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作者: 当前章节:15414 字 更新时间:2026-6-19 08:06

Inhalt noch nicht, dennoch wehte ihm eine Ahnung von

neuem Wissen entgegen. Tengo ging ins Bad, um sich zu

rasieren. Er rieb sich mit dem Handtuch das Gesicht ab,

trug After-Shave auf und betrachtete sich nochmals im

Spiegel. Und überzeugte sich, dass er ein neuer Mensch

geworden war.

Die Ereignisse vom Tag zuvor erschienen ihm wie ein

Traum. Er konnte kaum glauben, dass sie sich wirklich so

zugetragen hatten. Obwohl alles noch ganz frisch war,

traten nach und nach an den R.ndern irreale Stellen

zutage. Er war mit dem Zug in die Stadt der Katzen

gefahren und zurückgekehrt. Zum Glück hatte ihm im

Gegensatz zum Helden in der Geschichte die Rückkehr

keine Schwierigkeiten bereitet. Auch schien das, was er in

jener Stadt erlebt hatte, eine gro.e Ver.nderung in ihm

bewirkt zu haben.

Natürlich .nderte das nichts an seiner gegenw.rtigen

Lage. Er bewegte sich noch immer nicht freiwillig auf

diesem unwegsamen Terrain voller Gefahren und R.tsel. Es

gab keine vorhersehbare Entwicklung. Auch ahnte er nicht,

was ihm als N.chstes zusto.en würde. Aber immerhin

hatte Tengo nun eine Antwort, die ihm vielleicht irgendwie

helfen würde, seine Schwierigkeiten zu überwinden.

Jetzt habe ich endlich einen Ansatzpunkt, dachte er. Dass

sich definitiv etwas gekl.rt hatte, konnte er nicht sagen,

aber aus den Worten und dem Verhalten seines Vaters

hatte er doch einen ungef.hren Eindruck von den wahren

Umst.nden seiner Geburt erhalten. Die .Vision., die ihn so

lange gequ.lt und verst.rt hatte, war kein sinnloses

Trugbild. Inwieweit sie die Wahrheit widerspiegelte, wusste

er zwar noch immer nicht, aber sie war der einzige

Anhaltspunkt, den seine Mutter ihm hinterlassen hatte,

und im Guten wie im Schlechten zu einem Fundament

seines Lebens geworden. Tengo hatte das Gefühl, ihm sei

eine schwere Last von den Schultern genommen worden.

Erst jetzt, als er sie los war, spürte er, welches Gewicht er

bisher mit sich herumgetragen hatte.

Diese ungew.hnlich ruhige und friedliche Zeit dauerte

etwa zwei Wochen. In den Sommerferien unterrichtete

Tengo viermal w.chentlich an der Yobiko, in der übrigen

Zeit schrieb er an seinem Roman. Niemand meldete sich

bei ihm. Tengo hatte keine Ahnung von den Entwicklungen

hinsichtlich Fukaeris Verschwinden oder ob Die Puppe aus

Luft sich noch verkaufte. Eigentlich interessierte es ihn

auch nicht besonders. Alles würde auch ohne ihn seinen

Gang gehen, und wenn es etwas zu tun gab, würde man es

ihm schon sagen.

Der August ging zu Ende, der September begann. So

friedlich k.nnte es von mir aus ewig weitergehen, dachte

Tengo eines Morgens beim Kaffeekochen. Er sagte es nicht

laut, damit kein b.ser Geist mit scharfen Ohren es h.rte,

und hoffte stumm, es würde noch lange so bleiben. Doch

wie meistens entwickelten die Dinge sich nicht

wunschgem... Vielmehr schien die Welt einen

ausnehmend guten Sinn für das zu haben, was Tengo eben

nicht wollte.

Kurz nach zehn an jenem Morgen l.utete das Telefon.

Nachdem er es sieben Mal hatte klingeln lassen, streckte

Tengo resigniert die Hand aus und hob den H.rer ab.

.Kann ich zu Ihnen kommen., sagte eine ged.mpfte

Stimme. Tengo kannte nur einen Menschen auf der Welt,

der fragte, ohne zu fragen. Im Hintergrund waren eine

Durchsage und Auspuffl.rm zu h.ren.

.Wo bist du gerade?., fragte Tengo.

.Am Eingang von Marusho..

Dieser Supermarkt lag kaum zweihundert Meter von

seiner Wohnung entfernt. Anscheinend rief Fukaeri von

dem .ffentlichen Telefon dort an.

