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作者: 当前章节:15399 字 更新时间:2026-6-19 08:06

Tengos Vater befinde sich gegenw.rtig im .mittleren.

Haus. Am Anfang bez.gen die meisten Patienten das

Geb.ude für .leichtere. F.lle, wechselten dann in das für

.mittlere. und schlie.lich in das für .schwere.. Wie bei

einer Tür, die sich nur nach einer Seite .ffnete, bewegten

sie sich stets nur in eine Richtung, ein Zurück gab es nie.

Nach dem Haus für schwere F.lle gab es keine weitere

Station, auf die man noch h.tte umziehen k.nnen. Au.er

dem Krematorium – das sagte die Schwester natürlich

nicht, doch es ging aus ihren Andeutungen hervor.

Sein Vater lebte in einem Zweibettzimmer, aber sein

Zimmernachbar nahm gerade an einem Kurs teil und war

nicht anwesend. Im Sanatorium wurde T.pfern, G.rtnern

und Gymnastik angeboten. Man nannte das Reha-Kurse,

obwohl keine Aussicht auf Genesung bestand. Ziel war es

vor allem, das Fortschreiten der Krankheit zu

verlangsamen. Oder schlicht und einfach die Zeit

herumzubringen. Tengos Vater sa. auf einem Stuhl am

offenen Fenster und schaute, die H.nde parallel auf die

Knie gelegt, ins Freie. Auf einem Tisch in der N.he stand

eine Topfpflanze mit vielen kleinen gelben Blüten. Der

Fu.boden war aus einem weichen Material, damit die

Kranken sich nicht verletzten, falls sie einmal stürzten. Es

gab zwei einfache Holzbetten, zwei Schreibtische und eine

Kommode für Kleidung und andere Habseligkeiten. Neben

jedem Schreibtisch stand ein kleines Regal. Die Vorh.nge

hatten sich in den Jahren, in denen sie der Sonne

ausgesetzt waren, gelblich verf.rbt.

Tengo begriff nicht sofort, dass der alte Mann, der dort

am Fenster sa., sein Vater war. Er war um eine

Kleidergr..e kleiner geworden. Nein, geschrumpft war

wohl der bessere Ausdruck. Sein Haar war kurz und ganz

wei., wie ein reifbedeckter Rasen. Seine Wangen waren

eingefallen, und seine tief in den H.hlen liegenden Augen

wirkten viel gr..er als früher. Drei tiefe Kerben hatten sich

in seine Stirn gegraben. Sein Kopf erschien asymmetrischer

als früher, aber vielleicht fiel das wegen der kurzen Haare

jetzt mehr auf. Die Augenbrauen waren lang und dicht.

Auch aus seinen gro.en spitzen Ohren sprossen wei.e

Haare. Die Ohren wirkten ebenfalls gr..er, wie die Flügel

einer Fledermaus. Nur die Nase hatte ihre Form nicht

ver.ndert. Im Gegensatz zu den Ohren war sie rund, etwas

knollig und von r.tlich-schw.rzlichen Linien durchzogen.

Die Mundwinkel hingen schlaff nach unten, und Speichel

troff daraus hervor. Der Mund war leicht ge.ffnet, sodass

man die unregelm..igen Z.hne sah. Die reglos am Fenster

sitzende Gestalt seines Vaters erinnerte Tengo an ein sp.tes

Selbstbildnis von van Gogh.

Der Mann warf, als Tengo das Zimmer betrat, nur einen

kurzen Blick in seine Richtung und starrte dann weiter auf

die Landschaft vor dem Fenster. Aus der Entfernung

betrachtet, glich er eher einer Art Maus oder einem

Eichh.rnchen. Er wirkte nicht gerade gepflegt, aber man

sah, dass es sich durchaus um ein intelligentes Wesen

handelte. Ohne jeden Zweifel war es sein Vater. Oder

vielleicht sollte er sagen, das, was von ihm übrig war.

W.hrend der vergangenen beiden Jahre waren ihm

offenbar die meisten seiner F.higkeiten

abhandengekommen. Er erinnerte an einen ohnehin schon

.rmlichen Haushalt, dem der Gerichtsvollzieher

erbarmungslos auch noch die letzten Besitztümer raubte.

