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作者: 当前章节:15391 字 更新时间:2026-6-19 08:06

lange folgen. Dort in dem Regal stehen Bücher. Bitte,

w.hlen Sie aus, was Sie m.chten..

Resigniert stand Tengo auf und überflog die Rücken der

B.nde. Etwa zur H.lfte handelte es sich um historische

Romane. Unter anderem standen dort s.mtliche B.nde von

Daibosatsu toge – .Der Pass des Gro.en Bodhisattva. –,

einer endlos langen Samuraigeschichte über das Ende des

Shogunats. Tengo verspürte nicht die geringste Lust,

seinem Vater aus diesen alten Schinken in antiquierter

Sprache vorzulesen.

.Wenn es dir recht ist, würde ich dir gern die Geschichte

von der Stadt der Katzen vorlesen., sagte Tengo. .Aus

einem Buch, das ich mitgebracht habe..

.Stadt der Katzen., sagte sein Vater. Er schien über den

Titel nachzudenken. .Ja, bitte, wenn es Ihnen nichts

ausmacht..

Tengo schaute auf die Uhr. .Nein, das macht mir nicht

aus. Ich habe noch Zeit, bis mein Zug f.hrt. Ob sie dir

gef.llt, wei. ich nicht, sie ist ziemlich sonderbar..

Tengo zog das Buch aus seiner Tasche und begann zu

lesen. Sein Vater sa. in seinem Stuhl am Fenster und h.rte

zu, ohne seine Haltung einmal zu ver.ndern. Tengo las

langsam und mit gut verst.ndlicher Stimme. Sooft er eine

kurze Atempause machte, sah er seinem Vater ins Gesicht,

konnte aber keine Reaktion entdecken. Er h.tte auch nicht

sagen k.nnen, ob seinem Vater die Geschichte gefiel oder

nicht. Als er zu Ende gelesen hatte, sa. der Vater reglos

und mit geschlossenen Augen da. Es sah aus, als sei er

eingeschlafen. Aber so war es nicht, er war nur tief in die

Welt der Geschichte eingetaucht. Und es dauerte eine

Weile, bis er wieder zu sich kam. Tengo wartete geduldig.

Das nachmitt.gliche Licht wurde allm.hlich schw.cher,

und die D.mmerung senkte sich über die Landschaft. Noch

immer bewegte der Wind vom Meer die .ste der Kiefern.

.Gibt es diese Stadt der Katzen auch im Fernsehen?.,

fragte sein Vater als Erstes. Wahrscheinlich aus beruflichem

Interesse.

.Die Geschichte wurde in den drei.iger Jahren in

Deutschland geschrieben, zu der Zeit war Fernsehen noch

nicht verbreitet. Aber Radio gab es..

.Ich war damals in der Mandschurei, da hatten wir kein

Radio. Auch keinen Rundfunksender. Zeitungen gab es

ganz selten, h.chstens mal welche, die zwei Wochen alt

waren. Nicht einmal zu essen hatten wir genug, Frauen

auch nicht. Manchmal kamen W.lfe. Es war wie am Ende

der Welt..

Sein Vater schwieg eine Weile, er schien über etwas

nachzudenken. Vielleicht erinnerte er sich an das harte

Leben, das er in seiner Jugend als Pionier in der

Mandschurei geführt hatte. Doch die Erinnerung schien

sofort wieder zu verschwimmen und vom Nichts

verschluckt zu werden. Tengo konnte diese Regungen am

Gesicht seines Vaters ablesen.

.Ob die Katzen die Stadt gebaut haben? Oder Menschen?

Und die Katzen haben sich sp.ter dort niedergelassen?.,

fragte der Vater zur Fensterscheibe gewandt, als würde er

mit sich selbst sprechen. Aber wahrscheinlich war die Frage

an Tengo gerichtet.

.Ich wei. es nicht., sagte Tengo. .Aber auf mich macht

es den Eindruck, als w.re sie vor langer Zeit von Menschen

gebaut worden, die aus irgendeinem Grund verschwunden

sind. Sie k.nnten zum Beispiel an einer Seuche gestorben

sein oder so was. Und dann haben sich die Katzen dort

niedergelassen..

Der Vater nickte. .Sobald ein Vakuum entsteht, muss

man es füllen. Alle machen das..

.Alle?.

.Genau., best.tigte der Vater.

