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作者: 当前章节:15367 字 更新时间:2026-6-19 08:06

.Du meinst, Geld unter der Matratze verstecken, damit

man es herausziehen und aus dem Fenster abhauen kann,

wenn es mal eng wird..

.Genau, genau., rief Ayumi und schnippte mit den

Fingern. .Wie in Getaway. Diesem Film mit Steve

McQueen. Dollarbündel und Shotguns. Das gef.llt mir..

.Besser, als auf Seiten des Gesetzes zu stehen?.

.Also ich pers.nlich., sagte Ayumi und lachte,

.sympathisiere mit den Gesetzlosen. So zu leben ist auf

jeden Fall faszinierender, als in einem Mini-Streifenwagen

Parksünder zu jagen. Absolut. Das ist vielleicht auch der

Grund dafür, dass ich mich zu dir hingezogen fühle..

.Wirke ich wie eine Gesetzlose?.

Ayumi nickte. .Irgendwie hast du so eine Ausstrahlung.

Fast wie Faye Dunaway mit Maschinenpistole..

.Ich brauche keine Maschinenpistole., sagte Aomame.

.übrigens diese Sekte – die Vorreiter –, von der wir

neulich gesprochen haben., sagte Ayumi.

Die beiden waren in das kleine italienische Iikura-

Restaurant gegangen, dessen Küche noch sp.t ge.ffnet

hatte. Aomame a. einen Salat mit Thunfisch und Ayumi

Gnocchi mit Pesto. Dazu tranken sie Chianti.

.Ja?., sagte Aomame.

.Ich habe aus Neugier noch privat ein paar

Nachforschungen angestellt. Je mehr man forscht, desto

verd.chtiger wird der Laden. Sie nennen sich religi.se

Gemeinschaft, sind auch als solche anerkannt, aber

theologische Substanz gibt es kaum. Eigentlich besteht ihre

sogenannte Lehre nur aus einem Mischmasch religi.ser

und anderer Vorstellungen. Ein bisschen New Age und

Spiritualit.t; Akademiker sind wir, antikapitalistisch

sowieso, und zurück zur Natur wollen wir auch, das alles

gewürzt mit einer Prise Okkultismus. So sieht die Sache

aus. Aber einen richtigen Inhalt gibt es nicht. Die

Substanzlosigkeit ist sozusagen die Substanz dieser Sekte.

Um es mit McLuhan zu sagen: Das Medium ist die

Botschaft. Wenn man sagt, etwas ist cool, dann ist es auch

cool, oder?.

.McLuhan?.

.Sogar ich lese manchmal ein Buch., sagte Ayumi etwas

eingeschnappt. .McLuhan war seiner Zeit voraus. Jetzt wird

er nicht mehr gesch.tzt, weil er einmal so popul.r war.

Aber was er sagt, ist im Gro.en und Ganzen richtig..

.Das hei.t, eine Verpackung schlie.t an sich schon den

Inhalt ein. Ist das gemeint?.

.Ja. Der Inhalt entsteht durch die besonderen

Eigenschaften der Verpackung. Nicht umgekehrt..

Aomame dachte darüber nach. Dann sagte sie: .Inhaltlich

sind die Vorreiter als Sekte undurchsichtig, aber dessen

ungeachtet fühlen sich Menschen von ihnen angezogen.

So?.

Ayumi nickte. .Zu behaupten, es seien erstaunlich viele,

w.re vielleicht übertrieben, aber es ist keine geringe Zahl.

Allein dadurch sammelt sich Geld an. Das ist ganz

natürlich. Dass so viele von dieser Sekte angezogen werden,

hat in erster Linie keine religi.sen Gründe, würde ich

sagen. Alles wirkt sehr sauber, intelligent und systematisch.

Kurz gesagt, nicht armselig. So etwas lockt junge

Akademiker an. Es reizt ihre intellektuelle Neugier. Dort

herrscht eine Vorstellung von Leistung, die ihnen die reale

Welt nicht vermittelt. Greifbare, spürbare Leistung. Diese

intellektuelle Anh.ngerschaft gleicht einer Gruppe

befehlshabender Offiziere in einer Elitetruppe und bildet

das Gehirn der Sekte.

