Beziehung zu einem jüngeren Mann haben.
.In letzter Zeit wache ich nachts h.ufig auf., sagte Tengo.
.Du bist doch nicht etwa verliebt, oder?.
Tengo schüttelte den Kopf. .Nein..
.L.uft es mit deiner Arbeit nicht so gut?.
.Im Augenblick mache ich gute Fortschritte. Zumindest
komme ich weiter..
.Aber was ist es dann? Dich belastet doch etwas..
.Tja, ich kann einfach nicht gut schlafen. So etwas hatte
ich noch nie. Früher habe ich immer geschlafen wie ein
B.r..
.Armer Tengo., sagte sie und massierte liebevoll seine
Hoden mit der Hand, an der sie keinen Ring trug. .Tr.umst
du vielleicht schlecht?.
.Ich tr.ume fast gar nicht., sagte Tengo. Das war eine
Tatsache.
.Ich tr.ume viel. Und immer wieder den gleichen Traum.
So oft, dass ich mir schon selbst im Traum sage, .Das hast
du doch schon mal getr.umt.. Findest du das nicht
sonderbar?.
.Was tr.umst du denn?.
.Von einer Hütte im Wald..
.Eine Hütte im Wald., sagte Tengo. Er dachte an die, die
im Wald lebten. Die Giljaken, die Little People und Fukaeri.
.Was ist das für eine Hütte?.
.M.chtest du das wirklich wissen? Die Tr.ume anderer
Leute sind doch langweilig..
.Nein, finde ich nicht. Wenn es dir recht ist, würde ich
deinen Traum gern h.ren., sagte Tengo wahrheitsgem...
.Ich gehe allein durch einen Wald. Es ist kein tiefer
unheimlicher Wald, wie der, in dem H.nsel und Gretel sich
verirrt hatten. Er ist hell und licht. Es ist ein sch.ner
Nachmittag, warm und angenehm, und ich fühle mich
beschwingt. Auf einmal steht am Wegesrand ein kleines
Haus. Es hat einen Schornstein und eine kleine Veranda, an
den Fenstern h.ngen karierte Gardinen. Kurz gesagt, ein
freundlicher Anblick. Ich klopfe an die Tür und rufe:
.Hallo?. Aber niemand antwortet. Als ich noch einmal
lauter klopfe, geht die Tür von selbst auf. Sie war nicht
richtig zu. Ich betrete das Haus. .Guten Tag. Ist denn
niemand zu Hause? Ich komme herein., rufe ich..
Sie streichelte weiter z.rtlich Tengos Hoden und sah ihm
ins Gesicht. .Kannst du dir die Atmosph.re vorstellen?.
.Ja, sehr gut..
.Das Haus hat nur ein Zimmer. Es ist sehr einfach
eingerichtet. Eine kleine Kochstelle, ein Bett, ein Essplatz.
In der Mitte steht ein Holzofen, und der Tisch ist hübsch
mit Speisen für vier Personen gedeckt. Von den Tellern
steigt wei.er Dampf auf. Aber es ist niemand da. Vielleicht
ist, als alle gerade mit dem Essen anfangen wollten, etwas
Seltsames geschehen, ein Ungeheuer ist pl.tzlich
aufgetaucht oder so etwas, und alle sind in Panik
geflüchtet. Aber die Stühle sind nicht verrückt. Alles ist
ordentlich und auf seltsame Weise allt.glich. Nur dass kein
Mensch da ist..
.Und was ist das für ein Essen, das auf dem Tisch steht?.
Sie legte den Kopf schr.g. .Daran erinnere ich mich nicht.
Aber wo du es sagst … Was war es denn nur? Aber wei.t
du, die Speisen selbst spielen keine Rolle. Nur dass sie so
hei. wie frisch gekocht sind, hat eine Bedeutung. Jedenfalls
setze ich mich auf einen der Stühle und warte auf die
Rückkehr der Familie, die dort wohnt. Ich muss auf ihre
Rückkehr warten. Warum, wei. ich nicht. In einem Traum
sind ja nie alle Umst.nde ganz klar. Vielleicht muss ich sie
nach dem Weg fragen oder irgendetwas abholen oder so.
