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作者: 当前章节:15377 字 更新时间:2026-6-19 08:06

und tadellos. Ganz anders als bei den erschlafften,

verspannten Stadtmenschen, mit denen Aomame es

normalerweise im Sportstudio zu tun hatte. Zugleich hatte

sie die starke Empfindung, dass ihr natürlicher Fluss durch

irgendetwas behindert wurde. Wie bei einem von

Baumst.mmen und Schutt blockierten Strom.

Ihren Ellbogen als Hebel ansetzend, zog sie die Schulter

des Mannes so weit zurück wie m.glich. Zuerst sanft, dann

mit viel Kraft. Sie wusste, dass er Schmerzen hatte. Starke

Schmerzen. Jeder andere h.tte zumindest gest.hnt. Aber er

gab keinen Laut von sich. Nicht einmal seine Atmung geriet

aus dem Takt. Auch das Gesicht schien er nicht zu

verziehen. Er kann viel aushalten, dachte Aomame. Sie

beschloss auszuprobieren, wie viel. Ein schonungsloser

Ruck rief ein scharfes Krachen im Schultergelenk hervor,

eine Reaktion wie beim Umstellen einer Weiche. Der Mann

hielt kurz die Luft an, doch dann atmete er sofort wieder

ruhig weiter.

.Ihre Schultern sind schrecklich blockiert., erkl.rte

Aomame. .Aber eben hat sich etwas gel.st. Der Fluss ist

wieder in Gang gekommen..

Aomame fuhr mit der Hand bis zum zweiten Fingerglied

hinter die Schulterbl.tter. Ursprünglich waren die Muskeln

des Mannes weich und elastisch, und sobald sie eine

Blockade entfernt hatte, erreichten sie sofort wieder ihren

normalen gesunden Zustand.

.Ich verspüre eine gro.e Erleichterung., sagte der Mann

leise.

.Das muss aber ziemlich wehgetan haben..

.So schlimm war es nicht..

.Ich selbst kann auch eine Menge aushalten. Aber wenn

jemand das mit mir machen würde, würde ich schreien wie

am Spie...

.In vielen F.llen kann ein Schmerz einen anderen

lindern. Oder sie heben sich gegenseitig auf. Empfindungen

sind letztendlich relativ..

Aomame legte ihre Hand auf das linke Schulterblatt. Als

sie die Muskeln mit dem Finger ertastet hatte, spürte sie,

dass ihr Zustand ungef.hr der gleiche war wie auf der

rechten Seite. Mal sehen, wie weit die Relativit.t reichte.

.Ich nehme mir jetzt die linke Seite vor. Es wird

wahrscheinlich genauso wehtun wie auf der rechten..

.Ich gebe mich ganz in Ihre H.nde. Machen Sie sich bitte

gar keine Gedanken um mich..

.Ich brauche Sie nicht zu schonen, nicht wahr?.

.Nein, das ist nicht n.tig..

Aomame bearbeitete also in der gleichen Reihenfolge die

Gelenke und die Muskulatur um die linke Schulter herum.

Sie ging schonungslos und auf direktestem Weg zu Werke.

Der Mann verhielt sich noch gelassener als bei der rechten

Schulter und nahm den Schmerz v.llig selbstverst.ndlich

hin. Nur einmal entrang sich ihm ein erstickter Laut. Na

gut, dachte Aomame, mal sehen, wie viel du noch aush.ltst.

Nach und nach lockerte sie die Muskulatur an seinem

ganzen K.rper, hakte alle Punkte der Checkliste ab, die sie

im Kopf hatte. Sie brauchte sie nur mechanisch und der

Reihe nach durchzugehen. Wie ein pflichtbewusster

Nachtw.chter, der mit einer Taschenlampe furchtlos seine

n.chtliche Runde durch ein Geb.ude macht.

S.mtliche Muskeln des Mannes waren mehr oder weniger

blockiert. Sein K.rper glich einem Landstrich nach einer

Naturkatastrophe. Alle Wasserl.ufe waren verstopft, alle

Deiche gebrochen. Ein normaler Mensch h.tte in diesem

Zustand gar nicht mehr aufstehen k.nnen. Vielleicht nicht

einmal mehr atmen. Aber seine robuste Konstitution und

sein starker Wille hielten diesen Mann aufrecht. Trotz der

verabscheuungswürdigen Taten, die er begangen hatte,

konnte Aomame nicht umhin, ihm professionellen Respekt

für die stoische Haltung zu zollen, mit der er die

schlimmsten Schmerzen über sich ergehen lie..

