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作者: 当前章节:15413 字 更新时间:2026-6-19 08:06

durfte. Das musste sein. Sie kennenzulernen musste auch

sein. Vielen Dank, dass Sie mir vorgelesen haben. Ich denke

noch oft an die Giljaken. Warum gehen sie nicht auf den

breiten Wegen und stattdessen durch den Morast.

(Tengo fügte danach sachte ein Fragezeichen ein.)

Auch wenn die Wege praktischer sind, f.llt es den

Giljaken leichter, abseits davon durch den Morast zu gehen.

Auf Wegen müssen sie ganz anders gehen, ihren Gang

anpassen. Wenn sie ihren Gang anpassen, müssen sie auch

andere Dinge anpassen. Ich k.nnte nicht leben wie die

Giljaken. Es ist ekelhaft, immer von M.nnern geschlagen zu

werden. Der Schmutz, in dem sie leben, ist auch ekelhaft.

Aber ich mag es auch nicht, auf breiten Wegen zu gehen.

Ich trinke noch mal Wasser.

Fukaeri trank wieder. Nach einer Pause wurde das Glas

mit einem Klacken auf den Tisch zurückgestellt. Dann

wischte sie sich mit den Fingern den Mund ab. Ob sie nicht

wusste, dass es eine Taste gab, mit der man die Aufnahme

anhalten konnte?

Vielleicht gibt es jetzt Probleme, weil ich nicht da bin.

Aber ich wollte nie Schriftstellerin werden und habe auch

nicht die Absicht, noch etwas zu schreiben. Ich habe Azami

gebeten, etwas über die Giljaken herauszufinden. Azami ist

in die Bibliothek gegangen und hat nachgeschaut. Die

Giljaken leben auf Sachalin und haben wie die Ainu und die

amerikanischen Indianer keine Schrift. Sie hinterlassen

keine Aufzeichnungen. Wie ich. Was aufgeschrieben wird,

sind nicht mehr meine Worte. Sie haben sie sch.n in

Schrift verwandelt. Niemand h.tte das so gut gekonnt wie

Sie. Es ist blo. nicht mehr meine Geschichte. Aber machen

Sie sich keine Sorgen. Sie k.nnen nichts dafür. Denn ich

bin nur abseits der breiten Wege gegangen.

Hier machte Fukaeri wieder eine Pause. Tengo stellte sich

bildlich vor, wie das junge M.dchen allein und stumm

abseits der breiten Wege wanderte.

Der Sensei besitzt gro.e Kraft und tiefe Weisheit. Aber

auch die Little People haben gro.e Kraft und tiefe

Weisheit. Im Wald muss man aufpassen. Im Wald sind

n.mlich die Little People. Damit die Little People einem

nicht schaden, muss man etwas finden, das sie nicht haben.

Dann kann man sicher durch den Wald gelangen.

Fukaeri hatte all das fast in einem Atemzug gesagt und

holte tief Luft. Da sie es tat, ohne ihr Gesicht vom Mikrofon

zurückzuziehen, h.rte es sich an wie das Brausen des

Windes, der zwischen zwei Hochh.usern hindurchf.hrt.

Als es verklang, h.rte Tengo das Hupen eines Lastwagens.

Es war der tiefe nebelhornartige Klang eines sehr gro.en

Lasters. Zweimal kurz. Ihr Aufenthaltsort schien sich nicht

weit von einer Hauptstra.e zu befinden.

(R.uspern) Ich bin heiser. Danke, dass Sie sich Sorgen um

mich machen. Danke, dass Ihnen die Form meines Busens

gef.llt und dass ich in Ihrer Wohnung schlafen durfte und

Sie mir Ihren Schlafanzug geliehen haben. Wahrscheinlich

k.nnen wir uns eine Weile nicht sehen. Vielleicht hat es die

Little People ge.rgert, dass über sie geschrieben wurde.

Aber Sie brauchen sich keine Sorgen zu machen. Ich kenne

mich aus im Wald. Bis dann.

An dieser Stelle knackte es, und die Aufnahme war

beendet.

Tengo drückte die Stopptaste und spulte dann wieder an

den Anfang zurück. Den von den Dachtraufen fallenden

Regentropfen lauschend, atmete er mehrmals tief ein und

aus und drehte dabei seinen Kugelschreiber zwischen den

Fingern. Dann legte er ihn auf den Tisch. Am Ende hatte er

keine einzige Notiz gemacht. Nur reglos Fukaeris

eigentümlicher Stimme zugeh.rt. Auch wenn er nichts

notiert hatte, war der Inhalt ihrer Botschaft eindeutig:

1. Sie war nicht entführt worden, sondern hielt sich für

eine Weile irgendwo versteckt. Es gab keinen Grund zur

Sorge.

