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作者: 当前章节:15385 字 更新时间:2026-6-19 08:06

.Natürlich., sagte der Kahle. .Selbstverst.ndlich

brauchen Sie es nicht zu akzeptieren. Es ist unser Glaube

und nicht Ihrer. Aber heute werden Sie vielleicht etwas

Besonderes sehen, das Ihren Unglauben überwindet. Ein

au.ergew.hnliches Wesen..

Aomame schwieg. Ein au.ergew.hnliches Wesen.

Der Kahle kniff die Augen zusammen und taxierte einen

Moment lang ihr Schweigen. .Ganz gleich, was Sie sehen

werden., sagte er dann gelassen, .Sie werden nirgendwo

darüber sprechen. Es würde unser Heiligstes unwiderruflich

beflecken, wenn etwas davon nach au.en dr.nge. Es w.re,

als würde ein sch.ner klarer Teich mit etwas Widerlichem

verschmutzt. So empfinden wir es, ganz gleich, was die

irdische Gerichtsbarkeit oder die Allgemeinheit davon h.lt.

Bitte, haben Sie Verst.ndnis. Wenn Sie dazu imstande sind

und Ihr Versprechen halten, werden wir Sie reichlich

belohnen..

.Ich habe verstanden., sagte Aomame.

.Unsere Gemeinschaft ist klein., fuhr er fort. .Aber wir

haben ein starkes Herz und einen langen Arm..

Aha, einen langen Arm also, dachte Aomame. Wie lang,

das werde ich jetzt wohl herausfinden.

Mit verschr.nkten Armen an den Schreibtisch gelehnt,

musterte er Aomame. Sein Blick war absch.tzend, als

kontrolliere er, ob ein Bilderrahmen an der Wand gerade

hing. Sein Kollege mit dem Pferdeschwanz verharrte noch

immer in der gleichen Haltung. Auch sein Blick war auf

Aomame gerichtet. Unver.ndert und ununterbrochen.

Der Kahle sah auf die Uhr.

.Gut, gehen wir hinein., sagte er. Er r.usperte sich

trocken und durchschritt feierlich den Raum, wie ein

Heiliger, der über einen See wandelt. Er klopfte zweimal

leicht an die Tür zum Nebenzimmer, .ffnete sie, ohne eine

Antwort abzuwarten, verbeugte sich leicht und trat ein.

Aomame nahm ihre Sporttasche und folgte ihm. W.hrend

sie mit festen Schritten über den Teppichboden ging,

vergewisserte sie sich, dass sie nicht unregelm..ig atmete.

Ihr Finger lag entschlossen am Abzug einer imagin.ren

Pistole. Keine Angst, es ist wie immer, sagte sich Aomame

und fürchtete sich dennoch. Es war, als klebten Eissplitter

an ihrem Rückgrat. Aus einem Eis, das nicht so leicht

schmelzen würde. Ich bin gelassen, ich bin ganz ruhig und

fürchte mich aus tiefster Seele.

Es gibt Bereiche auf dieser Welt, die wir nicht betreten

dürfen oder auf keinen Fall betreten sollten, hatte der

Mann mit dem rasierten Kopf gesagt. Aomame wusste, was

er meinte. Sie hatte selbst in einer Welt gelebt, in deren

Zentrum ein solcher Bereich lag, oder nein, wahrscheinlich

lebte sie in Wirklichkeit noch immer in dieser Welt. Und

merkte es nur nicht.

Aomame sprach wieder ihr Gebet, diesmal stumm und

ohne die Lippen zu bewegen. Dann holte sie einmal tief

Luft und betrat den n.chsten Raum.

KAPITEL 8

Tengo

Wenn die Katzen kommen

Nach dem Abend, an dem Yasuda Tengo angerufen hatte,

um ihm mitzuteilen, seine Frau sei verlorengegangen und

würde ihn nie wieder aufsuchen, und Ushikawa ihm kaum

eine Stunde sp.ter er.ffnet hatte, dass er und Fukaeri

gemeinsam die Rolle von Haupttr.gern eines

.gedankenverbrecherischen. Virus spielten, verlief der Rest

der Woche ungew.hnlich ruhig. Die Botschaften beider

M.nner waren von tieferer Bedeutung für ihn (anders

konnte er es sich nicht vorstellen). Sie hatten sie verkündet

wie R.mer, die in ihrer Toga ein Podest auf dem Forum

bestiegen und den interessierten Bürgern eine

Bekanntmachung verlasen. Und beide hatten aufgelegt, ehe

Tengo sich .u.ern konnte.