.Und welches Vakuum füllst du?.

Der Vater runzelte die Stirn. Seine starken h.ngenden

Brauen verdeckten dabei fast seine Augen. .Wei.t du das

nicht?., sagte er in leicht ver.chtlichem Ton.

.Ich wei. es nicht., sagte Tengo.

Der Vater bl.hte die Nasenflügel und zog die

Augenbrauen leicht in die H.he. Diesen Ausdruck hatte er

schon früher angenommen, wenn er etwas missbilligte.

.Was einer nicht versteht, braucht man ihm auch nicht zu

erkl.ren, denn er wird es sowieso nicht verstehen, egal wie

ausführlich man es erkl.rt. Was man ohne Erkl.rung nicht

versteht, versteht man auch nicht mit..

Tengo versuchte in der Miene seines Vaters zu lesen. Er

hatte früher nie in solch seltsamen Andeutungen

gesprochen, sich stets nur sehr konkret ge.u.ert und alles

sehr w.rtlich genommen. Es war sein unerschütterlicher

Grundsatz gewesen, nur zu reden, wenn es n.tig war, und

sich auch dann m.glichst kurz zu fassen. Aber seinem

Vater war nichts zu anzusehen.

.Ich verstehe. Jedenfalls füllst du irgendeine Leere., sagte

Tengo. .Und wer wird die Leere füllen, die du zurücklassen

wirst?.

.Du., sagte der Vater schroff. Er hob den Zeigefinger und

deutete energisch auf Tengo. .Ist das nicht beschlossene

Sache? Ich fülle die Leere, die jemand geschaffen hat. Und

du füllst an meiner Stelle die Leere, die ich hinterlassen

werde. Es geht der Reihe nach..

.Wie die Katzen die menschenleere Stadt..

.Ja. Verloren wie die Stadt., sagte er und betrachtete

versunken seinen ausgestreckten Zeigefinger, als sei er ein

besonders eigenartiger Gegenstand, der dort nicht

hingeh.rte.

.Verloren wie die Stadt., wiederholte Tengo die Worte

seines Vaters.

.Die Frau, die dich geboren hat, ist nirgendwo mehr..

.Nirgendwo. Verloren wie die Stadt. Hei.t das, dass sie

tot ist?.

Der Vater antwortete nicht.

Tengo seufzte. .Und wer ist mein Vater?.

.Nichts als Leere. Deine Mutter hat sich mit der Leere

vereinigt und dich geboren. Ich habe diese Leere gefüllt..

Nach diesen Worten schloss der Vater die Augen und

schwieg.

.Mit der Leere vereinigt?.

.Ja..

.Und du hast mich gro.gezogen. So war es, oder?.

.Deshalb habe ich es wohl gesagt., erwiderte der Vater,

nachdem er sich einmal f.rmlich ger.uspert hatte. Als habe

er einem unverst.ndigen Kind eine einfache Wahrheit

gepredigt. .Was einer ohne Erkl.rung nicht versteht,

versteht er auch nicht, wenn man es ihm erkl.rt..

.Ich bin also aus der Leere entstanden?., fragte Tengo.

Keine Antwort.

Tengo faltete die H.nde im Scho. und sah seinem Vater

noch einmal ins Gesicht. Dieser Mann ist kein leeres

Wrack, dachte er. Und auch nicht nur ein leerer Raum. Er

war ein Mensch aus Fleisch und Blut, der mit seinem

sturen, engstirnigen Denken und seinen düsteren

Erinnerungen auf einem Stückchen Land an einem

gewaltigen Ozean überlebt hatte. Gezwungen, mit der

Leere zu leben, die sich allm.hlich in ihm ausbreitete. Im

Augenblick lagen sein Ged.chtnis und die Leere noch im

Krieg miteinander. Doch bald würden die ihm noch

verbliebenen Erinnerungen unweigerlich und vollst.ndig

von der Leere verschlungen werden. Es war nur eine Frage

der Zeit. Ob diese Leere, auf die er sich nun zubewegte, die

gleiche war wie die, aus der Tengo geboren worden war?

Tengo glaubte zu h.ren, wie sich das ferne

Meeresrauschen beim Sonnenuntergang mit dem Wind

verband, der sich in den Kronen der Kiefern fing. Doch

vielleicht war es auch nur eine Illusion.

