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作者: 当前章节:15420 字 更新时间:2026-6-19 08:06

Tengo kannte keine anderen Jazzklarinettisten, aber dass

die Klarinette auf dieser Platte eine unaufdringliche

Sch.nheit besa., wurde ihm beim .fteren H.ren immer

klarer. Um dies zu erfassen, musste man aufmerksam

zuh.ren. Und jemanden haben, der einen dazu anleitete.

Einem oberfl.chlichen Zuh.rer würde sie entgehen.

.Man k.nnte Barney Bigard mit einem genialen Second

Baseman beim Baseball vergleichen., sagte Tengos

Freundin. .Er ist auch als Solist gro.artig, aber seine

wahren Qualit.ten treten erst zutage, wenn er im

Hintergrund bleibt. Ihm gelingen die schwierigsten

Passagen, als w.re es gar nichts. Nur wer aufmerksam

zuh.rt, merkt, was für ein Künstler er ist..

Jedes Mal, wenn .Atlanta Blues. einsetzte – das sechste

Stück auf der B-Seite der LP –, drückte sie einen von

Tengos K.rperteilen und pries die Erlesenheit von Bigards

vortrefflichem Solo, das zwischen Louis Armstrongs Gesang

und Solo eingebettet war. .Da, jetzt pass auf. Gleich am

Anfang – ein langer verblüffender Schrei, wie von einem

kleinen Kind. Man wei. nicht, ob vor Erstaunen oder

übersch.umender Freude oder Glück. Er wird zu einem

wonnevollen Seufzer, schl.ngelt sich dahin wie ein

reizender Bach und wird schlie.lich mühelos von einer

hübschen unbekannten Stelle aufgenommen. Da! Keiner

spielt so aufregende Soli wie Bigard. Nicht einmal

Spitzenklarinettisten wie Jimmie Noone, Sydney Bechet,

Pee Wee und Benny Goodman kriegen das hin. Es ist wie

ein edles Kunstwerk. An ihn reicht keiner heran..

.Wieso kennst du dich eigentlich so gut mit altem Jazz

aus?., hatte Tengo sie einmal gefragt.

.Es gibt eine Menge Dinge in meiner Vergangenheit, von

denen du nichts wei.t. Aber was vorbei ist, ist vorbei, das

kann niemand mehr .ndern., sagte sie und streichelte

z.rtlich Tengos Hoden.

Nachdem Tengo sein morgendliches Pensum absolviert

hatte, spazierte er zum Bahnhof, um sich am Kiosk eine

Zeitung zu kaufen. Anschlie.end setzte er sich in ein Café

und bestellte ein Frühstück. W.hrend er auf seinen Toast

mit Butter und die gekochten Eier wartete, trank er Kaffee

und las die Zeitung. Komatsu hatte recht gehabt: Auf den

Gesellschaftsseiten oberhalb einer Mitsubishi-Autowerbung

stie. er auf einen – nicht sehr langen – Artikel über

Fukaeri. .Bekannte Oberschulschriftstellerin vermisst.

lautete die überschrift.

.Am Nachmittag des ** wurde bekannt, dass Eriko

Fukada (17), genannt .Fukaeri., die Autorin des jüngsten

Bestsellers Die Puppe aus Luft, verschwunden ist. Ihr

Vormund, der Kulturanthropologe Takayuki Ebisuno (63),

gab auf dem Polizeirevier Ome eine Vermisstenanzeige auf.

Er erkl.rt, seit dem Abend des 27. Juni nichts mehr von

Eriko geh.rt zu haben. Sie sei weder in sein Haus in Ome

noch in sein Apartment in der Tokioter Innenstadt

zurückgekehrt. Laut telefonischer Recherche gibt Professor

Ebisuno an, dass ihm bei seiner letzten Begegnung mit

Eriko nichts Au.ergew.hnliches aufgefallen sei. Er k.nne

sich keinen Grund für ihr Verschwinden vorstellen, denn

sie sei bisher nie von zu Hause fortgeblieben, ohne

Bescheid zu sagen. Der Professor befindet sich in gro.er

Sorge, dass ihr etwas zugesto.en sein k.nnte. Der für die

Herausgabe von Die Puppe aus Luft zust.ndige Redakteur

Herr Yuji Komatsu gab folgende Erkl.rung ab: .Frau

Fukadas Buch steht seit sechs Wochen auf den

Bestsellerlisten und ist eine Sensation. Allerdings scheut

unsere Autorin die Massenmedien. Dem Verlag ist nicht

bekannt, ob ihr Verschwinden mit dieser Aversion in

Zusammenhang steht. Frau Fukada ist noch jung und sehr

begabt, eine vielversprechende Autorin. Wir hoffen, dass

sie m.glichst rasch und gesund wieder auftaucht.. Die

Polizei geht verschiedenen Spuren nach und setzt ihre

Suche fort..

