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作者: 当前章节:15389 字 更新时间:2026-6-19 08:06

aussprechen konnte, und keine feste Freundin. Seine

einzige zwischenmenschliche Beziehung hatte er zu einer

zehn Jahre .lteren Frau, mit der er sich einmal in der

Woche traf. Und die bisher einzige Leistung, auf die er stolz

sein konnte, war seine Beteiligung am Aufstieg von Die

Puppe aus Luft zum Bestseller, aber davon durfte nichts

nach au.en dringen, und wenn er platzte.

Als Tengo mit seinen Gedanken an dieser Stelle angelangt

war, griff die Kassiererin nach seinem Korb.

Die Papiertüte mit den Eink.ufen im Arm, kehrte er in

seine Wohnung zurück. Er zog Shorts an und nahm sich

eine Dose Bier aus dem Kühlschrank, die er im Stehen

trank. W.hrenddessen setzte er einen gro.en Topf mit

Wasser auf. Bis es kochte, pflückte er die Edamame von den

St.ngeln und salzte sie auf einem Schneidebrett

gleichm..ig ein. Anschlie.end warf er sie in das kochende

Wasser.

Tengo fragte sich, warum das Bild dieses mageren

zehnj.hrigen M.dchens ihn niemals verlie.. Sie hatte

einmal nach dem Unterricht seine Hand gedrückt und

dabei kein Wort gesagt. Mehr nicht. Dennoch war ihm, als

habe Aomame damals einen Teil von ihm mit sich

genommen. Einen Teil seiner Seele oder seines K.rpers.

Und dafür einen Teil von sich in ihm zurückgelassen.

Dieser bedeutende Austausch hatte in allerkürzester Zeit

stattgefunden.

Mit dem Küchenbeil zerkleinerte Tengo eine gr..ere

Menge Ingwer, schnitt Sellerie und Champignons in

mundgerechte Stücke und hackte Koriander. Er sch.lte die

Garnelen, wusch sie unter dem Wasserhahn und reihte sie

auf Küchenkrepp ordentlich nebeneinander auf, als würde

er eine Truppe Soldaten aufmarschieren lassen. Als die

Edamame kochten, goss er sie durch ein Sieb und lie. sie

abkühlen. Nun erhitzte er eine gro.e Bratpfanne, gab helles

Sesam.l hinein, lie. es zergehen und briet den Ingwer auf

kleiner Flamme.

Wieder einmal dachte Tengo, wie wunderbar es w.re,

wenn er sich jetzt sofort mit Aomame treffen k.nnte. Es

würde ihm nichts ausmachen, wenn sie oder auch er selbst

ein wenig entt.uscht sein würden. Er h.tte einfach so gern

gewusst, wie ihr bisheriges Leben verlaufen war, wo sie

jetzt lebte, woran sie sich freute und was sie traurig machte.

Selbst wenn sie beide sich ver.ndert hatten und die

M.glichkeit einer Verbindung zwischen ihnen vielleicht

verloren war, hatte sich doch nichts daran ge.ndert, dass

sich damals vor langer, langer Zeit in jenem Klassenzimmer

dieser bedeutsame Austausch zwischen ihnen abgespielt

hatte.

Tengo gab den Sellerie und die Pilze in die Pfanne, drehte

das Gas auf h.chste Stufe und wendete alles sorgf.ltig mit

einem Bambusspatel, w.hrend er die Pfanne leicht hin und

her schwenkte und das Gemüse mit Salz und Pfeffer

bestreute. Als sie kochten, gab er die abgetropften Shrimps

hinzu. Dann salzte und pfefferte er nach. Er goss ein kleines

Glas Sake und nach Gefühl etwas Sojaso.e an. Zum Schluss

verteilte er den Koriander darüber. Alle diese Handgriffe

führte Tengo mechanisch und fast ohne nachzudenken aus.

Er agierte wie ein Flugzeug, das auf Autopilot geschaltet ist.

Au.erdem war es kein besonders kompliziertes Gericht.

Tengos H.nde bewegten sich pr.zise, aber im Geist war er

die ganze Zeit bei Aomame.

Als Garnelen und Gemüse gar waren, lud er alles auf

einen gro.en Teller. Er nahm sich ein frisches Bier aus dem

Kühlschrank, setzte sich an den Küchentisch und verzehrte

in Gedanken versunken das noch dampfende Gericht.

