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作者: 当前章节:15411 字 更新时间:2026-6-19 08:06

Waffe gefragt werden, m.chte ich nicht, dass du meinen

Namen nennst. Selbstverst.ndlich würde ich alles

abstreiten. Sie k.nnten es nicht einmal aus mir

herausprügeln. Madame darf auf keinen Fall in irgendetwas

hineingezogen werden, sonst verliere ich meinen Job..

.Natürlich würde ich deinen Namen niemals verraten..

Tamaru zog einen gefalteten Notizzettel aus der Tasche

und reichte ihn Aomame. Der Name eines Mannes stand

darauf.

.Du hast die Pistole und sieben Schuss Munition am 4.

Juli von diesem Mann in einem Café namens Renoir am

Bahnhof Sendagaya bekommen und ihm

fünfhunderttausend Yen in bar dafür bezahlt. Sollte dieser

Mann von der Polizei zu diesem Umstand befragt werden,

wird er alles zugeben. Und für ein paar Jahre ins Gef.ngnis

wandern. Du brauchst gar nicht weiter ins Detail zu gehen.

Solange die Herkunft der Waffe sich zurückverfolgen l.sst,

kann die Polizei ihr Gesicht wahren. Allerdings wirst du

vermutlich ebenfalls eine Strafe wegen Versto. gegen das

Waffengesetz erhalten..

Aomame merkte sich den Namen auf dem Zettel und gab

ihn Tamaru zurück. Er zerriss ihn in winzige Fetzen, die er

in den Papierkorb warf.

.Ich bin wie gesagt ein .u.erst vorsichtiger Mensch. Es

kommt sehr selten vor, dass ich jemandem vertraue, aber

selbst dann verlasse ich mich nicht v.llig auf ihn. Freien

Lauf lasse ich den Dingen nie. Am liebsten w.re es mir,

wenn die Pistole unbenutzt zu mir zurückkehrt. Und

niemand in Schwierigkeiten kommt. Niemand get.tet oder

verletzt wird oder in den Knast wandert..

Aomame nickte. .Die Ausnahme von Tschechows

literarischer Regel..

.Genau. Tschechow war ein ausgezeichneter

Schriftsteller. Aber seine Perspektive ist natürlich nicht die

einzige. Nicht jede Waffe, die in einer Geschichte

vorkommt, muss auch abgefeuert werden., sagte Tamaru.

Er runzelte leicht die Stirn, als sei ihm pl.tzlich etwas

eingefallen. .Ah, fast h.tte ich etwas Wichtiges vergessen.

Ich muss dir einen Pager geben..

Er nahm ein kleines Ger.t aus der Schublade und legte es

auf den Schreibtisch. Es hatte einen Metallclip, mit dem

man es am Gürtel befestigen konnte. Tamaru hob den

Telefonh.rer ab und tippte eine dreistellige Kurzwahl ein.

Nach dreimaligem Rufzeichen reagierte der Pager und gab

ein paar elektronische T.ne von sich. Nachdem Tamaru ihn

auf h.chste Lautst.rke gestellt hatte, drückte er einen

Knopf, und die T.ne verstummten. Aufmerksam

vergewisserte er sich, dass die Telefonnummer des Senders

auf dem Display angezeigt wurde, und reichte Aomame das

Ger.t.

.Trage ihn bitte m.glichst immer am K.rper., sagte er.

.Oder entferne dich zumindest nicht allzu weit davon.

Wenn er sich meldet, habe ich eine Nachricht für dich. Eine

wichtige Nachricht. Ich piepse dich nicht an, um dir

jahreszeitliche Grü.e oder so was zu übermitteln. Du rufst

dann sofort die angezeigte Nummer an. M.glichst von

einem .ffentlichen Fernsprecher aus. Und noch eins. Falls

du irgendwelches Gep.ck hast, deponierst du es am besten

in einem Schlie.fach am Bahnhof Shinjuku..

.Bahnhof Shinjuku., wiederholte Aomame.

.Dass du dich auf das N.tigste beschr.nken solltest,

brauche ich dir ja nicht zu sagen..

.Ist klar., sagte sie.