Mehr k.nnen sie im gegenw.rtigen Stadium nicht

schreiben, dachte Tengo. Wenn sie die Sache jetzt zu einer

gro.en Sache aufbauschen und Fukaeri auf einmal wieder

auftaucht, als sei nichts gewesen, ist der Verfasser des

Artikels blamiert. Auch die Zeitung selbst hat einen Ruf zu

verlieren. Für die Polizei gilt quasi das Gleiche. Mit einem

neutralen Statement wie diesem lassen sie erst mal einen

Versuchsballon steigen, um die Reaktion in der

.ffentlichkeit zu beobachten. Schl.gt die Nachricht ein,

greift die Regenbogenpresse sie auf, und die

Nachrichtenshows im Fernsehen machen eine Sensation

daraus. Ein paar Tage Aufschub haben wir noch.

Früher oder sp.ter würde die Bombe jedoch platzen,

daran bestand kein Zweifel. Eine siebzehnj.hrige Sch.ne,

die einen Bestseller geschrieben hatte, und niemand

wusste, wo sie steckte! Wenn das kein Stoff für einen

Skandal war. Wahrscheinlich wussten nur vier Menschen

auf der Welt, dass Fukaeri nicht entführt worden war.

Au.er ihr selbst, Tengo, Professor Ebisuno und seiner

Tochter Azami ahnte niemand, dass ihr überraschendes

Verschwinden ein Trick war, um die Augen und Ohren der

Welt in eine andere Richtung zu lenken. Tengo war

unsicher, ob er sich über sein Wissen freuen oder ob er

beunruhigt sein sollte. Wahrscheinlich h.tte er sich freuen

sollen. Wenigstens brauchte er sich nicht um Fukaeris

Wohlergehen zu sorgen. Sie war in Sicherheit. Und mit

Sicherheit konnte man auch sagen, dass er nun auf Gedeih

und Verderb in diese komplizierte Verschw.rung

verwickelt war.

Professor Ebisuno hatte den gro.en düsteren Felsen mit

seinem Hebel angehoben und das, was darunter war, der

Sonne ausgesetzt. Jetzt lag er auf der Lauer und wartete,

dass etwas unter dem Felsen hervorgekrochen kam. Und

Tengo musste – unfreiwillig – danebenstehen. Wo er doch

gar nicht wissen wollte, was darunter war. Nicht wenn es

sich vermeiden lie.. Denn das, was unter dem Felsen

hervorkriechen würde, war bestimmt etwas Widerliches.

Leider würde er wohl um diesen Anblick nicht

herumkommen.

Als Tengo seinen Kaffee ausgetrunken und Toast und Ei

verzehrt hatte, legte er die gelesene Zeitung beiseite und

verlie. das Café. Zurück in seiner Wohnung, putzte er sich

die Z.hne, duschte und machte sich auf den Weg zur

Schule.

In der Mittagspause erhielt Tengo Besuch von einem

Unbekannten. Der Vormittagsunterricht war beendet, und

er sa. in der Lounge für die Angestellten. Er hatte einige

Morgenzeitungen vor sich ausgebreitet, die er noch nicht

durchgeschaut hatte, als die Sekret.rin der

Gesch.ftsleitung ihm mitteilte, jemand wünsche ihn zu

sprechen. Sie war nur ein Jahr .lter als Tengo, immer sehr

elegant gekleidet und hatte einen Hochschulabschluss. Sie

erledigte fast alle praktischen Aufgaben, die die Verwaltung

der Yobiko betrafen. Direkt sch.n konnte man sie nicht

nennen, dazu war ihr Gesicht etwas zu unregelm..ig, aber

sie hatte Stil und einen ausgezeichneten Geschmack, was

ihre Garderobe anging.

.Der Herr hei.t Ushikawa..

Tengo erinnerte sich nicht, diesen Namen schon einmal

geh.rt zu haben.

