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第 82 页

作者: 当前章节:15389 字 更新时间:2026-6-19 08:06

h.tte sein k.nnen. Um ihn herum waren nur fr.hliche

Familien, die das Wochenende am Meer verbringen

wollten. Er nahm die Sonnenbrille ab, steckte sie in die

Tasche und schob seine Baseballkappe zurück. Das würde

ja sowieso nichts helfen. Wenn sie ihn beobachten wollten,

bitte sch.n, sollten sie doch. Also, ich fahre jetzt nach

Chiba in ein Kaff am Meer und besuche meinen

demenzkranken Vater. Vielleicht erinnert er sich noch

daran, dass er einen Sohn hat, vielleicht auch nicht. Beim

letzten Mal war er sich schon ziemlich unsicher.

Wahrscheinlich hat sein Zustand sich inzwischen

verschlechtert. Seine Demenz wird immer mehr

voranschreiten, eine Heilung gibt es nicht. So hat man es

mir damals gesagt. Es ist wie bei einem Zahnrad, das sich

nur vorw.rts bewegt.

Das war alles, was Tengo über Demenz wusste.

Als der Zug den Bahnhof verlie., zog er das mitgebrachte

Taschenbuch hervor und las. Es war eine Anthologie mit

Kurzgeschichten zum Thema Reise. Eine davon handelte

von einem jungen Mann, der in eine Stadt kommt, die von

Katzen beherrscht wird. .Die Stadt der Katzen. hie. sie. Es

war eine phantastische Geschichte, geschrieben von einem

deutschen Autor, dessen Namen er noch nie geh.rt hatte.

Laut Anmerkung stammte sie aus der Zeit zwischen dem

Ersten und dem Zweiten Weltkrieg.

Dieser junge Mann also reiste allein, sein einziges

Gep.ckstück war eine Aktentasche. Ein bestimmtes Ziel

hatte er nicht. Er stieg einfach in einen Zug, und wenn es

ihm irgendwo gefiel, stieg er aus. Er nahm sich eine

Unterkunft, besichtigte die Orte, blieb, solange er wollte,

und wenn er genug hatte, stieg er wieder in den Zug. Jeden

Urlaub verbrachte er auf diese Weise.

Eines Tages sah er durch sein Zugfenster einen sch.nen

Fluss, der sich durch sanfte grüne Hügel schl.ngelte, zu

deren Fü.en eine kleine, beschaulich wirkende Stadt lag, in

die eine alte Steinbrücke hineinführte. Der Anblick

verlockte ihn sehr. Bestimmt konnte man hier guten

Flussfisch essen. Als der Zug hielt, nahm der junge Mann

seine Tasche und stieg als Einziger aus. Kaum war er

drau.en, fuhr der Zug auch schon weiter.

Es gab keine Bahnbeamten. Offenbar war es eine sehr

ruhige Station. Der junge Mann überquerte die Steinbrücke

und ging in die Stadt. Dort war es mucksm.uschenstill.

Keine Menschenseele zu sehen. Alle Gesch.fte waren

geschlossen, auch im Rathaus war niemand. Nicht einmal

der Empfang des einzigen Hotels war besetzt. Auch auf sein

L.uten erschien niemand. Der Ort schien menschenleer zu

sein. Oder vielleicht hielten s.mtliche Bewohner

Mittagsschlaf? Aber es war erst halb elf am Vormittag. Viel

zu früh. Oder vielleicht hatten die Menschen aus

irgendeinem Grund die Stadt verlassen. Jedenfalls würde

vor dem n.chsten Morgen kein Zug kommen, und es blieb

ihm nichts anderes übrig, als die Nacht hier zu verbringen.

Der junge Mann vertrieb sich die Zeit, indem er ziellos

umherschlenderte.

In Wahrheit jedoch war er in die Stadt der Katzen

gelangt. Als die Sonne unterging, str.mten sie über die

Steinbrücke herein. Alle m.glichen Arten mit allen

m.glichen Zeichnungen. Sie waren viel gr..er als

gew.hnliche Katzen, aber es handelte sich eindeutig um

Katzen. Bei ihrem Anblick erschrak der junge Mann so

sehr, dass er hastig auf den Glockenturm in der Mitte der

Stadt kletterte und sich dort versteckte. Die Katzen

.ffneten, wie sie es offenbar gewohnt waren, ihre Gesch.fte

oder begaben sich auf ihre Pl.tze im Rathaus und nahmen

ihre jeweilige Arbeit auf. Einige Zeit sp.ter str.mte

abermals eine gro.e Zahl von Katzen über die Brücke in die

Stadt. Sie machten Eink.ufe in den Gesch.ften, erledigten

amtliche Formalit.ten im Rathaus und speisten im

Hotelrestaurant. Sogar Bier tranken sie in einer Kneipe.