Zu Hause angekommen, zog Aomame sorgf.ltig die

Vorh.nge zu und nahm die Heckler & Koch samt Munition

aus ihrer Umh.ngetasche. Dann setzte sie sich an den

Küchentisch und übte mehrmals, das leere Magazin

herauszunehmen und wieder hineinzuschieben. Mit jedem

Mal ging es schneller. Ihre Bewegungen wurden

rhythmisch, und auch ihre H.nde zitterten nicht mehr. Am

Ende legte sie die Waffe, die sie in ein altes T-Shirt

gewickelt hatte, in einen Schuhkarton und stellte ihn in

den Schrank. Die Plastiktüte mit der Munition versteckte

sie in einer Tasche ihres Regenmantels, der auf einem Bügel

hing. Sie hatte auf einmal gro.en Durst und trank drei

Gl.ser von dem Mugicha, dem Gerstentee, den sie im

Kühlschrank hatte. Ihre Nackenmuskeln waren von der

Anspannung ganz steif, und sie roch nach Schwei. unter

den Achseln, was bei ihr so gut wie nie vorkam. Allein

durch das Bewusstsein, eine Waffe zu besitzen, hatte sich

ihre Weltsicht ver.ndert. Ihre Umgebung hatte eine

ungewohnte, sonderbare Atmosph.re angenommen.

Sie zog sich aus und spülte den unangenehmen

Schwei.geruch mit einer hei.en Dusche fort.

Nicht jede Waffe muss abgefeuert werden, sagte Aomame

zu sich selbst, w.hrend sie unter der Dusche stand. Eine

Pistole ist nicht mehr als ein Werkzeug. Au.erdem lebe ich

nicht in einer fiktiven Welt. Meine Welt ist die Realit.t mit

ihren offenen Enden, Widersprüchen und Entt.uschungen.

Zwei Wochen verstrichen, ohne dass etwas geschah.

Aomame ging wie üblich in das Sportstudio und gab Kurse

in Kampfsport und Stretching, denn sie durfte ihre

Lebensgewohnheiten ja nicht .ndern. Sie hielt sich

m.glichst exakt an das, was die alte Dame ihr geraten

hatte. Jeden Abend zog sie nach ihrer einsamen Mahlzeit

die Vorh.nge sorgf.ltig zu und übte am Küchentisch den

Umgang mit der HK 4. Immer wieder.

Das Gewicht der Waffe, ihre metallische H.rte, der

Geruch nach Schmier.l, die ihr innewohnende

Zerst.rungskraft und Ruhe wurden nach und nach zu

einem Teil von ihr.

Mitunter verband sie sich sogar mit einem Schal die

Augen. Blind schob sie das Magazin ein, entsicherte und

zog den Schlitten zurück. Inzwischen empfand sie das

rhythmische Klacken, das jede ihrer Bewegungen

hervorrief, als angenehm. Im Dunkeln wurden die

Ger.usche, die die Waffe in ihrer Hand physisch erzeugte,

und deren Wahrnehmung durch ihr Geh.r bald eins. Die

Grenzen zwischen ihr selbst und dem, was sie tat,

verschwammen immer mehr, bis sie sich schlie.lich ganz

aufl.sten.

Einmal am Tag stellte sie sich vor den Spiegel im

Badezimmer und steckte sich die geladene Pistole in den

Mund. W.hrend sie die H.rte des Metalls an ihren Z.hnen

spürte, stellte sie sich vor, abzudrücken. Eine geringfügige

Bewegung würde genügen, um ihr Leben zu beenden. Im

n.chsten Augenblick w.re sie aus dieser Welt

verschwunden. Doch dabei hatte sie mehrere Punkte zu

beachten. Sie z.hlte sie sich einzeln vor dem Spiegel auf.

Ihre H.nde durften nicht zittern. Sie musste den Rücksto.

abfangen. Durfte keine Angst haben. Und vor allem nicht

z.gern.

Wenn ich wollte, dachte Aomame, k.nnte ich es sogar

jetzt tun. Ich müsste meinen Finger nur einen Zentimeter

zurückziehen. Es w.re ganz einfach. Soll ich? W.re das so

schlimm? Aber dann überlegte sie es sich anders, nahm die

Pistole aus dem Mund, entspannte den Schlaghahn,

sicherte die Waffe und legte sie auf die Ablage am

Waschbecken. Zwischen Zahnpasta und Haarbürste. Nein,

es war noch zu früh. Vorher hatte sie noch etwas zu

erledigen.

Wie Tamaru ihr geraten hatte, trug sie den Pager stets an

der Hüfte. Nachts legte sie ihn neben ihren Wecker, damit

sie jederzeit reagieren konnte. Aber er piepste nicht. Bereits

eine Woche war vergangen.

