饭饭TXT > 海外名作 > 《1Q84 book 1 > 1Q84 德语版.txt

第 73 页

作者: 当前章节:15372 字 更新时间:2026-6-19 08:06

Lebensgewohnheiten und sein Bewusstsein aus eigener

Kraft zu .ndern forderte einen nicht geringen Preis. Die

Unterhaltung mit den beiden hatte Tengo an seine

Klassenkameradin von damals erinnert. Und er hoffte, dass

diese Leiden ihr erspart geblieben waren.

Nachdem das M.dchen endlich seine Hand losgelassen

und das Klassenzimmer schnurstracks und ohne sich

einmal umzudrehen verlassen hatte, blieb Tengo eine Zeit

lang wie vom Donner gerührt an derselben Stelle stehen.

Sie hatte mit solcher Kraft zugedrückt, dass er es noch

immer deutlich an seiner linken Hand spürte. Dieses

Gefühl verschwand mehrere Tage nicht. Und auch als es

mit der Zeit seine Unmittelbarkeit verlor, blieb der Druck

ihrer Finger wie eine Art Stempel in seinem Herzen zurück.

Bald darauf hatte er seine erste Ejakulation. Aus der

Spitze seines aufgerichteten Penis kam Flüssigkeit. Sie war

klebriger als Urin. Und er verspürte ein leicht

schmerzhaftes Pochen. Tengo wusste damals noch nicht,

dass es sich um Samenflüssigkeit handelte. Er hatte so

etwas bisher noch nie gesehen und war ziemlich verst.rt.

Er war mitten in der Nacht mit feuchter Unterw.sche aus

einem Traum aufgewacht (was er getr.umt hatte, wusste er

nicht mehr). Offenbar geschah hier etwas Ungew.hnliches

mit seinem K.rper. Doch seinen Vater wagte er nicht um

Rat zu bitten, und seine Schulfreunde wollte er auch nicht

fragen. Er hatte fast das Gefühl, durch die Hand des

M.dchens sei etwas aus ihm hervorgezogen worden.

Danach kam es nie wieder zu einer Berührung zwischen

ihnen. Aomame hielt sich abseits wie bisher, redete mit

niemandem und sprach vor den Mahlzeiten mit klarer

Stimme das gewohnte seltsame Gebet. Selbst wenn sie

direkt an Tengo vorbeiging, verzog sie keine Miene,

benahm sich, als sei nie etwas geschehen. Sie schien Tengo

nicht einmal wahrzunehmen.

Tengo hatte jedoch begonnen, Aomame unauff.llig, aber

aufmerksam zu beobachten, sobald sich eine Gelegenheit

ergab. Bei n.herem Hinsehen wurde ihm bewusst, dass ihre

Gesichtszüge sehr ebenm..ig waren. Zumindest hatte sie

ein sehr anziehendes, sympathisches Gesicht. Sie war gro.

und schlank und trug stets verwaschene Kleidung, die ihr

nicht richtig passte. Wenn sie Turnzeug trug, sah man, dass

sie noch keinen Busen hatte. Ihre Mimik war mehr als

verhalten, nie machte sie auch nur den Mund auf, und ihr

Blick schien stets in weite Ferne gerichtet. Ihre Augen

hatten nichts Lebendiges. Das verwunderte Tengo

besonders. Wo sie doch an jenem Tag, als sie ihn direkt

angeschaut hatte, so klar und gl.nzend gewesen waren.

Seit sie seine Hand genommen hatte, wusste Tengo, dass

in diesem mageren M.dchen eine z.he Kraft steckte, die

weit über alles Durchschnittliche hinausreichte. Sie hatte

enorm fest zugedrückt, aber daran allein lag es nicht.

Geistig schien sie sogar über noch gr..ere Kraft zu

verfügen, aber sie war daran gew.hnt, diese Energie vor

den anderen Schülern zu verbergen. Auch wenn die Lehrer

sie aufriefen, sagte sie nur das Allernotwendigste (bisweilen

nicht einmal das), aber ihre Noten in den Klassenarbeiten –

sie wurden verlesen – waren nicht schlecht. Tengo

vermutete, dass sie, wenn sie gewollt h.tte, weit besser

h.tte sein k.nnen. Vielleicht stümperte sie sogar

absichtlich in den Klassenarbeiten, um keine

Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Es war denkbar, dass

ein Kind in ihrer Situation sich aus Klugheit so verhielt, um

die Verletzungsgefahr m.glichst gering zu halten: sich so

klein und unsichtbar wie m.glich machte, um den Alltag

einigerma.en unbeschadet zu überstehen.