Einige der angeheiterten Zecher sangen, eine Katze spielte

Akkordeon, und andere tanzten dazu. Katzen brauchen

kaum Licht, denn sie k.nnen im Dunkeln sehen. Aber da in

dieser Nacht der Vollmond die Stadt bis in jeden Winkel

erhellte, konnte der junge Mann von seinem Glockenturm

aus alles genauestens beobachten. Als die

Morgend.mmerung kam, schlossen die Katzen die

Gesch.fte, beendeten ihre Eink.ufe und Erledigungen und

machten sich eine nach der anderen über die Brücke auf

den Heimweg.

Als bei Tagesanbruch alle Katzen verschwunden waren,

stieg der junge Mann vom Glockenturm in die leere Stadt

herunter, legte sich in ein Hotelbett und schlief sich

gründlich aus. Seinen Hunger stillte er mit einem

Fischgericht und Brot, von dem in der Hotelküche etwas

übrig geblieben war. Sobald die Dunkelheit einsetzte,

versteckte er sich abermals auf dem Glockenturm und

beobachtete das Treiben der Katzen, bis der Morgen graute.

Vormittags und nachmittags hielt jeweils ein Zug aus

beiden Richtungen am Bahnhof. Mit dem Vormittagszug

h.tte er weiterfahren k.nnen, der Zug am Nachmittag h.tte

ihn dorthin zurückgebracht, wo er herkam. Bisher war an

dem Bahnhof weder jemand aus- noch eingestiegen.

Dennoch hielten die Züge getreulich an und fuhren erst

nach einer Minute weiter. Er h.tte also, wenn er gewollt

h.tte, in einen Zug steigen und die unheimliche Stadt der

Katzen verlassen k.nnten. Aber er tat es nicht. Er war jung

und voller Neugier. Ehrgeizig und abenteuerlustig. Er

wollte das seltsame Spiel in der Katzenstadt zu gern noch

einmal sehen. Wollte unbedingt erfahren, seit wann und

wieso es diese Katzenstadt gab, wie sie funktionierte und

was die Katzen eigentlich dort taten. Bestimmt hatte sie

noch keiner vor ihm gesehen.

In seiner dritten Nacht entstand pl.tzlich Unruhe auf

dem Marktplatz unter dem Glockenturm. .Was ist denn

das? Riecht es hier nicht nach Mensch?., rief eine der

Katzen. .Jetzt wo du es sagst, mir ist schon seit Tagen so

ein komischer Geruch aufgefallen., pflichtete eine andere

ihr schnuppernd bei. .Mir auch., best.tigte eine dritte.

.Aber das ist doch unm.glich, hier kommen doch keine

Menschen her., sagte wieder eine andere. .Ja, stimmt, die

k.nnen ja gar nicht in unsere Stadt.. .Trotzdem riecht es

hier nach Mensch..

Nun fanden die Katzen sich zu mehreren Gruppen

zusammen und durchsuchten beinahe wie eine Bürgerwehr

die ganze Stadt bis in den letzten Winkel. Katzen haben,

wenn es darauf ankommt, einen ausgezeichneten

Geruchssinn. Es dauerte nicht lange, bis sie entdeckten,

dass der verd.chtige Geruch aus dem Glockenturm kam.

Der junge Mann h.rte, wie sie sacht auf leisen, weichen

Pfoten die Treppe hinaufgehuscht kamen. Jetzt geht es mir

an den Kragen, dachte er. Der Menschengeruch schien die

Katzen zu reizen und in gro.e Wut zu versetzen. Sie hatten

gro.e, scharfe Krallen und spitze wei.e Z.hne. Und sie

wollten keine Menschen in ihrer Stadt. Was würden sie mit

ihm machen, wenn sie ihn entdeckten? Er konnte sich

nicht vorstellen, dass jemand, der das Geheimnis kannte,

die Stadt unbehelligt verlassen durfte.