Die Pistole im Schuhkarton, die sieben Patronen in der

Tasche ihres Regenmantels, der schweigende Pager, ihr

Eispick, seine t.dliche, fein geschliffene Spitze, ihre

pers.nlichen Dinge in der Reisetasche. Das neue Gesicht

und das neue Leben, die sie erhalten sollte. Das Bündel

Bargeld in dem Schlie.fach am Bahnhof Shinjuku. Das

waren die Dinge, die in diesen Tagen des Hochsommers

Aomames Leben bestimmten. Wie immer um diese Zeit

war ein gro.er Teil der Einwohner in die Sommerferien

gefahren, viele Gesch.fte blieben zu, und die Stra.en waren

leer. Es herrschte weniger Verkehr, und es ging überall in

der Stadt geruhsamer zu. Mitunter verlor Aomame ganz

aus dem Blick, wo sie war. Ist das hier wirklich die

Realit.t?, fragte sie sich dann. Aber wo sonst h.tte sie die

Realit.t suchen sollen? Also blieb ihr nichts anderes übrig,

als diesen Zustand vorl.ufig als real zu akzeptieren und so

gut es eben ging damit zurechtzukommen.

Ich habe keine Angst zu sterben, versicherte Aomame

sich immer wieder. Angst hat man nur davor, von der

Realit.t überrascht zu werden. Hinter ihr zurückzubleiben,

sie nicht kontrollieren zu k.nnen.

Alle Vorbereitungen waren getroffen. Alles war geregelt,

auch ihre Gefühle hatte sie im Griff. Sobald Tamaru sich

meldete, konnte sie die Wohnung verlassen. Aber er

meldete sich nicht. Laut Kalender ging der August zu Ende.

Bald würde auch der Sommer vergehen und damit das

Zirpen der Zikaden schw.cher werden. Warum war der

Monat so schnell verstrichen, wo ihr doch jeder Tag so

schrecklich lang erschien?

Als Aomame aus dem Sportstudio zurückkam, entledigte

sie sich ihrer verschwitzten Kleidung, warf sie in den

W.schekorb und lief in Tanktop und Shorts durch die

Wohnung. Am Nachmittag hatte es einen starken

Wolkenbruch gegeben. Der Himmel war schwarz,

Hagelk.rner so gro. wie Kieselsteine prasselten auf den

Asphalt, und es donnerte. Danach war die ganze Stadt

durch die in der sengenden Sonne verdampfenden Pfützen

in warmen Dunst gehüllt. Gegen Abend zogen erneut

Wolken auf und bedeckten den Himmel mit einem dichten

Schleier. Kein Mond war zu sehen.

Aomame beschloss, sich noch etwas bei einem Becher

kaltem Mugicha zu entspannen, ehe sie sich an die

Zubereitung ihres Abendessens machte. Sie breitete die

Abendzeitung auf dem Küchentisch aus und verzehrte als

Vorspeise ein paar gekochte grüne Sojabohnen. Sie überflog

die Artikel auf den ersten Seiten und bl.tterte weiter, ohne

auf etwas zu sto.en, das sie interessierte. Typische

Abendnachrichten. Doch als sie die Gesellschaftsseiten

aufschlug, sprang ihr ein Foto ins Auge. Ayumi! Aomame

schluckte und verzog das Gesicht.

Das kann doch nicht sein, war ihr erster Gedanke. Es

musste sich um eine Verwechslung handeln. Die Person auf

dem Foto sah Ayumi sicher nur .hnlich. Warum sollte

etwas über Ayumi in der Zeitung stehen, noch dazu mit

Foto? Doch auch auf den zweiten und dritten Blick war und

blieb es das vertraute Gesicht der jungen Polizistin.

Gef.hrtin ihrer bescheidenen sexuellen Eskapaden. Ayumi

l.chelte auf dem Foto. Aber es war ein steifes, künstliches

L.cheln. Die echte Ayumi l.chelte viel natürlicher und

offener. Wahrscheinlich hatte man das Foto aus

irgendeinem offiziellen Anlass aufgenommen. Seine

Starrheit hatte etwas Beunruhigendes.

Aomame h.tte es vorgezogen, den Artikel nicht zu lesen.

Aber das konnte sie sich nicht erlauben. Es ging um die

Realit.t. Und der Realit.t konnte sie nicht entkommen.

