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作者: 当前章节:15382 字 更新时间:2026-6-19 08:06

Vernunft hinaus eifersüchtig. Er sah den Mond über dem

Dickensschen London. Die Wahnsinnigen, die dort –

insane oder lunatic – umherirrten. Sie trugen alle .hnliche

Mützen und hatten .hnliche B.rte. Woran konnte man sie

unterscheiden? Als Tengo die Augen schloss, konnte er

nicht mehr mit Sicherheit sagen, in welcher Welt er sich

befand.

Buch 2

Juli bis September

KAPITEL 1

Aomame

Der langweiligste Ort der Welt

Noch war das Ende der Regenzeit nicht offiziell

verkündet, aber die hochsommerliche Sonne strahlte

bereits ungehindert vom wolkenlos blauen Himmel zur

Erde, und die nun üppig grünen Weiden warfen wieder ihre

dichten schwankenden Schatten auf die Stra.e.

Tamaru empfing Aomame am Eingang. Er trug einen

dunklen, aber sommerlich leichten Anzug, ein wei.es

Hemd und eine Krawatte in gedeckten Farben. Ihm schien

kein bisschen hei. zu sein. Dass ein Mann von seiner

Gr..e auch an hei.esten Tagen niemals ins Schwitzen

geriet, versetzte Aomame immer wieder in Erstaunen.

Als Tamaru sie sah, nickte er kurz, murmelte eine kaum

h.rbare Begrü.ung und sprach danach kein Wort mehr. Es

kam nicht einmal zu ihrem üblichen Geplauder.

Schnurstracks ging er ihr durch den langen Korridor voran

und führte sie in den Raum, in dem die alte Dame sie

erwartete. Aomame vermutete, dass er nach dem Tod der

Hündin einfach keine Lust auf eine Unterhaltung hatte.

.Wir brauchen einen neuen Wachhund., hatte er beil.ufig

am Telefon gesagt. Als sei die Rede vom Wetter. Doch

Aomame wusste, dass der Tod der Sch.ferhündin ihn in

Wahrheit alles andere als kalt lie.. Er hatte all die Jahre

ebenso an Bun gehangen wie sie an ihm. Tamaru empfand

ihren pl.tzlichen und sinnlosen Tod als eine Art

pers.nliche Beleidigung oder Herausforderung. Von seinem

schultafelbreiten Rücken ging stummer Zorn aus.

Tamaru .ffnete die Tür zum Salon für Aomame. Er selbst

blieb dort stehen, um die Anweisungen der alten Dame

entgegenzunehmen.

.Ich brauche Sie im Augenblick nicht, danke., sagte

diese. Auf einem Tischchen neben ihrem Sessel stand ein

rundes Goldfischglas mit zwei roten Goldfischen. Es waren

ganz ordin.re Goldfische, wie es sie überall zu kaufen gab,

und ein ebenso ordin.res Goldfischglas mit ein paar

grünlichen Wasserpflanzen darin. Aomame war schon

mehrere Male in dem gro.en, luxuri.sen Raum gewesen,

aber die Goldfische sah sie zum ersten Mal. Offenbar war

die Klimaanlage eingeschaltet, denn hin und wieder spürte

sie eine kühle Brise auf der Haut. Auf einem Tisch hinter

ihr stand eine Vase mit drei wei.en Lilien, deren gro.e

Blüten an kleine, in Gedanken versunkene exotische Tiere

erinnerten.

