饭饭TXT > 海外名作 > 《1Q84 book 1 > 1Q84 德语版.txt

第 66 页

作者: 当前章节:15397 字 更新时间:2026-6-19 08:06

Eingang standen. Aomame lie. sich auf dem Stuhl daneben

nieder. Das Vordach hielt die Sonne ab, und die beiden

sa.en im Schatten. Es war angenehm kühl und duftete

nach jungem Gras.

.Wie im Hochsommer., sagte Tamaru.

.Die Zikaden zirpen schon., sagte Aomame.

.In diesem Jahr scheinen sie früher loszulegen als sonst.

Bald wird es hier so laut sein, dass einem die Ohren

wehtun. Ich habe einmal in einer Ortschaft in der N.he der

Niagaraf.lle übernachtet, da war es genauso laut.

Unentwegter L.rm, von morgens bis abends. Ein Dr.hnen

wie von einer Million gro.er und kleiner Zikaden..

.Du warst mal an den Niagaraf.llen?.

Tamaru nickte. .Ich kann dir sagen – der langweiligste

Ort der Welt. Ich war drei Tage lang allein dort. Es gab

nichts zu tun, au.er dem Rauschen der Wasserf.lle

zuzuh.ren. Und das war so laut, dass man nicht mal ein

Buch lesen konnte..

.Was hast du denn allein drei Tage lang an den

Niagaraf.llen gemacht?.

Darauf gab Tamaru keine Antwort. Er schüttelte nur kurz

den Kopf.

Schweigend lauschten Tamaru und Aomame eine Weile

dem Zirpen der Zikaden.

.Ich habe eine Bitte., sagte Aomame.

Tamaru horchte auf. Aomame war nicht der Typ, der um

etwas bat.

.Es ist keine gew.hnliche Bitte., sagte sie. .Ich hoffe, du

nimmst sie mir nicht übel..

.Ich wei. nicht, ob ich sie erfüllen kann oder nicht. Lass

mal h.ren. Egal was es ist, schon aus H.flichkeit würde ich

einer Dame ihre Bitte niemals übelnehmen..

.Ich brauche eine Pistole., sagte Aomame in

gesch.ftsm..igem Ton. .Sie muss in eine Handtasche

passen. Sie sollte einen geringen Rücksto. haben, aber eine

verh.ltnism..ig gro.e Durchschlagskraft; eine, auf deren

Effizienz ich mich verlassen kann. Kein Nachbau und keine

philippinische Kopie. Wenn ich sie benutzte, wird es nur

einmal sein. Das hei.t, ein Magazin mit Munition wird

ausreichen..

W.hrend der nun folgenden Stille lie. Tamaru Aomame

nicht aus den Augen. Sein Blick wich um keinen Millimeter

von ihr ab.

Er sprach langsam und mit Nachdruck. .Den Bürgern

unseres Landes ist der Besitz von Schusswaffen gesetzlich

verboten. Das ist dir bekannt, ja?.

.Natürlich..

.Ich sage es nur zur Sicherheit. Bisher bin ich noch nie

mit dem Gesetz in Konflikt geraten., sagte Tamaru. .Mit

anderen Worten, ich bin nicht vorbestraft. M.glicherweise

haben die Ordnungskr.fte ein paar Dinge übersehen. Das

will ich gar nicht leugnen. Aber laut Aktenlage bin ich ein

unbescholtener Bürger. Blütenwei.e Weste, ehrlich und

sauber, kein Makel. Ich bin zwar schwul, aber das ist nicht

gegen das Gesetz. Ich zahle ordnungsgem.. meine Steuern

und gehe sogar w.hlen. Auch wenn die Kandidaten, für die

ich stimme, die Wahl nie gewinnen. S.mtliche Strafzettel

für falsches Parken habe ich pünktlich bezahlt. In zehn

Jahren habe ich nicht ein einziges Mal gegen

Geschwindigkeitsbeschr.nkungen versto.en. Ich bin

Mitglied der Allgemeinen Ortskrankenkasse. Meine

Rundfunkgebühren überweise ich ordnungsgem.. und

besitze au.erdem Kreditkarten von American Express und

Master-Card. Augenblicklich habe ich nicht die Absicht,

aber wenn ich wollte, k.nnte ich einen Eigenheimkredit

mit drei.igj.hriger Laufzeit bekommen. Ich sch.tze mich

glücklich, mich in einer so günstigen Lage zu befinden.