2. Sie hatte nicht die Absicht, noch ein Buch zu

ver.ffentlichen. Was sie zu erz.hlen hatte, eignete sich

nicht dazu, diktiert und verschriftlicht zu werden.

3. Die Little People besa.en ebenso viel Weisheit und

Kraft wie Professor Ebisuno. Man musste sich vorsehen.

Das waren die drei Punkte, die sie ihm mitteilen wollte.

Das andere betraf die Giljaken. Eine Gruppe von Menschen,

die abseits der breiten Wege wanderten.

Tengo ging in die Küche und machte sich Kaffee.

W.hrend er ihn trank, starrte er ratlos die Kassette an.

Dann spielte er sie noch einmal ab. Diesmal drückte er

sicherheitshalber hin und wieder die Pausentaste und

notierte die wichtigsten Punkte. Schlie.lich überflog er das

Mitgeschriebene. Es bot keine neuen Aufschlüsse.

Hatte Fukaeri sich zuerst ein paar kurze Notizen gemacht,

anhand derer sie dann gesprochen hatte? Tengo glaubte es

nicht. Dazu war sie nicht der Typ. Zweifellos hatte sie in

Echtzeit in das Mikrofon gesprochen, wie es ihr gerade

einfiel (sie hatte ja nicht einmal die Pausentaste gedrückt).

Wo sie wohl war? Die Hintergrundger.usche auf dem

Band lieferten nicht viele Anhaltspunkte. In der Ferne

wurde eine Tür geschlossen. Kinderstimmen, die durch ein

offenes Fenster zu kommen schienen. Ein Kindergarten?

Das Hupen eines gro.en Lastwagens. Zumindest lag der

Ort, an dem Fukaeri sich befand, anscheinend nicht im

tiefsten Wald. Er konnte sich vorstellen, dass es irgendwo

in der Stadt war. Aufgenommen vielleicht am sp.ten

Vormittag oder frühen Nachmittag. Das Schlie.en der Tür

deutete darauf hin, dass sie nicht allein war.

Eines stand fest: Fukaeri hielt sich aus freien Stücken

verborgen. Das war kein Band, das unter Zwang

aufgenommen worden war. Man h.rte es an ihrer Stimme

und ihrer Art zu reden. Obwohl sie am Anfang ein wenig

aufgeregt wirkte, schien sie doch frei ins Mikrofon zu

sprechen, was ihr in den Sinn kam.

DER SENSEI BESITZT GROSSE KRAFT UND TIEFE

WEISHEIT. ABER AUCH DIE LITTLE PEOPLE HABEN

GROSSE KRAFT UND TIEFE WEISHEIT. IM WALD MUSS

MAN AUFPASSEN. IM WALD SIND N.MLICH DIE

LITTLE PEOPLE. DAMIT DIE LITTLE PEOPLE EINEM

NICHT SCHADEN, MUSS MAN ETWAS FINDEN, DAS SIE

NICHT HABEN. DANN KANN MAN SICHER DURCH DEN

WALD GELANGEN.

Tengo hatte diesen Teil noch einmal abgespielt. Fukaeri

hatte den Abschnitt ziemlich schnell gesprochen. Die

Pausen zwischen den S.tzen waren kurz. Die Little People

waren offenbar Wesen, die die M.glichkeit besa.en, Tengo

oder auch dem Sensei zu schaden. Aber Fukaeris Tonfall

war nicht zu entnehmen, dass die Little People b.se waren.

Eher hatte er das Gefühl, dass sie neutral waren und sich so

oder so verhalten konnten. Noch eine Stelle beunruhigte

Tengo.

VIELLEICHT HAT ES DIE LITTLE PEOPLE GE.RGERT,

DASS üBER SIE GESCHRIEBEN WURDE.

Wenn die Little People wirklich ver.rgert waren, dann

ganz bestimmt auch über ihn. Denn schlie.lich war er

derjenige, der die Kunde von ihrer Existenz in gedruckter

Form in aller Welt verbreitet hatte. Sicherlich würden sie es

nicht gelten lassen, wenn er erkl.rte, dass es kein b.ser

Wille gewesen sei.