Drei der Katzen kamen in den Glockenturm hinauf und

schnupperten überall herum. .Komisch., sagte eine, und

ihre Schnurrbarthaare zitterten. .Der Geruch ist da, aber

kein Mensch..

.Das ist allerdings merkwürdig., sagte die zweite.

.Jedenfalls ist hier niemand. Kommt, wir suchen

woanders..

.Es ist unbegreiflich.. Sie schüttelten verwundert die

K.pfe und machten sich davon. Der junge Mann h.rte, wie

die Katzen auf leisen Pfoten die Treppe hinuntersprangen

und ihre Ger.usche schlie.lich in der Dunkelheit

verstummten. Er war furchtbar erleichtert, konnte sich aber

nicht erkl.ren, warum die Katzen ihn nicht gefunden

hatten. Sie waren in der engen Turmkammer buchst.blich

mit den Nasen auf ihn gesto.en. Eigentlich h.tten sie ihn

gar nicht übersehen k.nnen. Wie sonderbar. Auf alle F.lle

wollte er, sobald es Morgen würde, zum Bahnhof gehen

und mit dem Vormittagszug die Stadt verlassen. Zu bleiben

w.re viel zu gef.hrlich gewesen. Solches Glück würde er

nicht immer haben.

Doch am n.chsten Vormittag raste der Zug, statt zu

halten, vor den Augen des jungen Mannes am Bahnhof

vorbei, ohne seine Fahrt auch nur zu verlangsamen. Beim

Nachmittagszug war es das Gleiche. Der junge Mann

konnte ganz deutlich den Zugführer auf seinem Sitz und

die Gesichter der Fahrg.ste in den Fenstern erkennen.

Doch der Zug machte keine Anstalten, stehenzubleiben.

Niemand schien den Bahnhof und erst recht nicht den

Wartenden wahrzunehmen. Als der letzte Anh.nger des

Nachmittagszugs au.er Sichtweite war, senkte sich eine

beispiellose Stille über die Umgebung. Die Sonne ging

unter. Es war die Zeit, in der die Katzen kamen. Der junge

Mann wusste, dass er verloren war. Endlich begriff er, dass

er gar nicht in der Stadt der Katzen war. Er war an dem Ort,

an dem er sich verlieren sollte. Der Ort war nicht von dieser

Welt, er existierte nur für ihn. Und nie mehr würde an dem

Bahnhof ein Zug halten, um ihn in seine ursprüngliche

Welt zurückzubringen.

Tengo las die Geschichte zweimal. Der Satz von dem Ort,

an dem er sich verlieren sollte, hatte seine Aufmerksamkeit

erregt. Er klappte das Buch zu und blickte unverwandt auf

die vor dem Fenster vorüberziehende h.ssliche

Industrielandschaft an der Küste. Die Flammen aus den

.lraffinerien, gewaltige Gastanker, dicke Schornsteine, die

in die H.he ragten wie Langstreckenraketen. Die Schlangen

von schweren Trucks und Tanklastwagen auf der Stra.e.

Die Szenerie war weit entfernt von der idyllischen

Landschaft, in der die Stadt der Katzen lag. Der

Küstenstreifen war wie ein omin.ses anderweltliches Reich,

das das Leben in der gro.en Metropole aufrechterhielt.

Tengo schloss die Augen und versuchte sich den Ort

vorzustellen, an dem Kyoko Yasuda sich selbst verloren

hatte und nun gefangen war. Auch dort hielt kein Zug. Es

gab kein Telefon und auch keine Post. Am Tag herrschte

v.llige Einsamkeit, und in der Dunkelheit der Nacht

suchten die Katzen hartn.ckig nach ihr. Und das

wiederholte sich endlos. Unversehens war Tengo auf

seinem Sitz eingenickt. Er schlief nicht lange, aber tief, und

als er erwachte, war er in Schwei. gebadet. Der Zug fuhr

nun die hochsommerliche Minami-Boso-Küste entlang.

In Tateyama stieg er in einen Bummelzug um, und als er

in Chikura ausstieg, umfing ihn sogleich der vertraute

Geruch nach Meer und Strand. Alle Menschen, denen er

auf der Stra.e begegnete, schienen braungebrannt. Vom

Bahnhof nahm er sich ein Taxi zum Sanatorium. An der

Rezeption nannte er seinen Namen und den seines Vaters.