W.hrend der letzten Monate habe ich mich anscheinend

doch etwas ver.ndert, dachte er. Offenbar bin ich dabei,

mich geistig zu entwickeln. Mit drei.ig wird es vielleicht

auch allm.hlich Zeit. Die halb ausgetrunkene Bierdose in

der Hand, schüttelte Tengo selbstironisch den Kopf.

Gro.artig. Wie lange er bei diesem Tempo wohl brauchen

würde, bis aus ihm ein normal gereifter Erwachsener

würde?

Auf alle F.lle schien seine Arbeit an Die Puppe aus Luft

diesen inneren Reifeprozess in Gang gesetzt zu haben.

Durch das Nacherz.hlen von Fukaeris Geschichte mit

seinen Worten hatte sich Tengos Bedürfnis verst.rkt, den

Geschichten in ihm die Gestalt eigener Werke zu geben. Es

war ein neuer Antrieb in ihm entstanden, der offenbar auch

die Sehnsucht nach Aomame einschloss. Aus irgendeinem

Grund musste er st.ndig an sie denken. Bei jeder

Gelegenheit zog es ihn in das Klassenzimmer an jenem

Nachmittag vor zwanzig Jahren. Es war, als stünde er an

einem Strand und seine Fü.e würden best.ndig vom Sog

der zurückstr.menden Brandung mitgerissen.

Am Ende lie. Tengo die H.lfte seines zweiten Biers und

seines Garnelengemüses stehen. Den Rest des Biers goss er

weg, das Essen gab er auf einen kleinen Teller und stellte es

zugedeckt in den Kühlschrank.

Anschlie.end setzte er sich an den Schreibtisch, schaltete

sein Textverarbeitungsger.t ein und rief seine angefangene

Seite auf.

Tengo war überzeugt, dass es keinen gro.en Sinn h.tte,

die Vergangenheit umzuschreiben. Seine Freundin hatte

v.llig recht. Ganz gleich wie eifrig und genau man die

Vergangenheit bearbeitete, am gegenw.rtigen Zustand

seines Ichs würde man damit nichts .ndern. Die Zeit besa.

die Kraft, künstlich herbeigeführte Ver.nderungen

vollst.ndig aufzuheben. Zweifellos würde sie jede

nachtr.gliche Korrektur überschreiben und den Fluss

wieder in sein ursprüngliches Bett lenken. Selbst wenn man

ein paar Details mehr oder weniger .ndern würde, die

Person Tengo würde letzten Endes immer Tengo bleiben.

Was er tun musste, war, an der Wegkreuzung der

Gegenwart stehenzubleiben, von dort aus die

Vergangenheit genau in Augenschein zu nehmen und dann

entsprechend seiner ver.nderten Vergangenheit seine

Zukunft zu gestalten. Einen anderen Weg gab es nicht.

Bu.’ und Reu’

Knirscht das Sündenherz entzwei

Dass die Tropfen meiner Z.hren

Angenehme Spezerei

Treuer Jesu, dir geb.ren.

Diese Passage aus der Matth.us-Passion hatte Fukaeri

ihm bei ihrer letzten Begegnung vorgesungen. Das Werk

gefiel ihm. Er hatte die Platte immer wieder geh.rt und

sich die übersetzung angesehen. Die Arie über die

.Salbung in Bethanien. geh.rte zum Anfangsteil. Als Jesus

in Bethanien das Haus eines Kranken aufsuchte, goss eine

Frau kostbares duftendes Wasser auf sein Haupt. Die

anwesenden Jünger schalten sie ob der unnützen

Vergeudung. Man h.tte es doch verkaufen und den Erl.s

den Armen geben k.nnen. Aber Jesus ermahnte seine

aufgebrachten Jünger. .Sie hat ein gut Werk an mir getan.,

sagte er. .Sie hat es getan, dass man mich begraben wird..

Die Frau wusste, dass Jesus in naher Zeit sterben musste.

Deshalb konnte sie nicht anders, als das kostbare Wasser

zu vergie.en, wie sie ihre eigenen Tr.nen vergoss. Auch

Jesus wusste, dass er bald den Pfad des Todes beschreiten

würde. Und er sprach: .Wahrlich, ich sage euch: Wo dies

Evangelium gepredigt wird in der ganzen Welt, da wird

man auch sagen zu ihrem Ged.chtnis, was sie getan hat..