Wie sch.n h.tte es sein k.nnen, w.re sie ein ganz

normales M.dchen gewesen, mit dem er unbekümmert

h.tte reden k.nnen. Vielleicht h.tten sie Freundschaft

geschlossen. Obwohl das für zehnj.hrige Jungen und

M.dchen ohnehin schon zu den schwierigsten Dingen auf

der Welt geh.rt. Aber irgendeine Gelegenheit zu einem

freundschaftlichen Austausch musste sich ja wohl finden

lassen. Doch leider fand sie sich nie. Aomame war eben

kein normales M.dchen. Sie blieb isoliert, mied die

anderen Schüler und wahrte hartn.ckig ihr Schweigen. Also

beschloss Tengo, lieber heimlich in seiner Phantasie und in

seiner Erinnerung mit ihr zusammen zu sein, statt

vergeblich eine echte Beziehung zu dem M.dchen

erzwingen zu wollen.

Mit zehn Jahren hatte Tengo noch keine konkrete

Vorstellung von Sexualit.t. Seine Sehnsucht nach Aomame

bestand in dem Wunsch, sie würde noch einmal seine

Hand nehmen. Dass sie beide allein w.ren und sie sie fest

drücken würde. Und dass sie ihm etwas, ganz egal was, von

sich erz.hlen würde. Ihm mit leiser Stimme die

Geheimnisse eines zehnj.hrigen M.dchens anvertrauen.

Und er würde sich bemühen, sie zu verstehen. Vielleicht

w.re das ein Anfang. Aber davon, was dieses Etwas sein

k.nnte, hatte Tengo noch keine Ahnung.

Als im April das fünfte Schuljahr begann, wurden Tengo

und das M.dchen auf verschiedene Klassen verteilt. Sie

gingen hin und wieder auf dem Schulkorridor aneinander

vorbei oder standen zusammen an der Bushaltestelle. Doch

das M.dchen schien Tengos Existenz nicht einmal

wahrzunehmen. Zumindest glaubte er das. Ohne die

kleinste Regung zu zeigen, stand sie neben ihm. Schaute

ihn nicht ein einziges Mal an. Ihre Augen waren

unver.ndert glanzlos und ohne Tiefe. Tengo fragte sich,

was damals im Klassenzimmer passiert war. Manchmal war

ihm, als habe er das Ganze nur getr.umt. Als sei es gar

nicht wirklich geschehen. Andererseits spürte er noch

immer lebhaft diesen au.ergew.hnlich starken Druck an

seiner Hand. Die Welt war voller R.tsel.

Und ehe Tengo sich’s versah, war Aomame fort. Sie hatte

die Schule gewechselt, aber Genaueres war nicht bekannt.

Niemand wusste, wohin sie gezogen war, und Tengo war

wahrscheinlich der Einzige an der ganzen Schule, den ihr

Verschwinden berührte.

Noch lange danach bereute Tengo sein Verhalten.

Genauer gesagt, er bereute seinen Mangel an Verhalten.

Ihm fielen Dinge ein, die er ihr unbedingt h.tte sagen

sollen. Innerlich war ihm ganz klar, dass er mit ihr

sprechen wollte, sprechen musste. Im Nachhinein erschien

es ihm auch gar nicht so schwierig. Er h.tte sie doch

eigentlich nur irgendwo abzupassen und etwas zu ihr zu

sagen brauchen. Er h.tte nur irgendeine Gelegenheit finden

und ein bisschen Mut aufbringen müssen. Aber er hatte es

nicht geschafft. Und die Gelegenheit für immer verpasst.

Auch in der Mittelstufe, in der Tengo eine staatliche

Schule besuchte, war er in Gedanken noch oft bei Aomame.

Er hatte nun regelm..ig Erektionen und dachte auch

h.ufig an sie, wenn er masturbierte. Dabei benutzte er stets

die linke Hand, an der er noch immer den Druck ihrer

Finger spürte. In seiner Erinnerung war Aomame ein

dünnes M.dchen, das noch keinen Busen hatte. Dennoch

erregte es ihn, wenn er sie in ihrem Turnzeug vor sich sah.

