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作者: 当前章节:15411 字 更新时间:2026-6-19 08:06

Bewohner in tiefen Schlaf gefallen waren.

Um sich zu beruhigen, setzte Tengo einen Kessel mit

Wasser auf und machte sich grünen Tee. Mit der Teeschale

setzte er sich an den Tisch und lie. sich das ganze

Telefonat noch einmal durch den Kopf gehen. .Meine Frau

ist verlorengegangen. Sie wird nie mehr zu Ihnen kommen,

ganz gleich in welcher Form., hatte der Mann gesagt. Sie

wird nie mehr zu Ihnen kommen, ganz gleich in welcher

Form. Diese Formulierung verwirrte Tengo besonders. Sie

gab ihm das Gefühl von etwas Dunklem, Feuchtem,

Glitschigem.

Offenbar hatte dieser Yasuda ihm deutlich machen

wollen, dass es seiner Frau g.nzlich unm.glich war, Tengo

noch einmal zu besuchen, selbst wenn sie den Wunsch

verspürt h.tte. Aber warum war das für sie so unm.glich?

Was waren die Umst.nde? Und was bedeutete

.verlorengegangen.? In ihm erwuchs die Vorstellung, dass

Kyoko Yasuda vielleicht bei einem Unfall schwer verletzt

worden war oder eine unheilbare Krankheit hatte. Oder ihr

Gesicht durch Gewalteinwirkung furchtbar entstellt war. Er

sah sie in einem Autositz, sie hatte einen K.rperteil

verloren und war v.llig mit Verbandszeug umwickelt,

sodass sie sich nicht bewegen konnte. Dann sah er sie in

einem Keller wie einen Hund an einer dicken Kette liegen.

Allerdings schienen ihm diese M.glichkeiten selbst

ziemlich abenteuerlich.

Kyoko Yasuda (er dachte nun mit ihrem vollen Namen an

sie) hatte ihren Mann so gut wie nie erw.hnt. Tengo hatte

keine Ahnung, welchen Beruf er ausübte, wie alt er war, wie

er aussah, ob er dick war oder dünn, gro. oder klein,

ansehnlich oder eher nicht und ob die Ehe gut war oder

schlecht. Soweit Tengo verstanden hatte, hatte es ihr

materiell an nichts gefehlt (offenbar führte sie ein Leben im

überfluss), nur die H.ufigkeit, mit der sie und ihr Mann

Sex hatten, schien ihr nicht ausgereicht zu haben. Vielleicht

hatte es auch an der Qualit.t gelegen. Doch das waren

letztlich nicht mehr als Vermutungen. Sie hatten an ihren

Nachmittagen im Bett über alles M.gliche gesprochen, aber

dieses Thema hatten sie nie auch nur angeschnitten.

Au.erdem war Tengo auch nicht sonderlich erpicht darauf

gewesen, etwas über ihren Mann zu erfahren. Er hatte es

vorgezogen, nicht zu wissen, was für einem Mann er die

Frau wegnahm, und hatte das auch noch für eine Art von

Anstand gehalten. Doch angesichts dieser Entwicklungen

bereute er, Kyoko nie nach ihm gefragt zu haben

(wahrscheinlich h.tte sie ihm sogar ziemlich offen

geantwortet). Ob der Mann extrem eifersüchtig und

besitzergreifend war? Neigte er zur Gewaltt.tigkeit?

Tengo versuchte sich in seine Lage zu versetzen. Wie

h.tte er sich an seiner Stelle gefühlt? Jemand hatte eine

Frau und zwei kleine Kinder und wollte ein ganz normales,

glückliches Familienleben führen. Aber dann kam heraus,

dass die Ehefrau einmal in der Woche mit einem anderen

Mann schlief. Einem Mann, der zehn Jahre jünger war. Und

das seit einem Jahr. Was würde er denken? Welche Gefühle

würden ihn beherrschen? Heftige Wut, tiefe Verzweiflung,

grenzenlose Traurigkeit, kalte Verachtung, ein echtes

Gefühl von Verlust oder eine wilde Mischung aus allem, die

sich nicht in ihre Bestandteile aufl.sen lie.?