Der Vater, den Tengo gekannt hatte, war ein harter Mann

gewesen, der unermüdlich arbeitete. Selbstbetrachtung und

Phantasie waren ihm g.nzlich fremde Gr..en gewesen,

aber dennoch hatte er über eine eigene Ethik und einfache,

aber feste Grunds.tze verfügt. Er hatte nie versucht, sich

vor etwas zu drücken, und jammern hatte Tengo ihn auch

nie geh.rt. Doch der Mann, der nun vor ihm sa., war nur

noch eine leere Hülle. Er glich einem verlassenen Raum, in

dem sich keine W.rme gehalten hatte.

.Herr Kawana., sagte die Schwester mit ihrer geübten

lauten Stimme, an die die Patienten gew.hnt waren. .Herr

Kawana, hallo, schauen Sie mal, wer da ist. Ihr Sohn..

Sein Vater wandte sich ihm noch einmal zu. Seine

ausdruckslosen Augen erinnerten Tengo an zwei leere

Schwalbennester, die unter einem Vordach

h.ngengeblieben waren.

.Hallo., sagte Tengo.

.Herr Kawana, Ihr Sohn ist aus Tokio gekommen, um Sie

zu besuchen., sagte die Schwester.

Sein Vater sah Tengo nur wortlos ins Gesicht. Als

versuche er, eine unverst.ndliche, in einer Fremdsprache

verfasste Bekanntmachung zu lesen.

.Um halb sieben gibt es Essen., sagte die Schwester zu

Tengo. .Bis dahin k.nnen Sie tun, was Sie m.chten..

Als die Krankenschwester fort war, ging Tengo nach

kurzem Z.gern zu seinem Vater und setzte sich auf den

Stuhl ihm gegenüber. Der Bezug war verblichen. Offenbar

war er schon lange in Gebrauch, und das Holz war überall

zerkratzt. Die Augen seines Vaters folgten Tengo.

.Wie geht es dir?., fragte Tengo.

.Danke, und Ihnen?., sagte sein Vater f.rmlich.

Tengo wusste nicht, was er noch sagen sollte. Er nestelte

an den drei oberen Kn.pfen seines Jeanshemds herum. Sein

Blick wanderte zwischen dem zum Schutz vor dem Seewind

angepflanzten W.ldchen drau.en vor dem Fenster und

dem Gesicht seines Vaters hin und her.

.Sie sind aus Tokio gekommen?., fragte der Vater, der

sich nicht an Tengo zu erinnern schien.

.Ja, aus Tokio..

.Mit dem Expresszug, nicht wahr?.

.Ja., sagte Tengo. .Bis Tateyama mit dem Express. Dann

bin ich in einen normalen Zug umgestiegen und bis

Chikura gefahren..

.Wollen Sie im Meer baden?., fragte der Vater.

.Ich bin es, Tengo. Tengo Kawana. Dein Sohn..

.Wo wohnen Sie in Tokio?., fragte der Vater.

.In Koenji. Bezirk Suginami..

Die drei Linien auf der Stirn des Vaters vertieften sich.

.Viele Leute denken sich Lügen aus, weil sie ihre

Rundfunkgebühren nicht zahlen wollen..

.Vater!., rief Tengo. Es war schon sehr lange her, dass er

dieses Wort zuletzt in den Mund genommen hatte. .Ich

bin es, Tengo. Dein Sohn..

.Ich habe keinen Sohn., sagte der Vater prompt.

.Du hast keinen Sohn., wiederholte Tengo mechanisch.

Der Vater nickte.

.Ja, aber was bin dann ich?., fragte Tengo.

.Sie sind nichts., sagte der Vater. Und schüttelte zweimal

barsch den Kopf.

Tengo schluckte, für einen Moment verschlug es ihm die

Sprache. Auch sein Vater sagte nichts mehr. Beide spürten

in der Stille den Wirrungen ihrer jeweiligen Gedanken

nach. Nur die Zikaden schrillten unverdrossen weiter, so

laut sie konnten.

Der Mann sprach wom.glich die Wahrheit. Sein

Ged.chtnis war zerst.rt und sein Bewusstsein getrübt. Aber

Tengo spürte intuitiv, dass sein Mund die Wahrheit sagte.

.Was bedeutet das?., fragte er.

.Dass Sie nichts sind., wiederholte der Vater

emotionslos. .Sie waren nichts, Sie sind nichts, und Sie

werden auch weiterhin nichts sein..

Das reicht, dachte Tengo.