Die alte Dame bedeutete Aomame, auf dem Sofa Platz zu

nehmen. Die wei.en Spitzengardinen vor dem Fenster zum

Garten waren zugezogen, kamen jedoch gegen die starken

Strahlen der sommerlichen Nachmittagssonne nicht an. In

diesem Licht und in dem gro.en Sessel wirkte die alte

Dame so ersch.pft, wie Aomame sie noch nie gesehen

hatte. Sie hatte ihre dünnen Arme aufgestützt, und ihr Kinn

ruhte kraftlos in ihren H.nden. Ihre Augen waren

eingesunken und die Lippen bleich. Ihr Hals schien faltiger

als sonst, und die .u.eren Enden ihrer langen Brauen

hingen ein wenig nach unten, als h.tten sie es aufgegeben,

sich der Schwerkraft zu widersetzen. Vielleicht litt sie unter

einer Kreislaufschw.che, denn ihre Haut war an manchen

Stellen so wei., als habe man sie mit Mehl best.ubt. Sie

schien um mindestens fünf oder sechs Jahre gealtert, seit

Aomame sie das letzte Mal gesehen hatte. Der alten Dame

schien es heute gleichgültig zu sein, dass ihre Ersch.pfung

so sichtbar wurde. Das war au.ergew.hnlich. Zumindest in

Aomames Gegenwart war sie sonst immer bemüht, einen

makellos adretten .u.eren Anschein zu wahren. Sie hielt

sich unter Aufbietung gro.er Willenskraft kerzengerade

und benahm sich .u.erst kontrolliert, um nicht das

kleinste Zeichen ihres Alters erkennen zu lassen. Stets mit

bewundernswertem Erfolg.

Heute ist wirklich einiges anders als sonst, dachte

Aomame. Auch das Licht verlieh dem Raum eine andere

Note als sonst. Und dann dieses banale, billige

Goldfischglas, das eigentlich gar nicht in diesen Salon mit

seiner hohen Decke und den eleganten antiken M.beln

passte.

Eine Weile schwieg die alte Dame. Die Wange in die

Hand geschmiegt, blickte sie an Aomame vorbei auf

irgendeinen Punkt im Raum. Aomame wusste, dass es dort

nichts Besonderes zu sehen gab und dieser Punkt dem Blick

der alten Dame nur als tempor.re Zuflucht diente.

.M.chten Sie etwas trinken?., fragte diese mit ruhiger

Stimme.

.Nein, danke., erwiderte Aomame.

.Dort drüben steht Eistee. Falls Sie durstig sind, schenken

Sie sich bitte ein Glas ein..

Die alte Dame deutete auf einen Teewagen in der N.he

der Tür, auf dem ein Krug Tee mit Eis und Zitrone und drei

verschiedenfarbige geschliffene Gl.ser standen.

.Danke., sagte Aomame noch einmal, blieb aber sitzen

und wartete.

In dem Schweigen der alten Dame lag eine gewisse

Andeutung. Es gab da etwas, das sie sagen musste, das

jedoch, indem sie es aussprach, an unerwünschter Realit.t

gewinnen würde. Und diesen Augenblick wollte sie so lange

wie m.glich hinausschieben, und seien es nur ein paar

Minuten. Ihr Blick glitt über das Goldfischglas hinweg.

Schlie.lich schaute sie Aomame resigniert ins Gesicht. Sie

hatte die Lippen fest aufeinandergepresst und die

Mundwinkel bewusst ein wenig nach oben gezogen.

Endlich sprach sie.

.Sie haben sicher von Tamaru erfahren, dass der

Wachhund vom Frauenhaus tot ist? Und dass wir uns nicht

erkl.ren k.nnen, wie das passiert ist..

.Ja, er hat es mir erz.hlt..

.Danach ist Tsubasa verschwunden..

Aomame verzog das Gesicht. .Verschwunden?.

.Ja, wahrscheinlich in der Nacht. Wie vom Erdboden

verschluckt. Heute Morgen war sie nicht mehr da..

Aomame schürzte die Lippen und suchte nach passenden

Worten, ohne sie gleich zu finden. .Aber … Sie sagten doch,

dass immer jemand bei ihr ist. Im selben Raum schl.ft. Und

auf sie aufpasst..

.Ja, aber diese Frau hat ungew.hnlich tief geschlafen und

offenbar überhaupt nicht bemerkt, wie Tsubasa

verschwunden ist. Am Morgen war sie nicht mehr in ihrem

Bett..

.Die Sch.ferhündin wird get.tet, und am Tag darauf

verschwindet Tsubasa., fasste Aomame zusammen.

Die alte Dame nickte. .Im Augenblick sind wir noch nicht

sicher, ob zwischen den beiden Ereignissen ein

Zusammenhang besteht. Aber eigentlich bin ich überzeugt

davon..

Beil.ufig betrachtete Aomame das Goldfischglas auf dem

Tisch. Ihrem Blick folgend, sah auch die alte Dame auf die

beiden Goldfische, die ungerührt in ihrem gl.sernen Teich

herumschwammen, indem sie ihre soundso vielen Flossen

bewegten. Das sommerliche Licht brach sich auf

eigentümliche Weise in der Kugel und erweckte beim

Betrachter die Illusion, in einen geheimnisvollen Teil der

Tiefsee zu sp.hen.

