktion angerufen, aber

Komatsu war nie da gewesen (was nicht au.ergew.hnlich

war). Er hinterlie. die Bitte um Rückruf, aber Komatsu rief

ihn kein einziges Mal an (was ebenfalls nicht

au.ergew.hnlich war). Tengo durchforstete jeden Tag die

Zeitungen, entdeckte aber keinen Hinweis darauf, dass eine

Fahndung nach Fukaeri eingeleitet worden w.re. Ob der

Professor schlie.lich doch keine Vermisstenmeldung

aufgegeben hatte? Oder ob die Polizei die offizielle

Mitteilung an die Presse zurückhielt, um verdeckt nach

Fukaeri zu fahnden? Oder den Fall als den eines von zu

Hause ausgerissenen Teenagers nicht ernst nahm?

Tengo unterrichtete wie immer drei Tage in der Woche

an der Yobiko, an den übrigen Tagen sa. er am

Schreibtisch und schrieb weiter an seinem Roman. Am

Freitagnachmittag schlief er mit seiner Freundin. Doch zu

keiner Zeit war er mit seinen Gefühlen ganz bei der Sache.

Er verbrachte seine Tage angespannt und im Bewusstsein

von etwas Ungew.hnlichem, wie ein Mensch, der

versehentlich ein Stück von einer dicken Wolke verschluckt

hat. Er verlor immer mehr den Appetit. Nachts wachte er

pl.tzlich auf und konnte dann nicht mehr einschlafen. Die

ganze Zeit musste er an Fukaeri denken. Wo war sie, und

was tat sie gerade? Mit wem war sie zusammen? Was hatte

sie zu erdulden? Er malte sich alles M.gliche aus. Jede

dieser Vorstellungen hatte eine mehr oder weniger

pessimistische F.rbung. Und stets trug sie den

enganliegenden dünnen Sommerpullover, der ihren Busen

so vorteilhaft zur Geltung brachte. Ihr Bild nahm ihm

schier den Atem und versetzte sein Herz noch heftiger in

Aufruhr.

KAPITEL 23

Aomame

Nicht mehr als irgendein Anfang

Man k.nnte sagen, Aomame und Ayumi waren ein ideales

Paar, um ein kleines, aber feines und sehr erotisches

n.chtliches Fest auf die Beine zu stellen. Ayumi war zierlich

und l.chelte viel, war weder schüchtern noch auf den

Mund gefallen, und wenn sie einmal entschlossen war,

konnte sie den meisten Dingen etwas Positives

abgewinnen. Au.erdem hatte sie einen gesunden Sinn für

Humor. Verglichen mit ihr wirkte die drahtige, schlanke

Aomame eher ausdruckslos und unzug.nglich. Auch

konnte sie bei der ersten Begegnung mit einem Mann

nichts Liebenswürdiges über die Lippen bringen. Alles, was

sie sagte, hatte einen leichten, aber doch wahrnehmbaren

zynischen und aggressiven Beiklang. In ihren Augen glomm

stets so etwas wie Missbilligung. Dennoch konnte die kühle

Aura, mit der Aomame sich umgab, wenn sie es wollte, sehr

anziehend auf M.nner wirken. Es war etwas .hnliches wie

die sexuell stimulierenden Duftstoffe, die Tiere und

Insekten nach Bedarf aussenden. Nichts, das sie mit

Absicht oder Mühe erworben hatte. Wahrscheinlich war es

angeboren. Oder sie hatte sich diesen Duft doch

nachtr.glich in einer bestimmten Phase ihres Lebens

angeeignet. So oder so wirkte ihre Aura nicht nur auf

M.nner stimulierend, ihre Wirkung übertrug sich in

subtiler Weise auch auf ihre Freundin Ayumi und machte

sie sprühender und lebhafter.