Tengo blickte sich unwillkürlich um. .Nein, du kannst

nicht zu mir. M.glicherweise wird mein Haus beobachtet.

Und du bist doch angeblich verschwunden..

.Ihr Haus wird beobachtet., wiederholte Fukaeri seine

Worte.

.Ja., sagte Tengo. .Bei mir sind alle m.glichen

sonderbaren Dinge passiert. Ich bin sicher, dass Die Puppe

aus Luft damit zu tun hat..

.Jemand ist wütend..

.Wahrscheinlich. Wütend auf dich. Und scheinbar auch

auf mich. Weil ich es umgeschrieben habe..

.Ist mir egal., sagte Fukaeri.

.Ist mir egal., wiederholte Tengo nun seinerseits ihre

Worte. Diese Angewohnheit schien ansteckend zu sein.

.Was ist dir egal?.

.Wenn Ihr Haus beobachtet wird..

Einen Moment lang fehlten ihm die Worte. .Aber mir ist

es nicht egal., sagte Tengo endlich.

.Zu zweit ginge es besser., sagte Fukaeri. .Mit vereinten

Kr.ften..

.Sonny und Cher., sagte Tengo. .Das ultimative Duo..

.Was hei.t .ultimativ.?.

.Ach, nichts. Hab ich nur so gesagt..

.Ich komme zu Ihnen..

Als Tengo zu einer Erwiderung ansetzte, knackte es, und

die Verbindung war unterbrochen. St.ndig legten die Leute

auf, wann es ihnen passte. Abrupt, als würden sie mit dem

Hackmesser eine H.ngebrücke kappen.

Zehn Minuten sp.ter traf Fukaeri ein, in jeder Hand eine

Plastiktüte von dem Supermarkt. Sie trug ein

blaugestreiftes Hemd mit langen .rmeln und enge Blue

Jeans. Es war ein M.nnerhemd und nicht sehr adrett,

wahrscheinlich, weil man es in trockenem Zustand gebügelt

hatte. über ihrer Schulter hing eine Kanvastasche. Sie

verbarg ihr Gesicht hinter einer gro.en Sonnenbrille, die

allerdings die Aufgabe einer Maskierung nur schlecht

erfüllte und eher Aufmerksamkeit erregte.

.Es ist besser, viel Essen zu haben., sagte Fukaeri,

w.hrend sie den Inhalt der Plastiktüten in den Kühlschrank

r.umte. Sie hatte fast ausschlie.lich Mikrowellengerichte

gekauft. Ihre restlichen Eink.ufe bestanden aus Crackern,

K.se, .pfeln und Tomaten. Und Dosen.

.Wo ist die Mikrowelle.. Fragend sah sie sich in der

kleinen Küche um.

.Ich habe keine., antwortete Tengo.

Fukaeri zog grüblerisch die Brauen zusammen, .u.erte

aber keine Meinung. Offenbar erschien ihr eine Welt ohne

Mikrowellenherd nahezu unvorstellbar.

.Ich werde hierbleiben., sagte sie, als würde sie eine

objektive Tatsache bekannt geben.

.Wie lange?., fragte Tengo.

Fukaeri zuckte mit den Schultern. Ich wei. es nicht, sollte

das hei.en.

.Was ist mit deinem Versteck?.

.Wenn etwas passiert, will ich nicht allein sein..

.Meinst du, es passiert etwas?.

Fukaeri gab keine Antwort.

.Ich wiederhole mich, aber hier ist es nicht sicher., sagte

Tengo. .Anscheinend haben irgendwelche Leute mich im

Visier. Was das für Typen sind, wei. ich noch nicht..

.Es gibt keinen sicheren Ort., sagte Fukaeri. Dabei kniff

sie vielsagend die Augen zusammen und drückte leicht mit

den Fingern ihr Ohrl.ppchen. Tengo hatte keine Ahnung,

was ihre K.rpersprache bedeutete. Vielleicht bedeutete sie

auch gar nichts.

.Also ist es egal, wo du bist., sagte Tengo.

.Es gibt keinen sicheren Ort., wiederholte Fukaeri.

.Wahrscheinlich hast du sogar recht., sagte Tengo

ergeben. .Wenn man erst einmal eine bestimmte Ebene

überschritten hat, ist der Gefahrenunterschied nur noch

graduell. Auf alle F.lle muss ich jetzt gleich zur Arbeit..

.Zur Schule..

.Ja..

.Ich bleibe hier., sagte Fukaeri.