Und diesen Biedermann, diese Stütze der Gesellschaft,

bittest du, dir eine Waffe zu besorgen. Ist dir das klar?.

.Deshalb habe ich ja auch gesagt, du sollst es mir nicht

übelnehmen..

.Ja, hab ich geh.rt..

.Tut mir wirklich leid, aber au.er dir f.llt mir niemand

ein, den ich fragen k.nnte..

Tamaru gab ein leises Ger.usch von sich. Es klang, als

würde er einen Seufzer unterdrücken. .Wenn ich zuf.llig in

der Lage sein sollte, deinem Wunsch zu entsprechen,

würde ich aber vorher einmal vernünftig nachdenken und

dich als Erstes fragen, wen in aller Welt du zu erschie.en

beabsichtigst..

Aomame deutete mit ihrem Zeigefinger an ihre Schl.fe.

.Mich vielleicht..

Tamaru starrte eine Weile ausdruckslos auf ihren Finger.

.Als N.chstes würde ich nach dem Grund fragen..

.Weil ich nicht geschnappt werden will. Vor dem Tod

habe ich keine Angst. Ins Gef.ngnis zu gehen w.re ziemlich

.rgerlich, aber auch das k.nnte ich ertragen. Nur von

irgendwelchen bl.den Typen eingefangen und gefoltert zu

werden w.re richtig unangenehm. Ich will ja auch keine

Namen preisgeben. Du verstehst, was ich meine?.

.Ich glaube schon..

.Ich habe nicht vor, jemanden zu erschie.en oder eine

Bank auszurauben. Deshalb brauche ich auch keine

schwere Halbautomatik mit zwanzig Schuss. Eine

handliche Pistole mit geringem Rücksto. genügt..

.Gift w.re eine Alternative. Das ist praktischer, als eine

Waffe in der Hand halten zu müssen..

.Es dauert aber, bis man das Gift herausgeholt und

geschluckt hat. W.hrend man sich die Kapsel in den Mund

steckt und zerbei.t, ist man handlungsunf.hig. Aber mit

einer Waffe in der Hand kann man einen Gegner in Schach

halten, w.hrend man die Sache erledigt..

Tamaru überlegte kurz. Er zog die rechte Augenbraue

hoch.

.Ich würde dich h.chst ungern missen. Ich mag dich

relativ gern. Also pers.nlich..

Aomame musste l.cheln. .Das hei.t, für einen weiblichen

Menschen?.

Tamaru .nderte seinen Ausdruck nicht. .Mann, Frau oder

Hund; viele sind es nicht, die ich mag..

.Verstehe., sagte Aomame.

.Allerdings ist es meine allerh.chste Priorit.t, die

Sicherheit und die k.rperliche Unversehrtheit von Madame

zu gew.hrleisten. Und ich bin, wie soll ich sagen, so etwas

wie ein Profi..

.Selbstverst.ndlich..

.Aber ich will sehen, was ich in diesem Rahmen für dich

tun kann. Keine Garantie. Aber m.glicherweise habe ich

einen Bekannten, der dein Anliegen erfüllen kann.

Allerdings bleibt das eine extrem heikle Angelegenheit. Das

ist etwas anderes, als in einem Versandhaus eine Heizdecke

zu bestellen. Es wird etwa eine Woche dauern, bis ich dir

Bescheid geben kann..

.Kein Problem., sagte Aomame.

Tamaru kniff die Augen zusammen und blickte hinauf in

die B.ume, wo die Zikaden zirpten. .Ich wünsche dir, dass

alles gutgeht. Und ich werde mein M.glichstes tun..

.Danke. Diese Mission wird wahrscheinlich meine letzte

sein. Vielleicht werden wir uns danach nie wiedersehen..

Tamaru breitete die Arme aus, seine Handfl.chen zeigten

nach oben. Wie ein Mensch, der mitten in der Wüste steht

und darauf wartet, dass es anf.ngt zu regnen. Aber er sagte

nichts. Seine Handfl.chen waren gro. und dick gepolstert.

An einigen Stellen waren sie vernarbt. Sie erinnerten

weniger an K.rperteile als an die Schaufeln einer schweren

Maschine.

.Ich nehme nicht gern Abschied., sagte Tamaru. .Ich

hatte nicht mal Gelegenheit, mich von meinen Eltern zu

verabschieden..

.Sind sie tot?.