Hatten sie zwei passende M.nner entdeckt, ging Ayumi

zuerst allein, um die Lage zu erkunden und mit ihrer

liebenswürdigen, zutraulichen Art ein freundschaftliches

Klima zu schaffen. Aomame gesellte sich zu einem

selbstgew.hlten Zeitpunkt hinzu und brachte einen

gewissen harmonischen Ausgleich. Eine besondere

Atmosph.re entstand, als würde man eine Oper und einen

Film Noir kombinieren. Waren sie einmal so weit

gekommen, war alles Weitere ein Kinderspiel. Sie zogen

sich an einen geeigneten Ort zurück und (um Ayumis

drastischen Ausdruck zu gebrauchen) rammelten wie die

Karnickel. Das Schwierigste war jedoch, geeignete Partner

zu finden. Es gefiel ihnen, wenn die M.nner zu zweit

waren, sie mussten sauber sein und einen gewissen Charme

haben. Sie sollten intelligent sein, aber nicht zu

intellektuell – langweilige Gespr.che konnten den ganzen

Abend verderben. Finanzieller Spielraum wurde auch

gesch.tzt. Denn natürlich zahlten die M.nner die

Rechnungen für Bars, Clubs und Hotels.

Aber als die beiden gegen Ende Juni versuchten, eine

kleine Sexparty auf die Beine zu stellen (es sollte ihre letzte

gemeinsame Aktion werden), konnten sie auf Teufel komm

raus keine passenden M.nner finden. Sie nahmen sich Zeit,

sie wechselten mehrmals das Lokal, aber das Ergebnis blieb

das gleiche. Obwohl es der letzte Freitagabend im Monat

war, ging es in allen Clubs von Roppongi bis Asakusa

erstaunlich ruhig zu. Es gab wenig G.ste und keine

Auswahl an M.nnern. Auch war der Himmel von bleiernen

Wolken bedeckt, und es herrschte eine bedrückende

Atmosph.re, als sei Trauer über ganz Tokio verh.ngt

worden.

.Sieht aus, als würde es heute nichts werden. Geben wir’s

auf., sagte Aomame. Die Uhr zeigte bereits halb elf.

Ayumi stimmte z.gernd zu. .Verdammt, einen so

lahmen Freitagabend habe ich ja noch nie erlebt. Und wo

ich extra meine sch.rfste lila Unterw.sche angezogen

habe..

.Geh nach Hause, stell dich vor den Spiegel und verführ

dich selbst..

.Nicht mal ich traue mich, so was im Gemeinschaftsbad

unseres Polizeiwohnheims zu machen..

.Egal, für heute lassen wir es gut sein, trinken brav zu

zweit unseren Sake aus und gehen nach Hause ins Bett..

.Das ist wahrscheinlich das Beste., sagte Ayumi. Dann,

als sei es ihr pl.tzlich eingefallen: .Ach, genau, Aomame,

wollen wir vorher nicht noch zusammen eine Kleinigkeit

essen? Ich hab ungef.hr drei.igtausend Yen übrig..

Aomame runzelte die Stirn. .Wie, übrig? Wieso denn

das? Du jammerst doch immer, dass dein Gehalt zu niedrig

ist und du kein Geld hast..

Ayumi rieb sich mit dem Zeigefinger den Nasenflügel.

.Ehrlich gesagt, ich habe neulich von einem Typ

drei.igtausend Yen bekommen. Er hat es mir beim

Abschied als Taxigeld zugesteckt. Damals, als wir es mit

den beiden von der Immobilienfirma gemacht haben..

.Und du hast das einfach so genommen?., fragte

Aomame überrascht.

.Vielleicht haben sie uns für Halbprofessionelle

gehalten., sagte Ayumi und kicherte. .Eine Polizistin und

eine Kampfsporttrainerin, das glaubt ja kein Mensch. Was

soll’s, im Immobiliengesch.ft f.llt jede Menge ab, die haben

das Geld doch übrig. Ich finde, wir sollten uns davon etwas

Leckeres g.nnen. Für die Miete kann man solches Geld ja

schlecht nehmen..