.Du bleibst hier., wiederholte Tengo. .Am besten, du

gehst gar nicht raus und reagierst auch nicht, wenn jemand

an die Tür kommt. Sollte das Telefon klingeln, hebst du

nicht ab..

Fukaeri nickte stumm.

.Was ist übrigens mit Professor Ebisuno?.

.Gestern gab es eine Durchsuchung bei den Vorreitern..

.Hei.t das, die Polizei hat wegen dir das Vorreiter-

Hauptquartier durchsucht?., fragte Tengo erstaunt.

.Sie lesen keine Zeitung..

.Ich lese keine Zeitung., wiederholte Tengo. .Mir ist

allm.hlich die Lust dazu vergangen. Deshalb bin ich nicht

auf dem Laufenden. Das muss ja ziemlich unangenehm für

die gewesen sein..

Fukaeri nickte.

Tengo seufzte. .Jetzt sind sie bestimmt noch wütender als

vorher. Wie ein Hornissenschwarm, den jemand in seinem

Nest aufgest.rt hat..

Fukaeri kniff die Augen zusammen und schwieg.

Vielleicht stellte sie sich einen wütenden

Hornissenschwarm vor.

.Wahrscheinlich., sagte sie leise.

.Und habt ihr etwas über deine Eltern erfahren?.

Fukaeri schüttelte den Kopf. Nein, noch nichts.

.Jedenfalls sind die Sektenleute jetzt sauer., sagte Tengo.

.Und wenn herauskommt, dass dein Verschwinden eine

Finte ist, ist die Polizei bestimmt auch sauer..

.Eben deshalb müssen wir unsere Kr.fte zusammentun.,

sagte Fukaeri.

.Hast du gerade eben deshalb gesagt?.

Fukaeri nickte. .Habe ich das falsch benutzt., fragte sie.

Tengo schüttelte den Kopf. .Nein, das nicht, es klang nur

irgendwie neu..

.Wenn ich st.re, kann ich auch woanders hingehen.,

sagte Fukaeri.

.Nein, du kannst hierbleiben., sagte Tengo resigniert.

.Wo sollst du denn auch hingehen?.

Ein kurzes Nicken.

Tengo nahm kalten Gerstentee aus dem Kühlschrank und

trank. .Ich bin kein Freund von wütenden Hornissen, aber

ich werde auf dich aufpassen, so gut es geht..

Fukaeri musterte Tengos Gesicht eingehend. .Sie sehen

irgendwie anders aus als vorher., sagte sie dann.

.In welcher Hinsicht?.

Fukaeri verzog kurz den Mund. Das hie., sie konnte es

nicht auf den Punkt bringen.

.Du brauchst es nicht zu erkl.ren., sagte Tengo. Was

man ohne Erkl.rung nicht versteht, versteht man auch

nicht mit.

.Wenn ich anrufe, lasse ich es dreimal klingeln, lege auf

und rufe noch einmal an. Erst dann nimmst du ab.

Verstanden?.

.Verstanden., sagte Fukaeri. .Sie lassen es dreimal

klingeln und legen auf. Dann rufen Sie noch mal an, und

ich hebe ab.. Es h.rte sich an, als würde sie eine uralte

Felsinschrift übersetzen.

.Es ist wichtig, also vergiss es nicht., sagte Tengo.

Fukaeri nickte zweimal.

Nach seinen beiden Unterrichtsstunden machte Tengo

sich im Lehrerzimmer gerade bereit, nach Hause zu gehen,

als die Rezeptionistin hereinkam und ihm mitteilte, ein

Herr namens Ushikawa wünsche ihn zu sprechen. Sie

sprach in entschuldigendem Ton – eine gutherzige Botin,

die eine unwillkommene Nachricht überbringen musste.

Tengo dankte ihr mit einem strahlenden L.cheln.

Schlie.lich konnte sie wirklich nichts dafür.

Ushikawa sa. in der Cafeteria neben dem Foyer und

wartete auf Tengo. Er trank Café au lait, nicht gerade ein

Getr.nk, das man mit ihm assoziiert h.tte. Unter den

quicklebendigen jungen Studenten fiel Ushikawas bizarre

.u.ere Erscheinung noch mehr auf. In dem Teil des

Raumes, in dem er sich aufhielt, schienen Schwerkraft,

atmosph.rische Dichte und Lichtbrechung ver.ndert zu

sein. Schon von weitem wirkte er wie der Inbegriff

schlechter Nachrichten. Es war gerade Pause und die

Cafeteria gut gefüllt; dennoch sa. Ushikawa allein an

einem Tisch, der eigentlich Platz für sechs Personen bot.

