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作者: 当前章节:15368 字 更新时间:2026-6-19 08:06

Stadtautobahn Nr. 3 und zerrei.e mir die Strümpfe. Dabei

wische ich irgendwelche Spinnweben beiseite und starre

staubige Gummib.ume auf idiotischen Balkonen an. Ich

bewege mich, also bin ich.

W.hrend Aomame weiter die Treppe hinunterstieg,

musste sie an Tamaki Otsuka denken. Sie wollte es nicht,

aber als der Gedanke an ihre beste Freundin sich einmal in

ihrem Kopf festgesetzt hatte, konnte sie nicht mehr

aufh.ren. Tamaki und sie waren zusammen auf der

Oberschule gewesen und hatten zum gleichen Softball-

Team geh.rt. Sie hatten viel zusammen erlebt. Einmal

waren sie sich sogar sexuell nahegekommen. Damals – es

war auf einer Reise in den Sommerferien gewesen – hatten

sie nur noch ein Zimmer mit einem franz.sischen Bett

bekommen, indem sie gemeinsam schliefen. In diesem Bett

hatten sie sich gegenseitig überall berührt. Aber lesbisch

waren die beiden jungen Frauen nicht, nur neugierig. Es

war eher ein Experiment in diese Richtung gewesen.

Damals hatte keine von ihnen einen Freund oder

überhaupt sexuelle Erfahrungen gehabt. Die Ereignisse

jener Nacht waren Aomame bis heute als eine

.au.ergew.hnliche, aber h.chst interessante. Episode in

ihrem Leben im Ged.chtnis geblieben. Doch als Aomame

jetzt, w.hrend sie die offene Eisentreppe hinunterstieg, an

die Berührung von Tamakis K.rper dachte, breitete sich in

ihrem Inneren eine gewisse Hitze aus. Zu ihrer

Verwunderung erinnerte sich Aomame auch jetzt noch

ganz deutlich an Tamakis ovale Brustwarzen, ihr feines

Schamhaar, die hübsche Rundung ihres Hinterns und die

Form ihrer Klitoris.

W.hrend sie ihren lebhaften Erinnerungen nachhing,

erklang in ihrem Kopf als Hintergrundmusik das

vollt.nende festliche Unisono der Bl.ser aus Janá.eks

Sinfonietta. Sacht streichelte sie über Tamaki Otsukas

geschwungene Taille. Anfangs hatte Tamaki noch gesagt, es

kitzle, doch dann h.rte sie auf zu kichern. Ihre Atmung

ver.nderte sich. Das Stück war ursprünglich als Fanfare für

ein Sportfest komponiert worden. Mit der Musik strich

sanft der Wind über die grünen b.hmischen Wiesen.

Aomame spürte, wie Tamakis Brustwarzen sich versteiften.

Die Pauken ert.nten in einer komplizierten raschen

Tonfolge.

Aomame blieb stehen und schüttelte mehrmals leicht den

Kopf. Sie durfte an einem Ort wie diesem nicht an solche

Dinge denken. Sie musste sich auf den Abstieg

konzentrieren. Aber sie konnte nicht aufh.ren. Eine nach

der anderen erschienen die Szenen von damals vor ihrem

inneren Auge. Ganz deutlich, ganz frisch. Die

Sommernacht, das nicht sehr breite Bett, der leichte

Geruch von Schwei.. Die ausgesprochenen Worte. Die

unausgesprochenen Gefühle. Die vergessenen Versprechen.

Das ungestillte Verlangen. Die Sehnsucht, die ihr Ziel

verloren hatte. Ein Windsto. ergriff ihr Haar und schlug es

ihr peitschend ins Gesicht. Der Schmerz trieb ihr die

Tr.nen in die Augen. Und der n.chste Windsto. trocknete

sie.

Aomame überlegte, wann all das gewesen war. Aber die

Zeit hatte sich in ihrem Ged.chtnis verirrt und glich nur

einem Gewirr aus losen F.den. Ihre Achse war

verlorengegangen, und vorher, nachher, links oder rechts

waren durcheinandergeraten. Die Reihenfolge der

Schubladen war vertauscht worden. Sie konnte sich nicht

mehr an Dinge erinnern, an die sie sich eigentlich h.tte

erinnern sollen. Sie befand sich im April des Jahres 1984.