.Ich habe die Fische für Tsubasa gekauft., wandte die alte

Dame sich erkl.rend an Aomame. .Wir sind ein bisschen

über das Schreinfest geschlendert, das wir hier in Azabu

hatten. Ich fand es nicht gesund für Tsubasa, dass sie

immer so im Haus eingesperrt war. Natürlich hat Tamaru

uns begleitet. Abends haben wir dann zusammen die

Goldfische gekauft. Die Kleine schien so fasziniert davon.

Wir haben das Glas in ihr Zimmer gestellt, und sie hat es

den ganzen Tag lang unentwegt betrachtet. Aber jetzt, wo

sie fort ist, habe ich die Fische mit hierher genommen.

Auch ich schaue sie mir dauernd an, sitze unt.tig davor

und starre. Seltsam, aber anscheinend wird man dessen nie

müde. Noch nie habe ich ein paar Goldfische mit derartiger

Intensit.t beobachtet..

.Haben Sie eine Ahnung, wo Tsubasa sich aufhalten

k.nnte?., fragte Aomame.

.Nicht die geringste., antwortete die alte Dame. .Es gibt

auch keine Verwandten, bei denen sie sein k.nnte. Soweit

ich wei., hat das Kind auf der ganzen Welt niemanden, an

den es sich wenden k.nnte..

Die alte Dame zuckte nerv.s mit dem Kopf, als wolle sie

eine unsichtbare, winzige Fliege verscheuchen. .Nein, sie

ist einfach fortgegangen. Dass jemand hier eingedrungen

ist und sie mit Gewalt weggeschleppt hat, ist

ausgeschlossen. Die Frauen haben alle einen leichten

Schlaf. Irgendeine w.re auf jeden Fall aufgewacht. Nein, ich

glaube, Tsubasa ist aus eigenem Entschluss gegangen. Sie

hat sich die Treppe hinuntergeschlichen, leise den

Schlüssel genommen, hat die Tür ge.ffnet und ist

hinausgelaufen. Ich kann mir die Szene gut vorstellen. Der

Hund war in der Nacht zuvor umgekommen, also konnte er

auch nicht bellen. Sie hat sich nicht einmal angezogen,

sondern ist so, wie sie war, im Schlafanzug, verschwunden,

obwohl ihre Kleider neben ihr im Zimmer lagen.

Wahrscheinlich hat sie nicht einen Yen bei sich..

Aomames Gesicht verzog sich st.rker. .Ganz allein und

im Schlafanzug?.

Die alte Dame nickte. .Ja. Wohin kann ein zehnj.hriges

M.dchen im Schlafanzug und ohne Geld mitten in der

Nacht gehen? Das widerspricht jeder Vernunft. Dennoch

kommt es mir nicht einmal besonders seltsam vor. Eher

habe ich das Gefühl, es ist geschehen, was geschehen

musste. Deshalb suche ich auch nicht nach ihr. Sondern

starre mü.ig diese Fische an..

Nachdem die alte Dame einen Blick auf das Goldfischglas

geworfen hatte, schaute sie Aomame wieder direkt ins

Gesicht.

.Weil ich wei., dass alles Suchen vergeblich w.re.

Tsubasa ist schon an einem Ort, an dem ich sie nicht mehr

erreichen kann.. Sie nahm ihre Hand von der Wange und

lie. ihren Atem langsam entweichen. Ihre H.nde ruhten

nun nebeneinander in ihrem Scho..

.Aber warum ist sie weggelaufen?., fragte Aomame.

.Hier war sie in Sicherheit, und sie kann doch nirgendwo

anders hin..

.Ich kenne den Grund nicht. Aber ich habe das Gefühl,

dass der Tod des Hundes der Ausl.ser für ihr

Verschwinden war. Tsubasa hat von Anfang an sehr an Bun

gehangen, und auch der Hund hatte eine ungew.hnlich

starke Zuneigung zu ihr. Sie waren die besten Freunde. Sein

Tod, zumal so blutig und unerkl.rlich, hat ihr einen

schlimmen Schock versetzt. Das ist v.llig natürlich. Alle

hier haben einen Schock. Aber bei reiflichem Nachdenken

kommt es mir so vor, als k.nnte der grausame Mord an

dem Hund auch eine an Tsubasa gerichtete Botschaft

gewesen sein..

.Was für eine Botschaft denn?.