Sie verdrehte jeden einzelnen Muskel, so weit es ging,

zog, bog und dehnte gewaltsam und bis zum .u.ersten.

Jedes Mal gaben die Gelenke ein scharfes Krachen von sich.

Sie wusste, dass das, was sie tat, an Folter grenzte. Sie hatte

die Muskeln schon vieler Athleten gedehnt, hartgesottener

Sportler, die mit k.rperlichen Schmerzen lebten. Aber

unter Aomames H.nden schrien selbst die st.rksten

M.nner unweigerlich irgendwann auf. Es war unm.glich,

ihr Stretching schweigend zu ertragen. Einige urinierten

sogar. Aber dieser Mann st.hn te nicht einmal.

Unglaublich. Dennoch musste er gro.e Schmerzen habe,

da ihm der Schwei. in Str.men den Nacken hinunterrann.

Aomame geriet selbst ins Schwitzen.

Sie brauchte etwa drei.ig Minuten, um die Muskulatur

auf der K.rperrückseite zu lockern. Als sie fertig war,

machte sie eine Pause und wischte sich mit einem

Handtuch den Schwei. von der Stirn.

Sonderbar, dachte Aomame. Ich bin hier, um diesen

Mann zu t.ten. Meinen Eispick habe ich in der Tasche. Ich

brauche nur seine Spitze an der richtigen Stelle anzusetzen

und auf den Griff zu schlagen, und alles ist vorbei. Der

Mann w.re tot, ehe er wüsste, wie ihm geschieht. Er k.me

ins Jenseits und w.re von allen Schmerzen befreit. Dennoch

versuche ich alles, was in meiner Macht steht, um seine

Schmerzen zumindest ein wenig zu lindern.

Wahrscheinlich, weil das der Auftrag ist, den man mir

gegeben hat. Ich geh.re wohl zu dem Typ Mensch, der

seine ganze Kraft aufbietet, um eine ihm gestellte Aufgabe

zu erfüllen. Erhalte ich also den Auftrag, jemandes Muskeln

wieder hinzubiegen, gebe ich mir die gr..te Mühe. Wenn

ich einen Menschen t.ten muss und der Grund mir

einleuchtet, tue ich auch das mit vollem Einsatz.

Natürlich kann ich nicht beide Aufgaben gleichzeitig

erledigen, da ihre Ziele einander entgegengesetzt sind. Jede

erfordert besondere eigene Ma.nahmen, die mit der

anderen unvereinbar sind. Also kann ich sie nur separat

erfüllen. Vorl.ufig werde ich mich bemühen, die Muskeln

dieses Mannes in einen wenigstens einigerma.en

ordentlichen Zustand zurückzuversetzen. Am besten

konzentriere ich mich erst einmal nur darauf. über den

zweiten Schritt kann ich nachdenken, wenn ich den ersten

hinter mir habe.

Hinzu kam, dass Aomame ihre Neugier nicht im Zaum

halten konnte. Das ungew.hnliche chronische Leiden

dieses Mannes, seine dadurch stark in Mitleidenschaft

gezogene, im Grunde jedoch gesunde und sogar exzellente

Muskulatur, seine au.ergew.hnliche Willenskraft und

vitale Konstitution, die es ihm erm.glichten, die

grimmigen Schmerzen zu ertragen, die er den .Preis der

Gnade. nannte – all das reizte ihre Neugier. Sie hatte ein

berufliches und auch pers.nliches Interesse an ihm, wollte

wissen, ob sie etwas für ihn tun konnte und wie sein K.rper

reagieren würde. Au.erdem müsste sie, wenn sie den Mann

jetzt t.tete, auf der Stelle verschwinden. In diesem Fall

würden die beiden Leibw.chter im Nebenzimmer sich

vielleicht fragen, warum sie so schnell mit ihrer Arbeit

fertig w.re, und Verdacht sch.pfen. Vor allem, da sie gesagt

hatte, sie würde mindestens eine Stunde brauchen.

.Die H.lfte haben wir hinter uns. Jetzt kommt die andere

H.lfte. Würden Sie sich bitte auf den Rücken legen?., sagte

Aomame.

