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作者: 当前章节:15372 字 更新时间:2026-6-19 08:06

Dunkeln sehen, dachte sie. Er erkennt mehr, als das Auge

sehen kann.

.Im Dunkeln kann man besser sehen., sagte der Mann,

als h.tte er Aomames Gedanken gelesen. .Doch wenn man

zu viel Zeit in der Dunkelheit verbringt, f.llt es schwer, in

die Welt des Tageslichts zurückzukehren. Irgendwann

muss man Schluss machen..

Er beobachtete Aomame noch eine Weile. In seinem Blick

lag kein sexuelles Verlangen. Er musterte sie wie ein

Objekt. Wie ein Schiffsreisender vom Deck aus eine Insel

betrachtet. Aber dieser Reisende war kein gew.hnlicher

Passagier. Er wollte alles über die Insel erfahren. Sein

scharfer, erbarmungsloser Blick weckte in Aomame das

Gefühl, dass ihr K.rper unzureichend und unvollkommen

war. Normalerweise empfand sie dies nicht so. Abgesehen

von der Gr..e ihrer Brüste war sie sogar eher stolz auf

ihren K.rper. Sie st.hlte ihn t.glich und pflegte ihn, um ihn

attraktiv zu erhalten. Ihre Muskeln waren geschmeidig, und

sie hatte kein Gramm Fett zu viel. Aber unter dem Blick

dieses Mannes kam sie sich vor wie ein sch.biger alter

Fleischsack.

Wieder schien er ihre Gedanken zu lesen und h.rte auf,

sie mit seinem Blick zu durchbohren. Sie spürte, wie dessen

Kraft pl.tzlich nachlie.. Als ob man mit einem Schlauch

den Rasen sprengte, und pl.tzlich drehte jemand das

Wasser ab.

.Entschuldigen Sie, dass ich Sie bemühe, aber würden Sie

den Vorhang ein wenig aufziehen?., sagte der Mann ruhig.

.Ich kann Sie ja schwerlich im Stockdunkeln arbeiten

lassen..

Aomame stellte ihre Sporttasche ab, ging zum Fenster

und .ffnete den dicken schweren Vorhang, indem sie an

einer Schnur zog. Auch die wei.e Spitzengardine dahinter

.ffnete sie einen Spalt. Das n.chtliche Tokio ergoss sein

Licht in den Raum. Der illuminierte Tokyo Tower, die

Lichter der Stadtautobahn, die Scheinwerfer der nicht

abrei.enden Str.me von Autos und die Neonbeleuchtung

hinter den Fenstern der Hochh.user erhellten nun das

Hotelzimmer. Nicht sehr stark, aber gerade genug, um die

Einrichtung unterscheiden zu k.nnen. Für Aomame war es

ein vertrautes Licht voller Assoziationen. Das Licht der

Welt, in die sie geh.rte. Aomame wurde wieder einmal

klar, wie sehr sie es brauchte. Doch obwohl es so schwach

war, schien es für die Augen des Mannes zu stark zu sein.

Noch immer mit gekreuzten Beinen auf dem Bett sitzend,

bedeckte er mit seinen gro.en H.nden schützend das

Gesicht.

.Wird es so gehen?., fragte Aomame.

.Um mich brauchen Sie sich keine Sorgen zu machen.,

sagte der Mann.

.Soll ich den Vorhang wieder etwas zuziehen?.

.Nein, so geht es. Ich habe ein Problem mit der Netzhaut.

Es dauert eine Weile, bis ich mich an das Licht gew.hnt

habe. Gleich wird alles normal. M.chten Sie sich nicht so

lange dort hinsetzen?.

Ein Problem mit der Netzhaut, wiederholte Aomame bei

sich. Menschen mit Netzhauterkrankungen liefen meist

Gefahr, ihr Augenlicht zu verlieren. Aber das ging sie nichts

an. Das, was Aomame dem Mann nehmen musste, war

mehr als sein Augenlicht.

W.hrend der Mann, das Gesicht in die H.nde gelegt,

seine Augen an das eindringende Licht zu gew.hnen

versuchte, sa. Aomame auf dem Sofa und beobachtete ihn.

Nun war sie an der Reihe, ihr Gegenüber genau in

Augenschein zu nehmen.