Welchen Schaden die Little People einem Menschen wohl

zufügen konnten? Doch woher sollte Tengo das wissen? Er

spulte die Kassette zurück, steckte sie in den Umschlag und

legte ihn in eine Schublade. Dann zog er seinen

Regenmantel wieder an, setzte die Mütze auf und ging in

den unaufh.rlichen Regen hinaus, um seine Eink.ufe zu

machen.

Gegen neun Uhr an diesem Abend rief Komatsu an. Auch

diesmal wusste Tengo schon bevor er den H.rer abhob,

dass es Komatsu war. Er hatte im Bett gelegen und gelesen.

Nachdem es dreimal geklingelt hatte, stand er langsam auf,

hob ab und setzte sich an den Küchentisch.

.Hallo, Tengo., sagte Komatsu. .Kippst du dir gerade

einen hinter die Binde?.

.Nein, ich bin nüchtern..

.Wenn du das h.rst, wirst du vielleicht einen Schluck

brauchen., sagte Komatsu.

.Bestimmt eine lustige Geschichte, was?.

.Wie man’s nimmt. So lustig nun auch wieder nicht.

Vielleicht ist sie ein bisschen paradox und ein bisschen

komisch..

.Wie die Erz.hlungen von Tschechow..

.Genau., sagte Komatsu. .Wie bei Tschechow. Du sagst

es. Du triffst mit deinen Formulierungen immer den Nagel

auf den Kopf..

Tengo schwieg. Komatsu fuhr fort.

.Die Sache wird immer ungemütlicher. Der Professor hat

jetzt die Vermisstenanzeige aufgegeben, und die Polizei

fahndet nach Eri. Aber da es keine L.segeldforderung gibt,

nehmen sie die Sache nicht ganz so ernst. Wenn Eri etwas

zust..t, w.ren sie allerdings blamiert, das ist klar. Die

Medien sind nicht so leicht in Schach zu halten. Vor

meinem Haus schnüffeln st.ndig Reporter herum. Ich

bleibe natürlich dabei, dass ich nichts wei.. Aber ich

brauche sowieso nichts zu sagen. Sie sind schon dabei, die

Beziehung zwischen Fukaeri und Professor Ebisuno und die

Geschichte von ihren Eltern, die Revolution.re waren,

auszugraben. So was muss ja irgendwann rauskommen. Die

Schlimmsten sind die Illustrierten. Die freien

Schreiberlinge und Journalisten str.men in Scharen herbei,

wie Haie, die Blut geleckt haben. Und wenn die einmal

zugebissen haben, lassen sie nicht mehr locker. Sie leben ja

davon. Privatsph.re, Zurückhaltung oder so was kümmert

die einen Dreck. Sie schreiben zwar, aber aus ganz anderen

Gründen als ruhige, literarisch interessierte junge Leute wie

du, Tengo..

.Vielleicht sollte ich mich auch lieber in Acht nehmen?.

.Genau. Halte dich lieber bereit, in Deckung zu gehen.

Man kann nie wissen, was die ausgraben..

Tengo stellte sich vor, wie ein Schwarm Haie um ihr

kleines Boot herumwimmelte. Es sah aus wie ein Bild aus

einem schlechten Manga. .Man muss etwas finden, das sie

nicht haben., hatte Fukaeri gesagt. Doch was konnte das

nur sein?

.Aber, Herr Komatsu, war all das nicht von Anfang an

Professor Ebisunos Plan?.

.Kann sein., sagte Komatsu. .Vielleicht haben wir uns

ganz ordentlich benutzen lassen. Aber ich wusste ja von

Anfang an, was der Professor ungef.hr vorhatte. Er hat

seine Absichten nie verheimlicht. In dieser Hinsicht war es

ein faires Gesch.ft. Ich h.tte damals ja auch ablehnen

k.nnen und sagen: .Sensei, das riecht nach

Schwierigkeiten. Ich steige aus.. Ein anst.ndiger Redakteur

h.tte das getan. Aber wie du wei.t, mein lieber Tengo, bin

ich kein anst.ndiger Redakteur. Jedenfalls war damals alles

schon ins Rollen gekommen, und ich wollte so gern dabei

sein. Vielleicht habe ich auch nicht alles mit einkalkuliert..

Dann t.nte Tengo aus dem H.rer Schweigen entgegen.

Ein kurzes, aber dichtes Schweigen, das Tengo brach. .Das

hei.t, Ihr Plan wurde von Professor Ebisuno usurpiert..