Er wollte sich von dem Stuhl erheben, zum Bahnhof

gehen und nach Tokio zurückfahren. Er hatte geh.rt, was

er h.ren sollte. Aber er konnte nicht aufstehen. Wie der

junge Mann, der auf seiner Reise in die Stadt der Katzen

gelangt war. Er war neugierig. Er wollte den tieferen Sinn

verstehen, der sich hinter dem Ganzen verbarg. Eine

klarere Antwort h.ren. Natürlich lauerte darin auch eine

gewisse Gefahr. Doch wenn er jetzt die Gelegenheit

verpasste, würde er das Geheimnis seiner Geburt niemals

lüften. Es würde für immer im Chaos versinken.

Tengo reihte im Geist Worte aneinander und stellte sie

wieder und wieder um. Dann sprach er sie aus, die kühne

Frage, die er seit seiner Kindheit so viele Male hatte stellen

wollen – und doch nie zu stellen gewagt hatte.

.Hei.t das, dass du im biologischen Sinn nicht mein

Vater bist? Dass wir nicht blutsverwandt sind?.

Der Vater schaute ihm wortlos ins Gesicht. Es war ihm

nicht anzusehen, ob er die Bedeutung der Frage verstanden

hatte.

.Funkwellen zu stehlen ist eine rechtswidrige Handlung.,

sagte der Vater und blickte Tengo in die Augen. .Kein

Unterschied zum Diebstahl von Geld und Eigentum.

Finden Sie nicht?.

.Dem ist wohl so., pflichtete Tengo ihm vorsichtig bei.

Sein Vater nickte, offenbar zufrieden.

.Die elektrischen Wellen fallen schlie.lich nicht

kostenlos vom Himmel wie Regen oder Schnee., fügte er

hinzu.

Tengo blickte schweigend auf die H.nde des Vaters, die

gesittet auf seinen Knien lagen. Die rechte Hand auf dem

rechten, die linke auf dem linken Knie. Sie rührten sich

nicht. Kleine dunkle H.nde. Es schien, als habe die

Sonnenbr.une seinen K.rper bis ins Innere durchdrungen.

Die H.nde eines Menschen, der viele Jahre im Freien

gearbeitet hatte.

.Meine Mutter ist gar nicht an einer Krankheit gestorben,

als ich noch klein war, oder?., fragte Tengo langsam und

jedes Wort betonend.

Der Vater antwortete nicht. Sein Ausdruck .nderte sich

nicht, und auch seine H.nde blieben unbeweglich. Er sah

Tengo an wie einen Fremden.

.Meine Mutter hat dich verlassen. Und mich bei dir

zurückgelassen. Wahrscheinlich wegen eines anderen

Mannes. Stimmt doch, oder?.

Der Vater nickte. .Funkwellen zu stehlen ist nicht gut.

Man kann nicht einfach tun, was man will, und ungestraft

davonkommen..

Tengo hatte das Gefühl, dass er die Frage genau

verstanden hatte, aber nicht offen darüber sprechen wollte.

.Vater., sagte Tengo bittend. .Vielleicht bist du ja in

Wirklichkeit gar nicht mein Vater, aber ich will dich so

nennen. Ich habe dich oft gehasst. Das wei.t du doch?

Aber wenn du nicht mein richtiger Vater w.rst, nicht mein

Blutsverwandter, h.tte ich keinen Grund mehr, dich zu

hassen. Ich wei. nicht, ob ich je Sympathie für dich

empfinden kann, aber ich m.chte dich wenigstens

verstehen. Ich habe mich immer danach gesehnt, die

Wahrheit zu erfahren. Wer ich bin, woher ich komme. Das

ist alles, was ich wissen will. Aber es hat mir nie jemand

gesagt. Wenn du mir jetzt die Wahrheit sagst, werde ich

dich nicht mehr hassen oder ablehnen. Ich w.re sehr

erleichtert, wenn ich aufh.ren k.nnte, dich zu hassen..

Der Vater sah ihn unver.ndert stumm und ausdruckslos

an. Dennoch schien in seinen leeren Schwalbennesteraugen

etwas aufzuleuchten.

.Ich bin nichts., sagte Tengo. .Du sagst es. Ich bin wie

ein Mensch, den man ganz allein in der Nacht auf dem

Ozean ausgesetzt hat und der nun dort umhertreibt. Wenn

ich die H.nde ausstrecke, ist niemand da. Wenn ich

schreie, kommt keine Antwort. Ich habe nirgendwo eine

Bindung. Au.er dir gibt es niemanden, den ich als meine

Familie bezeichnen k.nnte. Aber du willst nicht ein

einziges Wort sagen und h.ltst an deinem Geheimnis fest.