Jedenfalls warte ich. Doch so lange ich auch warte, es
kommt niemand. Das Essen dampft weiter. Bei diesem
Anblick bekomme ich einen Riesenhunger. Aber ganz
gleich wie hungrig ich bin, ich kann mich doch nicht in
Abwesenheit der Bewohner des Hauses eigenm.chtig über
ihr Essen hermachen. Findest du nicht?.
.Doch, finde ich auch., sagte Tengo. .Das h.tte ich auch
nicht einmal im Traum gewagt..
.Unterdessen neigt der Tag sich dem Ende zu. Es wird
bereits dunkel in dem H.uschen. Auch im Wald
drumherum wird es finster. Ich will das Licht in dem
H.uschen anschalten, aber ich wei. nicht, wie. Allm.hlich
werde ich unsicher. Da f.llt mir pl.tzlich etwas auf.
Seltsamerweise hat sich die Menge des Dampfes, der von
den Speisen aufsteigt, nicht verringert. Obwohl mehrere
Stunden vergangen sind, sind alle Speisen noch dampfend
hei.. Allm.hlich finde ich das alles sehr sonderbar.
Irgendetwas stimmt nicht. So endet der Traum..
.Du wei.t nicht, was danach passiert..
.Ganz bestimmt passiert danach etwas., sagte sie. .Die
Sonne geht unter, ich wei. den Heimweg nicht und bleibe
ganz allein in diesem bl.den H.uschen. Irgendetwas steht
im Raum. Ich habe das Gefühl, dass es nichts Gutes ist.
Aber der Traum endet immer an der gleichen Stelle. Und
ich tr.ume ihn wieder und wieder..
Sie h.rte auf, seine Hoden zu streicheln, und legte ihre
Wange auf Tengos Brust. .Vielleicht weist mich dieser
Traum auf etwas hin..
.Auf was zum Beispiel?.
Sie antwortete nicht und stellte stattdessen ihm eine
Frage. .Tengo, willst du wissen, was der schrecklichste Teil
dieses Traums ist?.
.Ja..
Als sie tief seufzte, traf ihr Atem Tengos Brustwarze wie
ein warmer Wind, der durch einen engen Kanal weht.
.Dass ich vielleicht selbst dieses Ungeheuer bin.
Irgendwann ist mir diese M.glichkeit eingefallen. Vielleicht
haben die Leute mich kommen sehen und sind in Panik
mitten im Essen aufgesprungen und geflüchtet. Und
vielleicht k.nnen sie nicht zurückkehren, solange ich dort
bin. Aber dennoch muss ich immer weiter in dem Haus auf
ihre Rückkehr warten. Dieser Gedanke macht mir gro.e
Angst. Er ist so hoffnungslos..
.Oder., sagte Tengo, .es ist dein eigenes Haus, und du
wartest auf dich selbst, nachdem du daraus geflohen bist..
Erst nachdem er es gesagt hatte, merkte Tengo, dass er es
nicht h.tte sagen sollen. Doch Worte, die einmal
entschlüpft sind, kann man nicht zurückholen. Sie schwieg
lange. Dann packte sie seine Hoden mit aller Kraft. So fest,
dass er nicht atmen konnte.
.Warum sagst du so etwas Gemeines?.
.Es hat keine Bedeutung. Ist mir nur pl.tzlich
eingefallen., presste Tengo mühsam hervor. Sie lockerte
ihren Griff und seufzte. .Jetzt sprechen wir mal über deine
Tr.ume..
Tengo atmete wieder regelm..ig. .Ich habe es doch
schon gesagt, ich tr.ume fast nie. Zumindest in letzter Zeit
nicht..
.Ein bisschen was wirst du doch tr.umen. Denn es gibt
keinen Menschen auf der Welt, der nicht tr.umt. Das hie.e
Dr. Freud beleidigen..
.Wahrscheinlich tr.ume ich ja, aber wenn ich aufwache,
kann ich mich an nichts erinnern. Auch wenn ich das
Gefühl habe, etwas getr.umt zu haben, wei. ich nicht, was
es war..
Sie schloss ihre Handfl.che sanft um seinen erschlafften
Penis und wog ihn behutsam in der Hand. Als ob ihr sein
Gewicht etwas Wichtiges sagte. .Also, dann lassen wir das
mit dem Traum. Dann erz.hl mir von dem Roman, an dem
du gerade schreibst..
.Darüber m.chte ich eigentlich nicht sprechen..
