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作者: 当前章节:15414 字 更新时间:2026-6-19 08:06

eigentlich nicht sein. Aomame legte viel Wert auf eine

genaue Zeitungslektüre. H.tte eine solche .nderung

stattgefunden, w.re gro. darüber berichtet worden.

Au.erdem zollte sie Polizisten stets besondere

Aufmerksamkeit. Bis heute Morgen, also bis vor ganz

kurzer Zeit, hatten sie die gewohnte steife Uniform und die

üblichen plumpen Revolver getragen. Daran konnte sie sich

ganz genau erinnern. Seltsam.

Aber sie hatte nicht die Zeit, weiter darüber

nachzudenken. Sie hatte einen Auftrag zu erledigen.

Aomame verstaute ihren Mantel in einem Schlie.fach am

Bahnhof Shibuya und eilte dann zu Fu. den Hang zum

Hotel hinauf. Es war ein Mittelklasse-Hotel, nicht

sonderlich luxuri.s, aber einigerma.en sauber, gut

ausgestattet und ohne zwielichtige G.ste. Im Parterre

befand sich ein Restaurant, und einen Supermarkt gab es

auch. Au.erdem war es in der N.he des Bahnhofs gelegen.

Vom Hoteleingang ging sie direkt zu den Toiletten.

Glücklicherweise war niemand dort. Als Erstes setzte sie

sich und urinierte ausgiebig. Sie schloss die Augen und

lauschte, ohne an etwas zu denken, dem Pl.tschern ihres

eigenen Urins, als sei es fernes Meeresrauschen.

Anschlie.end trat sie an ein Waschbecken, wusch sich die

H.nde gründlich mit Seife, bürstete sich die Haare und

schn.uzte sich die Nase. Sie holte Zahnbürste und

Zahnpasta hervor und putzte sich rasch die Z.hne. Für

Zahnseide fehlte ihr die Zeit. Sie brauchte es ja auch nicht

zu übertreiben, schlie.lich handelte es sich nicht um ein

Rendezvous. Sie sah in den Spiegel, legte etwas Lippenstift

auf und strich sich die Brauen glatt. Dann zog sie die

Kostümjacke aus, rückte die Bügel ihres BHs zurecht, strich

ihre wei.e Bluse glatt, prüfte, ob sie unter den Achseln

nach Schwei. roch. Kein Geruch. Anschlie.end schloss sie

die Augen und sprach wie immer ein Gebet. Die Worte an

sich hatten keinerlei Bedeutung. Ihr Inhalt spielte keine

Rolle. Das Beten selbst war das Wichtige.

Als sie damit fertig war, .ffnete sie die Augen und

betrachtete sich im Spiegel. Alles in Ordnung. In jeder

Hinsicht die perfekte Gesch.ftsfrau. Sie straffte die

Schultern und zog die Mundwinkel hoch. Nur ihre gro.e

bauchige Umh.ngetasche wirkte ein wenig fehl am Platz.

Sie h.tte wohl besser ein flaches Attachék.fferchen tragen

sollen. Aber abgesehen davon sah sie .u.erst professionell

aus. Zur Sicherheit überprüfte sie noch einmal den Inhalt

ihrer Tasche. Kein Problem. Alles war an Ort und Stelle,

ganz wie es sein sollte. Griffbereit.

Nun musste sie das, was sie vorhatte, nur noch in die Tat

umsetzen. Sie musste mit unerschütterlicher überzeugung

und Erbarmungslosigkeit zuschlagen. Ohne zu z.gern.

Aomame .ffnete den obersten Knopf ihrer Bluse, damit

man ihr, wenn sie sich vorbeugte, leichter in den

Ausschnitt blicken konnte. Ein gr..erer Busen w.re

wahrscheinlich wirksamer, dachte sie mit leichtem

Bedauern.

Unbemerkt fuhr sie mit dem Fahrstuhl in den dritten

Stock, ging durch den Flur und fand sogleich die Tür von

Zimmer 426. Sie nahm ein Klemmbrett, das sie für diesen

Zweck vorbereitet hatte, aus ihrer Tasche, drückte es an die

Brust und klopfte kurz und sacht an die Tür. Sie wartete

einen Moment. Dann klopfte sie noch einmal. Ein wenig

st.rker und lauter. Aus dem Inneren ert.nte eine nerv.se

Stimme, und die Tür .ffnete sich ein wenig. Ein etwa

vierzigj.hriger Mann erschien. Er trug ein marineblaues

Oberhemd und graue Flanellhosen. Er machte den

Eindruck eines Gesch.ftsmanns, der Anzugjacke und

Krawatte kurzfristig abgelegt hatte. Er hatte ger.tete

Augen, und sein Blick war gereizt. Wahrscheinlich

Schlafmangel. überrascht musterte er Aomame in ihrem

Kostüm. Vielleicht hatte er ein Zimmerm.dchen erwartet,

das zum Auffüllen des Kühlschranks kam.