Natürlich konnten sie die Zukunft nicht .ndern.

Tengo schloss noch einmal die Augen, atmete tief ein und

reihte im Geist die Worte aneinander. Dann vertauschte er

ihre Reihenfolge, sodass das Bild klarer wurde. Auch ihren

Rhythmus pr.zisierte er.

Nachdem er seine zehn Finger in der Luft bewegt hatte

wie Vladimir Horowitz vor den achtundachtzig Tasten

einer nagelneuen Klaviatur, begann er entschlossen, die

Zeichen in das Textverarbeitungsger.t zu tippen.

Er beschrieb eine Welt, in der des Nachts am .stlichen

Himmel zwei Monde standen. Die Menschen, die dort

lebten. Und die Zeit, die dort verfloss.

.Wo dies Evangelium gepredigt wird in der ganzen Welt,

da wird man auch sagen zu ihrem Ged.chtnis, was sie getan

hat..

KAPITEL 5

Aomame

Der Kater als Vegetarier und die Maus

Nachdem Aomame begriffen hatte, dass Ayumi tot war,

fand in ihr ein Prozess der Anpassung statt. Zuerst kamen

die Tr.nen. Sie schlug die H.nde vors Gesicht und weinte

lautlos, mit leicht bebenden Schultern. Offenbar wollte sie

nicht, dass irgendjemand auf der Welt etwas davon

bemerkte.

Die Vorh.nge vor dem Fenster waren dicht zugezogen;

dennoch konnte man nie wissen, ob nicht doch von

irgendwoher jemand zusah. Die Zeitung auf dem

Küchentisch vor sich ausgebreitet, weinte Aomame die

ganze Nacht. Sie weinte lautlos, bis auf gelegentliche

Schluchzer, die sich einfach nicht unterdrücken lie.en.

Tr.nen liefen über ihre H.nde und tropften auf die Zeitung.

Aomame war an sich kein Mensch, der leicht in Tr.nen

ausbrach. Eher packte sie die Wut. Auf andere oder auf sich

selbst. Daher weinte sie nur selten. Doch jetzt, wo der

Damm einmal gebrochen war, gab es kein Halten mehr.

Seit Tamaki Otsukas Selbstmord hatte sie nicht mehr so

lange geweint. Wie viele Jahre war das jetzt her? Sie wusste

es nicht mehr. Jedenfalls sehr viele. Damals hatte Aomame

unaufh.rlich geweint. Tagelang. Ohne ein Wort zu

sprechen, ohne aus dem Haus zu gehen. Mitunter hatte sie

etwas getrunken, um die Feuchtigkeit nachzufüllen, die sie

durch die Tr.nen verloren hatte, oder war in einen kurzen

ohnmachts.hnlichen Schlaf gefallen. Die ganze übrige Zeit

waren ihre Tr.nen unabl.ssig geflossen.

Ayumi war nicht mehr auf der Welt. Sie war jetzt eine

kalte Leiche und wurde vielleicht gerade von der

Gerichtsmedizin obduziert. Nach der Obduktion würde

man sie wieder zusammenn.hen und nach einer schlichten

Trauerfeier ins Krematorium bringen und verbrennen. Sie

würde als Rauch in den Himmel steigen und sich mit den

Wolken vermischen. Irgendwann würde sie mit dem Regen

zur Erde fallen und irgendwo das Gras wachsen lassen.

Namenloses, nichtssagendes Gras. Nie mehr würde

Aomame sie lebend zu Gesicht bekommen. Für sie war das

eine v.llig absurde Vorstellung, die sie als widernatürlich

und schrecklich ungerecht empfand.

Seit es Tamaki Otsuka nicht mehr gab, war Ayumi die

Einzige gewesen, für die Aomame so etwas wie

freundschaftliche Gefühle gehegt hatte. Leider waren dieser

Freundschaft enge Grenzen gesetzt gewesen. Ayumi war

Polizistin und Aomame Serienm.rderin. Auch wenn sie aus

Gewissensgründen und überzeugung mordete, eine

M.rderin blieb eine M.rderin. Vor dem Gesetz war

Aomame ohne jeden Zweifel eine Verbrecherin. Sie geh.rte

auf die Seite der Gejagten und Ayumi auf die der J.ger.