Auf der Oberschule verabredete er sich hin und wieder

mit gleichaltrigen M.dchen, deren junge Brüste sich

deutlich unter der Kleidung abzeichneten. Dieser Anblick

raubte Tengo fast den Atem. Dennoch bewegte er vor dem

Einschlafen noch immer seine linke Hand in Gedanken an

Aomames flache Brust, die nicht einmal den Anflug einer

W.lbung hatte. Und fühlte sich dabei zutiefst schuldig. Er

war überzeugt, dass mit ihm etwas nicht stimmte und er

etwas Abartiges an sich hatte.

Doch als er auf die Universit.t kam, dachte er nicht mehr

so h.ufig an Aomame wie früher. Der Hauptgrund dafür

war, dass er echte junge Frauen kennenlernte und richtigen

Geschlechtsverkehr mit ihnen hatte. K.rperlich war er

inzwischen ein erwachsener Mann, und das Bild des

dünnen zehnj.hrigen M.dchens in Turnzeug war als

Objekt seiner Begierde in einige Distanz gerückt.

Dennoch versetzte nie wieder ein M.dchen Tengos

Inneres so in Aufruhr wie Aomame, als sie damals im

Klassenzimmer ihrer Grundschule seine Hand drückte.

Keine einzige der Frauen, die er an der Universit.t oder

danach kennenlernte, hatte seinem Herzen ein so

nachhaltiges und deutliches Siegel aufgedrückt wie dieses

M.dchen. Er konnte partout keine finden, die er wirklich

begehrte. Dabei waren einige seiner Freundinnen sch.ne

und auch warmherzige Frauen. Manche liebten ihn sogar

wirklich. Aber letzten Endes kamen und gingen sie wie

bunte V.gel, die sich auf einem Ast niederlie.en und bald

wieder davonflogen. Sie vermochten Tengo nicht zu geben,

was er sich wünschte, und auch er konnte ihnen nicht

bieten, was sie sich ersehnten.

Auch jetzt noch, mit drei.ig Jahren, überraschte ihn

bisweilen die Erkenntnis, dass in Momenten der

Geistesabwesenheit spontan die Gestalt der zehnj.hrigen

Aomame vor ihm auftauchte. Aomame, wie sie damals nach

dem Unterricht seine Hand gedrückt und mit ihren klaren

Augen geradewegs in die seinen geschaut hatte. Oder er

sah ihren mageren K.rper in Turnzeug vor sich. Oder sah

sie sonntags hinter ihrer Mutter her durch die

Einkaufsstra.e von Shinagawa huschen. Stets waren ihre

Lippen fest aufeinandergepresst und ihr Blick in

unbestimmte Ferne gerichtet.

Anscheinend komme ich überhaupt nicht von diesem

M.dchen los, dachte Tengo dann. Und bereute es noch

immer, sie auf dem Schulkorridor nicht angesprochen zu

haben. W.re er nicht so ein Feigling gewesen, w.re sein

Leben vielleicht ganz anders verlaufen.

Dass er in diesem speziellen Moment an sie dachte, kam

daher, dass er im Supermarkt Edamame kaufte. Als er sich

für die grünen Sojabohnen entschied, musste er

unwillkürlich an Aomame denken. Mit den Edamame in

der Hand blieb er, in seinen Tagtraum versunken, vor dem

Regal stehen. Wie lange, wusste er nicht. .Verzeihen Sie..

Eine Frauenstimme brachte ihn wieder zu sich. Er hatte in

seiner vollen Gr..e und Breite das Edamame-Regal

blockiert.

Tengo schreckte auf, entschuldigte sich, legte die

Sojabohnen zu seinen anderen Eink.ufen – Shrimps, Milch,

Tofu und Salat – in den Korb und ging zur Kasse, wo er sich

zusammen mit den Hausfrauen aus der Nachbarschaft

anstellte und wartete, bis er an der Reihe war. Es machte

ihm nichts aus, dass gerade das schlimmste

Feierabendgedr.nge herrschte und sich, weil die

Kassiererin noch neu und ungeschickt war, eine lange

Schlange gebildet hatte.

Ob er Aomame gleich erkennen würde, wenn sie in dieser

Schlange stünde? Schwer zu sagen. Immerhin hatten sie

sich zwanzig Jahre nicht gesehen. Damit war die

M.glichkeit, dass sie einander wiedererkannten, eigentlich

ziemlich gering. Würde er es wagen, eine Passantin einfach

so anzusprechen, wenn er sie für Aomame hielt? Auch

davon war er nicht überzeugt. Wom.glich würde er

beklommen weitergehen, ohne etwas zu unternehmen. Um

es danach wieder zutiefst zu bereuen und sich zu fragen,

warum er es wieder nicht geschafft hatte, sie anzusprechen.