.Entschuldigen Sie die St.rung. Mein Name ist Ito, ich

komme von der Hotelleitung. Wir haben ein Problem mit

der Klimaanlage, dem wir nachgehen müssen. Dürfte ich

Sie für etwa fünf Minuten in ihrem Zimmer st.ren?., sagte

Aomame in resolutem Ton und l.chelte liebenswürdig.

Der Mann kniff ver.rgert die Augen zusammen. .Ich habe

etwas Dringendes zu tun. Ich werde das Zimmer in etwa

einer Stunde r.umen. K.nnten Sie so lange warten?

Au.erdem scheint die Klimaanlage problemlos zu

funktionieren..

.Es tut mir sehr leid, aber es handelt sich um eine

dringende Sicherheitsma.nahme in Zusammenhang mit

einem Kurzschluss, und wir m.chten sie m.glichst rasch zu

Ende führen. Daher mache ich diese Runde durch alle

Zimmer. Es dauert nur fünf Minuten..

.Da kann man wohl nichts machen., sagte der Mann. Er

schnalzte .rgerlich mit der Zunge. .Das hat man davon,

wenn man sich eigens ein Hotelzimmer nimmt, um

ungest.rt arbeiten zu k.nnen..

Er deutete auf den Stapel Dokumente auf dem

Schreibtisch. Es waren eng mit Tabellen bedruckte

Computerbl.tter. Vermutlich bereitete er das für seine

Konferenz am Abend n.tige Material vor. Daneben lagen

ein Taschenrechner und ein Notizblock, auf dem sich eine

Menge Zahlen aneinanderreihten.

Aomame wusste, dass der Mann im .lgesch.ft war. Er

war auf Investitionen im Nahen Osten spezialisiert. Nach

ihren Informationen war er ein herausragender Experte auf

diesem Gebiet. Man merkte es an seinem Auftreten. Er war

wohlerzogen, hoch bezahlt und fuhr einen neuen Jaguar. Er

hatte eine privilegierte Kindheit gehabt, im Ausland

studiert, sprach gut Englisch und Franz.sisch und besa. in

jeder Hinsicht gro.es Selbstvertrauen. Au.erdem geh.rte

er zu jenem Typ Mensch, der es nicht ertragen kann, wenn

andere etwas von ihm verlangen. Ebenso wenig konnte er

Kritik vertragen. Schon gar nicht, wenn sie von einer Frau

kam. Selbst etwas von anderen zu verlangen machte ihm

nichts aus. Auch seine Frau mit einem Golfschl.ger zu

verprügeln und ihr mehrere Rippen zu brechen verursachte

ihm keinerlei Unbehagen. Die ganze Welt, für deren

Zentrum er sich hielt, kreiste um ihn. Er glaubte, ohne ihn

würde die Erde aufh.ren, sich zu drehen. Wenn jemand

seine Pl.ne st.rte oder ablehnte, geriet er au.er sich vor

Wut. Dann brannten s.mtliche Sicherungen bei ihm durch.

.Entschuldigen Sie die Umst.nde., sagte Aomame mit

freundlichem gesch.ftsm..igem L.cheln. Um ihn vor

vollendete Tatsachen zu stellen, schob sie ihren K.rper zur

H.lfte ins Zimmer, nahm das Klemmbrett und schrieb mit

Kugelschreiber etwas darauf, w.hrend sie die Tür mit dem

Rücken aufhielt. .Sie sind Herr Miyama, nicht wahr?.,

fragte sie. Sie hatte sich immer wieder ein Foto von ihm

angesehen und kannte sein Gesicht. Aber sich zu

vergewissern, dass sie nicht den Falschen vor sich hatte,

konnte nicht schaden. Eine Verwechslung w.re nicht

wiedergutzumachen.