.Hatten Sie Ihren Besuch angekündigt?., fragte ihn die

Krankenschwester etwas streng. Sie war eine kleine Frau in

mittlerem Alter und trug eine Brille mit Goldrand. Ihr

kurzes Haar war bereits von einigen wei.en Str.hnen

durchzogen. Der Ring an ihrem kurzen Ringfinger wirkte,

als habe sie ihn passend zu ihrer Brille gekauft. .Tamura.

stand auf ihrem Namensschild.

.Nein, die Idee ist mir erst heute Morgen gekommen, und

ich habe mich spontan in den Zug gesetzt., sagte Tengo

aufrichtig.

Die Schwester musterte ihn mit einem leicht emp.rten

Blick. .Wenn man jemanden besuchen m.chte, sollte man

sich vorher anmelden. Es gibt hier einen festen

Tagesablauf, au.erdem haben die Patienten auch

Termine..

.Entschuldigen Sie. Das habe ich nicht gewusst..

.Wann haben Sie Ihren Vater das letzte Mal besucht?.

.Vor zwei Jahren..

.Vor zwei Jahren., wiederholte die Schwester, w.hrend

sie mit einem Kugelschreiber in der einen Hand die

Besucherliste durchging. .Das hei.t, Sie haben ihn seit

zwei Jahren nicht gesehen?.

.Ja., sagte Tengo.

.Nach unseren Unterlagen sind Sie Herrn Kawanas

einziger Angeh.riger..

.Das stimmt..

Die Schwester legte die Liste auf die Theke und sah Tengo

kurz ins Gesicht, sagte aber nichts mehr. In ihrem Blick lag

kein Vorwurf. Sie vergewisserte sich nur. Tengo schien

keine besondere Ausnahme zu sein.

.Ihr Vater ist gerade in einer Reha-Gruppe. Sie ist in etwa

drei.ig Minuten zu Ende. Danach k.nnen Sie ihn sehen..

.In welchem Zustand ist mein Vater?.

.K.rperlich ist er gesund. Er hat keine besonderen

Probleme. Mit dem anderen geht es auf und ab. Da gibt es

immer solche und solche Tage., sagte die Schwester, den

Zeigefinger leicht an die Schl.fe gelegt. .Da müssen Sie sich

schon mit eigenen Augen überzeugen..

Tengo bedankte sich. Er setzte sich auf ein Sofa in der

Lounge neben dem Eingang, das einen altertümlichen

Geruch verstr.mte, und vertrieb sich die Zeit, indem er

weiter in seinem Taschenbuch las. Mitunter wehte eine

Brise den Geruch des Meeres zu ihm herüber, und die .ste

der Kiefern rauschten erfrischend. In ihnen lebten offenbar

zahlreiche Zikaden, die, als wüssten sie um das nahende

Ende des Sommers, noch einmal schrillten, so laut sie

konnten. Es klang, als würden sie die Kürze der ihnen noch

bleibenden Lebenszeit beklagen.

Nicht lange, und die bebrillte Schwester Tamura teilte

Tengo mit, die Reha-Ma.nahme sei nun beendet, und er

k.nne seinen Vater sehen.

.Ich bringe Sie auf sein Zimmer., sagte sie. Tengo erhob

sich. Als sie an einem gro.en Spiegel vorbeigingen, wurde

ihm pl.tzlich klar, wie abgerissen er aussah. über seinem

T-Shirt mit der Aufschrift .Jeff Beck in Concert in Japan.

trug er ein ausgeblichenes offenes Jeanshemd, dazu Chinos

mit Pizzaflecken am Knie und abgewetzte khakifarbene

Turnschuhe, die er schon l.nger nicht gewaschen hatte.

Dazu die Baseballmütze. Wirklich nicht die passende

Aufmachung für einen Drei.igj.hrigen, der zum ersten Mal

seit zwei Jahren wieder seinen Vater besuchte. Nicht einmal

an ein Mitbringsel hatte er gedacht. Mehr als das

Taschenbuch hatte er nicht dabei. Kein Wunder, dass die

Schwester ihn emp.rt angesehen hatte.

Auf dem Weg durch den Garten zu dem Geb.ude, in dem

das Zimmer seines Vaters sich befand, erkl.rte ihm die

Schwester, dass das Sanatorium in drei dem Schweregrad

der Erkrankung entsprechende Trakte unterteilt war.

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