Au.erdem scheint ihr Anführer, sie nennen ihn .Leader.,

über jede Menge Charisma zu verfügen. Sie verehren diesen

Mann zutiefst. Seine Existenz fungiert offenbar als Kern

ihrer Lehre, er ist so etwas wie der Born ihrer Religion. Es

ist mehr oder weniger wie am Anfang des Christentums.

Aber der Kerl zeigt sich nie in der .ffentlichkeit. Man wei.

nicht, wie er aussieht. Auch sein Name und sein Alter sind

unbekannt. Die Gruppe wird im Prinzip parlamentarisch

verwaltet, und die Position des Vorsitzenden wird von einer

anderen Person eingenommen, die sich bei offiziellen

Ereignissen als Repr.sentant der Gruppe zeigt, aber er ist

nur eine Marionette. Im Zentrum des Systems scheint

dieser unidentifizierbare .Leader. zu stehen..

.Diesem Mann scheint viel daran gelegen zu sein, seine

Identit.t geheim zu halten, nicht wahr?.

.Entweder hat er etwas zu verbergen, oder es ist seine

Absicht, ein Mysterium zu kreieren, indem er sich nicht

zeigt..

.Vielleicht ist er auch extrem h.sslich?.

.K.nnte sein. Vielleicht ist er ein groteskes

au.erirdisches Ungeheuer., sagte Ayumi und knurrte wie

ein Monster. .Aber abgesehen von ihrem Oberhaupt gibt es

in dieser Sekte zu viel, was nicht nach au.en gelangt. Da

sind einmal diese ausgedehnten Immobilienk.ufe, über die

wir letztes Mal am Telefon gesprochen haben. Alles, was an

die .ffentlichkeit kommt, ist Show. Eine gepflegte Anlage,

gutaussehende PR-Leute, eine intelligente Theorie, Elite-

Mitglieder, stoische Askese, Yoga und Entspannung,

Ablehnung von schn.dem Materialismus, .kologische

Landwirtschaft, reine Luft und gesunde vegetarische

Kost … Wenn das kein ausgefeiltes Image ist. Genau wie die

Prospekte von Luxusresorts, die immer der

Sonntagszeitung beiliegen. Die Verpackung ist

wundersch.n und verlockend, aber man hat immer den

Eindruck, dass es eine Kehrseite gibt, mit der etwas nicht

stimmt. Die in diesem Fall sogar illegal ist. Das ist

zumindest mein erster Eindruck, nachdem ich mir alles

m.gliche Material angeschaut habe..

.Aber die Polizei unternimmt im Augenblick nichts..

.Vielleicht sind ja verdeckte Ermittlungen im Gang, aber

so weit bin ich nicht vorgedrungen. Jedenfalls sieht es so

aus, als würde die Pr.fekturpolizei von Yamanashi die

Aktivit.ten der Vorreiter beobachten. Irgendwie habe ich

das auch aus dem Ton des Beamten herausgeh.rt, mit dem

ich telefoniert habe. Immerhin sind die Vorreiter, da kann

man sagen, was man will, der Ursprung der Akebono-

Gruppe, die die bewusste Schie.erei ausgel.st hat. Bisher

vermutet man nur, dass die chinesischen Kalaschnikows

über Nordkorea ins Land gekommen sind, aber restlos

aufgekl.rt wurde das nie. Auch die Vorreiter sind

wahrscheinlich im Visier. Aber da sie eine anerkannte

Religionsgemeinschaft sind, kommt man nicht so leicht an

sie heran. Vor allem weil sich ja bei den Ermittlungen

herausgestellt hat, dass sie zumindest nicht direkt etwas

mit der Schie.erei zu tun hatten. Ob der Verfassungsschutz

an ihnen dran ist, wei. ich nicht. Diese Leute halten alles

geheim, und die Beziehungen zwischen Polizei und

Geheimdienst sind traditionell nicht gerade

freundschaftlich..

.über die Kinder, die nicht mehr in die Schule

gekommen sind, hast du wohl nichts weiter

herausgefunden?.

.Nein, keine Ahnung. Wenn sie einmal nicht mehr in die

Schule kommen, bleiben sie offenbar innerhalb der

Umz.unung. über diese Kinder habe ich nichts erfahren.

G.be es konkrete F.lle von Kindesmisshandlung, w.re es

etwas anderes, aber da ist bisher nichts bekannt

geworden..