Aber alles Grübeln half nicht, Tengo konnte sich kein Bild

davon machen, wie er selbst empfinden würde. Doch

w.hrend er darüber spekulierte, musste er daran denken,

wie seine Mutter in ihrem wei.en Unterkleid den

unbekannten jungen Mann an ihrer Brust saugen lie.. Ihre

Brust war voll, die Warze gro. und steif. Auf ihrem Gesicht

lag ein geistesabwesendes, sinnliches L.cheln. Ihr Mund

war halb ge.ffnet, die Augen geschlossen. Ihre leicht

bebenden Lippen erinnerten an eine feuchte Vagina. Und

Tengo lag schlafend im selben Raum. Es war, als würde der

Kreis eines Karmas sich schlie.en. Der geheimnisvolle

junge Mann war Tengo, und die Frau, die er umarmte,

Kyoko Yasuda. Die Konstellation war die gleiche, nur die

Personen waren ausgetauscht worden. Hei.t das, fragte

sich Tengo, ich verk.rpere mit meinem Leben diese latent

in mir vorhandenen Bilder? Und mein Handeln ist nicht

mehr als ein Abklatsch davon? Wie viel Verantwortung

trage ich daran, dass Kyoko .verlorengegangen. ist?

Tengo konnte nicht einschlafen. Unabl.ssig hatte er die

Stimme des Mannes namens Yasuda im Ohr. Die

Andeutungen, die er gemacht hatte, wogen schwer, und

seine Worte hatten eine seltsame Plastizit.t gehabt. Er

dachte an Kyoko Yasuda. Sah ihr Gesicht, ihren K.rper bis

in jede Einzelheit vor sich. Das letzte Mal hatte er sie am

Freitag vor zwei Wochen gesehen. Wie immer hatten sie

sich ausgiebig geliebt. Doch nach dem Anruf ihres Mannes

kam es ihm vor, als h.tte sich diese Begegnung in fernster

Vergangenheit ereignet. Wie eine historische Szene.

In seinem Regal standen mehrere LPs, die sie von zu

Hause mitgebracht hatte, um sie im Bett mit ihm zu h.ren.

Alles sehr alte Jazzplatten. Louis Armstrong, Billie Holiday

(auch hier mit Barney Bigard als Begleitung), Duke-

Ellington-Aufnahmen aus den vierziger Jahren. Sie hatte sie

oft geh.rt, aber pfleglich behandelt. Die Hüllen waren

etwas verblichen, aber die Platten waren wie neu. Als

Tengo eine in die Hand nahm und betrachtete, wuchs in

ihm allm.hlich die Gewissheit, dass er seine Freundin wohl

nie wiedersehen würde.

Natürlich hatte er Kyoko Yasuda nur in einem sehr

konkreten Sinn geliebt. Nie daran gedacht, mit ihr

zusammenzuleben oder dass es schwer werden k.nnte, sich

von ihr zu trennen. Heftige Gefühlsaufwallungen hatte er

ihr gegenüber auch nie verspürt, dennoch hatte er sich an

diese Frau gew.hnt, die .lter war als er, und echte

Zuneigung für sie empfunden. Er hatte sich immer auf den

Tag gefreut, an dem sie ihn besuchte und sie miteinander

schliefen. So etwas kam bei Tengo nicht h.ufig vor. Auf die

meisten anderen Frauen hatte er sich nicht so einlassen

k.nnen. Oder vielleicht sollte man sagen, dass die meisten

Frauen Unbehagen in ihm erzeugten, ob er nun eine

sexuelle Beziehung zu ihnen hatte oder nicht. Und um

dieses Unbehagen nicht nach au.en dringen zu lassen,

musste er gewisse Teile von sich regelrecht abschotten. Mit

anderen Worten, es blieb ihm nichts anderes übrig, als

verschiedene Kammern seines Herzens fest zu

verschlie.en. Aber bei Kyoko Yasuda waren solche

komplizierten Vorsichtsma.nahmen nicht n.tig. Sie schien

von vornherein zu wissen, was Tengo wollte und was er

nicht wollte, und er hatte sich glücklich gesch.tzt, ihr

zuf.llig begegnet zu sein.

Doch nun war etwas passiert, und sie war

verlorengegangen. Aus irgendeinem Grund konnte sie nicht

mehr zu ihm kommen, ganz gleich in welcher Form. Und

ihrem Mann zufolge war es besser, wenn Tengo nichts über

die Ursache und ihre Auswirkungen erfuhr.

Tengo sa. auf dem Boden – er konnte immer noch nicht

schlafen – und h.rte leise Duke Ellington, als wieder das

Telefon l.utete. Die Wanduhr zeigte zw.lf Minuten nach

zehn. Wer au.er Komatsu würde um diese Uhrzeit

anrufen? Aber das Klingeln h.rte sich nicht nach ihm an.