.Was dir fehlt, mein lieber Tengo, ist Ehrgeiz und

Entschlossenheit., sagte Komatsu immer, und sicher hatte

er recht damit. Ist ja auch egal, dachte Tengo und gab

sofort auf, sobald er sich überfordert fühlte. Das lag eben in

seinem Charakter.

Falls sie sich aber zuf.llig irgendwo begegneten und das

Schicksal wollte es, dass sie einander erkannten, würde er

Aomame alles offen und ehrlich anvertrauen. Sie würden in

ein Café in der N.he gehen (sofern sie Zeit h.tte und seine

Einladung annehmen würde), einander gegenübersitzen

und etwas trinken.

Tengo h.tte Aomame so vieles zu erz.hlen gehabt. .Ich

wei. noch genau, wie du damals in unserem

Klassenzimmer meine Hand gedrückt hast. Danach h.tte

ich mich so gern mit dir angefreundet. Und dich besser

kennengelernt. Aber ich konnte einfach nichts tun. Dafür

gab es alle m.glichen Gründe, aber das gr..te Problem war

meine Schüchternheit. Ich habe das immer bereut. Ich

bereue es heute noch. So oft habe ich an dich gedacht..

Natürlich würde er nicht sagen, dass er beim Masturbieren

an sie gedacht hatte. Das w.re ihm dann doch allzu offen

und ehrlich gewesen.

Aber vielleicht sollte ich mir das gar nicht wünschen,

dachte Tengo. Vielleicht w.re es besser, sich nicht

wiederzusehen. Wom.glich würde er eine Entt.uschung

erleben. Und aus Aomame war eine langweilige

Büroangestellte mit abgespanntem Gesicht geworden. Oder

eine frustrierte Mutter, die mit schriller Stimme auf ihre

Kinder einschrie. Vielleicht k.nnten sie kein einziges

gemeinsames Thema finden. Diese M.glichkeit bestand

durchaus. Dann h.tte Tengo das Einzige, das ihm etwas

wert war, das Einzige, an dem ihm dauerhaft etwas lag, für

immer verloren. Dennoch war er fast sicher, dass es so

nicht sein würde. Er war überzeugt, dass die Anfechtungen

der Zeit dem entschlossenen Blick dieser Zehnj.hrigen und

ihrem willensstarken Profil nicht so leicht etwas hatten

anhaben k.nnen.

Und er? Würde er einem Vergleich standhalten?

Der Gedanke beunruhigte Tengo.

W.re im Falle eines Wiedersehens nicht vielmehr

Aomame die Entt.uschte? In der Grundschule war Tengo

ein von allen bewundertes Mathematikgenie gewesen. Er

war in fast allen F.chern der Beste, dazu k.rperlich kr.ftig

und sehr gut in Sport gewesen. Die Lehrer hatten gro.e

Stücke auf ihn gehalten und jede Menge Hoffnungen in

seine Zukunft gesetzt. Vielleicht war er in Aomames Augen

eine Art Held gewesen. Doch nun arbeitete er als Lehrer an

einer Yobiko, war nicht einmal fest angestellt. Als

gro.artige Karriere konnte man das nicht gerade

bezeichnen. Das war zwar ganz bequem, und für einen

allein reichte es allemal, aber davon, ein nützliches

Mitglied der Gesellschaft zu sein, war er ziemlich weit

entfernt. Nebenher bet.tigte er sich als Schriftsteller, doch

abgesehen von ein paar erfundenen Horoskopen für

Frauenzeitschriften war bisher noch nie etwas von ihm

gedruckt worden. Die galten zwar als gelungen, waren aber

nüchtern betrachtet nicht mehr als zusammengekritzelter

Schwindel. Er hatte keinen besten Freund, mit dem er sich

目录
设置
设置
阅读主题
字体风格
雅黑 宋体 楷书 卡通
字体大小
适中 偏大 超大
保存设置
恢复默认
手机
手机阅读
扫码获取链接,使用浏览器打开
书架同步,随时随地,手机阅读
首 页 < 上一章 章节列表 下一章 > 尾 页