Er wusste nicht warum, aber die Sekret.rin zog ein leicht

abf.lliges Gesicht. .Es handelt sich um eine dringende

Angelegenheit, sagt er, und er m.chte Sie nach M.glichkeit

allein sprechen..

.Eine dringende Angelegenheit?., wiederholte Tengo

erstaunt. An dieser Schule war noch nie jemand mit etwas

Dringendem an ihn herangetreten.

.Der Empfangsraum ist frei. Sie k.nnen ihn benutzen,

wenn es nicht zu lange dauert. Obwohl er eigentlich für die

Chefs reserviert ist, aber na ja, ausnahmsweise..

Tengo bedankte sich und schenkte ihr sein sch.nstes

L.cheln.

Sie strich den Saum ihrer neuen Sommerjacke von Agnes

B. glatt und eilte mit raschen Schritten davon, ohne ihn

eines Blickes zu würdigen.

Ushikawa war ein mickriger kleiner Mann von vielleicht

Mitte vierzig. Sein K.rper hatte bereits jede Spannkraft

verloren, er war speckig und hatte ein schlaffes

Doppelkinn. Beim Alter war sich Tengo nicht ganz sicher.

Wegen der bizarren (oder nicht gerade allt.glichen)

Erscheinung des Mannes war es nicht ganz leicht zu

sch.tzen. Er h.tte auch .lter oder sogar jünger sein

k.nnen. Eigentlich h.tte er in jedem Alter zwischen

zweiunddrei.ig und sechsundfünfzig sein k.nnen. Er hatte

schlechte Z.hne und einen seltsam gebeugten Rücken. Der

gr..te Teil seines Sch.dels war unnatürlich flach und kahl,

das Drumherum wirkte irgendwie verbeult. Die kahle

Fl.che erinnerte an einen milit.rischen

Hubschrauberlandeplatz, den man auf der Kuppe eines

strategisch wichtigen kleinen Hügels angelegt hatte. Tengo

hatte so etwas schon einmal in einer Dokumentation über

den Vietnamkrieg gesehen. Ein Kranz aus drahtartigen

pechschwarzen Haaren hing ihm lang und zerzaust über

die Ohren. Von circa achtundneunzig Prozent aller

Menschen w.ren diese Haare aufgrund ihrer Beschaffenheit

wahrscheinlich für Schamhaar gehalten worden. Was die

übrigen zwei Prozent gedacht h.tten, entzog sich Tengos

Vorstellung.

Alles an diesem Menschen, von seiner Gestalt bis zu

seinen Gesichtszügen, schien im Sinne einer Rechts-Links-

Asymmetrie geschaffen zu sein. Das war Tengo auf den

ersten Blick aufgefallen. Selbstverst.ndlich waren alle

Menschen mehr oder weniger asymmetrisch gebaut, was an

sich nicht gegen die Prinzipien der Natur verstie.. So hatte

zum Beispiel Tengos rechte Augenbraue eine andere Form

als die linke, und sein linker Hoden lag etwas tiefer als der

rechte. Schlie.lich war der menschliche K.rper keine

Massenware, die nach Fabriknorm hergestellt wurde. Doch

bei diesem Mann überstiegen die Unterschiede zwischen

der linken und der rechten Seite jedes normale Ma.. Diese

so überdeutlich ins Auge fallende Unausgewogenheit reizte

die Nerven des Gegenübers und verursachte Unbehagen. Es

war, wie vor einem gew.lbten (und gerade dadurch

unangenehm deutlichen) Spiegel zu stehen.

Der graue Anzug des Mannes war v.llig zerknittert. Er

erinnerte an eine durch Gletscherverschiebungen erodierte

Landschaft. Die Spitzen seines Hemdkragens bogen sich

nach au.en, und der Knoten seiner Krawatte war derart

verdreht, als winde er sich vor lauter Scham, dort anwesend

sein zu müssen. Weder Anzug noch Krawatte passten, nicht

einmal das Hemd hatte die richtige Gr..e. Das Muster auf

der Krawatte war offenbar von einem unbegabten

Kunststudenten nach dem Vorbild eines Kn.uels dünner

wei.er Nudeln entworfen worden. Die gesamte Garderobe

des Mannes wirkte provisorisch und wie in irgendwelchen

Ramschl.den zusammengekauft. Bei l.ngerem Hinschauen

bekam Tengo fast Mitleid mit den Sachen. Er selbst achtete

kaum auf sein .u.eres, genoss es seltsamerweise jedoch,

wenn andere Menschen gutgekleidet waren. H.tte er unter

seinen Bekanntschaften der letzten zehn Jahre die am

schlechtesten gekleideten Personen ausw.hlen müssen,

w.re dieser Mensch ganz bestimmt auf seiner relativ

kurzen Liste gewesen. Er war nicht einfach nur scheu.lich

angezogen. Man konnte sogar den Eindruck gewinnen, er

wolle jeglicher Idee von gelungener Aufmachung spotten.