Bei ihm klang es hektisch und ungeduldig. Vielleicht hatte

dieser Yasuda noch etwas vergessen zu sagen. Tengo h.tte

am liebsten nicht abgehoben. Erfahrungsgem.. bedeuteten

Anrufe zu dieser Stunde nichts Gutes. In Anbetracht der

Lage hatte er jedoch keine andere Wahl.

.Herr Kawana, nicht wahr?., sagte ein Mann. Es war

nicht Komatsu. Und auch nicht Yasuda. Die Stimme

geh.rte unzweifelhaft Ushikawa. Er sprach, als h.tte er den

Mund voll Wasser oder sonst einer Flüssigkeit. Spontan

erschienen sein sonderbares Gesicht und sein flacher

asymmetrischer Kopf vor Tengos innerem Auge.

.Entschuldigen Sie, dass ich Sie so sp.t noch st.re.

Ushikawa hier. Und dass ich letztes Mal Ihre Zeit so über

Gebühr in Anspruch genommen habe. Ich h.tte Sie heute

früher angerufen, aber ich hatte etwas sehr Dringendes zu

erledigen, und ehe ich mich versah, war es schon zehn. Mir

ist natürlich bewusst, dass Sie früh aufstehen und früh zu

Bett gehen. Das ist gro.artig. Bis sp.t in die Nacht seine

Zeit zu vertr.deln führt zu rein gar nichts. Am besten ist es,

sich ins Bett zu begeben, sobald es dunkel wird, und

morgens mit dem ersten Sonnenstrahl aufzustehen. Doch

instinktiv, so k.nnte man sagen, hatte ich pl.tzlich das

Gefühl, dass Sie heute Abend l.nger auf sind, Herr Kawana.

Deshalb bel.stige ich Sie, obwohl ich Ihre Gewohnheiten

kenne, noch mit diesem Anruf. Wie ist es? St.re ich Sie?.

Ushikawas Gerede missfiel Tengo. Es gefiel ihm auch

nicht, dass dieser Mann offenbar seine Privatnummer hatte.

Und von wegen instinktiv. Der Kerl wusste genau, dass

Tengo nicht schlafen konnte, und hatte ihn deshalb

angerufen. Vielleicht hatte Ushikawa gesehen, dass in

seiner Wohnung Licht brannte. Wurde er beobachtet? Er

malte sich aus, wie einer der wackeren Kundschafter der

Stiftung mit einem starken Fernglas seine Wohnung

ausspionierte.

.Ich war tats.chlich noch auf., sagte Tengo. .Ihr Instinkt

hat nicht getrogen. Wahrscheinlich liegt es an dem starken

grünen Tee, den ich vorhin getrunken habe..

.Ach, das tut mir leid. Wenn man nicht schlafen kann,

kommen einem oft unangenehme Gedanken in den Sinn.

Kann ich kurz etwas mit Ihnen besprechen?.

.Wenn es nichts ist, das mir noch mehr den Schlaf

raubt..

Ushikawa brach in amüsiertes Gel.chter aus. Auf der

anderen Seite der Leitung – irgendwo auf dieser Welt –

wackelte er wahrscheinlich mit seinem verbeulten Kopf.

.Hahaha! Sie sind sehr witzig, Herr Kawana. Ein

Wiegenlied kann ich Ihnen nicht gerade singen, aber um

den Schlaf bringen werde ich Sie auch nicht. Seien Sie ganz

beruhigt. Es geht lediglich um ein Ja oder Nein. Das

F.rdergeld, Sie wissen schon. Die drei Millionen Yen für ein

Jahr. Ist das kein sch.nes Thema? Wie sieht es aus? Haben

Sie darüber nachgedacht? Allm.hlich h.tten wir gern eine

endgültige Antwort..

.Ich hatte Ihnen doch schon damals ganz klar gesagt,

dass ich nicht will. Vielen Dank für das freundliche

Angebot, aber augenblicklich fehlt es mir an nichts. Ich

muss mich finanziell nicht einschr.nken und m.chte

meinen gegenw.rtigen Lebensstil beibehalten..

.Das hei.t, Sie wollen keine Hilfe annehmen..

.Einfach ausgedrückt – ja..

.Das nenne ich eine bewundernswürdige Einstellung.,

sagte Ushikawa und gab so etwas wie ein leichtes R.uspern

von sich. .Er will es allein schaffen, sagt er, nicht an eine

Organisation gebunden sein. Das kann ich gut verstehen.