Die jungen Leute schienen ihn instinktiv zu scheuen wie

Rehe den Wolf.

Tengo holte sich an der Theke einen Kaffee und setzte

sich Ushikawa gegenüber, der offenbar gerade ein Eclair

verzehrt hatte. Auf dem Tisch lag eine zusammengeknüllte

Papierserviette, und seine Mundwinkel waren voller

Krümel. Auch der Genuss eines Eclairs schien nicht zu ihm

zu passen.

Kaum hatte er Tengo erblickt, sprang Ushikawa auf.

.Lange nicht gesehen, Herr Kawana., begrü.te er ihn.

.Entschuldigen Sie, dass ich Sie wieder so pl.tzlich

überfalle, es ist ja beinahe schon Tradition..

Tengo schnitt ihm das Wort ab. .Sie sind sicher

gekommen, um nach meiner Antwort zu fragen, nicht

wahr? Sie lautet: Ich lehne Ihr Angebot ab..

.Ach, das ist ja …., sagte Ushikawa. .Nun ja, kurz und

bündig..

.Herr Ushikawa, erlauben Sie mir, heute etwas deutlicher

und offener zu sprechen. Was wollen Sie und Ihre Leute

von mir? Was erwarten Sie als Gegenleistung für Ihre

sogenannte .F.rderung.?.

Ushikawa blickte sich wachsam um. Aber es war niemand

in ihrer N.he, und der L.rmpegel in der Cafeteria war so

hoch, dass ihr Gespr.ch von niemandem belauscht werden

konnte.

.Also gut. Sie k.nnten uns einen gro.en Dienst erweisen,

und ich sage Ihnen auch, welchen.. Ushikawa beugte sich

über den Tisch und sprach mit ged.mpfter Stimme. .Das

Geld ist nicht mehr als ein Vorwand. Ist ja auch keine

gro.artige Summe. Das Wichtigste, das mein Klient Ihnen

geben kann, ist Sicherheit. Kurz, er garantiert, dass Ihnen

kein Leid widerf.hrt..

.Und was mache ich dafür?., sagte Tengo.

.Sie sollen schweigen und vergessen. Sie waren an dieser

ganzen Sache beteiligt. Aber Sie haben nur mitgemacht,

ohne die Fakten und die dahinterstehenden Absichten zu

kennen. Haben quasi nur auf Befehl gehandelt. Niemandem

liegt etwas daran, Ihnen die Schuld zuzuschieben. Wenn

Sie jetzt bereit sind, alles zu vergessen, ist die Sache

erledigt, und wir sind quitt. Die .ffentlichkeit darf nie

erfahren, dass Sie der Ghostwriter von Die Puppe aus

Luft sind. Sie haben nicht die geringste Verbindung zu dem

Buch. Und werden sie auch fortan nicht haben. Mehr wird

nicht von Ihnen erwartet. Das ist doch auch zu Ihrem

eigenen Besten..

.Mir selbst wird also nichts geschehen., sagte Tengo.

.Aber was ist mit den anderen Beteiligten? Wird ihnen Leid

widerfahren?.

.Das, .h, nun ja, wird wohl von Fall zu Fall entschieden.,

sagte Ushikawa widerstrebend. .Da ich es nicht zu

entscheiden habe, kann ich mich nicht konkret dazu

.u.ern, aber ein paar Gegenma.nahmen muss man wohl

schon ergreifen..

.Und Sie haben einen langen, starken Arm..

.So ist es. Wie ich bereits sagte: einen sehr langen,

sehr starken Arm. Also, wie lautet Ihre Antwort?.

.Ein für alle Mal: Es ist mir unm.glich, Geld von Ihnen

anzunehmen..

Wortlos setzte Ushikawa seine Brille ab, wienerte die

Gl.ser mit einem Tuch, das er aus der Tasche gezogen

hatte, und setzte sie wieder auf. Als h.tte das, was er gerade

geh.rt hatte, irgendetwas mit seiner Sehkraft zu tun.

.Das hei.t wohl, Sie lehnen unser Angebot ab?.

.Ganz recht..

Ushikawa musterte Tengo hinter seiner Brille hervor, als

beobachte er eine seltsam geformte Wolke. .Aber warum

denn das nun wieder? Meiner bescheidenen Ansicht nach

ist das doch gar kein schlechtes Gesch.ft, oder?.

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