Er war ein gro.er Mann. Nicht fett. Nur gro.. Kr.ftig und

breit gebaut, von imposanter Statur. Allem Anschein nach

musste er sehr stark sein. Die alte Dame hatte sie ja schon

darauf vorbereitet, dass es sich um einen gro.en Mann

handelte, aber dass er so gro. war, hatte Aomame nicht

geahnt. Aber es gab natürlich auch keinen Grund, weshalb

das Oberhaupt einer Religionsgemeinschaft ein Riese sein

sollte. Bei der Vorstellung, dass dieser riesige Mann

zehnj.hrige M.dchen vergewaltigte, verzog sie

unwillkürlich das Gesicht. Sie sah vor sich, wie der Mann

sich nackt auszog und über den K.rper eines kleinen

M.dchens herfiel. Es h.tte mit Sicherheit keinen

Widerstand leisten k.nnen. Selbst für eine erwachsene

Frau w.re das schwierig gewesen.

Der Mann trug eine Art dünne Jogginghose, die an den

Kn.cheln von einem Gummizug zusammengehalten

wurde, und ein lang.rmliges, weites Hemd aus einem leicht

seidig schimmernden Stoff. Es war schlicht und von oben

bis unten durchzukn.pfen. Die beiden obersten Kn.pfe

standen offen. Hemd und Hose waren vermutlich wei.

oder cremefarben. Es war kein Schlafanzug, aber die Art

von Kleidung, in der man es sich zu Hause – oder in einem

südlichen Land im Schatten eines Baumes – bequem

machte. Die nackten Fü.e des Mannes schienen ebenfalls

sehr gro. zu sein. Seine Schultern waren breit und massiv

wie eine Mauer. Aomame vermutete, dass er ein erfahrener

Kampfsportler war.

.Sch.n, dass Sie gekommen sind.. Der Mann hatte

gewartet, bis Aomame ihn taxiert hatte.

.Das ist mein Beruf. Wenn es n.tig ist, komme ich

überallhin., sagte Aomame in abweisendem Ton. Dabei

kam sie sich auf einmal vor wie eine Prostituierte, die in ein

Hotel bestellt worden war. Vielleicht lag es auch daran,

dass sie sich zuvor unter seinem durchdringenden Blick im

Dunkeln so nackt gefühlt hatte.

.Inwieweit wissen Sie über mich Bescheid?., fragte der

Mann, das Gesicht noch immer in den H.nden vergraben.

.Sie meinen, was ich über Sie wei.?.

.Ja..

.Eigentlich fast nichts., sagte Aomame vorsichtig. .Ich

wei. nicht einmal Ihren Namen. Nur dass Sie in Nagano

oder Yamanashi einer Religionsgemeinschaft vorstehen und

k.rperliche Beschwerden haben, denen ich vielleicht

Abhilfe schaffen kann..

Der Mann schüttelte mehrmals kurz den Kopf, nahm die

H.nde vom Gesicht und wandte sich Aomame zu.

Er hatte langes volles Haar, das ihm glatt bis auf die

Schultern hing und von vielen wei.en Str.hnen

durchzogen war. Sein Alter musste zwischen Ende vierzig

und Anfang fünfzig liegen. Das Gesicht wurde von einer

stark ausgepr.gten Nase beherrscht. Eine vernünftige,

wunderbar gerade Nase. Sie erinnerte an alpine Berge, wie

man sie auf Kalenderfotos sehen konnte, und ragte ebenso

würdevoll wie diese von einem breiten Ansatz auf. Wenn

man dem Mann ins Gesicht sah, war sie es, die als Erstes ins

Auge sprang. Einen Kontrast dazu bildeten die

tiefliegenden Augen, deren Blickrichtung schwer zu

erkennen war. Insgesamt war das Gesicht gro. und massiv

wie überhaupt die ganze Statur des Mannes. Er war glatt

rasiert, und keine Narbe oder kein Leberfleck verunzierten

die Haut. Die regelm..igen Züge strahlten Gelassenheit

und Intelligenz aus. Aber es lag auch etwas Eigentümliches,

Ungew.hnliches darin, etwas, das nicht

vertrauenerweckend war. Auf den ersten Blick mochte sein

Gesicht sogar abschreckend wirken. Vielleicht war die Nase

auch zu gro., und dieser Mangel an Ausgewogenheit

verunsicherte den Betrachter. Oder es lag an den Augen,

von denen ein Licht ausging wie von einem urzeitlichen

Gletscher und die Aomame ruhig in ihre Tiefe zogen. Oder

es waren die schmalen Lippen, die einen grausamen Zug

hatten und aus denen Unvorhersehbares hervorzudr.ngen

drohte.