Deshalb hatte Aomame, obwohl die junge Polizistin sich

eine innigere Beziehung gewünscht h.tte, sehr verschlossen

auf ihre Ann.herungsversuche reagiert. Sich auf eine

engere Freundschaft mit Ayumi einzulassen w.re zu

gef.hrlich gewesen. H.tte sie Ayumi einen Platz in ihrem

Alltag einger.umt, w.ren unweigerlich alle m.glichen

Widersprüche und Ungereimtheiten zutage getreten. Nein,

Aomame, die im Grunde ihres Herzens ein sehr ehrlicher

und direkter Mensch war, konnte keine aufrichtige

zwischenmenschliche Beziehung pflegen, in der sie

Geheimnisse vor dem anderen haben oder ihn in wichtigen

Dingen belügen musste. Eine solche Situation h.tte sie

verunsichert, und das konnte sie nicht brauchen.

Ayumi musste zumindest etwas davon geahnt haben.

Musste gespürt haben, dass Aomame ein pers.nliches

Geheimnis hatte, das sie auf keinen Fall preisgeben konnte,

und dass sie daher bewusst Distanz wahrte. Ayumi verfügte

über eine hervorragende Intuition. Hinter ihrem lockeren,

freizügigen Auftreten, das ohnehin zur H.lfte gespielt war,

verbarg sich ein empfindsamer, leicht verletzlicher

Charakter. Aomame wusste das. Vielleicht hatte Ayumi sich

durch ihre abweisende Haltung gekr.nkt und

zurückgewiesen gefühlt. Bei diesem Gedanken hatte

Aomame das Gefühl, ihr Herz werde von einem Nagel

durchbohrt.

Weil Aomame sich so verhalten hatte, war Ayumi get.tet

worden. Sie hatte in der Stadt irgendeinen Mann

kennengelernt. Sie hatten getrunken und waren in ein

Hotel gegangen. Hatten sich in einem dunklen Zimmer

eingeschlossen und ein raffiniertes Sexspiel begonnen.

Handschellen, Knebel, verbundene Augen. Aomame sah die

Szene vor sich. Der Mann zog den Gürtel des Bademantels

immer enger um den Hals der Frau, der Anblick ihrer Panik

steigerte seine Erregung, bis er schlie.lich ejakulierte. Doch

er hatte den Gürtel zu stark zugezogen und den Moment

verpasst, an dem er h.tte loslassen müssen.

Ayumi selbst musste gefürchtet haben, dass so etwas

irgendwann einmal passieren würde. Sie brauchte

regelm..ig hemmungslosen Sex. Sie hatte ein

k.rperliches – und wahrscheinlich auch ein psychisches –

Bedürfnis danach. Doch einen festen Freund wollte sie

nicht. Verbindliche zwischenmenschliche Beziehungen

erdrückten und verunsicherten sie. Deshalb hatte sie sich in

die gef.hrlichen H.nde von Zufallsbekanntschaften

begeben. In dieser Hinsicht waren sie sich .hnlich. Nur

dass Ayumi die Neigung hatte, sich viel weiter vorzuwagen.

Ayumi mochte riskante Sexpraktiken, vielleicht wünschte

sie sich sogar unbewusst, verletzt zu werden, ganz anders

als Aomame, die .u.erst vorsichtig war und nie gestattet

h.tte, dass jemand ihr Schmerzen zufügte. In einer solchen

Situation h.tte sie heftigsten Widerstand geleistet. Aber

Ayumi hatte die Neigung, sehr schnell auf alle Ansprüche

des Partners, ganz gleich welche, einzugehen. Was sie wohl

im Gegenzug erwartete? Es war eine gef.hrliche Neigung,

immerhin handelte es sich um Fremde, die ihr zuf.llig über

den Weg liefen. Man konnte nie wissen, welche Vorlieben

sie hegten und welche Begierden in ihnen lauerten.

Natürlich war Ayumi sich dieser Gefahr bewusst gewesen.

Deshalb hatte sie Aomame als besonnene Partnerin

gebraucht. Jemanden, der sie bremste und auf sie aufpasste.

Auch Aomame hatte Ayumi gebraucht. Die junge

Polizistin besa. Eigenschaften, die Aomame fehlten. Sie

hatte eine offene, heitere Pers.nlichkeit, und andere

fühlten sich in ihrer Gegenwart wohl. Sie war

liebenswürdig, verfügte über natürliche Neugier und die

F.higkeit zu kindlicher Begeisterung. Man konnte sich gut

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