Geboren war sie – ja, genau – 1954. So weit konnte sie sich

erinnern. Aber auch solche fest eingepr.gten Daten

verloren in Aomames Bewusstsein rapide an Substanz. Sie

sah vor sich, wie der starke Wind wei.e Karten mit

aufgedruckten Jahreszahlen aufwirbelte und in alle

Himmelsrichtungen verstreute. Rennend versuchte sie

wenigstens eine von den vielen zu erhaschen. Aber der

Wind war zu stark. Und die Zahl der Karten zu gro.. 1954,

1984, 1645, 1881, 2006, 771, 2041 … Eine Jahreszahl nach der

anderen wurde davongeweht. Ihre systematische

Reihenfolge ging verloren, Wissen wurde gel.scht, und die

Treppe der Ideen brach unter ihren Fü.en ein.

Aomame und Tamaki lagen im selben Bett. Beide waren

siebzehn und genossen die ihnen gew.hrte Freiheit in

vollen Zügen. Für beide war es die erste Reise allein mit

einer Freundin. Das versetzte sie in Aufregung. Sie stiegen

ins hei.e Bad und teilten sich eine Dose Bier aus dem

Kühlschrank. Dann l.schten sie das Licht und sprangen ins

Bett. Anfangs tobten sie nur herum und berührten einander

halb im Scherz. Doch irgendwann streckte Tamaki die

H.nde aus und streichelte sacht Aomames Brustwarzen

durch das ziemlich dünne T-Shirt, das sie anstelle eines

Schlafanzugs trug. Wie ein elektrischer Schlag fuhr es

durch Aomames K.rper. Kurz darauf zogen die beiden T-

Shirts und Unterw.sche aus. Sie waren nun nackt. Es war

eine Sommernacht. Wo waren sie damals nur hingefahren?

Aomame konnte sich nicht erinnern. Egal, irgendwohin

eben. Keine von beiden sagte ein Wort, w.hrend sie

gegenseitig ihre K.rper erkundeten. Schauen, berühren,

streicheln, lecken. Halb im Spa., halb im Ernst. Tamaki

war klein und zugegebenerma.en ein wenig rundlich. Ihre

Brüste waren üppig. Aomame war eher muskul.s, gro. und

schlank mit kleinen Brüsten. Tamaki redete dauernd davon,

eine Di.t machen zu müssen. Aber Aomame fand sie

hübsch, wie sie war.

Tamaki hatte zarte, feinporige Haut. Ihre Brustspitzen

w.lbten sich zu einer wundersch.nen Ellipse. Sie

erinnerten an Oliven. Sie hatte seidiges, feines Schamhaar,

weich wie Weidenk.tzchen. Aomames Schamhaar war

borstig und struppig. Die beiden lachten über diese

Unterschiede. Sie betasteten die winzigsten Stellen und

tauschten sich darüber aus, wie empfindlich diese waren.

Bei einigen stimmte die Empfindsamkeit überein, bei

anderen nicht. Mit ausgestrecktem Finger rieben sie

einander die Klitoris. Beide hatten Erfahrung im

Masturbieren. Eine Menge Erfahrung. Doch dies fühlte sich

ganz anders an, als sich selbst zu berühren, fanden sie.

Sacht strich der Wind über die grünen b.hmischen

Wiesen.

Wieder blieb Aomame stehen und schüttelte den Kopf.

Sie holte tief Luft und umklammerte das Gel.nder noch

fester. Sie musste aufh.ren, an diese Dinge zu denken. Und

sich auf ihren Abstieg konzentrieren. Wahrscheinlich hatte

sie inzwischen über die H.lfte geschafft. Doch warum

herrschte nur dieser schreckliche L.rm? Und warum war

der Wind so stark? Fast als würde er sie angreifen oder

bestrafen.

Und was sollte sie sagen, falls unten jemand stand und

fragte, was sie dort zu suchen habe und wer sie sei? .Auf

der Autobahn ist ein Stau, und ich habe die Treppe

genommen, weil ich einen furchtbar dringenden Termin

einhalten muss.. Würde das genügen? Sie k.nnte

Unannehmlichkeiten bekommen. Und das wollte Aomame

um jeden Preis vermeiden. Vor allem heute.