.Ich wei. es nicht. Ich wurde ein Jahr vor Kriegsende auf

Sachalin geboren. Der südliche Teil von Sachalin war

japanisches Territorium und hie. damals Karafuto. Im

Sommer 1945 wurde es von den Sowjets besetzt, und meine

Eltern gerieten in Gefangenschaft. Mein Vater hat offenbar

im Hafen gearbeitet. Der gr..te Teil der gefangen

genommenen japanischen Zivilbev.lkerung wurde bald

repatriiert, aber meine Eltern waren koreanische

Zwangsarbeiter und durften nicht nach Japan. Die

japanische Regierung lehnte ihre Rückführung mit der

Begründung ab, dass Menschen, die von der koreanischen

Halbinsel stammten, seit Kriegsende keine Untertanen des

Japanischen Kaiserreichs mehr seien. Keine sehr

menschenfreundliche Angelegenheit. Wer wollte, konnte

nach Nordkorea gehen, aber in den Süden durfte keiner.

Denn die Sowjets erkannten damals die Existenz Koreas

nicht an. Meine Eltern stammten aus einem Fischerdorf in

der N.he von Pusan und wollten nicht in den Norden.

Weder hatten sie dort Verwandte, noch kannten sie

überhaupt eine Menschenseele. Mich – ich war damals

noch ein Baby – vertrauten sie japanischen Rückkehrern an.

So kam ich nach Hokkaido. Die Versorgungslage auf

Sachalin war damals katastrophal, und die Sowjetarmee

behandelte die Gefangenen wie den letzten Dreck. Meine

Eltern hatten au.er mir noch mehrere kleine Kinder, und

es w.re ihnen sicher ziemlich schwer gefallen, mich auch

noch mit durchzufüttern. Also schickten sie mich allein

nach Hokkaido vor, in der Hoffnung, sp.ter nachkommen

zu k.nnen. Oder vielleicht wollten sie mich auch nur auf

halbwegs anst.ndige Weise loswerden. Die genauen

Umst.nde kenne ich nicht. Jedenfalls habe ich sie nie

wiedergesehen. Vielleicht leben sie noch immer auf

Sachalin. Wenn sie nicht tot sind..

.Du hast überhaupt keine Erinnerung an deine Eltern?.

.Nein. Ich war ja noch nicht mal ein Jahr alt, als ich von

ihnen getrennt wurde. Nachdem dieses Ehepaar sich eine

Weile um mich gekümmert hatte, gingen ihm offenbar die

Mittel aus, und ich kam in ein Waisenhaus in den Bergen

bei Hakodate. Die Einrichtung wurde von einer

katholischen Mission geleitet, aber es ging dort ganz sch.n

hart zu. Unmittelbar nach dem Krieg gab es sehr viele

Waisen und nie genügend Lebensmittel und Heizmaterial.

Wer überleben wollte, musste alles M.gliche anstellen..

Tamaru warf einen kurzen Blick auf seinen Handrücken.

.Dort wurde eine formelle Adoption durchgeführt, ich

erhielt die japanische Staatsbürgerschaft und einen

japanischen Namen. Ken’ichi Tamaru. Von meinem

ursprünglichen Namen wei. ich nur, dass er Pak lautete.

Und dass Koreaner mit diesem Namen so zahlreich wie

Sterne am Himmel sind..

Aomame und Tamaru sa.en nebeneinander und

lauschten den Zikaden.

.Du solltest einen neuen Hund kaufen., sagte Aomame.

.Das hat Madame auch schon gesagt. Das Haus braucht

einen neuen Wachhund. Aber mir ist nicht danach..

.Kann ich verstehen. Allerdings w.re es wirklich besser.

Ich bin wei. Gott nicht in der Position, anderen Ratschl.ge

zu erteilen, aber ich finde das auch..

.Natürlich., sagte Tamaru. .Wir brauchen einen gut

abgerichteten Wachhund. Ich werde mich m.glichst

schnell an einen Hundezüchter wenden..

Aomame sah auf die Uhr und erhob sich. Bis zum

Sonnenuntergang war noch etwas Zeit. Dennoch waren am

Himmel schon die Anzeichen des sich neigenden Tages zu

erkennen. In das helle Blau mischte sich ein dunklerer Ton.

Die leichte Trunkenheit, die der Sherry in ihr hervorgerufen

hatte, war noch nicht ganz gewichen. Ob die alte Dame

noch schlief?

.Tschechow hat – sinngem.. – einmal gesagt, wenn in

einer Geschichte ein Gewehr vorkommt, dann muss es auch

abgefeuert werden., sagte Tamaru, w.hrend auch er

langsam aufstand.