KAPITEL 9

Aomame

Der Preis der Gnade

Kaum hatte Aomame das Zimmer betreten, schloss der

Kahle die Tür hinter ihr. Es war stockdunkel. Die schweren

dichten Vorh.nge waren zugezogen und alle Lichter

ausgeschaltet. Durch einen Spalt in den Vorh.ngen drang

ein winziger Lichtstrahl, der die Dunkelheit jedoch eher zu

betonen schien.

Wie beim Betreten eines Planetariums oder eines

Kinosaals, in dem der Film schon l.uft, dauerte es eine

Weile, bis Aomames Augen sich an die Dunkelheit gew.hnt

hatten. Ihr Blick fiel als Erstes auf die Anzeige einer

elektrischen Uhr, die auf einem niedrigen Tischchen stand.

Ihre grünen Zahlen zeigten an, dass es zwanzig Minuten

nach sieben war. Gleich darauf erkannte sie an der

gegenüberliegenden Wand ein gro.es Bett. Die Elektrouhr

stand an seinem Kopfende. Verglichen mit dem Salon

nebenan war dieser Raum klein, wenn auch noch immer

viel gr..er als ein normales Hotelzimmer.

Auf dem Bett lag eine hügelartige dunkle Masse. Wieder

brauchte Aomame einen Moment, bis sie begriff, dass es

sich bei der unf.rmigen Silhouette um einen menschlichen

K.rper handelte. Er war so reglos, dass man ihn kaum für

etwas Lebendiges gehalten h.tte. Keine Atemzüge waren zu

h.ren, nur das leise Surren der Klimaanlage ert.nte aus

einer .ffnung an der Decke. Aber tot konnte die Person ja

nicht sein. Der Kahle hatte sich jedenfalls verhalten, als sei

es ein lebendiger Mensch.

Ein ziemlich gro.er Mensch. Wahrscheinlich ein Mann.

Genau konnte sie es nicht erkennen, aber es schien nicht,

als sei das Gesicht ihr zugewandt. Die Gestalt lag auch

nicht unter der Bettdecke, sondern b.uchlings darauf. Wie

ein riesiges verwundetes Tier, das sich mit letzter Kraft

ersch.pft in seine H.hle geschleppt hatte.

.Es ist Zeit., sagte der Kahle zu dem Schatten. Im

Gegensatz zu vorher klang seine Stimme jetzt angespannt.

Sie wusste nicht, ob der Mann etwas geh.rt hatte. Der

dunkle Hügel auf dem Bett rührte sich nicht. Der Kahle

blieb an der Tür stehen und wartete, ohne seine Haltung zu

.ndern. Im Zimmer herrschte eine so tiefe Stille, dass sogar

deutlich zu h.ren war, wie jemand seinen Speichel

schluckte. Aomame wurde klar, dass sie selbst es gewesen

war, die geschluckt hatte. Ihre Sporttasche in der rechten

Hand, wartete sie nun ebenso wie der Kahle darauf, dass

etwas geschehen würde. Die Zahlen der elektrischen Uhr

sprangen auf 7.21 Uhr, auf 7.22 Uhr und schlie.lich auf 7.23

Uhr.

Kurz darauf begann die Masse auf dem Bett sich zu

bewegen. Es war ein ganz leichtes Beben, das sich rasch zu

einer deutlicheren Aktion auswuchs. Die Person schien fest

geschlafen zu haben. Oder sich in einem schlaf.hnlichen

Zustand befunden zu haben. Sie richtete sich langsam auf,

die Muskeln schienen zu erwachen, und im n.chsten

Moment schien auch ihr Bewusstsein zurückzukehren. Der

Mensch dort setzte sich gerade auf und kreuzte die Beine.

Ohne Zweifel ein Mann, dachte Aomame.

.Es ist Zeit., sagte der Kahle noch einmal.

Der Mann atmete ger.uschvoll aus. Es war ein langsames,

dumpfes St.hnen, das wie vom Grund eines tiefen

Brunnens aufstieg. Als N.chstes war zu h.ren, wie er tief

Luft holte. Es klang wild und gef.hrlich, wie ein

stürmischer Wind, der durch die B.ume eines Waldes

braust. Die beiden unheimlichen Laute wechselten

einander mehrmals ab. Dazwischen entstand jeweils ein

langes Intervall der Stille. Diese rhythmische

Wiederholung, die so vieles bedeuten konnte, beunruhigte

Aomame. Sie spürte, dass sie ein v.llig fremdes Reich

betreten hatte. Fremd wie der Boden eines Tiefseegrabens

oder die Oberfl.che eines unbekannten kleinen Planeten.