.Die Leute, die aus der Vorreiter-Vereinigung ausgetreten

sind, lassen die sich keine Informationen entlocken? Es

muss doch welche geben, die von der Gruppe entt.uscht

oder von der Askese abgeschreckt wurden..

.Natürlich kommen und gehen immer wieder Leute.

Einige sind entt.uscht und treten wieder aus. Im Grunde

sind sie frei, die Gruppe zu verlassen. Von der ziemlich

deftigen Summe, die sie bei der Aufnahme als

.Dauerbenutzungsgebühr für die Einrichtungen. gespendet

haben, bekommen sie laut Vertrag nichts zurück, aber wer

sich einmal entschlossen hat, geht auch ohne Abfindung.

Es gibt einen von ehemaligen Mitgliedern gegründeten

Verein, der behauptet, die Vorreiter seien eine gef.hrliche

asoziale Sekte mit betrügerischen Absichten. Einige haben

geklagt. Der Verein gibt eine kleine Broschüre heraus, aber

seine Stimme ist sehr leise und der Einfluss auf die

.ffentlichkeit gering. Die Vorreiter haben hervorragende

Anw.lte und ein wasserdichtes System der Verteidigung.

Selbst wenn sie verklagt werden, kann ihnen das nicht das

Geringste anhaben..

..u.ern sich die Ausgetretenen irgendwie über den

Leader oder die Kinder in der Sekte?.

.Ich habe die Broschüre noch nicht genau gelesen, also

keine Ahnung., sagte Ayumi. .Aber auf den ersten Blick

handelt es sich bei den aus Unzufriedenheit ausgetretenen

Mitgliedern nur um Leute aus den unteren R.ngen. Kleine

Leute. Dafür, dass die Vorreiter irdische Werte ablehnen

und so erhaben tun, sind sie sehr offenkundig eine

Klassengesellschaft, die alles Irdische übertrifft. Die

Führung und die unteren R.nge sind deutlich voneinander

getrennt. Wer keinen akademischen Hintergrund hat, kann

gar nicht erst in die Führungsebene aufsteigen. Der Leader

empf.ngt ausschlie.lich Mitglieder der Führungselite. Alle

anderen, also die gro.e Masse, verbringen ihre keimfreien

Tage damit, vorschriftsm..ig Geld zu spenden, an frischer

Luft Askese zu üben, die Felder zu bewirtschaften und zu

meditieren. Nicht anders als eine Herde Schafe. Es ist ein

friedlicher Alltag, in dem sie von ihren Hütehunden

morgens auf die Weide gebracht und abends in den Stall

zurückgetrieben werden. Sie sehnen den Tag herbei, an

dem ihre Stellung in der Gruppe erh.ht wird und sie ihrem

angebeteten Gro.en Bruder gegenübertreten k.nnen. Doch

dieser Tag kommt nie. Deshalb haben die gew.hnlichen

Anh.nger kaum eine Ahnung davon, was wirklich im

Inneren vorgeht. Deshalb haben die Ausgetretenen der

.ffentlichkeit auch keine bedeutenden Einblicke zu bieten.

Sie haben nicht einmal das Gesicht des Leaders gesehen..

.Und von den Elitemitgliedern tritt niemand aus?.

.Soweit ich herausgefunden habe, ist das noch nie

vorgekommen..

.Vielleicht erlauben sie keinem, auszutreten, der das

Geheimnis des Systems kennt?.

.Das w.re eine ziemlich tragische Entwicklung., sagte

Ayumi. Sie seufzte kurz auf. .Und die Vergewaltigungen

von kleinen M.dchen, von denen du gesprochen hast, wie

sicher ist das?.

.Ziemlich sicher. Aber im gegenw.rtigen Stadium l.sst

sich noch nichts beweisen..

.Und das geschieht organisiert im Inneren der Sekte?.

.Auch das wei. ich noch nicht. Aber es gibt tats.chlich

ein Opfer. Ich habe das M.dchen kennengelernt. Ein

ziemlich schrecklicher Anblick..

.Ist sie penetriert worden?.

.Kein Zweifel..

Ayumi presste die Lippen zu einem Strich aufeinander

und überlegte. .Ich verstehe. Ich werde alles tun, um mehr

herauszufinden..

.Aber tu bitte nichts Unvernünftiges..

.Mache ich nicht., sagte Ayumi. .Denn ich bin eine

Person, die bei so was sehr gut aufpasst..