.Was bedeutet das?.

Tamaru stand nun Aomame gegenüber. Er war nur

wenige Zentimeter gr..er als sie. .Dass es in einer

Geschichte keine unn.tigen Requisiten geben sollte. Wenn

ein Gewehr erscheint, muss es auch irgendwann zum

Einsatz kommen. Tschechow zog Geschichten ohne

überflüssige Verzierungen vor..

Aomame zupfte den .rmel ihres Kleids zurecht und

h.ngte sich ihre Tasche über die Schulter. .Und deshalb

machst du dir Sorgen. Du denkst, sobald eine Pistole im

Spiel ist, wird bestimmt auch irgendwann damit

geschossen..

.Aus Tschechows Sicht ja..

.Also würdest du mir am liebsten keine besorgen..

.Es ist gef.hrlich und illegal. Au.erdem ist Tschechow

ein Autor, auf den man sich verlassen kann..

.Aber hier geht es nicht um eine erfundene Geschichte.

Sondern um die Realit.t..

Tamaru kniff die Augen zusammen und fixierte Aomame.

Dann sagte er mit sanfter Stimme: .Wer wei.?.

KAPITEL 2

Tengo

Mein einziger Besitz ist meine Seele

Tengo legte die Sinfonietta von Janá.ek auf den

Plattenteller und drückte den Automatikknopf. Es war eine

Aufnahme des Chicago Symphony Orchestra unter der

Leitung von Seiji Ozawa. Die Platte drehte sich mit

dreiunddrei.ig Rotationen pro Minute, die Nadel tastete

die Rille ab, w.hrend der Tonarm ins Zentrum der

Schallplatte wanderte. Aus dem Lautsprecher ert.nte die

Fanfare mit den Bl.sern und den imposanten

Paukenschl.gen. Tengos Lieblingspassage.

W.hrenddessen schrieb er mit seinem

Textverarbeitungsger.t. Früh am Morgen die Sinfonietta

von Janá.ek zu h.ren z.hlte zu seinen allt.glichen

Gewohnheiten. Seit er einmal im Schulorchester bei diesem

Stück als Paukist eingesprungen war, hatte es eine ganz

besondere Bedeutung für ihn. Er empfand diese Musik als

eine pers.nliche Ermunterung und einen pers.nlichen

Schutz.

Er hatte die Sinfonietta auch mit seiner Freundin geh.rt.

Sie hatte sie für .gar nicht so übel. befunden. Allerdings

zog sie alte Jazzplatten der klassischen Musik vor. Je .lter

die Stücke waren, desto lieber schienen sie ihr zu sein. Ein

etwas sonderbares Hobby für eine Frau in ihrem Alter. Eine

besondere Vorliebe hegte sie für eine Platte, auf der der

junge Louis Armstrong Bluesnummern von W. C. Handy

interpretierte. Mit Barney Bigard an der Klarinette und

Trummy Young an der Posaune. Sie hatte sie Tengo

geschenkt. Vermutlich eher, um sie selbst zu h.ren, als um

ihm eine Freude zu machen.

Die beiden h.rten diese Platte h.ufig, wenn sie nach dem

Sex noch zusammen im Bett lagen. Seine Freundin bekam

niemals genug davon. .Louis Armstrong ist wundervoll, es

gibt nichts an ihm auszusetzen, aber meiner bescheidenen

Meinung nach gebührt die gr..te Aufmerksamkeit Barney

Bigard., erkl.rte sie. Obwohl Barney Bigard auf dieser

Platte nur ein paar kurze Klarinettensolos spielte, die

gerade mal über einen Chorus gingen. Mittelpunkt der

Platte war Louis Armstrong. Aber Tengos Freundin kannte

jedes der wenigen Soli von Bigard in- und auswendig und

summte sie stets leise mit.

Sicher, sagte sie, gebe es neben Barney Bigard noch

andere hervorragende Jazzklarinettisten. Aber eine so

warme und subtile Darbietung k.nne man lange suchen.

Sein Spiel erwecke – natürlich nur, wenn er besonders gut

war – eine fantastische Landschaft vor ihrem inneren Auge.

目录
设置
设置
阅读主题
字体风格
雅黑 宋体 楷书 卡通
字体大小
适中 偏大 超大
保存设置
恢复默认
手机
手机阅读
扫码获取链接,使用浏览器打开
书架同步,随时随地,手机阅读
首 页 < 上一章 章节列表 下一章 > 尾 页