Von Tag zu Tag geht mehr von deinem Ged.chtnis

verloren, w.hrend deines st.ndigen Auf und Ab hier in

dieser Stadt am Meer. Und damit auch von der Wahrheit

über mich. Ohne diese Wahrheit bin ich nichts und kann

auch in der Zukunft nichts werden. Auch das ist genau, wie

du sagst..

.Wissen ist ein wertvolles Allgemeingut., leierte sein

Vater. Doch seine Stimme war ein wenig leiser geworden.

Als habe jemand im Hintergrund einen Lautst.rkeregler

bet.tigt. .Dieses Gut muss vermehrt und sorgf.ltig genutzt

werden. Damit wir eine reiche Ernte an die n.chste

Generation weitergeben k.nnen. Dafür braucht NHK die

Rundfunkgebühren von allen ….

Was er da sagt, ist wie ein Mantra für ihn, dachte Tengo.

Durch dessen st.ndiges Herunterbeten er sich schützt. Ich

muss diesen z.hen Bann durchbrechen. Den Menschen aus

Fleisch und Blut aus seiner Festung hervorlocken.

Er unterbrach seinen Vater. .Was war meine Mutter für

ein Mensch? Wohin ist sie gegangen? Und was ist aus ihr

geworden?.

Der Mann verstummte pl.tzlich. Er hatte den Faden

seiner Litanei verloren.

Tengo fuhr fort. .Ich bin es leid, mein Leben damit zu

verbringen, jemanden abzulehnen, zu hassen oder zu

verfluchen. Und ich bin es leid, niemanden lieben zu

k.nnen. Ich habe keinen einzigen Freund. Nicht einen

einzigen. Ich kann ja nicht einmal mich selbst lieben.

Warum kann ich das nicht? Weil ich auch niemand

anderen lieben kann. Ein Mensch lernt, sich selbst zu

lieben, indem er geliebt wird und wiederliebt. Verstehst du,

was ich sage? Wer sich selbst nicht liebt, kann auch

niemand anderen lieben. Nein, ich will dir nicht die Schuld

dafür geben. Wenn man es sich genau überlegt, bist du ja

selbst ein Opfer. Wahrscheinlich wei.t auch du nicht, wie

man sich selbst liebt. Oder?.

Der Vater hüllte sich weiter in Schweigen. Seine Lippen

blieben fest verschlossen. An seiner Miene war nicht zu

erkennen, wie viel er von Tengos Rede verstanden hatte.

Tengo verstummte und sank in seinen Stuhl. Durch das

ge.ffnete Fenster wehte der Wind ins Zimmer. Er bl.hte

die von der Sonne gebleichten Vorh.nge und bewegte die

kleinen gelben Blüten der Topfpflanze. Schlie.lich wehte er

die Tür auf und zog hinaus in den Flur. Der Geruch des

Meeres war st.rker als vorher, und in das Zirpen der

Zikaden mischte sich das weiche Rauschen, mit dem die

Nadeln der Kiefern einander berührten.

.Ich habe eine Vision., sprach Tengo mit ruhiger Stimme

weiter. .Seit langem sehe ich immer wieder die gleiche

Szene vor mir. Ich halte sie nicht für Einbildung, sondern

für eine authentische Erinnerung. Ich bin anderthalb Jahre

alt, und meine Mutter ist bei mir. Sie und ein junger Mann

liegen sich in den Armen. Und dieser Mann bist nicht du.

Wer es ist, wei. ich nicht. Nur, dass du es nicht bist. Es ist,

als h.tte diese Szene sich fest in meine Lider eingebrannt,

und ich kann sie nicht loswerden. Warum, wei. ich nicht..

Der Vater sagte nichts. Doch seine Augen sahen eindeutig

etwas anderes, etwas, das nicht da war. Keiner von beiden

sprach. Tengo lauschte dem Rauschen des Windes, das

pl.tzlich lauter geworden war. Er wusste nicht, ob sein

Vater es h.rte.

.Würden Sie mir etwas vorlesen?., fragte dieser nach

langem Schweigen h.flich. .Mir tun die Augen weh,

deshalb kann ich nicht lesen. Ich kann der Schrift nicht

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