.Was noch?., fragte der Mann.

.Sonst eigentlich nichts. Man hat mir lediglich gesagt, ich

solle ein Muskelstretching vorbereiten und mich in diesem

Hotel einfinden. Muskeln und Sehnen sind mein

Spezialgebiet. Ich muss nichts über die Person und die

Stellung des Betreffenden wissen..

Wie eine Prostituierte, dachte Aomame.

.Ich verstehe, was Sie meinen., sagte der Mann mit tiefer

Stimme. .Aber in meinem Fall ist doch eine Art Erkl.rung

angebracht..

.Ja, bitte..

.Meine Leute nennen mich .Leader.. Aber ich zeige mich

so gut wie keinem Menschen. Selbst der gr..te Teil meiner

Anh.nger hat mich noch nie gesehen, auch wenn wir auf

dem gleichen Anwesen leben..

Aomame nickte.

.Aber Ihnen zeige ich mein Gesicht. Schlie.lich kann ich

Sie Ihre Behandlung nicht im Stockdunkeln oder mit

verbundenen Augen durchführen lassen. Das ist auch eine

Frage der H.flichkeit..

.Es ist keine Behandlung., belehrte Aomame ihn in

kühlem Ton. .Nur ein Muskelstretching. Für medizinische

Ma.nahmen besitze ich keine Lizenz. Meine Technik

besteht darin, Muskeln, die im Alltag wenig benutzt

werden oder allgemein Probleme bereiten, gewaltsam zu

dehnen und das Nachlassen k.rperlicher F.higkeiten zu

verhindern..

Es sah aus, als würde der Mann l.cheln. Aber vielleicht

bildete sie es sich nur ein, und er hatte seine

Gesichtsmuskeln lediglich etwas bewegt.

.Das ist mir klar. Ich habe den Begriff nur der Einfachheit

halber verwendet. Seien Sie unbesorgt. Was ich sagen will,

ist, dass Sie hier Dinge sehen werden, die im Allgemeinen

niemand zu sehen bekommt. Ich m.chte, dass Sie das

wissen..

.Ihr Mitarbeiter hat mich bereits darauf hingewiesen,

dass ich über das, was heute hier stattfindet, nicht sprechen

soll., sagte Aomame und deutete auf die Tür, die ins

Nebenzimmer führte. .Aber da gibt es keinen Grund zur

Beunruhigung. Nichts von dem, was ich hier sehe und h.re,

wird nach au.en dringen. Bei meiner Arbeit habe ich mit

den K.rpern vieler Menschen zu tun. Sie m.gen zwar eine

besondere Position innehaben, für mich sind Sie jedoch nur

einer von vielen mit muskul.ren Beschwerden. Mein

Interesse richtet sich ausschlie.lich auf diesen Bereich..

.Ich habe geh.rt, Sie waren als Kind Mitglied der Zeugen

Jehovas..

.Nicht aus freien Stücken. Ich wurde dazu erzogen. Das

ist ein gro.er Unterschied..

.Das ist allerdings ein gro.er Unterschied., sagte der

Mann. .Doch von den Bildern, die sich in der Kindheit

eingepr.gt haben, kann der Mensch sich niemals trennen..

.Im guten wie im schlechten Sinn., sagte Aomame.

.Die Lehre der Zeugen Jehovas ist eine ganz andere als

die der Gemeinschaft, der ich angeh.re. Eine Religion, die

die Eschatologie in ihren Mittelpunkt stellt, halte ich, mit

Verlaub gesagt, mehr oder weniger für Humbug. Ich denke,

dass das Weltende in jedem Fall nur eine pers.nliche

Angelegenheit ist. Doch an sich sind die Zeugen Jehovas

erstaunlich z.h. Es gibt sie noch nicht lange, aber sie haben

schon viel erduldet. Und dennoch hat sich die Zahl ihrer

Mitglieder stets vergr..ert. Wir k.nnen eine Menge von

ihnen lernen..

.Das liegt doch nur an ihrer Engstirnigkeit. Kleine, sture

Leute k.nnen sich Kr.ften von au.en sehr hartn.ckig

widersetzen..

.Was Sie sagen, ist sicher richtig., sagte der Mann und

machte eine Pause. .Aber wir sind ja nicht hier, um über

Religion zu diskutieren..