Als Tengo den Empfangsraum betrat, erhob sich der

Mann und zog eine Visitenkarte aus einem Etui, um sie ihm

zu überreichen. TOSHIHARU USHIKAWA stand da in

japanischer und darunter in lateinischer Schrift zu lesen.

Sein Titel lautete .Generaldirektor der Stiftung zur

F.rderung der neuen japanischen Wissenschaften und

Künste.. Als Gesch.ftsadresse war Kojimachi im Bezirk

Chiyoda angegeben, und auch eine Telefonnummer stand

dabei. Tengo hatte natürlich keine Ahnung, was für eine

Art von Stiftung das war und was es bedeutete, ihr

Generaldirektor zu sein. Immerhin wirkte die

anspruchsvolle Visitenkarte mit dem aufgepr.gten Emblem

keineswegs improvisiert. Nachdem Tengo sie kurz

betrachtet hatte, sah er wieder den Mann an. Er entsprach

nicht seiner Vorstellung eines Generaldirektors der Stiftung

zur F.rderung der neuen japanischen Wissenschaften und

Künste.

Die beiden setzten sich auf einander gegenüberliegende

Sofas und musterten sich über den niedrigen Couchtisch

hinweg. Nachdem der Mann sich mit einem Taschentuch

mehrmals gründlich den Schwei. von der Stirn gewischt

hatte, stopfte er das bedauernswerte Stück Stoff wieder in

seine Jacketttasche. Die Rezeptionistin brachte Tee. Tengo

bedankte sich bei ihr. Ushikawa .u.erte sich nicht.

.Entschuldigen Sie bitte, dass ich Sie so unangemeldet in

Ihrer Pause überfalle., entschuldigte sich Ushikawa bei

Tengo. Er drückte sich ziemlich h.flich aus, aber sein

Tonfall war unangenehm leutselig und schmierig. Tengo

gefiel er überhaupt nicht. .Haben Sie schon gegessen?

Wenn Sie m.chten, k.nnen wir zusammen etwas essen

gehen..

.Ich esse nie zu Mittag, wenn ich arbeite., sagte Tengo.

.Erst nach dem Unterricht nehme ich etwas zu mir.

Machen Sie sich keine Gedanken..

.Also gut. Dann werden wir uns hier unterhalten. Hier ist

es auch sch.n ruhig.. Er lie. seinen Blick absch.tzig über

den nicht gerade au.ergew.hnlichen Empfangsraum

gleiten. An einer Wand hing ein gro.es .lgem.lde von

irgendeinem Berg. Abgesehen davon, dass die Farbe

ziemlich dick aufgetragen worden war, war das Bild nicht

besonders beeindruckend. In einer Vase standen ein paar

Blumen, vielleicht Dahlien. Sie wirkten schwerf.llig, ein

wenig wie mollige Damen mittleren Alters. Tengo fragte

sich, warum das Empfangszimmer einer Yobiko so trübselig

sein musste.

.Wie Sie meiner Visitenkarte entnehmen k.nnen, hei.e

ich Ushikawa, aber meine Freunde nennen mich Ushi.

Niemand nennt mich Ushikawa. Nur Ushi., sagte Ushikawa

und lachte.

Freunde? Wer würde freiwillig ein Freund dieses Mannes

werden?, fragte Tengo sich wirklich nur aus Neugier.

Von Anfang an assoziierte Tengo mit Ushikawa etwas

Unheimliches, das aus einem dunklen Loch in der Erde

gekrochen war. Etwas Schleimiges, Ungreifbares, das

eigentlich nicht ans Licht kommen sollte. Vielleicht geh.rte

der Mann zu den Wesen unter dem Stein, die Professor

Ebisuno aufgest.bert hatte. Tengo zog unwillkürlich die

Brauen zusammen und legte die Visitenkarte, die er noch

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