Aomame .u.erte keine Meinung. Mit fremden M.nnern

flüchtigen Sex zu haben und Geld dafür anzunehmen – das

konnte sie sich nicht recht vorstellen. W.re ihr das passiert,

h.tte sie das nicht so einfach schlucken k.nnen. Es war, als

würde man sich in einem Zerrspiegel betrachten, der die

eigene Gestalt deformiert wiedergab. Aber was war vom

Standpunkt der Moral anst.ndiger: M.nner zu t.ten und

Geld dafür zu bekommen oder mit M.nnern zu schlafen

und Geld dafür zu bekommen. Schwer zu beurteilen.

.Es st.rt dich, dass ich von einem Mann Geld

angenommen habe, oder?., fragte Ayumi mit Unbehagen

in der Stimme.

Aomame schüttelte den Kopf. .St.ren kann man nicht

sagen, es wundert mich nur ein bisschen. Eher ist es für

mich gefühlsm..ig ein Widerspruch, dass eine Polizistin

quasi Prostitution ausübt..

.Ach was., sagte Ayumi in fr.hlichem Ton. .Darüber

mache ich mir überhaupt keine Gedanken. Wei.t du,

Aomame, eine Prostituierte hat Sex, nachdem man sich auf

einen Preis geeinigt hat. Und der wird immer im Voraus

bezahlt. Bevor der Freier die Hose auszieht, zahlt er. Das ist

die Regel. Sonst k.nnte er danach ja einfach sagen, er h.tte

kein Geld, und das Gesch.ft w.re dahin. Aber so war es ja

nicht, es gab keine Vorverhandlungen, und dass er mir

danach Geld fürs Taxi gegeben hat, ist doch nicht mehr als

ein Zeichen von Dankbarkeit. Berufsm..ige Prostitution ist

etwas anderes. Da gibt es eine deutliche Grenze..

Ayumis Erkl.rung war einleuchtend.

Die M.nner, die Aomame und Ayumi beim letzten Mal

ausgew.hlt hatten, waren zwischen Mitte drei.ig und

Anfang vierzig gewesen. Beide hatten volles Haar, und

Aomame hatte einen Kompromiss eingehen müssen. Sie

sagten, sie seien in der Immobilienbranche. Aber ihre

Armani-Anzüge und Missoni-Uomo-Krawatten lie.en

vermuten, dass sie bei keiner der gro.en Immobilienfirmen

wie Mitsubishi oder Mitsui angestellt waren. Es musste sich

um eine aggressivere und flexiblere Firma handeln.

Vielleicht eine mit einem englischen Lehnwortnamen, die

nicht durch l.stige Firmenregeln, stolzes

Traditionsbewusstsein und endlose Konferenzen

eingeschr.nkt war. Ohne pers.nliche F.higkeiten kam man

da nicht voran, aber wer Treffer landete, konnte viel

verdienen. Einer der M.nner hatte den Schlüssel für ein

brandneues Alfa-Romeo-Modell. In Tokio herrsche Mangel

an Büroraum, sagten sie. Die Wirtschaft erhole sich von der

.lkrise und zeige alle Anzeichen für eine neuerliche

Erw.rmung. Das Kapital gerate zunehmend in Bewegung.

Man k.nne neue Hochh.user bauen, soviel man wolle, es

w.re nie genug. [fei fan lun tan]

.Und davon profitiert die Immobilienbranche, nicht

wahr?., sagte Aomame.

.Genau, wenn du Geld übrig hast, solltest du jetzt

Immobilien kaufen., sagte Ayumi. .Bei einem begrenzten

Gebiet wie Tokio steigen die Bodenpreise, weil immer mehr

Geld in die Stadt flie.t. Jetzt zu kaufen kann nicht schaden.

Das ist wie ein sicherer Tipp beim Pferderennen. Leider hat

eine kleine Beamte wie ich nicht so viel überschüssiges

Kapital. Aber du verdienst doch ganz gut, Aomame?.

Aomame schüttelte den Kopf. .Ich vertraue nur auf

Bares..

Ayumi lachte laut. .Das ist echte Gaunermentalit.t!.

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