Ein Ort, von dem es, war man einmal dort angekommen,

keine Wiederkehr gab.

Ihre Augen hatten sich inzwischen an die Dunkelheit

gew.hnt. Sie konnte nun etwas erkennen, aber viel war es

nicht. Nur gerade eben die dunkle Silhouette des Mannes

vor ihr. Doch wohin er sein Gesicht wandte und ob er sie

ansah, das h.tte sie nicht sagen k.nnen. Mehr als dass er

ein Riese war, dessen Schultern sich beim Atmen ruhig,

aber gewaltig hoben und senkten, konnte sie nicht

ausmachen. Er atmete auch nicht auf gew.hnliche Weise.

Seine Atmung, bei der er seinen gesamten K.rper einsetzte,

schien ein besonderes Ziel oder eine besondere Funktion zu

haben. Ihr wurde bewusst, mit welcher Kraft er die

Schulterbl.tter und das Zwerchfell bewegte und wie

gewaltig sie sich ausdehnten und zusammenzogen. Ein

normaler Mensch w.re kaum in der Lage gewesen, so

intensiv zu atmen. Es musste sich um eine besondere

Atemtechnik handeln, die man nur durch langes und hartes

Training erwerben konnte.

Der Kahle stand in Habtachtstellung – Rücken

kerzengerade, Kinn leicht eingezogen – neben ihr. Im

Gegensatz zu dem Mann auf dem Bett atmete er schnell

und flach. Er hielt sich in Erwartung weiterer Anweisungen

im Hintergrund. Wartete, dass die Reihe der heftigen tiefen

Atemzüge endete. Anscheinend waren sie ein üblicher

Vorgang, durch den der Mann seine K.rperfunktionen

aktivierte. Wie ihr Begleiter konnte auch Aomame nur

warten, dass er abgeschlossen wurde. Wahrscheinlich war

es ein Prozess, der zum Erwachen n.tig war.

Bald darauf wurde das Atmen stufenweise schw.cher und

verstummte dann, wie bei einer gro.en Maschine, die die

Arbeit einstellt. Die Abst.nde zwischen den Atemzügen

wurden immer l.nger, und zum Schluss atmete der Mann

lange aus, um die Luft vollst.ndig herauszupressen. Wieder

senkte sich tiefe Stille über den Raum.

.Es ist Zeit., sagte der Leibw.chter zum dritten Mal.

Der Kopf des Mannes bewegte sich langsam. Er schien

sich dem Kahlen zuzuwenden.

.Du kannst gehen., sagte der Mann in einem klaren

Bariton. Seine Stimme klang entschieden und hatte nichts

Verschwommenes an sich. Er schien nun v.llig wach zu

sein.

Der Kahle verbeugte sich leicht in der Dunkelheit und

verlie. den Raum ebenso ohne jede überflüssige Bewegung,

wie er ihn betreten hatte. Die Tür schloss sich, und

Aomame blieb allein mit dem Mann zurück.

.Entschuldigen Sie, dass es so dunkel ist., sagte er.

Wahrscheinlich zu Aomame.

.Das macht mir nichts aus., entgegnete sie.

.Ich muss es dunkel haben., sagte der Mann mit weicher

Stimme. .Aber haben Sie keine Angst. Es wird Ihnen kein

Leid geschehen..

Aomame nickte schweigend. Dann fiel ihr ein, dass es ja

dunkel war, und sie sagte: .Ich wei... Ihre Stimme kam ihr

etwas schriller vor als gew.hnlich.

Der Mann betrachtete Aomame eine Weile durch die

Dunkelheit. Sie spürte seinen sezierenden und feinen Blick

sehr stark. Statt .betrachten. war wohl .mustern. der

passendere Ausdruck. Offenbar vermochte der Blick dieses

Mannes ihren K.rper v.llig zu durchdringen. Sie hatte das

Gefühl, nackt zu sein, nachdem ihr alles, was sie trug, j.h

heruntergerissen worden war. Doch sein Blick lag nicht nur

auf ihrer Haut, sondern drang bis in ihre Muskeln, Organe,

sogar in ihre Geb.rmutter vor. Dieser Mann kann im

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