.Ich verlange ja gar nicht, dass du mir aus dem Stegreif
eine Zusammenfassung des Ganzen gibst. Ich wei. doch,
dass du für deine Statur ein empfindsamer junger Mann
bist. Einen Teil von der Einleitung oder irgendeine Episode
kannst du mir doch erz.hlen, irgendetwas, auch wenn es
nicht viel ist. Du sollst mir etwas anvertrauen, das niemand
sonst auf der Welt wei.. Du hast etwas Gemeines zu mir
gesagt, und ich m.chte, dass du es wiedergutmachst.
Verstehst du, was ich meine?.
.Ich glaube schon., sagte Tengo mit unsicherer Stimme.
.Dann erz.hl..
W.hrend sein Penis in ihrer Handfl.che lag, erz.hlte
Tengo. .Es ist eine Geschichte über mich selbst. Oder über
jemanden nach meinem Vorbild..
.Das liegt nahe., sagte seine Freundin. .Und komme ich
in der Geschichte auch vor?.
.Nein. Denn die Welt, in der ich bin, ist eine andere..
.Und in dieser anderen Welt gibt es mich nicht..
.Nicht nur dich gibt es nicht. Alle Menschen, die es auf
unserer Welt gibt, gibt es auf der anderen nicht..
.Wie unterscheidet sich die andere Welt von unserer
hier? Kannst du feststellen, auf welcher Welt du bist?.
.Ja, das kann ich. Weil ich die Geschichte schreibe..
.Ich spreche von anderen Menschen. Wenn ich mich zum
Beispiel aus irgendeinem Grund pl.tzlich in die andere
Welt verirren würde..
.Ich glaube, du k.nntest es unterscheiden., sagte Tengo.
.Beispielsweise hat die andere Welt zwei Monde. Daran
erkennt man den Unterschied..
Die Welt, in der zwei Monde am Himmel standen, hatte
er aus Fukaeris Geschichte übernommen. Tengo hatte vor,
eine l.ngere und kompliziertere Geschichte über diese
Welt – und sich selbst – zu schreiben. Dass der Schauplatz
der gleiche war wie in Eris kurzem Roman, würde vielleicht
sp.ter zu einem Problem werden. Aber im Moment wollte
Tengo unbedingt eine Geschichte über die Welt mit den
zwei Monden schreiben. Und darüber konnte er sp.ter
auch noch nachdenken.
.Wenn ich also nachts zum Himmel schaue und dort
zwei Monde stehen, wei. ich, dass ich nicht auf unserer
Welt bin, ja?.
.Das ist das Zeichen..
.Und die beiden Monde überlappen einander nicht?.,
fragte sie.
Tengo schüttelte den Kopf. .Warum, wei. ich nicht, aber
die Distanz zwischen den beiden Monden bleibt immer
erhalten..
Seine Freundin dachte eine Weile für sich über die andere
Welt nach. Ihre Finger zeichneten Figuren auf Tengos
nackte Brust.
.Kennst du den Unterschied zwischen den englischen
W.rtern lunatic und insane?., fragte sie ihn.
.Beides sind Adjektive, die .geistesgest.rt. bedeuten. Den
genauen Unterschied kenne ich nicht..
.Insane bezieht sich wohl eher auf ein angeborenes
Problem. Im Gegensatz dazu kommt lunatic von luna –
Mond – und bezeichnet einen vorübergehenden Zustand.
Im 19. Jahrhundert in England wurden Menschen, die als
lunatic anerkannt wurden, ganz gleich, was sie verbrochen
hatten, weniger streng bestraft. Statt dem Menschen die
Schuld zu geben, sagte man, das Licht des Mondes habe ihn
verwirrt. Es ist unglaublich, aber ein solches Gesetz
existierte wirklich. Die Vorstellung, dass der Mond den
Geist des Menschen in Unordnung bringt, stand über dem
Gesetz..
.Woher wei.t du das denn alles?., fragte Tengo
verwundert.
.So erstaunlich ist das nun auch wieder nicht. Immerhin
lebe ich bereits zehn Jahre l.nger als du. Also ist es nicht
verwunderlich, dass ich ein paar mehr Dinge wei...
Tengo musste zugeben, dass sie damit wohl recht hatte.
.Ich habe Anglistik studiert und irgendwann an einem
Dickens-Lektürekurs teilgenommen. Der Dozent war ein
wenig seltsam. Er ist immer abgeschweift und hat Dinge
erz.hlt, die mit der Romanhandlung wenig zu tun hatten.