Aomame schwieg.

.Sie müssen wissen, dass mein K.rper zahlreiche

Besonderheiten hat., sagte der Mann.

Aomame sa. stumm auf ihrem Stuhl und wartete.

.Wie gesagt vertragen meine Augen kein starkes Licht,

ein Leiden, das mich seit einigen Jahren plagt. Bis dahin

hatte ich keine Beschwerden, aber irgendwann haben sie

sich eben eingestellt. Das ist der Hauptgrund dafür, dass

ich kaum noch vor Menschen erscheine. Ich verbringe fast

den ganzen Tag in abgedunkelten R.umen..

.Ihre Sehkraft ist ein Problem, mit dem ich mich nicht

befassen kann., sagte Aomame. .Mein Gebiet ist wie gesagt

die Muskulatur..

.Das wei. ich doch. Natürlich habe ich Fach.rzte

konsultiert. Ich war bei mehreren renommierten

Augenspezialisten. Es wurden eine Menge Untersuchungen

gemacht, aber bisher ist nichts dabei herausgekommen.

Meine Netzhaut ist besch.digt. Was die Ursache ist, wei.

man nicht, aber die Krankheit schreitet voran. Wenn es so

weitergeht, werde ich wohl in nicht allzu langer Zeit mein

Augenlicht verlieren. Selbstverst.ndlich hat das nichts mit

meiner Muskulatur zu tun. Ich z.hle einfach der Reihe

nach von oben nach unten meine k.rperlichen

Beschwerden auf. Ob Sie etwas dagegen tun k.nnen oder

nicht, k.nnen wir sp.ter überlegen..

Aomame nickte.

.Dann verkrampfen meine Muskeln sehr h.ufig., sagte

der Mann. .Und zwar so, dass ich mich pl.tzlich nicht

mehr bewegen kann. Sie werden buchst.blich zu Stein. In

diesem mehrere Stunden andauernden Zustand kann ich

nichts als liegen. Schmerzen verspüre ich nicht. Aber ich

kann keinen Muskel regen. Nicht einen Finger. Selbst bei

Einsatz gro.er Willenskraft kann ich h.chstens die

Aug.pfel bewegen. Das passiert mir etwa ein- bis zweimal

im Monat..

.Gibt es Anzeichen, die diesen Zustand ankündigen?.

.Zuerst bekomme ich Kr.mpfe. Die Muskeln

verschiedener K.rperteile beginnen zu zucken. Das dauert

zehn oder auch zwanzig Minuten an. Danach sind die

Muskeln v.llig tot, als h.tte sie irgendwo jemand

abgeschaltet. Also begebe ich mich w.hrend der zehn bis

zwanzig Minuten, die dieser Starre vorangehen, an einen

Ort, wo ich mich hinlegen kann, wie ein Schiff, das in einer

Bucht Zuflucht vor einem Sturm sucht. Dort warte ich, dass

die L.hmung vorübergeht. W.hrenddessen ist nur mein

Bewusstsein aktiv. Es ist sogar klarer als sonst..

.Und Sie haben keine k.rperlichen Schmerzen, nicht

wahr?.

.Mein ganzer K.rper ist v.llig gefühllos. Man kann mich

mit einer Nadel stechen, und ich spüre nichts..

.Und Sie haben sich deshalb .rztlich untersuchen

lassen?.

.Ich war bei einer anerkannten Kapazit.t in einer

Spezialklinik. Und habe noch mehrere andere .rzte

konsultiert. Aber am Ende ist nur herausgekommen, dass

ich an einer unbekannten Krankheit leide, gegen die man

nach dem gegenw.rtigen Stand der Medizin nichts tun

kann. Ich habe alles versucht, was man sich nur vorstellen

kann – chinesische Medizin, Osteopathen, Chiropraktiker,

Akupunktur und Moxibustion, Massagen, hei.e B.der –

ohne nennenswertes Ergebnis..

Aomame verzog das Gesicht. .Worum ich mich bemühe,

ist eine Aktivierung und Belebung allt.glicher

K.rperfunktionen. Ernsthafte Erkrankungen wie die Ihre

gehen weit über meine Kompetenzen hinaus..

.Auch darüber bin ich mir im Klaren. Aber ich will alle

M.glichkeiten aussch.pfen. Auch wenn Ihre Methode

keinen Erfolg zeigen sollte, werde ich Sie nicht dafür

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