.Miyama, ganz recht., sagte der Mann in unh.flichem

Ton. Er seufzte gereizt. Sie machen ja ohnehin, was Sie

wollen, sollte das vermutlich hei.en. Dann setzte er sich

mit dem Kugelschreiber in der Hand wieder an den

Schreibtisch und nahm sich das Dokument vor, in dem er

zu lesen begonnen hatte. Seine Anzugjacke und seine

gestreifte Krawatte hatte er achtlos auf das gemachte Bett

geworfen. Beides sah ziemlich teuer aus.

Ihre Tasche über der Schulter, steuerte Aomame

geradewegs auf den Schrank zu, in dem sich, wie sie zuvor

in Erfahrung gebracht hatte, die Schalter für die

Klimaanlage befanden. Es hingen ein Trenchcoat aus

weichem Material und ein flauschiger grauer Kaschmirschal

darin. Mehr Gep.ck als eine lederne Aktentasche hatte der

Mann nicht. Keine Kleider zum Wechseln, kein

Kulturbeutel. Wahrscheinlich hatte er nicht die Absicht,

hier zu übernachten. Auf dem Tisch stand ein K.nnchen

Kaffee vom Zimmerservice. Nachdem sie drei.ig Sekunden

so getan hatte, als überprüfe sie die Schalter, wandte

Aomame sich an Miyama.

.Vielen Dank für Ihr Verst.ndnis, Herr Miyama. Mit der

Anlage in Ihrem Zimmer ist alles in Ordnung..

.Habe ich Ihnen doch gleich gesagt., sagte Miyama in

arrogantem Ton, ohne sich zu ihr umzuwenden.

.Herr Miyama, bitte entschuldigen Sie., sagte Aomame

schüchtern. .Aber Sie haben da etwas an Ihrem Nacken..

Miyama fuhr sich mit der Hand in den Nacken, rieb und

betrachtete dann argw.hnisch seine Handfl.che. .Was soll

da sein? Da ist nichts..

.Verzeihen Sie vielmals., sagte Aomame und n.herte sich

dem Tisch. .Wenn ich einmal aus der N.he schauen

dürfte?.

.Ja, machen Sie schon., sagte Miyama mit ratloser Miene.

.Was ist denn da?.

.Sieht aus wie hellgrüne Farbe..

.Farbe?.

.Ich wei. nicht. Sieht so aus. Verzeihung, dürfte ich mal

anfassen? Dann kann ich es vielleicht entfernen..

.Na los.. Miyama beugte sich nach vorn und drehte

Aomame seinen Nacken zu, den keine Haare verdeckten. Er

schien gerade beim Friseur gewesen zu sein. Aomame

atmete ein, hielt die Luft an, konzentrierte sich und suchte

hastig die Stelle. Sacht drückte sie mit der Fingerspitze

dagegen und überzeugte sich mit geschlossenen Augen,

dass sie sie zweifelsfrei spürte. Genau hier. Natürlich h.tte

sie sich gern mehr Zeit genommen, aber das konnte sie sich

nicht erlauben. Unter den gegebenen Umst.nden tat sie ihr

Bestes.

.Entschuldigen Sie, aber k.nnten Sie bitte einen Moment

in dieser Haltung bleiben? Ich habe ein Penlight in meiner

Tasche. Bei der Beleuchtung hier im Zimmer kann ich es

nicht richtig sehen..

.Wie kommt denn Farbe an so eine Stelle?., sagte

Miyama.

.Ich wei. es nicht. Ich kümmere mich sofort darum..

Ihren Finger an einem Punkt seines Nackens, zog

Aomame ein Plastikk.stchen aus ihrer Tasche, .ffnete den

Deckel und nahm einen in dünnes Tuch geschlagenen

Gegenstand heraus. Als sie das Tuch mit einer Hand

zurückschlug, kam eine Nadel zum Vorschein, die

.hnlichkeit mit einem winzigen Eispick hatte, wie sie in

Bars verwendet werden. Sie war etwa zehn Zentimeter lang.

Der Griff war aus stabilem Holz. Aber es war kein

Werkzeug, um Eis zu zersto.en. Aomame hatte die kleine

Waffe selbst entworfen und angefertigt. Sie war spitz wie

eine N.hnadel und scharf. Damit die Spitze nicht abbrach,

steckte sie in einem kleinen Stück Korken. Sie hatte ihn auf

eine besondere Weise behandelt, und er war weich wie

Baumwolle. Behutsam zog sie ihn mit den Fingern.geln ab

und lie. ihn in ihre Tasche gleiten. Dann zielte sie mit der

entbl..ten Nadel auf die Stelle an Miyamas Nacken. Ruhig

Blut, es geht ums Ganze, sagte Aomame zu sich selbst. Sie

konnte es sich nicht erlauben, sich auch nur um einen

Millimeter zu vertun. Die geringste Abweichung, und alles

w.re umsonst gewesen. H.chste Konzentration war

gefordert.