Aber was ich sagen wollte – wenn schon ein Mond genügt,
um den Leuten den Verstand zu rauben, müssten sie bei
zwei Monden am Himmel doch v.llig verrückt werden.
Auch die Gezeiten würden sich ver.ndern und der
weibliche Zyklus durcheinandergeraten. Eine
Unregelm..igkeit nach der anderen würde auftreten..
Tengo dachte darüber nach. .Wahrscheinlich w.re das
so..
.Sind die Menschen in der anderen Welt denn verrückt?.
.Nein, gar nicht. Sie sind überhaupt nicht besonders
verrückt. Eigentlich machen sie in etwa das Gleiche wie wir
hier..
Sie drückte Tengos Penis ganz leicht. .Sie machen also im
Gro.en und Ganzen das Gleiche wie wir hier. Wenn das so
ist, worin liegt dann der Sinn dieser anderen Welt?.
.So kann ich die Vergangenheit unserer Welt
umschreiben., sagte Tengo.
.Du kannst die Vergangenheit umschreiben, wie es dir
gef.llt?.
.Ja..
.Willst du die Vergangenheit denn umschreiben?.
.Willst du die Vergangenheit etwa nicht umschreiben?.
Sie schüttelte den Kopf. .Ich glaube nicht, dass ich die
Vergangenheit oder die Geschichte umschreiben m.chte.
Was ich gern umschreiben würde, ist die Gegenwart..
.Aber wenn man die Vergangenheit umschreiben k.nnte,
w.re naturgem.. auch die Gegenwart anders. Denn die
Gegenwart entsteht durch die Anh.ufung von
Vergangenheit..
Wieder seufzte sie tief. Mehrmals hob und senkte sie die
Hand, in der Tengos Penis ruhte. Es war wie eine
Probefahrt mit dem Aufzug. .Dazu kann ich nur eins sagen:
Du bist zwar ein ehemaliges mathematisches Wunderkind,
ein Judo-Dan-Tr.ger und schreibst einen langen Roman.
Trotzdem hast du keine Ahnung von dieser Welt. Nicht die
geringste..
Dieses scharfe Urteil erstaunte Tengo nicht sonderlich.
Keine Ahnung zu haben war momentan für ihn der
Normalzustand. Es war keine erw.hnenswerte
Neuentdeckung.
.Aber das ist in Ordnung, du brauchst auch nichts zu
wissen.. Seine Freundin .nderte ihre K.rperhaltung und
drückte ihre Brüste an Tengo. .Du bist ein vertr.umter
Mathematiklehrer an einer Yobiko, der Tag für Tag an
seinem langen Roman weiterschreibt. Bleib, wie du bist. Ich
mag dein Schw.nzchen sehr. Die Form, die Gr..e und wie
es sich anfühlt. Ob hart, ob weich. Ob krank, ob gesund.
Und für eine Weile geh.rt es nur mir. Das ist doch so,
oder?.
.Stimmt., best.tigte Tengo.
.Ich habe dir ja schon gesagt, dass ich extrem eifersüchtig
bin, nicht wahr?.
.Ich habe es geh.rt. Eifersüchtig über alle Vernunft
hinaus..
.Wirklich über alle Vernunft hinaus. Das war schon
immer so.. Sie begann ihre Finger langsam in verschiedene
Richtungen zu bewegen. .Er wird gleich noch einmal hart.
Hast du etwas dagegen einzuwenden?.
Er habe keine besonderen Einw.nde, sagte Tengo.
.Woran denkst du gerade?.
.Daran, wie du als Studentin in der Anglistikvorlesung
sitzt..
.Es war Martin Chuzzlewit. Ich war achtzehn, trug ein
sü.es Rüschenkleid und einen Pferdeschwanz. Ich war eine
sehr ernsthafte Studentin und noch Jungfrau. Es fühlt sich
an wie eine Geschichte aus einem früheren
Leben … Jedenfalls war der Unterschied zwischen lunatic
und insane die erste Erkenntnis, die ich mir an der
Universit.t angeeignet habe. Und? Erregt dich die
Vorstellung?.
.Natürlich.. Er schloss die Augen und stellte sich das
Rüschenkleid und den Pferdeschwanz vor. Eine Jungfrau,
die eine sehr ernsthafte Studentin war. Aber über jede