.Dass sie nicht hier sein darf. Wir wissen, dass du dich

hier versteckst. Du musst weg. Sonst k.nnte den Leuten

um dich herum etwas Schlimmes zusto.en. Diese Art von

Botschaft..

Die Finger auf den Knien der alten Dame zerhackten eine

imagin.re Zeit in feine Stücke. Aomame wartete, dass sie

fortfuhr.

.Vielleicht hat Tsubasa die Botschaft verstanden und uns

aus eigenem Antrieb verlassen. Obwohl sie nicht wollte. Es

blieb ihr nichts anderes übrig. Der Gedanke, dass ein

zehnj.hriges M.dchen einen Entschluss wie diesen fassen

musste, ist mir unertr.glich..

Aomame h.tte gern die H.nde der alten Dame

genommen. Aber sie hielt sich zurück. Sie wusste, dass die

Geschichte noch nicht zu Ende war.

.Ich brauche Ihnen nicht zu sagen, wie entsetzlich das für

mich ist., fuhr die alte Dame fort. .Es fühlt sich an, als

h.tte man mir einen K.rperteil abgetrennt. Ich wollte

Tsubasa offiziell an Kindes statt annehmen. Natürlich

wusste ich, dass das nicht ganz einfach sein würde. Doch

trotz aller Schwierigkeiten und wider die Vernunft habe ich

es mir gewünscht. Also kann ich mich jetzt auch bei

niemandem beklagen. Aber um die Wahrheit zu sagen,

man zahlt in meinem Alter einen hohen k.rperlichen Preis,

wenn so etwas passiert..

.Aber es k.nnte doch sein, dass Tsubasa pl.tzlich wieder

auftaucht., sagte Aomame. .Sie hat ja kein Geld und kann

nirgendwo anders hin..

.Das würde ich gern glauben, aber es wird nicht

geschehen., sagte die alte Dame mit v.llig tonloser

Stimme. .Sie ist erst zehn, und dennoch hat sie

eigenst.ndig beschlossen, fortzugehen. Von sich aus wird

sie nicht zurückkommen..

Aomame erhob sich mit einer Entschuldigung, ging zu

dem Teewagen an der Tür und schenkte sich Eistee in das

grüne der elegant geschliffenen Gl.ser ein. Weniger weil sie

Durst hatte, als um einmal aufzustehen und eine

Unterbrechung herbeizuführen. Sie kehrte zum Sofa

zurück, nahm einen Schluck Eistee und stellte das Glas auf

der gl.sernen Tischplatte ab.

.Wir wollen das Thema Tsubasa vorl.ufig beiseite

lassen.. Die alte Dame wartete, bis Aomame es sich wieder

auf dem Sofa bequem gemacht hatte. Hoch aufgerichtet,

die H.nde fest vor sich gefaltet, schien sie einen

Schlusspunkt hinter ihre Gefühle gesetzt zu haben.

.Wenden wir uns jetzt einmal diesem .Leader. – dem

Oberhaupt der Vorreiter – zu. Ich erz.hle Ihnen, was ich

bisher über ihn in Erfahrung bringen konnte. Aus diesem

Grund habe ich Sie hergebeten. Obwohl das letzten Endes

natürlich auch etwas mit Tsubasa zu tun hatte..

Aomame nickte. Sie hatte es vorausgesehen.

.Also: Wir müssen diesen sogenannten .Leader. unter

allen Umst.nden beseitigen. Das hei.t, ins Jenseits

bef.rdern. Wie Sie wissen, hat dieser Mensch die

Angewohnheit, zehnj.hrige M.dchen zu vergewaltigen.

M.dchen, die noch nicht ihre erste Periode hatten. Um

seine Taten zu rechtfertigen, bedient er sich einer

religi.sen Gruppe und einer Lehre, die er sich eigens

zurechtgebastelt hat. Soweit es m.glich war, habe ich

m.glichst ausführliche Erkundigungen eingezogen, die ich

mir etwas habe kosten lassen. Das war gar nicht so einfach.

Es waren h.here Summen n.tig, als ich erwartet hatte.

Immerhin konnten wir vier M.dchen identifizieren, die

mutma.lich von diesem Mann vergewaltigt worden sind.

Tsubasa ist das vierte..

Aomame griff nach ihrem Glas und trank einen Schluck

Eistee. Er schmeckte nach nichts. Als sei ihr Mund voll

Watte, die jeden Geschmack aufsog.

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