Nach den beiden abendlichen Anrufern hatte sich

niemand mehr bei ihm gemeldet. Weder per Telefon noch

per Post. Es klopfte auch nicht an der Tür, und nicht einmal

eine kluge Brieftaube gurrte vor seinem Fenster. Weder

Komatsu noch Professor Ebisuno, weder Fukaeri noch

Kyoko Yasuda schienen Tengo etwas mitzuteilen zu haben.

Tengo hatte auch seinerseits das Interesse an diesen

Menschen verloren. Nein, nicht nur an ihnen, ihm schien

das Interesse an allen Dingen abhandengekommen zu sein.

Die Verkaufszahlen von Die Puppe aus Luft, wo Fukaeri

war und was sie tat, Komatsus raffinierte Strategien, das

Ergebnis von Professor Ebisunos eiskalten Machenschaften,

inwieweit die Massenmedien die Wahrheit schrieben und

welche Schachzüge die geheimnisvolle Sekte der Vorreiter

unternahm – all das kümmerte ihn kaum. Wenn er mit

dem Boot, in dem er zuf.llig sa., Hals über Kopf einen

Wasserfall hinunterstürzte, konnte er nichts dagegen tun,

nur stürzen. Kein noch so verzweifelter Versuch würde den

Lauf des Flusses .ndern.

Natürlich machte er sich Sorgen um Kyoko Yasuda. Er

hatte keine Ahnung, was vorgefallen war, aber h.tte er

irgendetwas tun k.nnen, er h.tte keine Mühe gescheut.

Doch was immer die Probleme waren, vor denen sie stand,

es lag nicht in seiner Macht, ihr zu helfen. Praktisch konnte

er gar nichts tun.

Das Zeitunglesen hatte er v.llig eingestellt. Die Welt

hatte sich zu einem Ort entwickelt, der nichts mit ihm zu

tun hatte. Lethargie umgab ihn wie eine pers.nliche

Ausdünstung. Der Anblick von Die Puppe aus Luft in den

Schaufenstern verdross ihn, also hielt er sich von allen

Buchhandlungen fern. Er pendelte nur noch auf direktem

Weg zwischen seiner Wohnung und der Schule hin und

her. Alle Welt hatte bereits Ferien, aber da die Yobiko

spezielle Sommerkurse veranstaltete, gab es in dieser Zeit

mehr zu tun als sonst, ein Umstand, den Tengo sehr

begrü.te. Beim Unterricht brauchte er wenigstens an

nichts anderes zu denken als an mathematische Aufgaben.

Auch die Arbeit an seinem Roman stagnierte. Selbst wenn

er sich an den Schreibtisch setzte und das

Textverarbeitungsger.t einschaltete, brachte er nichts

zustande. Jeder Gedanke, den er zu fassen versuchte, wurde

von Fetzen aus den Gespr.chen mit Kyoko Yasudas Mann

oder Ushikawa verdr.ngt. Er konnte sich einfach nicht

konzentrieren.

MEINE FRAU IST VERLORENGEGANGEN. SIE WIRD

NIE MEHR ZU IHNEN KOMMEN, GANZ GLEICH IN

WELCHER FORM.

Hatte Kyoko Yasudas Mann gesagt.

WENN SIE MIR EINEN VERGLEICH AUS DER

GRIECHISCHEN MYTHOLOGIE GESTATTEN, K.NNTE

MAN VIELLEICHT SAGEN, IHR HABT EINE ART BüCHSE

DER PANDORA GE.FFNET, AUS DER ALLES M.GLICHE

ENTWICHEN IST. MEINER EINSCH.TZUNG NACH

ENTSPRICHT DAS IN ETWA DER AUFFASSUNG MEINES

KLIENTEN. SIE UND FUKAERI SIND SICH SOZUSAGEN

ZUF.LLIG BEGEGNET UND WURDEN ZU EINER

UNVERMUTET M.CHTIGEN VERBINDUNG. IHR HABT

EUCH GEGENSEITIG .USSERST WIRKUNGSVOLL

ERG.NZT, DEM JEWEILS ANDEREN DEN TEIL

HINZUGEFüGT, DER IHM FEHLTE.

Hatte Ushikawa gesagt.