Nach einem tiefen Seufzer begann sie zu lesen.

Es ging tats.chlich um Ayumi Nakano, 26 Jahre alt,

wohnhaft in Tokio im Stadtteil Shinjuku.

Sie war in einem Hotelzimmer in Shibuya mit der Schnur

eines Bademantels erdrosselt worden. Sie war nackt, und

beide H.nde waren mit Handschellen an das Kopfteil des

Bettes gefesselt gewesen. Um sie am Schreien zu hindern,

hatte man ihr ein Kleidungsstück in den Mund gestopft.

Eine Angestellte des Hotels, die am Morgen ins Zimmer

kam, hatte die Leiche entdeckt. Am Vorabend gegen elf

Uhr hatten Ayumi und ein unbekannter Mann in das

Hotelzimmer eingecheckt. Der Mann hatte das Hotel in

den Morgenstunden allein wieder verlassen. Der

Zimmerpreis war im Voraus bezahlt worden. Solche Dinge

kamen in einer Gro.stadt nicht selten vor. Durch das

Aufeinandertreffen verschiedenster Menschen entstand

mitunter eine fiebrige Hitze, die sich in Form von Gewalt

entlud. Die Zeitungen waren voll von solchen Ereignissen.

Allerdings waren einige Aspekte in diesem speziellen Fall

sehr au.ergew.hnlich. Das Opfer war Polizistin, und die

Handschellen, die sie bei ihren Sexspielen verwendet hatte,

waren offizielles Staatseigentum. Kein billiges Spielzeug,

wie es in Pornol.den verkauft wurde. Allein deshalb erregte

der Fall Aufsehen.

KAPITEL 4

Tengo

Vielleicht sollte ich mir das gar nicht wünschen

Wo Aomame jetzt wohl gerade war und was sie tat? Ob

sie noch immer Anh.ngerin der Zeugen Jehovas war?

Besser w.re es, wenn nicht, dachte Tengo. Natürlich

stand es jedem frei, einen Glauben zu haben. Es war nichts,

in das Tengo ihr hineinreden durfte. Aber soweit er sich

erinnerte, hatte es ihr als M.dchen nicht gerade gro.es

Vergnügen bereitet, Zeugin Jehovas zu sein.

Als Student hatte er einmal im Lager eines

Spirituosenh.ndlers gejobbt. Die Bezahlung war nicht

schlecht gewesen, aber er hatte ziemlich schwer schleppen

müssen. Wenn er den ganzen Tag dort geschuftet hatte, tat

ihm alles weh, und das, obwohl er kr.ftig gebaut war.

Manchmal arbeiteten dort auch zwei junge M.nner in

seinem Alter, die als Zeugen Jehovas aufgewachsen waren.

Beide waren wohlerzogen und sympathisch. Sie arbeiteten

stets gewissenhaft, drückten sich nicht vor der Arbeit und

beklagten sich nie. Einmal waren sie nach Feierabend

zusammen ein Bier trinken gegangen. Die beiden kannten

sich seit ihrer Kindheit und waren aus irgendwelchen

Gründen gemeinsam aus der Sekte ausgetreten, um endlich

ein normales Leben zu führen. Aber soweit Tengo sehen

konnte, hatten sie sich bisher noch nicht an die neuen

Umst.nde gew.hnen k.nnen. Von Geburt an in den engen

Grenzen einer abgeschlossenen Gemeinschaft

aufgewachsen, fiel es ihnen schwer, die Regeln eines

ausgedehnteren Umfelds zu verstehen und zu akzeptieren.

Oftmals waren sie verunsichert und trauten ihrem eigenen

Urteil nicht. Ihr Austritt aus der Sekte hatte ihnen zwar ein

Gefühl von Freiheit geschenkt, doch zugleich konnten sie

ihre Zweifel an der Richtigkeit ihrer Entscheidung nie ganz

ablegen.

Tengo konnte sich eines gewissen Mitgefühls nicht

erwehren. Vielleicht h.tten die beiden eine bessere Chance

gehabt, sich anzupassen, wenn sie ihre frühere Umgebung

schon als Kinder verlassen h.tten, ehe sich ein deutliches

Ego herausgebildet hatte. Aber diese Chance war vertan,

und nun beherrschten die Gebote und Wertvorstellungen

der Zeugen Jehovas noch immer ihr Leben. Seine

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