Wie ein gro.es gestrandetes Meerestier w.lzte der Mann

sich auf die andere Seite. .Die Schmerzen gehen wirklich

zurück., sagte er nach einem tiefen Seufzer. .Keine meiner

bisherigen Behandlungen war so wirksam..

.Ihre Muskulatur ist beeintr.chtigt., sagte Aomame. .Ich

wei. nicht, was die Ursache ist, aber wie es aussieht, ist sie

ernsthaft gesch.digt. Ich werde versuchen, die

beeintr.chtigten Partien so gut wie m.glich wieder in ihren

ursprünglichen Zustand zurückzuversetzen. Das ist nicht

leicht und bringt auch Schmerzen mit sich. Aber bis zu

einem gewissen Grad l.sst sich das machen. Die

Beschaffenheit Ihrer Muskeln ist ausgezeichnet, und Sie

k.nnen einiges an Schmerzen ertragen. Doch das ist

wirklich nur eine provisorische L.sung. Zu einer

endgültigen Besserung wird es nicht kommen. Solange die

Ursache nicht gekl.rt ist, wird wohl immer wieder das

Gleiche geschehen..

.Ich wei.. Es gibt keine L.sung. Es wird immer wieder

passieren, und mit jedem Mal wird mein Zustand sich

verschlechtern. Aber auch wenn es nur vorübergehend ist,

w.re ich dankbar, wenn diese akuten Schmerzen sich

zumindest ein wenig lindern lie.en. Sie k.nnen sich nicht

vorstellen, wie dankbar. Ich habe schon daran gedacht,

Morphium zu verwenden. Aber eigentlich m.chte ich das

vermeiden. Eine langfristige Einnahme zerst.rt wichtige

Gehirnfunktionen..

.Ich mache jetzt mit dem Rest weiter., sagte Aomame.

.Auch diesmal muss ich Sie nicht schonen, nicht wahr?.

.Selbstverst.ndlich nicht..

Aomame verbannte jeden anderen Gedanken aus ihrem

Kopf und rang konzentriert mit den Muskeln des Mannes.

Durch ihren Beruf hatte sie sich den Aufbau aller Muskeln

des menschlichen K.rpers eingepr.gt. Sie wusste, welche

Funktion jeder einzelne erfüllte, mit welchen Knochen er

verbunden war, welche besonderen Eigenschaften er hatte,

mit welchen Empfindungen er ausgestattet war. Der Reihe

nach untersuchte sie alle Muskeln und Gelenke, lockerte

und knetete sie energisch. So wie die fanatischen Schergen

der Inquisition, die sich s.mtliche Schmerzpunkte in jedem

Winkel des menschlichen K.rpers vorzunehmen pflegten.

Nach drei.ig Minuten waren beide schwei.gebadet und

atmeten heftig. Wie Liebende nach einem Geschlechtsakt

von an ein Wunder grenzender Intensit.t. Der Mann sagte

eine Weile nichts, und auch Aomame schwieg.

.Ich will nicht übertreiben., ergriff der Mann schlie.lich

das Wort. .Aber Teile meines K.rpers fühlen sich an wie

ausgewechselt..

.Es kann sein, dass Sie heute Nacht eine Art

schmerzhaften Rückfall erleiden, bei dem die Muskeln sich

verkrampfen. Aber das ist kein Grund zur Sorge. Morgen

früh ist alles wieder normal..

Wenn es ein Morgen gibt, dachte Aomame.

Der Mann kreuzte die Beine auf der Yogamatte und

atmete mehrmals tief ein und aus, wie um den Zustand

seines K.rpers zu überprüfen. .Offenbar verfügen Sie

tats.chlich über eine besondere Begabung., sagte er.

.Was ich gemacht habe., sagte Aomame, w.hrend sie

sich mit dem Handtuch den Schwei. vom Gesicht wischte,

.ist eigentlich nur Praxis. An der Universit.t hat man mir

beigebracht, wie Muskulatur aufgebaut ist und wie sie

funktioniert. Diese Kenntnisse habe ich dann durch Praxis

erweitert. Ich habe meine Technik ausgefeilt und ein

eigenes System entwickelt. Ich halte mich ausschlie.lich an

das, was ich ertaste und was für mich einen Sinn ergibt. Auf

meinem Gebiet ist die Wahrheit in der Regel erkennbar

und nachweisbar. Und natürlich mit Schmerzen

verbunden..