Als sie unten ankam, war glücklicherweise niemand da,

der sie h.tte zurechtweisen k.nnen. Zuerst nahm sie ihre

Schuhe aus der Tasche und zog sie an. Am unteren Ende

der Treppe und zwischen den beiden Fahrbahnen der

Nationalstra.e 246 befand sich ein überdachter

eingez.unter Abstellplatz für Baumaterialien. Auf der

blanken Erde lagen ein paar Eisenstangen, die

wahrscheinlich bei irgendwelchen Arbeiten übrig geblieben

waren. Man hatte sie dort hingeworfen, und mittlerweile

waren sie verrostet. In einer Ecke lagen unter einer

Plastikabdeckung drei S.cke. Es war nicht zu erkennen, was

sie enthielten, aber offenbar sollten sie nicht vom Regen

durchn.sst werden. Auch sie schienen bei Bauarbeiten

übrig geblieben zu sein. Wahrscheinlich hatte man sie

einfach liegen lassen, weil es zu mühsam war, sie einzeln

wegzuschaffen. Unter der Abdeckung standen noch

mehrere gro.e alte Pappkartons. PET-Flaschen und

Mangahefte lagen auf dem Boden herum. Sonst nichts. Ein

paar Plastiktüten tanzten ziellos im Wind.

Der Ausgang bestand aus einem hohen Maschendrahttor,

das mehrfach mit einer Kette und einem schweren

Vorh.ngeschloss gesichert und oben mit Stacheldraht

umwickelt war. Es sah nicht so aus, als k.nne sie

darübersteigen. Sie würde sich nur ihr Kostüm v.llig

zerfetzen. Probeweise rüttelte sie an dem Tor, aber es

rührte sich nicht. Es gab nicht einmal einen Spalt, der breit

genug für eine Katze gewesen w.re. Du liebe Güte, warum

musste man dieses Tor derma.en verrammeln? Was gab es

hier schon zu klauen oder zu zerst.ren? Aomame verzog

das Gesicht, fluchte und spuckte auf den Boden.

Verdammt, jetzt hatte sie sich mühsam von der Stra.e hier

heruntergearbeitet, nur um auf diesem Abstellplatz

festzusitzen. Sie schaute auf ihre Armbanduhr. Etwas Zeit

blieb ihr noch. Aber die konnte sie nicht ewig auf dieser

Müllkippe vertr.deln. Um zur Autobahn zurückzugehen,

war es natürlich auch zu sp.t.

Ihre Strümpfe waren an den Fersen zerrissen. Nachdem

sie sich vergewissert hatte, dass niemand sie sah, entledigte

sie sich ihrer Schuhe, schob den Rock hoch und zerrte sich

die Strumpfhose von den Beinen. Sie zog die Schuhe wieder

an. Die durchl.cherte Strumpfhose stopfte sie in die

Tasche. Sie fühlte sich etwas erleichtert. Dann schritt sie

das Grundstück ab und nahm alles genau in Augenschein.

Es hatte etwa die Gr..e eines Klassenzimmers in einer

Grundschule. Ihr Rundgang dauerte nicht lange. Es gab

tats.chlich nur den einen Ausgang. Das fest verschlossene

Maschendrahttor. Der Zaun, der das Grundstück umgab,

war aus leichtem Material, aber dennoch fest verankert.

Ohne Werkzeug war da nichts zu machen. Aussichtslos.

Sie inspizierte die Pappkartons unter dem Plastikdach,

und ihr wurde klar, dass es Schlafpl.tze waren. Mehrere

zerschlissene, aber noch gar nicht so alte Decken lagen dort

zusammengerollt. Wahrscheinlich übernachteten hier ein

paar Obdachlose. Deshalb lagen auch die PET-Flaschen

und Zeitschriften herum. Kein Zweifel. Aomame lie. ihren

Verstand arbeiten. Wenn sie hier übernachteten, musste es

irgendwo ein Loch geben, durch das sie hinein- und

hinausschlüpften. Diese Leute beherrschten die Kunst,

Pl.tze ausfindig zu machen, an denen sie vor Regen und

Wind geschützt waren, ohne gesehen zu werden. Und wie

das Wild sicherten sie sich geheime Pfade, die nur sie

kannten.