Beide .u.erungen waren extrem verschwommen und in

ihrem Kern dunkel und ausweichend. Doch etwas hatten

sie gemeinsam: Sie schienen vermitteln zu wollen, dass

Tengo irgendeine Kraft, von der er selbst nichts wusste,

freigesetzt hatte und diese Kraft nun einen konkreten

Einfluss auf die Welt ausübte (offenbar sogar eine recht

unsch.ne Art von Einfluss).

Tengo schaltete das Textverarbeitungsger.t aus, setzte

sich auf den Boden und starrte eine Weile das Telefon an.

Er brauchte mehr Hinweise, mehr Teile von dem Puzzle.

Aber niemand gab ihm welche. Freigebigkeit war eine

Eigenschaft, an der auf dieser Welt ein (chronischer)

Mangel herrschte.

Er überlegte, ob er jemanden anrufen sollte, Komatsu,

Professor Ebisuno oder Ushikawa. Aber dazu verspürte er

nicht die geringste Lust. Er hatte ihre nutzlosen

sybillinischen Andeutungen gründlich satt. Sobald er einen

von ihnen aufforderte, ihm einen Hinweis zur L.sung des

R.tsels zu geben, speisten sie ihn nur wieder mit einem

neuen R.tsel ab. Er konnte dieses Spiel nicht bis in alle

Ewigkeit fortsetzen. Fukaeri und Tengo waren ein

unschlagbares Paar. Reichte das nicht? Sie waren wie Sonny

und Cher. Das ultimative Duo. The Beat Goes On.

Die Tage vergingen. Tengo wurde es bald müde, in seiner

Wohnung zu sitzen und zu warten, dass etwas passierte.

Also steckte er seine Brieftasche und ein Taschenbuch ein,

setzte eine Baseballkappe und eine Sonnenbrille auf und

verlie. das Haus. Mit forschen Schritten ging er zum

Bahnhof, zeigte seine Monatskarte und stieg in einen

Expresszug der Chuo-Linie. Wohin er fahren wollte, wusste

er noch nicht. Er war einfach in die n.chstbeste Bahn

gestiegen. Sie war leer. Tengo hatte an diesem Tag keine

Verpflichtungen. Er besa. die Freiheit, zu fahren, wohin er

wollte, und zu tun, was er wollte (oder auch gar nichts zu

tun). Es war zehn Uhr an einem windstillen

Sommermorgen, die Sonne schien kr.ftig.

Er nahm sich vor, darauf zu achten, ob ihm einer der

.Kundschafter. folgte, von denen Ushikawa gesprochen

hatte. Also blieb er auf dem Weg zum Bahnhof mehrmals

abrupt stehen und drehte sich blitzschnell um. Aber

niemand schien ihn zu beschatten. Zuerst ging er

absichtlich auf einen anderen Bahnsteig und tat dann, als

würde er pl.tzlich seine Meinung .ndern, machte kehrt

und rannte eine Treppe hinunter, entdeckte jedoch

niemanden, der sich .hnlich verhielt. Anscheinend litt er

jetzt unter Verfolgungswahn. Es war niemand hinter ihm

her. So bedeutend war er nicht, und so viel Zeit hatten die

bestimmt auch nicht. Er wusste ja selbst nicht, wohin er

fahren und was er machen wollte. Eigentlich war er selbst

es, der sich neugierig beobachtete. Was würde er als

N.chstes tun?

Die Bahn, mit der er fuhr, passierte Shinjuku, Yotsuya

und Ochanomizu. Am Bahnhof Tokio, ihrer Endhaltestelle,

stiegen alle Fahrg.ste aus. Tengo natürlich auch. Zun.chst

setzte er sich auf eine Bank und überlegte noch einmal, was

er tun sollte. Wohin konnte er fahren? Ich bin am Bahnhof

Tokio, dachte er. Und habe den ganzen Tag nichts vor. Von

hier aus kann ich fahren, wohin ich will. Es wird sicher

ziemlich hei. heute. Ich k.nnte ans Meer fahren. Er hob

den Kopf und schaute auf die Anzeigetafel.

Und dann wusste er pl.tzlich, was er tun wollte.