Der Mann .ffnete die Augen und musterte Aomame

interessiert. .So denken Sie also..

.Was meinen Sie?., fragte Aomame.

.Dass Wahrheit im Grunde erkennbar und überprüfbar

ist..

Aomame schürzte leicht die Lippen. .Ich sage nicht, dass

das immer so ist. In dem Bereich, in dem ich beruflich t.tig

bin, ist es so. Wenn es überall so w.re, dann w.re wohl

vieles auf der Welt leichter verst.ndlich..

.Ganz und gar nicht., sagte der Mann.

.Wieso nicht?.

.Die meisten Menschen auf der Welt sind nicht auf der

Suche nach beweisbarer Wahrheit. Die Wahrheit ist in den

meisten F.llen, Sie sagten es bereits, mit Schmerz

verbunden. Und kaum jemand sehnt sich nach

schmerzlichen Wahrheiten. Was der Mensch braucht, ist

etwas Sch.nes, Angenehmes, das ihm zumindest den

Glauben vermittelt, sein Dasein habe einen tieferen Sinn.

Aus diesem Grund sind die Religionen entstanden.. Der

Mann dehnte mehrmals seinen Hals, ehe er weitersprach.

.Fall A: Wenn sich das Dasein eines Menschen als

sinnvoll und gelungen erweist, wird es von ihm als wahr

empfunden. Fall B: Wer sich jedoch als unzul.nglich und

schwach empfindet, dem wird sein Leben als unwahr

gelten. Das ist doch ganz klar. Behauptet jemand Kandidat

B gegenüber, seine Unzul.nglichkeiten entspr.chen der

Wahrheit, wird B diesen Menschen ablehnen, hassen und

in manchen F.llen sogar t.tlich angreifen. Ob eine Sache

logisch oder beweisbar ist, hat keinerlei Bedeutung für die

Betroffenen. Die meisten Menschen lehnen die Vorstellung

ab, unzul.nglich und schwach zu sein, und bewahren sich

durch diese Weigerung ihre geistige Gesundheit..

.Aber menschliche K.rper, alle K.rper, sind mit gewissen

geringfügigen Abweichungen unzul.nglich und schwach.

Ist das nicht offensichtlich?., erwiderte Aomame.

.Genau., sagte der Mann. .Jeder Leib ist, mit graduellen

Unterschieden, unzul.nglich und schwach, dem Verfall

und der Aufl.sung anheimgegeben. Das ist eine nicht zu

leugnende Wahrheit. Aber was ist mit dem Geist des

Menschen?.

.über den Geist versuche ich m.glichst nicht

nachzudenken..

.Warum nicht?.

.Es besteht keine Notwendigkeit dazu..

.Und warum nicht? Ist es nicht eine wesentliche Aufgabe

im Leben eines Menschen, über seinen Geist

nachzudenken? Abgesehen davon, ob es einen praktischen

Nutzen hat oder nicht?.

.Mir bleibt die Liebe., sagte Aomame kurz.

Du meine Güte, dachte sie, was mache ich denn da?

Erz.hle einem Mann, den ich gleich umbringen will, etwas

von Liebe.

Wie der Wind eine glatte Wasserfl.che kr.uselt, breitete

sich auf dem Gesicht des Mannes ein leichtes L.cheln aus,

in dem sich ein natürliches und – wie sie zugeben musste –

sympathisches Gefühl ausdrückte.

.Und es genügt, wenn man liebt?., fragte er.

.So ist es..

.Der Gegenstand der Liebe, von der Sie sprechen, ist eine

bestimmte Person, nicht wahr?.

.Ja., sagte Aomame. .Ein bestimmter Mann..

.Die bedingungslose Liebe zu einem unzul.nglichen und

schwachen K.rper …., sagte der Mann ruhig. Er machte

eine Pause. .Offenbar brauchen Sie keine Religion..

.Wahrscheinlich nicht..

.Weil Ihr eigenes Dasein sozusagen schon eine Religion

ist..

.Sie haben vorhin gesagt, Religion diene eher dem

sch.nen Schein als der Wahrheit. Wie ist es mit der

religi.sen Gemeinschaft, der Sie selbst vorstehen?.

.Um ehrlich zu sein, ich halte das, was ich tue, nicht für

Religionsausübung., sagte der Mann. .Ich h.re Stimmen

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