Wissen Sie, Herr Kawana, ich sage Ihnen das nur aus Sorge,

denn die Welt ist schlecht. Man kann nie wissen, was

einmal passiert. Deshalb braucht man unbedingt so etwas

wie eine Rückversicherung. Etwas, auf das man im Notfall

zurückgreifen kann, einen Windschirm sozusagen. Es kann

sehr ungemütlich werden, wenn man so etwas nicht hat.

Was ich sagen will, Herr Kawana: Sie haben im Moment

nichts, worauf Sie sich stützen k.nnen. Aus Ihrem Umfeld

wird sich niemand hinter Sie stellen, wenn es ernst wird.

Schlimmstenfalls werden alle Sie im Stich lassen. Habe ich

nicht recht? Sparst du in der Zeit, dann hast du in der Not,

so sagt man. Es ist überaus wichtig, für schlechte Zeiten

vorzusorgen. Dabei geht es nicht nur um Geld. Geld ist

letztendlich nur ein Zeichen..

.Es f.llt mir schwer, Ihnen zu folgen., sagte Tengo. Das

instinktive Unbehagen, das er schon bei seiner ersten

Begegnung mit Ushikawa empfunden hatte, stellte sich

allm.hlich wieder ein.

.Ja, ich wei.. Sie sind noch jung und gesund, deshalb

verstehen Sie diese Dinge noch nicht. Also ein Beispiel.

Wenn man ein gewisses Alter überschritten hat, verwandelt

sich das Leben zunehmend in einen st.ndigen

Verlustprozess. Eins nach dem anderen gehen Dinge

verloren, die Ihnen viel bedeuten. Es ist wie bei einem

Kamm, der die Zinken verliert. Ihre k.rperlichen

F.higkeiten, Wünsche, Tr.ume, Ideale, überzeugungen

oder auch Menschen, die Sie lieben, verschwinden

nacheinander aus Ihrem Dasein. Sie verabschieden sich und

gehen oder sind eines Tages ohne Ankündigung pl.tzlich

verschwunden. Unwiederbringlich verloren. Sie werden

auch keinen Ersatz mehr finden. Stattdessen bleiben Ihnen

nichts als billige Prothesen. Das ist ziemlich hart.

Manchmal rei.t der Schmerz einen f.rmlich entzwei. Herr

Kawana, Sie gehen auf die drei.ig zu. Von nun an wird

jeder Schritt Sie dem Reich der D.mmerung des Lebens

n.herbringen. Ja, auch Sie werden .lter. Und auch Sie

werden den Schmerz, den es bedeutet, etwas zu

verlieren, allm.hlich begreifen. Ist es nicht so?.

Tengo überlegte, ob Ushikawa wom.glich auf Kyoko

Yasuda anspielte. Wusste er, dass sie sich einmal in der

Woche heimlich bei ihm getroffen hatten und sie Tengo

verlassen hatte?

.Sie scheinen sich in meinem Privatleben ja sehr gut

auszukennen., sagte Tengo.

.Aber nein., sagte Ushikawa. .Ich stelle nur ganz

allgemeine Betrachtungen über das Leben an. Wirklich. Ich

wei. nichts über Ihr Privatleben..

Tengo schwieg.

.Sie k.nnen unser Stipendium unbesorgt annehmen,

Herr Kawana., sagte Ushikawa mit einem Seufzer. .Offen

gesagt befinden Sie sich im Augenblick wirklich in einer

etwas kritischen Lage. Im Ernstfall würden wir Sie

abschirmen, Ihnen sozusagen einen Rettungsring zuwerfen.

Es k.nnte sein, dass Sie, wenn die Ereignisse fortschreiten,

in der Falle sitzen..

.In der Falle., wiederholte Tengo.

.Genau..

.Und was soll das konkret für eine Falle sein?.

Ushikawa machte eine kurze Pause. Dann fuhr er fort.

.Mit Verlaub, Herr Kawana, es gibt Dinge, die sollte man

besser nicht wissen. Gewisse Kenntnisse k.nnen einem

Menschen den Schlaf rauben, und zwar für immer. Nicht

mit grünem Tee zu vergleichen. Was ich sagen will, ist

Folgendes: Denken Sie doch einmal nach. Sie drehen

unwissentlich einen bestimmten Hahn auf, und etwas

Bestimmtes kommt heraus. Etwas, das Einfluss auf die

Menschen um Sie herum ausübt. Einen nicht gerade

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