.Wie lange brauchen Sie denn noch? Wollen Sie ewig da

rumfummeln?., fragte der Mann ungeduldig.

.Entschuldigung. Ich bin gleich fertig., antwortete

Aomame.

Keine Sorge, in einer Sekunde ist alles vorbei, sagte sie im

Geiste zu dem Mann. Gedulden Sie sich nur noch einen

kleinen Augenblick. Danach brauchen Sie an gar nichts

mehr zu denken: weder an den Trend der .lpreise noch an

den Vierteljahresbericht für die Investmentgruppe, noch

daran, den Flug nach Bahrein zu buchen, nicht an

irgendwelche Bestechungsgelder und auch nicht an ein

Geschenk für Ihre Geliebte. Es ist doch sicher beschwerlich,

st.ndig all diese Dinge im Kopf haben zu müssen.

Entschuldigen Sie, wenn ich Sie noch einen Moment

warten lasse. Aber st.ren Sie mich nicht, denn ich muss

mich konzentrieren und mich ganz meiner Arbeit widmen.

Bitte.

Als sie die Stelle verifiziert hatte und bereit war, hob sie

die rechte Handfl.che in die Luft, hielt den Atem an und

lie. einen Moment verstreichen. Dann lie. sie die Hand

abrupt fallen. Auf das h.lzerne Heft der Nadel. Nicht allzu

stark. Bei zu gro.em Kraftaufwand h.tte die Nadel unter

der Haut abbrechen k.nnen. Sie durfte aber die

Nadelspitze nicht zurücklassen. Leicht, fast liebevoll, genau

im richtigen Winkel und mit genau der richtigen St.rke,

lie. sie die Handfl.che auf das Heft der Nadel fallen. Ohne

sich der Schwerkraft zu widersetzen, zack. Damit die feine

Nadelspitze ganz natürlich von der Stelle aufgenommen

wurde. Tief, glatt und t.dlich. Worauf es ankam, waren der

Winkel und die Art, in der sie die Kraft einsetzte – oder

vielmehr, die Kraft nicht einsetzte. Wenn sie all das

beherzigte, war das übrige nicht schwerer, als eine Nadel in

Tofu zu stecken. Die Nadelspitze drang ins Fleisch ein,

stie. in einen bestimmten Teil unterhalb des Gehirns, und

das Herz h.rte auf zu schlagen. Es war, als bliese man eine

Kerze aus. In einem Augenblick war alles vorbei. Fast zu

schnell. Nur Aomame konnte das. Niemand sonst war

imstande, diesen versteckten Punkt mit der Hand zu

ertasten. Sie schon. Ihre Fingerspitzen besa.en diese

besondere intuitive Gabe.

Sie h.rte, wie der Mann nach Luft schnappte. Seine

gesamte Muskulatur zog sich pl.tzlich zusammen. Nun zog

sie die Nadel behutsam heraus und presste unverzüglich

ein Stückchen Gaze, das sie in ihrer Tasche bereithielt, auf

die Wunde, um zu verhindern, dass Blut austrat. Die Nadel

war sehr fein und der Stich eine Sache von einer Sekunde.

Wenn überhaupt, blutete die Einstichstelle nur ganz leicht.

Dennoch musste sie auf Nummer sicher gehen. Es durfte

keine Spur von Blut zurückbleiben. Ein Tropfen konnte

fatale Folgen haben. Wachsamkeit war Aomames St.rke.

Aus Miyamas kurzzeitig erstarrtem K.rper wich langsam

und allm.hlich die Spannung. Als würde man aus einem

Basketball die Luft herauslassen. Den Zeigefinger auf den

bewussten Punkt im Nacken des Mannes gedrückt, lie.

Aomame seinen K.rper vornüber auf den Tisch sinken,

sodass sein Gesicht seitw.rts auf den Dokumenten zu

liegen kam. Seine Augen hatten sich zu einem überraschten

Ausdruck gerundet. Als sei er bei seinem Ende Zeuge von

etwas unfassbar Verwunderlichem geworden. Sein Blick

drückte weder Angst noch Schmerz aus. Nur reines

Erstaunen. Ihm war etwas sehr Ungew.hnliches

zugesto.en. Aber was, das konnte er nicht begreifen. Nicht

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