.So k.nnte man es ausdrücken. Zumindest hat sich alles

schneller entwickelt, als wir es erwartet haben..

.Sie meinen, Professor Ebisuno hat diesen ganzen

Rummel inszeniert?., fragte Tengo.

.Natürlich. Er ist ein .u.erst gebildeter und

selbstbewusster Mann. Und so geht vielleicht alles gut.

Aber wenn der ganze Skandal über das hinausgeht, was

Professor Ebisuno vorausgesehen hat, k.nnte er die

Kontrolle verlieren. Wie hervorragend ein Mensch auch ist,

seine F.higkeiten haben doch Grenzen. Also, schnallen wir

uns lieber an..

.Wenn man in einem abstürzenden Flugzeug sitzt, nützt

Anschnallen auch nichts mehr, Herr Komatsu..

.Aber es beruhigt..

Tengo musste unwillkürlich l.cheln. Doch es war ein

kraftloses L.cheln. .Ist das der Kern Ihrer Geschichte? Sie

ist wirklich nicht sehr angenehm, aber ein bisschen

paradox und auch ein bisschen komisch..

.Tut mir leid, Kleiner, dass ich dich da reingezogen habe.

Ganz ehrlich., sagte Komatsu mit ausdrucksloser Stimme.

.Um mich geht es doch gar nicht. Mir kann nicht viel

passieren. Was habe ich denn zu verlieren? Ich habe keine

Familie, keine berufliche Stellung oder gro.artige Zukunft.

Viel mehr Sorgen mache ich mir um Fukaeri. Sie ist erst

siebzehn..

.Das bedrückt mich auch. Natürlich. Aber daran k.nnen

wir jetzt nichts .ndern, auch wenn wir uns noch so sehr

den Kopf zerbrechen. Vorl.ufig müssen wir uns irgendwo

festhalten, damit der Sturm uns nicht packt und

davonweht. Für den Moment sollten wir gründlich die

Zeitungen lesen..

.Ich nehme es mir fest vor..

.Gut., sagte Komatsu. .Ist dir übrigens eingefallen, wo

Fukaeri sein k.nnte? Irgendein Hinweis, egal was!.

.Nein, nichts., sagte Tengo. Lügen war nicht seine

St.rke. Und Komatsu verfügte über eine ungew.hnlich gute

Intuition. Aber er schien das leise Zittern in Tengos Stimme

nicht zu registrieren. Wahrscheinlich war er zu sehr mit

seinen eigenen Angelegenheiten besch.ftigt.

.Wenn irgendetwas ist, melde ich mich wieder., sagte

Komatsu und legte auf.

Nachdem Tengo den H.rer auf die Gabel gelegt hatte,

nahm er als Erstes ein Glas aus dem Schrank und schenkte

sich zwei Zentimeter Bourbon ein. Komatsu hatte recht

gehabt, nach diesem Telefonat brauchte er wirklich einen

Schluck.

Am Freitag kam wie immer seine Freundin vorbei. Der

Regen hatte aufgeh.rt, aber der Himmel war noch immer

von einer lückenlosen Schicht grauer Wolken bedeckt. Die

beiden a.en eine Kleinigkeit und gingen ins Bett. Beim Sex

gingen Tengo alle m.glichen abgerissenen Gedanken durch

den Kopf, aber der k.rperliche Genuss, den er beim

Geschlechtsverkehr empfand, litt nicht darunter. Wie

immer kitzelte sie geschickt die Lust hervor, die sich

w.hrend der Woche in Tengo angestaut hatte, und lenkte

sie in die richtigen Bahnen. Auch sie selbst erlangte volle

Befriedigung. Wie ein tüchtiger Steuerberater, der gr..te

Freude an komplizierten buchhalterischen Vorg.ngen

empfindet. Dennoch schien sie zu spüren, dass Tengo

etwas besch.ftigte.

.Dein Whiskyvorrat scheint in letzter Zeit ziemlich

abgenommen zu haben., sagte sie. Ihre Hand ruhte auf

Tengos m.chtiger Brust, als würde sie den Nachhall der

Liebe genie.en. An ihrem Ringfinger steckte ein kleiner,

aber stark funkelnder Diamantring, ihr Ehering. Sie sprach

von einer Flasche Wild Turkey, die seit ewigen Zeiten im

Regal stand. Sie bemerkte jede kleine Ver.nderung, wie die

meisten Frauen in mittlerem Alter, die eine sexuelle

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