Die beiden beendeten ihre Mahlzeit, und der Kellner

r.umte ab. Sie verzichteten auf ein Dessert und leerten ihre

Weingl.ser.

.Wei.t du noch, Aomame, wie du mir damals gesagt

hast, dass du als Kind nie von einem Mann bel.stigt

worden bist?.

Aomame musterte Ayumi kurz und nickte. .Meine

Familie ist sehr gl.ubig, und über Sex wurde bei uns nie

gesprochen. In unserem ganzen Umfeld nicht. Sex war ein

Thema, das nie angeschnitten werden durfte..

.Aber Glaube und sexuelle Begierde, das ist ja auch

wieder so ein Problem. Dass Kleriker h.ufig sexuelle

Manien haben, ist doch allgemein bekannt. Die meisten

T.ter, die von der Polizei im Zusammenhang mit

Prostitution und sexueller Bel.stigung dingfest gemacht

werden, kommen aus dem religi.sen oder dem

p.dagogischen Bereich..

.Kann schon sein. Aber zumindest in meiner Umgebung

war das nicht der Fall. Es gab niemanden, der abartige

Sachen machte..

.Das ist natürlich gut., sagte Ayumi. .Freut mich zu

h.ren..

.War es bei dir nicht so?.

Ayumi z.gerte kurz und zuckte dann mit den Schultern.

.Ehrlich gesagt: Ich bin immer wieder missbraucht worden.

Als Kind..

.Von wem?.

.Von meinem .lteren Bruder und meinem Onkel..

Aomame verzog entsetzt das Gesicht. .Von

Verwandten?.

.Genau. Beide sind bei der Polizei. Mein Onkel wurde

sogar kürzlich .ffentlich ausgezeichnet. Für das, was er in

seinen drei.ig Dienstjahren für die Sicherheit der Bürger

getan hat. Er hat eine d.mliche Hündin mit ihren Jungen

gerettet, die sich an einem Eisenbahnübergang verirrt

hatte. Es stand sogar in der Zeitung..

.Was haben sie mit dir gemacht?.

.Sie haben mich da unten angefasst und mich ihren

Schwanz streicheln lassen..

Die Falten in Aomames Gesicht vertieften sich noch

mehr. .Dein Bruder und dein Onkel?.

.Natürlich jeder für sich. Ich war zehn und mein Bruder

ungef.hr fünfzehn. Mein Onkel hat es viel früher gemacht.

Zwei oder drei Mal, als er bei uns übernachtet hat..

.Hast du es jemandem gesagt?.

Ayumi schüttelte mehrmals langsam den Kopf. .Nein, sie

haben mir gedroht, mir würde etwas Schreckliches

passieren, wenn ich es verrate. Au.erdem hatte ich sowieso

das Gefühl, selbst wie die Schuldige zu wirken, wenn ich

etwas sage. Davor hatte ich gro.e Angst und habe den

Mund gehalten..

.Deiner Mutter hast du es auch nicht gesagt?.

.Besonders nicht meiner Mutter., sagte Ayumi. .Meine

Mutter hat von jeher meinen Bruder vorgezogen und war

immer entt.uscht von mir. Weil ich schlechte Manieren

hatte, nicht hübsch, zu dick und nicht gut in der Schule

war. Meine Mutter wünschte sich eine ganz andere

Tochter. Ein hübsches schlankes M.dchen, eine Puppe, die

zum Ballett geht. Aber diesen Ansprüchen konnte ich nie

gerecht werden..

.Und deshalb wolltest du deine Mutter nicht noch mehr

entt.uschen..

.Ja, vielleicht. Wenn ich ihr gesagt h.tte, was mein

Bruder mit mir macht, h.tte sie mich noch mehr abgelehnt

und zurückgesto.en. Bestimmt h.tte sie gesagt, dass ich

selbst die Ursache des übels sei. Statt meinem Bruder die

Schuld zu geben..

Aomame strich sich mit beiden H.nden die Falten aus

dem Gesicht. Nachdem sie mit zehn Jahren verkündet

hatte, dem Glauben zu entsagen, hatte ihre Mutter kein

Wort mehr mit ihr gesprochen. Im .u.ersten Notfall

schrieb sie etwas auf einen Zettel und gab ihn ihr. Aber sie

sprach nie mehr mit ihr. Aomame war nicht mehr ihre

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