Sorgf.ltig und Stück für Stück untersuchte Aomame die

Pfosten des Zauns. Drückte fest mit der Hand dagegen, um

zu prüfen, ob sie nachgaben. Wie vermutet entdeckte sie

eine Stelle, an der ein Bolzen locker war und der Pfosten

wackelte. Sie bewegte ihn hin und her. Wenn man ihn in

einem bestimmten Winkel leicht nach innen zog, entstand

eine Lücke, durch die ein Mensch hindurchschlüpfen

konnte. Vermutlich kamen hier die Obdachlosen herein,

wenn es dunkel wurde, um ungest.rt unter dem Dach zu

übernachten. Wahrscheinlich bek.men sie .rger, wenn

man sie innerhalb des Zauns entdeckte, also hielten sie sich

tagsüber drau.en auf und suchten sich etwas zu essen,

sammelten leere Flaschen oder verdienten sich ein bisschen

Kleingeld. Aomame war ihren namenlosen n.chtlichen

Hausherren dankbar. Jetzt, wo sie sich selbst heimlich und

namenlos hinter den Kulissen der gro.en Stadt bewegte,

empfand sie sich als deren Verbündete.

Sie bückte sich und glitt durch den engen Spalt hinaus.

Dabei nahm sie sich sehr in Acht, um nicht mit ihrem

teuren Kostüm an etwas Spitzem h.ngenzubleiben und es

zu zerrei.en. Es war schlie.lich das einzige, das sie besa..

Normalerweise trug sie keine Kostüme oder so etwas. Und

auch keine hohen Abs.tze. Doch Auftr.ge wie

dieser erforderten eine f.rmliche Garderobe. Auf keinen

Fall durfte sie ihr kostbares Kostüm ruinieren.

Glücklicherweise war auch au.erhalb des Zauns kein

Mensch. Nachdem Aomame ihre Kleidung inspiziert und

ihre Gelassenheit zurückgewonnen hatte, überquerte sie an

einer Ampel die 246, betrat eine Drogerie, die ihr dort ins

Auge fiel, und kaufte sich eine neue Strumpfhose. Sie bat

die Verk.uferin, sie sich hinten im Laden anziehen zu

dürfen. Das stellte ihr Wohlbefinden einigerma.en wieder

her. Fast hatte sie sich gefühlt, als habe sie zu viel

getrunken. Aber auch die restliche übelkeit in ihrem

Magen hatte sich nun ganz verflüchtigt. Aomame bedankte

sich bei der Verk.uferin und verlie. die Drogerie.

Der Verkehr auf der Nationalstra.e 246 war viel dichter

als gew.hnlich. Vielleicht hatte sich die Nachricht von dem

Unfall und Stau auf der Stadtautobahn verbreitet. Aomame

beschloss, auf ein Taxi zu verzichten und an der n.chsten

Station in die Tokyu-Tamagawa-Linie zu steigen. Das war

zweifellos das Beste. Blo. nicht mehr im Taxi in einen Stau

geraten.

Am Bahnhof Sangenjaya lief ein Polizist mit raschen

Schritten an ihr vorbei. Eine kurze Anspannung ergriff

Aomame, aber der hochgewachsene junge Mann schien es

eilig zu haben und rannte weiter geradeaus, ohne sie eines

Blickes zu würdigen. Ihr fiel auf, dass seine Polizeiuniform

sich von der üblichen unterschied. Es war nicht die, die ihr

vertraut war. Die Jacke war zwar vom gleichen Dunkelblau,

aber ihr Schnitt war anders. Zwangloser und sportlicher.

Nicht so steif wie sonst. Auch der Stoff schien weicher. Der

Kragen war kleiner und das Blau etwas heller. Au.erdem

trug er einen anderen Typ Waffe an der Hüfte, eine gro.e

Automatikpistole. Eigentlich war die japanische Polizei mit

Revolvern ausgerüstet. In Japan, wo Verbrechen mit

Schusswaffen extrem selten waren, reichten altmodische

Revolver mit sechs Kammern v.llig aus, da die Polizei

kaum je in einen Schusswechsel verwickelt wurde. Revolver

waren einfach gebaut und preiswert, zu Defekten kam es

selten, und die Wartung war nicht aufwendig. Doch aus

irgendeinem Grund trug dieser Polizist ein neues

halbautomatisches 9-mm-Modell, mit dem man sechzig

Schuss abfeuern konnte. Vielleicht eine Glock oder eine

Beretta. Irgendetwas musste geschehen sein. Hatten sich

Uniformvorschriften und Bewaffnung ge.ndert, ohne dass

sie etwas davon mitbekommen hatte? Nein, das konnte

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