Er schüttelte mehrmals den Kopf, doch es half nichts, der

Gedanke lie. sich nicht vertreiben. Als er am Bahnhof

Koenji in die Chuo-Linie gestiegen war, hatte er sich

unbewusst bereits entschieden. Seufzend erhob er sich von

der Bank und ging die Treppe zum Bahnsteig der Sobu-

Linie hinunter. Er erkundigte sich bei einem Bahnbeamten,

wie man am schnellsten nach Chikura kam, und dieser

bl.tterte im Fahrplan nach. Um halb zw.lf gab es einen

Sonderexpress in Richtung Tateyama, dort stieg man in

einen normalen Zug um und kam gegen zwei in Chikura

an. Tengo kaufte eine Hin- und Rückfahrkarte und eine

Sitzreservierung für den Express. Anschlie.end ging er in

ein Restaurant im Bahnhofsgeb.ude und bestellte sich

Curryreis und einen Salat. Die restliche Zeit vertrieb er sich

mit einem dünnen Kaffee.

Der Gedanke, seinen Vater zu besuchen, bedrückte ihn.

Sein Vater war ihm nie sympathisch gewesen, und er

konnte sich umgekehrt auch nicht vorstellen, dass dieser

besondere elterliche Zuneigung zu ihm hegte. Tengo

wusste nicht einmal, ob sein Vater überhaupt Interesse

daran hatte, ihn zu sehen. Nachdem Tengo sich schon im

Grundschulalter strikt geweigert hatte, ihn bei seiner

Arbeit – dem Kassieren von Rundfunkgebühren – zu

begleiten, war die Atmosph.re zwischen ihnen mehr als

kühl gewesen. Von da an war Tengo seinem Vater bewusst

aus dem Weg gegangen, und sie hatten nur noch das

Allern.tigste miteinander geredet. Vor vier Jahren war sein

Vater in den Ruhestand getreten und bald danach in ein

Sanatorium für demenzkranke Menschen in Chikura

gezogen. Tengo hatte ihn bisher nur zweimal dort besucht,

einmal unmittelbar nach seinem Einzug, um als sein

einziger Angeh.riger einige Formalit.ten zu erledigen, und

auch beim zweiten Mal hatte eine praktische Angelegenheit

seine Anwesenheit erfordert. .fter war er nicht dort

gewesen.

Das Sanatorium lag auf einem weitl.ufigen Areal, das

durch eine Stra.e von der Küste getrennt war. Eine

Lebensversicherung hatte die ehemalige Sommerresidenz

einer Industriellenfamilie aufgekauft, sp.ter war sie dann in

ein Sanatorium für Demenzkranke umgewandelt worden.

Die Anlage mit den alten verwitterten Holzbauten,

zwischen die sich neue zweist.ckige Geb.ude aus

Stahlbeton mischten, vermittelte von au.en gesehen einen

etwas widersprüchlichen Eindruck. Doch die Luft war

sauber, und abgesehen vom Rauschen der Wellen war es

immer ruhig. An Tagen, an denen der Wind nicht so stark

war, konnte man einen Strandspaziergang machen. Zum

Garten geh.rte ein sehr hübsches Kiefernw.ldchen, das als

Windschutz diente. Au.erdem bestand auch die

M.glichkeit medizinischer Betreuung.

Dank seiner Krankenversicherung, der Pensionskasse,

seiner Ersparnisse und seiner Rente war es Tengos Vater

verg.nnt, den Rest seines Lebens ohne Einschr.nkungen

dort zu verbringen. Und dank seiner Festanstellung bei

NHK. Auch wenn er kein nennenswertes Verm.gen

hinterlassen würde, so war doch wenigstens seine Pflege

gesichert. Dafür war Tengo sehr dankbar. Denn er hatte

weder die Absicht, irgendetwas von diesem Mann

anzunehmen, noch den Wunsch, ihm etwas zu geben, ob er

nun sein leiblicher Vater war oder nicht. Sie waren

Menschen mit g.nzlich verschiedenen Ursprüngen und

Zielen, die zuf.llig einige Jahre ihres Lebens miteinander

verbracht hatten. Mehr nicht. Tengo fand es traurig, dass es

so gekommen war, doch es gab nichts, das er dagegen h.tte

tun k.nnen.

Aber er wusste, dass es Zeit war, den alten Mann einmal

zu besuchen. Er verspürte nicht die geringste Lust dazu

und w.re am liebsten auf der Stelle umgekehrt und wieder

nach Hause gefahren. Aber nun hatte er schon die Hin- und

Rückfahrkarten für den normalen Zug und den Express in

der Tasche. Also lie. er den Dingen ihren Lauf.

Er stand auf, zahlte die Restaurantrechnung, stellte sich

auf den Bahnsteig und wartete auf den Express nach

Tateyama. Noch einmal blickte er sich argw.hnisch um,

konnte aber niemanden entdecken, der ein .Kundschafter.

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